Gesehen am 10.08.2026 bei einer Sneak Preview
The End of Oak Street, USA 2026 • 99 Min • Regie: David Robert Mitchell • Mit: Anne Hathaway, Ewan McGregor, Maisy Stella, Christian Convery, P. J. Byrne • FSK: ab 12 Jahren • Kinostart: 13.08.2026 • Deutsche Website
Handlung
Die Platts sind eine Bilderbuchfamilie aus der US-amerikanischen Vorstadt der frühen Achtzigerjahre. Doch der Schein trügt, und hinter der perfekten Fassade kriselt es gewaltig. Papa Greg (Ewan McGregor) verheimlicht seiner Familie seine Entlassung, schlägt sich mit Gelegenheitsjobs, unter anderem als Pizzalieferant, durch und ertränkt seine Sorgen immer häufiger in Alkohol. Seine von seiner häufigen Abwesenheit frustrierte Ehefrau Denise (Anne Hathaway) hat die Nase voll von ihrem Leben als Hausfrau und verarbeitet ihre Sehnsucht nach einem Neuanfang in einem Roman, den sie heimlich im Keller schreibt. Tochter Audrey (Maisy Stella) träumt von einem Astronomie-Studium bei Carl Sagan, weiß aber, dass die Familie es sich nicht leisten kann. Die Dauerstreits seiner Eltern und ihre drohende Scheidung belasten besonders ihr jüngstes Kind Brian (Christian Convery). Er rebelliert und verletzt bei einem schiefgelaufenen Streich ein anderes Kind.
Über Nacht weichen jedoch die Konflikte und Sorgen dem Kampf ums nackte Überleben: Ein geheimnisvolles kosmisches Ereignis hat die gesamte Nachbarschaft in prähistorische Zeiten teleportiert! Gefräßige Dinosaurier und andere tödliche Kreaturen streifen über makellos gepflegte Rasenflächen und fallen über die Anwohner her. Um zu überleben und einen Weg zurück in die eigene Zeit zu finden, müssen die Platts als Familie zusammenhalten und wieder lernen, einander zu vertrauen.
Kritik
Auch wenn wir uns manchmal für die Krone der Schöpfung halten, existieren moderne Menschen erst seit rund 300.000 Jahren und machen damit nur einen mickrigen Anteil an der Geschichte unseres Planeten aus. Dinosaurier hingegen waren rund 170 Millionen Jahre lang die dominanten Lebewesen auf der Erde, bis ein Asteroideneinschlag sie vor 66 Millionen Jahren auslöschte.
Seit dem Beginn der paläontologischen Forschung im 19. Jahrhundert faszinieren Dinosaurier die Menschen. Bahnbrechende Stop-Motion-Trickeffekte im schwarz-weißen Stummfilm The Lost World erweckten sie vor über 100 Jahren erstmals im Kino zum Leben. Doch erst Steven Spielbergs Meilenstein Jurassic Park trieb den Dino-Hype auf die Spitze. Jurassic Park ist der Inbegriff eines perfekten Popcornfilms, das cineastische Äquivalent zu einer aufregenden Achterbahnfahrt, die auch beim zehnten Mal noch unverändert begeistert und die Herzen höherschlagen lässt. So wie Spielbergs Der weiße Hai fast 20 Jahre zuvor zur Blaupause für alle künftigen Tierhorrorfilme wurde, machte die nahtlose Verbindung aus praktischen Effekten und damals neuartigen CGI-Effekten Jurassic Park trotz zahlreicher wissenschaftlicher Ungenauigkeiten zum Goldstandard für die Darstellung der Saurier im Kino. Mehr als 30 Jahre, sechs Fortsetzungen und ein Gesamteinspiel von fast sieben Milliarden US-Dollar später hält das Jurassic-Franchise immer noch ein Monopol auf Dino-Abenteuer im Kino.

Das soll jedoch nicht heißen, dass The End of Oak Street frei von Spielbergs Einflüssen ist. Im Gegenteil: Es sind die älteren Produktionen von Spielbergs Amblin Entertainment, die Mitchells Kindheit offensichtlich prägten und ihm für seine vierte Regiearbeit als Vorbild dienten. Filme wie Gremlins, Poltergeist und E.T., in dessen Veröffentlichungsjahr 1982 The End of Oak Street angesiedelt ist, gehören zu den größten Einflüssen. Wie in Poltergeist lässt sich Mitchell auch in seinem Film Zeit, um die Spannung aufzubauen. Seltsame Vorkommnisse in der beschaulichen Vorstadt – eine prähistorische Pflanze hier, ein gigantischer Misthaufen da – sorgen zunächst nur für Verwunderung, bevor die Situation rasant eskaliert und in blanke Angst und einen nackten Kampf ums Überleben umschlägt.



Obwohl die Dino-Action nie zu kurz kommt und die überraschenden Gewaltspitzen die Grenzen eines PG-13-Ratings bzw. einer FSK-12-Freigabe ausreizen (diese Dinos fackeln nicht herum!), ist The End of Oak Street im Kern ein Familienfilm. Es gibt zwar einige Nebencharaktere, etwa die kluge Bibliothekarin, den nervigen Nachbarn und ein Nachbarsmädchen, das ein Auge auf Audrey geworfen hat, doch im Grunde ist es die Geschichte einer Familie, die auseinanderzubrechen droht, bevor eine Krise sie wieder zusammenschweißt. Es ist daher entscheidend, dass man als Zuschauer mit der Familie mitfiebert, wenn sie ums Überleben kämpft – und das fällt beim Quartett Ewan McGregor, Anne Hathaway, Maisy Stella und Christian Convery nicht schwer. Die Darsteller harmonieren wundervoll miteinander, und die Familiendynamik ist glaubwürdig. McGregors natürlich sympathische Ausstrahlung sorgt dafür, dass man sich trotz seiner Makel mit ihm identifizieren kann, während Hathaway in ihrer dritten Hauptrolle in diesem Sommer (!) nach Der Teufel trägt Prada 2 und Die Odyssee als resolute Mutter, die sich mehr vom Leben erhofft und zur unwahrscheinlichen Heldin wird, ihre Vielseitigkeit unter Beweis stellt.

Fazit
Mit seinem ersten Ausflug ins Mainstream-Kino huldigt Regisseur und Drehbuchautor David Robert Mitchell den Science-Fiction-, Horror- und Abenteuerfilmen, mit denen er in den achtziger Jahren aufgewachsen ist. Wie kaum ein anderer Film seit Super 8, dessen Regisseur J.J. Abrams hier als Produzent beteiligt war, verbindet The End of Oak Street Spannung und Action mit einem wohligen Gefühl der Vertrautheit und der nostalgischen Sehnsucht nach dem Abenteuerkino vergangener Zeiten. Leider verlässt Mitchell nie die sicheren Bahnen seiner Vorbilder und bringt den Mut zum Risiko, den er zwischendurch durchaus erkennen lässt, nicht konsequent genug auf. Trotz gelegentlich überraschender Härten ist The End of Oak Street letztlich ein Familienfilm – in jeder Hinsicht.

