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Pixar Theory #2: Toy Story & Toy Story 2

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Pixar Theory Toy Story

Angefangen hat unsere kleine Reise durch die Pixar-Filmografie in der letzten Woche (hier) bei dem wirklich ganz schönen Merida und endete damit, dass Spielzeuge Kraft aus Buddys Null-Punkt-Energie in Die Unglaublichen zogen. Das kann natürlich nur eins heißen…

Toy Story
1995

Pixar Theory Toy Story

"Spielzeuge entwerfen ein Regelsystem und lernen, dass die Liebe eines Menschen eine weitere Energiequelle ist, aus der sie Kraft ziehen können."

Toy Story atmet jede einzelne Sekunde Kinderzimmerluft. Ob man sich dadurch nun nostalgisch an seine eigene Kindheit erinnern mag oder das kunterbunte Spielzeug-Chaos einfach nur genießt – diesem liebevollen Spaß kann sich womöglich keiner entziehen. Denn der allererste Pixar-Film hat das Herz einfach am richtigen Fleck und konnte mich auch bei der zigsten Sichtung noch immer so begeistern wie beim ersten Mal. Es ist vor allem die unschuldige Sicht, die wir durch die subjektive Erzählung wie aus Kinderaugen miterleben, und die Toy Story so magisch macht.

Mit den lebendig gewordenen Spielzeugen als Identifikationsfiguren steckt in Toy Story somit viel mehr als die plumpe Aussage, man solle seine Spielsachen gefälligst pflegen. Im Gegenteil: sie sind da, um benutzt zu werden. Ihre Hauptaufgabe ist es, wie Woody selbst im Film sagt, für Andy da zu sein. In diesem Sinne wird das Kindsein in all seinen Facetten zelebriert. Darüber hinaus sind Woody, Buzz und Co Vertreter für die kindlichen Gefühlslagen. Ängste, Freude, Wut und Eifersucht spiegeln sich in der Palette an umwerfenden Charakteren, die mal wieder die große Stärke von Pixar unterstreichen.

Rasant von Idee zu Idee springend, dabei aber nie im unübersichtlich oder anstrengend werdenden Chaos untergehend, strotzen viele Situationen nur so vor Kindheitsgeist. So werden Pflanzen zum undurchsichtigen Dickicht umfunktioniert, Pizza Planet als nahezu heilig-außerirdischer Ort dargestellt und im Nachbarsjungen Seth scheint sich das wahre Böse zu manifestieren. 20 Jahre ist es nun her, dass sich die Pixar Animation Studios mit Toy Story in die Geschichte der Animationsfilme einschrieben und ein Meisterwerk erschufen, und das nicht nur in seinem Genre. Eine bunte, kreative Spaßbombe.

"Diese Spielzeuge finden heraus, was mit isolierten Spielzeugen passiert."

Toy Story 2
1999

Pixar Theory Toy Story 2

"Die Spielzeuge finden heraus, dass die Isolation für sie gefährlich ist."

Ich liebe Pixar und habe einen großen Teil meiner Kindheit vor allem mit Toy Story und Die Monster AG verbracht. Nicht nur deswegen ist dies auch ein ganz persönlicher Rückblick für mich. Es ist bestimmt knapp zehn Jahre her gewesen, dass ich Toy Story 2 das letzte Mal gesehen habe, und für mich war Teil 1 für immer und ewig auf dem goldenen Pixar-Thron festgesetzt. Die Fortsetzung hingegen hatte ich immer nur als durchschnittlich in Erinnerung. So war ich der festen Überzeugung, Pixar habe schon im Jahr 1995 ihr Opus magnum erschaffen. So kann man sich irren. Toy Story 2 ist nämlich noch besser!

Diese drastische Meinungsänderung gegenüber dem zweiten Teil begründet sich jedoch nicht ausschließlich durch mein zugenommenes Alter. Toy Story 2 ist zwar düsterer als der quietschbunte Vorgänger, und deutlich mehr daran interessiert, seinen Charakteren Tiefe zu geben, dem weiterhin charmanten Spielzeugspaß schadet das aber keinesfalls – im Gegenteil sogar. Denn wenn sich unsere Helden in einem Spielzeugladen wiederfinden, darf sich Pixar mal so richtig austoben und auch darüber hinaus glänzt das vor Detailverliebtheit strotzende Fast-Chaos durch spektakuläre Action. Zudem ist Toy Story 2 mit Sicherheit der witzigste Film in dieser Retrospektive und wird sich auch nach den kommenden zehn Filmen höchstwahrscheinlich zur Humor-Elite dazuzählen dürfen.

Wie bereits gesagt, ist John Lasseter diesmal auch um einiges mehr an den Charakteren selbst interessiert. Ängste, Hoffnungen und Träume werden hier in teils albtraumhaften Visionen oder herzergreifenden Flashbacks offen gelegt. Mit seinen ernsteren Tönen können Zuschauer außerhalb der Zielgruppe (wenn es die bei Pixar denn geben sollte) darüber hinaus ein cleveres Spielzeug-Drama um Existenzängste und einen weitergeführten Diskurs über den Nutzen von Spielzeugen genießen und sich an süßen Star-Wars-Referenzen erfreuen.

"Missgunst gegenüber Menschen wird neben Spielzeugen auch von Tieren getragen."

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In der nächsten Woche geht es dann um die Missgunst von Fischen gegenüber Menschen in Findet Nemo und die von Ratten in Ratatouille.

Bisherige Ausgaben:

Pixar Theory #1: Merida & Die Unglaublichen

Box-Office Deutschland: Alles steht Kopf entthront Fack Ju Göhte 2

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Box Office Deutschland Oktober 1-4 2015

Quelle: Insidekino

Die Erfolgssträhne am deutschen Box-Office ging dank dem Feiertagswochenende weiter und gleich zwei Filme konnten jeweils mehr als eine halbe Millionen Besucher am Wochenende in die Kinos locken. Trotz dieser starken Dominanz hielten sich auch die älteren Filme hervorragend. Kein einziger Top-10-Film gab um mehr als 32% nach, die meisten fielen sogar um weniger als 30%. Deshalb konnte sich die Top 10 gegenüber der Vorwoche um 26% verbessern und gegenüber dem gleichen Wochenende im Vorjahr sogar um 36%.

Die Alleinherrschaft von Fack Ju Göhte 2 über die deutschen Kinocharts wurde mit dem Start des gefeierten neuen Pixar-Films Alles steht Kopf überraschend beendet. Das zeigte, dass Herbst wohl wirklich die richtige Zeit ist, um Pixar-Filme in die Kinos zu bringen. Die letzten vier Sommerstarts der umjubelten Animationsschmiede enttäuschten allesamt in Deutschland und keine erreichte sogar 2 Millionen Besucher. Diese wird Alles steht Kopf bereits nach wenigen Wochen in der Tasche haben. Zum Start begeisterte der Film schon 642,000 Kinogänger in Deutschland. In 585 Kinos ergab das einen tollen Schnitt von 1098 Zuschauern pro Kino. Samt Previews wurden bis Sonntag sogar 655,000 Zuschauer vermeldet. Es war das siebtbeste Startwochenende des Jahres in Deutschland und der beste Start für Pixar seit Ratatouille vor acht Jahren. Die Resonanz der Kinogänger ist fantastisch und lediglich der nahende Kinostart von Hotel Transsilvanien 2 wird ihm im Wege stehen, auch wenn ich vermute, dass beide Filme durchaus koexistieren können. Pixars WALL-E und Oben erreichten beide trotz eines schwächeren Starts mehr als 3 Millionen Besucher in Deutschland und es gibt keinen Grund, für Alles steht Kopf weniger als das zu erwarten. Mit viel Glück und Durchhaltevermögen würde ich sogar 4 Millionen nicht ganz ausschließen. Das nächste Wochenende wird uns mehr verraten.

