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Fantasy Filmfest Tagebuch 2015 – Tag 1

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Fantasy Filmfest 2015 Tagebuch Tag 1

"Jetzt geht’s los, jetzt geht’s los…"

Kein großes Fußballereignis war der Auslöser dafür, dass mir diese Zeile gestern Abend im Kopf summte, sondern die Rückkehr meiner alljährlichen Tradition – das Fantasy Filmfest ist wieder einmal in Köln angekommen. Wer meine Berichte vom Fantasy Filmfest in den letzten Jahren mitverfolgt hat, weiß mittlerweile, dass die Liebesaffäre zwischen mir und dem FFF mittlerweile über ein Jahrzehnt zurückreicht – seit ich als frischgebackener 18-Jähriger 2004 erstmals dabei sein durfte (mit Saw als meinem Einstiegsfilm – noch lange bevor irgendjemandem überhaupt klar war, zu was für einem Genrephänomen Saw sich entwickeln würde) habe ich keine einzige Ausgabe des Fantasy Filmfests verpasst. Es ist die Zeit, in der ich mich vom sozialen Leben gänzlich verabschiede, das Licht des Filmprojektors dem Sonnenschein vorziehe, praktisch im Kino lebe (Kaffee und Energy Drinks sei dank!) und in die skurrile, abgefahrene, mal gruselige, mal urkomische und mal einfach faszinierende Welt der Filme eintauche, die die Veranstalter des Fantasy Filmfests für die Zuschauer sorgfältig ausgesucht haben. Fast 300 Filme habe ich seit 2004 beim Fantasy Filmfest gesehen – von den bescheidenen Anfängen mit drei Filmen im ersten Jahr bis zum neuen Rekord von 40 Filmen im letzten. Nicht alle Filme davon waren Highlights, Meisterwerke oder gar gut. Manche waren sogar ausgesprochen schlecht und doch gehören auch diese "Gurken" ebenso zu dem Festival, wie auch die Filme, die die Zeit überdauern werden. Denn so ungerne man manchmal auf so einen missglückten Film reinfällt, man würde es als Dauergast sicherlich auch irgendwie vermissen, wenn es nicht jedes Jahr einige Filme gäbe, über die man schön herziehen kann. Letztlich ist es aber natürlich – wie immer – Geschmacksfrage.

Damit sich nicht zu sehr die Routine einschleicht, muss man gelegentlich die Dinge aufrütteln, auch wenn es nicht jedem einzelnen anfangs schmeckt, und so hielt auch das Fantasy Filmfest in Köln einige Neuerungen für die Besucher bereit. Die größte davon war wiederum eine Rückkehr zum Alten: nach zehn Jahren im Cinedom kehrte das Fantasy Filmfest ins Residenz-Kino am Ring zurück, wo ich mein allererstes Fantasy Filmfest ebenfalls erleben durfte. Seitdem hat sich dort natürlich so einiges geändert und aus dem leicht schmuddeligen Arthouse-Kino ohne Klimaanlage ist mittlerweile die ASTOR Film Lounge geworden, das luxuriöseste Kino in Köln und Umgebung – üppige Ledersessel mit verstellbarer Rückenlehne, Fußhocker für die Sessel in der Loge, State-of-the-Art Bild und Ton und ein Ambiente, das an die großen Filmpaläste aus vergangenen Tagen erinnert. Der Umzug brachte aber auch einige Besonderheiten und gelegentliche Nachteile mit sich – so gibt es in Köln nun erstmals Platzkarten, die Dauerkarten-Inhaber haben für sie fest reservierte Reihen, die Einzeltickets kosten entsprechend dem Luxus noch mehr als zuvor (aber dennoch weniger als reguläre Tickets für dieses Kino) und insgesamt ist der Saal auch um einiges kleiner als im Cinedom, sodass die Wahrscheinlichkeit einer ausverkauften Vorstellung deutlich höher ist – so war der Eröffnungsfilm Kill Your Friends gestern der erste ausverkaufte Opening-Night-Film des Festivals seit langer Zeit.

Doch eine Sache hat sich auch jetzt nicht verändert – de Festivalatmosphäre, die ich verspüre, wenn ich in einem Saal voll mit Gleichgesinnten sitze, die alle gespannt darauf warten, wie der diesjährige Opener – zu dem es bislang noch nicht einmal einen Trailer gibt, weil er auf dem Fantasy Filmfest seine Weltpremiere feiert – im Vergleich zu den vorherigen abschneiden wird. The Congress und The Rover hinterließen als Eröffnungsfilme viele gemischte Meinungen in den letzten Jahren und man muss tatsächlich bis Don’t Be Afraid of the Dark im Jahre 2011 zurückgehen, um den letzten FFF-Opener mit horrorlastiger bzw. übernatürlicher Thematik zu finden – etwas, was in den Jahren davor viel üblicher war. Auch der diesjährige Kill Your Friends ist nicht zwingend ein Film, den man als "klassischen" Fantasy-Filmfest-Eröffnungsfilm bezeichnen würde, doch was am Ende zählt, ist schlicht, ob es ein guter Film ist. Viele der besten Filme von den letztjährigen Festivals waren keineswegs typische FFF-Filme (siehe Hesher, Killer Joe oder Four Lions). Von der Festivalleitung wurde Kill Your Friends im Vorfeld in den höchsten Tönen gelobt, sodass die Erwartungen schon recht weit oben angesiedelt waren.

Wie ich ihn und den daraufhin gezeigten, deutlich "typischeren" FFF-Vertreter The Hallow fand, verrate ich unten im Auftakt meines Fantasy Filmfest Tagebuchs. In den nächsten Tagen lade ich Euch alle dazu ein, mir auf diese Reise durch das vielfältige Angebot des Fantasy Filmfests 2015 zu folgen. Ich werde vom Guten und vom Schlechten, vom Gruseligen und vom Lustigen, vom Ekligen und vom Bezaubernden berichten und hoffentlich wird sich jeder den einen oder anderen Filmtipp am Ende meiner FFF2015-Odyssee merken und ich werde mit Sicherheit neue Filme auf meiner Liste haben, durch die ich meine Heimkino-Sammlung künftig bereichern werde.

Jetzt’s geht’s los!

 

 

TAG 1

Kill Your Friends
Fantasy Filmfest 2015 Tagebuch Kill Your Friends

In Kill Your Friends wandelt Nicholas Hoult, einst der schräge Junge an Hugh Grants Seite in About a Boy und kürzlich als X-Man Beast im Kino zu sehen, auf den Spuren von Jean Dujardin, James McAvoy und Christian Bale und stürzt sich in eine koks- und alkoholdurchtränkte Tour-de-Force-Performance, die dem Schauspieler, wie auch seinen genannten Vorgängern, die bislang größte Anerkennung seiner Karriere bringen sollte. Die drei angeführten Namen sind nicht zufällig, denn in den Filmen 39,90, Drecksau und American Psycho spielten sie nicht unähnlich angelegte, psychisch labile und ständig berauschte Figuren. Gerade Jan Kouens Adaption von Frédéric Beigbeders Roman "39,90" und Mary Harrons Brett Easton Ellis-Verfilmung American Psycho schwirren einem die ganze Zeit als Déjà-Vus im Kopf herum, wenn man sich Kill Your Friends, das Spielfilmdebüt des TV-Regisseurs Owen Harris anschaut. Warf der erste Film einen Blick auf die unmoralischen Drogen- und Sexexzesse der Werbeleute und tauchte der andere ins Haifischbecken der oberflächlichen Wall-Street-Yuppies der Achtziger ein, führt Kill Your Friends, den Bestsellerautor John Niven nach seinem eigenen Roman adaptierte, den Zuschauer hinter die Kulissen der nicht minder oberflächlichen, geldgeilen, zugedröhnten und skrupellosen Musikindustrie der späten Neunziger in Großbritannien – wobei es mich wundern würde, wenn sich bis heute sonderlich viel verändert hat (möglicherweise mit der Ausnahme der Trenddrogen). Unser Protagonist ist Steven Stelfox (Nicholas Hoult), ein Star in der A&R-Abteilung eines Plattenlabels. A&R steht für Artists and Repertoire und das sind die Leute, die dafür verantwortlich sind, neue Talente und Songhits für das Label zu entdecken und an Bord zu holen. Wie Steven es in seinem zynischen Voiceover klarstellt, zählen hier aber weder Talent noch Kunst, sondern nur, was sich an den dummen Massenkonsumenten am leichtesten verkaufen lässt. Steven hat Ambitionen. Eigentlich vor allem eine – er will der Leiter der A&R-Abteilung werden und dafür ist er bereit, über Leichen zu gehen.

Kill Your Friends schlägt in den ersten Minuten ein wie eine Bombe und macht sehr schnell klar, dass das die Nicholas-Hoult-Show ist. Hoult, der bislang vor allem nette Kerle spielen durfte und sich dieses Jahr bereits in Mad Max: Fury Road von einer überraschend anderen Seite zeigte, schlägt sich in der Rolle blendend. Steven ist ein Arschloch und ein Soziopath, doch wenn er aus dem Off über die Musikindustrie, seinen Job oder den Massengeschmack herzieht, kann man ihm schwer widersprechen. Koksend, saufend, fluchend, intrigierend, manipulierend und auf seinen Kollegen buchstäblich urinierend fegt Hoult wie ein Tornado durch die frühen Szenen des Films und nimmt keine Gefangenen. Ein ganz besonderes Highlight stellt auch der Kurzauftritt von Moritz Bleibtreu als ausgelassener deutscher Musikproduzent Rudi dar, der ein eigenes Spin-Off verdient hat.

