Box-Office Deutschland – Hänsel & Gretel erobern die Spitze

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Quelle: Insidekino

Das Auf und Ab der Besucherzahlen im Box-Office Deutschland geht weiter. Letztes Wochenende konnte wieder ein Zuwachs der Top-10-Zahlen gegenüber dem Vorjahr erzielt werden, und zwar um solide 8%. Dies ist vor allem dem Überraschungserfolg von Hänsel & Gretel: Hexenjäger zu verdanken. Außerdem konnte der deutsche Film dank dem Natascha-Kampusch-Drama 3096 Tage einen weiteren Erfolg dieses Jahr feiern. Besonders bemerkenswert war letztes Wochenende die Tatsache, dass vier der fünf erfolgreichsten Filme eine FSK16-Freigabe aufwiesen. Lediglich Kokowääh 2 war jugendfrei. So eine Situation ist extrem selten, sind die FSK16-Filme doch in der Regel ziemlich benachteiligt und finden nicht sehr häufig ihren Weg in die oberen Sphären der Charts. Doch dieses Jahr ist anders. Nicht nur ist Django Unchained bereits der erfolgreichste FSK16-Film seit Matrix Reloaded, sondern mit Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben und bald auch Hänsel & Gretel: Hexenjäger gibt es schon drei FSK16-Filme mit mehr als 1 Mio Zuschauer (ich nehme stark an, dass Hänsel & Gretel dies schaffen wird). Im ganzen letzten Jahr gab es nur vier FSK16- oder FSK18-Filme mit mehr als 1 Mio Besuchern. Überhaupt gab es seit 2004 kein Jahr mehr, in dem mehr als fünf FSK16/FSK18-Filme in Deutschland mehr als 1 Mio Zuschauer für sich begeistern konnten. Das könnte sich dieses Jahr ändern.

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Hänsel & Gretel: Hexenjäger startete jedenfalls deutlich über den generellen Erwartungen und erreichte großartige 407,000 Zuschauer bis Sonntag (einschließlich Sneaks und Previews). Am eigentlichen Wochenende waren es ebenfalls sehr ansehnliche 361,000 von 408 Kinos, was dem Film auch noch einen tollen Schnitt von 885 Zuschauern pro Kino bescherte. Mit diesem herausragenden Start, dem klasse Schnitt und einem scheinbar sehr positiven Mundpropaganda hat sich der Film mindestens eine Million Besucher bereits gesichert. So wird es bis Ende März in Deutschland mindestens fünf Millionenseller geben dieses Jahr (letztes Jahr mit Ziemlich beste Freunde nur einen!), vielleicht sogar sechs, wenn Fünf Freunde 2 es bis dahin auch schafft. Sollte der Film ab jetzt einen ähnlichen Verlauf nehmen wie Zorn der Titanen letztes Jahr, so wird er mit etwas weniger als 1,3 Mio Zuschauer die Kinos verlassen. Entpuppt er sich als frontlastiger und nimmt einen Verlauf wie The Green Hornet, dann sind "nur" 1,05 Mio Besucher drin. Da jedoch im erwachsenen FSK16-Bereich nicht viel Konkurrenz auf ihn zukommt, erwarte ich, dass er irgendwo in der Mitte zwischen den beiden landen wird, bei etwa 1,1-1,2 Mio Zuschauern. Da auch Hänsel & Gretel übrigens eine deutsche Koproduktion ist, ist der deutsche Marktanteil der diesjährigen Besucherzahlen auf unglaubliche 43,7% gestiegen!

Platz 2 ging an Til Schweigers Kokowääh 2, der in der vierten Woche nur 28% verlor und mit 224,000 Zuschauern erneut ein gutes Ergebnis hinlegte. An seinem 24. Tag in den Kinos überschritt Kokowääh 2 als dritter Film von 2013 (und als zweiter deutscher Film!) die 2 Mio-Zuschauermarke. Damit kann dieses Jahr jetzt schon mehr deutsche 2 Mio-Hits vorweisen als das letzte. Kokowääh 2 liegt jetzt zwar schon fast 1,2 Mio Zuschauer hinter dem ersten Film im gleichen Zeitraum, doch es hat auch niemand ernsthaft erwartet, dass das Sequel die phänomenalen Zahlen des Vogängers erreichen würde. Auch die 2,7 Mio Besucher, auf die der Film nun zusteuert, bedeuten ein überaus tolles Ergebnis für den Film und zeugen von Til Schweigers enormer Zugkraft. Sollte Schweiger ein weiteres Sequel produzieren wollen, so hätte er zumindest erfolgstechnisch durchaus die Berechtigung dafür.

