Box Office USA Der Marsianer

Quelle: Boxofficemojo

Nachdem die vorherigen beiden Wochenenden mit zwei großen Starts in Folge das Geschäft an den US-Kinokassen angekurbelt hatten, ging es letztes Wochenende etwas ruhiger zu, denn die beiden breiten Neustarts konnten kaum das Interesse der Kinogänger wecken. Dabei handelte es sich um zwei Projekte, die durchaus Potenzial zu Kassenschlagern hatten und in die ihre jeweiligen Studios auch große Hoffnungen gesteckt haben. Letzten Endes blieb die Top 2 jedoch unverändert und Ridley Scotts Der Marsianer führte die Kinocharts konkurrenzlos an. Die Top-12-Filme spielten insgesamt $110,1 Mio ein, 22,9% weniger als am Wochenende davor und 19% weniger als am vergleichbaren Wochenende 2014, als Gone Girl Platz 1 innehatte. Mit drei vielversprechenden Neustarts am kommenden Wochenende (Steven Spielbergs Bridge of Spies – Der Unterhändler, Guillermo del Toros Horrorfilm Crimson Peak und der Familiengrusler Gänsehaut) erwartet uns bald hoffentlich wieder Aufschwung am US-Box-Office.

ANEZIGE

Das von der Kritik umjubelte Weltraumabenteuer Der Marsianer baute am zweiten Wochenende lediglich 31,9% gegenüber dem beeindruckenden Startwochenende ab und hielt sich somit besser als die meisten Filme in der Top 10. Mit $37 Mio am Wochenende brachte die $108 Mio teuere Produktion ihr Gesamteinspiel auf $108,7 Mio nach nur zehn Tagen. Es ist ein wirklich beeindruckender Rückgang und spricht Bände von der extrem positiven Mundpropaganda, die dem Film zuteil wird. Zwar hielt sich der Film etwas schlechter als Gravity an dessen zweitem Wochenende (der Film verlor lediglich 22,6%), dafür aber deutlich besser als Interstellar letztes Jahr, der 40,4% am zweiten Wochenende abbaute. Mit 96 Hours – Taken 2, Gravity, Gone Girl und nun Der Marsianer hat sich das erste Oktober-Wochenende als perfekter Starttermin für potenzielle Blockbuster erwiesen.

Falls die Neustarts kommendes Wochenende enttäuschen könnte Der Marsianer sogar zum dritten Mal in Folge den Spitzenplatz für sich beanspruchen. Bis Spectre Anfang November in die Kinos kommt, sollte Der Marsianer den Must-See-Status in den US-Kinos behalten, was im weiteren Verlauf gemeinsam mit positiver Resonanz unter den Zuschauern für milde Drops sorgen sollte. Aktuell liegt Der Marsianer 11% hinter dem Einspiel von Gravity im gleichen Zeitraum, aber dafür 12% vor Interstellar. Der Marsianer wird vermutlich nicht so viel Oscar-Hype haben wie Gravity, sodass seine Performance in den späteren Monaten nicht mehr so beeindruckend sein wird. Gravity spielte letzten Endes $274 Mio in den USA ein, Interstellar knapp $188 Mio. Es sieht ganz danach aus, als würde Der Marsianer ziemlich genau zwischen diesen beiden Weltraum-Filmen landen, mit etwa $215-230 Mio. Für Regisseur Ridley Scott wäre es der mit Abstand größte Hit seiner Karriere in den USA, für Matt Damon müsste der Film $227,5 Mio von Das Bourne Ultimatum schlagen, was durchaus machbar ist.

Hotel Transsilvanien 2 ließ sich von der Familienkonkurrenz seitens Pan nichts anmerken und hielt sich am Rang 2 der Kinocharts fest. Nur 38,5% verlor das Animations-Sequel an seinem dritten Wochenende und spielte weitere $20,4 Mio ein, sodass er nach 17 Tagen bereits $116,9 Mio in der Bank hat. Damit steht er 14% vor seinem Vorgänger im selben Zeitraum und wird dessen finales Gesamteinspiel in den nächsten Wochen überholen. Das alleine ist schon sehr beeindruckend, denn bei den meisten animierten Sequels war in letzter Zeit die Tendenz zu beobachten, an den US-Kinokassen weniger einzunehmen als die Vorgängerfilme. Das traf sogar auf von der Kritik wirklich geliebte Fortsetzungen wie Kung-Fu Panda 2 oder Drachenzähmen leicht gemacht 2 zu, sodass es besonders überraschend ist, dass ausgerechnet Hotel Transsilvanien 2, dessen Vorgänger augenscheinlich keinen sehr bleibenden Eindruck hinterlassen hat, sich gegenüber Teil 1 deutlich verbessern wird. Zu verdanken ist das vor allem einem absoluten Mangel an Konkurrenz. Als der Film Ende September in die Kinos kam, war er der erste große Animationsfilm seit Minions im Juli und die einzige Wahl für die meisten Familien unter den Kinogängern. Auch die Nähe zu Halloween hilft dem Film über klassische Gruselgestalten sicherlich auch, denn der Feiertag ist in den Staaten unter Kindern besonders beliebt. Mit Gänsehaut bekommt der Streifen kommendes Wochenende etwas Halloween-Konkurrenz, doch der nächste Animationsfilm erwartet ihn erst Anfang November mit Die Peanuts, sodass er  sich bis dahin weiterhin gut halten sollte. Insgesamt sollte Hotel Transsilvanien 2 etwa $165-175 Mio in Nordamerika einsammeln. Angesichts der Produktionskosten von $80 Mio kann es nur eine Frage der Zeit sein, bis Hotel Transsilvanien 3 angekündigt werden wird.