Obwohl Fack Ju Göhte 2 sich an seinem vierten Wochenende gegenüber der animierten Konkurrenz geschlagen geben musste, kann sich Constantin angesichts der Ergebnisse kaum beklagen. Die deutsche Fortsetzung gab um 27% auf 558,000 Zuschauer nach und knackte am Sonntag die 6-Millionen-Besuchermarke. Damit erhielt Fack Ju Göhte 2 als zweiter Film von 2015 eine zweite Goldene Leinwand und liegt nur noch knapp 750,000 Besucher vor dem aktuellen Gesamtergebnis von Minions. Bereits innerhalb der nächsten zwei Wochen wird der Film auf Platz 1 des deutschen Jahres-Charts avancieren. Ob er dort auch endgültig bleiben wird, wird vom hiesigen Erfolg des neuen Star-Wars-Films abhängen. Fack Ju Göhte 2 hat jedenfalls in 25 Tagen mehr Besucher für sich verbucht als jeder andere deutsche Film im gleichen Zeitraum, mit der Ausnahme von (T)Raumschiff Surprise: Periode I. Das Sequel hat jetzt schon mehr als 80% des Gesamtergebnisses seines Vorgängers in Deutschland erreicht und wird ihn vielleicht sogar vor Ende des Monats einholen. Ein Gesamtergebnis oberhalb von 7,5 Millionen Zuschauern erscheint so gut wie sicher und auch 8 Millionen sind durchaus drin. Gerade von den Herbstferien wird Fack Ju Göhte 2 diesen Monat sehr profitieren.

Der Überraschungsgewinner unter den Zweitwöchlern war letztes Wochenende M. Night Shyamalans The Visit. Der Horrorstreifen gab lediglich um mickrige 5% nach und belegte wieder einmal den dritten Platz der deutschen Kinocharts. Mit weiteren 129,000 Zuschauern brachte er seine vorläufige Gesamtbesucherzahl auf 327,000 nach nur 11 Tagen und wird nun mit Sicherheit mehr als eine halbe Million Zuschauer erreichen. Tatsächlich winken dem Film insgesamt mehr als 600,000 Besucher, was für einen Genrefilm hierzulande hervorragend ist.

Maze Runner – Die Auserwählten in der Brandwüste hielt sich ebenfalls ganz gut, fiel jedoch um zwei Plätze auf Rang 4. Weitere 117,000 Zuschauer (-26%) sahen das Sequel und brachten seine Gesamtbesucherzahl auf 327,000 Zuschauer. Er liegt damit knapp 18% hinter den Zahlen des Vorgängers im gleichen Zeitraum und sollte insgesamt auch etwas 550,000 Zuschauer erreichen.

Das Katastrophendrama Everest rundete die Top 5 ab und verfehlte um 93 verkaufte Tickets sechsstellige Zahlen an seinem dritten Wochenende, baute aber lediglich 24% ab. Nach 18 Tagen sahen bereits 582,000 Kinogänger in Deutschland das 3D-Spektakel. Ich gehe stark davon aus, dass Everest besonders unter der Ankunft von Der Marsianer am Donnerstag zu leiden haben wird. Bei etwa 800,000 Besuchern wird für ihn wohl Schluss sein.

Der sechste Platz ging an Man lernt nie aus. Die Komödie mit Anne Hathaway verlor nur 22% gegenüber dem Startwochenende in der Vorwoche und erreichte knapp über 95,000 Besucher. Insgesamt steht der Film bei fast 300,000 Zuschauern und wird am Ende mehr als eine halbe Million erreichen. Nach den Erfolgsmaßstäben der Regisseurin Nancy Meyers ist es dennoch eine eher schwache Vorstellung.

Der düstere Thriller Sicario startete mit 89,000 Zuschauern von 302 Kinos auf Rang 7, doch dank zahlreichen Previews und Sneaks sammelte er bis Sonntag bereits 133,000 gelöste Tickets ein. Ich traue dem Streifen gutes Durchhaltevermögen und ein Endergebnis oberhalb von 350,000 Besuchern zu.

Der deutsche Neuzugang Der Staat gegen Fritz Bauer platzierte sich mit 29,000 Zuschauern von Donnerstag bis Sonntag (und 35,000 inkl. Sneaks und Previews) auf Rang 8 der Wochenendcharts und eroberte auf Anhieb die Spitze der deutschen Arthouse-Charts. Einem Film wie diesem ist eine lange Laufzeit sicher, sodass mehr als 200,000 Zuschauer hier noch zusammenkommen können.

Der Psychothriller Regression startete mit einem soliden Schnitt von 261 Besuchern pro Location außerhalb der Top 10 auf #11. In seine 105 Kinos lockte der Film mit Ethan Hawke und Emma Watson knapp 27,000 Kinogänger letztes Wochenende.

Vacation (2015)

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Vacation (2015) Filmkritik

Vacation, USA 2015 • 99 Min. • Regie: Jonathan M. Goldstein, John Francis Daley • Mit: Ed Helms, Christina Applegate, Chris Hemsworth, Skyler Gisondo, Steele Stebbins, Leslie Mann, Chevy Chase, Beverly D’Angelo • FSK: ab 12 Jahren • Kinostart: 20.08.2015 • Deutsche Website

Vacation (2015) Filmbild 1Als der Krieg der Sterne das vorerst letzte Mal ausgefochten wurde und Tony Montana in Scarface reihenweise Leute umnietete, begab sich die Familie Griswold zum ersten Mal auf Reisen. Vier Filme, darunter den zum Klassiker herangewachsene Schöne Bescherung, brachte das Vacation-Franchise in den Achtzigern und Neunzigern hervor und wird nun mit Vacation – Wir sind die Griswolds in gewisser Hinsicht fortgesetzt und zugleich rebootet. Ed Helms (Hangover) schlüpft dabei in die Rolle von Rusty Griswold, Sohn von Familienoberhaupt Chevy Chase. Rustys Familie befindet sich gerade in einer leichten Krise. Während er und seine Frau Debbie (Christina Applegate) Eheprobleme haben, befinden sich die beiden Brüder James (Skyler Gisondo) und Kevin (Steele Stebbins) im ewigen Dauerstreit. Mit einem Urlaubsausflug nach Walley World will Rusty seine Familie wieder zusammenschweißen und ein bisschen Pepp in das öde Alltagsleben bringen.

Vacation (2015) Filmbild 2Ähnlich wie 22 Jump Street geht Vacation seine Rolle als Sequel auf einer Meta-Ebene an. Das lange nicht so gewitzt und mit so viel Selbstironie wie das Jump-Street-Sequel, aber im Zeitalter des Fortsetzungs-, Remake- und Reboot-Wahns bringt so ein Stück Selbsteinsicht doch etwas frischen Wind hinein. Zur Unterstützung darf man zudem nicht nur plump wiedergekäute Gags des Originalfilms sehen, mit Szenen aus Harold Ramis Kultfilm wird mehr oder weniger clever gespielt. Auf diesem Wiedererkennungswert ruhen sich die Regisseure Jonathan M. Goldstein und John Francis Daley jedoch nicht aus, und so kann auch ohne erkannten Bezug der ein oder andere Lacher generiert werden. Denn wie Ed Helms im Film selbst sagt: „The new vacation will stand on its own.“ Klar finden sich auch eine ganze Menge Rohrkrepierer an, vor allem bei so einer hohen Gagdichte wie sie Vacation bietet, und es ist schon erstaunlich, wie man innerhalb von Sekunden zwischen schmerzendem Fremdscham und guten Lachern wechseln kann.

Vacation (2015) Filmbild 3Doch das Gute ist: Vacation steht zu seinem Schwachsinn. Und zwar so sehr, dass dem Zuschauer durch maßlose Übertreibung hinaus dann doch noch ein Lacher abgewonnen werden kann. Wenn Christina Applegate bei der Besichtigung ihres alten Campus eine kleine Identitätskrise durchläuft und vor Selbstbeweisungswahn an einem Saufspiel teilnimmt, klingt das erstmal nach ganz stumpfer Blödelei – wird die anschließende Kotzorgie dann aber weit über die Schmerzgrenze hinaus ausgereizt, muss man dann doch laut loslachen. Im R-Rating-Bereich hauen die Amerikaner eben richtig auf die Kacke. So darf hier wieder viel geflucht, mit Exkrementen gespielt und pubertäre Witze gemacht werden. Das Highlight: Chris Hemsworth (Thor), der aus einer ganzen Riege an Gastauftritten von momentan beliebten Darstellern am ehesten heraussticht. Chevy Chase (wie immer großartig) und Beverly D’Angelo dürfen alteingesessenen Fans zum Ende hin dann noch eine Portion Nostalgie spendieren und wenn die Griswolds schlussendlich am Ziel angekommen sind, drückt man auch noch mal auf den Herz-Button und spielt ein bisschen Feel-Good mit ein.

