Wonder Woman 1984 Kino

Gal Gadot und Chris Pine in Wonder Woman 1984 © 2020 Warner Bros. Pictures

Quelle: Warner Bros. Pictures

Es sieht ganz danach aus, als würde Tenet noch sehr lange in den größten Sälen der Kinos laufen, denn der nächste potenzielle Blockbuster auf dem bereits stark ausgedünnten Startkalender ist soeben fast drei Monate nach hinten gerückt. Warner Bros. hat den US-Kinostart von Wonder Woman 1984 vom 2. Oktober auf den 25. Dezember verschoben. Der neue deutsche Starttermin wurde noch nicht bekanntgegeben. Eine nicht unerhebliche Rolle hat dabei definitiv das enttäuschende Abschneiden von Tenet an den nordamerikanischen Kinokassen gespielt. Das hat den Studios gezeigt, dass der größte Kinomarkt der Welt einfach noch nicht bereit ist für große Blockbuster. Zwar sind inzwischen rund 70% aller Kinos in den USA und in Kanada offen, in den großen Metropolen New York, Los Angeles und San Francisco, die in der Regel einen beträchtlichen Anteil am Einspiel eines jeden Films tragen, bleiben die Lichtspielhäuser auf absehbare Zeit noch dicht. Ohne diese Städte kann kein Film sein Potenzial ausschöpfen, und bei $200-Mio-Produktionen wie Tenet und Wonder Woman 1984 ist es wichtig, die Filme unter möglichst günstigen Umständen herauszubringen.

Tenet ist außerdem auf eine andere Weise für die Verschiebung verantwortlich. Auch wenn die Kinos in L.A. und New York pünktlich zum bisherigen Kinostart von Wonder Woman 1984 wiedereröffnen, werden sie Tenet ins Programm aufnehmen wollen, und Warner würde mit sich selbst konkurrieren. Um eine solche Situation zu vermeiden, gibt das Studio Tenet die freie Bahn für die nächsten Wochen, in der Hoffnung, dass er sich zum Langläufer an den Kinokassen entwickelt.

Während Tenet als Originalfilm komplett "ungestestet" war und daher auch unter normalen Umständen vielleicht kommerziell enttäuscht hätte, hat der erste Wonder Woman mehr als $400 Mio in Nordamerika und mehr als $820 Mio weltweit eingespielt. Sicherlich hatte Warner mindestens vergleichbare Zahlen für den zweiten Teil im Blick, was in der aktuellen Situation schlicht unmöglich wäre. Daher wird erst einmal bis Dezember gewartet.

Bereits vor der Pandemie war Wonder Woman 1984 ein mehrfach verschobener Film. Zunächst sollte er im Dezember 2019 in die Kinos kommen. Als Disney jedoch Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers von Mai bis Dezember 2019 verschoben hat, wich Wonder Woman 1984 zurück und der Starttermin wurde auf November 2019 vorverlegt. Dann entschied sich Warner, dass der Film am besten wieder im Sommer aufgehoben wäre, wie schon der erste Teil, und verschob ihn bis Juni 2020. Während der Corona-Krise wurde er erst bis August, dann bis Oktober, und nun bis Weihnachten verschoben, fast genau ein Jahr nach seinem allerersten Starttermin. Mit Aquaman hat Warner bereits sehr gute Erfahrungen mit DC-Verfilmungen im Weihnachtsgeschäft gemacht. Der Streifen ist mit mehr als $1,1 Milliarden bis heute der weltweit umsatzstärkste DC-Film überhaupt.

Der neue Starttermin von Wonder Woman 1984 liegt nur eine Woche nach dem aktuell noch gültigen Kinostart von Warners Dune. Dass beide tatsächlich mit einer Woche Abstand zueinander starten werden, halte ich für ausgeschlossen, sodass wir uns auf die Verschiebung von Dune ins nächste Jahr gefasst machen sollten. Es ist kein Zufall, dass der kürzlich veröffentlichte Trailer zu Dune keinen Starttermin enthielt.

Aktuell ist Marvels Black Widow der nächste wirklich große noch terminierte Film und soll am 29. Oktober bei uns starten. Seien wir mal ehrlich – das wird er nicht. Disney geht in der Krise vorsichtig vor und hat bereits The King’s Man ins nächste Jahr verschoben. Da die Marketingkampagne von Black Widow überhaupt nicht wieder angelaufen ist, schätze ich, dass das Studio aktuell überlegt, wie es mit dem Film verfahren wird. Hoffentlich nicht wie mit Mulan.

Sollte sich Black Widow auch vom Startplan verabschieden, dann ist das Bond-Abenteuer Keine Zeit zu sterben am 12. November der nächste Blockbusterkandidat. Die nächsten zwei Monate werden also wieder eine Dürreperiode für die Kinobetreiber, wenn auch vermutlich und zum Glück keine so schlimme wie vor Tenet.