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Nobody Wants the Night (2015) – Kritik zum Berlinale-Eröffnungsfilm

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Nobody Wants the Night (2015) Filmkritik

Nobody Wants the Night, ES/FR/BG 2015 • 118 Min • Regie: Isabel Coixet • Mit: Juliette Binoche, Rinko Kikuchi, Gabriel Byrne, Matt Salinger FSK: n.n.b. • Kinostart: n.n.b.

„Mein erster Bär, mein erster Bär!“, jubelt Josephine (Juliette Binoche) im ersten Satz des Eröffnungsfilms. Hofft Regisseurin Isabel Coixet, das kommt bei der Jury an? Subtilität liegt jedenfalls ihrem theatralischen Wildnisdrama nicht. Miguel Barros’ Drehbuch basiert „auf realen Charakteren“, aber wie die spanische Regisseurin auf der Pressekonferenz erklärt: „This is not a story“. Solide Kinounterhaltung ist es trotz der verheißungsvollen Prämisse noch weniger.

Nobody Wants the Night (2015) Filmbild 1Dass Coixet gleich der Hauptfigur, die in der Eingangsszene einen Eisbären schießt, auf der Berlinale einen Goldenen Bären erlegen kann, ist unwahrscheinlich. Das Wettrennen um den Pol geht im Handlungsjahr 1908 in die heiße Phase, aber im äußersten Nordcamp, wo die gealterte Gesellschaftsdame Josephine Peary ihres mutigen Mannes Robert harrt, ist es arschkalt. Josephines Problem, das sie mit einer von der Regisseurin jovial geteilten kolonialistischen Arroganz zu dem der Arbeiter, ist, dass sie nicht wie eine brave Hausfrau abwartet und Tee trinkt. Abgeschnitten von jeder Versorgung in einem klapperigen Außenstützpunkt, wird sie nochmal vom Teetrinken träumen, aber jetzt macht sie es wie der Esel: wenn’s ihm zu gut geht, geht er auf’s Eis. Begleitet vom misanthropischen Bram (Gabriel Byrne) und Inuit Ninq (Orto Ignatiussen) reist sie dem Gatten entgegen. Dass es sich im Packeis nicht so gemütlich wie auf der New Yorker Central Station wartet, dämmert ihr zu spät. Ihre angesichts des heranrückenden Winters hirnrissige Aktion soll als die Unerschrockenheit einer starken Frauenfigur erscheinen. Tatsächlich bestätigen die eindimensionalen Figurenzeichnungen das reaktionäre Frauenbild der Empire-Ära. Wenn Barros schonmal dabei ist, verbrämt er obendrein die vermeintlichen Verdienste des Kolonialzeitalters: egomanischen Territorialismus und pseudo-zivilisierte Bigotterie.

Nobody Wants the Night (2015) Filmbild 2Männer riskieren ihr Leben auf Expeditionen zu Erdpolen, die wie es dräuend heißt „terra incognita“ sind, alles für Ruhm und Ehre. Frauen riskieren ihr Leben und zu das anderer auf Expeditionen zu ihren Ehemännern, alles aus Liebe und Dummheit. „Ich muss dort sein, nah bei ihm, denn er kommt nie zurück!“, jammert die verwöhnte Society-Lady. Hat man die Männer nicht ständig im Auge, machen sie mit irgendeiner hübschen Inuit „einen Welpen“. So tat es Mr. Peary mit der jungen Allaka (wundervoll: Rinko Kikuchi), die ebenso stur seiner Rückkehr entgegensieht. Stattdessen steht der Winter vor der Tür und platzt schließlich in Form eines Schneesturms herein. Fortan ist Sense mit den kulturellen Errungenschaften, die die unsympathische Heldin in die verschneite Pampa schleppt. Was wäre ein Arktis-Ausflug ohne Porzellan, Grammophon und das gute Tafelsilber! Ohne die würde es im verschneiten Häuschen nie so gemütlich, wie der allwissende Erzähler berichtet: „Dort, in dieser schmutzigen Baracke fühlte sie sich ihm näher als in all der Intimität unter den weichen Leinenlaken ihres Heims in Washington D.C.“ Nach anfänglichem Zickenkrieg kommen Allaka und Josephine sich beim Bewundern von Designermode näher.

Nobody Wants the Night (2015) Filmbild 3Dummerweise ist die Jagd nach Nahrung beschwerlicher als die nach Schlussverkauf-Schnäppchen. Trotzdem hat die Hauptfigur in finsterster Polarnacht im Iglu Sorgen wie in einem Beautysalon in der von ihr gern erinnerten Park Avenue: „Meine Fingernägel!“ Kreisch! Leider ist sie historisch zu früh dran für eine Gel-Maniküre. Mit solchen Krallen hätte sie sich prima aus dem Schnee schaufeln können, so krabbelt sie durch die Iglo-Decke, während das Baby aus Allakas Bauch krabbelt. Was für eine tiefgründige Metapher, noch dazu mit der Aufnahme der Milchstraße am Himmel! Dorthin richten sich auch die Gedanken des Sprechers, als die Protagonistin von Pearys Assistenten Henson (Clarence Smith als erster Schwarzen am Pol) errettet wird: „Kann irgendein Dach ihre Leere bedecken?“ Auf die geistige Leere der larmoyanten Liebes-Leidensgeschichte bezogen: nein. Egal wie viele Kollegen den gleichen Kalauer benutzen, ich schreibe ihn trotzdem: Nobody wants this film!

Englischer Trailer

Kritik zuvor erschienen auf filmrezension.de

Filmfutter auf der Berlinale 2015 – Teil 3

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Berlinale 2015 Teil 3

Das übergreifende Thema der Filme von Teil 3 unserer Berlinale-Übersichtsreihe ist das Dasein als Gesellschaftsaußenseiter. Zwei Dokus und einen Spielfilm hat unsere Autorin dazu gesehen, die heikle Themen wie Pädophilie und Sexualität von geistig Behinderten behandelten. Nur wirklich überzeugt war sie von keinem der Beiträge.

Daniel’s World | Panorama Dokumente

Für ihr Spielfilmdebüt hat sich Veronika Lisková ein denkbar heikles Thema ausgesucht. Es ist gleichermaßen eines, das durch seine Kontroversität und die stets um die nächsten Ecke lauernde Sensationsmache einen gewissen Grad an Aufmerksamkeit garantiert. Aufmerksamkeit, die das trotz seiner knapp 75 Minuten Laufzeit ungewohnt persönliche Porträt nun auf der Berlinale wohl erhält. Das Schlagwort Pädophilie weckt automatisch die Vorstellung von Tätern und Opfern. Doch der junge Protagonist der tschechischen Dokumentarfilmerin ist nichts von beidem. Ein Jahr lang beobachtete Lisková den Alltag ihres Titelcharakters.

Berlinale 2015 Teil 3 Daniel's WorldWenn bei einem flüchtigen Blick überhaupt etwas an Daniel auffällt, dann seine Unauffälligkeit. Er ist 25, studiert in Prag Literatur und wäre irgendwann gern Schriftsteller. Er sieht durchschnittlich aus, kleidet und stylt sich unpersönlich und hebt kaum je die Stimme. Letzte liefert den einzigen Hintergrundkommentar zu den gemessenen Aufnahmen, die das Alltagsgeschehen begleiten. Die Ausführlichkeit des Selbstberichtes überrascht erst, erscheint jedoch mit jedem weiteren Vordringen der Sozialskizze offenbarer. Es gibt niemanden, mit dem Daniel offen reden könnte, darüber, was von Außen kaum wahrnehmbar sein Dasein bestimmt. Daniel hatte nie eine Beziehung, wirklich enge Freunde gibt es offenbar nicht, nur ein paar Bekannte, die wie er sind: pädophil. Nach Liskovás Darstellung hat sich Daniel nie schuldig gemacht. Er fühlt sich von minderjährigen Jungen sexuell angezogen, aber unterdrückt seine Triebe. Er wolle keinem Kind etwas antun, beteuert er redlich und beobachtet mit Gleichgesinnten am Rand eines Spielplatzes Kinder… Die Szene ist eine Ausnahme darin, dass sie eine typische Vorstellung von Pädophilen aufgreift, um deren Gültigkeit zu ergründen. Das Wichtigste sei, sagt Daniel einmal, „dass die Leute darüber sprechen.“ Er selbst tut dies zu Genüge, was verbunden mit Statistiken und der vertraulichen inszenatorischen Atmosphäre transportieren soll, wie harmlos Pädophile doch sein könnten. So wie eine Zeitbombe ein drolliger Wecker ist, bis es knallt. Das thematisch spannende Projekt gibt der Pädophilie nicht „ein menschliches Gesicht“, denn das hat sie ohnehin. Es zaubert in dieses Gesicht einen treuen Hundeblick. Der tut nichts, der will nur spielen.

