Jurassic World Box-Office USA

Quelle: Box-Office Guru

Die Dinosaurier haben einst die Welt regiert und jetzt regieren sie wieder die Kinocharts. Vierzehn Jahre nach Jurassic Park III wird mit Jurassic World der Dino-Park wieder im Kino eröffnet und der Erfolg ist atemberaubend. Am ersten Tag spielte das Blockbuster-Event in den USA knapp $82,8 Mio von 4274 Kinos ein. Auch jedem Box-Office-Laien, dürfte klar sein, was für eine riesige Summe das ist (es ist mehr als das Gesamteinspiel on Filmen wie Hercules oder White House Down). Ich gehe aber noch detailliert darauf ein, weshalb dieses Startergebnis besonders beeindruckend ist.

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Bei diesem Einspiel handelt es sich um den drittbesten Starttag aller Zeiten an den US-Kinokassen. Lediglich zwei weitere Sequels eröffneten besser – Harry Potter und die Heligtümer des Todes Teil 2 mit $91,1 Mio vor vier Jahren und Avengers: Age of Ultron mit $84,4 Mio diesen Mai. Damit liegt der erste Tag sogar vor denen der Megahits wie The Avengers, The Dark Knight Rises und Iron Man 3. Noch beeindruckender erscheint der Starttag allerdings, wenn man die Zahlen aus den Previews am Donnerstagabend, also vor dem eigentlichen Starttag, abzieht. In diesen Previews spielte Jurassic World $18,5 Mio ein – eine stattliche, aber nicht annähernd rekordverdächtige Zahl. Am eigentlichen Eröffnungstag waren es also $64,3 Mio und damit ist es der größte Starttag aller Zeiten, denn sowohl Harry Potter als auch Avengers 2 spielten deutlich mehr in den Previews ein (Harry Potter nahm alleine in den Mitternachtsvorstellungen über $40 Mio ein). Der geringere Previews-Anteil am Starttag spricht dafür, dass nicht alle sofort rausgerannt sind, um den Film zu sehen, sondern dass er sich über die nächsten Tage gut halten sollte und nicht sofort abstürzt. Bedenkt, dass Marvel’s The Avengers 2012 am ersten Tag $80,8 Mio einspielte und es trotzdem für das bislang ungeschlagene Rekord-Startwochenende von $207,4 Mio reichte. Ob auch Jurassic World in solche Höhen kommen oder gar ein Kandidat für das beste Startwochenende aller Zeiten sein wird, ist noch nicht sicher, doch man kann davon ausgehen, dass das Sequel zumindest das bislang beste Startwochenende des Jahres und das zweitbeste aller Zeiten in den USA erreichen wird. Dazu muss er die $191,3 Mio von Avengers: Age of Ultron toppen. Ich gehe momentan von einem Startergebnis von etwa $195-205 Mio über das Wochenende aus. Das kann man nur mit einem Wort treffend beschreiben: Wow.

Die Liste der Rekorde endet hier nicht, denn natürlich ist es auch der mit Abstand beste Juni-Starttag aller Zeiten an den US-Kinokassen. Dieser Rekord gehörte bislang Bis(s) zum Abendrot – Eclipse mit $68,5 Mio, der jetzt übrigens von Jurassic World auch aus der Top 10 der besten Starttage aller Zeiten verdrängt wird. Jurassic World ist erst der vierte Film überhaupt, der an seinem ersten Tag mehr als $80 Mio in den USA einspielen konnte. Zum Vergleich: vor zwei Jahren startete das Superhelden-Spektakel Man of Steel mit $116,6 Mio an seinem gesamten Startwochenende im Juni. Auch wenn niemand einen so unglaublichen Erfolg vorhersagen konnte, haben sich im Vorfeld die Vorzeichen auf einen Riesenstart gehäuft. Universals Marketing was sehr intensiv und sorgte bei den Zuschauern stets für Begeisterung. Der hauptsächliche Verkaufspunkt war die Rückkehr des einst so beliebten Franchises. Dass der zweite und der dritte Film in der Reihe nicht annähernd so gut ankamen wie der erste, scheint Jurassic World keineswegs geschadet zu haben. Die Kinogänger haben den Dino-Spaß von Jurassic Park offensichtlich vermisst und waren froh, in diese Welt zurückkehren zu können. Inmitten der ganzen Superheldenfilme und der Massenzerstörung à la Transformers erschien Jurassic World als Old-School-Spaß erfrischend und konnte sowohl die nostalgischen Fans des Neunziger-Originals als auch ganz neue Zielgruppen anlocken. Dinosaurier haben an ihrer Faszination nichts eingebüßt.

