"Jetzt geht’s los, jetzt geht’s los…"
Kein großes Fußballereignis war der Auslöser dafür, dass mir diese Zeile gestern Abend im Kopf summte, sondern die Rückkehr meiner alljährlichen Tradition – das Fantasy Filmfest ist wieder einmal in Köln angekommen. Wer meine Berichte vom Fantasy Filmfest in den letzten Jahren mitverfolgt hat, weiß mittlerweile, dass die Liebesaffäre zwischen mir und dem FFF mittlerweile über ein Jahrzehnt zurückreicht – seit ich als frischgebackener 18-Jähriger 2004 erstmals dabei sein durfte (mit Saw als meinem Einstiegsfilm – noch lange bevor irgendjemandem überhaupt klar war, zu was für einem Genrephänomen Saw sich entwickeln würde) habe ich keine einzige Ausgabe des Fantasy Filmfests verpasst. Es ist die Zeit, in der ich mich vom sozialen Leben gänzlich verabschiede, das Licht des Filmprojektors dem Sonnenschein vorziehe, praktisch im Kino lebe (Kaffee und Energy Drinks sei dank!) und in die skurrile, abgefahrene, mal gruselige, mal urkomische und mal einfach faszinierende Welt der Filme eintauche, die die Veranstalter des Fantasy Filmfests für die Zuschauer sorgfältig ausgesucht haben. Fast 300 Filme habe ich seit 2004 beim Fantasy Filmfest gesehen – von den bescheidenen Anfängen mit drei Filmen im ersten Jahr bis zum neuen Rekord von 40 Filmen im letzten. Nicht alle Filme davon waren Highlights, Meisterwerke oder gar gut. Manche waren sogar ausgesprochen schlecht und doch gehören auch diese "Gurken" ebenso zu dem Festival, wie auch die Filme, die die Zeit überdauern werden. Denn so ungerne man manchmal auf so einen missglückten Film reinfällt, man würde es als Dauergast sicherlich auch irgendwie vermissen, wenn es nicht jedes Jahr einige Filme gäbe, über die man schön herziehen kann. Letztlich ist es aber natürlich – wie immer – Geschmacksfrage.
Damit sich nicht zu sehr die Routine einschleicht, muss man gelegentlich die Dinge aufrütteln, auch wenn es nicht jedem einzelnen anfangs schmeckt, und so hielt auch das Fantasy Filmfest in Köln einige Neuerungen für die Besucher bereit. Die größte davon war wiederum eine Rückkehr zum Alten: nach zehn Jahren im Cinedom kehrte das Fantasy Filmfest ins Residenz-Kino am Ring zurück, wo ich mein allererstes Fantasy Filmfest ebenfalls erleben durfte. Seitdem hat sich dort natürlich so einiges geändert und aus dem leicht schmuddeligen Arthouse-Kino ohne Klimaanlage ist mittlerweile die ASTOR Film Lounge geworden, das luxuriöseste Kino in Köln und Umgebung – üppige Ledersessel mit verstellbarer Rückenlehne, Fußhocker für die Sessel in der Loge, State-of-the-Art Bild und Ton und ein Ambiente, das an die großen Filmpaläste aus vergangenen Tagen erinnert. Der Umzug brachte aber auch einige Besonderheiten und gelegentliche Nachteile mit sich – so gibt es in Köln nun erstmals Platzkarten, die Dauerkarten-Inhaber haben für sie fest reservierte Reihen, die Einzeltickets kosten entsprechend dem Luxus noch mehr als zuvor (aber dennoch weniger als reguläre Tickets für dieses Kino) und insgesamt ist der Saal auch um einiges kleiner als im Cinedom, sodass die Wahrscheinlichkeit einer ausverkauften Vorstellung deutlich höher ist – so war der Eröffnungsfilm Kill Your Friends gestern der erste ausverkaufte Opening-Night-Film des Festivals seit langer Zeit.
Doch eine Sache hat sich auch jetzt nicht verändert – de Festivalatmosphäre, die ich verspüre, wenn ich in einem Saal voll mit Gleichgesinnten sitze, die alle gespannt darauf warten, wie der diesjährige Opener – zu dem es bislang noch nicht einmal einen Trailer gibt, weil er auf dem Fantasy Filmfest seine Weltpremiere feiert – im Vergleich zu den vorherigen abschneiden wird. The Congress und The Rover hinterließen als Eröffnungsfilme viele gemischte Meinungen in den letzten Jahren und man muss tatsächlich bis Don’t Be Afraid of the Dark im Jahre 2011 zurückgehen, um den letzten FFF-Opener mit horrorlastiger bzw. übernatürlicher Thematik zu finden – etwas, was in den Jahren davor viel üblicher war. Auch der diesjährige Kill Your Friends ist nicht zwingend ein Film, den man als "klassischen" Fantasy-Filmfest-Eröffnungsfilm bezeichnen würde, doch was am Ende zählt, ist schlicht, ob es ein guter Film ist. Viele der besten Filme von den letztjährigen Festivals waren keineswegs typische FFF-Filme (siehe Hesher, Killer Joe oder Four Lions). Von der Festivalleitung wurde Kill Your Friends im Vorfeld in den höchsten Tönen gelobt, sodass die Erwartungen schon recht weit oben angesiedelt waren.
