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The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben (2014)

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The Imitation Game (2014) Filmkritik

The Imitation Game, GB/USA 2014 • 114 Min • Regie: Morten Tyldum • Mit: Benedict Cumberbatch, Keira Knightley, Matthew Goode, Mark Strong, Rory Kinnear, Charles Dance, Allen Leech, Matthew Beard • FSK: ab 12 Jahren • Kinostart: 22.01.2015 • Deutsche Website

Die Prä-Oscar-Saison ist auch immer Nährboden für das eine oder andere Biopic. Da hätten wir den Film über Musiklegende James Brown „Get On Up“ oder Mike Leigh’s schrulligen „Mr. Turner“ über den gleichnamigen englischen Maler. Eddie Redmayne bekam für seine Darstellung des Physikers Steven Hawking in „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ einen Golden Globe und das Martin Luther King Biopic „Selma“ heimste die Trophäe für den besten Filmsong ein. Manchmal wirkt es, als würden sich Filme mit der Biopic-Thematik automatisch in das Buhlen um die Oscars einreihen. Die Versatzstücke sind auffällig ähnlich: Man nehme eine (verkannte/missverstandene) Person aus einer Minderheit, lasse sie gegen alle Widrigkeiten antreten und stilisiere sie als Ikone oder glorifiziere sie als Heldenfigur ihrer Historie; das Streichorchester stimmt schon mal die Saiten. Allerdings muss dies nicht heißen, dass diese Art Filme schlecht sind. Es gibt auch leuchtende Beispiele wie Dallas Buyers Club (Oscars letztes Jahr). Leider werden ab und zu Biopics zu sehr auf Oscar-Verträglichkeit poliert und lassen wesentliche Aspekte aus oder liefern lediglich eine einsichtige Perspektive. „The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben“ mit dem charmanten Briten Benedict Cumberbatch als Codeknacker-Mastermind Alan Turing kommt leider auch etwas zu glatt gebügelt daher, erweist sich aber dennoch als wunderbar gespielte und berechtigte, filmische Gedächtnisveranstaltung.

The Imitation Game (2014) Filmbild 1Schauplatz: Zweiter Weltkrieg. Das deutsche Gerät zur Kodierung der Militärkommunikation namens „Enigma“ bereitet den Wissenschaftlern im britischen Bletchley Park Kopfzerbrechen. Linguisten, Kryptographen, Mathematiker und sogar ein Schachweltmeister versuchen die Maschine zu überlisten und die Zeit arbeitet dabei gegen die Gruppe der Code-Knacker. Schließlich stehen Menschenleben auf dem Spiel. Der geniale, aber sozial eher unbeholfen agierende Mathematiker Alan Turing (Benedict Cumberbatch) macht sich durch sein vermeintlich hochnäsiges und belehrendes Auftreten unter Kollegen und Vorgesetzten keine Freunde. Doch seine mathematische Mitstreiterin Joan Clarke (Keira Knightley) steht ihm bei und glaubt an die Fähigkeiten dieses Außenseiters. Gegen alle Widerstände setzt sich Turing durch und erbaut den ersten digitalen Computer, um den Enigma-Code zu entschlüsseln. Dieses Geheimnis gilt es vor der Öffentlichkeit und dem Feind so wie Spionen zu verbergen. Allerdings muss Turing auch Teile seiner Persönlichkeit unter Verschluss halten, um nicht geächtet zu werden.

The Imitation Game (2014) Filmbild 2Wie in der einführende Passage angedeutet, ist „The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben“ ein konventionell umgesetztes Projekt geworden. Dennoch lohnt sich ein Blick, denn die Geschichte von Alan Turings viel zu kurzem Leben lebt von Benedict Cumberbatch. Distanziert, dennoch vollkommen fokussiert und zartfühlend, gleichwohl scharfsinnig und eingeengt ist sein Spiel zu beschreiben. Diese Facetten kennen vielleicht Serienfans, die Benedict Cumberbatch auch in der Rolle des Sherlock Holmes begutachtet haben. Geschichtlich ist weitestgehend alles akkurat und zusammengeführt, sodass drei Perioden aus Turings Leben gezeigt werden: seine Jugend im Internat, die Codeknacker-Zeit in Bletchley Park und sein Leben nach dem Krieg. Als Rahmen fungiert die Befragung eines Polizisten in der Zeit nach dem Krieg, als sich Turing dem Vorwurf der Homosexualität stellen muss. Hier liegt leider auch einer der wesentlichen Kritikpunkte. Da Alan Turing seine sexuelle Orientierung nur im Geheimen ausleben konnte, war dies ein enormer Druck und essentieller Bestandteil seines Lebens. Dieser Aspekt wird lediglich vage angedeutet und kommt viel zu kurz, als sei Alan Turing nur marginal an Zuneigung interessiert. Um ein klares Statement über Homophobie und die hanebüchenen Methoden der britischen Justiz zur Heilung dieser Verirrung zu liefern, fehlte vielleicht der Mut (Erinnerungen an verwährte Oscartrophäen für „Brokeback Mountain“ werden wach). Diese Flüsterhaltung des Films ist nicht mehr zeitgemäß, zeigt es aber auch den Zeitgeist und die damalige Haltung. Im Endeffekt führte die chemische Kastration von Turing zu seinem Selbstmord, weil er daraufhin an Depressionen erkrankte – ohne jemanden von seinen geheimen Heldentaten berichten zu dürfen. Es dauerte noch lange bis 2013, als das britische Königshaus ihn post mortem begnadigte.

The Imitation Game (2014) Filmbild 3Turing wird in seiner Jugend als einzelgängerisch mit Sonderinteressen gezeigt. Zudem wird eine Störung im Bereich des Autismus-Spektrums angedeutet. Er hat nur einen Freund, der zu ihm hält, welches als Motiv später wieder in Form von Keira Knightley als Joan aufgegriffen wird. Aus Turings Wesenszügen entspringen auch die amüsanten Momente des Films, wenn der geniale Verstand wieder einmal Ironie oder Sarkasmus an sich vorüberziehen sieht, ohne irgendetwas davon zu bemerken. Außerdem schafft es Turing seinem britischen stiff-upper-lip-Vorgesetzten in regelmäßiger Manier die Butter vom Brot zu nehmen, indem er „professionell unhöflich“ handelt. Seinen Intellekt nutzt er, um das zu bekommen, was er braucht und spielt die Autoritäten unschuldig blickend genial an die Wand. Für ein ausschließlich logisch arbeitendes Hirn erscheint eben Vieles willkürlich und unverständlich. Aber auch die anderen Genies kommen nicht zu kurz: Das gute Schauspielerensemble mit Namen wie Matthew Goode, Mark Strong, Keira Knightley, Rory Kinnear, Charles Dance und Allen Leech werden als wegweisende Sieger vorgestellt. Die Nerds ebnen den Weg zum Erfolg. Ein Oscargewinn für Knightley ist aber mehr als unwahrscheinlich, wo doch schon die Nominierung überraschte.

Mit vielen Informationen über das Ersinnen von unseren heutigen Computern und dem akribisch arbeitenden Team genialer Köpfe in Bletchley Park, zeigt uns der Film auch, wo der Grundstein für heutige Software-Giganten gelegt wurde. Sogar die urbane Legende um das Apple-Logo findet eine unterschwellige Erwähnung. Erwiesenermaßen hatte Turings Appetit auf Äpfel keinen Beitrag zur Erstellung des Logos geleistet. Doch neben den schauspielerischen Leistungen, der geschichtlichen Brisanz und den witzigen Andeutungen zum derzeitigen Computer-Business täuschen nicht vollends über die schale Konventionalität des filmischen Anspruchs hinweg.