Auch die bisherige Franchise-Geschichte sprach für den Erfolg. Zwei der vorherigen drei Jurassic-Park-Filme stellten Startrekorde am US-Box-Office auf. Fast auf den Tag genau vor 22 Jahren lief Steven Spielbergs Jurassic Park mit seinerzeit unglaublichen $47 Mio an und spielte insgesamt $357 Mio in Nordamerika ein. Damit wurde er zum zweiterfolgreichsten Film aller Zeiten nach E.T. – Der Außerirdische in den USA. Bezieht man die Inflation mit ein, hat Jurassic Park damals das Äquivalent zu heutigen $700 Mio eingenommen! Vier Jahre später gelang dem Sequel Vergessene Welt: Jurassic Park mit $72 Mio ebenfalls das beste Startwochenende aller Zeiten. Die Mundpropaganda war diesmal schwächer und der Film spielte in den USA insgesamt "nur" $229 Mio ein, aber auch das ist inflationsbereinigt knapp $405 Mio heute. Der Startrekord von Vergessene Welt hielt sich über vier Jahre lang bis zur Ankunft von Harry Potter und der Stein der Weisen im November 2001. Im selben Jahr startete übrigens auch Jurassic Park III mit deutlich weniger Hype, da er nicht von Steven Spielberg inszeniert war. Der Film startete an einem Mittwoch und spielte in seinen ersten fünf Tagen über 80 Mio ein. Insgesamt wurden es $181,2 Mio und es reichte immerhin für Platz 9 der Jahres-Charts von 2001.

Daran kann man nicht unschwer erkennen, dass das Franchise sogar am Tiefpunkt seiner Popularität sehr beliebt und erfolgreich war. Die längere Wartezeit auf Jurassic World erhöhte den Wunsch nach einem weiteren Film und das Marketing versprach einen Film, der dem Zauber des ersten Teils, der bis heute als ein Klassiker des Blockbuster-Kinos gilt, nah kommen würde. Der Streifen (unsere Kritik) hielt sein Versprechen ein und die Reaktionen der Zuschauer zumindest in den USA sind sehr positiv. Im Gegensatz zum gemischt aufgenommenen Age of Ultron sollte der Film also nicht nach einem erfolgreichen Start schnell von der Bildfläche verschwinden, sondern wird als Publikumsliebling des Sommers eine sehr erfolgreiche Laufzeit genießen. Ich gehe momentan davon aus, dass es Jurassic World gelingen sollte, in den USA als fünfter Film überhaupt (nach Avatar, Titanic, The Avengers und The Dark Knight) die $500-Mio-Grenze zu überschreiten. Wie weit er darüber hinaus gehen wird, wird sich noch zeigen, doch der Thron des umsatzstärksten Films des Sommers sollte ihm in Nordamerika so gut wie sicher sein und das hat wirklich kaum jemand erwartet angesichts des mächtigen Avengers-Konkurrenz. Ob es auch für Platz 1 des Jahres reichen wird, wird davon abhängen, wie sich der neue Star Wars im Dezember schlägt.

Wer Aktien von Universal Pictures besitzt, darf sich dieses Jahr die Hände reiben. Es ist schon fast unheimlich, wie gut das Jahr für das Studio verläuft. Mit Fifty Shades of Grey, Fast & Furious 7 und Pitch Perfect 2 sind bereits drei Universal-Filme in der bisherigen US-Jahres-Top-10 von 2015 vertreten und mit Jurassic World kommt der vierte. Schon sehr bald wird Universal in den USA mehr eingenommen haben als im gesamten letzten Jahr und dabei stehen noch sichere Hits wie Ted 2, Die Minions und Crimson Peak dem Studio dieses Jahr bevor. Ein weiterer Nutznießer und zugleich sicherlich auch Faktor des Megaerfolgs von Jurassic World ist dessen Hauptdarsteller Chris Pratt. Mit Guardians of the Galaxy hat er bereits letztes Jahr im erfolgreichsten Film des Sommers mitgespielt. Zuletzt gelang dies Will Smith mit Independence Day und Men in Black zwei Jahre in Folge. Der kometenhafte Aufstieg von Pratt in Hollywood ist also nicht aufzuhalten!