Das alles ist sehr unterhaltsam anzusehen und die Britpop-Sounds betten den Film wundervoll in seine Ära ein, doch nach diesem grandiosen Einsteig und der furiosen Vorstellung von Stevens Welt baut der Film merklich ab und verlangsamt beträchtlich das Tempo. Neue Einfälle oder wirkliche Überraschungen liefert er nicht, sondern wandelt auf üblichen Pfaden. Letztlich ist Stevens Welt nicht anders als Octave Parangos in 39,90 oder Partrick Batemans in American Psycho. Es geht nur um Drogen, Spaß, Sex, Eskapaden, Erfolg, Angeberei und alle zwischenmenschlichen Kontakte bleiben im höchsten Maße unpersönlich (der Titel Kill Your Friends ist auch ironisch zu nehmen, denn Freunde hat Steven keine und er will auch keine). So gut Hoult in der Rolle auch ist, an Dujardins und Bales umwerfende Darbietungen kommt er nicht ganz heran, und während die anderen beiden Filme ihren Biss bis zum Ende beibehalten, schleicht sich bei Kill Your Friends etwas Langatmigkeit ein. Nicht dass es dann in irgendeiner Weise schlecht wird, doch man kann gut absehen, wohin Stevens Weg ihn führt und was auf diesem Weg vermutlich geschehen wird. Die Pointen bleiben bis zum Schluss treffsicher, doch die Macher haben sich auch eine leichte Zielscheibe ausgesucht. Dass die Musikbranche mit Halsabschneidern bevölkert ist, dürfte eigentlich keine wirklich neue Erkenntnis sein und Figuren wie Steven und seine Geschichte kann man eigentlich überall ansiedeln, wo es um sehr viel Geld geht. Letztlich war Kill Your Friends ein ordentlicher Einstieg ins FFF, nicht unähnlich The Rover aus dem Vorjahr, doch am Ende des Festivals wird es kaum der erinnerungswürdigste Film des Festivals sein. 3,5/5

 

The Hallow

Fantasy Filmfest 2015 Tagebuch The HallowDie irische Folklore, die von Elfen, Feen, Leprechauns und Naturgeistern handelt, zusammenfassend als "das gute Volk" bezeichnet, übt schon lange ihre Faszination auf Filmemacher und Buchautoren aus. Es ist eine ganz besondere, wohlig-schaurige, mythische Welt und sie brachte mit dem Leprechaun in den Neunzigern eins der besten B-Movie-Horrormonster hervor. The Hallow schlägt in die gleiche Kerbe (wobei deutlich weniger trashig) und macht das größtenteils auch ziemlich gut. Dabei wählt der Film aber einen ungewöhnlichen und dafür sehr interessanten Ansatz aus, bei dem Gruselmärchen, Mythen und Legenden auf gelungene Art und Weise mit der Wissenschaft vermischt werden – und eine kleine Prise an Gesellschaftskritik, die angesichts von Griechenlands Staatspleite aktueller nicht sein könnte, darf auch nicht fehlen.

Joseph Mawle spielt in Corin Hardys atmosphärischem Regiedebüt Adam, einen "Baumdoktor", der als Umweltexperte im Rahmen eines Forschungsauftrags mit seiner jungen Ehefrau Clare (Bojana Novakovic) und ihrem Baby aufs irische Land zieht, wo die Einheimischen ihnen alles andere als freundlich gesinnt sind und sie vor mythischen Kreaturen im Wald warnen, in dessen Lebensraum Adam angeblich eindringt. Spätestens seit American Werewolf in London sollte man eigentlich wissen, dass man auf die Warnungen von finster dreinblickenden Einheimischen besser hören sollte. Auch Adams Entdeckung von einem aggressiven, ekligen Pilz macht die Gegend nicht gerade angenehm, doch er ist da, um einen Job zu tun. Nicht lange dauert es, bis die Ereignisse eskalieren – doch sind es die Einheimischen, die die "Eindringlinge" vertreiben wollen, oder etwas Übernatürliches aus dem Wald?

Jeder Genrekenner kennt natürlich die Antwort auf diese Frage und bei The Hallow haben wir es mit einem Vollblut-Horrorfilm mit sehr gelungenen Creature-Feature-Effekten zu tun, bei denen zum Glück auf den Einsatz unnötiger Computereffekte verzichtet wurde. Die Inszenierung ist sehr schnörkellos, dicht und auch wenn der Film nicht so gruselig ist, wie er gerne wäre, mangelt es ihm nie an Atmosphäre. Die Herangehensweise an irische Volkssagen ist hier sehr originell – sie erweist der Folklore Respekt und nimmt dennoch einen modernen, wissenschaftlichen Ansatz, ohne dass beide Elemente sich widersprechen. Leider lässt sich der Film trotz seiner durchaus originellen Ideen viel zu häufig zu Genrekonventionen verleiten, wenn er den Zuschauer erschrecken möchte. Die Jump Scares wirken dadurch meist erzwungen, vorausschaubar und in einem besonderen Fall am Ende schlicht überflüssig und wie aus einem anderen, "billigeren" Film. Zum Glück sind diese plötzlichen Schreckmomente hier nicht inflationär eingesetzt und wenn der Film bei seinen sympathischen Charakteren bleibt und ein wenig der irischen Mythologie auf den Grund geht, entfaltet sich seine eigentliche Stärke. Für Regisseur Corin Hardy, der einst der Regiekandidat für das Remake von The Crow war, ist es kein perfektes Debüt, aber dennoch ein sehr beachtlicher Genre-Einstand, nach dem man ihn auf jeden Fall im Auge behalten sollte.

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In der morgigen Ausgabe unseres Fantasy Filmfest Tagebuchs 2015 erwarten Euch meine Meinungen zu Bite, der Ekel-Hommage an Cronenbergs Body-Horror Die Fliege, dem Tierhorror The Pack und dem Zombiedrama Maggie, in dem Arnold Schwarzenegger die dramatischste Schauspielleistung seiner Karriere abliefern soll. Könnte sich darunter bereits eins der ersten Highlights des Festivals verbergen?

Careercrawler – Jake Gyllenhaal & Other Drugs

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Jake Gyllenhaal Profil

Jacob „Jake“ Benjamin Gyllenhaal wird von vielen schon seit mehreren Jahren als Hollywoods Zukunft gehandelt. Das wahrlich nicht umsonst, richtig voll und ganz durchstarten konnte der aktuell 34-Jährige jedoch noch nicht. Geschätzt und gemocht ist er unter Filmfreunden, doch bis auf wenige Ausnahmen fühlt es sich trotzdem immer noch nicht so an, als wäre Jake Gyllenhaal von der amerikanischen Filmwelt bereits komplett akzeptiert worden. Sein Talent steht dabei jedoch außer Frage und auch in diversen Interviews macht sich der Sympathiebolzen durchgehend beliebt. Warum ich trotzdem denke, dass Jake Gyllenhaal, auch wenn er nie über seinen bisherigen Status hinauskommen sollte, einer der besten Schauspieler ist, die die aktuelle Filmlandschaft zu bieten hat, erfahrt Ihr, wenn Ihr mich auf eine kleine Reise durch seine Karriere und sein Leben begleitet.

Jake Gyllenhaal City SlickersManche Leute kämpfen sich in das Schauspiel-Milleu hinein, andere haben Glück, die richtigen Menschen und Entscheidungen getroffen zu haben, andere sind einfach irgendwie reingerutscht. Und manche werden einfach dazu geboren. So war Jake Gyllenhaals Weg nach Hollywood rückblickend mehr als nur offensichtlich. Geboren in der Stadt der Engel und des Films, Los Angeles, mit einem Regisseur als Vater, einer Produzentin und Autorin als Mutter und Jamie Lee Curtis als Patentante, konnte sein Leben eigentlich nur in Richtung Film verlaufen. Die einzige Frage war da noch welcher Bereich. Gerade einmal elf Jahre später stand das dann aber auch schon so gut wie fest und der kleine Jake ergatterte eine Mini-Rolle in Ron Underwoods City Slickers, mit dem Der-PateII-Darsteller Bruno Kirby. In der Midlife-Crisis-Komödie (?) mit akuten Stimmungsschwankungen spielte er Billy Crystals Sohn, jedoch reichte das nur für knappe 30 Sekunden Screentime. Doch auch 1991 war Gyllenhaal schon das Beste an den Filmen, in denen er mitwirkte. Mir kitzelte der kleine Junge mit den Zahnlücken einen der wenigen Lacher im Film hervor.

Jake Gyllenhaal Donnie DarkoAcht Jahre war dann bis auf drei ebenso kleine Rollen, zu denen auch eine Zusammenarbeit mit seiner ebenfalls in die Schauspielerei gerutschten Schwester Maggie Gyllenhaal gehörte, erst einmal Ruhe, bis Gyllenhaal mit 19 Jahren die Hauptrolle in der Autobiografie des Raketenkonstrukteurs Homer Hickam, October Sky, ergatterte. Dies reichte jedoch noch nicht für einen Durchbruch. Der kam erst, nachdem er 2001 mit 21 Jahren wegen seinem jugendlichen Aussehen gleich für drei Teenie-Rollen engagiert wurde. Neben der Quatsch-Komödie Bubble Boy und einer kleinen Rolle in Lovely & Amazing war das nämlich die Rolle des Donnie Darko im gleichnamigen Film. Doch auch dieser Erfolg setzte nicht gleich ein, denn obwohl die Kritikerschaft Richard Kellys Regiedebüt durchaus positiv aufnahm, blieb der Erfolg an den Kinokassen aus, sodass der Film hierzulande nicht einmal in die Kinos kam. Richtig erfolgreich wurde der nun schon moderne Klassiker erst zu seinem DVD-Start und Jake Gyllenhaal das erste Mal richtig wahrgenommen. Gewisse Szenen, wie zum Beispiel das Ende oder Sätze wie „I think you’re the fucking Antichrist“ haben sich für immer in die Fanherzen eingebrannt, jedoch sehe ich persönlich hier noch kleine Schwächen in Gyllenhaals Spiel, vor allem wenn er gerade wieder Visionen vom Hasen Frank hat. Großartig war seine Leistung trotzdem allemal und Donnie Darko bleibt für immer ein absolutes Meisterwerk.