Trailer

"Broadchurch": Staffel 1 Review

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Broadchurch ist eine kleine und ländliche Küstenstadt, in der bisher nie viel passiert ist, was die Aufmerksamkeit der Medien groß auf sich gezogen hätte. Jeder lebt seinen Alltag, geht zur Arbeit oder kümmert sich um seine Familie, und man grüßt einander natürlich freundlich, wenn man sich sieht und mal schnell ein Wort über das Wetter verliert. Das alles ändert sich schlagartig, als die Leiche des 11-jährigen Danny Latimer am Strand gefunden wird und sich nach kurzer Zeit herausstellt, was hier auf den ersten Blick wie der Selbstmord eines verzweifelten Kindes aussah, war eindeutig Mord. Detective Ellie Miller (Olivia Colman) kommt gerade aus dem Urlaub, als der neue Fall bei der Polizei eintrifft, und ärgert sich darüber, dass sie nicht wie versprochen ihre Beförderung zum Inspektor bekommt, sondern ein komplett Neuer, nämlich Detective Alec Hardy (David Tennant), diese Stelle einnimmt, und somit natürlich auch den Fall zugewiesen bekommt. Schnell spricht sich die Nachricht um den Tod des Jungen herum und die Polizei hat nicht nur mit der Suche nach dem Täter zu kämpfen, sondern auch mit der Presse und den Geheimnissen der Einwohner, denn Broadchurch ist nicht so unschuldig, wie es scheint…

Broadchurch Staffel 1 Bild 1Gleich in der ersten Folge von "Broadchurch" wird man in das tolle Setting hineingeworfen, den schönen kleinen Küstenort und seine faszinierende und doch bedrohliche Steilküste. Dem Zuschauer werden schnell die Personen vorgeführt, die ihn über die nächsten acht Folgen begleiten sollen und dann auch ins Visier der Ermittlungen und somit auch des Verdachts des Zuschauers geraten. Immer weiter verstrickt sich ein interessanter und vielschichtiger Kriminalfall, welcher alle paar Folgen den Fokus auf einen neuen Verdächtigen richtet. Dabei werden immer wieder tiefe Einblicke in Ermittlungsverfahren und die Diskrepanzen zwischen Polizei und Presse gewährt, was sich als sehr interessant herausstellt. Auch werden moralische Diskussionen in den Vordergrund gerückt und es wird teilweise versucht, tief in die menschliche Psyche einzutauchen. Schade ist nur, dass hier merklich sogar ein Ticken zu viel gewollt wurde, und manche Nebenstorys dadurch ab einem gewissen Punkt ihre Glaubwürdigkeit verlieren, da die Serie uns scheinbar endlos viele dramtische Vergangenheiten von verzweifelten Menschen präsentieren will, anstatt sich etwas mehr auf die paar wirklich interessanten Handlungsstränge zu konzentrieren.

Ungeachtet davon ist "Broadchurch" zweifelsohne außergewöhnlich stark in seiner Umsetzung. Tolle Bilder der gleichzeitig öden und doch so facettenreichen Landschaft werden immer wieder kombiniert mit künstlerisch unscharfer Optik und gekonnt simplen Nah- und Detailaufnahmen, die eine so dichte Atmosphäre schaffen, dass einen nicht nur einmal im Verlauf der Staffel die Gänsehaut packt. Untermalt wird das mit einem so fantastisch stimmigen Soundtrack vom isländischen Komponisten Ólafur Arnalds, wie man ihn selten in Serien zu hören bekommen darf. Klares und eintönig trauriges Klavierspiel kombiniert mit Elementen aus der elektronischen Musik kreiert einen monotonen und bedrückenden Klang, der die Bilder der Serie einzigartig unterlegt. Teilweise werden diese Stilelemente dann auch schon fast zu oft angewendet und die eintönige Musik beinhaltet ein bisschen zu wenig Abwechslung, doch das nimmt ihr nicht ihren gefühlvolle und brillante Note.

Broadchurch Staffel 1 Bild 2Jene stimmungsvollen Bilder werden perfektioniert von einem Cast, der zu überraschend großen Teilen brilliert. David Tennant, der den meisten sicherlich durch seine Darstellung des Doctors in der britischen Kultserie "Doctor Who" bekannt sein wird, gibt eine ruppige und charismatische Glanzperformance eines genervten Bosses ab, die von Folge zu Folge vielschichtiger wird, und die man besser nicht hätte machen können. Es ist schön den Schauspieler, der vor allem für seine verrückte und witzige Spielweise bekannt ist, in einer so zynischen Rolle zu sehen, die beweist, wie facettenreich er spielen kann. Perfekt bildet sich eine Chemie zwischen ihm und Olivia Colman aus, die ebenfalls eine tolle Charakterentwicklung durchmacht und stets die große Sympathieträgerin der Serie bleibt.

Neben den beiden Hauptrollen zeigen auch einige unbekanntere Nebendarsteller eine überragende Leistung. In erster Linie sind hier Jodie Whittaker und Andrew Bucchan zu nennen, die Beth und Mark Latimer spielen, die Eltern des verstorbenen Jungen. Beide sind vor "Broadchurch" noch nicht groß aufgefallen, zeigen hier jedoch überragend gut, was sie an Potential zu bieten haben. So sieht der Zuschauer eine authentische und beklemmend reale Darbietung, wie eine Familie mit der Trauer dieses großen Verlustes umgehen muss und die beiden Darsteller haben einigen Szenen, in denen sie wahrlich emotional und bewegend spielen. Auch zu nennen ist der fantastische David Bradley, den man unter anderem aus seiner Rolle als Hausmeister Argus Filch aus der Harry-Potter-Reihe kennt. Was er hier zeigt, jagt einem nicht nur einmal einen Schauer über den Rücken, und er erschafft mit seiner Vorstellung eine der interessantesten und vielschichtigsten Figuren der Serie.

"Ohne Schmerzen wird’s nicht gehen", sagt Alec Hardy schon zu Beginn der Serie, um seiner Kollegin zu verdeutlichen, dass egal wer der Täter ist, es auf jeden Fall gewaltige Spuren in Broadchurch Staffel 1 Bild 3der Gemeinde hinterlassen wird. Genau das macht die Stärke von "Broadchurch" aus, und zwar eine wunderbare Darstellung der am Anfang so oberflächlich nett wirkenden Einwohner, die aber im Verlauf der Staffel immer mehr dunkle Geheimnisse aus ihrer Vergangenheit preisgeben. Dabei weiß die Serie vor allem durch ganz alltägliche Szenen, die dank der Hintergrundgeschichte allerdings trotzdem schmerzend wirken, zu verdeutlichen, was ein derartiges Ereignis für eine Kleinstadt bedeutet und wie Menschen, die man zu kennen glaubt, oft überhaupt nicht so ticken, wie man anfangs glaubt. So entwickelt sich "Broadchurch" von einer gewöhnlichen kleinen Krimiserie zu etwas, das sich von Folge zu Folge weiter in düstere Ebenen der menschlichen Seele vorarbeitet, und zeigt dem Zuschauer stets auf eindrucksvolle Weise, dass man einen Menschen nie gänzlich kennen kann. Oder wie Hardy es treffend ausdrückt: "Sie können nie einem Menschen in sein Herz hineinsehen.".

Fazit

"Broadchurch" überrascht mit tollen Schauspielern, einer stimmungsvollen Optik und ergreifenden Szenen, weiß aber vor allem in Sachen Dialogen und Ideenreichtum zu brillieren und einzigartig gut zu sein. Somit ist die erste Staffel  eine sehr starke und emotionale Erfahrung, wirft allerdings gewisse Zweifel auf, dass eine zweite Staffel von Nöten ist, da die Handlung in sich doch sehr geschlossen wirkt.

