Der Babadook (2014) BluRay-Kritik

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Der Babadook (2014) BluRay-Kritik
ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Gesamt

The Babadook, AU/CA 2014 • 93 Min • Regie & Drehbuch: Jennifer Kent • Mit: Essie Davis, Noah Wiseman, Daniel Henshall, Hayley McElhinney, Cathy Adamek, Craig Behenna • Kamera: Radek Ladczuk • Musik: Jed Kurzel • FSK: ab 16 Jahren • Verleih: Capelight Pictures • Kinostart: 7.05.2015 • Heimkinostart: 18.09.2015 • Deutsche Website

 

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Der Babadook (2014) Filmbild 1Wenn der Genreschriftsteller Stephen King einen Film als „äußerst verstörend und empfehlenswert“ bezeichnet und William Friedkin, Regisseur des legendären „Der Exorzist“, sogar einen drauflegt und angibt, „noch nie einen derart furchteinflössenden Film gesehen zu haben“, wird man auf jeden Fall neugierig. Abgesehen von diesen zwei Ikonen ist sich nach Aufführungen auf diversen Festivals auch die weltweite Geschmackspolizei darin einig, dass Jennifer Kents „Der Babadook“ ein modernes Highlight des ansonsten eher verpönten Horrorkinos darstellt. Auch wenn das Gruseldrama inszenatorisch ganz klare Stärken besitzt, kann ich nicht in den massivst positiven Tenor einstimmen. Denn die Schwächen des Werkes sind leider ebenso offensichtlich, finden aber in Anbetracht des durchaus ernsthaften Subtextes selten Erwähnung. „Der Babadook“ basiert übrigens auf dem Kurzfilm „Monster“, den die Regisseurin 2005 in schwarz-weiß abgedreht hat. Im Prinzip nehmen die wenigen Minuten in „Monster“ schon vorweg, was „Der Babadook“ letztlich auf volle Spielzeit ausweitet – und lang ist nicht zwingend besser. In beiden Filmen geht es um eine alleinstehende und überforderte Mutter, deren schwer erziehbares Kind ein Ungeheuer sieht. Während „Monster“ den Zuschauern ein Horrorszenario anbietet, das am Ende zur Interpretation einlädt, feuert einem „Der Babadook“ seinen bitteren Kern mit viel Tamtam und ohne Umwege frontal an den Kopf.

Der Babadook (2014) Filmbild 2Auf dem Weg zur Geburt ihres Kindes geraten Amelia (Essie Davis) und ihr Mann Oskar in einen schrecklichen Unfall, der dem werdenden Vater das Leben kostet. Amelia kann ihren Sohn Samuel (Noah Wiseman) zwar zur Welt bringen, doch fällt ihr die Liebe zu dem hyperaktiven Kind nicht leicht, überspannt dieses bei der gestressten Altenpflegerin den letzten Nerv und erinnert dessen Geburtstag auch zeitgleich immer an den brutalen Tod ihres Mannes. Auch in der Schule und dem näheren Umfeld fällt der vorlaute und anstrengende Junge so negativ auf, dass dringend psychiatrische Hilfe angeraten wird. „Mein Sohn fühlt sich schon so genug isoliert,“ wirft Amelia harsch ein und nimmt die Betreuung allein auf ihre gepeinigten Schultern. Als sie Samuel abends aus einem mysteriösen Buch die beunruhigende Geschichte des Mister Babadook vorliest, entwickelt diese sofort eine Eigendynamik und das Kind verfällt in einen hysterischen Zustand: Das Monster soll plötzlich an jeder Ecke lauern und möchte angeblich nur zu gern in die Haut der Mutter schlüpfen. Es dauert nicht lange, bis der Schwarze Mann schließlich aus Amelias Mund spricht …

