Das Filmjahr ist halb rum und es ist an der Zeit, ein Zwischenfazit zu ziehen. Kommerziell sieht es aktuell nach dem umsatzstärksten Jahr seit der Pandemie aus: Super Mario Galaxy hat bereits mehr als eine Milliarde US-Dollar weltweit eingespielt, Michael nähert sich der Milliardenmarke, die Disney-Sequels Der Teufel trägt Prada 2 und Toy Story 5 erzielen fantastische Einspielergebnisse, und die Indie-Horrorhits Backrooms und Obsession sorgten für zwei der größten Überraschungen des Jahres.
Kommerzieller Erfolg und Filmqualität gehen aber natürlich nicht immer Hand in Hand. Das Online-Portal World of Reel bat mehr als 100 renommierte Filmkritiker und -journalisten darum, ihre Favoriten aus der ersten Jahreshälfte zu benennen, und der Konsens war, dass das bisherige Filmangebot eher enttäuschend war. Es gab jedoch einen klaren Favoriten, den immerhin mehr als 40 % der Befragten nannten: Der Astronaut – Project Hail Mary.
Der Science-Fiction-Abenteuerfilm, der auf dem gleichnamigen Bestseller von Andy Weir basiert, ist auch der einzige Film aus der ersten Jahreshälfte 2026, der als ernst zu nehmender Kandidat für die nächste Oscarverleihung gilt. Völlig zu Recht, denn mit seiner Mischung aus Humor, einer packenden Geschichte, einer charmanten Performance von Ryan Gosling und der bezaubernden Chemie zwischen Gosling und seinem außerirdischen Weggefährten Rocky begeisterte Project Hail Mary nicht nur die Kritiker, sondern eroberte auch die Herzen des Publikums, das ihn mit einem Gesamteinspiel von mehr als 680 Millionen US-Dollar belohnte und ihn zur bis dato erfolgreichsten Produktion von Amazon MGM Studios machte. Dabei übertraf er sogar das Einspiel der ersten Andy-Weir-Verfilmung Der Marsianer – Rettet Mark Watney mit Matt Damon.
Doch obwohl Project Hail Mary von Amazon produziert wurde, war Amazon Prime Video erstaunlicherweise nicht der erste Streaming-Anbieter, auf dem er nach seinem Kinostart im März im Abo veröffentlicht wurde. Stattdessen ist er am 18. Juni zunächst bei MGM+ erschienen, um die Abonnentenzahlen des kleineren Streaming-Kanals von Amazon MGM Studios anzukurbeln. Prime-Abonnenten mussten sich 15 Tage länger gedulden, bis der Film schließlich heute, am 3. Juli, auch bei Amazon Prime Video im Stream erschienen ist – ganze 105 Tage nach seinem US-Kinostart. Nachdem ich den Film bereits zweimal im Kino gesehen habe, freue ich mich schon auf meine dritte Sichtung zu Hause.
In Der Astronaut – Project Hail Mary spielt Barbie-Star Ryan Gosling den wegen seiner gewagten Theorien in Ungnade gefallenen Molekularbiologen Ryland Grace, der inzwischen als Mittelschullehrer arbeitet. Das weiß er jedoch zunächst alles nicht, als er ohne Erinnerungen in einem experimentellen Raumschiff aufwacht, das sich außerhalb unseres Sonnensystems befindet. Nur langsam füllen sich die Lücken in seinem Gedächtnis: Er ist auf einer Mission, die über das Schicksal der Erde entscheidet. Geheimnisvolle mikroskopische Lebewesen verdunkeln die Sonne und andere Sterne. Nur das Tau-Ceti-System scheint von den sogenannten Astrophagen, den "Sternenfressern", verschont zu sein. Dort, zwölf Lichtjahre von der Erde entfernt, hofft die Menschheit, eine Lösung zu finden, um die drohende globale Katastrophe abzuwenden. Es ist ein Himmelfahrtskommando, doch dann stellt Ryland fest, dass er sich nicht allein auf dem Weg zu Tau Ceti befindet.
Die größte (menschliche) Rolle neben Gosling spielt in dem Film das deutsche Ausnahmetalent Sandra Hüller (Anatomie eines Falls) als Eva Stratt, die Leiterin der internationalen Task Force "Project Hail Mary", die Ryland zur Erforschung der Astrophagen rekrutiert und ihn – gegen seinen Willen – auf die Mission zu Tau Ceti schickt.
Der Marsianer erhielt seinerzeit sieben Oscarnominierungen, darunter als Bester Film und für Matt Damons Performance als bester Hauptdarsteller. Auch Project Hail Mary und Ryan Gosling haben sehr gute Chancen auf entsprechende Nominierungen. Die große Frage ist, ob das Regie-Duo Phil Lord und Christopher Miller (The LEGO Movie) die Nominierung erhalten wird, die dem Marsianer-Regisseur Ridley Scott damals verwehrt geblieben ist.
Hier ist noch der deutsche Trailer zu Project Hail Mary:
Quelle: Amazon Prime Video Deutschland