Jake Gyllenhaal SpideyDas war der Durchbruch, und die angedeutete Aufwärtsfahrt hätte in einem 90-Grad-Winkel abheben können. Denn während Donnie Darko gerade über die Leinwände flimmerte, war der aufstrebende Darsteller ein Bewerber für die Rolle des Peter Parker in Sam Raimis Spider-Man. Das wäre ja was geworden! Na ja, so durften wir uns dafür mit Tobey Maguire begnügen, was ja auch nichts Schlechtes war (bis auf Bad-Boy-Tobey im dritten Teil natürlich). Aber ich hätte nichts dagegen, Jake Gyllenhaal durch New York schwingen zu sehen – und mal ehrlich, ein „I cried like a baby when you played Cinderella“ hätte bei ihm auch irgendwie mehr Charme gehabt. Fast wäre es ja sogar doch noch was geworden. Als Maguire vor Spider-Man 2 nämlich wegen starken Rückenproblemen verhindert war, wurden schon die Maße für das Spidey-Kostüm an Jake abgemessen. Wie wir alle wissen, war es dann aber doch wieder Tobey Maguire, der „I’m back, I’m back! Ah, my back!“ rufen durfte. Und sind wir ehrlich, er hat das auch gut gemacht. Gyllenhaal durfte sich dafür in Moonlight Mile an der Seite von Dustin Hofmann und in The Good Girl an der von Jennifer Aniston und John C. Reilly beweisen. Dies ebnete ihm den Weg ins Blockbusterkino. Dort durfte er eine solide Leistung in Roland Emmerichs The Day After Tomorrow abliefern. Dieser gehört aber zu einem der Filme, die ich mir trotz ihm nicht noch einmal ansehen möchte. Vielleicht sein schlechtester Film aus meiner Sicht, aber ich kann auch einfach nichts mit Katastrophenfilmen anfangen. Da habe ich mehr Spaß mit Blödsinn wie Bubble Boy.

Jake Gyllenhaal Brokeback MountainMit nun wachsender Bekanntheit trat Gyllenhaal danach in Der Beweis zusammen mit Hollywood-Veteran Anthony Hopkins auf, mimte in einer sehr guten Performance den Soldaten Swofford in Sam Mendes' Kriegsdrama Jarhead an der Seite von Jamie Foxx und zog durch seine Leistung im für acht Oscars nominierten Drama Brokeback Mountain letztendlich internationale Aufmerksamkeit auf sich. Schon für Donnie Darko war er von kleineren Awards als bester Darsteller nominiert und ausgezeichnet worden, seine Oscarnominierung als "Bester Nebendarsteller" rückte ihn jedoch erst jetzt auf die internationale Bühne. Gewinnen konnte er trotzdem nicht und musste sich leider gegen George Clooney (Syriana) geschlagen geben. Dafür brachte ihm seine durchaus sehr gute Performance zahlreiche andere Preise, wie zum Beispiel den British Academy Film Award ein. Bei den Dreharbeiten zu Brokeback Mountain schlossen Jake Gyllenhaal und Heath Ledger außerdem eine sehr enge Freundschaft und Gyllenhaal wurde auch zum Patenonkel von Ledgers Tochter mit Michelle Williams. Etwas später wären sie vielleicht sogar noch einmal aufeinander gestoßen. Jake Gyllenhaal verlor 2006 nämlich nicht nur seine Rolle als Clark Kent in Bryan Singers Superman Returns, sondern auch das Rennen gegen Christian Bale um die Rolle des dunklen Ritters für Christopher Nolans Batman Begins. So hätten sich die Freunde 2008 eventuell als Batman und Joker in The Dark Knight gegenübergestanden. Ein bisschen problematisch wäre das aber schon geworden, spielte doch seine große Schwester Maggie das Love Interest von Bruce Wayne im zweiten Batman. Da blieb dann vielleicht doch eher Geschwisterstreit erspart, aber obwohl Christian Bale weiterhin eine perfekte Besetzung war, hätte mich Gyllenhaal als Batman doch sehr gereizt.

Jake Gyllenhaal Brothers2007 holte David Fincher Gyllenhaal für seine Verfilmung der Zodiac-Morde an Bord, in dem er das erste Mal seine Wandlungsfähigkeiten andeutete, wenn er vom liebenswerten Karikaturisten Graysmith zum besessenen Hobbydetektiv wird. Vor allem eine Szene, in der er trotz minimalistischer Gestik die pure Angst verkörpert, hat sich bei mir eingeprägt. Im gleichen Jahr konnte man ihn dann noch im mittelmäßigen Machtlos sehen, nach dem er zwei Jahre lang mit Reese Witherspoon zusammenlebte, die er bei dem Dreh kennengelernt hatte. Während ihres Zusammenlebens hatte Jake keine Rollen und trat erst 2009 wieder vor die Kamera. In Brothers stieß er auf den Spidey-Rollendieb Tobey Maguire, der ihn trotz Gyllenhaals starker Leistung an die Wand spielte. Während der Dreharbeiten erfuhr Gyllenhaal außerdem von Heath Ledgers tragischem Tod und unterbrach sie deshalb erst einmal. Auch heute sagt Jake Gyllenhaal immer noch, wie sehr er seinen Freund vermisst, der im gleichen Jahr noch für seine Performance als Joker ausgezeichnet wurde. In den folgenden drei Jahren setzte sich der talentierte Charakterdarsteller dann ins Mainstreamkino ab. Mit Prince of Persia verwirklichte er einen Kindheitstraum und verlieh dem Videospielcharakter durch sein Spiel sogar einen gewissen Charme; in Love & Other Drugs durfte er mit Anne Hathaway rumknutschen und seine natürliche Sympathie und Witz in sein Spiel übertragen. Daraufhin folgten zwei Thriller: Der gute Source Code und der durchwachsene End of Watch. In beiden lieferte er überaus solide ab, seine Performance wurde vor allem bei End of Watch jedoch durch die schwächelnde Inszenierung gehemmt.

Jake Gyllenhaal EnemyAls Denis Villeneuve ihn 2013 für gleich zwei Filme besetzte, wandte sich Gyllenhaal wieder dem Qualitätskino zu und Villeneuve gab ihm die Chance, sich in seinem Spiel mehr auszuleben. So lieferte er eine starke Leistung im von der Kritik ohnehin gut aufgenommenen Prisoners, den ich aber leider für etwas überbewertet halte und in dem Hugh Jackman durch seine Rollenvorgaben spielerisch auch etwas mehr im Vordergrund steht. Vorher gedreht aber später veröffentlicht und leider deutlich untergegangen, startete dann letztes Jahr Enemy in den Kinos. Ein lyncheskes Drama und Meisterwerk in Sachen Kameraarbeit, das mich von der ersten bis zur letzten Minute in seinen skurrilen Bann gezogen hat – und daran hat nicht zuletzt Jake Gyllenhaal Schuld. Der besetzt hier gleich beide Hauptrollen und zeigt  innerhalb eines Films, wie unfassbar wandlungsfähig er ist und was für eine Vielfältigkeit in ihm steckt. In gefühlter Sekundenschnelle wechselt er vom total unsicheren, stotternden und ruhigen Adam Bell zum selbstbewussten Draufgänger Anthony St. Claire. Seine Leistung in Enemy ist so stark und präsent, dass man die beiden Figuren allein an Gyllenhaals Auftreten sofort unterscheiden kann. Enemy ist trotzdem immer noch nicht sein bester Film und hat auch nicht seine beste Performance zu bieten.

Jake Gyllenhaal NightcrawlerAls Jake Gyllenhaal nämlich letztes Jahr 9 Kilo für seine Rolle in Dan Gilroys Regiedebüt Nightcrawler abnahm, sich die Haare wachsen ließ, seine ganze Art veränderte und sich somit förmlich in den Nightcrawler Lou Bloom verwandelte, konnte er sich voll und ganz ausleben. 119 Minuten lang legt Jake Gyllenhaal eine unfassbare Meister-Performance hin. Man hat Angst vor Lou Bloom, fühlt sich unwohl wenn er im Bild ist und ist zugleich fasziniert von seiner unglaublichen Raffinesse und Unberechenbarkeit. Dan Gilroys Dialoge sind genial geschrieben, Nightcrawler ist eine hochintelligente, stilsichere Mediensatire und mittendrin… Jake Gyllenhaal in einer Performance, die ihresgleichen sucht. Dass Jake Gyllenhaal letztes Jahr bei den Oscars nicht berücksichtigt wurde und "Bester Hauptdarsteller" dafür an Eddie Redmayne für eine unaufwendige Mimikry-Performance ging, lässt mich nur den Kopf schütteln. In seinem besten Film schlüpfte Jake Gyllenhaal nicht in die Rolle des Lou Bloom – er wurde zu ihm. Diesen Effekt spürt man vor allem, wenn man sich Interviews zu Zeiten von Nightcrawler anschaut und mit mulmigem Gefühl bemerkt, dass man Lou nicht aus dem Kopf bekommt. Pressestimmen lassen zwar schon erahnen, dass Southpaw kein besonders großartiger Film wird (siehe unsere Kritik), doch Jake Gyllenhaal-Lob bekommt man schon wieder zu hören. Wie ein Kollege zu mir sagte: „Er spricht nicht wie Jake Gyllenhaal und er sieht nicht aus wie Jake Gyllenhaal“. Das lässt darauf hoffen, dass Gyllenhaal bei seinem Hoch bleibt und die Hoffnung bleibt bestehen, dass er vielleicht irgendwann einmal seinen hochverdienten Oscar in der Hand halten wird, den er schon längst hätte bekommen sollen (vielleicht für Stronger oder für Demolition). Ich freue mich und hoffe auf weiteres Staunen, wenn ich seine Wandlungs- und Schauspielfähigkeiten in den nächsten Jahren genießen darf! Dieses Jahr hat Jake Gyllenhaal so viele Rollen wie noch nie. Vielleicht ist das sein Jahr und er wird sich nicht nur an die Spitze des Mount Everest kämpfen.

Trailer zu Nightcrawler:

"Hannibal" S03E10 "…And the Woman Clothed in Sun" Kritik

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Der Artikel enthält einige "Hannibal"-SPOILER zur besprochenen Folge!

Nur noch drei weitere Folgen "Hannibal" und die Staffel, wahrscheinlich auch die ganze Serie, hat ihr Ende gefunden. In der letzten Folge "…And the Woman Clothed With the Sun" lernten wir Francis Dolarhydes (Richard Armitage) Charakter endlich näher kennen und konnten sogar erstliche menschliche Regungen bei ihm beobachten. Diese Folge trägt mit "…And the Woman Clothed in Sun" fast den identischen Titel der Vorigen, das liegt daran, dass sich Bryan Fuller mit seinen Folgentiteln seid Folge 8 "The Great Red Dragon" von den Bildern von William Blake hat inspirieren lassen. Worauf die 13. Episode mit dem Titel "The Wrath of the Lamb" anspielt sollte jedem geläufig sein. (*Hust* Das Schweigen der Lämmer *Hust*)

Die Folge beginnt mit einem genaueren Blick auf das Gespräch zwischen Hannibal (Mads Mikkelsen) und Francis Dolarhyde, der den hinter Gittern sitzenden Kannibalen aus dessen damaligem Zuhause anruft. Er plauscht mit ihm darüber, wie sehr er ihn bewundert und das er ihn unglaublich gerne treffen würde, aber auch, dass er sich einer Verwandlung zum "Great Red Dragon" unterzieht. Als er sich dann plötzlich in Hannibals Gedankenpalast wiederfindet und wir den Roten Drachen in seiner wahren Gestalt zu sehen bekommen brennt der Bildschirm. Die Effekte dieser Folge wirken zunächst befremdlich im Nachhinein aber umso beeindruckender, dazu kommen wir auch später noch wenn es um die Frau in der Sonne geht.