Trailer

Willkommen bei den Rileys (2010)

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Willkommen bei den Rileys (2010) Filmkritik

Welcome to the Rileys, GB/USA  2010 • 110 Min • Regie: Jake Scott • Mit: James Gandolfini, Melissa Leo, Kristen Stewart, Ally Sheedy • FSK: ab 16 Jahren • Kinostart: 7.04.2011 • Offizielle Website

Handlung

Willkommen bei den Rileys (2010) Filmbild 1Er (James Gandolfini), Kleinunternehmer, Mitte 40, verheiratet, abends zuerst Pokerrunde, dann Affäre – Doug Riley. Sie (Melissa Leo), Hausfrau, Anfang 40, verheiratet, depressiv, verschlossen – Lois Riley. Den eigenen Grabstein hat sie schon gekauft, mit Leerstelle für das Todesdatum, direkt neben ihrer Tochter: Emilia Riley, 1994 bis 2009. Die verbleibende familiäre Schockstarre wird wieder erschüttert, als Vivian, Dougs Geliebte, überraschend an einem Herzschlag stirbt. Auf einer Geschäftsreise nach New Orleans setzt er sich von der Gruppe ab, lässt sich durch die Stadt treiben und landet in einem billigen Strip-Club. Dort trifft er auf die minderjährige Prostituierte Mallory (Kristen Stewart). Das hilflose Mädchen erinnert ihn an seine verlorene Tochter und weckt seinen Beschützerinstinkt.

Hintergrund

Willkommen bei den Rileys (2010) Filmbild 2Familienbande sind stark. In diesem Fall nicht nur vor, sondern auch hinter der Kamera. Auf dem Regiestuhl nimmt zum zweiten Mal Jake Scott Platz. Als Produzenten fungieren sein Vater Tony (Alien, Blade Runner) sowie sein Onkel Tony (Unstoppable, True Romance). Scott Jr. hat schon vorher Erfahrung im Business gesammelt, sei es am Set von Alien³, als Regisseur einer Episode der Fernsehserie "The Hunger" (basierend auf dem Film Begierde von Tony Scott) oder als gefragter Musikvideo-Regisseur von unter anderem R.E.M, Radiohead, Lily Allen oder Tori Amos.

In den Hauptrollen scharrt der Filmemacher einen illustren Cast an seinerzeit Zweite-Reihe-Größen um sich. Kristen Stewart, damals mitten in ihrem Twilight-Engagement (der dritte Teil der Saga, Eclipse, kam im selben Jahr in die Kinos), Ex-Soprano James Gandolfini sowie Melissa Leo, die im selben Jahr für ihre Darbietung in The Fighter den Oscar als "Beste Nebendarstellerin" entgegennehmen durfte.

Kritik

Willkommen bei den Rileys (2010) Filmbild 3Das ist schon ein starkes Stück, was uns Drehbuchautor Ken Hixon (der in einer Szene ein kleines Cameo hat) hier auftischt. Zufällig begegnet Doug der einzigen Stripperin in New Orleans, die zufällig seiner verstorbenen Tochter nicht nur ähnlich sieht, sondern auch noch im selben Alter ist. Später trifft er sie – zufällig – in einem billigen Restaurant wieder und kann ihr – zufällig – mit Geld aushelfen. Dann begleitet er das junge Mädchen nach Hause und beschließt, sich als Hausmeister und Ziehvater bei ihr einzumieten. Die lässt das bereitwillig zu und freut sich über den gemütlichen Fremden, der ihre Toilette repariert und ihr beibringt, wie ein Bett zu beziehen ist. Damit nicht genug, nach einem kurzen Telefonat entschließt sich auch die daheim gebliebene Lois die Tabletten abzusetzen und sich auf einen Road-Trip allein von Indianapolis nach New Orleans zu machen. Mit dem Auto. Nachdem sie mehrere Jahre das Haus nicht verlassen konnte.

Diese Konstruktion ist zum Haareraufen. Der emotionale Unterbau, auf den die erste halbe Stunde, zugegeben, viel Zeit verwendet, ist viel zu dünn, als dass er eine ausreichende Rechtfertigung für das Handeln der Figuren bieten könnte. Das Drehbuch rumpelt an allen Ecken und Enden. Insbesondere die wunderbare Kristen Stewart muss sich mit einer komplett farblosen Figur, deren einziger Zweck es ist, zu fluchen, ohne Hose herumzulaufen oder mit großen Augen möglichst hilflos aus der spärlichen Wäsche zu gucken, rumplagen.

Was Willkommen bei den Rileys über die Runden bringt und zu einem anschaubaren Film macht, sind die Darsteller und die Regie.

Willkommen bei den Rileys (2010) Filmbild 4Scotts Ideen sind nicht außergewöhnlich, aber stilsicher. Lange, statische Einstellungen zu Beginn, bei denen die Figuren meist isoliert und explizit nicht im Zentrum des Bildes sind. Karge, sterile Räume, die den emotionalen Zustand der Hauptfiguren gut einfangen. Sobald die Handlung in New Orleans ankommt, ändert sich auch der Film in dieser Hinsicht. Die Farben werden kräftiger, ohne dabei in quietschbunte Werbeoptik oder gemütlich-warme Wohlfühlatmosphäre abzurutschen, die Kamera vitaler. Vor allem schön, dass sich der Film in New Orleans verorten kann, ohne Totalen wie aus einem Tourismus-Guide zu bemühen.

Größter Pluspunkt sind aber die titelgebenden Rileys beziehungsweise deren Schauspieler. Gandolfini ist groß als harte-Schale-weicher-Kern-Vater, der verzweifelt nach dem Glück greift, welches ihm entrissen wurde, ebenso wie Leo, die langsam aus ihrer emotionalen Starre erwacht. Auch hier: Das Drehbuch ist herausragend naiv, was diese Psychologisierung angeht und degradiert Stewart zum hilfsbedürftigen Kindchenschema auf zwei Beinen, aber in diesem Rahmen drücken Scott und sein Team die richtigen Knöpfe.

Fazit

Ein Film für die Ewigkeit? Mit Sicherheit nicht, aber ein gutes Beispiel dafür, wie ein schlappes Ausgangsmaterial in den richtigen Händen aufblühen kann. Willkommen bei den Rileys ist arg naiv und gezwungen, von den Beteiligten aber in diesem Rahmen zu einem berührenden Drama gemacht. Eines der besten filmischen Erzeugnisse aus dem Hause Scott der letzten zehn Jahre. Falls sich Töchterchen Jordan demnächst auch im Kino niederlassen möchte, habe ich da nichts gegen.

Trailer

Achtung: Eine der schlechtesten Synchronisationen der letzten Jahre.

Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis (2014)

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Nightcrawler (2014) Filmkritik

Nightcrawler, USA 2014 • 119 Min • Regie: Dan Gilroy • Drehbuch: Dan Gilroy • Mit: Jake Gyllenhaal, Rene Russo, Riz Ahmed, Bill Paxton, Ann Cusack, Kathleen York • Kamera: Robert Elswit • Musik: James Newton Howard • FSK: ab 16 Jahren • Verleih: Concorde Filmverleih GmbH • Kinostart: 13.11.2014 • Deutsche Website

Handlung

Lou Bloom (Jake Gyllenhaal) wohnt in Los Angeles in einem kleinen und unscheinbaren Apartment. Der junge und von sich selbst überzeugte Arbeitslose ist sich seiner Situation mehr als bewusst und auf der Suche nach einer Karriere, in der er Aufstiegschancen hat und sich verwirklichen kann, anstatt wie bisher nur dubiose Geschäfte mit geklauten Baustoffen zu machen. Als er eines Nachts auf der Fahrt nach Hause einen Autounfall beobachtet fällt ihm das Kamerateam ins Auge, welches vor Ort ist, um den Unfall zu filmen, und er glaubt seine Berufung gefunden zu haben: Er will auch ein „Nichtcrawler“ werden, jemand der Bilder von möglichst grausamen Tatorten an die Presse verkauft. Also besorgt sich Lou schnell eigenes Equipment um Übung im Filmen zu bekommen und macht sich auf die Suche nach den ersten guten Möglichkeiten, gute Bilder zu erhaschen. Es dauert nicht lang und seine Arbeit trägt die ersten Früchte. Doch Lou gibt sich keineswegs nur mit dem zufrieden, was ihm erlaubt ist und versucht mit immer fragwürdigeren Methoden an noch bessere Bilder heranzukommen.