Es gab tatsächlich auch noch andere Filme, die am Freitag etwas Geld in die US-Kinokassen gespült haben, auch wenn sie neben der Übermacht von Jurassic World kaum der Rede wert sind. Den zweiten Platz belegte mit $4,8 Mio Spy – Susan Cooper Undecover. Die von der Kritik gefeierte Agenten-Persiflage mit dem Kassenmagnet Melissa McCarthy hat in den ersten acht Tagen etwa $45,7 Mio eingenommen. Am gesamten Wochenende sollten es etwa $15-16 Mio werden, also ca. 45-48% weniger als am Startwochenende. In den kommenden Wochen sollte die Komödie sich gut halten, da die Mundpropaganda sehr positiv ist. Am übernächsten Wochenende bekommt Spy allerdings große Konkurrenz von Ted 2, doch auch angesichts dieser wird der Film problemlos die $100-Mio-Marke überschreiten und abermals beweisen, dass Melissa McCarthy einer der größten Zuschauermagnete in Sachen Comedy ist momentan. Die knapp $160 Mio von Taffe Mädels wird der Film zwar nicht erreichen, doch ein Gesamteinspiel im Bereich von $115-125 Mio erscheint durchaus möglich.

Platz 3 ging an das Katastrophen-Spektakel San Andreas, das angesichts der direkten Konkurrenz von Jurassic World um 59% gegenüber seinem letzten Freitag nachgab und nur $3,1 Mio einspielte. Nach 15 Tagen steht der Film mit Dwayne Johnson aber schon bei $11,4 Mio und darüber kann man sich eigentlich nicht beklagen. Am gesamten Wochenende werden es etwa $11 Mio und der Streifen bleibt weiterhin auf Kurs zu einem finalen Einspiel von $135-140 Mio in den USA. Damit wird es der mit Abstand erfolgreichste Film mit The Rock in der Hauptrolle, der nicht Teil eines bestehenden Franchises ist.

Ganz hart getroffen hat das das Horror-Sequel Insidious: Chapter 3, das an seinem zweiten Freitag um 74% gegenüber seinem ersten abbaute und nur auf $2,7 Mio kam. Da der Film aber lediglich Produktionskosten von $10 Mio trägt und in acht Tagen in Nordamerika alleine $32,7 Mio eingenommen hat, kann man bereits vom großen Erfolg sprechen und ein vierter Film wird sicherlich nicht lange auf sich warten lassen. Offen bleibt noch die Frage, ob der Film das Gesamteinspiel des ersten Teils ($54 Mio) übertreffen kann. Teil 2 ($83,6 Mio) wird er auf jeden Fall verfehlen.

Die Top 5 wurde von Pitch Perfect 2 abgerundet. Die Fortsetzung hielt sich extrem gut und fiel nur um 23% gegenüber dem letzten Freitag. Das liegt aber auch daran, dass er mit Sicherheit Hilfe von Universals Jurassic World bekam, da in den USA manche Studios ihre Filme in Drive-In-Double-Features spielen lassen. Mit $2 Mio am Freitag hat die Fortsetzung bereits ein vorläufiges Gesamteinspiel von $166,7 Mio in den USA erreicht – mehr als $100 Mio über dem Endergebnis von Teil 1. Das Sequel steuert auf ein Wochenendergebnis von $5,5 Mio und letztendlich auf insgesamt etwa $180 Mio in Nordamerika zu. Damit wird die Musik-Komödie tatsächlich mehr eingespielt haben in den USA als Hits wie Fifty Shades of Grey, Drachenzähmen leicht gemacht 2 oder Men in Black 3.