Der Babadook (2014) Filmbild 3Ich mag Genrekost, die das Grauen aus Fabeln oder Mythen erwachsen lässt. Außerdem mag ich solche Werke, die den Horror als Ausdrucksform eines intimen Dramas nutzen. Obwohl „Der Babadook“ beides vereint, hat mich das Werk letztlich nicht voll überzeugen können. Oberflächlich dreht die Australierin Kent hier die Ausgangssituation von „Der Exorzist“ um und fügt dem Ganzen noch etwas Wahnsinn aus Stanley Kubricks „Shining“ hinzu. Das würde zu einem soliden Schocker reichen, und in der Tat ist die Umsetzung straff, wobei vor allem die triste Farbpalette und der spukhafte Soundtrack eine schaurige Atmosphäre erzeugen. Problematisch sind jedoch die eingeführten Charaktere, denn je penetranter die Drehbuchautorin und Regisseurin einem ihr Bild einer überlasteten Mutter in den Kopf hämmern möchte, je mehr verliert man das Interesse an der grobgeschnitzten Figur. Das liegt allerdings nicht an der Schauspielerin Essie Davis, die tatsächlich maximale Leistung in ihre Rolle steckt. Noch schlimmer steht es leider um den Filmsohn Samuel, der als Problemkind schon zu Beginn sämtliche Sympathiepunkte verspielt und anscheinend nicht mehr als schreien und dumme Dinge anstellen kann. Bestimmt existieren in der Realität ähnlich extreme Fälle, nur macht es bei einem Film, der eine Geschichte erzählen und die Zuschauer involvieren soll, durchaus Sinn, einen emotionalen Zugang zu den Figuren zu schaffen, bevor der Schrecken Einzug erhält.

Der Babadook (2014) Filmbild 4Worauf das alles hinausläuft, das sollte eigentlich jedem klar sein, der mit Amelia und Samuel das innovativ gestaltete Kinderbuch studiert hat. Solange man auf der Genreebene bleibt, spielt es freilich keine Rolle, ob die finstere Titelfigur real oder ein schizophrenes Hirngespinst ist, und man kann sich auf einen nicht sonderlich originellen aber effektiven Trip einlassen. Leider verweigert sich der Film aber als reines Unterhaltungsprodukt und zwingt das Publikum ärgerlicherweise dazu, am Ende eine platte und reichlich vereinfachte Lösung für ein komplexes Problem zu schlucken: Mütter, die ihre eigenen Kinder bestialisch ermorden, sind leider immer wieder als sehr trauriges Phänomen zu beobachten. Welche Mechanismen und Hintergründe auch immer hinter den Taten stecken – einen simplen Buhmann dafür zu erzeugen, den man bei Bedarf wegsperren und mit Futter erfolgreich ruhigstellen kann, trägt ganz sicher nicht als schlauer Ansatz zu dem Thema bei. Ohnehin ist „Der Babadook“ nicht wirklich die clevere Allegorie, die er vorgibt zu sein. In Anbetracht der dichten Stimmung und einem Gespür für Terror und Bedrohung kann man hier dennoch eine milde Empfehlung aussprechen. Ein Meisterwerk liegt jedoch ganz sicher nicht vor und William Friedkin sollte sich besser nochmal seinen „Der Exorzist“ anschauen, wenn er nach einem wahrhaft furchteinflössenden – und überaus vielschichtigen – Film sucht.


Information zur Heimkinoveröffentlichung

Ab dem 18. September 2015 ist Der Babadook im Verleih von Capelight Pictures in deutscher und englischer Sprachfassung (mit wahlweise deutschen Untertiteln) auf DVD, Blu-Ray und als aufwändiges Mediabook erhältlich.

Neben dem Hauptfilm liegen der DVD- und BluRay-Veröffentlichung folgende Extras vor:

BabadookMediabook• Interviews mit Jennifer Kent und Essie Davis
• Featurettes: Die Geheimnisse des Babadook, Die Albträume des Babadook, Die Entstehung des Buches, Das Set-Design
• Kinotrailer
• Kurzfilm Monster

 

(Mediabook-Cover © Capelight Pictures)


Trailer