Die Odyssee (2026) Kritik

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The Odyssey, USA/GB 2026 • 173 Min • Regie & Drehbuch: Christopher Nolan • Mit: Matt Damon, Tom Holland, Anne Hathaway, Robert Pattinson, John Leguizamo, Lupita Nyong’o, Charlize Theron, Zendaya, Elliot Page • Kamera: Hoyte van Hoytema • Musik: Ludwig Göransson • FSK: ab 12 Jahren • Verleih: Universal Pictures • Kinostart: 16.07.2026 • Deutsche Website

Mit seinem Abenteuer-Spektakel „Die Odyssee“ wagt sich Christopher Nolan in von ihm unbeschrittene Gefilde vor. Während sein großer Oscar-Abräumer „Oppenheimer“ fest in der realen Historie verankert war und von dort einen grimmigen Blick in die Zukunft warf, ist es nun die alte, von Göttern und Fabelwesen dominierte Sage Homers, die das Interesse des Blockbuster-Garanten geweckt hat. Bereits im Vorfeld haben die moderne Ausrichtung der Produktion (das Drehbuch basiert auf einer zeitgemäßen Übersetzung von Emily Wilson) sowie der diverse Cast für Aufregung in der aggressiven Anti-Woke-Bewegung gesorgt. Ein lauter Backlash, den der Autor und Regisseur unlängst als „irrelevant“ abgetan hat. Und in der Tat spielt es keine Rolle, ob eine fiktive Figur wie Helena von Troja hier nun von der Schwarzen Lupita Nyong’o verkörpert wird oder die Charaktere nun vom „Dad“ sprechen oder gar das F-Wort verwenden. Nolan will mit seiner Adaption eines der ältesten Heldenepen überhaupt für ein junges Publikum aufbereiten und diesem eine Alternative zu „Star Wars“, Marvel und Co. aufzeigen. Das Original, sozusagen.

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Mit beachtlicher Talent-Power vor der Kamera und bewährten Gefährten wie DP Hoyte van Hoytema, Editorin Jennifer Lame und Komponist Ludwig Göransson im Kreativteam erschafft Nolan erneut eine monumentale Leinwandwelt, in der er sich erstmals auch an Elementen aus dem Dark-Fantasy- oder Horrorkino versucht. Der monströse Zyklop Polyphem, die listige Hexe Kirke (Samantha Morton) und die tödlichen Sirenen werden buchstäblich aus der Vorlage übernommen, an die sich der Film auch insgesamt recht treu hält: Während der von Matt Damon verkörperte Odysseus nach dem langen Trojanischen Krieg seine beschwerliche Heimreise antritt, wird seine Frau Penelope (Anne Hathaway) in der Heimat von Freiern wie dem aufdringlichen Antinoos (Robert Pattinson) bedrängt, die die Nachfolge des Königs anstreben und dafür auch die Ermordung seines Sohnes Telemachos (Tom Holland) einplanen. Um das Unheil abzuwenden, begibt sich Telemachos schließlich auf die Suche nach seinem Vater …

