Michael 2 ist sehr wahrscheinlich, kommt aber nicht bald

Bei keinem anderen Film in jüngster Vergangenheit war die Diskrepanz zwischen den Kritiker- und den Zuschauerstimmen so eklatant wie bei Michael. Ein Blick auf die RottenTomatoes-Seite des Films veranschaulicht die unterschiedliche Wahrnehmung des Films: Nur 38 % der Filmjournalisten mochten den Film, dafür aber 97 % der regulären Kinogänger:innen. Nicht einmal bei Bohemian Rhapsody war die Differenz so groß. "Harmlos, glattgebügelt und oberflächlich" lautet das Urteil der meisten Kritiker, während die Fans des Films von den mitreißenden Musiksequenzen und Jaafar Jacksons frappierender Ähnlichkeit zu seinem Onkel schwärmen.

Die Chefetage von Lionsgate kann jedenfalls aufatmen: Nach einer wirklich turbulenten Produktion, bei der ein beträchtlicher Teil des Films aus rechtlichen Gründen neu gedreht werden musste und jegliche Andeutungen der Missbrauchsvorwürfe gegen Jackson entfernt werden mussten, ist der Film ein Riesenerfolg und brach alle bisherigen Startrekorde eines Musiker-Biopics. Nach nur einer Woche spielte der Film weltweit bereits fast 300 Millionen US-Dollar ein. Auch hierzulande strömten trotz schönsten Frühlingswetters fast eine halbe Million Menschen in die Kinos, um den Werdegang von Michael Jackson auf der Leinwand zu verfolgen und bei seinen größten Hits mitzusingen. Der King of Pop war schon immer ein Meister der Superlative und das offensichtlich auch lange über seinen Tod hinaus.

Für Lionsgate ist Michael der größte Erfolg seit dem Ende der ursprünglichen Panem-Reihe vor zehn Jahren und im Gegensatz zu den meisten vergleichbaren Biopics schreit der Film geradezu nach einer Fortsetzung. Ein Film ist schließlich nicht genug, um das komplexe Leben eines der größten Superstars des 20. Jahrhunderts abzubilden. Michael deckt Jacksons Karriere von seiner Kindheit bis zum Abschied von den Jackson 5 und dem Anfang seiner legendären "Bad"-Tournee 1988. Am Ende kündigt der Film sogar an, dass Michael Jacksons Geschichte weitergehen wird.

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Jetzt kommt jedoch der schwierige Teil. Während der erste Film noch den Fokus auf die komplizierte Beziehung zwischen Michael Jackson und seinem Vater legen konnte, erscheint es unmöglich, den Rest von seinem Leben zu erzählen, ohne auf die kontroversen Missbrauchsvorwürfe einzugehen. Genau genommen sollten sie bereits im ersten Film adressiert werden, bis es den Machern dämmerte, dass im Rahmen der außergerichtlichen Einigung mit Jordan Chandlers Familie, die die Vorwürfe gegen Jackson erhob, eine Klausel gab, die untersagte, dass Jordan in irgendeinem Film über Michael Jackson je thematisiert werden würde. Aus diesem Grund musste ein Teil des Films für 15 Millionen Dollar neu gedreht werden. Das entfernte Material ist jedoch nicht völlig unbrauchbar. Laut Insider-Informationen könnten rund 30 % der abgedrehten, aber unveröffentlichten Szenen in einem zweiten Film verwendet werden.

Dennoch bleiben einige Fragen offen: Wie geht man mit den heiklen Themen in Michael 2 um, und wer wird den Film überhaupt inszenieren? Originalregisseur Antoine Fuqua ist in absehbarer Zeit mit Netflix' Historienepos Hannibal mit Denzel Washington in der Hauptrolle beschäftigt. Produzent Graham King, der auch Bohemian Rhapsody zum Oscar- und Kassenerfolg produzierte, stellte in den Raum, die Regie des zweiten Michael-Films selbst zu übernehmen. Es wäre seine allererste Regiearbeit, allerdings soll er sehr aktiv an den Nachdrehs zu Michael beteiligt gewesen sein. Eine weitere Hürde für das Sequel ist, dass die Verträge mit allen Darstellern des ersten Films nach dessen Riesenerfolg neu verhandelt werden müssten. So oder so könnten einige Jahre ins Land ziehen, bis Michael Jackson auf die Kinoleinwände zurückkehrt.

Lionsgate-Vorsitzender Adam Fogelson sprach kürzlich im Podcast mit Matt Belloni über das Potenzial des zweiten Films: (aus dem Englischen)

Es gibt eine riesige Menge an Musik… und Lebenserfahrungen, die nichts mit den Vorwürfen zu tun haben… die allein schon für mehr als einen zweiten Film reichen würden.

Auf die Frage nach dem Umgang mit den Missbrauchsvorwürfen hatte er eine sehr diplomatische (lies: nichtssagende) Antwort parat:

Das ist eine wirklich komplizierte Frage, und ich bin mir nicht sicher, ob ich dafür die richtige Person bin oder ob jetzt der richtige Zeitpunkt ist.

Habt Ihr Interesse an einem Film über die späte Phase von Jacksons Karriere, oder sollte man es lieber bei einem Film belassen?

Quellen: Matt Belloni’s The Town Podcast, Puck News

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