Fazit

Ja, das Vacation-Sequel, nach dem niemand gefragt hat, ist tatsächlich unterhaltsam geworden. Ed Helms ist wie geschaffen für seine Rolle und hat das gleiche blöde Grinsen wie Chevy Chase drauf, die Chemie passt und von ganz unterirdischem Humor bis zu guten Lachern ist so ziemlich alles dabei.

Trailer

"Narcos": Staffel 1 Review

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"Narcos" ist eine französische Netflix-Produktion, in der hauptsächlich Spanisch gesprochen wird, und sich US-amerikanische Agenten in Kolumbien mit dem Drogenboss Pablo Escobar anlegen. So viel zu den Nationalitäten, die Einfluss auf das neue Steckenpferd der Streamingplattform wirken. Hierdurch haben sich die Serienmacher Carlo Bernard, Chris Brancato, Doug Miro und Paul Eckstein das Wiedergeben einer wahren Geschichte rund um die kolumbianische Kartelllandschaft und deren Auswirkungen, die sich weit über die Grenzen des Landes erstreckten, zur Aufgabe gemacht. In einem Erzählstil, der immer wieder Abstecher Richtung Dokumentation macht, wird uns in der ersten Staffel nicht nur der Aufstieg und Fall des Pablo Escobar, sondern auch die kolumbianische Innen- und Außenpolitik schmackhaft gemacht wie nie zuvor.

Narcos Staffel 1Der Aufhänger für die sachliche Darstellung der Handlung ist einfach: Der amerikanische DEA-Agent Steve Murphy (Boyd Holbrook) erzählt uns in einer Prospektive von seinen Bemühungen Escobar zu schnappen und wir bekommen einige wichtige Szenen aus den letzten Folgen der Staffel zu sehen. Daraufhin baut sich die Story von ihrem Beginn an chronologisch weiter auf, während uns Murphy wie in einem Vortrag durchs Geschehen leitet. Häufig werden überdies Ausschnitte aus tatsächlichen Reportagen und Berichten mit eingebettet, um dem Zuschauer zu signalisieren, dass all das Realität ist. Zwangsweise fragt man sich mitunter, warum die Serie nicht gleich als Doku angelegt wurde.

Wäre das passiert, das Publikum würde sicher kleiner ausfallen, doch man hätte auf viele Schemen verzichten können, die ablenkend ins Auge fallen und der Serie hin und wieder ihren authentischen Fluss nehmen. Während der aufmerksame Zuschauer der Handlung durchaus folgen kann, werden ausgiebig weitere Hinweise verstreut oder gar tituliert, nur um zu garantieren, dass das Publikum hinterherkommt. Prinzipiell natürlich ein wohlgemeintes, ja auch notwendiges Modell, doch bedauerlicherweise häufig zu plump in den Raum geworfen.

Narcos Staffel 1Davon abgesehen funktioniert Narcos gut bis sehr gut. In der Pilotfolge werden die Welten von Steve Murphy und Pablo Emilio Escobar Gaviria (Wagner Moura) schnell vorgestellt und ohne Zögern auf Kollisionskurs geschickt. Wird uns Escobar eingangs noch als sympathischer Familienmensch präsentiert, der gegen die Armut seines Landes kämpft, entartet dieses Bild von Folge zu Folge zunehmend, je mehr finstere Seiten seiner Gestalt offenbart werden. Über ein gewisses Level an Gewalt sieht man gewollt hinweg, indem man von Zeit zu Zeit Escobar in sehr persönlichen Szenen zeigt, die seinen inneren Zwiespalt enthüllen sollen. Die Nähe zu ihrem Antagonisten tut der Serie gut, dem Hauptcharakter eher weniger.

Denn während Escobar durch seinen Terror an Sympathie verliert, wird sich nicht darum bemüht, Murphy auf der anderen Seite als Ausgleich zu etablieren. Sein Kollege Javier Peña (Pedro Pascal) schafft es die Gunst des Zuschauers zu gewinnen, während Murphy über weite Strecken ohne Ausdruck bleibt. Das Problem ist, dass erwartungsgemäß trotzdem versucht wird, den Erzähler als Identifikationsfigur der Serie zu festigen. Umso mehr Spaß bereitet es dagegen Escobar bei seinen schmutzigen Geschäften zu beobachten, auch dabei, wie er seine frisch aus dem Koksgeschäft gezogene Nase in die Politik seines Landes stecken will und seiner Familie zur gleichen Zeit ein guter Vater sein muss.

Narcos Staffel 1Dabei ist es anfangs leicht befremdlich, wie statisch sich die Gesichtszüge von Schauspieler Wagner Moura durch die Staffel tragen, doch umso intensiver sind seine aggressiven Momente, die ab der zweiten Hälfte der Staffel wie ein lange Zeit angehäufter Stausee durch den Damm seiner abgeklärten Fassade preschen. Und wenn er daraufhin zum gefühlt zehnten Mal der kolumbianischen Polizei den Krieg erklärt und die Anschläge und Feuergefechte endlich in den Vordergrund rücken entfacht "Narcos" ein loderndes Feuer, während der Zuschauer sich selbst mal wieder bildschirmsüchtig nach Netflix neuester Droge ertappt. Die überaus spannende Inszenierung, die größenwahnsinnige Handlung und die innere Zerrissenheit zwischen Sicherheit und Gerechtigkeit, die in allen Charakteren tobt, sind es, die der Serie ihren besonderen Touch geben.

Fazit

Netflix neue Produktion legt sich selbst einige Stolpersteine in den Weg, punktet jedoch an vielen Stellen gerade durch ihre spannenden Momente und den direkten Bezug zu sensationellen realen Begebenheiten. Dank des Einsatzes der verschiedener Charaktere in differierenden Handlungssträngen, gewinnt "Narcos" an dramatischen Ebenen, verliert aber auch mehrmals seinen dokumentarischen Erzählschwung. Ein paar unterhaltsame und äußerst fesselnde Binge-Watching-Abende bietet die erste Staffel auf jeden Fall.

Trailer

https://youtu.be/80v6wFdgJLo

Regression (2015)

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Regression (2015) Filmkritik

Regression, CA/ES 2015 • 106 Min. • Regie: Alejandro Amenábar • Mit: Ethan Hawke, Emma Watson, David Thewlis, Aaron Ashmore, Devon Bostick, Dale Dickey • FSK: ab 16 Jahren • Kinostart: 1.10.2015 • Deutsche Website

Regression (2015) Filmbild 1Unzählige Menschen litten über die Jahrhunderte hinweg unter satanistischem Missbrauch. Was sich nach Gruselgeschichte anhört, läuft genauso wenig übernatürlich auch noch heute ab und wird trotzdem oft als Hirngespinst und Verschwörungstheorie abgetan. Über den Bestand dieser Kulte, so scheint es, will uns Regression zu Beginn aufklären. Die Thematik wird als ernstzunehmend eingeführt und unterstützend mit Informationen zu Satanismus („Basierend auf wahren Begebenheiten“) unterfüttert. Hier stoßen wir auf Detective Bruce Kenner (Ethan Hawke), der zusammen mit dem engagierten Psychologen Professor Kenneth Raines (David Thewlis) zu klären versucht, was genau Angela Gray (Emma Watson) widerfahren ist. Diese litt anscheinend über längere Zeit unter den Handlungen einer satanistischen Gruppierung, in die jeder aus dem kleinen Ort involviert sein könnte, und zieht Bruce geradewegs mit hinein in die tiefen Abgründe des Kults.