Hannibal ...And the Woman Clothed in Sun Kritik

Someday, if circumstances permit, I would like to meet you and watch you meld with the strength of the dragon.

Für mich als Buchleser und -liebhaber der Romanvorlage von Thomas Harris ist diese Episode ein einziges Festmahl. Perfekt umgesetzt wurde die Beziehung zwischen dem sozial inkompatiblen Dolarhyde und der warmen und freundlichen blinden Reba McLane (Rutina Wesley). Die berühmte Tigerszene wurde fantastisch umgesetzt und erzeugte sogar wahre Gefühle, vor allem, als sich Reba entschloss an den Mund des Tieres zu fassen und man Dolarhydes unglaublich angespannten Gesichtsaudruck dabei beobachten konnte. Der Mix aus Dingen die sehr stark aus dem Buch genommen wurden und neuen Ideen macht diese Folge so groß, und zur bisher stärksten der ganzen Staffel.

Auch der Moment in dem die beiden schließlich wirklich zueinander finden und schließlich auch miteinander schlafen ist überragend inszeniert. Richard Armitages Dolarhyde trifft direkt ins Herz der Vorlage und zeigt die Figur bisher genauso, wie sie gehört. Man sollte sich mit der Lobpreisung natürlich bis zum Ende der Staffel gedulden, doch bisher sieht dies nach einer der besten Serienkiller-Darstellungen aus, die es gibt. Schade, dass "Hannibal" von allen hochwertigen Preisen scheinbar systematisch ignoriert wird. Regisseur Guillermo Navarro, der diese Staffel schon für die überragende Folge "Contorno" verantwortlich war, lässt seiner Kreativität beim Akt der beiden freien Lauf und stellt Rutina Wesley auf atemberaubende Weise als gemaltes Kunstwerk dar.

Sehr schön gemacht ist auch der Morgen danach, an dem unwissende Zuschauer sicher kurz vermuten, dass Dolarhyde seine Geliebte am Ende doch ermordet hat. Natürlich ist dem nicht so und wir werden nach einer kurzen Spannungspause aufgeklärt, dass es ihr blendend geht und sie die Nacht mit ihm genossen hat. An der Stelle sei auch ihre Darstellung der blinden und führsorglichen Reba McLane noch einmal hoch gelobt.

Eien weitere Powerfrau der Staffel ist eindeutig Bedelia Du Maurier (Gillian Anderson), die diese Folge gleich zu Anfang überraschend wieder auftaucht. Will Graham (Hugh Dancy) ist es, der sie aufsucht, um sie über ihre Vergangenheit mit Hannibal Lecter zu befragen. Warum genau sich Will nicht weiter den Ermittlungen widmet anstatt mit Bedelia zu tratschen bleibt geheim, doch nimmt das dem hochwertigen Dialog der beiden keinen Funken seines lodernden Feuers. Bedelia kontert Wills Anspielungen auf ihre Beziehung mit Hannibal darauf immer wieder mit einem fast schon homoerotischen Kommentar zur Beziehung zwischen Hannibal und Will selbst.

Is your wife aware of how intimately you and Hannibal know each other?

Dabei erfahren wir endlich auch mehr über ihre Vergangenheit und das Rätsel rund um den Patienten, den sie auf dem Gewissen hat, gespielt vom hervorragenden Zachary Quinto (Star Trek: Into Darkness) wird gelüftet. Sie unterstütze Hannibal schon damals bei seinem Vorhaben, scheinbar durchaus davon in Kenntnis gesetzt, was dieser mit seinen Patienten anstellte. Zwar wirkt die Szene so, als wolle sie ihren Patienten noch retten, als er sich verschluckt und sie versucht ihm in die Luftröhre zu greifen, doch trotzdem macht sie sich selbst für seinen Tod verantwortlich. Außerdem hat sie für Will auch noch einen ungewöhnt düsteren Rat in petto:

Hannibal ...And the Woman Clothed in Sun Kritik

The next time you have an instinct to help someone, you might consider crushing them instead. It might save you a great deal of trouble.

Will scheint jedoch ziemlich abgeneigt dem gegenüber, was die wahre Bedelia Du Maurier von sich gibt. Hannibal ist es schließlich, der Will den letzten Tipp gibt, der ihn zum Killer bringt. Er deutet das chinesische Zeichen, das Dolarhyde an einem Baum hinterlassen hat als eine Anspielung an die "The Great Red Dragon"-Gemälde von William Blake und bringt den Ermittler somit auf die Spur des Brooklyn Museums, in dem das Originalgemälde, von dem der Killer so angetan ist, aufbewahrt wird.

Die Szene in der Dolarhyde sich aufmacht, das Gemälde zu verspeisen um sich vom Roten Drachen zu befreien gehörte schon im Roman zu einer der spannendsten Stellen und ist auch hier sehr eindringlich in Szene gesetzt. Richard Armitage stopft sich das Bild nicht einfach nur in den Rachen, nein er reibt sich an ihm, atmet seinen Duft ein und reißt letztlich einen Fetzen nach dem anderen von seinem Peiniger um ihn zu zerstören. Ein fantastischer Moment!

Hannibal ...And the Woman Clothed in Sun Kritik

Ebenfalls toll sind die darauf folgenden Szenen, die zur großen Überraschung aller Buchleser und Kenner der Geschichte passieren. Will Graham kommt Dolarhyde hier nämlich schon im Museum auf die Schliche und die beiden begegnen sich sogar worauf es zu einem ersten Kampf kommt, der genial umgesetzt ist und spannend über den Bildschirm flimmert. Was Bryan Fuller und sein Team rund um Guillermo Navarro mit dieser Folge erschaffen haben ist Wahnsinn und trifft tief ins Herz der Geschichte. Ein wahrer Geniestreich, der die Hoffnungen auf ein grandioses Staffelfinale noch einmal gewaltig anhebt.

Das Märchen der Märchen (2015) Kritik

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Das Märchen der Märchen (2015) Filmkritik

Il racconto dei racconti, FR/GB/IT 2015 • 125 Min. • Regie: Matteo Garrone • Mit: Salma Hayek, Vincent Cassel, Toby Jones, John C. Reilly, Shirley Henderson, Hayley Carmichael, Bebe Cave • Kinostart: 27.08.2015 • Deutsche Website

Das Maerchen der Maerchen (2015) Filmbild 1 Es war einmal… da hackte sich Aschenputtels Stiefschwester die Zehen ab, Mutter Geißlein schnitt dem Wolf mit einer Schere den Bauch auf und Ritter Blaubart verwahrte die Leichen seiner Ex-Frauen im Keller. Vom Zuckerguss bleibt wenig übrig, wenn man einen genaueren Blick auf all die bekannten Märchen wirft – und trotzdem bleibt ihnen eine gewisse Magie nicht verwehrt. Es ist der kitzelnde Grusel und die Bizarrerie in diesem überdrehten, farbenfrohen Mantel aus Magie und Wundern, die die Märchenwelten zu so etwas Besonderem machen. Das Märchen der Märchen unterteilt sich dabei in drei einzelne Geschichten, die zum "wahren", düsteren Kern von Märchen vordringen und neben Moral, Magie und Zauber die Essenz von Märchen wirklich verstanden haben. Matteo Garrone bedient sich dabei durchaus typischer Märchenmuster und -konstellationen, befreit sich über clevere Umwege jedoch von dem kitschigen, wunderbaren Schein und entblößt radikale Brachialitäten.

Das Maerchen der Maerchen (2015) Filmbild 2Salma Hayek (From Dusk Till Dawn) wünscht sich nichts sehnlicher als ein Kind. Die egozentrische Königin lässt dafür sogar der Tod ihres Mannes (John C. Reilly) kalt, der sich opfert, um ihr das Herz eines Seemonsters zu besorgen, durch dessen Verzehr sie schwanger wird. Gekocht von einer Jungfrau, schwängert die Magie jedoch auch diese. Beide Söhne sehen nicht nur gleich aus, sie verbindet auch eine brüderliche Zuneigung, was der Königin ein Dorn im Auge ist, da sie ihren Sohn nur für sich allein haben will und dafür zu allem bereit ist. Vincent Cassel (Black Swan) lüstet als nymphomanischer Bumskönig nach einer Unbekannten, in dessen seidenweiche Stimme er sich verliebt hat. Womit er nicht rechnet, ist, dass sich hinter der Stimme eine runzelige Greisin verbirgt, die ihn im wahrsten Sinne des Wortes um den Finger wickelt. Und Toby Jones (Die Tribute von Panem) kümmert sich lieber um einen mutierten Floh als um seine Tochter. Diese sehnt sich nach einem eigenständigen Leben und einem schönen, starken Mann, gelangt durch eine undurchdachte Blödelei ihres Vaters jedoch in die Pranken eines Ogers.

Das Maerchen der Maerchen (2015) Filmbild 3Das Märchen der Märchen verzaubert nicht, lullt den Zuschauer nicht in harmlose Bilderwelten ein, sondern schockiert mit Mord und Totschlag, Verantwortungslosigkeit, Korruption und Wahnsinn im Kontrast zur scheinschönen Märchenoptik. Es ist ein Blick hinter die Kulissen von Glanz und Glorie, hinein in menschliche Abgründe. Die Erzählung ist langsam, braucht oft etwas zu lange um in Fahrt zu kommen. Ist jede Geschichte aber erst einmal aufgebaut, ist das Interesse zu groß, als dass man je gelangweilt ist. Etwas Geduld sollte man bei über zwei Stunden Laufzeit und dank der inkohärenten Erzählstruktur trotzdem mitbringen. Immer wilder springt die Inszenierung in einem undurchschaubaren, aber größtenteils funktionierenden Wirrwarr zwischen groteskem Witz, bitterer Ernsthaftigkeit und totalem Wahnsinn hin und her. Das Märchen der Märchen ist nichts für normale Sehgewohnheiten.