Wie ich ihn und den daraufhin gezeigten, deutlich "typischeren" FFF-Vertreter The Hallow fand, verrate ich unten im Auftakt meines Fantasy Filmfest Tagebuchs. In den nächsten Tagen lade ich Euch alle dazu ein, mir auf diese Reise durch das vielfältige Angebot des Fantasy Filmfests 2015 zu folgen. Ich werde vom Guten und vom Schlechten, vom Gruseligen und vom Lustigen, vom Ekligen und vom Bezaubernden berichten und hoffentlich wird sich jeder den einen oder anderen Filmtipp am Ende meiner FFF2015-Odyssee merken und ich werde mit Sicherheit neue Filme auf meiner Liste haben, durch die ich meine Heimkino-Sammlung künftig bereichern werde.
Jetzt’s geht’s los!
TAG 1
In Kill Your Friends wandelt Nicholas Hoult, einst der schräge Junge an Hugh Grants Seite in About a Boy und kürzlich als X-Man Beast im Kino zu sehen, auf den Spuren von Jean Dujardin, James McAvoy und Christian Bale und stürzt sich in eine koks- und alkoholdurchtränkte Tour-de-Force-Performance, die dem Schauspieler, wie auch seinen genannten Vorgängern, die bislang größte Anerkennung seiner Karriere bringen sollte. Die drei angeführten Namen sind nicht zufällig, denn in den Filmen 39,90, Drecksau und American Psycho spielten sie nicht unähnlich angelegte, psychisch labile und ständig berauschte Figuren. Gerade Jan Kouens Adaption von Frédéric Beigbeders Roman "39,90" und Mary Harrons Brett Easton Ellis-Verfilmung American Psycho schwirren einem die ganze Zeit als Déjà-Vus im Kopf herum, wenn man sich Kill Your Friends, das Spielfilmdebüt des TV-Regisseurs Owen Harris anschaut. Warf der erste Film einen Blick auf die unmoralischen Drogen- und Sexexzesse der Werbeleute und tauchte der andere ins Haifischbecken der oberflächlichen Wall-Street-Yuppies der Achtziger ein, führt Kill Your Friends, den Bestsellerautor John Niven nach seinem eigenen Roman adaptierte, den Zuschauer hinter die Kulissen der nicht minder oberflächlichen, geldgeilen, zugedröhnten und skrupellosen Musikindustrie der späten Neunziger in Großbritannien – wobei es mich wundern würde, wenn sich bis heute sonderlich viel verändert hat (möglicherweise mit der Ausnahme der Trenddrogen). Unser Protagonist ist Steven Stelfox (Nicholas Hoult), ein Star in der A&R-Abteilung eines Plattenlabels. A&R steht für Artists and Repertoire und das sind die Leute, die dafür verantwortlich sind, neue Talente und Songhits für das Label zu entdecken und an Bord zu holen. Wie Steven es in seinem zynischen Voiceover klarstellt, zählen hier aber weder Talent noch Kunst, sondern nur, was sich an den dummen Massenkonsumenten am leichtesten verkaufen lässt. Steven hat Ambitionen. Eigentlich vor allem eine – er will der Leiter der A&R-Abteilung werden und dafür ist er bereit, über Leichen zu gehen.
Kill Your Friends schlägt in den ersten Minuten ein wie eine Bombe und macht sehr schnell klar, dass das die Nicholas-Hoult-Show ist. Hoult, der bislang vor allem nette Kerle spielen durfte und sich dieses Jahr bereits in Mad Max: Fury Road von einer überraschend anderen Seite zeigte, schlägt sich in der Rolle blendend. Steven ist ein Arschloch und ein Soziopath, doch wenn er aus dem Off über die Musikindustrie, seinen Job oder den Massengeschmack herzieht, kann man ihm schwer widersprechen. Koksend, saufend, fluchend, intrigierend, manipulierend und auf seinen Kollegen buchstäblich urinierend fegt Hoult wie ein Tornado durch die frühen Szenen des Films und nimmt keine Gefangenen. Ein ganz besonderes Highlight stellt auch der Kurzauftritt von Moritz Bleibtreu als ausgelassener deutscher Musikproduzent Rudi dar, der ein eigenes Spin-Off verdient hat.