Kritik

Nightcrawler (2014) Filmbild 1Mit seinem Regiedebüt Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis liefert uns Dan Gilroy eine interessante Charakterstudie eines modernen Psychopathen, der sich im Verlauf des Films zwar immer mehr der Sympathie der Zuschauer entzieht, einem gleichzeitig aber immer mehr Freude daran bereitet, ihn bei seinen Taten zu beobachten. So bekommen wir mit Lou Bloom einen jungen Mann zu sehen, der vor nichts zurückschreckt, um an sein Ziel zu gelangen und der sich wenig um die Bedürfnisse anderer Menschen schert, sondern egoistisch und streng auf die eigene Zukunft orientiert handelt. Dabei entgeht diese Darstellung einer antisozialen Persönlichkeit glücklicherweise den meisten gängigen Klischees und bildet somit ein bemerkenswertes Porträt eines kaltherzig arbeitsgetriebenen Individuums ab, welches an keiner Stelle unrealistisch erscheint, was das erschreckendste am ganzen Film bleibt: seine scheinbare Nähe zur Realität.

Ein großes Thema des Films ist der schmale Grad zwischen Gesetz und Legalität und der moralische Aspekt, der damit verbunden ist. So arbeiten jene „Nichtcrawler“ stets mit dem Risiko, Tatorte zu verunreinigen oder die Polizei auf andere Art und Weise zu behindern und somit selbst ins Visier der Beamten zu kommen. Auch Lou Bloom wird im Laufe des Films immer ehrgeiziger und riskanter in seinen Aktionen, um an besseres Bildmaterial zu gelangen. Dabei schwingt eine deutliche Sozialkritik mit, adressiert an die grausam authentisch dargestellten Arbeitsweisen des Medienkosmos und seine Mechanismen. Dabei erhalten wir einen tiefen Einblick, welcher nicht ohne nachfolgende Gedanken bleibt, sondern sich festkrallt und für jede Menge Gesprächsstoff nach dem Film sorgt.

Nightcrawler (2014) Filmbild 2Dafür ist auch Jake Gyllenhaals zweifelsohne bemerkenswerte Performance verantwortlich, die stark aus dem Thriller hervorsticht. Zwar zeigt er hier darstellungstechnisch sehr wenig Gefühle oder überhaupt menschliche Regungen, doch jagt einem allein sein Blick mit den hervortretenden Augen und der bleichen Gesichtsfarbe schon in so manchen Szenen einen Schauer ein. Gyllenhaal hat für die Rolle einiges an Gewicht verloren und das sieht man ihm deutlich an. So spielt er zwar im Grunde relativ glatt und regungslos, dennoch aber entsetzlich gut und das kommt vor allem in seinen Dialogen zum Vorschein. Überhaupt lebt Nightcrawler von seiner Gesprächsdichte und von einem Hauptcharakter, der einen denkwürdigen Satz nach dem anderen ablässt, keiner davon je kitschig oder gar klischeehaft, sondern beißend und real. Vor allem wie er jedem seiner Gesprächspartner so haushoch überlegen scheint, rückt seinen Charakter in ein so düsteres und doch anziehendes Licht, dass man dieser doch weitestgehend unsympathischen Figur schnell verfallen mag. Zum Beispiel ist es ein Riesenspaß zu sehen, wie Bloom immer wieder ein As aus dem Ärmel zaubert und Dinge ausspricht, die nur ungläubig keuchen lassen, während er die Aufregung gar nicht zu verstehen scheint.

Nicht nur von Gyllenhaals Schauspieltalent mag einem das Blut gefrieren. Der Film bewegt sich in einer fast durchgehend spannenden Spirale auf ein Ende zu, welches geradezu fesselnd ist. So schafft es Nightcrawler nicht unbedingt durchgehend den Zuschauer zu bannen, aber besitzt eben einige wirklich packenden Momente, in denen man einfach nicht wegsehen kann, sei es vor Entsetzen, was gerade geschieht, oder wegen der gut aufgebauten Dramatik des Films. Leider muss man dem Streifen eben genau hier aber auch ankreiden, dass der Schnitt wohl hätte besser sein können. So wirkt zwar keine Szene grundsätzlich deplatziert, doch insgesamt kommt Nightcrawler nicht ganz ohne ein paar Längen, vor allem im Mittelteil, aus.

Nightcrawler (2014) Filmbild 3Die Dialoge sind eigentlich das Beste am ganzen Film, aber auch entsprechend langatmig gestaltet und manchmal dann doch einfach nicht bewegt genug. Im Grunde macht Nightcrawler aus seinem Konzept schon fühlbar das Bestmögliche, so scheint es, aber eine gewisse Kürzung hätte ihm doch sicherlich nicht wehgetan und dem Film etwas mehr Schwung verliehen. Außerdem verläuft er insgesamt etwas zu vorhersehbar und ohne große Verblüffungen, sodass sich wenige Momente oder Szenen wirklich ins Filmgedächtnis eingravieren. Hier sind zu wenige Szenen vorhanden, die am Ende den Charakter des Streifens ausmachen und am Ende des Tages als außergewöhnlich erscheinen.

Doch das hält einen nicht davon ab, Nightcrawler und seine dreckig düstere Atmosphäre zu genießen. Eine milieuhafte und authentisch beängstigende Stimmung durchdringt den gesamten Film. Getragen von einer abgestimmten und doch an vielen Stellen irgendwie kantigen und schrägen Musik, wirkt die Stimmung nie normal oder gar stabil, sondern in vielerlei Hinsicht auch ausgesprochen einzigartig und auch wenn andere Filme, wie zum Beispiel Taxi Driver, noch deutlich tiefer in den Sumpf des Verbrechens einer Großstadt eintauchten, so wird die hier auf eine auffallend andere Weise getan, welche uns die Verbrechen der Stadt nicht unbedingt alle der Reihe nach vor die Nase hält, sondern uns zwingt, in diesen dunklen Abgrund hinabzublicken, der leider gar nicht so weit hergeholt scheint.

Fazit

Vielleicht lag es an zu hoher Erwartungshaltung nach dem sensationellen Trailer, dass der Film sie zwar durchaus erfüllen konnte, sie aber auch leider nicht übertroffen hat. Nichtsdestotrotz bleibt Gilroys erster Film im Regiestuhl ein sehr sehenswerter und spannungsgeladener Thriller mit satirischen Untertönen, der sicherlich auch einen hohen Wiederanschauungswert besitzt und mit einer der besten schauspielerischen Leistungen daherkommt, die man in der aktuellen Oscar-Saison zu Gesicht bekommen durfte.

Trailer

Die Legende von Aang (2010)

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Die Legende von Aang (2010) Filmkritik Slider

The Last Airbender, USA 2010 • 103 Min • Regie: M. Night Shyamalan • Mit: Noah Ringer, Dev Patel, Nicola Peltz, Jackson Rathbone, Cliff Curtis, Shaun Toub, Aasif Madvi • FSK: ab 6 Jahren • Kinostart: 19.08.2010 • Offizielle Facebook-Seite

Inhalt

Die Legende von Aang Filmbild 1Vor langer Zeit lebten die vier Nationen in Harmonie – Erde, Luft, Feuer und Wasser im natürlichen Gleichgewicht. Doch der Frieden ist brüchig. Die Feuernation unter Herrschaft der machtsüchtigen Ozai (Cliff Curtis) beginnt eine Invasion. Erbarmungslos jagen ihre Soldaten jene, die in der Lage sind, die Elemente nach ihrem Willen zu beherrschen. Das friedliebende Volk der Luft-Nomaden in ihren Tempeln fällt dem Eroberungsfeldzug als erstes zum Opfer. Der Schlag hat ein bestimmtes Ziel. Der Avatar, Verbindung zur übernatürlichen Geisterwelt und Herr über alle vier Elemente, wird zyklisch wiedergeboren, und diesmal sind die Luftzähmer an der Reihe. Durch Glück entrinnt der Avatar, der junge Aang (Noah Ringer), den Häschern des Feuerimperiums. Allerdings zahlen er und die ganze Welt dafür einen hohen Preis. 100 Jahre schläft er, eingeschlossen im ewigen Eis des Südpols. Eines Tages stoßen die Geschwister Katara (Nicola Peltz) und Sokka (Jackson Rathbone) auf den Jungen und befreien ihn und sein Haustier, das fliegende Bison Uppa. Gemeinsam beschließt das Trio, zu den mächtigen Wassermeistern zum Nordpol zu reisen. Dort soll Aang lernen, die Fluten des Ozeans zu bändigen, um den Heeren der Feuernation die Stirn bieten zu können. Doch sein Wiederauftauchen bleibt nicht unbemerkt, und bald heften sich Verfolger an seine Fersen: Der skrupellose Kommandant Zhao (Aasif Mandvi) sowie der verstoßene Prinz Zuko (Dev Patel) und dessen Ziehvater und Onkel Iroh (Shaun Toub).