Und auch auf der technischen Seite wird man begeistert. Denn hier und da mal ein schlechter Greenscreen und ein bisschen sehr offensichtliches CGI kann man verzeihen, wenn nicht nur Kulissen, sondern auch Masken, Kostüme und vor allem Monster handgemachter Natur sind. Das bringt noch mehr Magie ins Spiel, insbesondere wenn man dazu auch noch Alexandre Desplats wunderschönen Score genießen darf.

Fazit

Mit Sicherheit ist Garrones erster englischsprachiger Film auch einer der verstörendsten und kränksten Filme des Jahres, der für reguläre Kinos bestimmt ist. Dem angesprochenen Wahnsinn kann man sich jedoch nicht entziehen. Er terrorisiert und elektrisiert viel eher, als dass er abschreckt.

Trailer

Dating Queen (2015)

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Dating Queen (2015) Filmkritik

Trainwreck, USA 2015 • 124 Min • Regie: Judd Apatow • Mit: Amy Schumer, Bill Hader, Brie Larson, Tilda Swinton, Colin Quinn, Vanessa Bayer, John Cena, LeBron James, • Drehbuch: Amy Schumer • FSK: ab 12 Jahren • Kinostart: 13.08.2015 • Deutsche Website

Inhalt

"Monogamie ist unrealistisch!" – Das ist der Satz, den Amys Vater (Colin Quinn) seinen Kindern schon seit frühesten Zeiten einbläut, als er und seine Frau sich trennen. Und Amy (Amy Schumer) folgt der Ansicht ihres Vaters. Als eingespannte Journalistin eines Männermagazins lebt sie ein Leben von Sex, Drugs und Rock ’n' Roll mit der festen Überzeugung, damit ein freieres Leben zu führen. Fast jede Nacht reißt sie einen anderen Typen auf, doch entweder verschwindet sie noch bevor dieser aufwacht, oder sie schmeißt ihn am Ende unsanft aus der Wohnung. Weder eine richtige Beziehung, noch wirkliches Verliebtsein hat Amy je erfahren. Bis sie von ihrer knallharten und kompromisslosen Chefin Dianna (Tilda Swinton) den Auftrag bekommt, einen Artikel über den erfolgreichen Sportmediziner Aaron Conners (Bill Hader) zu schreiben. Nach einem One-Night-Stand empfindet sie plötzlich mehr für ihn, als sie bisher zulassen wollte. Doch soll sie ihn wiedersehen oder ihn abservieren, so, wie sie es bisher immer getan hat? Amy ahnt noch nicht, dass ihr der Lebensumbruch schon kurz bevorsteht…

Kritik

Dating Queen (2015) Filmbild 1Wie der Untertitel auf den Plakaten schon sagt, "Beziehungen sind auch keine Lösung", spricht die neue Komödie von Genreguru Judd Apatow eben genau das wieder an, was in vielen seiner Werke schon Thema war: Beziehungsprobleme. Und das so offen und hemmungslos, wie man es aus seinen anderen Filmen wie Jungfrau (40), männlich, sucht… oder auch Beim ersten Mal bereits kennt. Sich nicht festlegen zu wollen und ein so uneingeschränktes und freies Leben wie nur möglich zu führen, am besten ohne jegliche Bindung an irgendwen oder irgendwas. – Das ist auch das Motto des Hauptcharakters Amy in seiner neuesten Komödie Dating Queen, die zwischen Alkohol, Drogen und Bettgeschichten hin- und herspringt und sich dabei keineswegs an den Gefühlen anderer stört. Wie man es dann nicht anders erwartet, entwickelt sich aus jener Nacht mit dem Richtigen doch das, was sie unbedingt vermeiden wollte: eine Beziehung. Ob sich das jetzt gut oder schlecht für sie anfühlt, dafür muss sie sich noch entscheiden.

Vielleicht ist es sinnvoll, vorab zu erwähnen, dass der deutsche Titel Dating Queen  dem amerikanischen Original-Titel Trainwreck überhaupt nicht nahe kommt. Wer bei diesem Film rein nach der deutschen Übersetzung geht, kann einen sehr falschen Eindruck vom Inhalt bekommen und sollte sich lieber am Trailer orientieren, der zwar nur die schmutzige, aber auch lustige Seite des Werks von Regisseur Judd Apatow sehr klar zeigt.

Dating Queen (2015) Filmbild 2Man mag es sich vielleicht nicht erwarten, doch mit Dating Queen ist Apatow in Zusammenarbeit mit Amy Schumer ein wirklich urkomisches Kinohighlight mit interessanten Hauptcharakteren und vor allem einem perfekten Schauspielensemble gelungen. Schumer, die in der Stand-Up-Comedy-Branche mit ihren Shows (z.B. "Inside Amy Schumer") Erfolge feiert, bringt mit Dating Queen ihren Schauspiel-Stil und Humor auf die Leinwand. Bekannt ist sie vor allem dafür, sich mit ihrer krassen und ehrlichen Art über Liebe, Sex, Beziehungen im Allgemeinen und auch jegliche Frauenklischees nach Herzenslust auszulassen. Ihr Debüt auf der Kinoleinwand gab sie bereits 2012 (u. a. Price Check und Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt), dieses Mal schrieb sie nebenbei auch noch das Drehbuch zum Film, was diesem definitiv ihre eigene Handschrift und einen speziellen Charakter verleiht. An Schumers Seite steht als zweite Hauptrolle, Sportmediziner Aaron Conners, Schauspieler und "South Park"-Mitautor Bill Hader. Auch er ist in der Comedy zuhause, hauptsächlich kennt man ihn als Stiefbruder Jason Segels in Nie wieder Sex mit der Ex und aus 22 Jump Street, ebenso wie aus der Comedy-Show "Saturday Night Live". Dass Hader und Schumer sowohl branchen-, als auch schauspieltechnisch gut zusammenpassen, zeigt sich in Dating Queen recht schnell. Um für das Gesamtwerk zu sprechen, muss man allerdings sagen: Schumer dominiert.

Dating Queen (2015) Filmbild 3Die Stimmung steht und fällt mit ihrer Hauptfigur, die definitiv den Mittelpunkt des gesamten Films darstellt und dementsprechend sehr vielschichtig ausgelegt ist. Ihre Freiheit, ihr Leben so zu leben, wie sie es gerade tut, lässt sie sich von nichts und niemandem nehmen, nicht einmal von ihrer Schwester Kim (Brie Larson), die sich mit ihrem Ehemann Tom (Mike Birbiglia) ein Familienleben aufbaut und sie dazu ermutigen will, zur Vernunft zu kommen. Auf der anderen Seite steht ihre inneres Chaos und das seltsame Verhältnis von Amy zu ihrem Vater. Was sowohl Apatow in der Regie als auch Schumer im Drehbuch wirklich gut gelungen ist, ist der Effekt, dass sich alles um die große Lebenswende von Hauptcharakter Amy dreht und der Witz dabei fast immer in der Balance zur Handlung steht. Bettszenen, die Stoff zum Witzereißen bieten, gibt es genug. Zu Anfang vielleicht ein paar mehr als nötig gewesen wäre, denn eine kleine Schwachstelle des Films sind die teilweise etwas zu ausführlich diskutierten Intimprobleme, die die Lustigkeit mancher Momente zwischendurch ein wenig wieder herausnehmen. Lange Reden über Tampons lassen dabei eher leichtes Fremdschämen beim Kinobesucher hochkommen, sicherlich provokant, andererseits aber auch nicht unbedingt eine Notwendigkeit.

Dating Queen (2015) Filmbild 4Doch neben allen Absurditäten, Joints und Sauforgien mag es vielleicht verrückt klingen, doch ein deutlich positiver Nebenaspekt von Dating Queen ist tatsächlich auch die Emotionalität des Films, die von allen Darstellern gut herübergebracht wird. Natürlich kommt hier der Witz trotzdem nicht zu kurz, jedoch ist dies auch ein Faktor, der die neue Komödie Apatows ein wenig von den anderen abhebt. Zwischen allen Standards der vulgären Liebescomedy kommt auch die tiefgreifendere Seite von Amy in einem kleinen Umfang zum Vorschein, die den Zuschauer packt und sogar eine leichte Tendenz zur Identifikation zulässt. Vielleicht ist es auch ein bisschen die Art des Humors, in dessen Rolle man an wenigen Stellen im eigenen Leben hätte stecken können, die einen mitreißt. Trockene Sprüche, witzige Situationen und Figurenkonstellationen geben eine gute Mischung zwischen den hin und wieder etwas klischeegeladenen Gesprächen. Was der Gesamthandlung in Dating Queen ebenfalls wirklich gut tut, ist auch Sportlerlegende LeBron James, der zusammen mit Bill Hader ein putziges Freunde-Pärchen abgibt. James übernimmt dabei mit seiner realen Identität die Rolle des ratgebenden, gefühlvollen besten Freundes, der Aaron ein bisschen auf den richtigen Weg schubst. Die Struktur des Films ist dabei relativ einfach gehalten: Nach anfänglichen Schwierigkeiten über anrufen – nicht anrufen und Gefühlschaos, der gemeinsamen Beziehung mit allem Drum und Dran, dem ersten Liebeskummer und der letztendlichen Frage "Will ich das wirklich?“, folgt dann die endgültige Entscheidung – und das direkt mit einer der besten Szenen des Films.

Fazit

Dating Queen ist eine der besseren Komödien, die zurzeit in den Kinos läuft. Zwar ist das Thema von Bindungsängsten und deshalb geistiger Desorientierung schon ein bisschen abgenutzt, trägt gerade Newcomer Amy Schumer in Sachen Präsenz und Authentizität eine Menge zur überwiegend positiven Wirkung des Films bei. Dadurch ist sowohl Story als auch Umsetzung eben nicht ganz 08/15, wie man es vielleicht vom Trailer (und ja leider auch vom deutschen Titel) erwarten mag, sondern bringt Frische in die Kino-Comedy-Welt. Ob der durchgängig mitwirkende Sexismus für den Einzelnen ansprechend oder witzig ist, muss am Ende jeder selbst wissen. Jedoch sind gerade die Szenen zwischen den massentauglich versauten Witzen immer wieder mit solchen überraschenden Brüllern belegt, dass selbst der weniger Schmuddelfilm-Begeisterte das Lachen nicht zurückhalten können sollte und von Dating Queen sicher nicht enttäuscht wird.