2/5 Sterne

 

Dora oder die sexuellen Neurosen unserer Eltern | Panorama

„Sie sind die Mutter.“, sagt der Hausarzt zu Kristin (Jenny Schily), die in Stina Werenfels’ Beziehungskiste mit der sexuellen Eruption ihrer geistig behinderten Tochter Dora (Victoria Schulz) konfrontiert wird. Aus (sexuellem) Futterneid wird Mutterneid, weil es bei Kristin nicht mit dem Nachwuchs klappt. Dafür aber unbeabsichtigt bei Dora.

Berlinale 2015 Teil 3 Dora oder die sexuellen Neurosen unserer ElternNoch eine Dosis Porno-Party und Splatter dazu und das kontroverse Thema bringt eine vollendete TV-Soap. Warum die auf einem Festival laufen muss, bleibt rätselhaft. Kameramann Lukas Strebel sucht die maximale Nähe zu den Darstellern, doch die prätentiöse Intimität entpuppt sich schnell als Voyeurismus. Nahaufnahmen von Händen, weit geöffneten Augen und Lippen sollen die neu erwachte Sinnlichkeit der Protagonistin vermitteln. In den ersten Szenen, als Dora unter Medikation steht, ist nichts von dieser Lust an jedem Reiz zu spüren. Mit Ritalin könne man sie „wacher machen“ meint der Arzt. Doch Kerstin setzt sämtliche Medikamente abrupt ab, was Doras Vater (Urs Jucker) nur zufällig erfährt. Warum das Paar nicht kommuniziert, erfährt man nicht. Nur, dass sie nicht die bedingungslos liebenden und superglücklichen Eltern sind, als die sie sich ausgeben. Aus welchem Grund die Tochter völlig mit Psychopharmaka zugedröhnt wurde, bleibt ebenfalls unklar. Es muss lange gewesen sein, denn die 18-Jährige scheint ausgehungert nach Stimuli. Eines davon ist Peter (Lars Eidinger), ein mehr als doppelt so alter Plattenbau-Proll, der Dora erst missbraucht und sich dann regelmäßig mit ihr trifft. Der schmierige Asoziale macht unmissverständlich, dass er sie nur als Objekt zur sexuellen und egozentrischen Befriedigung wahrnimmt. Sie ist einfach zu manipulieren, ihre Schwärmerei füttert seine Arroganz, vor allem aber steht sie auf Sex mit ihm.

Die Mutter will Anzeige erstatten, aber wenn die volljährige und mündige Tochter freudig berichtet, wie toll Sex ist, geht das schwerlich. Hier liegt das Kernthema der Handlung, die völlig anders ausgerichtet ist, als Filme über die sexuellen Bedürfnisse von geistig Behinderten wie Me too – Wer will schon normal sein?. Leider weiß Regisseurin und Drehbuchautorin Werenfels mit dem provokativen Thema nichts anzufangen und flüchtet sich in Sensationalismus: zuerst eine Abtreibung, dann, als wollte der Film alles auf einmal haben, doch ein Baby. Immer neue Handlungsfäden bremsen den Plot, der schließlich ins Abstruse abdriftet. Mit einem glaubhaften Schluss hätte es fürs Fernsehen noch gereicht, so wirkt der Stoff selbst dafür zu unausgegoren.

0/5 Sterne

 

Hakie – Haki. Ein Leben als Mann | Perspektive Deutsches Kino

„Ich will immer ich selbst bleiben. Was die anderen daraus machen, weiß ich nicht.“, sagt Hakie. Das wird sie wohl auch, nachdem Regisseurin Anabela Angelovska die greise Protagonistin ihres Dokumentarfilms zurücklässt. In einer kargen Hütte, allein mit ein paar Hühnern und der Kuh, in einer abgelegenen Ansammlung von Gehöften in den albanischen Alpen. Die Selbstwirtschafterin macht keinen Hehl daraus, dass es ein beschwerliches Leben ist für eine alte, alleinstehende Frau. Doch „Frau“, diese Bezeichnung will die 72-Jährige gar nicht hören.

Berlinale 2015 Teil 3 Haki - Hakie„Burnesha“ sei das richtige Wort. Der atavistische Begriff steht für ein Mädchen, das sich für ein Leben als „geschworene Jungfrau“ entschieden hat. In den sozialen Geboten der entlegenen Bergsiedlung sind Lebensoptionen wie Partner, Ehe bis der Tod scheidet und Kinder untrennbar verbunden. Das eine bekommt man nicht, ohne die anderen. Wer sich wie Hakie innerhalb der patriarchalischen Machtstrukturen keinem Mann unterwerfen will, muss komplett auf ein Familienleben verzichten. Als die Brüder und Schwestern heirateten, blieb Hakie bei den Eltern und bewirtschaftete den Hof. Das Gleiche tut sie jetzt nach dem Tod der Eltern. Die Nachbarn respektierten sie, erklärt die zähe Alte, die in groben Schuhen und Herrenhosen mit der Sense das Gras schneidet. „Männerarbeit“ sei das, aber jemand muss es tun und außer Hakie ist niemand da. Alterspflege ist hier etwas, für das man vorsorgen muss, indem man Kinder in die Welt setzt. Wenn sie wie Hakie „weder den Vorfahren, noch den Nachfahren Schande bereiten“, dann werden sie sich einmal um die altersschwachen Eltern kümmern.

Auch diese Tradition hat die in ihrer Lebensführung so autark wirkende Frau befolgt. Geblieben ist ihr der Hof in der Einöde, die bald eisiger Frost überziehen wird. Der letzte Winter war hart, erinnert sie sich. Ihr Alleinsein erwähnt sie oft, es scheint der Kern eines Lebenswegs, der durch seine Abweichung von der gesellschaftlichen Norm definiert wird. Doch selbst für das Abweichende gibt es umfassendere Gebote. Ein unabhängiges Leben bedeutet für eine Frau dort ein Leben ohne Sympathie oder Unterstützung. Besser, als etwas, das einem zutiefst widerstrebt, bemerkt Hakie in der ihr eigenen pragmatischen Art, während sie stoisch ihre Arbeiten verrichtet oder Zigaretten pafft. Sie will es nicht, dieses abfällige Bedauern, wie es früher auch in unserer westlichen Gesellschaft die sogenannten alten Jungfern erfuhren und heute Frauen ohne Kinderwunsch erfahren. Und sie will diese neugierigen Filmemacher nicht mehr, die wegen ihr auftauchen: „Inzwischen nervt es.“ Zum Glück bleibt Angelovska nicht lange.

2/5 Sterne

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Hier geht es zu den bisherigen Berichten:

Filmfutter auf der Berlinale 2015 – Teil 1

Filmfutter auf der Berlinale 2015 – Teil 2

Jupiter Ascending (2014)

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Jupiter Ascending (2014) Beitragsbild

Jupiter Ascending, USA 2014 • 127 Min • Regie: Lana Wachowski und Andy Wachowski  • Mit: Channing Tatum, Mila Kunis, Douglas Booth, Eddie Redmayne, Sean Bean  • FSK: ab 12 Jahren • Kinostart: 05.02.2015 • Deutsche Website

Man weiß nicht, ob es augenzwinkernde Dialoge sind, oder gelten sie als Hommage an vergangene Weltraum-Epen? Vielleicht sind sie einfach nur etwas kitschig und der erwartungsfreudige Kinogänger ist einfach etwas zu verwöhnt wenn er an die Regisseure namens Wachowski denkt. Zugegebenermaßen ist nicht alles mistig an ihrem neuen Film „Jupiter Ascending“. Zumindest als technischen Appetizer vor „Star Wars: Das Erwachen der Macht „ kann man „Jupiter Ascending“ genießen, denn das ist audiovisuell top state of the art. Als Space-Opera angelegt, weist der Film einfach viel zu viel Inhalt für seine doch schon etwas überlange Laufzeit auf, sodass die Vermutung naheliegt, dass der originale Schnitt mindestens um eine Stunde länger gewesen sein muss. Anders können manch klaffende Plotlöcher nicht erklärt werden. Dennoch bietet der Film für sein Universum eine coole Optik und stylishe Action. Schmerzfreie Sci-Fi-Enthusiasten können den Blick ruhig wagen.

