Lee Cronin’s The Mummy: FSK-Freigabe nach Widerspruch heruntergestuft

Nicht nur die Wege des Herrn sind unergründlich, sondern manchmal auch die der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft. Die Altersfreigaben der FSK unterliegen dem Wandel der Zeiten und spiegeln die jeweiligen gesellschaftlichen Normen wider. Was einst ab 18 Jahren freigegeben war oder gar auf den Index gesetzt wurde, kann einige Jahrzehnte später nach einer Neuprüfung plötzlich ab 16 oder gar ab 12 Jahren freigegeben sein. Manche Entscheidungen der FSK sorgen aber auch im Kontext ihrer Zeit für Stirnrunzeln. So kann man sich schwer erklären, wie der unheimliche Animationsfilm Coraline bereits für Sechsjährige geeignet sein soll oder der Horrorfilm It Follows ab 12 Jahren freigegeben ist und damit theoretisch schon mit Sechsjährigen unter Aufsicht geschaut werden darf. Weshalb John Woos Kriegsfilm Windtalkers hierzulande keine Jugendfreigabe erhielt, während Steven Spielbergs Der Soldat James Ryan und Mel Gibsons Hacksaw Ridge – Die Entscheidung ab 16 Jahren freigegeben sind, kann man auch schwer nachvollziehen.

Als Lee Cronin’s The Mummy letzte Woche mit einer FSK 18 in die Kinos kam, hat die Freigabe eigentlich kaum jemanden gewundert. Schließlich enthält der Mumienhorror des Evil-Dead-Rise-Regisseurs einige deftige Splatter- und Ekelszenen und könnte mit wenigen Änderungen glatt ein Beitrag zum Deadite-Franchise von Sam Raimi sein. Schon eher hat der nur noch selten vergebene Zusatz "nicht feiertagsfrei" überrascht, der bedeutet, dass der Film nicht an stillen Feiertagen wie Allerheiligen oder Karfreitag in den Kinos aufgeführt werden darf. Wegen des Starttermins kurz nach Ostern hätte der Zusatz jedoch keine realen Auswirkungen auf die Auswertung des Films gehabt.

Doch die eigentliche Überraschung kam eine Woche später, als The Mummy in der zweiten Spielwoche in der FSK-Datenbank plötzlich mit einer Freigabe ab 16 Jahren gelistet war. Das Online-Portal Schnittberichte ging der Sache auf den Grund und fand heraus, dass Warner Bros. gegen die ursprüngliche Freigabe erfolgreich Widerspruch eingelegt hatte. Nicht nur wurde der Film nach einer Neuprüfung ab 16 Jahren freigegeben, er wurde auch für feiertagsfrei erklärt. Besonders absurd erscheint die neue Freigabe im direkten Vergleich zum deutlich harmloseren humorvollen Neo-Western Normal mit Bob Odenkirk, der zeitgleich mit The Mummy gestartet ist und weiterhin ab 18 Jahren freigegeben ist.

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Dass die FSK-Freigabe eines Films kurz nach Kinostart geändert wird, ist selten, aber nicht präzedenzlos und kam gerade vor 20 bis 30 Jahren häufiger vor. So wurde beispielsweise American Pie nach der ersten Spielwoche von FSK 16 auf FSK 12 heruntergestuft, während American Beauty und Sleepy Hollow ursprünglich ab 12 Jahren freigegeben waren, nach zahlreichen Beschwerden jedoch auf FSK 16 heraufgestuft wurden.

Ein wenig erstaunlich ist es, dass Warner Bros. überhaupt eine niedrigere Altersfreigabe für The Mummy anstrebte. Zwar wollen Verleihe für ihre großen Mainstream-Filme natürlich eine möglichst niedrige Freigabe, um ein breites Publikum zu erreichen, gerade im Horrorgenre ist das rote FSK-18-Siegel jedoch ein zentrales Verkaufsargument für das Zielpublikum der Filme. Wie sehr Warner von der niedrigeren Freigabe also profitieren wird, sei dahingestellt.

Quellen: FSK, Schnittberichte

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