Regression (2015) Filmbild 2Regression bietet zweifellos Stoff für einen guten Horrorthriller, letztendlich kann Regisseur Alejandro Amenábar (The Others) qualitativ aber nicht an seine vorherigen Werke anknüpfen. Vor unseren Augen entfaltet sich der Fall Schritt für Schritt. Dabei greift das Ermittler-Duo bei Befragungen ihrer Zeugen immer wieder auf die Regressions-Therapie zurück, mit Hilfe derer vergessene oder verdrängte Erinnerungen wieder ans Licht gebracht werden können. Dabei verkommt Regression zwar nie zum Rate-Thriller, sondern ist bemüht, daraus einen immer paranoider werdenden, atmosphärischen Film zu machen. Einen Twist sieht man dabei trotzdem meilenweit kommen. Die Auflösung ist dank der cleveren Inszenierung trotzdem überraschend. Amenábar schafft es nämlich, den Zuschauer immer wieder auf falsche Fährten zu locken und das so weit, dass die Grenzen zwischen Surrealem und Realem im Finale regelrecht verschwimmen und man hilflos nach der Wahrheit sucht.

Regression (2015) Filmbild 3Die Geradlinigkeit mit der Amenábar seine Geschichte erzählt, nimmt dem Film jedoch von Anfang an den Wind aus den Segeln. Auch wenn Regression nie zäh oder langweilig wird, passiert bis auf den Twist doch wenig Überraschendes. Eine spannungstechnische Steigerung ist bis zum Finale nie wirklich spürbar, und das in einer Atmosphäre, die gerade deswegen nie recht zugreifen mag. Die Gefahr scheint oft zu weit entfernt zu sein – zu mystifiziert und nicht greifbar, ein Gefühl von wahrer Bedrohung fehlt. Befindet sich Kenner circa in der Mitte des Films in einer Scheune und bekommt lebhafte Visionen eines Rituals, das hier vollzogen worden sein soll, fängt die Atmosphäre an zu kribbeln, kann seine Wirkung aber trotzdem nicht entfalten. Regression geht nie in die Vollen. Der Horror, der sich im Kopf des Zuschauers einnisten soll, keimt nicht. Dafür geht es in diesen Momenten zu schnell und die Vorarbeit fällt zu lasch aus. Kommt die paranoide Stimmung doch einmal in Fahrt, wird sie nur knappe 10 Minuten später durch den Twist wieder unterbrochen. Bis dahin ist Regression ein ordentlicher Film, der vor allem durch einen starken Ethan Hawke lebt. Das und ein paar wirklich gute Ansätze der cleveren Inszenierung retten Regression davor, ein voll und ganz abstoßendes Machwerk zu sein. Er ist zu kompetent gemacht, als dass seine widerliche Aussage allzu vernichtend sein kann.

Fazit

Penetrant vorgetragen, zwingt Regression einem zum Schluss seine verwerfliche Aussage auf. Unverschämt und respektlos verklärt er Opfer von satanistischem Missbrauch zu heuchlerischen Lügnern und stellt Menschen, die ihnen glauben, als dumm und leichtgläubig dar. Eine abscheuliche Aussage!

Trailer

Box-Office Deutschland: Fack Ju Göhte 2 knackt 5 Millionen Besucher

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Box Offce Deutschland Fack Ju Göhte 2 Woche 3

Quelle: Insidekino

Auch an seinem dritten Wochenende blieb der deutsche Megahit Fack Ju Göhte 2 weitgehend ohne Konkurrenz. Die drei wichtigsten Neueinsteiger in den Charts konnten keine sonderlich großen Massen für sich begeistern und blieben im Rahmen der Erwartungen bzw. sogar leicht darunter, sodass Fack Ju Göhte 2 von Donnerstag bis Sonntag wieder einmal mehr Besucher in die Kinos lockte, als die verbleibenden neun Filme in der Top 10 zusammengerechnet. Die starken Zahlen des Films sorgten auch dafür, dass die Gesamtbesucherzahl der Top 10 sich um 86% gegenüber dem gleichen Wochenende im Vorjahr steigerte. Verglichen mit dem vorigen Wochenende ging es allerding sum 25% runter, was wieder einmal darauf hindeutet, dass es den deutschen Kinos an starken Neuzugängen fehlt.

Ohne Ferien im Rücken und mit verhältnismäßig schönem Wetter am Wochenende, konnte Fack Ju Göhte 2 sich an seinem dritten Wochenende nicht mehr ganz so gut behaupten, wie an seinem zweiten und verlor etwa 46% seiner Zuschauer von der Vorwoche. Nichtsdestotrotz reichten seine 764,000 Besucher aus, um nicht nur das beste dritte Wochenendergebnis des Jahres in Deutschland zu schreiben, sondern auch das drittbeste dritte Wochenende für einen deutschen Film überhaupt. Lediglich der erste 7 Zwerge und der zweite Otto-Film schrieben noch bessere Zahlen am dritten Wochenende. Natürlich geht Fack Ju Göhte 2 angesichts des Megastarts auch deutlich schneller die Puste aus als dem Originalfilm. Zwar konnte er auch dessen drittes Wochenende schlagen, jedoch diesmal nur um 4% und schon bald wird er von Woche zu Woche weniger Besucher abstauben können, als Teil 1. Im Gesamtbild ist es aber auch keineswegs schlecht, denn Fack Ju Göhte 2 überschritt am Samstag als schnellster Film des Jahres die 5-Millionen-Zuschauermarke und liegt nach 18 Tagen bei gewaltigen 5,245,000 Besuchern in Deutschland – mehr als 2 Millionen über dem Ergebnis des ersten Films im gleichen Zeitraum! Insgesamt hat Fack Ju Göhte 2 bereits mehr als 70% der finalen Gesamtbesucherzahl seines Vorgängers erreicht und bevor er aus dem Kinos raus ist, wird er diesen mit hoher Wahrscheinlichkeit übertreffen. Überhaupt ist (T)Raumschiff Surprise der einzige deutsche Film, der im gleichen Zeitraum noch mehr Besucher hatte.

Die Meilensteine des Sequels enden damit aber noch nicht. Fack Ju Göhte 2 ist mittlerweile auch in die Top 20 der besucherstärksten deutschen Filme seit 1968 eingestiegen und mit fast €43 Mio in der Tasche auch unter die 40 umsatzstärksten Filme aller Zeiten in Deutschland. Nach Besuchern ist das Sequel aktuell die #2 des Jahres in Deutschland. Jedoch fehlen dem Film weniger als 1,5 Millionen Zuschauer bis Minions und spätestens Mitte Oktober wird er den Animationshit überholen. Aktuell sieht es immer noch ganz danach aus, als könnte Fack Ju Göhte 2 als erster deutscher Film seit (T)Raumschiff Surprise mehr als 8 Millionen Zuschauer bei uns erreichen und das seltene deutsche Sequel werden, das seinen Vorgänger erfolgstechnisch übertrifft. Da kann ein dritter Teil nicht mehr weit entfernt sein.

Weit abgeschlagen auf Platz 2 landete Maze Runner – Die Auserwählten in der Brandwüste mit einem verhältnismäßig enttäuschenden Ergebnis. Die Fortsetzung der Jugendbuchverfilmung lockte, einschließlich Previews, 168,000 Zuschauer in die deutschen Kinos. Am regulären Wochenende waren es 158,000 von 516 Kinos, was zu einem Schnitt von 307 Zuschauern pro Kino führte. Der Vorgänger lief letztes Jahr mit 183,000 Zuschauern (samt Previews) am ersten Wochenende an, schaffte das aber mit rund 100 Kinos weniger. Da man für Fortsetzung generell eine Steigerung zum Start erwarten würde und das Original mit einer überraschend langen Laufzeit beeindruckte, sind die Zahlen für das Sequel definitiv schwächer als erwartet. Der erste Film erreichte in Deutschland knapp 870,000 Zuschauer, Teil 2 wird vermutlich keine 600,000 zusammenbekommen.

M. Night Shyamalans "Found Footage"-Horrorfilm The Visit lief mit 158,000 Zuschauern (inkl. Sneaks und Previews) von 362 Kinos an. Das Ergebnis ist auf dem gleichen Niveau wie The Happening von Shyamalan, der vor sieben Jahren bei uns insgesamt knapp 440,000 Zuschauer in die Kinos lockte. Am regulären Wochenende verkaufte der Film etwa 137,000 Kinotickets. Für einen Horrorstreifen ist ein solches Ergebnis in Deutschland immer ganz gut, auch wenn es natürlich meilenweit von Shyamalans frühem Erfolgen wie The Village oder Signs ist. Da die Mundpropaganda hier deutlich besser als bei The Happening sein sollte, sollte The Visit bei uns sogar eine halbe Million Zuschauer erreichen können. Sicherlich kein großer Hit, aber auch kein Reinfall für Shyamalan.

