Links: Denis Villeneuve am Set von Arrival © 2016 Sony Pictures Germany
Rechts: Damien Chazelle am Set von La La Land © 2016 Studiocanal

Quelle: Directors Guild of America

Die letzte der vier großen Industriegewerkschaften aus Hollywood hat ihr Wort gesprochen – die Directors Guild of America (DGA). Diese nominierte die fünf besten Regieleistungen des vergangenen Jahres und überraschte dabei dadurch, dass jeder der fünf nominierten Regisseure erstmals eine DGA-Nominierung erhalten hat. Eine solche Situation gab es zuletzt vor 20 Jahren, als Joel Coen (Fargo), Scott Hicks (Shine), Anthony Minghella (Der englische Patient), Mike Leigh (Lügen und Geheimnisse) und Cameron Crowe (Jerry Maguire) nominiert waren. Tatsächlich haben vier der fünf nominierten Regisseure bislang nicht mehr als drei Filme inszeniert. Lediglich der Kanadier Denis Villeneuve, der eine Nominierung für Arrival erhielt, blickt auf eine etwas längere Filmografie als seine Konkurrenten zurück. Regiegrößen wie Martin Scorsese (Silence), Mel Gibson (Hacksaw Ridge) und Clint Eastwood (Sully) blieben wiederum unbeachtet. Gerade für die Oscarchancen von Silence und Sully ist es nahezu fatal, dass sie von keiner der vier großen Gewerkschaften nominiert wurden.

Das sind die fünf Anwärter für den DGA-Preis dieses Jahr:

Denis Villeneuve (Arrival)
Damien Chazelle (La La Land)
Garth Davis (Lion)
Kenneth Lonergan (Manchester by the Sea)
Barry Jenkins (Moonlight)

Der größte „Gewinner“ hier ist eindeutig der Erstlingsregisseur Garth Davis (Lion), dessen Film nach der PGA-Nominierung mittlerweile zu den stärksten Oscaranwärtern dieses Jahr gehört. Harvey Weinstein weiß eben, wie er seine Filme an Oscarwähler vermarktet. Der Favoritenstatus von La La Land, Moonlight und Manchester by the Sea wurde wiederum bestätigt.

Die Auszeichnungen der DGA besitzen einen sehr hohen Vorhersagewert für die Oscarkategorien „Beste Regie“, aber auch „Bester Film“. In der gesamten, beinahe 70-jährigen Geschichte der Auszeichnungen, kam es lediglich siebenmal vor, dass ein DGA-Gewinner nicht den Regie-Oscar erhielt – zuletzt bei Ben Affleck für Argo, der bei den Oscars aber nicht einmal nominiert war. In den letzten 15 Jahren lag die DGA außerdem nur dreimal daneben, wenn es um den „Besten Film“ bei den Oscars ging: 2015, als The Revenant hier gewann, Spotlight aber bei den Oscars; 2013 als Gravity den DGA-Preis erhielt, 12 Years a Slave aber den Oscar; und 2005, als Brokeback Mountain von der DGA ausgezeichnet wurde, L. A. Crash aber den Oscar abstaubte. Das ist eine höhere Genauigkeit als bei den Preisen der Produzentengewerkschaft PGA, die im selben Zeitraum fünfmal daneben lag.

Was die Regie-Nominierungen bei den Oscars angeht, so ergibt sich in der Regel eine 4/5-Übereinstimmung, sodass vier der DGA-Nominees später auch eine Oscarnominierung für „Beste Regie“ erhalten. Es gab natürlich auch Jahre, in denen alle fünf Nominees übereinstimmten, doch das war eher die Ausnahme als die Regel (zuletzt 2009). Es ist also immer noch möglich, dass Mel Gibson, Martin Scorsese, David Mackenzie (Hell or High Water) oder vielleicht Tom Ford (Nocturnal Animals) einem der fünf DGA-nominierten Regisseure den Platz wegschnappen. Am anfälligsten sind dafür Villeneuve und Davis, während Chazelle, Lonergan und Jenkins sehr sicher sein sollten.

Seit dem letzten Jahr nominiert die Directors Guild of America zusätzlich noch die fünf besten Regiedebütanten des Jahres und siehe da, wer es auf die diesjährige Liste geschafft hat – Tim Miller für seine freche Comicadaption Deadpool, die abermals auf einer prestigeträchtigen Liste auftaucht. Der Favorit für den Sieg hier ist allerdings Garth Davis für Lion, der parallel auch in der regulären Kategorie nominiert ist. Die komplette Liste der nominierten Erstlings-Regisseure findet Ihr unten:

Kelly Fremon Craig (The Edge of Seventeen)
Tim Miller (Deadpool)
Garth Davis (Lion)
Nate Parker (The Birth of a Nation)
Dan Trachtenberg (10 Cloverfield Lane)

Ihre Auszeichnungen wird die DGA am 4. Februar verleihen und wir werden Euch über die Ergebnisse auf dem Laufenden halten.