Jupiter Ascending (2014) Filmbild 1Die Menschen auf der Erde wissen nicht, dass sie nur ein kleiner Teil der intergalaktischen Wertschöpfungskette sind. Allerdings bewohnt auch die junge Jupiter Jones (Mila Kunis) diesen Planeten, welche die genetische Wiedergeburt der Königin des Universums ist. Sie könnte ihren Anspruch auf den Planeten Erde geltend machen und somit die „Ernte“ der Menschen durch die Königshäuser der Galaxie verhindern. Diese Adeligen pflanzen verschiedene Lebensformen überall im Universum an, um irgendwann ein Jugendserum aus ihnen zu destillieren. Als die einstige Herrscherin des größten Adelshauses stirbt, entbrennt zwischen ihren Kindern Balem (Eddie Redmayne), Kalique (Tuppence Middleton) und Titus (Douglas Booth) ein Kampf um das Erbe. Deshalb werden Kopfgeldjäger zur Erde entsandt, um sich der Sache anzunehmen. Einer von ihnen ist Caine (Cahnning Tatum). Genetisch getuned und geschickt mit seinen Gravity-Boots, avanciert er zum Beschützer von Jupiter Jones und entwickelt unverhofft Gefühle für sie.

Jupiter Ascending (2014) Filmbild 2Die zynischste Beschreibung in den Weiten des Internets zu dem neuen Werk der Wachowskis, führt an, dass Vergleiche zu ihren frühen Werken wie „Matrix", dem Verweis eines mittlerweile aufgedunsenen Loser-Ex-Footballprofi auf seinen besten High-School-Touchdown wäre. Ganz so böse steht es um „Jupiter Ascending“ allerdings nicht, obwohl gerade die Idee der Ernte der Menschen für ewige Jugend an die Idee der menschlichen Batterie für Maschinen erinnert. Dabei haben die Wachowskis zwischendurch immer wieder mal sehenswerte Filme herausgebracht. „Speed Racer“ spaltete beispielsweise die Filmfreunde. Das heißt, dass eine Hälfte den Film echt mochte. Immerhin! Wie in der Einführung beschrieben ist bei „Jupiter Ascending“ handwerklich alles überkorrekt, finden sich aber Makel in der Geschichte und bei dem Schauspieler-Cast.

jupiter-ascending-017Eddie Redmayne, der für das Stephen Hawking Biopic („Die Entdeckung der Unendlichkeit") für die männliche Hauptrolle bei den Oscars nominiert ist, darf als Fiesling in ollen, engen Stehkragen/Turtleneck Lederkluften herumspuken. Ob er sich mit dem überladenen Over-Acting einen Gefallen tut, um durch gehauchte bzw. gekeuchte, kühle Drohungen eine Aura der Bösartigkeit zu stilisieren, ist fragwürdig. Seine Film-Schwester Kalique (Tuppence Middleton) hat leider zu wenig Screentime und man fragt sich, welche Funktion ihre Rolle nochmal hatte. Schade, denn hier merkt man die Plotlöcher, da die Geschichte viel zu komplex und weitläufig angelegt ist, um sie in einem Film von 127 Minuten auszubreiten. Douglas Booth bekommt keinen Vorwurf. Er spielt die Rolle des Beaus Titus mit seiner glitschigen Art, wie er schon einen verzogenen Neureichen in dem Film „The Riot Club“ über elitäre Dining Clubs überzeugend dargeboten hat. Die weibliche Hauptrolle wird von Mila Kunis solide rübergebracht, dennoch bricht ihre Charakterentwicklung immer wieder an manch zu raschem Storyverlauf ab, sodass auch die romantische Chemie mit Channing Tatum etwas gezwungen wirkt. Channing Tatum, eine schräge Mischung aus Mr. Spock, Wolverine und Legolas, schwingt zwar eine feurige Sohle bei seinem surfenden Eiskunstlauf auf den Gravity-Boots , bleibt jedoch beinah dafür figürlich umso unbeweglicher und starrer genau wie sein Wingman Sean Bean. Allenfalls die Szenen mit Mila Kunis, wo sich die frische Aristokratin über die Anrede „Ihre Majestät“ spitzbübisch amüsiert, harmoniert mit ihrem Schauspieler Partner via „Repeat-Funktion“.

Rosen haben auch Dornen? Oder wie ging der Vergleich, wo Schönes augenscheinlich keine piksenden Überraschungen bereit hält? Leider funktioniert die Zero-to-Hero Space-Oper der Fachkraft für Reinigung Jupiter Jones zu einer intergalaktischen Prinzessin nicht. Schuld daran ist vermutlich das zu lange Drehbuch, welches ordentlich beschnitten werden musste, um daraus keinen Mehrteiler werden zu lassen (oder ein zeitraubendes, kaum ausbalanciertes, sperriges Kaugummi wie Cloud Atlas“ – ebenfalls Wachowski-Regie). Potential hätte der Film sichtlich seiner schrulligen Aliens und Liebe zum Detail sicherlich gehabt. Sci-Fi-Freunde, die ihre Ohren mit Oropax wasserdicht zustopfen bei manch kitschverirrter Zeile, haben zumindest ein Fest für die Augen.

Trailer

Filmfutter auf der Berlinale 2015 – Teil 2

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Berlinale 2015 Teil 2

Im zweiten Teil unseren siebenteiligen Überblicksreihe über die Filme aus verschiedenen Sektionen der 65. Berlinale, hat unsere Autorin ein schräges Sequel, einen neu restaurierten deutschen Filmklassiker und einen Film, ohne den die Welt vermutlich besser dran wäre, rezensiert.

Ned Rifle | Panorama

Neun Jahre nach seinem letzten abendfüllenden Spielfilm meldet sich der multidisziplinäre Filmemacher Hal Hartley zurück und vollendet sein kurioses Crossover aus Familienepos und skurriler Komödie. Jeder Teil der Trilogie trägt den Namen seines (Anti)Helden. Zuerst kam Henry Fool, dann folgte Fay Grim. Der Nachwuchs der beiden heißt Ned Rifle und ist mittlerweile ein junger Erwachsener mit einer Mission. Ned (Liam Aiken) sieht aus wie Keanu Reeves in Bill und Ted’s verrückte Reise durch die Zeit und lebt seit vier Jahren in der frommen Familie eines Pastors (Martin Donovan) im Zeugenschutzprogramm.

Berlinale 2015 Teil 2 Ned RiflePünktlich zu seinem 18. Geburtstag bricht der gottesfürchtige Ned von dort auf, um seinen allen irdischen Lastern frönenden Vater Henry Fool (Thomas Jay Ryan) büßen zu lassen. Weil Neds Mutter (Parker Posey) wegen Henry eine lebenslange Haftstrafe absitzen muss, will Ned ihn umbringen. Nach einem Besuch bei der frisch aus dem Hochsicherheitstrakt verlegten Fay verfolgt er die Spur seines Vaters bis zu seinem mit dem Nimbus als Dichter ringenden Onkel Simon (James Urbaniak). Neben den gesuchten Informationen findet Ned die psychopathische Literaturstudentin Susan (Aubrey Plaza), die fortan nicht von seiner Seite weicht. Er verteilt leichthin sein enormes Geldvermögen, wovon sie pragmatisch Gebrauch macht, hat Kontakt zu Simon, dessen glühender Fan und Stalker sie ist, und ist unterwegs zu Henry Fool, mit dem sie eine turbulente Vergangenheit teilt. So ein wildes Vorleben haben nahezu alle Figuren und da Hartley seine Trilogie offenbar in erster Linie als Film für Fans konzipiert hat, schert er sich wenig darum, ob Neueinsteiger die Ereignisse nachvollziehen können.