Hintergrund

Die Legende von Aang SerieDie Legende von Aang (OT: The Last Airbender) ist die Adaption der beliebten Serie "Avatar – Der Herr der Elemente". Die drei Staffeln der Animationsserie liefen von 2005 bis 2008 auf dem Sender Nickelodeon und mauserten sich schnell zum Aushängeschild des Unternehmens. Die amerikanische Produktion war nicht nur inhaltlich, sondern auch formell stark von ostasiatischen Einflüssen durchzogen. Der Zeichenstil ist ein origineller Hybrid aus japanischem Anime und westlichem Zeichentrick. Das zentrale Elemente der Show, das sogenannte „benden“ (dt. „bändigen“) der vier Elemente, ist von ostasiatischer Kampfkunst inspiriert (schnelle, impulsive Bewegungen des Shaolin-Kung-Fu für das Feuer oder die fließenden Bewegungsabläufe des Tai-Chi für Wasser), genauso wie viele andere Mythen oder Philosophien der Sendung.

Bis heute existiert eine treue Fangemeinde; Comics und eine nicht minder gefeierte Sequel-Serie, "Die Legende von Korra", waren die Folge.

Regisseur M. Night Shyamalan erlangte durch den Überraschungshit The Sixth Sense mit Bruce Willis und Haley-Joel Osment rasch Weltruhm. Die Legende von Aang ist das bis dato größte Projekt des indisch-stämmigen Regisseurs. Das Budget betrug 150 Millionen US-Dollar, die Drehzeit knapp drei Monate.

Kritik

Zu Anfang muss deswegen eine Lanze gebrochen werden: Die Legende von Aang ist bei weitem nicht so schlecht, wie einen Fans und Kritiker glauben machen wollen.

Im Gegenteil, der Film ist eine weitgehend werkgetreue Adaption der wunderbaren Trickserie und ein gelungener, kindlicher Fantasy-Blockbuster. Mit seiner pazifistischen Grundbotschaft und seinem Bekenntnis zu dieser reinen Fantasy-Welt ist er eine willkommene Abwechslung zu immer größeren, immer lauteren, immer kälteren und vermehrt auch immer zynischeren Jugendfilmen. Immerhin: Im wenige Jahre vorher veröffentlichten Goldenen Kompass durften die Guten den Bösen noch in Großaufnahme den Kiefer herausreißen.

Die Legende von Aang Filmbild 2Solche Exzesse sind Shyamalan fremd. Der Inder hat sich seit jeher mit Außenseitern, mit vom Schicksal gebeutelten und der Welt entfremdeten Menschen beschäftigt. Das Ziehvater-Sohn-Gespann aus The Sixth Sense oder die mutterlose Familie aus Signs – Zeichen seien als Beispiel genannt. Für den melodramatischen Kern der Geschichte um den in Ungnade gefallenen Prinz Zuko und seinen Ziehvater oder die Patchwork-Familie um Katara, Sokka und Aang war Shyamalan also die perfekte Wahl. Für diese Momente nimmt er sich Zeit. Für Zukos Lamentieren über seine verhasste Familie, für Aangs Trauer zwischen den Gebeinen seines ermordeten Volkes, für Sokkas verzweifelte Versuche, seiner jüngeren Schwester Beschützer, Freund und Vater zugleich zu sein, für Onkel Irohs wehmütige Blicke und schützende Hand über seinen geliebten Neffen.

Das Drehbuch knirscht lediglich bei den Dialogen, dort dafür aber gewaltig. Jeder Film, der sich einen Off-Erzähler leistet, der die Szenenübergänge notdürftig zusammenkleistert, sollte herausragend gute Texte anbieten. Die Legende von Aang bietet meist leider nur aufgeschriebene – und demnach leider auch meist so aufgesagte – Exposition. Entweder Erklärungen des Offensichtlichen, Wiederholung von bereits Gezeigtem oder auch solche Momente, die besser verbildlicht worden wären. „Ich bin Prinz Zuko, Thronfolger des Feuerlords“, brüllt demnach Dev Patel bei seinem ersten Auftritt. Ungeschickt.

Dass dieser Ansatz, den die Darsteller von angestrengt (Hauptdarsteller Ringer) über angemessen (Patel) bis zu ausgezeichnet (Toub) spielen, vom Publikum und Kritik weitestgehend mit Spott bedacht wurde, sagt wohl mehr über unsere Sehgewohnheiten denn wirkliche Qualität aus. In Zeiten, in denen brutaler Zynismus wie Transformers 4: Ära des Untergangs oder betont ironischer, zusehends aber auch infantiler Comic-Quatsch wie Guardians of the Galaxy die Bestenlisten beherrschen, ist Shyamalan vielleicht einfach der falsche Mann zur falschen Zeit am falschen Ort. Ein Autorenfilmer, inkompatibel mit den Sehgewohnheiten der Traumfabrik.

Die Legende von Aang Filmbild 3Das heißt nicht, dass Die Legende von Aang frei von Fehlern wäre. Besonders beim Erzähltempo und Rhythmus hapert es gewaltig. Serienfan Shyamalan bemüht sich sichtlich darum, möglichst viel Material aus der Vorlage auf die Leinwand zu bringen. Gerade im Mittelteil zerbricht der Film dadurch für Nichtkenner der Vorlage in ein episodenhaftes Stückwerk. Darunter haben wiederum der wichtige Anfang sowie das große Finale bei den Wasserstämmen zu leiden. „Buch Eins: Wasser“ heißt dieses Kapitel der Saga. Die Macher hätten gut daran getan, sich auch auf diesen Aspekt zu konzentrieren und die Abschnitte im unterdrückten Erdkönigreich sowie die Rettungsaktion des mysteriösen „blauen Geistes“ aus dem Film zu streichen.

Das hätte allerdings bedeutet, dass die Zuschauer auf zwei der schönsten Action-Szenen hätten verzichten müssen. Diese verdienen ohnehin gesondertes Augenmerk und besonderes Lob, denn hier kann Die Legende von Aang glänzen. Lange Sequenzen dieser Choreographien sind als One-Shot, also ohne erkennbaren Schnitt gedreht. Statt stakkatoartiger Momenteindrücke bietet der Film dadurch elaborierte Kampfkunstdarbietungen. Insbesondere der Kampf im verlassenen Tempel von Aangs Volk sowie die Schlacht gegen Ende bleiben im Gedächtnis. Für die Kamera verantwortlich zeichnet immerhin Herr-der-Ringe-Veteran Andrew Lesnie.

Die Legende von Aang Filmbild 4Probleme bekommt Shyamalans Regie immer dann, wenn er sich aus seiner Komfortzone, eng abgesteckten Räumen, hinaus bewegen muss. Die Inszenierung von Weite und großem Spektakel ist seine Sache nicht. Besonders ins Gewicht fiel das beim Katastrophen-Debakel The Happening, in dem Mark Wahlberg und Zooey Deschanel orientierungslos durch die Gegend stolperten, auf der Flucht vor rachsüchtigem Grünzeug. Auch hier bleibt die Kamera stets nah an den Figuren. Nur einen einzigen Flug auf dem Himmelsbison Appa gönnt uns der Film. Und diese Szene steckt selbst hinter dem wilden Ritt auf dem Glücksdracheb Fuchur aus Die unendliche Geschichte zurück.

