Quelle: Universal Pictures

Einer meiner meisterwarteten Filme bis zum Ende des Jahres, insoweit man davon ausgehen kann, dass dieses Jahr überhaupt noch größere Filme ins Kino kommen werden, ist Nia DaCostas Candyman. Das "spirituelle Sequel" zum Originalfilm aus dem Jahr 1992 wurde vom neuen Horrormeister Jordan Peele (Get Out, Wir) geschrieben und produziert, und es könnte eigentlich niemanden bessere geben, um die urbane Legende von Candyman zum neuen Leben zu erwecken. Das hierzulande als Candyman’s Fluch veröffentlichte Original kann man als spirituellen Vorgänger zu Peeles von Gesellschaftskritik durchsetztem Horror sehen, der sein Augenmerk auf die afroamerikanische Bevölkerung richtet. Diese hat im Kino keine größere Horrorikone als Candyman, dreimal verkörpert von Tony Todd.

Todd wird auch im neuen Film in irgendeiner Form zurückkehren. Wie genau, ist noch unklar, doch in der brandneuen Vorschau auf den Film ist ein Porträt von ihm als Candyman eindeutig zu erkennen und ich bin recht sicher, dass es auch seine Stimme ist, die man am Ende des Videos hört:

Übrigens wird Candymans Name nur viermal in dem Spot erwähnt…

Candyman kehrt zum Schauplatz des ersten Films zurück. Dort wo die früher elendigen Sozialbauten der Cabrini Green Nachbarschaft standen, ist nun ein gentrifiziertes, unter erfolgreichen Millennials beliebtes Stadtviertel, das seine dunkle Vergangenheit jedoch nie vergessen hat. Mehr als ein Jahrzehnt, nachdem Cabrini Green endgültig abgerissen wurde, zieht der Künstler Anthony McCoy (Yahya Abdul-Mateen II) mit seiner Freundin, der Kunstgalerie-Leiterin Brianna (Teyonah Parris), in einen Luxus-Loft in Cabrini. Als Anthonys eine künstlerische Blockade erlebt, trifft er einen ehemaligen Cabrini-Green-Bewohner (Colman Domingo), der ihm die tragische Legende des Candyman erzählt. Diese entfacht ein kreatives Feuer in Anthony, doch dabei öffnet er unwissentlich eine Tür in die Vergangenheit, die ihm seinen Verstand kosten könnte und eine furchteinflößende Welle der Gewalt auslöst.

Die Verbindung zum Originalfilm: Anthony ist das Baby, das am Ende jenes Films von Helen Lyle (Virginia Madsen) aus dem Feuer gerettet wird. Vanessa Estelle Williams verkörpert als seine Mutter Anne-Marie McCoy ihre Rolle wieder.

Der deutsche Kinostart von Candyman wurde wegen Corona von Juni bis zum 24. September verschoben. Ich drücke die Daumen, dass es dabei bleiben wird.

Candyman’s Fluch ist nicht nur einer der der besten und unheimlichsten Horrorfilme der Neunziger, er ist einer der intelligentesten und eindringlichsten Genrefilme überhaupt, bei dem sehr viel unter der gruseligen Oberfläche schlummert. So grausam der Candyman ist, so ist er auch im Gegensatz zu Freddy, Jason, Michael oder Leatherface eine tragische Figur, tief verwurzelt in einer dunklen Seite der US-amerikanischen Geschichte, die viele zu verdrängen versuchen, was sich gerade in den letzten Wochen wieder einmal sehr deutlich gezeigt hat. In dieser Hinsicht ist das Timing für den neuen Candyman geradezu perfekt.

Für die nur 30-jährige Regisseurin Nia DaCosta ist Candyman erst die zweite Regiearbeit, doch alles, was ich von dem Film bislang gesehen habe, stimmt mich sehr zuversichtlich. Vor zwei Wochen hat sie diesen kunstvollen, melancholischen Teaser zum Film veröffentlicht, der mit Papiermarionetten die Geschichte des Candyman erzählt, aber auch auf wahre tragische Ungerechtigkeiten anspielt, die Afroamerikanern widerfahren sind, den Lynchmord an James Byrd Jr. und die Hinrichtung des 14-jährigen George Stinney. Die Bilder und die Klänge von Philip Glass' "Helen’s Theme" aus dem Originalfilm sorgen für Gänsehaut: