Warm Bodies (2013)

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Warm Bodies Kritik
ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Gesamt

Warm Bodies, USA 2013 • 98 Min • Regie & Drehbuch: Jonathan Levine • Mit: Nicholas Hoult, Teresa Palmer, John Malkovich, Analeigh Tipton, Dave Franco • Kamera: Javier Aguirresarobe • Musik: Marco Beltrami & Buck Sanders • FSK: ab 12 Jahren • Verleih: Concorde Filmverleih • Kinostart: 21.02.2013 • Deutsche Website

 

Inhalt

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Nach einer nicht weiter erklärten Katastrophe werden die USA von den wandelnden Toten beherrscht. Die letzten Überlebenden verschanzen sich in den wenigen verbleibenden Bastionen hinter dicken Mauern, kontrolliert vom Militär. Der junge „R“ (Nicholas Hoult) allerdings hat es nicht mehr in Sicherheit geschafft. Also schlurft er nun sabbernd und stöhnend durch die Ruinen der Zivilisation und „lebt“ in einer verlassenen Boeing 747. Dort häuft er diversen Krempel an, der ihn an die Zeit erinnert, als sich sein Vokabular auf mehr als „Eh“ und „Oh“ belief. Sein Alltagstrott aus Fressen und – nun ja – Fressen wird jäh durcheinander gebracht, als er bei einem seiner Beutezüge auf Julie (Teresa Palmer) trifft. Sie und ihr Freund sind Angehörige eines Suchtrupps aus der nahegelegenen Menschensiedlung, auf der Suche nach Nahrung und Medikamenten. Der Anblick der schönen Julie weckt in R längst vergessene Gefühle, er rettet sie vor seinen gefräßigen Leidgenossen und nimmt sie bei sich auf. Und, tatsächlich, entwickelt sich bald eine zarte Freundschaft zwischen Zombie und Mensch. Aber eine Teenie-Beziehung wäre keine Teenie-Beziehung fürs Kino, würde sie nicht unter einem schlechten Stern stehen. Julies Vater ist ausgerechnet der oberste General der menschlichen Siedlung, der zum Ziel hat, das Zombieproblem irgendwie zu lösen. Die sogenannten Knochen, eine weit aggressivere Mutation der normalen Zombies, machen Jagd auf R und Julie. Und dann wäre da noch die Kleinigkeit, dass R zwar Julie gerettet, ihren Freund Perry (Dave Franco) allerdings gefressen hat …

Kritik

Warm Bodies Kritik 1Nach Vampiren und Werwölfen (das „Twilight“-Franchise) sowie Außerirdischen („Ich bin Nummer Vier“) jetzt also eine Teenager-Lovestory mit Zombies. Was sich bei Altmeister Romero bereits abzeichnete – die Wiedermenschwerdung der entmenschlichten Wesen („Day of the Dead“, „Land of the Dead“), wurde 2010 von Isaac Marion in seinem Roman „Mein fahler Freund“ aufgegriffen und 2013 unter Regie von Jonathan Levine („All the Boys Love Mandy Lane“, „50/50 – Freunde fürs Leben“) zum entsprechenden Film adaptiert. Dabei ist natürlich klar, was den Zombies wieder frisches Leben einhauchen wird: Die Liebe. In diesem Fall: Die Grenzen überwindende Liebe zwischen R und Julie. Die Parallelen zu Shakespeares „Romeo und Julia“ sind natürlich nicht zu übersehen. Anstatt, wie in „Twilight“, den Schinken auf dem Nachtisch zu platzieren, wird in „Warm Bodies“ die Namensgebung angepasst und flink die Balkonszene nachgestellt.

Warm Bodies Kritik 2Die Idee ist nicht ohne Reiz, und obwohl sich „Warm Bodies“ klar erkennbar an den Genreeckpunkten abarbeitet, schafft er es, dem an sich ziemlich ausgelutschten Thema „Zombie“ interessante neue Aspekte abzugewinnen, sowie ab und zu clevere Details einzubauen. Eine „Lucio Fulci“-Blu-Ray wird ins Bild gehalten (ausgerechnet der verblichene Teenager hält die Vorzüge von Vinyl gegenüber MP3-Dateien hoch) und die Dreiecks-Beziehung zwischen lebendem Mädchen, totem Freund und untotem Verehrer, der durch Verzehr des Hirnes seines Vorgängers dessen Erinnerungen erlangt, ist ebenfalls ein spannendes Konstrukt. Leider lässt „Warm Bodies“ die meisten dieser Ansätze recht schnell wieder fallen. Die Dreiecks-Beziehung wird nach einer kurzen Trennung der Protagonisten nie wieder angesprochen, und auch der Konflikt zwischen dem jungen Liebespaar und Teresas Vater (ziemlich verschenkt: John Malkovich) wird arg stiefmütterlich behandelt und ohne große Probleme im letzten Drittel des Filmes aufgelöst. Am Ende erzählt er seine vorhersehbare Geschichte von zwei jungen Liebenden, die aus unterschiedlichen Gesellschaften kommen und deren Glück sich über Angst und Vorurteile hinaus beweisen muss. Dieser Konflikt wird dann auch recht unbefriedigend durch die Einführung einer dritten Partei gelöst, die einen Zusammenschluss der beiden Gruppen (Menschen und Zombies) so oder so nötig macht.

Warm Bodies Kritik 3Auch wenn „Warm Bodies“ das in ihm schlummernde Potential nie wirklich ausschöpft – was geboten wird, ist dennoch sehenswert. Palmer (die auch schon in „Ich bin Nummer Vier“ mitspielte) und Hoult (dieses Jahr noch als Jack in „Jack and the Giants“ zu sehen) sind ein wunderbares Leinwandpaar und meistern ihre Rollen souverän. Gerade Hoults lakonischer Voice-Over zu Beginn des Films, der den Tagesablauf eines Zombies erläutert, sorgt für einige Schmunzler. Ansonsten dudelt, manchmal allzu penetrant, das Beste aus den 80ern, den 90ern und das Beste von heute durch den Soundtrack, und vor großen Gewalteskalationen schreckt „Warm Bodies“ – wohl mit Blick auf eine angemessene Altersfreigabe – zurück. Das Gefühl, dass der Film reichlich kalkuliert ist, wird man ohnehin nicht ganz los. Auf der anderen Seite hätten wohl nur die wenigsten Zuschauer etwas wirklich komplett mit Erwartungen und Konventionen Brechendes erwartet. Und darüber hinaus kann selbstverständlich auch ein kalkulierter Kinder- und Jugendfilm in den Händen eines fähigen Teams zu einer guten Arbeit werden. Und eben so einer ist „Warm Bodies“ geworden.

Regisseur Levine scheint sich außerdem bewusst zu sein, dass er nicht die Neuerfindung des Rades abliefert und bläht seinen Film nicht über die Maßen auf. Nach knapp 100 Minuten läuft der Abspann. Und zwar nach einem richtigen Ende. Kein Hintertürchen für ein Sequel oder Prequel. In Zeiten, in denen jedes Stück Teenie-Trivial-Literatur zum mehrteiligen Epos aufgeplustert werden muss, ein begrüßenswertes Statement.

Fazit

„Warm Bodies“ ist nicht herausragend, aber auch keinesfalls ein schlechter Film. Denn für seine angepeilte Zielgruppe funktioniert er tadellos. Ein harmloser, aber keinesfalls dummer Spaß – vielleicht kein Film für die Ewigkeit, aber auch nicht so banal, dass man ihn zwei Stunden nach Verlassen des Kinosaal schon wieder vollkommen verdrängt hat.


Trailer