Da die Filme je im Abstand von neun Jahren herauskamen und hauptsächlich auf Festivals liefen, tappen die meisten Zuschauer vermutlich ebenso wie ich im Dunkeln, wenn Figuren seltsame Aktionen abziehen, als hätten dies einen ganz bestimmten Grund. Vielleicht wurde in den vorherigen Filmen auch gar nichts erklärt und den Darstellern bloß gesagt, sie sollten bedeutsam gucken. Das weiß man nie so recht bei Hartley, der seiner Tragikomödie bewusst einen absurden Touch gibt. Wer den staubtrockenen Humor, persiflierendes Philosophieren und gelegentliche geschmackliche Entgleisungen bereist schätzt, wird mit Henry Fool, Fay Grim und Ned Rifle beim Heimvideoabend vermutlich Familienzusammenführung feiern.

2,5/5 Sterne

Varieté | Classics

In den 20ern genossen Filme aus der Welt der Schausteller in Zirkus, Cabaret und Rummelplatz eine kurze Popularität. Doch E. A Duponts wiederentdeckte und -aufgeführte Varieté ist mehr als ein Relikt eines vergangenen Trends und einer vergangenen Kunstform. In dem gefühlsbetonten Stummfilm hat Karneval-Manager Huller (Emil Jannings) bereits einen schweren Absturz hinter sich, als die typische Geschichte von Begehren und Buße beginnt. Bis zu einem Trapez-Unfall war er ein berühmter Akrobat. Nun führt er ein vergleichsweise bürgerliches Leben mit Frau und Kind. Beiden kehrt er den Rücken, als die junge Bertha-Marie ihn verlockt. Auf ein flüchtiges Glück mit der halb naiven Femme Fatale (eine unwiderstehliche Lya de Putti) folgt der soziale Fall.

Berlinale 2015 Teil 2 VarietéDer Plot evoziert sowohl zeitgenössische Filme wie The Devil’s Circus von Benjamin Christensen oder He who gets slapped mit Lon Chaney als auch zukünftige Klassiker wie Josef von Sternbergs Der Blaue Engel. Letzter ist die wohl bekannteste Adaption von Heinrich Manns Roman „Professor Unrat“, dessen Grundzüge in Duponts Handlung unverkennbar sind. Mit Bertha-Marie nimmt Huller sein altes Leben als Wanderdarsteller wieder auf. Unter den Akrobaten begegnet ihnen der Zirkusstar Artinelli (Warwick Ward), der mit seiner Agilität und aalglattem Charme das Gegenbild des grobschlächtigen Huller darstellt. Wie es kaum anders sein könnte, hegt Artinelle amouröse Absichten gegenüber Hullers attraktiver Gefährtin und engagiert sie und ihren lästigen Begleiter mit nicht ganz ehrenhaften Hintergedanken für seine Truppe. Als Huller das Verhältnis entdeckt, sinnt er auf Rache – das kann in einem ausgewiesenen Melodram nur in Tragik münden. Das Drama nimmt seinen Lauf, der aus heutiger Sicht nicht überraschend scheint. Doch dank der guten Darsteller und stimmigen Inszenierung hat das restaurierte Schausteller-Stück von 1925 nichts von seiner Ausdruckskraft verloren. Ein Höhepunkt der Berlinale Classics wird es durch den besonderen Rahmen der Wiederaufführung. Für die musikalische Untermalung sorgen The Tiger Lillies. Das an Brecht, Weill und schauerliche Moritaten angelehnte Liedgut der drei britischen Bänkelsänger ist allein schon jeden Besuch wert.

4/5 Sterne

Nena | Generations

Die Schlagworte „Ausnahmetalent“ und „brillant“, begleitet von den Namen zu oft oder nie zuvor gesehener Schauspieler wirken in Filmsynopsen wie Alarmsignale. Ist die Synopsis dazu zweieinhalb Sätze lang und enthält den Namen Uwe Ochsenknecht („brillant“), ist das geradezu ein Warnschrei. Nur nicht, dass der Kritiker sich eine nicht-positive oder überhaupt eine eigenen Meinung über das Gesehene bilde! Besser der Verleih schreibt wortwörtlich vor, wie ein Film zu werten ist. Damit das Publikum nicht trotzdem beim Anschauen realisiert, von welcher Qualität Saskia Diesings Nena ist, übermittelt ein Dialog sicherheitshalber unmissverständlich die Sinneshaltung, mit der die Teenie-Schnulze aufzunehmen ist: „Man sollte nicht zu viel denken!“

Berlinale 2015 Teil 2 NenaDas erklärt der Freund Carlo (Gijs Blom) der 16-jährigen Titelheldin (Abbey Hoes). Die will im Herbst 1989 an der niederländischen Grenze zu Deutschland ihrem querschnittsgelähmten Vater Martin (brill… nein, leider nicht brillant, sondern einfach nur wie immer: Uwe Ochsenknecht) aus der Depression holen und nebenbei das komplette „Bravo“-Repertoire an Teenager-Klischees ausleben. Getauft wurde die Protagonistin vermutlich nach der gleichnamigen Popsängerin, die 1983 mit „99 Luftballons“ einen der nervigsten und leider auch erfolgreichsten Hits der Ära hatte. Namen sind in Diesings Debütfilm so bedeutsam, dass Martin abfällig bezüglich einer Freundin seiner Tochter bemerkt: „Wer bitte nennt sein Kind Heidemarie?“ Heidemarie – voll uncool! Aber Nena – ey, cooler geht’s ja wohl nicht mehr! Zumindest im Handlungsjahr ’89, das die Regisseurin lebensecht zu vermitteln versucht, indem sie vergilbte Zeitschriften (waren aktuelle Tagesausgaben vor der Wende schon am Kiosk vergilbt?) und die schlimmsten Klamotten vom Flohmarkt in die seichte Story wirft. Nena und Carlo, die gänzlich unglaubwürdig innige Verliebtheit vorgeben, weil das nunmal so im Drehbuch steht, und alle inklusive Heidemarie sehen aus, als wären sie unterwegs zu einer Single-Party mit dem Motto „Das waren die 80er!“ Ein alternatives Motto wäre „Das war Diesing!“, denn ihr Familienfilm, dem ich das „Prädikat besonders wertvoll“ prophezeie, ist nämlich autobiografisch. Hey, waren wir nicht alle damals die Coolsten der Clique, ach was, die Coolsten weit und breit? Diesing war mal Nena oder genauso Nena-mäßig cool, auch wenn sie Saskia heißt. Das kommt zwar nicht so super wie Nena, aber es gibt Schlimmeres. Heidemarie. Für die filmische Nena gilt das leider nicht.

0/5 Sterne

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Hier geht es zu den bisherigen Berichten:

Filmfutter auf der Berlinale 2015 – Teil 1

Filmfutter auf der Berlinale 2015 – Teil 1

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Berlinale 2015 Teil 1

Bei der 65. Berlinale wird alles anders! Serien im Festivalprogramm, Dokus im Wettbewerb – nur hier bei Filmfutter wird berichtet wie zur 64. Berlinale, genauso unerschrocken und unermüdlich.

Bei den Berlinale-Berichten von 2014 findet Ihr eine kurze Übersicht der verschiedenen Sektionen des immer größer werdenden weltweit größten Publikums-Filmfestivals. Dass mit „unerschrocken und unermüdlich“ ist übrigens nur so ein Spruch. Schon jetzt fühle ich mich leicht schläfrig beim Gedanken an Terrence Malick, der bei der 49. Berlinale den Goldenen Bären gewann und sein jüngstes Werk Knight of Cups in den Wettbewerb bringt. Malicks Filme haben mitunter etwas Einlullendes, was nicht zwangsläufig ein cineastischer Makel sein muss (Kubricks Barry Lyndon macht todmüde!). Aber läuft ein Film mit epischer Handlung und elegischer Musik in der Frühschiene, die im vergangenen Jahr noch früher ansetzte, ist das allein physisch schon eine Herausforderung. Das gleiche gilt aus anderen Gründen für die Premiere von Fifty Shades of Grey. Der voraussichtliche Publikumsmagnet erhält nur eine Vorführung, was passend zum Handlungsinhalt voraussichtlich für ruppigen Körperkontakt in Form von Drängelei sorgt. Nimbus vor Niveau ist das Motto von Berlinale-Leiter Dieter Kosslick, der mindestens bis 2019 das Festival mit kuriosen Wortkapriolen anpreisen wird.

