Candyman Sequel

Tony Todd in Candyman’s Fluch (1992) © TriStar Pictures

Quelle: MGM

Jeder Horrorfan weiß, dass die Achtziger ein großartiges Jahrzehnt für ihr Lieblingsgenre waren. In den Neunzigern herrschte hingegen, mit wenigen Ausnahmen, eine kreative Flaute im Horrorkino. Eine dieser Ausnahmen war Candyman’s Fluch (OT: Candyman). Die Adaption von Clive Barkers Kurzgeschichte "The Forbidden" machte Tony Todd als tragisch-schaurige Titelfigur mit Hakenhand zu einer Horrorikone und war nicht nur einer der besten Horrorfilme der Neunziger, sondern gehört inzwischen zu meinen absoluten Lieblingshorrorfilmen. Von der eindringlichen Philip Glass' eindringlicher Musik bis zum für das Genre sehr ungewöhnlichen Setting in einer heruntergekommenen Sozialsiedlung, war Candyman’s Fluch viel mehr als einfach nur ein brutaler Slasher. Es war ein intelligenter, sehr unheimlicher und in seiner Auseinandersetzung mit echten gesellschaftlichen Missständen sensibler Film, nach eine neue urbane Legende erschaffen hat. Nicht wenige hätten sich nach der Erstsichtung nicht getraut, "Candyman" fünfmal vor einem Spiegel zu rufen.

Zwei Sequels zu Candyman folgten, die aber die Qualität des Originals nicht erreichten und eigentlich nicht der Rede wert sind. Seit einigen Monaten gibt es Gerüchte über ein Remake von Candyman, das von Jordan Peele, dem oscarprämierten Autor und Regisseur des Megahits Get Out, produziert werden würde. Jetzt wurde der neue Candyman von MGM offiziell bestätigt – doch zur Freude der Fans wird der Film nicht als Remake, sondern als eine "spirituelle Fortsetzung" des Originals sein, die die beiden anderen Filme vermutlich genau so ignoriert, wie der neue Halloween alle Sequels aus dem Franchise. Der Film wird zu den Originalschauplätzen des ersten Films zurückkehren, der inzwischen gentrifizierten Gegend von Chicago, wo die Cabrini-Green-Sozialsiedlung bis zum Abriss der letzten Gebäude 2011 stand. Es geht also, wie schon im Vorgänger, um die Geister der Vergangenheit.

Jordan Peele wird gemeinsam mit seinem Produktionspartner Win Rosenfeld den neuen Candyman nicht nur produzieren, sie schrieben auch gemeinsam das Drehbuch zu dem Film. Newcomerin Nia DaCosta (Little Woods) wurde als Regisseurin verpflichtet und der Film hat bereits einen Starttermin.

Die Dreharbeiten zu Candyman werden im Frühjahr 2019 beginnen und am 12.06.2020 soll der Film in US-Kinos starten, knapp ein Jahr nach MGMs Chucky-Remake.

MGM-Präsident Jonathan Glickman gab die folgende Erklärung zum geplanten Film ab: (aus dem Englischen)

Wir können es kaum abwarten bis die Welt sieht, was die überwältigende Kombination von Jordan, Win und Nia aus der Legende von Candyman macht. Sie haben nicht nur eine Geschichte erschaffen, die Clive Barkers unheimlicher und brillanter Vorlage huldigen wird, sondern auch durch und durch modern ist und eine ganz neue Generation von Fans begeistern wird.

Jordan Peele fügte hinzu:

Das Original war ein Meilenstein für die schwarze Repräsentation im Horrorgenre. Neben Die Nacht der lebenden Toten war Candyman eine große Inspiration für mich als Filmemacher. Und ein mutiges neues Talent wie Nia als Regisseurin zu haben, ist wirklich aufregend. Wir sind geehrt, das nächste Kapitel des Candyman-Kanon zum Leben zu erwecken und freuen uns darauf, neuen Zuschauern den Zugang zu Clive Barkers Legende zu bieten.

Bei einem durchweg gelungenen und trotz seiner deutlichen Verankerung in einer bestimmten Ära zeitlosen Klassiker wie Candyman gäbe es eigentlich jeden Grund, über jeden neuen Versuch der Wiederbelebung der Legende leicht skeptisch zu sein. Jedoch ist die Zeit tatsächlich perfekt für einen neuen Candyman-Film. Mehr denn je rücken soziale Ungerechtigkeit und Ausgrenzung in den Fokus der Filmschaffenden. Genau das waren auch die Themen des Originalfilms, der seiner Zeit voraus war. Clive Barkers Kurzgeschichte spielte nicht in den Ghettos und Candyman war darin auch kein stattlicher Schwarzer, doch diese Veränderung wirkte sich absolut zum Vorteil des Films aus und wird sicherlich auch im neuen Film beibehalten werden. Darüber hinaus vertraue ich Jordan Peele blind. Get Out ist in meinen Augen nicht nur ein hervorragender Psychothriller gewesen, sondern auch der beste und cleverste Film über Rassismus der letzten Jahre, der seine Zuschauer nachdenken ließ und nicht alles vorgekaut hat. Wenn schon jemand Candyman zurückbringt, dann ist er in Peeles Händen gut aufgehoben.

Es würde mir allerdings schwer fallen, einen anderen Darsteller als Tony Todd in der Rolle zu sehen. Aber vielleicht bringt der Film ihn ja sogar zurück. Ich würde es jedenfalls sehr begrüßen.