Trailer

"Hannibal" S03E09 "…And the Woman Clothed With the Sun" Kritik

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Der Artikel enthält einige "Hannibal"-SPOILER zur besprochenen Folge!

Scheinbar in direktem Wechsel kommt eine unglaublich starke "Hannibal"-Folge nach einer ohnehin schon genialen Vorgängerepisode. Auch "…And the Woman Clothed With the Sun" stellt sich wieder als einer der Höhepunkte der Staffel heraus. Gemeinsam begeben sich Will Graham (Hugh Dancy) und Hannibal Lecter (Mads Mikkelsen) auf die Spurensuche nach dem spöttisch "Die Zahnfee" genannten Serienkiller Francis Dolarhyde (Richard Armitage). Immer mehr wird auch der Antagonist in ein interessanteres Licht gerückt und zur bemitleidenswerten Figur.

Auch in dieser Folge bekommen wir Hannibal wieder in seiner Zelle zu sehen, während sich nach und nach ein Charakter nach dem anderen bei ihm blicken lässt. Jack Crawford (Laurence Fishburne) lässt ihn wissen, dass er es war, der seine Nachricht an Will weiterleitete, natürlich erst nachdem er sie selbst gelesen hatte. Selbst hinter schwedischen Gardinen wirkt der Kannibale kein bisschen weniger bedrohlich, oder gar ungefährlich. Jack muss schon ziemlich verzweifelt sein, um sich an sein altes Dream-Team zu wenden.

Dabei muss er sich bewusst sein, was das für Will bedeutet, dadurch dass er ihn wieder auf die dunkle Seite zieht kehren auch die Halluzinationen zurück und der Horror nimmt erneut seinen Lauf. Davon lässt sich Jack allerdings nicht aufhalten. Ausgerechnet Hannibal ist es, der Will jetzt beschützen will.

Hannibal ...And The Woman Clothed With The Sun Kritik

You are family Will.

Auch gegenüber Alana Bloom (Caroline Dhavernas) äußert er sich so, dass er seinen "Freund" in Schutz nimmt, vor allem was in der Vergangenheit passiert ist. Alana scheint inzwischen ein gigantisches Selbstbewusstsein aufgebaut zu haben und teilt Hannibal jetzt gerne auch mal ihre ungeschminkte Meinung mit. Na wenn sie da mal nicht zu überheblich wird, als sie damit droht, ihm seine Zeit so unangenehm wie nur irgend möglich zu bereiten.

I know what you are afraid of. It’s indignity. I’ll take your books. I’ll take your drawings. I’ll take your toilet. You’ll have nothing but indignity and the company of the dead.

In der dritten Staffel hat Alanas Charakter eine ziemliche Kehrtwende vom unwissenden hübschen Mädchen hin zur unerschrockenen Frau gemacht, die jetzt zusammen mit Margot Verger (Katharine Isabelle) sogar eine Familie gegründet hat, wie wir in einem Nebensatz erfahren dürfen. Inzwischen erweist sie sich als würdige Figur im düsteren Psycho-Schachspiel der Serie.

Sehr spannend in dieser Folge: Wir bekommen weitere Flashbacks aus Momenten, die Hannibal und Abigail Hobbs (Kacey Rohl) zusammen verbracht haben. Wir bekommen interessant inszeniert zu sehen, wie die beiden gemeinsam Abigails Scheintod in die Wege leiteten. Dabei steht die enge Beziehung der beiden zu einander im Mittelpunkt, und wie Hannibal für sie zur letztlich fatalen Vaterfigur wurde. Er sagt ihr sogar, auf welche Weise er sie schließlich doch noch umbringen wird.

Hannibal ...And The Woman Clothed With The Sun Kritik

Höhepunkt der ethisch höchst bedenklichen Behandlung ist die Gegenüberstellung mit der Leiche ihres Vaters, Garret Jacob Hobbs (Vladimir Jon Cubrt). Und als wäre das noch nicht genug, muss sie an ihm sogar noch den Schnitt durch den Hals ausführen, den er ihr damals verpasst hatte. Es ist schön, dass Abigails Figur trotz ihres Todes in dieser Staffel extrem präsent ist, was die Serie für mich auch im Gesamtwerk deutlich stärker macht, weil sie sich immer wieder auf sich selbst bezieht.

Vom einen Schützling zum anderen: Nach dem Gedenken an Abigail widmet sich Hannibal wieder der Gegenwart und somit Will Graham. Gemeinsam versuchen die beiden über ihren sogenannten "Mind Palace" in die Psyche von Francis Dolarhyde einzudringen und herauszufinden, was eine Person denkt, die auf solche skurrile Art bei ihren Morden vorgeht. Fast jede Einstellung dieser Gedankenszenen ist dabei wieder überragend in Szene gesetzt. Nichts anderes erwartet man ja auch von "Hannibal".

Doch nicht nur Abigail taucht wieder auf, auch Freddy Lounds (Lara Jean Chorostecki) ist wieder mit von der Partie, sogar in Fleisch und Blut. Sie ist gerade dabei, die kriminologische Kooperation von Will und Hannibal möglichst reißerisch für eine Zeitung zu gestalten. Sie bietet Will ihre Zusammenarbeit an, um "Die Zahnfee" zu ködern, doch Will ist nicht gut auf sie zu sprechen und lehnt es ab mit ihr zusammen zu arbeiten.

Hannibal ...And The Woman Clothed With The Sun Kritik

Kommen wir endlich zum Höhepunkt der Folge: Dem roten Drachen. Endlich gibt der Serienmörder mehr als ein paar grunzende Laute von sich und macht mit der blinden Reba McLane (Rutina Wesley) sogar eine höchst interessante neue Bekanntschaft. Immer weiter treten wir auch als Zuschauer in die Psyche dieses gestörten Menschen ein, genauso, wie ich es mir nach seiner Einführung in "The Great Red Dragon" gewünscht habe. Man merkt deutlich, wie Dolarhyde mit seinen Taten kämpft, als ihm der Schwanz des Drachen aus dem Leib wächst. Umso interessanter wird die Beziehung zwischen ihm und Reba langsam aufgebaut, als er merkt, dass sie trotz ihres nicht vorhandenen Augenlichts mehr in ihm zu sehen scheint. Doch als sie sein Gesicht fühlen möchte, scheint sie eine Grenze zu überschreiten, die ihm noch unangenehm ist.

Trust me, I’m smiling.

Schließlich gibt es auch endlich den ersten Wortwechsel zwischen Dr. Lecter und Dolarhyde, der sich an den Serienkiller wendet, weil er sich davor fürchtet, in was er sich verwandelt:

What are you becoming?
– The Great Red Dragon.

Diese hervorragende Staffel scheint bisher so ziemlich alles richtig zu machen. Wir können nur hoffen, dass die Story rund um den Red Dragon weiterhin so gut umgesetzt wird und spannend bleibt, doch da mach ich mir bei diesem hervorragenden Team überhaupt keine Sorgen. Wir bleiben auf jedem Fall weiterhin am Ball!

Filmfutter auf der Gamescom 2015 – Teil 2

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Zurück auf der größten Spielemesse Europas! Schon am Freitag konnten wir uns einen sehr guten Eindruck von der diesjährigen Gamescom machen, am Samstag waren nicht weniger Menschen anwesend und die Schlangen demnach genauso voll wie am Tag davor. Bevor hier jemand mit den ganz großen Titeln rechnet: "Fallout 4", "Just Cause 3", "Dark Souls 3" und "The Division" haben wir uns aufgrund der immens übertriebenen Wartezeiten leider nicht ansehen können. Nicht mal mit einer Presse-Akkreditierung kommt man einfach überall ran. Aber was wir sonst so gesehen haben, hat uns trotzdem überzeugen können.

Star Wars Battlefront²

Zum Glück war die Temperatur im Vergleich zum Vortag um einiges gesunken und somit deutlich angenehmer für alle anwesenden Besucher. Trotzdem war wieder die Hölle los: Gleich zu Beginn stürmten wieder alle Messebesucher zu "Star Wars Battlefront" (Trailer), ganz sicher einem der allergrößten Titel der Gamescom. Bereits freitags konnten wir den Multiplayershooter anspielen, und auch nach der zweiten Runde verliert das Spiel absolut nichts von seinem Reiz. Diesmal stiegen wir ins Team des Imperiums, also der Angreifer, und mussten versuchen unsere AT-ATs zu schützen, sodass wir den Stützpunkt der Rebellen einnehmen konnten. Eine spannende Runde war es, auch wenn wir sie nicht gewinnen konnten. Das Gute siegt am Ende wohl doch immer.

Ein Trailer wie ein Actionfilm

An dieser Stelle muss ich mich gewaltig korrigieren. Redete ich gestern noch davon, dass "Uncharted 4: A Thiefs End" "nur" einen Trailer vorzuweisen habe, musste ich nach der Sichtung eben jenes "Trailers" feststellen, dass es sich um mehr als nur ein kurzes Video handelte. Man bekommt eine gewaltige Szene aus dem Spiel präsentiert, in der Nathan und Sully sich auf der Verfolgungsjagd vor einem Panzer retten müssen. Diese ist fantastisch in Szene gesetzt und kommt auf der großen Leinwand hervorragend rüber, sodass man direkt Lust bekommt, selber den Controller an sich zu reißen und ins Geschehen einzugreifen. Fabelhafte Action!

Und das alles für ein Poster

Gamescom 2015 Teil 2
Das Poster von "Horizon: Zero Dawn" macht sich schonmal richtig gut. © Sony Computer Entertainment

Von einem unanspielbaren Spiel zum nächsten: "Horizon: Zero Dawn" stand Samstag ebenfalls auf der Tagesordnung. Trotz ziemlich langer Warteschlange stellte sich heraus, dass es außer einer Präsentation nichts Neues zu sehen gab. Im Grunde war nicht einmal die Präsentation neu, denn sie bestand aus derselben Szene wie der Trailer, nur minimal abgeändert nachgespielt. Hier wurde eindeutig die Chance verpasst, die Leute noch heißer auf den Titel zu machen. Das einzig schöne was wir daraus mitnahmen war nämlich ein zugegeben durchaus ansehnliches Poster.