Das alles ist sehr unterhaltsam anzusehen und die Britpop-Sounds betten den Film wundervoll in seine Ära ein, doch nach diesem grandiosen Einsteig und der furiosen Vorstellung von Stevens Welt baut der Film merklich ab und verlangsamt beträchtlich das Tempo. Neue Einfälle oder wirkliche Überraschungen liefert er nicht, sondern wandelt auf üblichen Pfaden. Letztlich ist Stevens Welt nicht anders als Octave Parangos in 39,90 oder Partrick Batemans in American Psycho. Es geht nur um Drogen, Spaß, Sex, Eskapaden, Erfolg, Angeberei und alle zwischenmenschlichen Kontakte bleiben im höchsten Maße unpersönlich (der Titel Kill Your Friends ist auch ironisch zu nehmen, denn Freunde hat Steven keine und er will auch keine). So gut Hoult in der Rolle auch ist, an Dujardins und Bales umwerfende Darbietungen kommt er nicht ganz heran, und während die anderen beiden Filme ihren Biss bis zum Ende beibehalten, schleicht sich bei Kill Your Friends etwas Langatmigkeit ein. Nicht dass es dann in irgendeiner Weise schlecht wird, doch man kann gut absehen, wohin Stevens Weg ihn führt und was auf diesem Weg vermutlich geschehen wird. Die Pointen bleiben bis zum Schluss treffsicher, doch die Macher haben sich auch eine leichte Zielscheibe ausgesucht. Dass die Musikbranche mit Halsabschneidern bevölkert ist, dürfte eigentlich keine wirklich neue Erkenntnis sein und Figuren wie Steven und seine Geschichte kann man eigentlich überall ansiedeln, wo es um sehr viel Geld geht. Letztlich war Kill Your Friends ein ordentlicher Einstieg ins FFF, nicht unähnlich The Rover aus dem Vorjahr, doch am Ende des Festivals wird es kaum der erinnerungswürdigste Film des Festivals sein. 3,5/5
Die irische Folklore, die von Elfen, Feen, Leprechauns und Naturgeistern handelt, zusammenfassend als "das gute Volk" bezeichnet, übt schon lange ihre Faszination auf Filmemacher und Buchautoren aus. Es ist eine ganz besondere, wohlig-schaurige, mythische Welt und sie brachte mit dem Leprechaun in den Neunzigern eins der besten B-Movie-Horrormonster hervor. The Hallow schlägt in die gleiche Kerbe (wobei deutlich weniger trashig) und macht das größtenteils auch ziemlich gut. Dabei wählt der Film aber einen ungewöhnlichen und dafür sehr interessanten Ansatz aus, bei dem Gruselmärchen, Mythen und Legenden auf gelungene Art und Weise mit der Wissenschaft vermischt werden – und eine kleine Prise an Gesellschaftskritik, die angesichts von Griechenlands Staatspleite aktueller nicht sein könnte, darf auch nicht fehlen.
Joseph Mawle spielt in Corin Hardys atmosphärischem Regiedebüt Adam, einen "Baumdoktor", der als Umweltexperte im Rahmen eines Forschungsauftrags mit seiner jungen Ehefrau Clare (Bojana Novakovic) und ihrem Baby aufs irische Land zieht, wo die Einheimischen ihnen alles andere als freundlich gesinnt sind und sie vor mythischen Kreaturen im Wald warnen, in dessen Lebensraum Adam angeblich eindringt. Spätestens seit American Werewolf in London sollte man eigentlich wissen, dass man auf die Warnungen von finster dreinblickenden Einheimischen besser hören sollte. Auch Adams Entdeckung von einem aggressiven, ekligen Pilz macht die Gegend nicht gerade angenehm, doch er ist da, um einen Job zu tun. Nicht lange dauert es, bis die Ereignisse eskalieren – doch sind es die Einheimischen, die die "Eindringlinge" vertreiben wollen, oder etwas Übernatürliches aus dem Wald?