Berlin ist Weltstadt, Deutsch so hip wie noch nie nach 1945, da muss man sowieso keine anderen Sprachen mehr können! Zumindest nicht als (Berlinale)Chef. Der sah letztens einen Film, wo „the Nazis fly“. Das klingt nach Iron Sky, gemeint war aber Monuments Men. Sprachunterricht nehmen könnte Kosslick bei Wim Wenders, der im Rahmen der Hommage den Goldenen Ehrenbären erhält. Die Gelegenheit, ein paar der alten Wenders-Filme auf der großen Leinwand nachzuholen. Der ganz großen Leinwand des Berlinale-Palasts. Dorthin bringen dieses mal Werner Herzog, Jafar Panahi, Isabelle Coixet, Peter Greenaway und 19 andere Künstler das, was die Berlinale nach wie vor so außergewöhnlich macht: Kino zum Entdecken.

Chorus | Panorama

„Zeit heilt nicht.“, sagt Irene (Fanny Mallette), „Umso mehr Jahre vergehen, umso mehr ist es innerlich präsent.“ Die alternde Chorsängerin kennt das Gewicht ihrer Worte und wählt sie mit Bedacht. Zehn Jahre sind es, seit Hugo nicht mehr da ist. Erst Hugo, dann Christophe. Christophe (Sébastien Ricard) war Irenes Partner, Hugo war ihr gemeinsamer Sohn. Der kleine Junge ist verschwunden, vermutlich tot.

Berlinale 2015 Teil 1 ChorusDie Beziehung seiner Eltern ist an der Tragödie zerbrochen, mehr noch, sie sind es selbst. Irene macht sich darüber keine Illusionen, hat es nie: „Trauern macht den Leuten Angst. Sie meiden dich wie die Pest oder stellen sich dumm.“ Welche Reaktionen angemessen wären, wer kann das sagen? Nicht ihre Mutter (Geneviève Bujold), zu der Irene ein ebenso distanziertes Verhältnis hat wie Christophe zu seinem alten Vater (Pierre Curzi). Womöglich nicht einmal die Betroffenen selbst: Irene, die im kühlen Montreal weiter ihr trostloses altes Leben lebt, noch Christophe, der sich in Mexiko mit Gelegenheitsjobs durchschlägt und vergeblich versucht, die Vergangenheit zu verdrängen. Die Nachricht über das Auffinden des Leichnams ihres Sohnes führt beide wieder zusammen, nicht als Paar, sondern als Verlorene, die im Schmerz des anderen den eigenen wiedererkennen. Chorus beginnt mit einem Geständnis des Mörders Jean-Pierre Blake (Luc Senay), der für andere Missbrauchsdelikte im Gefängnis sitzt. Warum er plötzlich spricht, weiß nur er allein. Hätte er damals gestanden, hätten Irenen und Christoph damals gewusst, was ihrem Kind geschehen ist, vielleicht hätten sie mit dem Verlust abschließen können. Regisseur und Drehbuchautor François Delisle gab sein Berlinale-Debüt vor zwei Jahren im Forum mit seinem ähnlich konzentrierten Drama The Meteor. Auch dessen Erzählung beschäftigte sich mit den psychischen Konsequenzen eines Mordes. Damals waren es der Täter und dessen Angehörige, auf die sich das eindringliche Kameraauge richtete. Nun gilt seine Aufmerksamkeit der Familie des Opfers – in einem bewegenden Porträt, das des Wettbewerbs würdig ist. Wertung:

5/5 Sterne

Androids Dream (OT: Sueñan los androides) | Forum

Was wie eine Feststellung klingt, hallt nach als Teil einer Frage: „Do Androids Dream of Electric Sheep?“ Die Pressevorführungen beginnen reizvoll mit der Evokation von Philip K. Dicks Science-Fiction-Märchen. Dessen Filmadaption ist für sich ein Meisterwerk: die düstere Vision einer Zukunft, die immer näher zu rücken scheint und trotz ihres bitteren Gesellschaftsbilds bizarre Anziehungskraft ausübt. In einer emotionale Kälte und Kalkulation verströmenden Stadtlandschaft haben hochentwickelte Androiden die unangenehmen Arbeiten für die Menschen übernommen. Bis auf einen Job, der einer der unangenehmsten ist: das Eliminieren jener Modelle, die sich ihrer Vorprogrammierung widersetzen und einen eigenen Willen entwickeln.

Berlinale 2015 Teil 1 Androids DreamEin desillusionierter Kopfgeldjäger schießt sich durch die Handlung mit dem Auftrag, die allzu menschlichen der äußerlich von Menschen nicht zu unterscheidenden Maschinen zu beseitigen. Seine Suche wird zu der nach den Anfängen des Bewusstseins und des Ichs. Es ist eine brillante Verfilmung, die durch Anspielungen tiefgreifende Fragen aufwirft, nicht nur über die Charaktere, sondern das eigene Sein. Leider ist Ion de Sosas Beitrag nicht dieser Film. Dieser Film ist Ridley Scotts Blade Runner. Androids Dream gelingt lediglich ein optisch und inhaltlich ausgelaugter Abzug der Vorlage. Obwohl nur eine Stunde lang, wird Dicks schillernde Story zum schleppenden Weg durch eine halb abgerissene spanische Touristenhochburg. Eine Titelkarte verkündet, man schreibe das Jahr 2052, doch ebenso gut könnte die verzerrte Handlung in der Gegenwart spielen oder aber der Vergangenheit. Momentaufnahmen wie aus einem vergilbten Urlaubsprospekt, ein paar markante Gesichter, aufdringliche Symbole statt geschickter Andeutungen – mehr hat die karge Parabel nicht zu bieten, um die cineastische Leere zu füllen. Do movie critics dream? Ja, von Filmen so spannend wie Blade Runner, wenn sie bei langweiligen wie de Sosas einschlafen.

1/5 Sterne

Der große Trip – Wild (2014)

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Der große Trip - Wild (2014) Filmkritik

Wild, USA 2014 • 116 Min • Regie: Jean-Marc Vallée  • Drehbuch: Nick Hornby • Mit: Reese Witherspoon, Laura Dern, Thomas Sadoski, Kevin Rankin, W. Earl Brown • FSK: ab 12 Jahren • Kinostart: 15.01.2015 • Deutsche Website

„Der große Trip – Wild“ ist nicht nur ein gelegentlicher Abstecher in die Ödnis wie der Titel vermuten lässt, sondern ein beschwerlicher, schmerzhafter Marsch in die Selbsterkenntnis über 1000 Meilen weit auf dem Pacific Crest Trail. Hatte Mia Wasikowska in „Spuren“ vergebliche Studien- und Arbeitsversuche hinter sich, um sich für ein Durchschreiten des Outbacks zu entscheiden, suchte Emilie Hirsch in „Into the Wild“ in der Wildnis nach der Nähe, die er daheim anscheinend so bitter misste. Bereits diesen Filmen liegt eine wahre Begebenheit zu Grunde, sodass es nur eine Frage der Zeit war bis Cheryl Strayeds Bestseller „Wild: From Lost to Found on the Pacific Crest Trail“ den Weg auf die Leinwand findet. Häusliche Gewalt des Stiefvaters in der Kindheit und der frühe Tod der geliebten Mutter sorgten schließlich für Cheryls Leben in desolaten Ausschweifungen, Heroinmissbrauch und Unfähigkeit, ihren fürsorglichen Ehemann aufrichtig zu behandeln.