Kleine Runde Karten

Eine kleine Runde "Hearthstone" für zwischendurch gefällig? In den letzten Jahren wurde Blizzards Online Kartenspiel schnell zu einem großen Hit in der Gaming-Community. Ob professionell im Twitch-Stream oder einfach nur nebenbei auf dem Tablet, Spaß macht der Titel allemal. Auf der Gamescom wurden neue Karten zur kommenden Erweiterung "Das große Turnier" bekannt gegeben, die man im Duell auch schon ausgiebig antesten konnte. Fans des Spiels dürfen sich auf so einige neue und ideenreiche Karten freuen!

Frauen erobern die Fußballwelt

Nach dem Ausflug zu Playstation und Blizzard kehren wir erneut zu EAs Auftritt zurück und widmen uns dem Spiel, das fies gesagt jedes Jahr dasselbe Spiel versteckt unter einem anderen Titel ist: Dieses Jahr ist der Titel "Fifa 16" (Trailer). Die auffälligste Neuerung an der neuen Fußballsimulation ist sicherlich die Einführung von Frauen-Nationalmannschaften ins Spiel. Diese sind jedoch nicht viel mehr als ein Gimmick und demnach für das Gameplay selbst nicht wirklich interessant. Ansonsten spielt sich die Sportsimulation spaßig wie eh und je, beeindruckende Neuerungen am Spiel sind jedoch nicht direkt zu erkennen.

Der Indie-Tipp der Gamescom

Gamescom 2015 Teil 2
Das Spiel mit dem knuffigen Stoffmännchen könnte noch zum wahren Geheimtipp werden.

Bei EA blieben wir auch und stellten uns schließlich noch für deren neue Adventure "Unravel" an. Die Schlange war nicht lang, doch trotzdem dauerte es geschlagene zwei Stunden, bevor wir am Drücker waren, da den Spielern fast eine halbe Stunde Zeit gegeben wurde, um sich auszutoben. Diese Wartezeit lohnte sich durchaus, denn das neue Game aus dem Hause Coldwood Interactive hat es in sich. Als kleines Wollmännchen dürfen wir uns in eine faszinierend schöne und rätselhafte Welt begeben und dabei aufpassen, im wahrsten Sinne des Wortes, nicht den Faden zu verlieren. Das Spiel könnte einer der großen Geheimtipps der nächsten Zeit sein und soll laut offiziellen Quellen noch 2015 erscheinen.

Das war es auch schon wieder

Gamescom 2015 Teil 2
Tschö Kölle, ich hab dich jään!

Am Ende des Tages war die Gamescom 2015 zwar wieder ziemlich anstrengend, doch brachte sie ebenfalls wieder eine ganze Menge Spaß mit sich. Nächstes Jahr werden wir uns darum bemühen schon am Mittwoch, dem Fachbesuchertag, auf die Messe zu kommen, und auch zu mehreren exklusiven Vorträgen zu kommen. Und somit verabschieden wir uns auch schon aus Köln und hoffen, dass das Gaming-Event auch euch da draußen gefallen hat. Bis zum nächsten Jahr!

Gefühlt Mitte Zwanzig (2014) Kritik

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Gefühlt Mitte Zwanzig (2014) Filmkritik

While We’re Young, USA 2015 • 94 Min. • Regie: Noah Baumbach • Mit: Ben Stiller, Naomi Watts, Adam Driver, Amanda Seyfried, Charles Grodin, Adam Horovitz, Maria Dizzia • FSK: ab 0 Jahren • Kinostart: 30.07.2015 • Deutsche Website

Gefühlt Mitte Zwanzig (2014) Filmbild 1Scheidungskinder, Geschwister, Hipster. Noah Baumbach widmet sich in seinen Filmen meistens einer bestimmten Menschengruppe. Ohne diese Art von Mensch jedoch in seiner Darstellung universell zu pauschalisieren, konzentriert er sich auf ein bestimmtes Fragment dieser Gruppierung. Dabei stellt er immer heraus, dass es sich dabei um eine individuelle Portätierung handelt, die, wenn er den Fokus auf jemand anderen aus derselben Gruppierung legen würde, komplett unterschiedlich aussehen könnte. In Gefühlt Mitte Zwanzig erzählt Baumbach die Geschichte des Pärchens Josh (Ben Stiller) und Cornelia (Naomi Watts) in ihren Mittvierzigern, die sich in ihrem erwachsenen Freundeskreis aufgrund ihrer Kinderlosigkeit langsam nicht mehr wohl fühlen. Als sie das junge Hipster-Pärchen Jamie (Adam Driver) und Darby (Amanda Seyfried) kennenlernen, geraten sie in eine Midlife-Crisis, die sie auseinander zu bringen droht.

Gefühlt Mitte Zwanzig (2014) Filmbild 2Jamie und Darby brennen nämlich noch füreinander und genießen das Leben, während sich bei Josh und Cornelia mit der Zeit die Routine eingeschlichen hat. „Der Rom-Urlaub ist schon sechs Jahre her?“, bemerkt Josh in einer Szene. Ein kleiner Augenblick des Erschreckens, der nicht nur den eintönigen Alltag der beiden beschreiben soll, sondern auch auf die Gefühlswelt aller (oder der meisten) Erwachsenen Mitte 40 anspielt. Genau aus diesem „Man, ich werd' alt“-Ressort schöpft Noah Baumbach die meiste Zeit seine Gags. Es sind Situationen, die sich fast schon nach Klischee anfühlen, ihren Witz aber aus der Ehrlichkeit ihres Ursprungs ziehen. Denn Baumbach – selbst in seinen Mittvierzigern – nimmt uns allen bekannte Alltagssituationen, die man (wenn man jung ist) von seinen Eltern, von sich selbst, oder sogar schon von seinen Kindern kennt. Zwar zünden nicht alle Gags und die großen Lacher bleiben aus, aber ein Lächeln kitzelt der Film trotz immer hervor. Vor allem aber merkt man hier, dass Gefühlt Mitte Zwanzig eben nicht nur die Altersgruppe seiner Protagonisten als Zielpublikum anvisiert.

Gefühlt Mitte Zwanzig (2014) Filmbild 3Zum komplett gegensätzlichen Hipster-Pärchen findet man weniger einen Draht. Dies ist aber auch nicht unbedingt nötig, denn Jamie und Darby sind nicht als Sympathieträger für die jüngeren Kinogänger gedacht. Sie machen den Kontrast zwischen den beiden Generationen deutlich, und vor allem die Ironie, die sich in unserer so übertechnologisierten Zeit langsam ergibt. Während sich Josh Tag für Tag damit abmüht, mit der technischen Entwicklung mitzuhalten, fängt Jamie wieder an, seine Tische selbst zu bauen. Auf der anderen Seite sieht man jedoch, wie schon ein Baby ein Smartphone bedient und alte, weise Menschen eben… alt und weise sind. Wie man schon merkt, sind es etwas extreme Beispiele, mit denen man ironischen Witz aus diesem Zustand holen möchte, und auch kann es zuweilen etwas nerven, wenn Beispiel für Beispiel mit fast schon penetrantem Fingerzeigen abgearbeitet wird. Trotzdem kann man Gefühlt Mitte Zwanzig in seiner unaufgeregten Inszenierung kein Stück böse sein.

Ben Stillers Josh ist übrigens Dokumentarfilmemacher und so darf gegen Ende auch noch ein kleiner Diskurs über das Filmemachen geführt werden. Alles natürlich im Rahmen der Generationen-Prämisse und ohne, dass sich Noah Baumbach je ein eindeutiges Urteil erlaubt.

Fazit

Gefühlt Mitte Zwanzig ist eine sympathische, ehrliche und bodenständige Komödie mit ein paar natürlichen Schönheitsfehlern, die sich dem heutigen Generationenunterschied und ihrer Ironie auf eine Weise nähert, die nicht nur Leute in ihren Mittvierzigern ansprechen wird.

Trailer

Desaster (2015)

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Desaster (2015) Filmkritik

Desaster, D 2015 • 90 Min. • Regie: Justus von Dohnányi • Mit: Jan Josef Liefers, Justus von Dohnányi, Stefan Kurt, Milan Peschel, Anna Loos, Maximilian Simonischek, Angela Winkler, Oscar Ortega Sánchez • FSK: ab 12 Jahren • Kinostart: 16.07.2015 • Deutsche Website

Desaster (2015) Filmbild 1Frankreich. Die Sonne scheint und „das Wasser ist hier blauer als an der Adria.“ Im Gegensatz dazu steht die düstere Gangster-Story mit skurill-komödiantischem Einfluss, wie Regisseur und Hauptdarsteller Justus von Dohnányi (Männerherzen) über sein zweites Regiewerk nach Bis zum Ellenbogen sagt. Wie auch bei seinem Debüt inszeniert Dohnányi sich selbst an der Seite von Tatort-Ermittler Jan Josef Liefers. Er, Mace (Jan Josef Liefers) ist eher der ruhige, überlegte Typ. Fast schon ein Sherlock Holmes im Gegensatz zum dusseligen Ed (Justus von Dohnányi), der diese schon seit Ewigkeiten ausgelutschte Partner-Konstellation komplettiert. Angeheuert von Dr. Jürg Würsch (Stefan Kurt), der auf Einladung von Gangsterboss Mischa (Milan Peschel) in dessen Ferienhaus zu Gast ist, sollen die beiden „Profis“ dem Anwalt beim Raub von Mischas Vermögen helfen.

Desaster (2015) Filmbild 2Mit Bis zum Ellenbogen bewies Dohnányi 2007, dass er inszenatorisch nicht untalentiert ist und durfte danach sogar mal beim Tatort auf dem Regiestuhl Platz nehmen. Sein zweiter Anlauf mit einer deutschen Gangster-Komödie erweist sich aber als genau so desaströs wie der Titel vermuten lässt. Mit peinlich geschriebenen Dialogen, die steif und offensichtlich auswendig gelernt runtergerattert werden, versucht Dohnányi sich daran, sich selbst als deutsches Tarantino-Pendant zu etablieren. Auf die nicht ein einziges Mal zündenden Witze wird gnadenlos draufzukonstruiert. Dabei geht vor allem die Lockerheit der Sprüche ununterbrochen in peinlichem Schweigen unter. Und auch sonst wühlt man penetrant in der Fremdschäm-Kiste, für ach-so-groteseke Comic-Reliefs, die oft als Kontrast zum etwas ernsteren Gangster-Plot herhalten sollen. Dieses oft eingesetze und in Hollywood (z.B. bei Tarantino) meist auch gut funktionierende Konzept führt in Desaster jedoch nur zu ungläubigem Kopfschütteln. Der Film ist auf der Comedy-Seite nicht lustig und auf der Gangster-Seite nicht annähernd ernst zu nehmen.