Jeder Genrekenner kennt natürlich die Antwort auf diese Frage und bei The Hallow haben wir es mit einem Vollblut-Horrorfilm mit sehr gelungenen Creature-Feature-Effekten zu tun, bei denen zum Glück auf den Einsatz unnötiger Computereffekte verzichtet wurde. Die Inszenierung ist sehr schnörkellos, dicht und auch wenn der Film nicht so gruselig ist, wie er gerne wäre, mangelt es ihm nie an Atmosphäre. Die Herangehensweise an irische Volkssagen ist hier sehr originell – sie erweist der Folklore Respekt und nimmt dennoch einen modernen, wissenschaftlichen Ansatz, ohne dass beide Elemente sich widersprechen. Leider lässt sich der Film trotz seiner durchaus originellen Ideen viel zu häufig zu Genrekonventionen verleiten, wenn er den Zuschauer erschrecken möchte. Die Jump Scares wirken dadurch meist erzwungen, vorausschaubar und in einem besonderen Fall am Ende schlicht überflüssig und wie aus einem anderen, "billigeren" Film. Zum Glück sind diese plötzlichen Schreckmomente hier nicht inflationär eingesetzt und wenn der Film bei seinen sympathischen Charakteren bleibt und ein wenig der irischen Mythologie auf den Grund geht, entfaltet sich seine eigentliche Stärke. Für Regisseur Corin Hardy, der einst der Regiekandidat für das Remake von The Crow war, ist es kein perfektes Debüt, aber dennoch ein sehr beachtlicher Genre-Einstand, nach dem man ihn auf jeden Fall im Auge behalten sollte.
____________________________________________________________
In der morgigen Ausgabe unseres Fantasy Filmfest Tagebuchs 2015 erwarten Euch meine Meinungen zu Bite, der Ekel-Hommage an Cronenbergs Body-Horror Die Fliege, dem Tierhorror The Pack und dem Zombiedrama Maggie, in dem Arnold Schwarzenegger die dramatischste Schauspielleistung seiner Karriere abliefern soll. Könnte sich darunter bereits eins der ersten Highlights des Festivals verbergen?



Manche Leute kämpfen sich in das Schauspiel-Milleu hinein, andere haben Glück, die richtigen Menschen und Entscheidungen getroffen zu haben, andere sind einfach irgendwie reingerutscht. Und manche werden einfach dazu geboren. So war Jake Gyllenhaals Weg nach Hollywood rückblickend mehr als nur offensichtlich. Geboren in der Stadt der Engel und des Films, Los Angeles, mit einem Regisseur als Vater, einer Produzentin und Autorin als Mutter und Jamie Lee Curtis als Patentante, konnte sein Leben eigentlich nur in Richtung Film verlaufen. Die einzige Frage war da noch welcher Bereich. Gerade einmal elf Jahre später stand das dann aber auch schon so gut wie fest und der kleine Jake ergatterte eine Mini-Rolle in Ron Underwoods City Slickers, mit dem Der-Pate–II-Darsteller Bruno Kirby. In der Midlife-Crisis-Komödie (?) mit akuten Stimmungsschwankungen spielte er Billy Crystals Sohn, jedoch reichte das nur für knappe 30 Sekunden Screentime. Doch auch 1991 war Gyllenhaal schon das Beste an den Filmen, in denen er mitwirkte. Mir kitzelte der kleine Junge mit den Zahnlücken einen der wenigen Lacher im Film hervor.
Acht Jahre war dann bis auf drei ebenso kleine Rollen, zu denen auch eine Zusammenarbeit mit seiner ebenfalls in die Schauspielerei gerutschten Schwester Maggie Gyllenhaal gehörte, erst einmal Ruhe, bis Gyllenhaal mit 19 Jahren die Hauptrolle in der Autobiografie des Raketenkonstrukteurs Homer Hickam, October Sky, ergatterte. Dies reichte jedoch noch nicht für einen Durchbruch. Der kam erst, nachdem er 2001 mit 21 Jahren wegen seinem jugendlichen Aussehen gleich für drei Teenie-Rollen engagiert wurde. Neben der Quatsch-Komödie Bubble Boy und einer kleinen Rolle in Lovely & Amazing war das nämlich die Rolle des Donnie Darko im gleichnamigen Film. Doch auch dieser Erfolg setzte nicht gleich ein, denn obwohl die Kritikerschaft Richard Kellys Regiedebüt durchaus positiv aufnahm, blieb der Erfolg an den Kinokassen aus, sodass der Film hierzulande nicht einmal in die Kinos kam. Richtig erfolgreich wurde der nun schon moderne Klassiker erst zu seinem DVD-Start und Jake Gyllenhaal das erste Mal richtig wahrgenommen. Gewisse Szenen, wie zum Beispiel das Ende oder Sätze wie „I think you’re the fucking Antichrist“ haben sich für immer in die Fanherzen eingebrannt, jedoch sehe ich persönlich hier noch kleine Schwächen in Gyllenhaals Spiel, vor allem wenn er gerade wieder Visionen vom Hasen Frank hat. Großartig war seine Leistung trotzdem allemal und Donnie Darko bleibt für immer ein absolutes Meisterwerk.
