Joker 2

Joaquin Phoenix in Joker © 2019 Warner Bros. Pictures

Quelle: The Hollywood Reporter

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Avengers: Endgame stellte dieses Jahr zwar viele neue Kassenrekorde weltweit auf und verdrängte sogar Avatar vom Thron der umsatzstärksten Filme aller Zeiten, doch ich würde behaupten, dass Warners Joker eine noch größere Erfolgsgeschichte ist. Dass ein düsterer Film mit einem R-Rating, der im Prinzip Martin Scorseses Taxi Driver viel ähnlicher ist als einem typischen Comicfilm-Blockbuster, weltweit mehr als eine Milliarde US-Dollar einspielt und dazu auch noch den begehrten Goldenen Löwen in Venedig gewinnt, qualifiziert ihn dazu. Bei einem Budget von knapp $60 Mio hat er es geschafft, in der gleichen Liga wie die ganz großen DC-Blockbuster The Dark Knight Rises oder Aquaman an den Kinokassen mitzuspielen – und das ohne spektakuläre Action, ohne einen Kinostart in China und mit einer restriktiven Altersfreigabe in den meisten Ländern.

Vor dem Kinostart des Films haben Regisseur Todd Phillips und sein Hauptdarsteller Joaquin Phoenix, der bald sicherlich eine Rolle im Oscar-Rennen spielen wird, mehrfach beteuert, dass obwohl sie sich durchaus Gedanken darüber gemacht haben, wohin eine Fortsetzung führen könnte, sie nie wirklich ernsthaft eine in Betracht gezogen haben. Joker sollte eine abgeschlossene Geschichte erzählen. Schließlich lehnte Joaquin Phoenix in Vergangenheit auch die Doctor-Strange-Rolle ab, weil er nicht an ein Franchise gebunden sein wollte. In seiner gesamten Karriere hat Phoenix noch nie in einer Fortsetzung mitgespielt.

Doch letztlich ist es immer noch Hollywood und das Geld spricht. Im Falle von Joker geht es um sehr, sehr viel Geld, und es ist schwer sich davon und dem gigantischen Zuspruch der Zuschauermassen nicht verführen zu lassen. Je erfolgreicher Joker wurde, desto häufiger las man von einem möglichen Sequel, wobei sich Phillips nie festlegen wollte, ob nun eins kommt oder nicht. Als der Film vergangenes Wochenende dann die Milliardenmarke knackte, gab es wohl kein Zurück mehr. Das Branchenblatt The Hollywood Reporter berichtet, dass Joker 2 bei Warner offiziell in Arbeit sei. Todd Phillips ist in Verhandlungen, als Regisseur zurückzukehren (einen Vertrag gibt es noch nicht). Das Drehbuch würde er wieder gemeinsam mit Scott Silver schreiben. Joaquin Phoenix hatte offenbar in seinem Vertrag schon eine Sequel-Option und würde auf jeden Fall zurückkehren, was ich fast noch überraschender finde angesichts der früheren Aussagen des Schauspielers. Ob Arthur Fleck in der Fortsetzung dann etwas Gewicht zulegen darf? Ansonsten steht Phoenix wieder eine grausame Diät bevor.

Doch es ist noch nicht alles. The Hollywood Reporter berichtet auch, dass der Erfolg von Joker eine weitere Entwicklung angestoßen hat. Nach dem phänomenalen Rekordstart des Films im Oktober hat Regisseur Todd Phillips dem Warner-Chef Toby Emmerich vorgeschlagen, eine Reihe vergleichbarer DC-Origin-Filme zu entwickeln. Es war eine sehr ambitionierte, riskante Idee und Emmerich wollte nicht so weit gehen. Allerdings erteilte er Phillips die Erlaubnis für mindestens einen weiteren Charakter der Comics, der einen ähnlichen Film bekommen soll. Um welche Figur es sich handelt, ist noch nicht bekannt.

Vor einigen Tagen sprach Phillips darüber, ein Sequel zu Joker sein müsste, damit er es in Erwägung zieht: (aus dem Englischen)

Es könnte nicht einfach ein wilder und verrückter Film über den "Clown Prince of Crime" sein. Er müsste irgendeine thematische Resonanz haben so wie der erste Film. Denn ich glaube, der Grund, weshalb der Film so gut angekommen ist, war das, was sich unter der Oberfläche befindet. In so vielen Filmen geht es um den Funken, hier geht es um das Schießpulver. Wenn man das wieder auf eine authentische Weise einfangen könnte, wäre das interessant.

An genau dieser Stelle (Achtung: persönliche Meinung!) muss ich widersprechen. Joker ist ein monumental gespielter, virtuos gefilmter Film mit einem tollen Score, doch unter der Oberfläche ging da eigentlich erstaunlich wenig vor, auch wenn der Film das einen gerne glauben lassen würde. Für mich ist der Film eine schöne, leere Hülle, die sich für intelligenter hält als sie ist, im Prinzip aber ein eher oberflächlicher Mischmasch alter Scorsese-Filme ist, der sich geläufiger Küchenpsychologie bedient. Mein Kollege, der den Film in seiner Rezension angepriesen hat, sieht es aber offensichtlich anders.

So sehr sich Joker im Batman-Mythos frei bewegen wollte, ganz abgewichen ist er davon auch nicht, denn der Werdegang von Bruce Wayne zu Batman wurde mit dem Mord an seinen Eltern am Ende des Films dennoch vorbereitet. Jetzt muss man abwarten, ob Joker 2 dann tiefer in den Comic-Kanon, vor dem sich der erste Film so sehr scheute, eintauchen wird.