Das 3D-Survival-Drama Everest gab um 34% in der zweiten Woche nach und kam auf 131,000 Besucher an seinem zweiten Wochenende. Nach 11 Tagen steht der Film bei insgesamt 436,000 Zuschauern. Die Resonanz unter den Kinogängern scheint recht positiv zu sein, doch direkte Konkurrenz von visuellen Spektakeln wie Der Marsianer und The Walk wird ihm in den nächsten Wochen trotzdem die Zuschauer rauben, sodass er bestenfalls etwa 750,000 Besucher erreichen sollte.

Nancy Meyers' neuste Komödie Mann lernt nie aus war mit 528 Kinos der breiteste Start letzte Woche, schnitt dafür aber eher mittelmäßig ab. Nur 123,000 Zuschauer wollten den Film mit Anne Hathaway und Robert De Niro am Wochenende sehen und brachten ihn auf Platz 5 der Kinocharts. Rechnet man die zahlreichen Previews dazu, so waren es 153,000 bis Sonntag. Das sieht vielleicht nicht ganz katastrophal aus, doch man muss auch anmerken, dass die letzten vier Filme von Nancy Meyers in Deutschland (darunter Wenn Liebe so einfach wäre und Was das Herz begehrt) im Schnitt 3,1 Millionen Zuschauer pro Film erreichten und keiner weniger als 1,1 Millionen. Mann lernt nie aus wird hingegen nicht viel mehr als 500,000 Zuschauer insgesamt verbuchen.

Auch in der 13. Woche lief es für Minions gut. Der Box-Office-Überflieger baute um 38% ab und erreichte weitere 40,000 Zuschauer. Insgesamt wurde das Spin-Off in Deutschland von mehr als 6,72 Millionen Kinogängern gesehen. Damit hat Minions Madagascar abgehängt und ist der fünfterfolgreichste computeranimierte Film aller Zeiten in Deutschland geworden. Noch besser sieht es nach reinen Einnahmen aus. Mit €56,8 Millionen ist Minions an Ice Age 3 vorbeigezogen und ist nun der umsatzstärkste Animationsfilm aller Zeiten hierzulande. Konkurrenz von Alles steht Kopf und Hotel Transsilvanien 2 werden ihm bald Einhalt gebieten, aber er könnte trotzdem noch auf lange Sicht 6,9 Millionen oder gar 7 Millionen Zuschauer erreichen.

Pixar Theory #1: Merida & Die Unglaublichen

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Pixar. Das Animationsfilm-Studio. Seit dem Jahr 1995 eine Marke für Qualität. Großer Spaß, tolle Animationen und vor allem eins: Kreativität. So gut wie kein Mensch der jüngeren Generationen ist noch unberührt oder hat noch nie die kultige Schreibtischlampe „Luxo Jr.“ den Platz des „I“s in „Pixar“ einnehmen sehen. Es ist vor allem Nostalgie, die seit Jahren nun bei Pixar mitschwingt – ob es nun der „Du hast’n Freund in mir“-Song aus Toy Story ist, oder die Quallen-Szene in Findet Nemo. Sogar Pete Docters Oben drückt bei den meisten Leuten neben der Tränendrüse jetzt auch schon auf den Nostalgie-Knopf. Der Punkt ist: Pixar ist etwas Besonderes. Somit ist es kein Wunder, dass sich niemand anderes als das zweitgrößte Animationsstudio Walt Disney, 2006 Pixar aneignete. Ein Qualitätsverlust? Ganz und gar nicht! Denn seit Disneys Übernahme durfte man mit WALL-E, Oben und Toy Story 3 viele fantastische Animationsfilme erleben.

Glaubt man den bisherigen Kritiken, landet Pixar mit ihrem bereits 15. Animationsfilm Alles steht Kopf (OT: Inside Out) nun den nächsten Coup und kreativen Höhepunkt in der 20-Jährigen Studio-Geschichte. Und auch der lang erwartete Arlo & Spot (OT: The Good Dinosaur) kommt nach einigen Produktionsschwierigkeiten auch noch dieses Jahr in die Kinos. Es ist also wieder Pixar angesagt! Das nehmen wir zum Anlass, einen Rückblick der ganz besonderen Art auf die Pixar-Filmografie zu werfen. Viele Fans des Studios haben über die Jahre eine Theorie entwickelt, dass alle Pixar-Filme in einem logisch zusammenhängenden Universum existieren. „Es ist fast schon wie die Verschwörungstheorien zum 11. September[…]“, tat Pixar-Mitarbeiter Jay Ward die Pixar-Theorie ab. Nichtsdestotrotz ist es unglaublich interessant und aufregend, wie man sich über die Jahre in dieses Konzept hineingesteigert hat. Bücher wurden geschrieben, Videos aufgenommen und sogar MTV News beschäftigte sich mit dem Pixar-Universum. Deswegen möchten wir Euch die Pixar-Filme in dieser ganz speziellen Reihenfolge näher bringen. Dazu übernehmen wir die Theorien von pixartheory.com aus dem Englischen, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Einordnung der verschiedenen Filme in die Pixar-Universum-Timeline zu erläutern.

Auch für mich ist dies ein sehr persönlicher Rückblick. Viele Stunden meiner Kindheit habe ich, neben Disneys Das Dschungelbuch und König der Löwen, nämlich mit Toy Story, Das große Krabbeln und Die Monster AG verbracht. Es sind Filme dabei, die mir am Herzen liegen, andere, die ich nie wirklich mochte, und auch Filme, mit denen ich einfach (noch) nicht warm geworden bin. Ich bin gespannt darauf, wie sich Ansichten ändern werden, wie sehr die Nostalgie mit mir durchgehen wird und vor allem wie sich meine Pixar-Rangliste am Ende geändert haben wird. Dabei werde ich meine Kurzkritiken immer direkt nach dem Film verfassen, um Euch einen möglichst frischen Eindruck zu liefern. Ein Vorher-Nacher-Vergleich ist doch auch immer ganz interessant und deswegen gibt es hier meine Rangliste der Pixar-Filme (vorher), bevor wir mit unserem ersten Film starten:

1. Toy Story/ Toy Story 3
3. Die Unglaublichen
4. Die Monster AG
5. Findet Nemo
6. Das große Krabbeln
7. Oben
8. Toy Story 2
9. Wall-E
10. Ratatouille
11. Cars
(Cars 2, Die Monster Uni und Merida noch nicht gesehen)

Merida – Legende der Highlands
10. Jahrhundert

Pixar Theory Merida

„Es beginnt alles mit Merida, die den „will of the wisp“ (Magie) entdeckt. Die Magie verwandelt ihre Mutter in einen Bären. Wegen dieser Magie verhalten sich Tiere und leblose Objekte (Besen & Werkzeuge) wie Menschen. Die Magie wurde von einer Hexe verwendet, die geheimnisvoll durch hölzerne Türen verschwindet.“

Natürlich nicht gerade der älteste Pixar-Film, aber wir gehen ja nach der der Pixar-Theorie. Und im Pixar Cinematic Universe (wenn wir es in Zeiten eines Marvel- und DC-Universums mal so nennen wollen) steht Merida an erster Stelle. Wir befinden uns im Schottland des 10. Jahrhunderts, in dem der Vater von Protagonistin und Titelgeberin Merida die Highlands beherrscht und einen Wettkampf um die Hand ihrer Tochter veranstaltet. Schon hier darf sich die scheinbar unendliche Kreativität des weiterhin grandiosen Animationsstudios Pixar in der Vielfältigkeit ihrer Charaktere niederschlagen: An Braveheart erinnernde Gesichtsfarbe, für Animationsfilme typische Trotteln und massenhaft überzogene Slapstick-Einlagen erwarten den Zuschauer. Disney eignete sich Pixar 2006 als "Tochterstudio" an und Merida ist wohl der Film, bei dem sich dieser Einfluss am stärksten bemerkbar macht. Doch das ist nicht negativ gemeint. Denn natürlich hat auch das Disney Animation Studio seinen eigenen Charme und konnte mit Filmen wie Ralph reicht’s durch einen Reichtum an Kreativität, Vielfalt und Spaß überzeugen.

