Obsession – Du sollst mich lieben (2025) Kritik

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Obsession, USA 2025 • 109 Min • Regie & Drehbuch: Curry Barker • Mit: Michael Johnston, Inde Navarrette, Cooper Tomlinson, Megan Lawless, Andy Richter • Kamera: Taylor Clemons • Musik: Rock Burwell • FSK: n.n.b. • Verleih: Universal Pictures • Kinostart: 14.05.2026 • Deutsche Website

Die Prämisse von „Obsession – Du sollst mich lieben“ dürfte jede und jeder leicht nachvollziehen können: Eine Person ist unsterblich in eine andere verknallt, traut sich aber nicht, dieser ihre Gefühle zu beichten. Der Herzschmerz wird mit aller Macht verdeckt, bis dieser hoffentlich eines Tages von allein nachlässt. In seinem Leinwand-Debüt bedient sich der YouTube-Comedian Curry Barker eines magischen Gegenstands in der Tradition von William Wymark Jacobs' Erzählung „Die Affenpfote“, um seinem liebesleidgeplagten Protagonisten Abhilfe zu verschaffen. Dass der Gebrauch des Objektes in dieser Horror-Romanze böse Konsequenzen nach sich ziehen soll, wird bereits früh deutlich.

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Der Liebeskranke trägt hier den Namen Bear (Michael Johnston) und sein Schwarm ist seine Arbeitskollegin Nikki (Inde Navarrette). Wie die beiden, schuften auch ihre engen Freunde Ian (Barkers YouTube-Partner Cooper Tomlinson) und Sarah (Megan Lawless) in einem Musikgeschäft. Zu Beginn erleben wir, wie der unbeholfene Bear zusammen mit Sarah und Ian ein Geständnis an Nikki durchspielt. Am Abend kneift der sensible Träumer allerdings und bringt selbst auf direkte Nachfrage Nikkis die Wahrheit nicht heraus. Frustriert greift er nach einem One Wish Willow, ein angeblich effektiver Wunscherfüller, den er ursprünglich als albernes Geschenk für seine Angebetete gekauft hat. Zu seiner Überraschung und seinem späteren Entsetzen, kehrt Nikki unverzüglich und wie verwandelt zu ihm zurück. Wie es scheint, kann auch sie nun plötzlich nicht mehr ohne Bear sein. Doch in ihrem Inneren tobt offenbar zugleich ein grausamer Konflikt und die mysteriöse Obsession soll letztlich mörderische Proportionen annehmen …

Seit den letztjährigen Aufführungen auf renommierten Veranstaltungen wie dem Toronto International Film Festival oder South by Southwest wird „Obsession“ gerne als die nächste Genre-Sensation und Barker als großer neuer Hoffnungsträger gehandelt. Der Newcomer taucht immer wieder neben Namen wie Jordan Peele („Get Out“), Zach Cregger („Weapons – Die Stunde des Verschwindens“) oder den Philippou-Brüdern („Talk to Me“) auf und nach Sichtung des Schockers lässt sich zunächst einmal festhalten, dass diese Vergleiche recht übertrieben sind. Sicher besitzt der Regisseur und Drehbuchautor eine Nase für bizarre, zwischenmenschliche Stoffe, doch wie schon sein rund einstündiger Vorgänger „Milk & Serial“ läuft auch „Obsession“ nach einem vielversprechenden Auftakt öfters mal im Leerlauf. Wo Peele und Cregger ihre cleveren Geschichten gerne genüßlich eskalieren lassen und die Philippous stets mit ihrer ungezügelten Energie imponieren, funktioniert Barkers Werk wie eine schwarzhumorige Slacker-Love-Story mit einer unheimlichen Unterströmung, die erzählerisch allerdings leider etwas zu monoton ausgefallen ist.

