Resident Evil, USA/DE 2026 • 94 Min • Regie: Zach Cregger • Drehbuch: Zach Cregger, Shay Hatten • Mit: Austin Abrams, Zach Cherry, Kali Reis, Paul Walter Hauser, Johnno Wilson • Kamera: Dariusz Wolski • Musik: Hays Holladay, Ryan Holladay • FSK: ab 16 Jahren • Verleih: Constantin Film • Kinostart: 17.09.2026 • Deutsche Website
Zach Cregger kommt mit seinem gleichnamigen Beitrag zum legendären Survival-Horror-Franchise „Resident Evil“ dem Wunsch Bruce Campbells nach einem endlich wieder humorvollen „Evil Dead“-Kapitel überraschend nahe. Ähnlich wie Sam Raimi einst seinen tollpatschigen Helden Ash Williams in seinem Splatstick-Original mit den Teufeln tanzen ließ, schickt der „Weapons“-Regisseur hier einen ahnungslosen Organkurier auf einen atemlosen Höllenritt durch eine ereignisreiche Nacht. Fans von Capcoms inzwischen dreißigjähriger Games-Reihe sollten sich im Vorfeld darauf einstellen, dass ihnen das Werk weder beliebte Charaktere wie Leon S. Kennedy, Jill Valentine oder Chris Redfield serviert, noch eine bereits bekannte Geschichte für die Leinwand aufpoliert.
Gerade erst hat der junge Kurier Bryan (Austin Abrams) eine lebenswichtige Lieferung in eine Notaufnahme befördert, da erhält er von dort einen weiteren Eilauftrag zugeteilt. Zu dem zugesicherten Sonderzuschlag kann der werdende Vater nicht Nein sagen, weshalb er sich mit Sommerreifen über die verschneite Landstraße nach Raccoon City durchkämpft. Ein telefonischer Streit mit seiner besseren Hälfte soll schon bald sein kleinstes Problem darstellen, denn ein Unfall mit Personenschaden schaukelt sich für Bryan zu einer Nacht des Grauens auf. Mit monströsen Mutationen und zahlreichen alltäglichen Widrigkeiten gegen sich, führt ihn sein Weg letztlich mühsam ins Herz von Raccoon City …
Als sich Zach Cregger bereits im Vorfeld über seinen etwas anderen, von den Games entkoppelten, „Resident Evil“-Ansatz geäußert hat, gab es reichlich Gegenwind von der eingefleischten Fangemeinde, die dem Genre-Hot-Shot direkt Unsicherheit bezüglich der Lore unterstellte. Nicht nur fehlten ihr die einschlägigen Protagonisten, auch Bedenken bezüglich der Timeline wurden laut. Und tatsächlich nimmt sich der Regisseur und Co-Autor hier diverse Freiheiten, verlegt etwa seine Geschichte in die Gegenwart und in ein fröstelndes Winterszenario. Eine gewisse Aufgeschlossenheit ist also eine gute Voraussetzung, um das adrenalingetränkte Splatterabenteuer wirklich genießen zu können. Wer Creggers Ursprünge kennt und seine Vorgängerfilme „Barbarian“ und „Weapons“ gesehen kann, dürfte wohl wenig überrascht sein, dass sein „Resident Evil“ ebenfalls mit einer ordentlichen Portion Situationskomik aufwartet. Tatsächlich halten sich Thrill und Humor hier in etwa die Waage, weshalb auch ein Mainstreampublikum trotz expliziter Ekeleinlagen Gefallen an der bewusst simplen Story finden sollte.