Es ist einfach, „Die Odyssee“ als handwerklichen Triumph zu bewundern. Christopher Nolan ist und bleibt einer der gewaltigsten Bilderstürmer seiner Generation. Einer, der zugleich meist Geschichten wählt, die die Gegenwart berühren. Im Vergleich zu seinem aktuell wohl größten Rivalen um den Thron im Blockbuster-Olymp, „Dune“-Regisseur Denis Villeneuve, berührt Nolan mit seinem mythischen Coming-of-Age-Abenteuer allerdings deutlich weniger als es der düstere Weg des jungen Paul Atreides tut. „Die Odyssee“ wechselt zwischen finsterem Schlachtgemälde und fantastischem Fiebertraum und führt unzählige Figuren ein, die in dem Spektakel aber leider weitgehend versinken. Verwundern tut das nicht, denn tatsächlich hat Nolan hier – wie schon beim Vorgänger – die halbe Traumfabrik vor der Kamera versammelt. Im Zentrum der Adaption stehen neben Odysseus' Irrfahrt vor allem Telemachos' parallele Reise zum Erwachsenwerden, aber ebenso der ruhige, vorausdenkende Widerstand Penelopes gegen ihre obszönen Gäste. Anne Hathaway bekommt als leiderprobte Gemalin einige kraftvolle Zeilen in den Mund gelegt, die ihre brodelnde Wut auf das wilde Treiben der Alpha-Männchen unterstreichen. Die Einordnung des herablassenden alten Frauenbilds in dieser modernen Betrachtung ist sicher begrüßenswert, allerdings bekommen interessante Charaktere wie Nyong’os Helena oder auch Mia Goths Sklavin Melantho zu wenig Raum, um einen starken Eindruck zu hinterlassen. Da imponiert schon eher Samantha Morton, die als Kirke für das unsittliche Verhalten ihrer Besucher einen passenden Zauber bereit hält.

Komplett umkrempeln mag Nolan den klassischen Stoff nicht, weshalb Odysseus trotz seiner Ecken und Kanten eine Heldenfigur bleibt, die nach ihrer Rückkehr die patriarchalische Ordnung wieder zurückdreht. Die stärkste und mitreißendste Szene im gesamten Film zeigt schließlich die feige Eroberung Trojas in ihrer ganzen Grausamkeit und markiert die vermeintlichen Helden als Mörder und Zerstörer. Gezeichnet von den Schrecken des Krieges sind es Odysseus' gefallene Männer, die ihn heimsuchen und schwere Vorwürfe erheben. So wie Telemachos erst zum Mann reifen muss, muss auch sein Vater erst zu sich selbst finden, bevor er die Heimreise antreten kann. Wie viele Veteranen von realen Kriegen, ist auch Odysseus Opfer einer posttraumatischer Belastungsstörung, die ihn zunächst nur mit Scham und in Gestalt eines Bettlers in seinem Palast auftreten lässt. Mit „Die Odyssee“ möchte Christopher Nolan ganz sicher den Horror von Menschen in Bilder fassen, die Opfer von Kriegsgewalt geworden sind und im bellizistischen Wahnsinn selbst getötet haben. Im Gegensatz zu seinem nachdenklichen „Oppenheimer“, der eine zukünftige bewaffnete Auseinandersetzung zwischen Staaten mit einer apokalyptischen Mahnung abgeschlossen hat, bleibt seine aktuelle Produktion trotz brutaler Szenarien leider zu sehr effektgeladenes Abenteuerkino, um einen ähnlich kraftvollen und nachwirkenden Endpunkt zu setzen. „Die Odyssee“ ist ein Stück unbedingt sehenswertem Genrekinos, dem die bunten Comicbuchstorys schon aus technischer und narrativer Sicht nicht das Wasser reichen können, dem aber zugleich im Spektakel die gewohnte Doppelbödigkeit Nolans abhanden kommt. Negativ sind außerdem einige Längen gegen Ende und eine gewisse Überfrachtung in Angesicht der knapp dreistündigen Spieldauer zu vermelden.

Mit „Die Odyssee“ wagt sich Christopher Nolan aus der sonst eher naturwissenschaftlich fundierten Komfortzone und zeigt, dass er auch fantastischen Sagen einiges abgewinnen kann. Als episodenhaftes Leinwand-Abenteuer funktioniert das ausgezeichnet, auch wenn der Oscarpreisträger seine zerebralen Qualitäten diesmal ein Stück vermissen lässt.


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The Odyssey, USA/GB 2026 • 173 Min • Regie & Drehbuch: Christopher Nolan • Mit: Matt Damon, Tom Holland, Anne Hathaway, Robert Pattinson, John Leguizamo, Lupita Nyong'o, Charlize Theron, Zendaya, Elliot Page • Kamera: Hoyte van Hoytema • Musik: Ludwig Göransson • FSK: ab...Die Odyssee (2026) Kritik