Auf den dritten Rang fiel mit 179,000 Zuschauern (-36%) Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben, der sein vorläufiges Gesamtergebnis auf etwa 1,23 Mio Zuschauer brachte. Damit liegt er immer noch etwa 16,000 Zuschauer vor Teil 2 im gleichen Zeitraum, jedoch mehr als 650,000 Besucher hinter Stirb langsam 4.0, wobei sich der Abstand noch immer mehr vergrößern wird. Dennoch gibt es bei einer Besucherzahl, die mit Sicherheit über 1,5 Mio hinausgehen wird, keinen Grund zu klagen, wenn es sich um den fünften Teil einer 25 Jahre alten Reihe handelt. Kommendes Wochenende bekommt der Streifen direkte Konkurrenz durch seinen Action-Kollegen Sylvester Stallone, der mit Shootout – Keine Gnade die Kinos stürmen wird, was wiederum sicherlich für Einbußen bei Stirb langsam sorgen wird. Insgesamt erwarte ich Stirb langsam 5 bei etwa 1,6 Mio Zuschauern, wenn er die Kinos verlassen wird. Ein sehr solides Ergebnis, wenn auch fast 40% unter dem Ergebnis von Stirb langsam 4.0.

Django Unchained fand sich zwar am Wochenende ebenfalls einen Rang tiefer in den Charts als am vorherigen Wochenende, konnte aber sichtlich von den Oscars für Quentin Tarantino und Christoph Waltz profitieren und baute nur winzige 2% ab, sodass er am Wochenende zusätzliche 151,000 Besucher für sich begeistern konnte. Damit brachte der Western seine Gesamtbesucherzahl auf unglaubliche 3,91 Mio nach 7 Wochen. Der ab 16 Jahren freigegebene Film liegt damit fast 300,000 Besucher vor dem ersten Matrix-Streifen im gleichen Zeitraum und nur noch 600,000 Tuschauer hinter Matrix Reloaded, dem letzten FSK16-Film, der mehr als 4 Mio Zuschauer für sich begeistern konnte. Dank den Oscars bekam der Film offensichtlich frischen Wind und sollte spätestens kommendes Wochenende die 4 Mio-Marke knacken. Nur acht weiteren FSK16-Filmen ist dies seit 1990 gelungen. Außerdem wird der Film mit Sicherheit im Sommer von den Open-Air-Vorführungen profitieren. Daher wird er wohl noch ein langes Leben in den Kinocharts genießen und die Kinos mit etwa 4,4 Mio Besuchern im Gepäck verlassen. Damit wäre Django Unchained einer der erfolgreichsten FSK16-Filme aller Zeiten hierzulande.

Platz 5 ging an den zweiten deutschen Newcomer der Woche. Der kontrovers diskutierte Streifen 3096 Tage lockte am ersten Wochenende 145,000 Zuschauer in die Kinos und konnte mit 448 Zuschauern pro Kino in seinen 325 Locations einen respektablen Schnitt vorweisen. Es scheint als hätte die Kontroverse um die Verfilmung des Leidenswegs von Natascha Kampusch dem Film geholfen und nicht geschadet. Es ist jedenfalls ein weiterer Volltreffer für den deutschen Film, der dieses Jahr (nach einem schwachen 2012) einen Erfolg nach dem anderen feiert. Der Film sollte auch auf Dauer gutes Durchhaltevermögen aufweisen und mindestens 600,000 Zuschauer für sich begeistern können.

Die drei Oscarsiege haben scheinbar auch Les Misérables geholfen. Das Musical fiel zwar in der zweiten Woche von #4 auf #6, ging dabei aber um lediglich 11% auf 106,000 Zuschauer zurück. Insgesamt fehlen ihm nur noch 76 Besucher bis zur 300,000-Marke. Zwar reicht der Erfolg des Films nicht an Musical-Hits wie Moulin Rouge, Mamma Mia! oder gar Chicago heran, jedoch wird er Sweeney Todd und Dreamgirls locker hinter sich lassen und mit mehr als 600,000 Zuschauer ein respektables Endergebnis in Deutschland aufweisen können.

Auf Platz 7 eröffnete Die Bestimmer mit 74,000 Zuschauern. Der Film konnte hierzulande nicht ganz an den US-Erfolg anknüpfen und harte Konkurrenz um Familien durch Die fantastische Welt von Oz, Jack and the Giants und Die Croods in den kommenden drei Wochen wird dafür sorgen, dass er nicht die Langlebigkeit genießen wird, welche bei den meisten Familienfilmen üblich ist. Hier sind etwa 300,000 Besucher ein optimistisches Szenario.

