Oscars 2014 Gewinner

Quelle: Academy of Motion Picture Arts and Sciences

Es ist soweit. Das alljährliche Oscar-Rennen kam zu seinem krönenden Abschluss. In Los Angeles wurden unter der Moderation von Neil Patrick Harris die Oscars verliehen. In unseren abschließenden Tipps gingen wir darauf ein, dass es ein Rennen zwischen Birdman und Boyhood sein würde. Letztlich siegte die Industrie über die Kritiker. Boyhood ging fast leer aus, während Birdman sich in der Königsklasse durchsetzen konnte. Offensichtlich reicht es nicht einfach aus, einen Film 12 Jahre lang zu drehen, um die Academy zu beeindrucken.

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Die Gewinner waren dieses Jahr sehr breit gefächert. Unten seht Ihr alle Preisträger im Überblick:

Bester Film

Birdman

Beste Regie

Alejandro González Iñárritu (Birdman)

Bester Hauptdarsteller

Eddie Redmayne (Die Endeckung der Unendlichkeit)

Beste Hauptdarstellerin

Julianne Moore (Still Alice)

Bester Nebendarsteller

J.K. Simmons (Whiplash)

Beste Nebendarstellerin

Patricia Arquette (Boyhood)

Bestes Originaldrehbuch

Alejandro González Iñárritu, Nicolás Giacobone, Armando Bo, Alexander Dinelaris (Birdman)

Bestes adaptiertes Drehbuch

Graham Moore (The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben)

Bester fremdsprachger Film

Ida

Bester Animationsfilm

Baymax – Riesiges Robowabohu

Beste Kamera

Birdman

Bester Schnitt

Whiplash

Beste Kostüme

Grand Budapest Hotel

Bester Dokumentarfilm

CitizenFour

Bester Dokumentar-Kurzfilm

Crisis Hotline: Veterans Press 1

Bestes Makeup & Hairstyling

Grand Budapest Hotel

Beste Filmmusik

Alexandre Desplat (Grand Budapest Hotel)

Bestes Filmlied

"Glory" (Selma)

Beste Ausstattung

Grand Budapest Hotel

Bester animierter Kurzfilm

Liebe geht durch den Magen

Bester Kurzfilm

The Phone Call

Bester Tonschnitt

American Sniper

Bester Ton

Whiplash

Beste visuelle Effekte

 Interstellar
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Fazit

Schauen wir uns doch zuerst einmal an, wie meine Oscartipps abgeschnitten haben. In 16 von 21 Kategorien lag ich richtig, lediglich bei "Bester Ton", "Bestes Originaldrehbuch", "Bester Animationsfilm", "Bester Hauptdarsteller" und "Beste Regie" habe ich falsch getippt. Das sind immerhin drei falsche Kategorien mehr als letztes Jahr, was dafür spricht, dass die Oscars diesmal ein wenig spannender und weniger vorhersehbar waren.

Doch bevor ich auf die Gewinner und Verlierer eingehe, gebührt an dieser Stelle Lob der Moderation von Neil Patrick Harris. An die Höhepunkte von Ricky Gervais bei den Golden Globes reichte das zwar immer noch nicht heran, doch es war eine immense Verbesserung über die letzten beiden Verleihungen und vielleicht sogar die am besten moderierte Show seit knapp zehn Jahren – definitiv ein Schritt in die richtige Richtung und hoffentlich wird man Harris nächstes Jahr zurückbringen. Die Eröffnungsnummer mit der bezaubernden Ana Kendrick und mit dem "Gastauftritt" von Jack Black war bereits besser, als alles, was es in den letzten beiden Jahren gab. Ein großes "BUH" aber an die technische Panne von ABC/ProSieben, wegen welcher wir J.K. Simmons' Oscarsieg verpasst haben.

Desweiteren Hut ab vor der "Everything Is Awesome!!!"-Performance von Sara & Tegan und The Lonely Island. Dass "Glory" den Song-Oscar gewinnt war klar und vielleicht auch in Ordnung so, doch die Darbietung zu "Everything Is Awesome!!!" war die, an die man sich noch erinnern wird. Von Lady Gagas Performance-Hommage an The Sound of Music kann ich das leider nicht behaupten.

Doch nun zu den Preisen. Birdman räumte ab und da weder Whiplash noch Selma eine echte Chance hatten, gönne ich Birdman den Sieg mehr als seinen anderen Konkurrenten. Nichtsdestotrotz finde ich es sehr schade, dass der Film, der so von seinen Performances getragen wird, für keinen seiner Schauspieler den Oscar gewinnen konnte. Insbesondere im Falle von Michael Keaton ist es wirklich schade, dass die Academy sich für die altmodisch-klassische Rolle von Eddie Redmayne entschieden hat. Das ruft mir Eddie Murphys Aussage zu den Oscars in Bowfingers große Nummer in Erinnerung…

Birdman gewann vier Trophäen, Grand Budapest Hotel konnte mit ebenfalls vier mithalten, da er in den technischen Kategorien abgesahnt hat. Ganz besonders hat mich aber gefreut, dass Whiplash drei Preise gewinnen konnte – von insgesamt fünf Nominierungen. Ich habe zwar getippt, dass der Film für seinen Schnitt gewinnen würde, doch überrascht hat es mich dann doch, auf eine sehr positive Weise.