Das war der Durchbruch, und die angedeutete Aufwärtsfahrt hätte in einem 90-Grad-Winkel abheben können. Denn während Donnie Darko gerade über die Leinwände flimmerte, war der aufstrebende Darsteller ein Bewerber für die Rolle des Peter Parker in Sam Raimis Spider-Man. Das wäre ja was geworden! Na ja, so durften wir uns dafür mit Tobey Maguire begnügen, was ja auch nichts Schlechtes war (bis auf Bad-Boy-Tobey im
Mit nun wachsender Bekanntheit trat Gyllenhaal danach in Der Beweis zusammen mit Hollywood-Veteran Anthony Hopkins auf, mimte in einer sehr guten Performance den Soldaten Swofford in Sam Mendes' Kriegsdrama Jarhead an der Seite von Jamie Foxx und zog durch seine Leistung im für acht Oscars nominierten Drama Brokeback Mountain letztendlich internationale Aufmerksamkeit auf sich. Schon für Donnie Darko war er von kleineren Awards als bester Darsteller nominiert und ausgezeichnet worden, seine Oscarnominierung als "Bester Nebendarsteller" rückte ihn jedoch erst jetzt auf die internationale Bühne. Gewinnen konnte er trotzdem nicht und musste sich leider gegen George Clooney (Syriana) geschlagen geben. Dafür brachte ihm seine durchaus sehr gute Performance zahlreiche andere Preise, wie zum Beispiel den British Academy Film Award ein. Bei den Dreharbeiten zu Brokeback Mountain schlossen Jake Gyllenhaal und Heath Ledger außerdem eine sehr enge Freundschaft und Gyllenhaal wurde auch zum Patenonkel von Ledgers Tochter mit Michelle Williams. Etwas später wären sie vielleicht sogar noch einmal aufeinander gestoßen. Jake Gyllenhaal verlor 2006 nämlich nicht nur seine Rolle als Clark Kent in Bryan Singers Superman Returns, sondern auch das Rennen gegen Christian Bale um die Rolle des dunklen Ritters für Christopher Nolans Batman Begins. So hätten sich die Freunde 2008 eventuell als Batman und Joker in The Dark Knight gegenübergestanden. Ein bisschen problematisch wäre das aber schon geworden, spielte doch seine große Schwester Maggie das Love Interest von Bruce Wayne im zweiten Batman. Da blieb dann vielleicht doch eher Geschwisterstreit erspart, aber obwohl Christian Bale weiterhin eine perfekte Besetzung war, hätte mich Gyllenhaal als Batman doch sehr gereizt.
2007 holte David Fincher Gyllenhaal für seine Verfilmung der Zodiac-Morde an Bord, in dem er das erste Mal seine Wandlungsfähigkeiten andeutete, wenn er vom liebenswerten Karikaturisten Graysmith zum besessenen Hobbydetektiv wird. Vor allem eine Szene, in der er trotz minimalistischer Gestik die pure Angst verkörpert, hat sich bei mir eingeprägt. Im gleichen Jahr konnte man ihn dann noch im mittelmäßigen Machtlos sehen, nach dem er zwei Jahre lang mit Reese Witherspoon zusammenlebte, die er bei dem Dreh kennengelernt hatte. Während ihres Zusammenlebens hatte Jake keine Rollen und trat erst 2009 wieder vor die Kamera. In Brothers stieß er auf den Spidey-Rollendieb Tobey Maguire, der ihn trotz Gyllenhaals starker Leistung an die Wand spielte. Während der Dreharbeiten erfuhr Gyllenhaal außerdem von Heath Ledgers tragischem Tod und unterbrach sie deshalb erst einmal. Auch heute sagt Jake Gyllenhaal immer noch, wie sehr er seinen Freund vermisst, der im gleichen Jahr noch für seine Performance als Joker ausgezeichnet wurde. In den folgenden drei Jahren setzte sich der talentierte Charakterdarsteller dann ins Mainstreamkino ab. Mit Prince of Persia verwirklichte er einen Kindheitstraum und verlieh dem Videospielcharakter durch sein Spiel sogar einen gewissen Charme; in Love & Other Drugs durfte er mit Anne Hathaway rumknutschen und seine natürliche Sympathie und Witz in sein Spiel übertragen. Daraufhin folgten zwei Thriller: Der gute Source Code und der durchwachsene
Als Denis Villeneuve ihn 2013 für gleich zwei Filme besetzte, wandte sich Gyllenhaal wieder dem Qualitätskino zu und Villeneuve gab ihm die Chance, sich in seinem Spiel mehr auszuleben. So lieferte er eine starke Leistung im von der Kritik ohnehin gut aufgenommenen
Als Jake Gyllenhaal nämlich letztes Jahr 9 Kilo für seine Rolle in Dan Gilroys Regiedebüt 




Es war einmal… da hackte sich Aschenputtels Stiefschwester die Zehen ab, Mutter Geißlein schnitt dem Wolf mit einer Schere den Bauch auf und Ritter Blaubart verwahrte die Leichen seiner Ex-Frauen im Keller. Vom Zuckerguss bleibt wenig übrig, wenn man einen genaueren Blick auf all die bekannten Märchen wirft – und trotzdem bleibt ihnen eine gewisse Magie nicht verwehrt. Es ist der kitzelnde Grusel und die Bizarrerie in diesem überdrehten, farbenfrohen Mantel aus Magie und Wundern, die die Märchenwelten zu so etwas Besonderem machen. Das Märchen der Märchen unterteilt sich dabei in drei einzelne Geschichten, die zum "wahren", düsteren Kern von Märchen vordringen und neben Moral, Magie und Zauber die Essenz von Märchen wirklich verstanden haben. Matteo Garrone bedient sich dabei durchaus typischer Märchenmuster und -konstellationen, befreit sich über clevere Umwege jedoch von dem kitschigen, wunderbaren Schein und entblößt radikale Brachialitäten.