Im Gegensatz zu den ersten sechs Kinoadaptionen, die trashige Sci-Fi-Action mit einer Variation der Game-Hintergründe verbanden, und Johannes Roberts' fadem Fanservice in „Resident Evil: Welcome to Raccoon City“, versucht Cregger nun einen authentischen Survival-Horror mit einem zunächst reichlich hilflosen und überforderten Helden zu präsentieren. Bryan ist als gewöhnlicher Arbeiter und Waffenneuling eine äußerst sympathische Identifikationsfigur, die gleichzeitig ein wenig in Erinnerung ruft, wie während der Corona-Pandemie Postboten und andere Angestellte den Laden wirklich am Laufen gehalten haben. Während man sich als Leon S. Kennedy in „Resident Evil 4“ relativ sicher durch feindliches Gebiet ballern konnte, kommt der ängstliche Kurier einer Figur wie Ethan Winters im atmosphärischen Comeback „Resident Evil 7: Biohazard“ näher, den die Suche nach seiner verschwundenen Frau in den Albtraum gestürzt hat. Austin Abrams, der bereits ein Highlight in „Weapons“ war, imponiert hier mit einer fast gänzlich physischen Performance (in Anbetracht seiner Erlebnisse beschränkt sich sein Wortschatz weitgehend auf Variationen von „Fuck“ und „Shit“), die in einer Mischung aus erwähntem Ash Williams („Tanz der Teufel“) und John McClane („Stirb langsam“) in diversen Extremsituationen bis über die Belastungsgrenze herausgefordert wird.
Um was es sich bei Bryans mysteriöser Fracht handelt, wird kein allzu großer Hehl gemacht. „Resident Evil“ ist kein Film der langen Geheimniskrämerei und unterscheidet sich mit seiner Geradlinigkeit auch strukturell stark von Creggers verschachtelten Vorgängern. Genau wie in den Games bekommt der Held eine Aufgabe gestellt – hier: eine Lieferung von A nach B zu bringen -, die sich aber aber durch eskalierende Hindernisse und Gefahren als tödliche Herausforderung entpuppt. Wie Cregger bereits ausgeführt hat, funktioniert seine actionreiche Odyssee wie ein alternatives Unterkapitel, das chronologisch während der ersten drei Spiele angesiedelt sein könnte. Dass sehr verbohrte Fans letztlich trotzdem laut aufheulen werden, ist abzusehen. Den Geist und Thrill der Gaming-Erfahrung übersetzt der Regisseur in Zusammenarbeit mit seinem DP Dariusz Wolski („Alien: Covenant“) allerdings ausgezeichnet für die große Leinwand. So bleibt die Kamera, wie in den modernen spielbaren Vorlagen, stets nah am Protagonisten und erlaubt es den Kreaturen, diesem und dem Publikum bei unvorsichtigem Verhalten einen fiesen Schock zu versetzen. Glücklicherweise verkommt der rastlose „Resident Evil“ dabei aber nie zu einem langweilenden „Let’s Play“, sondern zeigt erneut, dass Zach Cregger neben Stimmung auch Timing hervorragend beherrscht. Ob Grauen oder Lachen: Der reichlich bitterböse Body-Horror verfehlt nur selten sein Ziel.
Als Kritikpunkt kann man dem Werk wohl anlasten, dass es in Zelebration von Bryans zahlreichen Fettnäpfchen die finstere Seite des Stoffes etwas zu sehr in die Ecke drängt und dabei auch der zwielichtige Pharmakonzern Umbrella eher wie ein Start Up mit trotteligen Mitarbeitern rüberkommt. Vielleicht lässt sich festhalten, dass Creggers Film eher eine schwer unterhaltsame Hommage an und nicht die ultimative Adaption von „Resident Evil“ ist. Somit ist es am Ende auch müßig, sich an einer Empfehlung für die tiefste Fanbasis zu versuchen, die ihr Urteil vermutlich eh längst gefällt hat. Mehr Sinn macht es, diese zwischen Slapstick und Gore operierende – aber auch unerwartet emotionale und kompromisslose – Mischung aus Sam Raimis Deadite-Trilogie und den John-Carpenter-Klassikern „Die Klapperschlange“ und „Das Ding aus einer anderen Welt“ Zuschauern ans Herz zu legen, denen der Sinn mal wieder nach unprätentiöser aber perfekt orchestrierter und knackig kurzer One-Man-Action steht.