Ein großes Problem des Filmes ist, wie schon erwähnt, seine Materialfülle. Gerade die sehr schöne, ostasiatische Mythologie und Spiritualität hagelt ungebrochen auf den Zuschauer ein. Welche Bedeutung diese zwei Koi-Karpfen am Ende weswegen gehabt haben, erschließt sich wohl lediglich Serienkennern, die bereit sind, Lücken im Kopf zu schließen, vollständig. Ein Problem, welches Fans der Harry-Potter-Filme nur zur Genüge kennen dürften.

Fazit

Viel Feind, wenig Ehr'. Für M. Night Shyamalan ging der Abstieg von der Skyline zum Bordstein auch mit Die Legende von Aang unaufhaltsam weiter. Der Film floppte, weitere Teile des erhofften Franchises blieben bis heute aus. Unverdient. Der Film ist ein phantastischer Blockbuster, der sich seiner Vorlage achtungsvoll nähert und einen willkommen Ruhepol gegen immer lautere und hysterischere Blockbuster bietet, die sich vermeintlich an Jugendliche richten. Zwischen all diesen Divergents, City of Bones, Percy Jacksons oder Ähnlichem hätten sowohl der Film als auch sein Macher etwas mehr Achtung verdient gehabt.

Trailer

Twins-Sequel: Drehbuch fertig, Produktion gestoppt

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Quelle: reddit.com

Mittlerweile 26 Jahre ist es her, dass Arnold Schwarzenegger und Danny DeVito eines der ungewöhnlichsten Brüderpaare der Filmgeschichte spielten. In Twins – Zwillinge machte sich die Action-Ikone auf die Suche nach seinem verschollenen Zwilling – der entpuppt sich als der kompakte DeVito. Mit einem, gerade aus heutiger Sicht, schmalen Budget mauserte sich die Komödie unter Regie von Ivan Reitman (Ghostbusters) zu einem veritablen Hit. Dabei blieb es erst einmal.

Alles weitere ist vorerst eine Obskurität der Filmgeschichte, aber wir wollen Euch diese Nachricht nicht vorenthalten: Es existiert ein fertiges Drehbuch zu einer möglichen Fortsetzung. Soweit ist das erst einmal nichts Besonderes. Auch, dass für die Fortsetzung eine Schippen draufgelegt werden soll, überrascht in Zeiten von Cinematic Universen und Remakes, Reboots und Re-Imagenings sicher keinen. Triplets, also Drillinge, sind geplant. Der eigentliche Clou: Eddie Murphy könnte, laut Autor, den Dritten im Bunde spielen.

Die Idee einer Fortsetzung ist scheinbar nicht neu und geistert seit einigen Jahren bereits durch die Studios. Der Schauspieler Josh Gad, jüngst zu hören als Schneemann Olaf in Disneys Die Eiskönigin und jüngst zu sehen in Zach Braffs Wish I Was Here, hat gemeinsam mit Newcomer Ryan Dixon das Skript geschrieben. Die weitere Produktion sei, laut Gad, vorerst von Universal gestoppt.

Mit einem AMA (Ask Me Anything) auf der Seite Reddit will Gad ein wenig Aufmerksamkeit für das Projekt generieren. Auch, um dem Studio den vielleicht letzten, nötigen Schubs zum "OK" zu geben. Ob ein paar Tweets an Universal wirklich ein so seltsames Sequel zu einer 80er-Komödie ermöglichen können, sei einmal dahingestellt.

Was Gad zum Drehbuch sagen kann, klingt hingegen so grotesk, dass wir es Euch nicht vorenthalten wollen: (aus dem Englischen)

Es gibt momentan eine Rolle in dem Film, in der Arnold einen Sohn hat, der wie Danny aussieht und Danny einen Sohn, der wie Arnold aussieht. Das könnte lustig sein […]

Was sie wieder zusammenbringt, ist ein dritter Bruder, von dem sie nie wussten, dass er existiert und der möglicherweise von Eddie Murphy gespielt werden wird. […] Alle haben das Drehbuch gelesen und liebten es. Ich hoffe, dass es eines Tages verfilmt werden wird. Es ist fertig und es ist in Topform.

Im Grunde als Das doppelte Lottchen mit einem mittlerweile doch arg in die Jahre gekommenen Star-Trio an der Spitze.

Was denkt Ihr darüber: Würdet Ihr dieses Twins-Sequel sehen wollen?

Warcraft-Film soll Franchise starten

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Quellen: Mtime, Collider

Duncan Jones, Regisseur von Blizzards Warcraft-Film, hat in einem exklusiven Gespräch mit der chinesischen Webseite mtime.com über seine Hoffnungen für die Videospiel-Verfilmung gesprochen. Die Online-Portale Manmademovies als auch Collider zitieren den Filmemacher, der vorher mit dem Astronauten-Kammerspiel Moon auf sich aufmerksam machte, so, dass er den Film als Einführung in das Fanatsy-Universum begreift und hofft darauf, in Zukunft weitere Teil folgen zu lassen:

"Ich denke, dass es wichtig ist in einer Welt, die so vielen unserer Zuschauer unbekannt ist, Figuren zu haben, die ebenfalls mit etwas Neuem und Unbekannten konfrontiert werden, so ass der Zuschauer dies durch ihre Augen erleben kann."

Die Geschichte des Films soll sich deswegen um den ersten Krieg zwischen Menschen und Orks drehen, der im Strategiespiel "Warcraft: Orcs & Humans" von 1994 in der fiktiven Welt Azeroth beginnt. Wer jetzt mit Blick auf die jüngste Hobbit-Adaption das große Gähnen bekommt, den weiß Jones aber ebenfalls zu beschwichtigen:

In einem Warcraft-Film sollte es nicht um gute Menschen gehen, die die bösen Orks bekämpfen. In Warcraft sollte es um Helden auf beiden Seiten gehen, die versuchen, den Konflikt zu vermeiden, während ihnen böse Kräfte keine Wahl lassen.

Dazu ist es wichtig, zu betonen, dass die Produktion des Films bereits seit vergangenem Jahr abgeschlossen ist. Wegen des Schwerpunkts auf Spezialeffekte nimmt die Post-Production allerdings viel Zeit in Anspruch, so dass die Veröffentlichung erst im März kommenden Jahres geplant ist. Unterdessen hat sich sich die Produktionsfirma Blizzard nicht lumpen lassen, was die kreativen Köpfe auch in dieser Phase der Arbeiten angeht: Das Visual-Effects-Team wird angeführt von Bill Westenhofer (gewann einen Oscar für die Effekte in Life of Pi) und ILMs Jeff White (war u. a. hauptverantwortlich für das Aussehen des Hulk in The Avengers). Den Score komponiert Ramin Djawadi (von ihm stammt die Titelmelodie von "Game of Thrones", zuletzt war er für die Musik für Pacific Rim und Dracula Untold verantwortlich).

Jones hat auch für die Zukunft große Pläne für das Warcraft-Universum:

Peter Jackson hat damals großartige Arbeit geleistet, eine Grundlage für alle weiteren Filme in Tolkiens Welt zu liefern. Mein Job ist es jetzt, erst einmal Charaktere, Orte und ein Kultur zu etablieren und dabei eine Geschichte zu erzählen, die ein breites Publikum anspricht. Ich hoffe, ich habe meine Arbeit gut gemacht, sodass die Leute mehr davon sehen wollen. Denn es gäbe noch viel mehr zu erzählen. Ich würde mir wünschen Teil davon zu sein, die Warcraft-Geschichte zu erzählen. Aber es hängt alles vom Publikum ab und wie es diesen ersten Film annimmt.