Mit 64,000 Besuchern (-36%) am 5. Wochenende belegte Fünf Freunde 2 Rang 8 der Charts und erreichte insgesamt mehr als 800,000 Besucher. Der deutsche Kinderfilm hat wohl die Konkurrenz von Die Bestimmer zu spüren bekommen. In den nächsten Wochen wird es nicht besser, aber immerhin liegt der Film immer noch etwa 130,000 Zuschauer vor Teil 1 nach der gleichen Zeit in den Kinos. Ich denke hier sind noch mindestens weitere 300,000 Zuschauer drin.

Die Zombie-Romanze Warm Bodies legte den schlechtesten Hold in der Top 10 hin und fiel um 42% auf 47,000 Zuschauer und Rang 9 der Charts. Insgesamt wurde der Film in den ersten 18 Tagen von etwa 166,000 Besuchern gesehen. Da er ziemlich schnell ab jetzt seine Leinwände verlieren wird, erwarte ich maximal ca. 250,000 Zuschauer als das Endergebnis.

Die Top 10 wurde am Wochenende vom Dauerbrenner Der Schlussmacher abgerundet. Dieser wurde am Wochenende von 46,000 Menschen (-39%) deutschlandweit im Kino gesehen und durchbrach damit die 2,4 Mio-Marke. Da er damit das Endergebnis von Türkisch für Anfänger vom letzten Jahr überholte, wurde der Film von und mit Matthias Schweighöfer auch zum erfolgreichsten deutschen Film seit Kokowääh vor genau zwei Jahren. Mindestens 2,6 Mio werden für den Film am Ende zusammenkommen.

Auch Lincoln profitierte außerhalb der Top 10 von seinem Oscar für den Besten Hauptdarsteller. Der Film fiel um lediglich 14% gegenüber der Vorwoche und erreichte am Wochenende zusätzliche 33,000 Besucher. Nach sechs Wochen wurde der Historienstreifen von beinahe 450,000 Zuschauern in Deutschland gesehen. Für einen Film mit einem so zutiefst US-amerikanischen Thema, ist es jetzt schon ein gutes Ergebnis, doch Lincoln ist noch weit von dem Ende seienr Laufzeit entfernt. Ich erwarte ein Endergebnis von mindestens 600,000 Besuchern.

Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger konnte jedoch noch mehr von seinen Oscars profitieren. Der Film legte um satte 28% zu und steig um fünf Plätze hinauf auf Platz 12 der Wochenendcharts. Mit knapp 25,000 Besuchern brachte er seine Gesamtbesucherzahl auf etwas mehr als 2,05 Mio. Auch hier erwarte ich nicht, dasds der Film in absehbarer Zeit von der Bildfläche verschwindet und traue ihm ein Endergebnis von 2,2 Mio zu.

Ghost Movie verabschiedete sich hingegen mit einem Rückgang von 54% in der zweiten Woche aus der Top 10 und hat in seinen ersten 11 Tagen lediglich 90,000 Zuschauer für sich begeistern können. Hier werden nicht einmal 150,000 Besucher zusammenkommen.

Der einzige weitere Neuzugang in der Top 20 war Hyde Park am Hudson auf #20 mit 15,000 Besuchern (inkl. Sneaks). Die herrliche britische Komödie Sightseers konnte leider in 46 Kinos nicht überzeugen und erreichte bis Sonntag nur ca. 14,000 Besucher, wovon die Hälfte den Sneaks entstammt.

Am meisten hat von den Oscars natürlich der Bester-Film-Gewinner Argo profitiert und mit 12,000 Besuchern nur knapp die Top 20 verpasst. Dennoch ist der Film mit etwa 158,000 Zuschauern immer noch der schwächste Bester-Film-Gewinner besuchertechnisch in Deutschland seit 2000 mit der Ausnahme von Tödliches Kommando – The Hurt Locker, der 2009 keine 70,000 Zuschauer für sich interessieren konnte. Da Argo mittlerweile auf DVD/BluRay raus ist, wird in den Kinos nicht mehr viel für ihn zusammenkommen, doch 200,000 Besucher könnte er noch erreichen.

Eine Viertel Million Besucher erreichten letztes Wochenende zwei Filme – Gangster Squad und Quartett. Während sich Gangster Squad nahe dem Ende seiner Laufzeit befindet, wird Quartett u.a. dank den Seniorenreihen, die ja in vielen Kinoketten existieren, noch eine ganze Weile spielen. Es würde mich nicht wundern, wenn er noch 400,000 Besucher erreichen würde.

Einen besonderen Meilenstein erreichte endlich Ralph reicht’s. Der Animationsfilm von Disney wurde zum 27. Streifen von 2012, der die 1 Mio-Zuschauermarke überschritt. Auch Die Hüter des Lichts hat eine neue Grenze überquert – mehr als 700,000 Besucher haben den Film jetzt in den Kinos gesehen.