Desaster (2015) Filmbild 3Durch gänzlich fehlenden dramaturgischen Aufbau ohne wirklich erkennbaren roten Faden, ist Desaster nur eine Aneinanderreihung von Ereignissen, die man fast nicht einmal als Plot Points bezeichnen kann. Dahinter steckt vielleicht ein Plan. Aber der Plan war kacke. Da hilft auch kein schönes Frankreich, das wie alles andere auch in Hollywood-Filme imitierenden Kameraeinstellungen eingefangen ist und mehr ein kläglicher Versuch ist, als dem Film wirklich einen hochwertigen Touch zu verleihen.

Kann den wenigstens der Liefers was? Der Tatort-Liebling ist hier das schauspielerische Highlight auf unterstem Niveau, ist er doch der Inbegriff der Coolness, die der Film immer wieder anstrebt. Der in die Jahre gekommene Dresdner ist aber nunmal genauso wenig lässig, cool oder hipp wie der Rest des Hipster-Projekts, mit dem man subversiv aus der Masse herausbrechen will. Deutsche Kinokomödien werden ja nicht selten von der Kritik schlecht aufgenommen und so reiht sich Justus von Dohnányis Desaster schlussendlich doch in diese Kategorie ein.

Fazit

Justus von Dohnányis zweite Regiearbeit ist wahrhaftig ein Desaster geworden. An diesem peinlichen Chaos gibt es, bis auf die zum Glück kurz geratene Laufzeit von 90 Minuten, nichts Positives zu vermerken.

Trailer

Filmfutter auf der Gamescom 2015 – Teil 1

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Alle Jahre wieder öffnen in Deutschland nicht nur Filmmessen, -börsen und -festivals eifrigen Besuchern ihre Pforten, nein auch die Gamescom in Köln findet jeden Sommer statt und lockt Videospieler aus aller Welt an. Auch wir von Filmfutter konnten es uns nicht entgehen lassen, Mal einen Blick auf die Messe zu riskieren, schließlich berichten wir euch ja auch hin und wieder etwas über Spiele, und sowieso verwachsen die Medien Videospiel und Film immer näher miteinander. Auch 2015 fährt die Gamescom wieder einige Toptitel auf, und wir durften sogar ein bisschen hinter die Kulissen schnuppern.

Zunächst einmal: Der eigentliche Pressetag ist in der Regel Mittwoch, dieses Jahr also der 05. August. Warum dann erst am Freitag dem 7. August einchecken? Im Grunde ist das leider allein zeitlichen Problemen zuschulden, und dass wir erst ziemlich spät mit Sicherheit erfahren haben, dass wir als anerkanntes Medium eine Akkreditierung erhalten. Doch schließlich hat das Ganze geklappt und mir eben die Chance eröffnet, Freitag und Samstag Journalist nach Köln zu fahren.

Gamescom 2015 Teil 1
Auch 2015 sind es nicht weniger Besucher, die auf die Kölner Gamescom stürmen.

Wie es zu Erwarten war, ist die Gamescom auch dieses Jahr wieder total überlaufen. Wenn man ein Spiel nicht gerade in der ersten Stunde von 9 bis 10 Uhr zwischen die Finger bekommt, hat man nach dem Ansturm an Privatpersonen ab 10 Uhr kaum eine Chance sich an die großen Hits heranzuwagen ohne vor "Ab hier 2 Stunden warten"-Schildern zu landen. Nun will ich aber nicht weiter Zeit verschwenden, um zu rechtfertigen, dass man leider an den besuchervollen Tagen nicht jedes Spiel problemlos mal unter die Lupe nehmen kann, sonder direkt zu den Sachen kommen, von denen ich tatsächlich einen Eindruck gewinnen konnte:

Vorwärts Rebellen!

Gamescom 2015 Teil 1
"Star Wars Battlefront" füllt einen gewaltigen Teil der Hale aus.

Das erste Spiel, auf das sich die gerade durch das Gate gekommenen Journalisten stürzten, war logischerweise das heiß erwartete "Star Wars Battlefront" (Trailer) vom "Battlefield"-Entwickler Dice. Zum Glück waren die Veranstalter darauf auch einigermaßen gut vorbereitet und die wilde Pressehorde stürzte sich nach relativ kurzer Wartezeit ins Schlachtfeld des Eisplaneten Hoth. Das Gameplay war vor allem zu Anfang sehr spritzig und zeigte schon auf kleinem Feld das große Suchtpotenzial des Shooters auf. Neben starker Grafik und einer dynamischen Steuerung, an die man sich schnell gewöhnt hat, merkte man auch schnell die Ähnlichkeiten zu der "Battlefield"-Reihe. Leider war das Spiel zumindest in der Demo auf Dauer etwas fade. Doch das wird im fertigen Spiel durch die Individualisierungen sicher schnell behoben werden.

Bei den Assassinen bleibt alles beim Alten

Gamescom 2015 Teil 1
"Assassin’s Creed Syndicate" lockte zu Beginn kaum Menschen an.

Nach Star Wars ging es direkt zum nächsten beliebten Franchise, nämlich "Assassin’s Creed". Das neue "Assassin’s Creed Syndicate" punktet mit atmosphärischem viktorianischem Londoner Setting, bietet aber gameplaytechnisch nicht viele Neuigkeiten. Die Auffälligste: Mit einem Enterhaken können wir längere Distanzen schneller und leichter überwinden. Wir durften die PS4-Version des Spiels antesten, in einer Mission in der wir mit der Hauptprotagonistin Evie versuchen ein Attentat zu begehen. Der Ansturm aufs Spiel war relativ gering, die meisten wussten wohl schon, dass die Ähnlichkeiten zum doch relativ enttäuschend gestarteten "Assassin’s Creed Unity" nicht zu übersehen sind. Das Setting wirkt sehr ähnlich, wenn es doch düster und interessant aussieht. Das Spiel wird sicher wieder ein Blockbuster, doch ob wir mehr erwarten können? Ich bin noch skeptisch.

Aus alt mach neu

Auch ein heiß erwarteter Titel der Gamescom ist "Uncharted 4", der neue Teil der Playstation-exklusiven Abenteuerreihe vom Entwickler Naughty Dog. Leider gab es auf der Messe nichts als ein Video vom neuen Spiel zu sehen, weshalb man sich mit der Spieldemo der "Uncharted – The Nathan Drake Collection" zufriedengeben musste. Diese ließ uns eine Szene aus dem zweiten Teil der Reihe spielen, die wenig beeindruckend war. Etwas verbessert war die Grafik vielleicht, doch wirklich auffällig war das nicht. Für alle, die die bisherige Trilogie vor dem vierten Teil noch nachholen wollen ist sie trotzdem ein Blickfang.

Anata-san Hiroshi Matsuyama arigatō

Weiter ging es zum planmäßigen Höhepunkt, der Präsentation von "Dark Souls 3", das mindestens vorerst letzte Spiel der "Dark Souls"-Reihe. Angekommen bei Bandai Namco dann der kleine Schock: Die Präsentation fällt aus, doch es gibt noch Plätze für die Vorstellung von "Naruto Shippuden – Ultimate Ninja Storm 4". Trotz meiner ziemlich geringen Anime-Affinität nahm ich das Angebot natürlich dankend an und betrat nichts ahnend einen kleinen Raum voller Menschen, die so planlos aussahen wie ich selbst. Während alle Platz nahmen, stellte sich Hiroshi Matsuyama vor, der führende Kopf hinter der Produktion des Spiels. Sehr aufsehenerregend: Er hatte sich selbst als Naruto verkleidet und geschminkt. Was folgte war ein höchst japanischer und zum Teil auch etwas ermüdender Vortrag über die neuen Features des Kampfspiels, doch Herr Matsuyama hatte sichtlich viel Spaß daran und übertrug das auch auf die Anwesenden. Für die Fans der Reihe sind sicherlich einige interessante Features dabei:

– Es werden drei neue Charaktere spielbar sein, u.A. der Charakter Baruto
– Die Gesichtsausdrücke aus dem Anime wurden direkt ins Spiel übernommen
– deutliche grafische Verbesserungen sollen das Spielgefühl optimieren

Viele gute Neuigkeiten, jedoch auch eine schlechte: Der Release des Spiels musste nach hinten verschoben werden, der neue Termin heißt 4. Februar 2016. Wirklich böse konnte man den Entwicklern die Verschiebung nicht nehmen, Herr Matsuyama entschuldigte sich sogar persönlich für die Verspätung.

Bewaffnet mit Headphones und Drachen

Letztes Spiel nach einem ziemlich langen und stressigen Tag, der durch die immer voller werdende Halle nicht angenehmer wurde, war der Besuch bei Microsoft, wo das neue Spiel "Scalebound" präsentiert wurde. Bis auf einen Trailer im Internet war das Game so gut wie unsichtbar gewesen, wenig überraschend (und trotzdem leicht enttäuschend) war da, dass man außer Videomaterial nichts zu dem Spiel geboten bekam. Die Trailerszene wurde noch einmal nachgespielt und daraufhin wurde ein weiterer neuer Clip präsentiert, der weitere Features rund um den Kampf mit seinem eigenen Drachenbegleiter offenlegte. Bis zu 4 Spieler werden sich auf der Xbox One gemeinsam mit ihren personalisierten Drachen auf heftigen Prügel mit anderen Ungeheuern einlassen können. Das klingt schon Mal nach einem Heidenspaß! Leider müssen wir uns allerdings noch bis Weihnachten 2016 (!) gedulden, doch damit ist ziemlich sicher, dass wir nächstes Jahr auf der Gamescom auch endlich zum ersten Mal selbst Hand an den Controller legen dürfen.

Insgesamt war es ein durchaus stressiger und doch lohnenswerter Tag auf der gewaltigen Spielemesse und wir sind schon gespannt, welche Titel wir morgen so zwischen die Finger bekommen. Auf der Wunschliste stehen unter anderem noch "Just Cause 3", "Dark Souls 3", "Fallout 4" und "Horizon Zero Dawn". Dann bis morgen!

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