Salma Hayek (From Dusk Till Dawn) wünscht sich nichts sehnlicher als ein Kind. Die egozentrische Königin lässt dafür sogar der Tod ihres Mannes (John C. Reilly) kalt, der sich opfert, um ihr das Herz eines Seemonsters zu besorgen, durch dessen Verzehr sie schwanger wird. Gekocht von einer Jungfrau, schwängert die Magie jedoch auch diese. Beide Söhne sehen nicht nur gleich aus, sie verbindet auch eine brüderliche Zuneigung, was der Königin ein Dorn im Auge ist, da sie ihren Sohn nur für sich allein haben will und dafür zu allem bereit ist. Vincent Cassel (
Das Märchen der Märchen verzaubert nicht, lullt den Zuschauer nicht in harmlose Bilderwelten ein, sondern schockiert mit Mord und Totschlag, Verantwortungslosigkeit, Korruption und Wahnsinn im Kontrast zur scheinschönen Märchenoptik. Es ist ein Blick hinter die Kulissen von Glanz und Glorie, hinein in menschliche Abgründe. Die Erzählung ist langsam, braucht oft etwas zu lange um in Fahrt zu kommen. Ist jede Geschichte aber erst einmal aufgebaut, ist das Interesse zu groß, als dass man je gelangweilt ist. Etwas Geduld sollte man bei über zwei Stunden Laufzeit und dank der inkohärenten Erzählstruktur trotzdem mitbringen. Immer wilder springt die Inszenierung in einem undurchschaubaren, aber größtenteils funktionierenden Wirrwarr zwischen groteskem Witz, bitterer Ernsthaftigkeit und totalem Wahnsinn hin und her. Das Märchen der Märchen ist nichts für normale Sehgewohnheiten.

Man mag es sich vielleicht nicht erwarten, doch mit Dating Queen ist Apatow in Zusammenarbeit mit Amy Schumer ein wirklich urkomisches Kinohighlight mit interessanten Hauptcharakteren und vor allem einem perfekten Schauspielensemble gelungen. Schumer, die in der Stand-Up-Comedy-Branche mit ihren Shows (z.B. "Inside Amy Schumer") Erfolge feiert, bringt mit Dating Queen ihren Schauspiel-Stil und Humor auf die Leinwand. Bekannt ist sie vor allem dafür, sich mit ihrer krassen und ehrlichen Art über Liebe, Sex, Beziehungen im Allgemeinen und auch jegliche Frauenklischees nach Herzenslust auszulassen. Ihr Debüt auf der Kinoleinwand gab sie bereits 2012 (u. a. Price Check und Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt), dieses Mal schrieb sie nebenbei auch noch das Drehbuch zum Film, was diesem definitiv ihre eigene Handschrift und einen speziellen Charakter verleiht. An Schumers Seite steht als zweite Hauptrolle, Sportmediziner Aaron Conners, Schauspieler und "South Park"-Mitautor Bill Hader. Auch er ist in der Comedy zuhause, hauptsächlich kennt man ihn als Stiefbruder Jason Segels in Nie wieder Sex mit der Ex und aus
Die Stimmung steht und fällt mit ihrer Hauptfigur, die definitiv den Mittelpunkt des gesamten Films darstellt und dementsprechend sehr vielschichtig ausgelegt ist. Ihre Freiheit, ihr Leben so zu leben, wie sie es gerade tut, lässt sie sich von nichts und niemandem nehmen, nicht einmal von ihrer Schwester Kim (Brie Larson), die sich mit ihrem Ehemann Tom (Mike Birbiglia) ein Familienleben aufbaut und sie dazu ermutigen will, zur Vernunft zu kommen. Auf der anderen Seite steht ihre inneres Chaos und das seltsame Verhältnis von Amy zu ihrem Vater. Was sowohl Apatow in der Regie als auch Schumer im Drehbuch wirklich gut gelungen ist, ist der Effekt, dass sich alles um die große Lebenswende von Hauptcharakter Amy dreht und der Witz dabei fast immer in der Balance zur Handlung steht. Bettszenen, die Stoff zum Witzereißen bieten, gibt es genug. Zu Anfang vielleicht ein paar mehr als nötig gewesen wäre, denn eine kleine Schwachstelle des Films sind die teilweise etwas zu ausführlich diskutierten Intimprobleme, die die Lustigkeit mancher Momente zwischendurch ein wenig wieder herausnehmen. Lange Reden über Tampons lassen dabei eher leichtes Fremdschämen beim Kinobesucher hochkommen, sicherlich provokant, andererseits aber auch nicht unbedingt eine Notwendigkeit.