Meridas Plot ist zwar nicht unbedingt nennenswert tiefgängig – nämlich sogar eher stringent vorangetrieben – doch überragende Animation und vor allem im Detail vielseitig spaßige Nebensächlichkeiten machen Merida zu überdurchschnittlich angenehmer Unterhaltung. Schade möchte ich es nennen, dass Merida in der fantastischen Pixar-Filmografie geradezu untergeht. Aus jeder roten Haarsträhne in und von Merida strömt die Liebe zum Animationsfilm, aus dem Reichtum an Detailverliebtheit sprüht Schottland (das mag sich komisch anhören, ist aber toll!) und auch Merida ist zwischendurch sehr kreativ.

Im Großen und Ganzen ist Merida dazu ein großteilig emanzipatorischer Film. Vor allem in Zeiten der frühen Jahrhunderte litt das Frauenbild oft unter Unterdrückung. Hier thematisiert man dies im Rahmen der Zwangsheirat, gegen die sich Merida erfolgreich auflehnt. Und nein, das ist kein Spoiler, sondern von der ersten Minute an vorhersehbar, wie leider die ganze Handlung des Films. Und auch wenn die Moral der Geschichte am Ende überdeutlich vorgetragen wird, so ist es doch sehr schön, wie meta man dies angeht, wenn die Message in Bezug auf eine im Film erzählte Legende vorgetragen wird, wo doch Merida – Legende der Highlands selbst eine ist.

„Schließlich führte die Magie der „will of the wisp“ zur Entstehung von Superhelden.“

Die Unglaublichen
1950er-1960er

Pixar Theory Die Unglaublichen

„Superhelden haben für Ordnung in der Welt gesorgt. Aber Buddy, ein Möchtegern-Superheld, erschuf zwei Dinge zum Untergang von Menschen mit Superkräften: Selbstdienliche K.I.-Roboter, wie den „Omnidroiden“ und Null-Punkt-Energie (elektromagnetische Energie, die in einem Vakuum existiert).[…]“

Es ist schon etwas ernüchternd, nach dem toll animierten Merida zur 2006er-Animation zurück zu kommen, an der die Zeit doch etwas genagt hat. Denn obwohl man schon hier nahezu jede einzelne Haarsträne abzählen kann, wirkt die Umgebung doch immer recht kühl und kulissenhaft. In ihr spielt sich dafür ein wirklich grandioser Film ab. Regisseur Brad Bird durfte 2011 bekanntermaßen die Mission-Impossible-Reihe wiederbeleben und schaut man sich Die Unglaublichen einmal an, weiß man auch wieso. Es ist nämlich vor allem der Spionagefilm, der hier Hand in Hand mit dem Superhelden-Genre gehen darf. Dabei verschmelzen klassische Superhelden mit 50s-Vibe und geniale Gadgets mit dezent cheesigem, coolem Agenten-Feeling, der ein Mix aus James Bond und Mission: Impossible ist. Höfliche Coolness und spektakuläre Stealth-Einlagen agieren hier auf einem geradezu perfekten Level miteinander.

Doch es steckt noch viel mehr in Die Unglaublichen. Vorrangig ist Brad Birds zweites großes Werk nach Der Gigant aus dem All nämlich ein großartiges Familiendrama, das so, und mit seiner dialektischen Thematisierung, dem Superhelden-Genre neue Facetten abgewinnt. Nach einem Vorfall, bei dem Bob alias Mr. Incredible einem Mann das Leben rettet, der keine Hilfe wollte, werden die Superhelden von der Welt zurückgewiesen. Und so sind es die noch-nicht-Incredibles, die ein "normales" Familienleben führen müssen. Dabei greift man in der ersten Hälfte immer wieder Alltagssituationen auf und bedient sich ganz normaler Familienprobleme. In diesem Kontext und dieser fantastischen Inszenierung macht Die Unglaublichen dadurch mehr als nur Spaß.

Action darf in einem Superheldenfilm natürlich aber auch nicht fehlen und so muss die unglaubliche Familie gegen das Böse antreten. Good vs. Evil ist jedoch zu gewöhnlich für Pixar und so wird sogar die gute alte Schwarz-Weiß-Prämisse clever dekonstruiert. In der Action selbst ist neben Spaß und Spektakel vor allem Kreativität das Stichwort, mit dem man diese Achterbahnfahrt beschreiben möchte. Kreativität ist eben der Kern und das Herz von Pixar, und der Grund warum wir dieses Studio alle so lieben!

 „Schließlich begannen Spielzeuge, Kraft aus Null-Punkt-Energie zu ziehen.[…]“

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In der nächsten Woche erwartet Euch Pixars Debütfilm Toy Story und dessen Sequel Toy Story 2.

Box-Office Deutschland: Fack Ju Göhte 2 bleibt gigantisch

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Box Office Deutschland Fack Ju Göhte 2 zweites Wochenende

Quelle: Insidekino

Fack Ju Göhte 2 sorgte weiterhin für Leben in den deutschen Kinocharts und bekam letztes Wochenende auch Unterstützung von zwei solide gestarteten Newcomern. Mit über 1,9 Millionen Kinogängern von Donnerstag bis Sonntag steigerte sich die Top 10 der deutschen Kinocharts um gewaltige 94% gegenüber dem vergleichbaren Wochenende im letzten Jahr. Gegenüber dem vorherigen Wochenende ging es um 21% hinab, da natürlich auch die Neueinsteiger den Riesenstart des deutschen Sequels nicht ausgleichen konnten.

Nach dem gigantischen Startwochenende von Fack Ju Göhte 2 hofften einige Gegner des Films sicherlich auf einen gigantischen Absturz am zweiten Wochenende, doch es kam ganz anders. Zwar konnte er selbstverständlich nicht, wie sein Vorgänger, in Woche 2 noch zulegen, aber der Verlust von nur 33% gegenüber dem Start ist extrem bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass der Film keinerlei Unterstützung durch Ferien oder Feiertage hatte. Mit etwa 1,416,000 Besuchern am zweiten Wochenende gelang Fack Ju Göhte 2 nicht nur das beste zweite Wochenendergebnis eines deutschen Films (deutlich vor dem bisherigen Spitzenreiter (T)Raumschiff Surprise), sondern auch das achtbeste zweite Wochenende aller Zeiten in Deutschland. Alle sieben Filme, die auf der Liste der besten zweiten Wochenenden noch vor Fack Ju Göhte 2 stehen, haben Der Herr der Ringe, Harry Potter oder Ice Age als Teil ihrer Titel, womit die deutsche Comedy-Fortsetzung sich in wirklich starker Gesellschaft befindet. Hut ab!

Nach 11 Tagen steht der Film bereits bei etwa 4,13 Millionen Zuschauern und belegt damit schon den vierten Platz der Jahres-Charts 2015, vor Jurassic World und knapp hinter Fast & Furious 7. Noch vor dem nächsten Wochenende sollte er auf Rang 2 vordringen. Sein Vorgänger hat im gleichen Zeitraum nur etwa halb so viele Zuschauer gehabt. Natürlich wird Fack Ju Göhte 2 nicht so viel Ausdauer haben, wie Teil 2, was einfach in der Natur von Sequels liegt, doch der Vorsprung ist bereits so groß, dass er gute Chancen hat, die Gesamtbesucherzahl des ersten Films (7,38 Millionen) zu toppen. Er hat jetzt schon mehr als 55% von dessen finalem Ergebnis erreicht. (T)Raumschiff Surprise: Periode I ist der einzige deutsche Film, der im gleichen Zeitraum noch mehr Besucher verbuchen konnte (4,62 Millionen). Allerdings profitierte Bullys Film auch stark von den Sommerferien, während Fack Ju Göhte 2 die Herbstferien noch vor sich hat, was dem Film einen späteren Push verschaffen sollte. Es gilt zu betonen, dass kein Film, der eins der zehn besten zweiten Wochenenden aller Zeiten in Deutschland schaffen konnte, die 8-Millionen-Besuchermarke verfehlte. Sogar der schwächste davon (Ice Age 3) erreichte am Ende 8,7 Millionen und so nimmt auch Fack Ju Göhte 2 Kurs auf mindestens 8 Millionen Zuschauer. Es ist noch zu früh, um genau einzugrenzen, wo er denn letztendlich landen wird, doch die große Frage ist, ob er die 9,166,000 Besucher von (T)Raumschiff Surprise toppen und zum zweiterfolgreichsten deutschen Film seit 1968 aufsteigen kann. Sollte er das schaffen, wäre er auch einer der 20 erfolgreichsten Filme überhaupt in Deutschland seit 1968 und der besucherstärkste Film seit Avatar vor sechs Jahren.