Bis dahin muss er und müssen wir uns allerdings noch Gedulden. Warcraft soll am 10.03.2016 in Deutschland Premiere feiern.

The Raid-Stars bald in Star Wars?

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Iko Uwais und Cecep Arif Rahman in The Raid 2 (2014) © XYZ Films

Quelle: Twitchfilm

Wie die Seite twitchfilm berichtet, sollen Iko Uwais, Yayan Ruhian sowie Cecep Arif Rahman im kommenden siebten Teil der Star-Wars-Saga Das Erwachen der Macht zu sehen sein. Das Trio kennen Action-Fans weltweit durch die erfolgreichen Filme The Raid und The Raid 2. Uwais spielt im ersten Film die Hauptrolle des Polizisten Rama, Ruhian war im Erstling als Mad Dog unterwegs und kehrte im Sequel als Onkel Prakoso in einer anderen Rolle zurück. In diesem Film gab auch Rahman seinen Einstand als grausiger Killer und der Endgegner des Protagonisten.

Eine Bestätigung oder auch nur ein Kommentar dazu von offizieller Stelle fehlt bisher. Über die Rollen der drei Indonesier kann dementsprechend auch nur spekuliert werden. Twitchfilm gibt zu Bedenken, dass ein großer Kritikpunkt an George Lucas' Prequel-Trilogie, das Augenmerk auf Computertechnik statt Stunts und handgemachter Spezialeffekte war. Sein Nachfolger J.J. Abrams, der auch schon dem Star-Trek-Franchise neues Leben einhauchte, könnte demnach die Martial-Arts-Koryphäen ausgewählt haben.

Auch denkbar wäre, dass mit den Stars aus dem südostasiatischen Raum ein besserer Zugang zu diesem Markt ermöglicht wird. Darüber hinaus könnten die Schauspieler aus den derben Actionreißern – beide erhielten keine Jugendfreigabe – ein älteres Publikum ansprechen, nachdem das Franchise um Yoda und Co. in den vergangenen Jahren sich klar an ein junges Publikum gerichtet hat.

Egal, welche Gründe dahinter stehen, grundsätzlich wäre die Verpflichtung der drei Schauspieler begrüßenswert und eine Bereicherung für das Projekt. Star Wars: Das Erwachen der Macht wird in Deutschland voraussichtlich am 17.12.2015 in die Kinos kommen.

Rasende Wut: Bloggerspecial zum Start der schwarzen Komödie Wild Tales

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Wild Tales Special

"Jetzt reicht’s aber!" Wie häufig denkt man sich diesen Satz im Alltag? Es ist meistens eine Anhäufung von kleineren und größeren Dingen, die bei einem das Fass zum Überlaufen bringen. Filme wie Falling Down mit Michael Douglas oder God Bless America mit Joel Murray haben es thematisiert, was passiert, wenn man sich auf eine extreme Art entscheidet, sich nicht mehr jeden Scheiß gefallen zu lassen. Gerne sehe ich mir dazu immer wieder einen Clip aus dem besten Ausraster-Film aller Zeiten an:

Michael Douglas' Wutausbrüche bekommen jetzt jedoch gewaltige neue Konkurrenz im Kino. Wild Tales – Jeder dreht mal durch!, der zum erfolgreichsten argentinischen Film aller Zeiten wurde, erzählt sechs unabhängige Geschichten, die durch eine Thematik miteinander verbunden sind – die unkontrollierbare Wut, wenn man es endlich satt hat. Hier denken die Leute nicht nur, dass es reicht, sie unternehmen auch etwas, gelegentlich mit drastischen Folgen. Der vom Oscarpreisträger Pedro Almodóvar produzierte Film befindet sich aktuell in der Vorauswahl für den Auslands-Oscar 2015 und kommt am 8. Januar in die deutschen Kinos.

Zum Kinostart der pechschwarzen Komödie, haben wir uns wieder mit vier anderen Bloggern zusammengeschlossen, um eine Frage gemeinsam zu beantworten:

Was bringt uns auf die Palme?

Muss ich bei anderen Bloggerspecials in der Regel etwas nachdenken, um eine passende Antwort zu finden, stand ich hier sehr schnell vor der Qual der Wahl. Es ist schon erstaunlich, wie viele Dinge einen im Alltag innerlich zum Kochen bringen, wenn man nicht gerade eine Zen-artige Ausgeglichenheit besitzt. Doch nach längerer Überlegung setzte sich eine Sache gegen die deutsche Bahn, die asozial rasenden Taxifahrer und die Kinobesucher, die ihr Handy nicht ausschalten, durch – Leute, die bewusst oder unbewusst spoilern!

Spoiler sind die Plage und das Tabuthema eines jeden Film- und Serienfans. Bei manchen Filmklassikern sind Spoiler nach einer gewissen Zeit einfach unvermeidbar, da die Twists und Wendungen Teil der Popkultur geworden sind (jeder kennt Lukes Vater, die Identität von Tyler Durden und weiß, am Ende welchen Films Bruce Willis sich überraschenderweise als tot herausstellt). Doch gerade bei aktuelleren Sachen oder weniger bekannten sollte man doch bitte den Anstand haben und die Klappe halten, wenn es um verräterische Informationen geht, deren vorzeitige Kenntnis einem Fan einen Teil des Vergnügens kostet. Ich bin kein militanter Anti-Spoiler-Fanatiker. Allein durch meine Tätigkeit als News-Autor bin ich ständig mit Spoilern konfrontiert und akzeptiere dies als eine leider kaum zu vermeidende Tatsache. Nichtsdestotrotz gibt es bestimmte Filme und Serien, bei denen ich mein bestes tue, jegliche Informationen im Vorfeld zu vermeiden. Wenn aber dann jemand vor mir von den Serien schwärmt, die er/sie aktuell schaut und dann bei einer mich auch interessierenden Serie so etwas fallen lässt, wie "Aber dass die und die sterben und der und der zum Verräter wird, war echt überraschend!", dann treibt mich das zur Weißglut. Oder wenn Leute, die im Kinosaal hinter einem sitzen und sich lauthals über die Spoiler aus den allerneusten "The Walking Dead"-Folgen unterhalten, dann wünsche ich mir schon Michonnes Schwert.

Ich werde nie die Leute verstehen, die nach der Nachfrage, wie sie einen Film oder eine Serie finden, sofort beginnen, den gesamten Inhalt nachzuerzählen. Nie gelernt sich kurz zu fassen und einfach die eigenen Eindrücke wiedergeben?! So könnte eine Konversation mit solchen Leuten leider verlaufen: "Oh du kennst Film X? Den wollte ich schon länger sehen. Wie ist er?" "Echt gut, nur fand ich blöd, dass am Ende…". Ähm, ja, habe ich nicht gerade noch gesagt, dass ich den Film sehen will? Oder: du kennst die "Game of Thrones"-Romane? Schön für dich. Musst du dann unbedingt erzählen, wer in der Zukunft noch sterben wird? Danke Arschloch!

Was unsere Blogger-Kollegen rot sehen lässt, könnt Ihr hier nachlesen und gebt gerne in den Kommentaren Euren Senf zum Thema dazu:

Myofb
Filmverliebt
Moviebreak
Wewantmedia

Filminfos:

"Jeder kennt das Gefühl: die Wut über die Unzulänglichkeiten des Lebens. Ein harmloser Moment bringt das Fass zum Überlaufen und ruft eine Kettenreaktion hervor. Manche bleiben ruhig. Andere explodieren. WILD TALES ist ein Film über Menschen, die explodieren.

Die rabenschwarze Komödie WILD TALES ist eine geniale Mischung zwischen Tarantino, Almodóvar und den Coen Brothers. Der Publikumsliebling der Festivalsaison und Argentiniens Oscar®-Beitrag 2015!