Platz 3 ging an einen Film, der jetzt schon als einer der größten Kinoflops von 2015 gelten darf. Joe Wrights mehrfach verschobener Märchenfilm Pan nahm erbärmliche $15,3 Mio von 3515 Kinos ein und erreichte damit einen schwachen Schnitt von $4347 pro Location. Der Film kostete Warner Bros. nicht wenig – etwa $150 Mio gingen in die Produktion, exklusive Marketing. Sogar die teuren 3D- und IMAX-Preise haben Pan dabei nicht geholfen, bessere Ergebnisse zu erzielen. Man muss sich vor Augen halten, dass Disneys Märchenfilme wie Cinderella, Maleficent oder Die fantastische Welt von Oz am Starttag deutlich mehr einspielen konnten als Pan an seinem gesamten Startwochenende.

Es ist schon verwunderlich, weshalb Disney mit den Realfilm-Adaptionen seiner Animationsfilme so viel Kohle scheffelt, während Warner mit einem vergleichbaren Film so gegen die Wand gelaufen ist. Die recht miesen Kritiken sind wohl ein Grund dafür. Außerdem hat Pan offenbar nicht das angepeilte Familienpublikum angelockt, denn 52% der Kinogänger waren über dem Alter von 25. Die Zuschauer scheinen aber auch einfach generell wenig Interesse an der Geschichte von Peter Pan zu haben. Universals relativ vorlagengetreue Adaption von J. M. Barries Geschichte nahm 2003 auch nur $48,5 Mio in den USA Kinos ein, bei einem Budget von $100 Mio. Ich vermute, dass es noch lange dauern wird, bis sich ein anderes Studio an einem Peter-Pan-Film versuchen wird. Die Zuschauerresonanz war positiver als die Kritiken und die Kinogänger bewerteten den Film im Schnitt mit einer "B+" (äquivalent einer "2+"), doch das wird ihm jetzt auch nicht mehr helfen. In den nächsten Wochen wird er schnell seine Kinos an die Konkurrenz verlieren und nicht mehr als $40-45 Mio insgesamt einspielen. Solche Zahlen lassen sogar Disneys A World Beyond und Fox' Fantastic Four besser aussehen.

Nancy Meyers Komödie Man lernt nie aus lieferte eine der beeindruckendsten Performances am Wochenende ab. Der Film verlor lediglich 25,7% seiner Zuschauer von der Vorwoche und hielt sich mit $8,7 Mio auf Rang 4 an seinem dritten Wochenende. Bislang spielte der Streifen mit Anne Hathaway und Robert De Niro solide $49,6 Mio ein. Da in absehbarer Zeit keine direkte Komödien-Konkurrenz, die sich an ältere Kinogänger richtet, auf ihn zukommt, könnte der Film bis zu $75 Mio an den US-Kinokassen umsetzen, was angesichts des eher mittelmäßigen Starts wirklich stark wäre. Mit diesem Film sowie Interstellar, Les Misérables und The Dark Knight Rises hat Anne Hathaway in letzter Zeit recht viel Erfolg am Box-Office gehabt.

Abgerundet wurde die Top 5 vom hochspannenden, düsteren Thriller Sicario, der $7,6 Mio (-37,6%) einnahm und jetzt bei $26,9 Mio steht. Das mag einigen als wenig erscheinen, doch für einen Film mit einer nicht so leicht verdaulichen Thematik wie dieser und ohne große Kassenmagnete im Cast, ist es mehr als solide. Man kann zudem hoffen, dass der Film im Oscar-Rennen wieder auftauchen wird und vielleicht im Dezember und Januar noch etwas Kasse macht. Momentan sieht es für Sicario nach einem Gesamteinspiel von $45-50 Mio aus.