Der große Trip - Wild (2014) Filmbild 1 Cheryl Strayeds (Reese Witherspoon) Ehe ist im Eimer. Zu oft versuchte ihr Mann Paul (Thomas Sadoski) seine Frau aus dem Drogensumpf zu befreien, zu oft ging sie ihm mit wahllosen Männern fremd, um irgendwie die überwundene Trauer über das plötzliche Ableben ihrer Mutter Bobbi (Laura Dern), den prügelnden Stiefvater und das Trösten ihres jüngeren Bruders abzudämpfen. Cheryl sieht für sich nur einen radikalen Ausweg, damit ihr Leben wieder eine richtige Richtung einnimmt: Eine Wanderung auf dem Pacific Crest Trail. Die völlig unerfahrene Wanderin nimmt viel zu viel Krams in ihrem Rucksack mit und schafft vorerst nur ein paar Meilen am Tag. Auf dem Weg lernt sie andere Wanderer, Camper und irrgeleitete Menschen kennen, die ihr auf dem waghalsigen Trip zur Seite stehen.

Der große Trip - Wild (2014) Filmbild 2Reese Witherspoon (Walk the Line", Natürlich Blond") legt hier ein ganz mächtiges Solobrett hin. Andere monodimensionale Figuren haben dabei kaum Gelegenheit, sich in das Gedächtnis der Zuschauer zu spielen. Das Augenmerk des stilistisch hervorragend erarbeiteten Films liegt eben auf dieser Frau. Die Figur von Witherspoons Cheryl ist gleichermaßen gedankenversunken und verbissen, verloren und doch gefunden. Ständig steht ihr die physische Anstrengung und die narbenhafte Mimik unverdauter familiärer Probleme in das Gesicht gemeißelt, sodass es kostbare, flüchtige Momente sind, wenn beim Summen eines Liedes Glück und Zuversicht durchschimmern. Ihre Zitationen in den Besucher-Logbüchern der Trails oder der Hostels finden bald eine Fangemeinde unter den Wanderern. Keineswegs sind diese Zitate oder Lieder bloßes Indie-Film-Feel-Good-Gepansche oder Selbstzweck; vielmehr werden diese Mantra artigen Zitate von namhaften Künstlern gekonnt in Cheryls Reise eingewoben. Dies erdet die authentische, ungekünstelte Figur der Cheryl zuzüglich zu ihrem empfundenen Schmerz bei der langen Wanderung und ihren Flüchen über die Beschissenheit der Dinge. Somit wird dem ehrlichen, unverblümten Schreibstil der echten Cheryl Strayed Rechnung getragen (Lob an Drehbuchautor Nick Hornby).

Der große Trip - Wild (2014) Filmbild 3Handwerklicher Vorarbeiter ist Regisseur Jean-Marc Vallée (Dallas Buyers Club"), der im letzten Oscarrennen Jared Leto und Matthew McConaughey eine der begehrten Auszeichnungen bescherte. Vallée arbeitet in seinem Film mit vielerlei Versatzstücken aus Rückblenden, die zum Glück nie störend oder überflüssig werden (vergleiche dazu z.B. Danny Boyles „127 Hours“). Wo man über Christopher McCandless (Protagonist in „Into the Wild“) Motivation die Zivilisation hinter sich zu lassen, eher spekuliert, ist Cheryls Linie klar in ihrem Buch dargelegt, auf dass die Rückblenden wirklich Sinn machen. Sie sind genauso geschmeidig in den Filmverlauf eingearbeitet, wie das nachdenkliche Summen von Cheryls Lieblingsliedern. Hier wird im Ton mit viel Hall und punktgenauen Fade Ins und Outs gearbeitet. Ob bloßer Soundtrack oder ob der Zuschauer in Cheryls Gedanken mithört ist erst wieder beim nächsten Close-Up klar. Ein kunstvoller Kniff, um Cheryls Gedankenwelt, ihre Umgebung und den Zuschauer auf einer Welle surfen zu lassen. Immer wieder wird der Trip für den Zuschauer erfahrbar gemacht. Mit schnellen Schnitten auf Cheryls hastige Schritte, ihre Durchhalteparolen, ihr pumpender Atem und die inbrünstigen, befreienden Schreie in die bildschöne Leere der weitläufigen Wildnis. Für zukünftige Aussteiger, Wanderenthusiasten oder Freunde von Filmen wie „Spuren“ und „Into the Wild“, ist dieser Trip ins Kino ein lohnenswertes Wagnis.

 Trailer

 

Fünf Freunde 4 – Der Cast im exklusiven Interview

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Fünf Freunde 4 Interview

Seit Donnerstag läuft der vierte Teil der erfolgreichen Familienfilm-Reihe Fünf Freunde in den deutschen Kinos. Jede der bisherigen drei Enid-Blyton-Adaptionen hat es geschafft, mehr als eine Million Besucher in die Kinos zu locken und das Beeindruckende daran ist, dass die Zuschauerzahlen von Film zu Film angestiegen sind. Auch der vierte Film ist auf bestem Wege, große Zuschauermassen ins Kino zu locken und wird mit Sicherheit der erfolgreichste Neustart an diesem Wochenende sein. Das spricht für sich: auch 60 Jahre nach dem erscheinen der ersten Bände in Deutschland, sind Julian, George, Dick, Anne und Timmy so beliebt wie eh und je.

Zum Erfolg der Filme und deren Akzeptanz und Beliebtheit bei den Fans hat auch das tolle Casting der vier Hauptfiguren beigetragen. Für viele fällt es jetzt schon ganz schwierig, sich jemand anderen als Quirin Oettl, Valeria Eisenbart, Justus Schlingensiepen und Neele Marie Nickel in den Hauptrollen vorzustellen (der tierische Hauptdarsteller von Timmy wurde übrigens zwischen Teil 2 und Teil 3 ausgetauscht).

Zum Kinostart von Fünf Freunde 4 hatten wir die tolle Gelegenheit, die vier jungen Schauspieler und Schauspielerinnen sowie den Newcomer Omid Memar, der den Straßenjungen Auni spielt, der den fünf Freunden bei ihrem ägyptischen Abenteuer hilft, zu interviewen. Wir sprachen den Darstellern, sowohl gemeinsam als auch einzeln, und sie erzählten uns von ihren Erlebnissen am Set in Tunesien (hat als Drehort für Ägypten hergehalten), der Entwicklung ihrer Figuren und davon, wie die Chancen von Fünf Freunde 5 stehen:

Filmfutter: Wie war es für euch, auf einem Kamel zu reiten?

Quirin Oettl: Echt lustig, aber ein Kamel ist viel zu klein für zwei Personen! (lacht)

Valeria Eisenbart: Mega cool, aber auch sehr wackelig.

Justus Schlingensiepen: Es war ein bisschen schwierig, weil die Kamele nicht ganz das gemacht haben, was sie sollten, aber ich fand es trotzdem super auf den Kamelen zu reiten. Es ist ein ganz anderes Gefühl, als auf einem Pferd zu reiten – es schaukelt schon sehr.

Neele Marie Nickel: Es war ein großer Spaß, doch auch anstrengend, besonders zu zweit mehr als drei Stunden auf einem Kamel zu reiten. Obwohl es sehr leicht aussieht, würde ich Reisenden empfehlen, das Ganze dann vielleicht doch lieber allein zu probieren.

FF: Wenn der vierte Film so erfolgreich wird, wie die ersten drei, dürfen sich die Fans auf einen fünften Teil mit euch freuen? Glaubt ihr, es kommt irgendwann demnächst der Punkt, an dem ihr euch „zu alt“ für die Rollen fühlt?

QO: Das wissen wir noch nicht, wird sich aber vielleicht bald rausstellen.

VE: Ich denke, wenn wir vielleicht volljährig sind, fühlt es sich vielleicht komisch an, aber in erster Linie hängt das von den Zuschauerzahlen ab.

JS: Ich glaube, dass wir in den vergangenen Teilen auch mitwachsen durften. Die Teile sind insgesamt auch erwachsener geworden. Noch fühlen wir uns nicht „zu alt“ für die Rollen. Ob es noch einen Teil geben wird, weiß ich noch nicht. Erst einmal warten wir ab, wie der vierte Teil bei den Zuschauern ankommt.

NMN: Das sehe ich genauso.

Fünf Freunde 4 Interview 1

Valeria Eisenbart

FF: Du hast in Vergangenheit mal gesagt, dass deine Figur George und du nicht viel gemeinsam habt. Jetzt nachdem du die Figur schon viermal gespielt hast, glaubst du, dass es automatisch zu einer Annäherung der Persönlichkeiten kommen kann?

