Johnny Depp Pirates of the Caribbean 6

Johnny Depp in Pirates of the Caribbean: Salazars Rache © 2017 Walt Disney Pictures

Quelle: Variety

Es gibt Schauspieler, die bereits recht früh in ihren Karrieren Rollen spielen, mit denen man sie immer in Verbindung bringt. Wer denkt bei Robert Englund nicht an Freddy Krueger, bei Bruce Campbell nicht an Ash oder bei Bruce Willis nicht an John McClane? Doch manche Schauspieler blicken bereits auf eine längere, vielseitige und abwechslungsreiche Filmografie zurück, wenn sie die eine Rolle finden, die alle bisherigen überschattet, sie an die Spitze des Hollywood-Olymps katapultiert und zu einem sicheren Geldbringer wird. Robert Downey Jr. erzielte diesen Volltreffer mit der Besetzung als Tony Stark in Iron Man und vor ihm war es Johnny Depp, der als Captain Jack Sparrow in Fluch der Karibik zumindest eine Zeitlang zum größten Star der Welt wurde.

Depp war bereits ein etablierter und erfolgreicher Schauspieler, vor allem bekannt für seine schrägen Rollen unter der Regie von Burton, als die Rolle eines exzentrischen Piraten in der Verfilmung einer Disneyland-Attraktion ihm nicht nur eine Oscarnominierung, sondern ungeahnten Weltruhm eigebracht hat. Depp war plötzlich kein Charakterdarsteller mehr, sondern ein Blockbuster-Star und Kassengarant. Es gab einige Gründe für den unerwarteten Erfolg von Fluch der Karibik, der die Sehnsucht der Kinogänger nach klassischen Abenteuergeschichten aufgezeigt hat, doch Depps Jack Sparrow war vermutlich der größte davon. Das wusste der Schauspieler und das wusste auch Disney und entlohnte Depp fürstlich dafür, dass er in vier Sequels den Part wieder verkörpert hat.

Doch die Zeiten haben sich geändert, sowohl für Disney als auch für Depp. Obwohl der fünfte Film Pirates of the Caribbean: Salazars Rache an den Kinokassen weniger erfolgreich war als die anderen Sequels der Reihe, spielte er dennoch fast $800 Mio ein. Der Film endete mit einem eindeutigen Teaser für einen sechsten Teil, der möglicherweise Orlando Bloom und Keira Knightley in größeren Rollen zurückgebracht hätte. Die skandalträchtige Scheidung von Johnny Depp und Amber Heard und sein Gerichtsverfahren gegen seine Ex wegen Verleumdung waren für die großen Studios jedoch zu viel des Guten. Warner ersetzte ihn als Grindelwald im dritten Phantastische-Tierwesen-Film und Disney begann einen neuen Pirates-Film ohne Depp als Jack Sparrow zu planen. Erst wurden Rhett Reese und Paul Wernick (Deadpool) als Autoren des Reboots angeheuert, zuletzt versuchten sich Craig Mazin ("Chernobyl") und Ted Elliott, Co-Autor der ersten vier Pirates-Filme, am Drehbuch. Parallel schreibt Christina Hodson (Bumblebee) ein Spin-Off mit Margot Robbie in der Hauptrolle.

Dass Depp, der aktuell vor Gericht versucht, seine Unschuld hinsichtlich der Vorwürfe häuslicher Gewalt zu beweisen, sich aus dem Franchise, für dessen Erfolg er maßgeblich verantwortlich war, ausgebootet fühlt, ist nachvollziehbar. Bei seiner eidesstattlichen Aussage im Rahmen des Gerichtsprozesses hat er kürzlich erklärt, dass er auf keinen Fall für einen weiteren Pirates-of-the-Caribbean-Film zurückkehren würde. Während der Verhandlung hat Amber Heards Anwalt Ben Rottenborn im Klartext nachgefragt: (aus dem Englischen)

Der Fakt ist, Mr. Depp, wenn Disney zu Ihnen mit 300 Millionen US-Dollar und einer Million Alpakas gekommen wäre, hätte Sie nichts auf dieser Welt dazu bewegen können, zurückzugehen und mit Disney an einem Pirates-of-the-Caribbean-Film zusammenzuarbeiten? Korrekt?

Worauf Depp antwortete:

Das ist wahr, Mr. Rottenborn.

Als Depp auf einen Zeitungsartikel von 2018 angesprochen wurde, laut dem er als Jack Sparrow raus war, erklärte Depp:

Es war mir nicht bekannt, aber es überrascht mich nicht. Zwei Jahre lang wurde weltweit andauernd über mich als Frauenschläger geredet. Also bin ich sicher, dass Disney die Verbindung kappen wollte, um auf Nummer sicher zu gehen. Die #MeToo-Bewegung war damals voll im Schwung.

[…]

Sie haben meinen Charakter nicht von der Attraktion entfernt. Sie haben nicht aufgehört, Spielfiguren von Captain Jack Sparrow zu verkaufen. Sie haben nicht aufgehört, irgendwas zu verkaufen. Sie wollten einfach nur nichts finden, was ich hinter mir her ziehen könnte.

Wie Depps Klage gegen Heard ausgehen wird, ist noch offen, doch auch wenn Disney die Meinung noch ändern sollte, scheint es nicht, als sei Depp selbst bereits, jemals wieder in die Rolle zu schlüpfen, die ihn einst zum bestbezahlten Schauspieler der Welt gemacht hat.  Pirates of the Caribbean wird früher oder später sicher weitergehen, doch aller Voraussicht nach ohne Mr. Depp.