Natürlich liefen alle anderen Filme in den deutschen Kinos im Schatten der Lehrerkomödie, doch dem 3D-Katastrophendrama Everest gelang dennoch ein respektabler Start auf Rang 2 mit 199,000 Besuchern von 475 Kinos und einem Schnitt von 420 Zuschauern pro Location. Einschließlich Previews hat der starbesetzte Film bis Sonntag 234,000 Besucher erreicht. Natürlich wird der Film nicht an die Zahlen von Vertical Limit (1,3 Millionen Besucher) aus dem Jahr 2001 herankommen, aber das war auch eine andere Box-Office-Ära. Everest sollte gute Mundpropaganda haben und könnte am Ende bis zu 750,000 Besucher erreichen.

Platz 3 belegte das Horror-Sequel Sinister 2 mit 91,000 Besuchern (inkl. Sneaks und Previews) von243 Kinos. Am regulären Wochenende waren es immerhin 74,000 Zuschauer, womit er einen ordentlichen Schnitt von 306 Besuchern pro Kino hatte. Der Start sieht vielleicht nicht nach viel aus, doch für einen Horrorfilm in Deutschland ist er nicht schlecht und dazu noch deutlich besser als der wesentlich kleiner gestartete Vorgänger, der mit 27,000 Zuschauern von etwa 94 Kinos aus den Startlöchern kam. Der erste Film hielt sich sehr gut und erreichte am Ende knapp 125,000 Zuschauer. Das wird Sinister 2 bereits kommendes Wochenende überholen. Horror-Konkurrenz von The Visit und Crimson Peak wird ihm in den kommenden Wochen allerdings die Zuschauer rauben, sodass Sinister 2 nicht mehr als 250,000 Besucher am Ende haben sollte.

Platz 4 der Wochenend-Charts ging an das Animations-Spin-Off Minions, das einfach nicht verschwinden will. In seiner 12. Woche fiel er um 2% auf 64,000 Zuschauer und steht nun bei 6,675,000 Besuchern. Weniger als €100,000 trennen den Film übrigens davon, zum umsatzstärksten Animationsfilm aller Zeiten in Deutschland zu werden. Nach Besuchern winkt ihm immerhin Platz 5 unter computeranimierten Filmen. Angesichts des enormen Durchhaltevermögens fange ich langsam an zu glauben, dass Minions auf lange Sicht sogar 7 Millionen Besucher in Deutschland erreichen könnte, wenn Alles steht Kopf und Hotel Transsilvanien 2 ihn nicht komplett vernichten.

Gut ging es am Wochenende auch dem deutschen Animationsfilm Der kleine Rabe Socke 2 – Das große Rennen, der um 7% zulegte und mit 31,000 Zuschauern die Top 5 abrundete. Insgesamt steht er jetzt bei 259,000 Besuchern. Mit den Herbstferien im Rücken sollte er sogar 400,000 erreichen und damit gar nicht weit hinter dem ersten Film landen.

Straight Outta Compton verließ an seinem vierten Wochenende mit etwa 29,000 Besuchern (-43%) die Top 5, knackte aber bereits eine halbe Million Zuschauer, was für einen überlangen Hip-Hop-Film in Deutschland wirklich ansehnlich ist. Am Ende winken ihm etwa 600,000 Zuschauer.

Wolfgang Beckers Ich und Kaminski, der erste Film des Regisseurs seit seinem Überflieger Good Bye, Lenin!, eroberte auf Anhieb den ersten Platz der deutschen Arthouse-Charts und stieg mit 28,000 Besuchern von 106 Kinos auf Platz 7 in die regulären Charts ein. Bis Sonntag waren es dank Sneaks und Previews insgesamt 34,000 Zuschauer. Hier ist Langlebigkeit in den Programmkinos zu erwarten und eine Gesamtbesucherzahl von 200,000 oder mehr.

Der Babadook (2014) BluRay-Kritik

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Der Babadook (2014) BluRay-Kritik

The Babadook, AU/CA 2014 • 93 Min • Regie & Drehbuch: Jennifer Kent • Mit: Essie Davis, Noah Wiseman, Daniel Henshall, Hayley McElhinney, Cathy Adamek, Craig Behenna • Kamera: Radek Ladczuk • Musik: Jed Kurzel • FSK: ab 16 Jahren • Verleih: Capelight Pictures • Kinostart: 7.05.2015 • Heimkinostart: 18.09.2015 • Deutsche Website

 

Der Babadook (2014) Filmbild 1Wenn der Genreschriftsteller Stephen King einen Film als „äußerst verstörend und empfehlenswert“ bezeichnet und William Friedkin, Regisseur des legendären „Der Exorzist“, sogar einen drauflegt und angibt, „noch nie einen derart furchteinflössenden Film gesehen zu haben“, wird man auf jeden Fall neugierig. Abgesehen von diesen zwei Ikonen ist sich nach Aufführungen auf diversen Festivals auch die weltweite Geschmackspolizei darin einig, dass Jennifer Kents „Der Babadook“ ein modernes Highlight des ansonsten eher verpönten Horrorkinos darstellt. Auch wenn das Gruseldrama inszenatorisch ganz klare Stärken besitzt, kann ich nicht in den massivst positiven Tenor einstimmen. Denn die Schwächen des Werkes sind leider ebenso offensichtlich, finden aber in Anbetracht des durchaus ernsthaften Subtextes selten Erwähnung. „Der Babadook“ basiert übrigens auf dem Kurzfilm „Monster“, den die Regisseurin 2005 in schwarz-weiß abgedreht hat. Im Prinzip nehmen die wenigen Minuten in „Monster“ schon vorweg, was „Der Babadook“ letztlich auf volle Spielzeit ausweitet – und lang ist nicht zwingend besser. In beiden Filmen geht es um eine alleinstehende und überforderte Mutter, deren schwer erziehbares Kind ein Ungeheuer sieht. Während „Monster“ den Zuschauern ein Horrorszenario anbietet, das am Ende zur Interpretation einlädt, feuert einem „Der Babadook“ seinen bitteren Kern mit viel Tamtam und ohne Umwege frontal an den Kopf.

Der Babadook (2014) Filmbild 2Auf dem Weg zur Geburt ihres Kindes geraten Amelia (Essie Davis) und ihr Mann Oskar in einen schrecklichen Unfall, der dem werdenden Vater das Leben kostet. Amelia kann ihren Sohn Samuel (Noah Wiseman) zwar zur Welt bringen, doch fällt ihr die Liebe zu dem hyperaktiven Kind nicht leicht, überspannt dieses bei der gestressten Altenpflegerin den letzten Nerv und erinnert dessen Geburtstag auch zeitgleich immer an den brutalen Tod ihres Mannes. Auch in der Schule und dem näheren Umfeld fällt der vorlaute und anstrengende Junge so negativ auf, dass dringend psychiatrische Hilfe angeraten wird. „Mein Sohn fühlt sich schon so genug isoliert,“ wirft Amelia harsch ein und nimmt die Betreuung allein auf ihre gepeinigten Schultern. Als sie Samuel abends aus einem mysteriösen Buch die beunruhigende Geschichte des Mister Babadook vorliest, entwickelt diese sofort eine Eigendynamik und das Kind verfällt in einen hysterischen Zustand: Das Monster soll plötzlich an jeder Ecke lauern und möchte angeblich nur zu gern in die Haut der Mutter schlüpfen. Es dauert nicht lange, bis der Schwarze Mann schließlich aus Amelias Mund spricht …

