Quelle: Directors Guild of America

Anstatt mehr Klarheit ins diesjährige Oscar-Rennen zu bringen sorgten die Preise der US-Regiegewerkschaft Directors Guild of America (DGA) für noch mehr Verwirrung. Nach vielen Jahren haben wir also tatsächlich ein sehr knappes Rennen, bei dem aktuell drei Filme die Chance haben, als Sieger hervorzugehen.

Die DGA schrieb Geschichte und zeichnete Alejandro González Iñárritus Arbeit an The Revenant – Der Rückkehrer als beste Regieleistung des vergangenen Jahres aus. Da Iñárritu bereits letztes Jahr für Birdman gewonnen hat (und später auch den Oscar einheimste) war es das erste Mal in 68 Jahren Geschichte der DGA Awards, dass zweimal in Folge der gleiche Regisseur ausgezeichnet wurde. Dabei setzte sich Iñárritu u. a. gegen Ridley Scott (Der Marsianer) und George Miller (Mad Max: Fury Road) durch. Nach dem Golden Globe ist es bereits die zweite wichtige Auszeichnung, die Iñárritu für The Revenant bekommen hat und Chancen stehen sehr gut, dass er demnächst auch den BAFTA, also den „britischen Oscar“, gewinnen wird, insbesondere da er im Vorjahr bei den BAFTAs für Birdman nicht ausgezeichnet wurde.

Könnte Iñárritu nun auch erst zum dritten Regisseur in der gesamten Oscar-Geschichte werden, der den Regie-Oscar zwei Jahre in Folge bekommt? Dies gelang bislang nur John Ford und Joseph L. Mankiewicz, zuletzt vor 65 Jahren!

So unwahrscheinlich es angesichts dieser Statistik erscheinen mag, Iñárritu ist aktuell der klare Favorit für den Regie-Oscar. Die DGA Awards haben sich über die Jahre als sehr zuverlässige Prädiktoren bewährt. Lediglich sieben DGA-Gewinner in 67 Jahren haben den Oscar später nicht gewonnen. In drei dieser Fälle waren die DGA-Gewinner für den Oscar in ihren jeweiligen Jahren nicht einmal nominiert (zuletzt Ben Affleck für Argo). Wenn man also bei der Regiegewerkschaft gewinnt und auch eine Oscarnominierung als Regisseur hat, stehen die Chancen extrem gut. Der letzte Regisseur, der trotz dieser Ausgangslage den Oscar verloren hat, war Rob Marshall (Chicago). Der Oscar ging stattdessen an Roman Polanski (Der Pianist).

Doch auch wenn Iñárritu den BAFTA gewinnt, könnte ihm das gleiche Schicksal widerfahren wie Ang Lee für Tiger and Dragon. Lee gewann vor 15 Jahren nicht nur den DGA Awards, sondern auch den BAFTA und den Golden Globe, doch der Oscar ging an Steven Soderbergh für Traffic.

Unten findet Ihr die Zusammenfassung aller Gewinner in den Bereichen „Kino“ und „Fernsehen“. „Game of Thrones“ hat es nach drei erfolglosen Nominierungen endlich geschafft.

Beste Regie bei einem Kinofilm

Alejandro González Iñárritu (The Revenant)
Adam Mckay (The Big Short)
George Miller (Mad Max: Fury Road)
Ridley Scott (Der Marsianer)
Tom McCarthy (Spotlight)

Bestes Regiedebüt

Alex Garland (Ex Machina)
Fernando Coimbra (A Wolf at the Door)
Joel Edgerton (The Gift)
Marielle Heller (The Diary of a Teenage Girl)
László Nemes (Son of Saul)

Beste Regie bei einem Dokumentarfilm

Matthew Heineman (Cartel Land)
Jimmy Chin, Elizabeth Chai Vasarhelyi (Meru)
Liz Garbus (What Happened, Miss Simone?)
Alex Gibney (Going Clear: Scientology and the Prison of Belief)
Asif Kapadia (Amy)

Beste Regie bei einer Dramaserie

David Nutter („Game of Thrones“, Folge „Die Gnade der Mutter“)
Michael Engler („Downton Abbey“, Folge 8)
Lesli Linka Glatter ( „Homeland“, Folge „The Tradition of Hospitality“)
Steven Soderbergh („The Knick“, Folge „Williams and Walker“)
Matthew Weiner („Mad Men“, Folge „Sie erkannten einander“)

Beste Regie bei einer Comedyserie

Louis C.K. („Louie“, Folge „Sleepover“)
Gail Mancuso („Modern Family“, Folge „White Christmas“)
Mike Judge („Silicon Valley“, Folge „Schiedsverfahren“)
Chris Addison („Veep“, Folge „Election Night“)
Jill Soloway („Transparent“, Folge „Im Auge des Bösen“)

Beste Regie bei einem TV-Film oder einer Miniserie

Kenny Leon, Matthew Diamond („The Wiz Live!“)
Dee Rees („Bessie“)
Laurie Collyer („The Secret life of Marilyn Monroe“)
Paul Haggis („Show Me a Hero“)
Angela Bassett („Whitney“)
___________________________________________________

Fassen wir kurz den Stand der Dinge im Oscar-Rennen zusammen. The Revenant steht momentan im Rampenlicht, weil er bei den Golden Globes abgeräumt hat, von der Regiegewerkschaft ausgezeichnet wurde, an den Kinokassen sehr erfolgreich ist und die meisten Oscarnominierung hat. Dennoch hat der Film zwei große Nachteile. Er hat keine Drehbuchnominierung bei den Oscars bekommen (seit Titanic hat kein anderer Film in der Königsklasse gewonnen, ohne für sein Drehbuch nominiert gewesen zu sein) und Iñárritu hat erst im Vorjahr gewonnen, was die Hürde für ihn und seinen Film größer macht.

The Big Short triumphierte kürzlich bei der Produzentengewerkschaft PGA, die in den letzten acht Jahren hinsichtlich des Oscarsiegers immer richtig lag. Außerdem hat The Big Short als einziger Film neben Spotlight Nominierungen für seine Regie, sein Drehbuch und seinen Schnitt erhalten.

Spotlight gewann währenddessen den Preis der Screen Actors Guild für das „Beste Ensemble“, ein wichtiger Faktor im Oscar-Rennen.

Eine solche Situation, dass die Hauptpreise der PGA, der DGA und der SAG an drei unterschiedliche Filme gingen, gab es bislang nur zweimal. Vor 11 Jahren gewann Aviator den Preis der Produzentengewerkschaft, Clint Eastwood (Million Dollar Baby) gewann bei der DGA und Sideways wurde für sein Ensemble von der SAG prämiert. Letzten Endes ging der Oscar dann an Million Dollar Baby. Ein zweites Mal kam es 2000 vor, als Ang Lee (Tiger and Dragon) von der DGA ausgezeichnet wurde, Gladiator von der PGA und Traffic von der Schauspielergewerkschaft. In jenem Fall setzte sich Gladiator bei en Oscars durch.

Am wahrscheinlichsten erscheint aktuell das Szenario, bei dem Iñárritu den Oscar für seine hochgelobte Regie von The Revenant gewinnt, während der Preis für den „Besten Film“ an The Big Short oder Spotlight geht. George Millers Chancen, für Mad Max: Fury Road zu gewinnen, sind seit der Niederlage bei der DGA und insbesondere ohne eine BAFTA-Nominierung erheblich gesunken.