Daredevil Ende

Amy Rutberg in "Daredevil" © Netflix/Marvel Television

Quelle: Inverse

ANEZIGE

Keine andere Serienabsetzung dieses Jahr hat so viele Fans schockiert und bestürzt wie die von "Daredevil". Wenn beliebte Serien von regulären Sendern abgesetzt werden, besteht immer noch die Hoffnung, dass ein anderer Sender oder ein Streaming-Anbieter diese retten wird. Auf diese Weise bekamen "Lucifer", "The Expanse" und "Brooklyn Nine-Nine" dieses Jahr eine zweite Chance. Doch wenn ein Streaming-Dienst eine Serie absetzt, gibt kaum Hoffnung auf eine Fortführung – so auch bei den bislang eingestellten Marvel-Serien von Netflix, die durch eine Vertragsklausel zunächst an die Streaming-Plattform gebunden sind.

Die Einstellung von "Daredevil" war nicht nur für die Zuschauer eine Überraschung (auch wenn sie es vielleicht nicht hätte sein sollen), sondern auch für die Macher der Serie, ihre Darsteller und sogar die Verantwortlichen bei Marvel selbst. Da Netflix nie Zuschauerzahlen veröffentlicht, kann man schwer sagen, ob diese bei "Daredevil" zur Einstellung führten, doch die weit verbreitete Annahme ist, dass die Serie – ebenso wie "Iron Fist" und "Luke Cage" – dem Pisswettbewerb zwischen Netflix und Disney zum Opfer fiel. Da Disney demnächst einen eigenen Streaming-Dienst an den Start bringen wird, hat Netflix möglicherweise keine Lust mehr, Serien für den Konkurrenten zu produzieren, an denen jener auch noch durch die Lizenz verdienen würde.

Amy Rutberg, die in "Daredevil" Foggys Freundin, die Anwältin Marci Stahl, gespielt hat, hat in einem Interview klargestellt, dass Marvel mit der Einstellung nichts zu tun hatte und diese einzig und alleine von Netflix beschlossen wurde: (aus dem Englischen)

Meine Kontakte bei Marvel waren sehr überrascht. Jegliche Gerüchte, es sei eine Entscheidung von Marvel gewesen, sind falsch. Ich denke, es war ausschließlich die Entscheidung von Netflix. Das schlussfolgere ich von persönlichen Gesprächen mit Leuten, die bei Marvel weit oben sitzen. Sie waren überrascht. Wir haben Gerüchte gehört, dass der Dreh zu Staffel 4 bereits im Februar 2019 beginnen sollte. Es ist etwas ungewöhnlich, dass eine Serie abgesetzt wird, wenn die Pläne für die nächste Staffel schon so weit fortgeschritten sind. Das lässt mich glauben, dass Netflix darüber gegrübelt hat, ob die Serie abgesetzt werden soll oder nicht. Ich schätze, es war keine leichte Entscheidung.

Wie es aussieht, gab es sogar schon Pläne für baldigen Dreh und wir wissen auch, dass das Autorenteam der Serie sehr konkrete Ideen zum Plot von Staffel 4 hatte, was die ganze Situation noch bitterer macht.

Darüber hinaus hat Rutberg die exklusiven Verträge mit Netflix bestätigt, die die Darsteller der Serien daran hindern, ihre Charaktere in absehbarer Zeit woanders als bei Netflix zu verkörpern:

Es gibt diesen sehr realen Vertrag mit Netflix. Ich habe gehört, es sind 18 Monate, vielleicht sind es zwei Jahre. Ich schätze, es ist möglich, dass Marvel die Verträge aufkaufen könnte, aber dazu habe ich rein gar nichts gehört.

So sieht’s aus. Auch wenn Disney in zwei Jahren dann den Wunsch äußert, "Daredevil" oder die anderen von Netflix abgesetzten Serien aufzugreifen, kann es gut sein, dass die Darsteller bereits anderweitig beschäftigt und nicht verfügbar sein werden, denn für sie muss das Arbeitsleben natürlich normal weitergehen.