Der Babadook (2014) Filmbild 3Ich mag Genrekost, die das Grauen aus Fabeln oder Mythen erwachsen lässt. Außerdem mag ich solche Werke, die den Horror als Ausdrucksform eines intimen Dramas nutzen. Obwohl „Der Babadook“ beides vereint, hat mich das Werk letztlich nicht voll überzeugen können. Oberflächlich dreht die Australierin Kent hier die Ausgangssituation von „Der Exorzist“ um und fügt dem Ganzen noch etwas Wahnsinn aus Stanley Kubricks „Shining“ hinzu. Das würde zu einem soliden Schocker reichen, und in der Tat ist die Umsetzung straff, wobei vor allem die triste Farbpalette und der spukhafte Soundtrack eine schaurige Atmosphäre erzeugen. Problematisch sind jedoch die eingeführten Charaktere, denn je penetranter die Drehbuchautorin und Regisseurin einem ihr Bild einer überlasteten Mutter in den Kopf hämmern möchte, je mehr verliert man das Interesse an der grobgeschnitzten Figur. Das liegt allerdings nicht an der Schauspielerin Essie Davis, die tatsächlich maximale Leistung in ihre Rolle steckt. Noch schlimmer steht es leider um den Filmsohn Samuel, der als Problemkind schon zu Beginn sämtliche Sympathiepunkte verspielt und anscheinend nicht mehr als schreien und dumme Dinge anstellen kann. Bestimmt existieren in der Realität ähnlich extreme Fälle, nur macht es bei einem Film, der eine Geschichte erzählen und die Zuschauer involvieren soll, durchaus Sinn, einen emotionalen Zugang zu den Figuren zu schaffen, bevor der Schrecken Einzug erhält.

Der Babadook (2014) Filmbild 4Worauf das alles hinausläuft, das sollte eigentlich jedem klar sein, der mit Amelia und Samuel das innovativ gestaltete Kinderbuch studiert hat. Solange man auf der Genreebene bleibt, spielt es freilich keine Rolle, ob die finstere Titelfigur real oder ein schizophrenes Hirngespinst ist, und man kann sich auf einen nicht sonderlich originellen aber effektiven Trip einlassen. Leider verweigert sich der Film aber als reines Unterhaltungsprodukt und zwingt das Publikum ärgerlicherweise dazu, am Ende eine platte und reichlich vereinfachte Lösung für ein komplexes Problem zu schlucken: Mütter, die ihre eigenen Kinder bestialisch ermorden, sind leider immer wieder als sehr trauriges Phänomen zu beobachten. Welche Mechanismen und Hintergründe auch immer hinter den Taten stecken – einen simplen Buhmann dafür zu erzeugen, den man bei Bedarf wegsperren und mit Futter erfolgreich ruhigstellen kann, trägt ganz sicher nicht als schlauer Ansatz zu dem Thema bei. Ohnehin ist „Der Babadook“ nicht wirklich die clevere Allegorie, die er vorgibt zu sein. In Anbetracht der dichten Stimmung und einem Gespür für Terror und Bedrohung kann man hier dennoch eine milde Empfehlung aussprechen. Ein Meisterwerk liegt jedoch ganz sicher nicht vor und William Friedkin sollte sich besser nochmal seinen „Der Exorzist“ anschauen, wenn er nach einem wahrhaft furchteinflössenden – und überaus vielschichtigen – Film sucht.


Information zur Heimkinoveröffentlichung

Ab dem 18. September 2015 ist Der Babadook im Verleih von Capelight Pictures in deutscher und englischer Sprachfassung (mit wahlweise deutschen Untertiteln) auf DVD, Blu-Ray und als aufwändiges Mediabook erhältlich.

Neben dem Hauptfilm liegen der DVD- und BluRay-Veröffentlichung folgende Extras vor:

BabadookMediabook• Interviews mit Jennifer Kent und Essie Davis
• Featurettes: Die Geheimnisse des Babadook, Die Albträume des Babadook, Die Entstehung des Buches, Das Set-Design
• Kinotrailer
• Kurzfilm Monster

 

(Mediabook-Cover © Capelight Pictures)


Trailer


Everest (2015)

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Everest (2015) Filmkritik

Everest, GB/US 2015 • 122 Min. • Regie: Baltasar Kormákur • Mit: Jason Clarke, Josh Brolin, John Hawkes, Jake Gyllenhaal, Sam Worthington, Keira Knightley, Robin Wright, Emily Watson • FSK ab 12 Jahren • Kinostart: 17.09.2015 • Deutsche Website

Everest (2015) Filmbild 1Mit 8848 Metern liegt die Spitze des Mount Everest gleich auf mit der Flughöhe einer Boeing 747. Die Luft ist dünn, der Wind ist kalt – der Everest ist der Star unter den Bergen. Passend dazu schickt Regisseur Baltasar Kormákur (2 Guns) ein wahres Star-Ensemble auf die gefährliche Reise zur Spitze des höchsten Berges der Welt. Jason Clarke (Zero Dark Thirty) darf als Bergsteiger Rob Hall eine Gruppe leiten, die unter anderem Josh Brolin (Inherent Vice) und John Hawkes (American Gangster) umfasst. Mit von der Partie: Jake Gyllenhaal (Nightcrawler), der eine andere Bergsteigergruppe unter seinen Fittichen hat und auch Sam Worthington (Avatar) taucht immer mal wieder im Geschehen auf. Besetzt ist Everest bis in die Nebenrollen fantastisch. Und obwohl der Großteil zwangsläufig wenig zu tun bekommt, fühlt sich das Schauspieleraufgebot nie wirklich verschwendet an. Das liegt daran, dass fast jeder seinen kleinen Moment zugesprochen bekommt. Im Aufbau der Figuren geht man dann zwar doch wieder etwas verschwenderisch mit dem riesigen Cast um, aber zumindest Clarke, Brolin und Hawkes bekommen Zeit, um ihre Charakterambitionen genügend auszuspielen.

Everest (2015) Filmbild 2Wider Erwarten ist Everest größtenteils nicht als großes Spektakel inszeniert, sondern zeigt sich als bodenständiges Drama über die Träume und Problemflüchte der Hauptfiguren. Die Motivationen der Charaktere sind nichts Neues oder Weltbewegendes und vor allem der Klimax um Jason Clarkes Geschichte wird zum Ende relativ klischeehaft inszeniert (daheim wartet seine von Keira Knightley gespielte schwangere Frau auf ihn), aufgrund der wahren Geschichte, auf der Everest basiert, vermag man das aber nicht wirklich als Negativpunkt anzukreiden. Ganz ohne Kitsch geht es letztendlich aber doch nicht.

Everest (2015) Filmbild 3Nebendran thematisiert Kormákur auch die mystische Seite des Mount Everest. Beim Einführen des Berges als "Antagonist" des Films wird jedoch ziemlich dick aufgetragen und richtig bedrohlich wirkt die eisige Landschaft auch nie. Dafür sieht sie schön aus und das CGI fügt sich organisch in die realen Bilder ein. Generell ist Everest aber alles andere als ein Werbefilm für eine Bergsteigerreise, sondern konzentriert sich vor allem auf die gefährlichen Aspekte des Traumes vieler Herausforderungslustiger. So wird am Anfang mit Statistiken über die Todesopfer der Ton des Films klargemacht und auch vor abgefrorenen Gliedmaßen nicht zurückgeschreckt.

Unterhalten will man natürlich trotzdem – nicht umsonst wird der Film in Amerika auch als Everest 3D angepriesen. Im Finale dürfen dann auch noch mal ordentlich die Lautsprecherboxen wummern und dunkle Wolken aufziehen. Trotzdem fällt das langgezogene Ende doch recht unspektakulär und spannungsarm aus. Ein, zwei große Momente sind auf der großen Leinwand aber dennoch ziemlich beeindruckend.

Fazit

Everest weiß sein Staraufgebot gut einzusetzen und überzeugt tatsächlich mehr in seinen ruhigen Momenten, als mit spektakulären Bildern oder Actionszenen. Ein gewisser visueller Wow-Faktor ist dem Film trotzdem nicht abzusprechen. Das zigmalige Schwenken zur Spitze des Mount Everest verliert jedoch relativ schnell seinen Reiz und wirkt nie wirklich bedrohlich. Auch das 3D hätte nicht sein müssen.

Trailer

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