Guardians of the Galaxy 3 James Gunn

James Gunn am Set von Guardians of the Galaxy (2014) © Walt Disney Pictures

Quelle: Deadline

Vor drei Wochen schockierte Disney die Marvel-Fans weltweit, als das Studio den Guardians-of-the-Galaxy-Regisseur James Gunn aufgrund seiner alten kontroversen Tweets (mehr dazu hier) gefeuert hat. Zuvor war Gunn als Regisseur von Guardians of the Galaxy Vol. 3 gesetzt und hat bereits das fertige Drehbuch zum Sequel abgeliefert. Die Dreharbeiten sollten ursprünglich Anfang 2019 beginnen, damit der Film als Teil von Marvels Phase Vier 2020 in die Kinos kommen kann.

All diese Pläne befinden sich aktuell in der Schwebe, denn durch die übereilte Entscheidung, Gunn vor die Tür zu setzen, zog Disney nicht nur den Zorn der Fans auf sich, sondern auch die eigenen Stars fühlten sich von der Entwicklung überrumpelt und äußerten ihre Unzufriedenheit. Nachdem zunächst Dave Bautista, Michael Rooker und Sean Gunn öffentlich ihre Unterstützung für Gunn kundgetan hatten, wurde zehn Tage nach seiner Entlassung ein gemeinsames Statement des gesamten Guardians-Casts veröffentlicht, in dem sie sich für Gunn einsetzten und seiner Wiedereinstellung durch Disney forderten. Auch zahlreiche weitere Figuren aus der Entertainment-Industrie verurteilten Disneys Reaktion als überstürzt und unüberlegt.

Disney zeigte jedoch keine Anzeichen, die Entscheidung rückgängig machen zu wollen. Diese kam angeblich von höchster Stelle und dort sieht man wohl keinen Anlass dazu, Gunn wiedereinzustellen. Die Guardians-Darsteller mögen unzufrieden sein, sind jedoch vertraglich an den dritten Film gebunden. Natürlich würde das kein gutes Licht auf die Produktion werfen, aber auch die Wiedereinstellung von James Gunn wäre für Disney zum jetzigen Zeitpunkt problematisch, da es dann sicherlich Vorwürfe hageln würde, das Studio sei nur ein Fähnchen im Wind und beuge sich dem Außendruck. Was natürlich absolut der Wahrheit entspricht, denn Gunns alte Tweets und seine Wurzeln als Troma-Provokateur hätten dem Studio noch lange vor seiner Verpflichtung bekannt sein müssen. Gunn hat sich für seine fragwürdigen Bemerkungen schon vor langer Zeit entschuldigt und erst jetzt, als sie im aktuellen, heiklen Klima in den Mittelpunkt der medialen Aufmerksamkeit rückten, reagierte Disney schnell und verkalkulierte sich, was öffentliche Unterstützung angeht. Knapp gesagt: die Situation ist eine Farce.

So essentiell wie James Gunn für das Guardians-of-the-Galaxy-Franchise war (er schrieb sogar eine Guardians-Szene für Infinity War), scheint es unmöglich, sich einen anderen Filmemacher vorzustellen, der in seine Fußstapfen folgen soll, um die Trilogie zu vollenden. Laut einem neuen Bericht des Industrie-Portals Deadline unternimmt jetzt sogar Marvel Studios einen letzten Versuch, die Situation irgendwie zu retten. Angeblich plädiert Marvel über inoffizielle Kanäle an den Mutterkonzern Disney (der Marvel Entertainment 2009 aufgekauft hat), James Gunn wiedereinzustellen. Allerdings betont der Bericht auch, dass diese Verhandlungen nur geringe Aussichten auf Erfolg haben. Dabei handelt es sich auch nicht um Auflehnung Marvels gegen Disney oder kategorische Forderungen, sondern um eine Reaktion seitens Marvel auf das Statement des Guardians-Casts. Gunn erschuf schließlich aus zuvor nur eingefleischten Comicfans bekannten Figuren ein Franchise, das weltweit bislang mehr als $1,6 Milliarden eingespielt hat.

Ich drücke Marvel und James Gunn die Daumen, dass Disney doch noch in den saueren Apfel beißt und Gunn zurückbringt. Sollte es nicht dazu kommen, wird er jedoch zumindest in finanzieller Hinsicht nicht als kompletter Verlierer aus der Situation hervorgehen. Seine Abfindung nach der Entlassung soll sich auf $7-10 Mio belaufen.