VE: Ich glaube nicht, da ich sie ja nur spiele, in echt bleibe ich ein totales Mädchen

FF: Der letzte Film wurde in Thailand gedreht, dieser in Tunesien. Kommt auch ein bisschen Urlaubsfeeling dabei auf oder ist es nur reine Arbeit?

VE: Hauptsächlich ist es Arbeit, aber am Wochenende unternimmt man natürlich was.

Quirin Oettl

FF: Hast du dich mittlerweile an die Haarfarbe von Julian gewöhnt oder denkst du dir vor dem Film dann immer noch „Ach das schon wieder…“?

QO: Na ja, ich bin glücklich, wenn meine Haare wieder normal sind, aber es gehört einfach zum Job.

FF: Wie hat sich dein Leben durch die Filme verändert? Wirst du häufig auf der Straße wiedererkannt und löchert man dich mit Fragen zum Filmset?

QO: Man wird schon manchmal erkannt und dann tuscheln die Leute immer und manchmal werde ich auch angesprochen und viel gefragt, was echt Spaß macht.

Fünf Freunde 4 Interview 2

Justus Schlingensiepen

FF: Was war für Dich die aufregendste Szene im neuen Film?

JS: Das Spannendste war die Explosion des Autos bei Fünf Freunde 4, da ich so etwas vorher noch nie live miterlebt habe.

FF: Der letzte Film wurde in Thailand gedreht, dieser in Tunesien. Wenn du dir einen exotischen Drehort für deinen nächsten Film aussuchen könntest, welcher wäre das?

JS: Ich würde mir wieder Thailand aussuchen. Thailand ist einfach ein Traumland. Es ist toll dort zu arbeiten. Die Menschen sind wahnsinnig nett und das Wetter ist auch super.

Neele Marie Nickel

FF: Sowohl Thailand als auch in Tunesien war es ja ziemlich heiß bei den Dreharbeiten, was ja auch echt anstrengend sein kann. Sehnst du dich nach einem kühleren Drehort für den nächsten Film?

NMN: Nein, da ich lieber im Warmen als im Kalten bin.

FF: Wie empfindest du die Entwicklung von Anne über die vier Filme hinweg?

NMN: Ich finde es gut, dass Anne älter und damit erwachsener wird, da ich dann schauspielerisch immer mehr gefordert werde.

Fünf Freunde 4 Interview 3

Omid Memar

FF: Warst du auch vor dem Film ein Fan der „Fünf Freunde“?

OM: Ja, ich hab sogar den ersten im Kino gesehen und finde die Fünf Freunde richtig cool.

FF: Valeria, Quirin, Justus und Neele sind nach drei Filmen bereits ein eingespieltes Team. Wie war es für dich als Neuzugang dabei zu sein?

OM: Mein Freund Quirin hat mich sofort angesprochen und dafür bedanke ich mich immer wieder bei ihm, und seitdem verstehe ich mich mit dem Justus auch sehr gut, und mit den Mädchen ebenso.

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Fünf Freunde 4 läuft seit dem 29.01. in den deutschen Kinos. Hier ist der Trailer zum Film:

https://youtu.be/eXUNcz-KRz0

Inherent Vice – Natürliche Mängel (2014)

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Inherent Vice, USA 2014 • 148 Min • Regie & Drehbuch: Paul Thomas Anderson • Mit: Joaquin Phoenix, Josh Brolin, Owen Wilson, Katherine Waterston, Reese Witherspoon, Benicio Del Toro • Kamera: Robert Elswit • Musik: Jonny Greenwood • FSK: ab 16 Jahren • Verleih: Warner Bros. • Kinostart: 12.02.2015 • Website

Inherentvice1Nach seinen zwei gefeierten düsteren Charakterstudien „There Will Be Blood“ (2007) und „The Master“ (2012) öffnet Paul Thomas Anderson mit seiner neuen Arbeit die schweren Vorhänge ein wenig. Allerdings nicht zu weit, denn schließlich sollen doch die anständigen Nachbarn nicht mitbekommen wie hemmungslos dieses Mal der Cannabis- oder generell Drogenkonsum sowie nackte Körper auf der Leinwand zelebriert werden. Dementsprechend ist unsere Geschichte im L.A. der Siebziger angesiedelt, in dem freie Liebe und kiffende Hippiehorden zwar verpönt aber keinesfalls ungewöhnlich gewesen sind. Anderson filmt mit „Inherent Vice“ übrigens keine selbstgebastelte Story ab, sondern nimmt sich den hierzulande unter dem Titel Natürliche Mängel veröffentlichten Roman der Postmodernenikone Thomas Pynchon (u.a. Die Enden der Parabel und Mason & Dixon) zur Brust. Das Resultat ist ein vor abstrusen Ideen, schillernden Figuren und paranoidem Dunst überschießender Kinospaß der kryptischten Sorte, sprich: Take it or leave it! „Inherent Vice“ ist nicht für jeden Kinogänger gemacht. Dafür aber für Anhänger solcher Kultwerke wie „The Big Lebowski“ der Coens oder „Fear and Loathing in Las Vegas“ von Terry Gilliam (beide 1998) ganz besonders.

Inherentvice3Der Inhalt ist dabei fast nebensächlich – oder zumindest durch die dauerzugedröhnten Augen des Privatschnüfflers Doc Sportello (Joaquin Phoenix gibt eine äußerst einprägsame Performance), durch die wir das Treiben wahrnehmen, so verschleiert, dass wir mit unserem Helden fast ebenso verpeilt durch den Crimeplot stapfen. Es geht darin um zwei vermisste Personen – ein Milliardär und Sportellos sexy Ex Shasta Fay (von Katherine Waterston wollen wir in Zukunft mehr sehen) – , einen Mord, einen besessenen Detective (grandios: Josh Brolin), einen koksenden, sexgeilen Zahnarzt (Martin Short, jawohl!), den Untergang des friedlichen Hippietums unter dem Schrecken der Manson-Familie, Kommunistenjagd, Nazis und vieles vieles mehr …

Inherentvice2Was macht also „Inherent Vice“ so unwiderstehlich, wenn man doch der Kerngeschichte (zumindest bei der ersten Sichtung) so schwer folgen kann? Die Antwort: Alles andere! Die Darstellerriege (neben den bereits genannten Stars geben sich außerdem unter anderem noch Reese Witherspoon, Owen Wilson und Benicio Del Toro die Ehre) ist durch die Bank so fantastisch spielfreudig dass man bei ihr den Spaß am Projekt und nicht etwa den Studioscheck förmlich in den Augen aufblitzen sieht. Aber nicht nur vor der Kamera gibt man sich unverkrampft, auch PT Anderson lässt ein wenig den streng-detaillierten Perfektionismus (das soll übrigens absolut nicht als Vorwurf verstanden werden!) der zwei Vorgänger zurück und begibt sich in ein flüchtigeres Territorium aus Lust und krankem Irrsinn, das er zuvor bereits mit „Boogie Nights“ (1997) und „Punch-Drunk Love“ (2002) beschritten hat. Wenn man die gewohnt ausgeklügelte Kameraarbeit von Oscarpreisträger Robert Elswit (aktuell auch bei „Nightcrawler“ zu bewundern) und die innovative Musikuntermalung von Jonny Greenwood dazurechnet, treffen hier unter Dialogen zum Notizbuchzücken Old school-Anderson und New school-Anderson zusammen. Man könnte auch die Kirche mal im Dorf lassen, sich die Spucke, Tinte oder wilde Tipperei sparen und die große Gaudi einfach mit einer dicken Empfehlung an die Leserschaft weiterreichen. Fünf volle, hell erleuchtete Sterne sollten dafür reichen. Wofür nochmal? Ganz einfach für das Maximum an verschrobenem Kinospaß mit raffinierter Note.

Natürliche Mängel lassen sich selbstverständlich auch bei dieser herausragend-groovygen Arbeit festmachen. Aber die machen ja letztlich auch die Ecken und Kanten aus, die man bei so manch glattgebügeltem, hochdekoriertem Oscarkandidaten sträflichst vermisst …

Inherentvicex


Trailer


Blogger sehen rot: Special zum Kinostart des Action-Reißers John Wick

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John Wick Special

John Wick (Keanu Reeves), ein Ruheständler im Mafia-Killer-Business, dreht voll auf und rächt sich an einem ganzen Kartell, nachdem sein Hund bei einem Einbruch von Schergen der Mafia getötet wurde. Leider war der Hund das letzte Geschenk seiner verstorbenen Frau.