Doch neben allen Absurditäten, Joints und Sauforgien mag es vielleicht verrückt klingen, doch ein deutlich positiver Nebenaspekt von Dating Queen ist tatsächlich auch die Emotionalität des Films, die von allen Darstellern gut herübergebracht wird. Natürlich kommt hier der Witz trotzdem nicht zu kurz, jedoch ist dies auch ein Faktor, der die neue Komödie Apatows ein wenig von den anderen abhebt. Zwischen allen Standards der vulgären Liebescomedy kommt auch die tiefgreifendere Seite von Amy in einem kleinen Umfang zum Vorschein, die den Zuschauer packt und sogar eine leichte Tendenz zur Identifikation zulässt. Vielleicht ist es auch ein bisschen die Art des Humors, in dessen Rolle man an wenigen Stellen im eigenen Leben hätte stecken können, die einen mitreißt. Trockene Sprüche, witzige Situationen und Figurenkonstellationen geben eine gute Mischung zwischen den hin und wieder etwas klischeegeladenen Gesprächen. Was der Gesamthandlung in Dating Queen ebenfalls wirklich gut tut, ist auch Sportlerlegende LeBron James, der zusammen mit Bill Hader ein putziges Freunde-Pärchen abgibt. James übernimmt dabei mit seiner realen Identität die Rolle des ratgebenden, gefühlvollen besten Freundes, der Aaron ein bisschen auf den richtigen Weg schubst. Die Struktur des Films ist dabei relativ einfach gehalten: Nach anfänglichen Schwierigkeiten über anrufen – nicht anrufen und Gefühlschaos, der gemeinsamen Beziehung mit allem Drum und Dran, dem ersten Liebeskummer und der letztendlichen Frage "Will ich das wirklich?“, folgt dann die endgültige Entscheidung – und das direkt mit einer der besten Szenen des Films.








Scheidungskinder, Geschwister, Hipster. Noah Baumbach widmet sich in seinen Filmen meistens einer bestimmten Menschengruppe. Ohne diese Art von Mensch jedoch in seiner Darstellung universell zu pauschalisieren, konzentriert er sich auf ein bestimmtes Fragment dieser Gruppierung. Dabei stellt er immer heraus, dass es sich dabei um eine individuelle Portätierung handelt, die, wenn er den Fokus auf jemand anderen aus derselben Gruppierung legen würde, komplett unterschiedlich aussehen könnte. In Gefühlt Mitte Zwanzig erzählt Baumbach die Geschichte des Pärchens Josh (Ben Stiller) und Cornelia (Naomi Watts) in ihren Mittvierzigern, die sich in ihrem erwachsenen Freundeskreis aufgrund ihrer Kinderlosigkeit langsam nicht mehr wohl fühlen. Als sie das junge Hipster-Pärchen Jamie (Adam Driver) und Darby (Amanda Seyfried) kennenlernen, geraten sie in eine Midlife-Crisis, die sie auseinander zu bringen droht.
Jamie und Darby brennen nämlich noch füreinander und genießen das Leben, während sich bei Josh und Cornelia mit der Zeit die Routine eingeschlichen hat. „Der Rom-Urlaub ist schon sechs Jahre her?“, bemerkt Josh in einer Szene. Ein kleiner Augenblick des Erschreckens, der nicht nur den eintönigen Alltag der beiden beschreiben soll, sondern auch auf die Gefühlswelt aller (oder der meisten) Erwachsenen Mitte 40 anspielt. Genau aus diesem „Man, ich werd' alt“-Ressort schöpft Noah Baumbach die meiste Zeit seine Gags. Es sind Situationen, die sich fast schon nach Klischee anfühlen, ihren Witz aber aus der Ehrlichkeit ihres Ursprungs ziehen. Denn Baumbach – selbst in seinen Mittvierzigern – nimmt uns allen bekannte Alltagssituationen, die man (wenn man jung ist) von seinen Eltern, von sich selbst, oder sogar schon von seinen Kindern kennt. Zwar zünden nicht alle Gags und die großen Lacher bleiben aus, aber ein Lächeln kitzelt der Film trotz immer hervor. Vor allem aber merkt man hier, dass Gefühlt Mitte Zwanzig eben nicht nur die Altersgruppe seiner Protagonisten als Zielpublikum anvisiert.
