Once Upon a Time in Hollywood China

Mike Moh in Once Upon a Time in Hollywood © 2019 Sony Pictures

Quelle: The Hollywood Reporter

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Quentin Tarantinos geschichtsrevisionistisches Ensemble-Epos Once Upon a Time in Hollywood ist ein Rundherum-Erfolg. Der Film erhielt zum Teil die besten Rezensionen des Kultregisseurs seit Pulp Fiction, gilt bereits als einer der größten Oscar-Anwärter der kommenden Saison und spielte weltweit an den Kinokassen ordentliche $367 Mio ein. Lediglich Tarantinos Django Unchained war kommerziell noch erfolgreicher.

Das i-Tüpfelchen hätte die Veröffentlichung des Films in China aufsetzen können, die ihn möglicherweise jenseits der $400-Mio-Marke gebracht hätte. Da der Streifen vom chinesischen Unternehmen Bona Film Group mitfinanziert wurde, bestanden eigentlich kaum Zweifel an dem Start des Films im zweitwichtigsten Filmmarkt der Film. Der offizielle Kinostart wurde von der chinesischen Filmbehörde für den 25. Oktober bewilligt.

Doch nun scheinen diese Pläne durchzufallen. Ohne Angaben von Gründen wurde Once Upon a Time in Hollywood sehr kurzfristig vom chinesischen Startplan genommen. Über die Ursache kann man nur spekulieren und die naheliegendste Erklärung ist die kontroverse Darstellung von Bruce Lee in dem Film. Lees Tochter Shannon Lee soll sich direkt an Chinas National Film Administration gewandt und gebeten haben, dass die Behörde Änderungen der besagten Szene zwischen Mike Moh als Lee und Brad Pitt als Cliff Booth erwirkt. Mehr zur Kontroverse und Tarantinos Reaktion darauf könnt Ihr hier nachlesen.

Wer jedoch glaubt, dass man Tarantino dazu zwingen kann, seine Vision zu ändern, irrt sich gewaltig. Laut The Hollywood Reporter hat der Regisseur nicht vor, jegliche Änderungen an seinem Film vorzunehmen, um chinesische Zensoren zu beschwichtigen. Es gilt das Motto: "Nehmt es oder lasst es sein!"

In einer Zeit, in der die NBA und halb Hollywood vor China einknicken, finde ich Tarantinos Position sehr löblich, besonders da sie vermutlich finanzielle Einbußen für den Film bedeutet.

Es ist nicht das erste Mal, dass Tarantinos Filme Schwierigkeiten in China haben. Django Unchained war der erste Tarantino-Film, dessen Veröffentlichung in China grünes Licht erhielt. Damals hat Tarantino selbst Schere angelegt und eine gewaltärmere Version des Films angefertigt. Doch das reichte nicht aus. Wenige Stunden (!) nach dem chinesischen Kinostart wurde der Film plötzlich aus dem Verkehr gezogen. Chinesische Zensoren haben ohne Absprache mit Tarantino den Film noch mehr entschärft und dann in dieser "kastrierten" Fassung zurück auf die Leinwände gebracht. Tarantinos nächster Film, The Hateful 8, ist in China gar nicht erst angelaufen und der Filmemacher hat öffentlich die Piraterie seiner Filme in China befürwortet, wenn das der einzige Weg sei, wie die Filmfans dort seine Filme so zu sehen bekommen, wie er sie intendiert hat. Diesen Weg werden Tarantino-Fans aus China wohl auch bei Once Upon a Time in Hollywood gehen müssen.