Genau dieser Sachverhalt veranlasst uns, gemeinsam mit einigen unserer werten Blogger-Kollegen an dem Bloggerspecial zu „John Wick“ (Kinostart: 29.01.) teilzunehmen. Was muss man mir nehmen, damit ich rot sehe? Online Shopping für marktuntauglich erklären? Nein. Gute Filme aus dem Kino verbannen? Schon eher. Eines meiner Fahrräder stibitzen? Es wird wärmer. Meinen Studiengang vor Abschluss auslaufen zu lassen? Fast. Wenn man mir die Möglichkeit nimmt, auf Anschuldigungen oder Streitigkeiten angemessen reagieren zu können. Bumm! Sicherlich meint „angemessen reagieren“ keine High-End-Stunt-Choreographien auf die Gegenpartei niederhageln zu lassen, wie Keanu Reeves es in einer Art „Parallel“-Unterwelt tut. Da mangelt es mir an der Fähigkeit, meine körperliche Mitte zu finden, oder gar die Beine in einem für mich höchst ungesunden Winkel für Tritte zu verdrehen. Das Gefühl, sich in Momenten der Konfrontation mit der erdrückenden Last an gerechtfertigten oder ungerechtfertigten Anschuldigungen zu finden, dabei im Regen zu stehen, ohne eine Chance etwas zu erwidern, kann mich böse wurmen. Ein klassischer Move à la Horatio Caine aus „CSI: Miami“ wäre also, Öl in die lodernden Flammen meines Zornes zu gießen, sprich: Statement raushauen, Kunstpause, Sonnenbrille auf, „The Who“ schreit YEEEAAAAHHYY, verduften. Nope. Total uncool. Zum Glück sind meine Interaktionspartner nur selten schillernde Figuren aus Mafia-Syndikaten, sodass ich meine „Badass“-Martial-Arts-Kombos nicht auspacken muss, um mich zu rechtfertigen.

In „John Wick“ sieht das anders aus. Action-Fans die auf „The Equalizer“, „The Raid“ und Co abfahren, werden diesen astreinen, saucoolen, spektakulären Actionreißer garantiert abfeiern. Außerdem sieht man „Matrix“-Start Keanu Reeves endlich wieder in Topform mit echt innovativen Stunts. „Ständig fragen mich Leute, ob ich zurück sei. Ja, ich denke ich bin zurück“ – genießt den Film!

Was unsere Kollegen zu der Fragestellung zu sagen haben, erfahrt Ihr hier:

Kino7
WeWantMedia
Myofb

Filminfos:

"John Wick (Keanu Reeves), berühmt-berüchtigt als bester Hitman der Branche, ist nach seinem letzten Auftrag endgültig aus dem Geschäft ausgestiegen. Doch die Ruhe währt nicht lange. Nach einem Überfall auf sein Haus sieht er sich seinem ehemaligen Boss gegenüber: Viggo Tarasof (Michael Nyqvist), Anführer des gefährlichsten Gangstersyndikats von New York. Um seine Vergangenheit für immer loszuwerden, rüstet er sich für den ultimativen Rache-Feldzug. Doch längst hat Viggo die besten Killer der Stadt auf John angesetzt. Darunter auch Johns alten Freund Marcus (Willem Dafoe)." (Quelle: Studiocanal Germany)

"Birdman auf Reisen"-Special: Birdman in Bonn

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Birdman in Bonn

Zum Teufel mit Superman, Batman und Spider-Man! Am 29.01. kommt der einzig wahre Superheld in die deutschen Kinos – Birdman! Naja, mehr oder weniger. Wirklich super sieht die Hauptfigur des Films nicht mehr aus. Riggan Thomson, ein abgehalfterter Schauspieler, dessen Glanzzeit als Superheld Birdman lange hinter ihm liegt, versucht der Welt zu beweisen, dass er mehr als nur ein Kostümträger ist und versucht sich am Broadway. Seine labile junge Freundin, seine stets präsente Ex-Frau, seine gerade aus der Entziehungskur kommende Tochter, sein nervender Agent, eine herablassende Theaterkritikerin und ein Egomane als Darsteller seines Stücks machen Riggan das Leben schwer. Beistand leistet ihm lediglich Birdman, dessen Halluzination ihn in seinen Gedanken immerzu verfolgt und ihm einflüstert, dass er es immer noch drauf hat und ein besseres Schicksal verdient.

Somit personifiziert der Birdman den inneren Konflikt der Hauptfigur, seine Arroganz und seine Sehnsucht nach vergangenen Tagen des Ruhms. Wenn ich eines Tages auch anfange, meine innere Stimmung auch visuell wahrzunehmen, dann wird es zumindest hoffentlich auch ein Badass-Superheld sein, mit einer tiefen Stimme, der sich keinen Scheiß gefallen lässt (naja, aber besser nicht).

Birdman ist nicht nur ein verdammt toller Film, der bei uns die seltene 5-Sterne-Wertung verpasst bekommen hat (unsere Kritik zum Nachlesen), sondern ist aktuell einer der größten Oscaranwärter mit neun Nominierungen, darunter als "Bester Film" und für drei seiner Darsteller (Michael Keaton, Edward Norton und Emma Stone).

Den nahenden Kinostart des Films am 29.01. nahmen wir und zwei andere Blogger-Kollegen zum Anlass, Birdman selbst auf eine Reise durch Deutschland zu schicken. Den ersten halt machte der gefiederte Superheld in meiner Heimatstadt Bonn, wo er sich natürlich mit dem berühmtesten Sohn der Stadt, Beethoven, ablichten ließ – das "B-Team"! Lange bleiben konnte Birdman hier aber nicht, denn für Birdman ist eine Stdat einfach nicht groß genug für zwei solche Egos. Außerdem, so verriet mir Birdman, roch es hier nach Klöten. Hmmm…

Birdman in Bonn 1

Wohin die Reise Birdman noch führen wird, erfahrt Ihr demnächst bei unseren Kollegen von Myofb und WeWantMedia. In die deutschen Kinos kommt er am Donnerstag auf jeden Fall und vielleicht führt ihn die Reise am 22. Februar sogar auf die Bühne der Oscarverleihung. Verdient hätte er es.

Filminhalt:

"In Alejandro G. Iñárritus existenzieller Komödie BIRDMAN erhofft sich Riggan Thomson (Michael Keaton) durch seine Inszenierung eines ambitionierten neuen Theaterstücks am Broadway, neben anderen Dingen, vor allem eine Wiederbelebung seiner dahin siechenden Karriere. Zwar handelt es sich um ein ausgesprochen tollkühnes Unterfangen – doch der frühere Kino-Superheld hegt größte Hoffnungen, dass dieses kreative Wagnis ihn als Künstler legitimiert und jedermann, auch ihm selbst, beweist, dass er kein abgehalfterter Hollywood-Star ist.

Doch während die Premiere des Stücks unaufhaltsam näher rückt, wird Riggans Hauptdarsteller durch einen verrückten Unfall bei den Proben verletzt und muss schnell ersetzt werden. Auf den Vorschlag von Hauptdarstellerin Lesley (Naomi Watts) und auf das Drängen seines besten Freundes und Produzenten Jake (Zach Galifianakis) hin engagiert Riggan widerwillig Mike Shiner (Edward Norton) – ein unberechenbarer Typ, aber eine Garantie für viele Ticketverkäufe und begeisterte Kritiken. Bei der Vorbereitung auf sein Bühnendebüt muss er sich nicht nur mit seiner Freundin, Co-Star Laura (Andrea Riseborough), und seiner frisch aus der Entzugsklinik kommenden Tochter und Assistentin Sam (Emma Stone) auseinandersetzen, sondern auch mit seiner Ex-Gattin Sylvia (Amy Ryan), die gelegentlich vorbeischaut, um die Dinge in ihrem Sinn zu richten."

Film- und Serien-News