Visuell gibt es außer einem kuriosen Bildseitenverhältnis wenig Aufregendes zu vermelden. Da der Fokus des Films allerdings eindeutig auf der Dynamik zwischen den Figuren liegt, lässt sich der Verzicht auf eine innovative Umsetzung verschmerzen. Die Kamera von Taylor Clemons klebt an Bear und Nikki und gibt den Performances von Michael Johnston bzw. Inde Navarrette größtmöglichen Freiraum. Letztere ist es, die mit ihrer gequälten Darstellung den größten Eindruck in „Obsession“ hinterlässt. Als Charakter ist Nikki dabei gar nicht so interessant ausgefallen: Sie ist das typische, attraktive Cool Girl mit sozialer Ader, das mit Bear auch Deep Talks führen kann. Der unerreichbare Traum eines jeden jungen Nerd-Mannes, der noch zu sehr an Oberflächlichkeiten klebt und die unbekannten Bereiche mit Idealvorstellungen ausfüllt. Nach dem Zerbrechen des Wunschholzes lernen wir kurz Bears Traumversion von ihr kennen, die sich aber recht bald unbehaglich benehmen soll. Eigentlich hat das One Wish Willow gar nicht die Bitte, dass Nikki Bear über alles in der Welt liebt, erfüllt, sondern die wahre Nikki in ihrem eigenen Körper eingesperrt. Ihre gepeinigten Schreie finden gelegentlich ihren Weg durch die ferngesteuerte Hülle und lassen ihren Liebhaber wie auch das Kinopublikum erschaudern.

Zweifellos ist „Obsession“ ein Film, der auch extrem unangenehme Themen wie Vergewaltigung, Selbstverletzung, Suizid, Co-Abhängigkeit und psychische Erkrankungen unter seinem Genre-Gerüst anspricht, er geht dabei aber leider mit recht wenig Fingerspitzengefühl vor. Mit ihrem unvorhersehbaren Verhalten in Bezug auf sich selbst und andere ist die manipulierte Nikki ein tragisches Horror-Monster. Nur Bear weiss – oder besser: ahnt – zunächst, dass er schuld an der Verfassung seiner Freundin ist. Nach einer irritierten Anfangsfreude über sein Glück wirkt Nikki aber weder auf ihn noch auf die Zuschauer gesund. Barker hätte die Möglichkeit gehabt, seine Story nun voll über eine comichafte Genre-Schiene zu spielen und der Mythologie hinter dem One Wish Willow auf den Grund zu gehen. Seine Entscheidung ist es aber, weiter an den zwischenmenschlichen Aspekten festzuhalten und das Grauen in realistischen Ängsten zu verankern.

Zumindest ich habe mich während der Sichtung mehrfach gefragt, wann eine Person aus dem Freundeskreis der offensichtlich verwirrten Frau endlich ärztliche Hilfe zukommen lässt. Da dies nie passiert wird deutlich, dass Curry Barker mit seiner düsteren Idee nur auf möglichst abgefuckte Weise herumtanzen, die sehr deutlichen Assoziationen mit echten psychischen Störungen aber nicht richtig ernst nehmen will. Das wiederum wirkt sich allerdings auf die Sympathie mit anderen Figuren wie Bear aus, der nach gruseligen Suizidankündigungen Nikkis mit dieser zwar widerwillig in die Kiste steigt, aber sonst nur zusammen mit Ian und Sarah die Distanz sucht. Die Gespräche zwischen den Buddies laufen dann beispielsweise auf die Erkenntnis hinaus, dass Nikki Bear über den Tod ihres Vaters nur angelogen hat – ein unnötig aufgeblaser Plot Point, der die Geschichte überhaupt nicht vorantreibt.

Jetzt will ich „Obsession“ als kleinen Indie-Schocker mit schräger Idee und einigen wirklich tollen Performances nicht zu sehr in die Pfanne hauen. Der Horror, den Bear verspürt, und die grauenvolle Oppression, die Nikki tief im Inneren erlebt, übertragen sich definitiv auf das Publikum und konfrontieren es mit einer sehr intimen Form des Terrors. Als Kontrast zu all der Finsternis bekommt man ausreichend schwarzen Humor – Vorsicht Katzenfreunde! – und eine überraschend drastische Goreeinlage geboten.


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Obsession, USA 2025 • 109 Min • Regie & Drehbuch: Curry Barker • Mit: Michael Johnston, Inde Navarrette, Cooper Tomlinson, Megan Lawless, Andy Richter • Kamera: Taylor Clemons • Musik: Rock Burwell • FSK: n.n.b. • Verleih: Universal Pictures • Kinostart: 14.05.2026 • Deutsche...Obsession - Du sollst mich lieben (2025) Kritik