Außer Whiplash, Birdman und Grand Budapest Hotel gewann kein anderer Film mehr als einen Oscar. Hier wurde sehr sozial verteilt. Dafür gewann jeder einzelne der acht als "Bester Film" nominierten Filme mindestens einen Oscar. Seit die Kategorie 2009 wieder auf mehr als fünf Nominees ausgeweitet wurde, ist es das erste Mal, dass keiner der "Bester Film"-Anwärter komplett leer ausging. Der größte Verlierer in dieser Hinsicht war Foxcatcher, der trotz fünf Nominierungen keinen Preis mitnehmen konnte. Doch insgesamt noch größere Verlierer waren The Imitation Game, der nur einen von den möglichen acht Oscars gewinnen konnte, und Boyhood, der lange als großer Favorit galt, letztendlich sich aber auch nur mit dem Oscar für "Beste Nebendarstellerin" begnügen musste.

Zwei weitere seltene Ereignisse konnte man vermelden: Alexandre Desplat, der nach acht Nominierungen mit Grand Budapest Hotel endlich einen Oscar als Komponist gewinnen konnte, war der erste Komponist, der im selben Jahr für mehr als einen Film nominiert war in der Kategorie (seine zweite Nominierung war für The Imitation Game) und tatsächlich in einer davon gewann. Vor ihn gab es bereits zehn solcher Situationen und in jeder einzelnen gab es für die Nominees keinen Oscar. Derweil blieb der für Unbroken nominierte Kameramann Roger Deakins auch nach 12 Nominierungen erfolglos. Vielleicht ist ja 13 seine Glückszahl. Eine zweite Besonderheit der Nacht: Birdman wurde zum ersten "Bester Film"-Gewinner seit 34 Jahren, der für seinen Schnitt nicht nominiert war.

Welche Lehren ziehen wir daraus? Vertraue der Oscar-Statistik. Birdman gewann bei der SAG, der PGA und der DGA und damit war eigentlich sicher, dass er bei den Oscars in den Hauptkategorien abräumen würde. Eddie Redmayne gewann den Golden Globe, den BAFTA und den SAG Award und kein Hauptdarsteller hat jemals nach diesen drei Auszeichnungen den Oscar verloren. Das hat sich auch jetzt nicht geändert.

Das war’s also. Doch nach den Oscars ist immer vor den Oscars und wir werden ab Ende des Jahres wieder ausführlich über das nächste Oscar-Rennen berichten, bei dem womöglich neue Filme von Quentin Tarantino, Steven Spielberg und Martin Scorsese mitmischen werden.

  • Auch ich hätte die Oscars für Besten Film, Regie und Drehbuch den BOYHOOD-Machern gewünscht. Der Film war einfach toll. Das letzte mal, dass die Academy einem Film mit solchem künstlerischen und finanziellen Risiko die wichtigsten Oscars gönnte, war bei Danny Boyle´s SLUMDOG MILLIONAIRE.
    Vieles lässt sich sehr gut voraus sagen. So spielen bei den Schauspiel-Oscars Faktoren wie die Verfilmung einer Biograpie, schweres Schicksal, Krankheit oder Tod eine Rolle. Wenn wir für diese Faktoren ein Punktesystem einrichten würden, führt Eddie Redmayne hier auf jeden Fall mit zwei Punkten. Der Verfilmung einer real existierenden Persönlichkeit mit schwerem Schicksal – hier unheilbare Krankheit. Hier lag ich mit verhältnismäßig wenigen Treffern richtig.
    Die Academy liebt auch Schauspieler/innen, die abgestürzt sind und von der Bildfläche im wahrsten Sinne des Wortes verschwunden waren, denen aber durch Disziplin und Konsequenz der Aufstieg gelingt. Beispiele: John Travolta (PULP FICTION) und Mickey Rourke (THE WRESTLER). Beide waren in dieser Rolle nominiert Das macht je einen Punkt. Es gewannen aber Tom Hanks (FORREST GUMP / drei Punkte für immensen finanziellen Erfolg, amerikanische Geschichtsschnulze und Rolle mit geistiger Behinderung) und Sean Penn (MILK / Verfilmung des Lebens und Todes des echten Schwulenaktivisten Harvey Milk, drei Punkte für echtes Leben, schweres Schicksal und Tod durch Mord).
    Hätte ich mich vorher besser informiert, hätte ich gewusst, dass von Julianne Moore die Rolle einer Alzheymer-Kranken spielt. Das ist mindestens ein sicherer Punkt.
    Eigentlich dachte ich, dass ich die beste männliche Nebenrolle verpasst hätte, da ich zwischenzeitlich in den Werbepausen bzw. während der Gesangsnummern surfen war. Aber der Sender verpasste die Auszeichnung. Wie peinlich.
    Der große Negativpreis geht wieder an Pro-Sieben. Als Sendungsbeginn war erneut 1:30 Uhr überall vermerkt. Es ging erst eine Stunde später los und davor war wie immer das Geplapper vom Roten Teppich zu sehen. Eine Stunde Schlaf wurde mir unnötig geraubt.