Zum komplett gegensätzlichen Hipster-Pärchen findet man weniger einen Draht. Dies ist aber auch nicht unbedingt nötig, denn Jamie und Darby sind nicht als Sympathieträger für die jüngeren Kinogänger gedacht. Sie machen den Kontrast zwischen den beiden Generationen deutlich, und vor allem die Ironie, die sich in unserer so übertechnologisierten Zeit langsam ergibt. Während sich Josh Tag für Tag damit abmüht, mit der technischen Entwicklung mitzuhalten, fängt Jamie wieder an, seine Tische selbst zu bauen. Auf der anderen Seite sieht man jedoch, wie schon ein Baby ein Smartphone bedient und alte, weise Menschen eben… alt und weise sind. Wie man schon merkt, sind es etwas extreme Beispiele, mit denen man ironischen Witz aus diesem Zustand holen möchte, und auch kann es zuweilen etwas nerven, wenn Beispiel für Beispiel mit fast schon penetrantem Fingerzeigen abgearbeitet wird. Trotzdem kann man Gefühlt Mitte Zwanzig in seiner unaufgeregten Inszenierung kein Stück böse sein.
Frankreich. Die Sonne scheint und „das Wasser ist hier blauer als an der Adria.“ Im Gegensatz dazu steht die düstere Gangster-Story mit skurill-komödiantischem Einfluss, wie Regisseur und Hauptdarsteller Justus von Dohnányi (Männerherzen) über sein zweites Regiewerk nach Bis zum Ellenbogen sagt. Wie auch bei seinem Debüt inszeniert Dohnányi sich selbst an der Seite von Tatort-Ermittler Jan Josef Liefers. Er, Mace (Jan Josef Liefers) ist eher der ruhige, überlegte Typ. Fast schon ein Sherlock Holmes im Gegensatz zum dusseligen Ed (Justus von Dohnányi), der diese schon seit Ewigkeiten ausgelutschte Partner-Konstellation komplettiert. Angeheuert von Dr. Jürg Würsch (Stefan Kurt), der auf Einladung von Gangsterboss Mischa (Milan Peschel) in dessen Ferienhaus zu Gast ist, sollen die beiden „Profis“ dem Anwalt beim Raub von Mischas Vermögen helfen.
Mit Bis zum Ellenbogen bewies Dohnányi 2007, dass er inszenatorisch nicht untalentiert ist und durfte danach sogar mal beim Tatort auf dem Regiestuhl Platz nehmen. Sein zweiter Anlauf mit einer deutschen Gangster-Komödie erweist sich aber als genau so desaströs wie der Titel vermuten lässt. Mit peinlich geschriebenen Dialogen, die steif und offensichtlich auswendig gelernt runtergerattert werden, versucht Dohnányi sich daran, sich selbst als deutsches Tarantino-Pendant zu etablieren. Auf die nicht ein einziges Mal zündenden Witze wird gnadenlos draufzukonstruiert. Dabei geht vor allem die Lockerheit der Sprüche ununterbrochen in peinlichem Schweigen unter. Und auch sonst wühlt man penetrant in der Fremdschäm-Kiste, für ach-so-groteseke Comic-Reliefs, die oft als Kontrast zum etwas ernsteren Gangster-Plot herhalten sollen. Dieses oft eingesetze und in Hollywood (z.B. bei Tarantino) meist auch gut funktionierende Konzept führt in Desaster jedoch nur zu ungläubigem Kopfschütteln. Der Film ist auf der Comedy-Seite nicht lustig und auf der Gangster-Seite nicht annähernd ernst zu nehmen.
Durch gänzlich fehlenden dramaturgischen Aufbau ohne wirklich erkennbaren roten Faden, ist Desaster nur eine Aneinanderreihung von Ereignissen, die man fast nicht einmal als Plot Points bezeichnen kann. Dahinter steckt vielleicht ein Plan. Aber der Plan war kacke. Da hilft auch kein schönes Frankreich, das wie alles andere auch in Hollywood-Filme imitierenden Kameraeinstellungen eingefangen ist und mehr ein kläglicher Versuch ist, als dem Film wirklich einen hochwertigen Touch zu verleihen.











