Lee Cronin’s The Mummy (2026) Kritik

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Lee Cronin’s The Mummy, IRL/USA 2026 • 134 Min • Regie & Drehbuch: Lee Cronin • Mit: Jack Reynor, Laia Costa, May Calamawy, Natalie Grace, Verónica Falcón, Shylo Molina, Billie Roy • Kamera: Dave Garbett • Musik: Stephen McKeon • FSK: ab 18 Jahren • Verleih: Warner Bros. • Kinostart: 16.04.2026 • Deutsche Website

Wer sich mit Vorfreude auf einen monochromen Retro-Grusel, ein leichtfüßiges Brendan-Fraser-Abenteuer oder ein effektlastiges Tom-Cruise-Spektakel in „Lee Cronin’s The Mummy“ begeben hat, dürfte schnell ein böses Erwachen erleben. Mit seinem Nachfolger auf den atmosphärischen Schocker „The Hole in the Ground“ und den Kassenhit „Evil Dead Rise“ serviert der irische Regisseur und Drehbuchautor Cronin abermals einen ghulischen, in morbiden Humor getränkten und teils drastisch blutigen Leinwand-Albtraum, der die klassische Horrorkreatur von ihrer bislang finstersten Seite zeigt. Nach Leigh Whannells Neuinterpretationen von „Der Unsichtbare“ und „Wolf Man“ ist dies außerdem der dritte Anlauf der Genre-Schmiede Blumhouse – diesmal in Kooperation mit James Wans Atomic Monster -, ein angestaubtes Thema frisch für ein neues Publikum aufzubereiten.

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Nach einem ominösen Einstieg, der einen Vorgeschmack auf den folgenden Terror bietet, lernen wir die junge Familie Cannon kennen, die sich aus beruflichen Gründen in Kairo aufhält. Papa Charlie (Jack Reynor) ist dort als Journalist tätig, während seine Frau Larissa (Laia Costa) als Krankenpflegerin arbeitet. Sie und ihre beiden Kinder Katie (Emily Mitchell) und Sebastián (Shylo Molina) wollten bald in die US-Heimat zurückkehren, doch Katie wird auf mysteriöse Weise entführt und kann auch von der örtlichen Polizei nicht ausfindig gemacht werden. Am Boden zerstört fliegen die drei verbleibenen Cannons schließlich nach Albuquerque zurück und erst acht Jahre und eine weitere Tochter später sollen sie erneut von der damaligen Ermittlerin Zaki (May Calamawy) hören: Nach einem Flugzeugabsturz wurde ein Sarkophag geborgen, in dem sich Katie (Natalie Grace) befand. Trotz verwahrlostem Zustand lebt das Mädchen und die Familie holt es zurück nach Hause. Anstelle einer glücklichen Wiedervereinigung soll dort allerdings der blanke Horror beginnen, denn irgendetwas stimmt so gar nicht mit Katie …

Nicht weit entfernt von seinem eigenen Splatterfest „Evil Dead Rise“ und dem letztjährigen Aussie-Grauen „Bring Her Back“ platziert Lee Cronin sein Unheil inmitten einer gebeutelten Familie, die an dem Wechselbad aus Trauer, Hoffnung und letztlich Entsetzen zu zerbrechen droht. Inhaltlich mag sein Ansatz keine unentdeckten Pfade beschreiten, doch erzählerisch weiss der Regisseur sein morbides Schaudermärchen durchgehend packend aufzubereiten. „The Mummy“ fällt erfrischenderweise zu keiner Sekunde als prätentiöser „Elevated Horror“ auf, sondern dürfte Kenner sogar teils an deftige Exploitationkost wie etwa Lucio Fulcis „Manhattan Baby“ erinnern. Das Werk zielt mit seinen extremen Gewaltspitzen sicher eher auf robuste Genre-Fans ab, dürfte mit seiner schrittweisen Aufklärung rund um Katies Verschwinden aber auch goreresistente Freunde okkulter Thriller ansprechen.

Der Beginn in Ägypten, der einer glücklichen Familie mit zwei lebhaften Kindern ein schweres Trauma zufügen soll, kriecht unmittelbar unter die Haut, nicht zuletzt da er starke Assoziationen mit dem realen Fall um die kleine Madeleine McCann aus dem Jahr 2007 erzeugt. Das Wer bekommen wir dabei direkt angeboten, weshalb sich das Geheimnis im Film um das Warum dreht. Parallel mit den zunehmend beunruhigenden Erlebnissen der Cannons, geht auch die hartnäckige Detektivin Zaki in Kairo neuen Hinweisen nach. Mit 134 Minuten ist „The Mummy“ ein für das Genre sicher ungewöhnlich langes Werk, das sich aber dank diesem Luxus nicht überhastet oder zerfahren anfühlt. Lee Cronin nimmt sich die Zeit, den Schrecken sorgfältig aufzubauen, böse Überraschungen geschickt zu timen und seine Horror-Piñata in einem wilden Klimax letztlich genüßlich in Fetzen zu reißen.

Insgesamt ist „The Mummy“ sicher eher düsterer Stoff, der unter seiner Grusel-Fratze auch schwerverdauliche Themen anschneidet. Sehr willkommen sind deshalb die Boli von Cronins galligem Humor. So sorgen etwa Oma Carmens (Verónica Falcón) Zahnprothesen mehr als einmal für böse Erheiterung. Neben einer ziemlich fiesen Szene mit einem invasiven Skorpion und Fußmomenten, die Quentin Tarantino schlaflose Nächte bereiten könnten, ragt ein mit Zähnen erzeugter Morsecode außerdem als ein beklemmendes Highlight heraus. Die Geheimwaffe des Schockers hört aber definitiv auf den Namen Natalie Grace: Die Newcomerin spielt mit ihrer intensiven Darstellung der creepigen Katie ihre renommierten Co-Stars Costa („Victoria“) und Reynor („Midsommar“) an die Wand und erinnert an eiskalte Kino-Schauer der Marke Zelda aus Mary Lamberts „Friedhof der Kuscheltiere“.

Zusammen mit seinem bewährten Kreativteam aus DP Dave Garbett und Komponist Stephen McKeon erschafft der Regisseur hier erneut ein audiovisuell bizarres Schreckenskabinett im Stil von „Evil Dead Rise“. Dutch Angles, groteske Close-Ups und eine kinetische Kameraarbeit lassen das Publikum direkt in das dämonische Chaos eintauchen, während die unheilvollen Klänge auch in den ruhigen Passagen ein Gefühl von Gefahr aufrechterhalten. Diese Mumie schlurft absolut nicht schlaftrunken umher, sondern lauert und attackiert urplötzlich die Sinne. Es ist das Verhältnis von dichter Stimmung zu expliziten Schocks, für das Cronin ein echtes Gespür besitzt und ihn zu einem Horror-Hoffnungsträger macht. Auch wenn der Weg hier sicher aufregender als das für erfahrene Zuschauer eher vorhersehbare Ziel ist, bietet diese teuflische Achterbahnfahrt deutlich mehr Nervenkitzel und Spaß als zahme Conjuverse-Vertreter.

In „The Mummy“ hat das Grauen eine übersinnliche und eine menschliche Komponente. Das Böse greift nach Familien und lässt diese durch die Hölle gehen. Es verwandelt diese aber ebenso selbst in Monster. Damit zieht Lee Cronin in seinem unterhaltsam-ambitionierten Genrebeitrag einen makabren Schlussstrich, den sich viele andere Mainstream-Produktionen wohl so nicht trauen würden.


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