WILD TALES ist das seltene Beispiel für einen Film ohne Netz und doppelten Boden, ohne Gurt, Airbag oder andere Sicherheitsmechanismen. Er ist Kino, wie es purer nicht sein könnte, durch und durch argentinisch und gleichzeitig so universal, dass er uns allen den Spiegel vorhält. Das Biest, das er zeigt, das sind wir. Und wir sind urkomisch in unserer verzweifelten Wut.

Zum Äußersten getrieben in einer unberechenbaren, ständigem Wandel ausgesetzten Realität, überschreiten die Figuren in WILD TALES den schmalen Grat, der Zivilisation von Barbarei trennt. Der Verrat eines Liebenden, die Konfrontation mit einer vergessen geglaubten Vergangenheit und die Gewalt, die sich aus ganz alltäglichen Begegnungen ergibt, treiben die Figuren immer weiter, in den Wahnsinn hinein. Und je weiter sie in diese Richtung getrieben werden, desto mehr lassen sie sich fallen und geben sich dem verbotenen Vergnügen hin, die Kontrolle zu verlieren."

The Voices (2014)

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The Voices (2014) Filmkritik

The Voices, USA/D 2014 • 103 Min • Regie: Marjane Satrapi • Mit: Ryan Reynolds, Gemma Arterton, Anna Kendrick, Jacki Weaver • FSK: n.n.b. • Verleih: Ascot Elite • Kinostart: 12.02.2015

Mord und Totschlag plus Lachgarantie? Ja, das geht bei „The Voices“ Hand in Hand. Die Regisseurin der gefeierten Comic-Adaption „Persepolis“, Marjane Satrapi, schafft die Verschmelzung von ein bisschen Horror hier, ein bisschen Psycho dort, pechschwarzer Humor obendrauf, inklusive schauspielerischer Granateneinlage von Ryan Reynolds, ohne zu stolpern. Was „The Voices“ dann noch mit einem Film wie Ted mit einem sprechenden Kuscheltier gemein hat, ja, wie soll man es ausdrücken, ist einfach nur verrückt. Ganz frisch vom Fantasy Filmfest 2014 ist dieser Streifen eine direkte Sehempfehlung und war nach „5 Zimmer Küche Sarg mindestens der zweitlustigste Film des diesjährigen Programms.

The Voices (2014) Filmbild 1Jerry (Ryan Reynolds) ist ein schmucker, junger Lagerarbeiter in einer Firma für Badewannenherstellung. Alles scheint normal zu laufen. Wäre Jerry doch bloß nicht so einfältig, tollpatschig und naiv, würde er bestimmt bei Firmen-Schönheit Fiona (Gemma Arterton) landen können. Doch Jerry hört Stimmen. Sein Haustiergespann, die Katze Mr. Whiskers und Bulldogge Bosco, quatschen Jerry ständig voll, dass er zu gutherzig und einfach treudoof ist. Jerry sei einfach zu gut für diese niederträchtige Welt. Seine betreuende Psychologin (super: Jacki Weaver) ist zunächst erfreut, dass er in der Firma Anschluss findet, weiß sie jedoch nicht, dass Jerry seine Medikamente heimlich abgesetzt hat. Als Kollegin Fiona den wartenden Jerry versetzt, eskaliert und entgleitet die Situation.

The Voices (2014) Filmbild 2Wie gern schaut man Serienkillern über die Schulter? „American Psycho“, „Der siebte Tod“, „Dexter“ oder „Mr. Brooks“ sind nur einige Beispiele aus Literatur, Serie und Film. Die Faszination des Bösartigen und was die treibende Kraft hinter Gräueltaten ist, reißt nicht ab. Hierbei handelt es um einen humoristischen Ansatz, der grotesk mit schizophrenen Störungsbildern und morbiden Lachern eine grandiose Leinwanderfahrung bietet. Man sollte sich auf den Spagat von funkelnden, Over-the-Top-Kitschbildern mit Schmetterlingen, wie in der fabelhaften Welt von einer sogenannten Amelie auf der einen, und auf der anderen Seite mit schmutzigen Slasher-Einlagen in bester „Scream“-Manier einlassen. Leute mit Schwierigkeiten über Pietätlosigkeiten und wirklich bizarre, überzogene, farbenfrohe Bilder lachen zu können, seien hiermit gewarnt. Dabei spiegeln gerade die krass auseinanderklaffenden Bildwelten die konstruierte Schutzhülle um die Realität des Protagonisten wider. Für den Zuschauer werden die Schauplätze meist aus Jerrys verzerrter, beschönigter Zuckerguss-Sicht gezeigt und ab und an sieht man z.B. den wahren, verwahrlosten Saustall von Wohnung, in der er lebt.

The Voices (2014) Filmbild 3-News-228470Dann verirrt sich auch noch einer wie Ryan Reynolds, der vielen vielleicht aus Fäkalkomödien oder Klischee-RomComs eher als aus Indie-Produktionen wie „Buried“ bekannt ist, und feiert diese ausgefallene Rolle eines schizophrenen Killers ab, als gäbe es kein Morgen mehr. Er macht sich die Welt, wie sie ihm gefällt. Sehr nuanciert böse in kleinen, flüchtigen Schlüsselmomenten und kasperhaft grinsend und überanstrengt in den meisten anderen Situationen, beobachtet man Reynolds Spiel. Glaubhaft pendelt Ryan Reynolds zwischen absurd und unheimlich. Sein Charakter erlebte in früher Kindheit ein massives Trauma zusätzlich zur scheinbar erblichen Vorbelastung. Bevor man jetzt die Augen rollt und denkt: „Pfff, ausgelutschter kalter Kaffee“, dem sei gesagt, dass schizophrene Störungsbilder oft ihren Ursprung in solchen Szenarios verorten. Das Buch „Aufschrei“ handelt beispielsweise von einer missbrauchten Frau, die bis zu 90 Persönlichkeiten krankhaft erschaffen hat, um mit dem belastenden Erlebten klarzukommen. Also ruhig darauf einlassen, 13 gerade sein lassen, denn es lohnt sich. Außerdem kommt die Vorgeschichte keineswegs überladen daher und nimmt keinen sperrigen Raum ein. Herr Reynolds spricht zudem seine tierischen Kumpanen Mr. Whiskers und Bosco (und ein paar weitere Tiere) alle selbst so wie hochakzentuiert. Die Katze erinnert an den Zorro-Kater aus „Shrek“ (dazu noch mit schlechtem schottischem Akzent!) und der Hund an einen brabbelnden Redneck. Die Parts sind klar aufgegliedert: Mr. Whiskas ist Teufel und Bosco das Engelchen. Hin- und hergerissen versucht Jerry er selbst zu sein. Aber was ist er oder was will er sein? Gut, böse oder von Natur aus festgelegt? Diese Dinge werden allerdings nur kurz oberflächlich angerissen, um den Spaßfaktor weiterhin im Fokus zu behalten.

Den anderen Darstellern wie Gemma Arterton oder Anna Kendrick ist zu Gute zu halten, dass sie neben ihrer soliden Performance, an diesem Paradestück an Skurrilität mitwirken. Ihre Rollen sind nicht sehr differenziert, werden aber ohnehin nur aus Jerrys Wahrnehmung heraus gesehen. Die wahren Stars aber sind neben dem enorm aufspielenden Hauptdarsteller das Haustier-Duo. Derbe Sprüche, Wortgefechte und Scherereien sind an der Tagesordnung, wenn sie Jerry mörderische Empfehlungen geben. Die Trefferquote ist hoch und von A-Z eher morbider Natur und comichaft überdreht. Vor allem, dass der Zuschauer eher geneigt ist, auf Jerry Seite zu stehen, hantiert effektiv mit einigen Konventionen der gemixten Genres. Im Endeffekt definitiv nicht für jeden Geschmack, aber einen Blick sollte man wagen. Fast vergessen: Dieses Jahr hatten wir mit dem Abspann von "22 Jump Street" einen sehr witzigen Beitrag, aber "The Voices" kredenzt dem geduldigen Kinogänger einen weiteren sehenswürdigen Abspann.

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