Box-Office USA: Es bleibt gigantisch, mother! floppt

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mother! Es Einspiel
ÜBERBLICK DER REZENSIONEN

Links: Es © 2017 Warner Bros. Pictures
Rechts: mother! © 2017 Paramount Pictures

Quelle: Boxofficemojo

Nach dem umsatzschwächsten Sommer in Nordamerika seit über zehn Jahren, steuern die Einspielergebnisse diesen Monat dank dem Megahit Es auf einen möglichen neuen Rekord zu. Vergangenes Wochenende setzte die Top 12 insgesamt $103,6 Mio um. Das war zwar 33% weniger als in der Vorwoche, jedoch 38% mehr als am gleichen Wochenende vor einem Jahr, als Clint Eastwoods Sully zum zweiten Mal in Folge die Charts anführte. Die beiden Newcomer in den Kinos haben keinen großen Eindruck hinterlassen, doch Es herrschte wieder einmal mit phänomenalen Zahlen. Die meisten Filme hielten sich am Wochenende außerordentlich gut, insbesondere Familienfilme und Filme mit der jugendfreien PG-13-Freigabe. Dies liegt am aktuellen Überangebot von Filmen mit einem R-Rating. Schaut man sich die Charts an, merkt man, dass sechs der sieben oberen Filme R-rated sind. Der Markt dürstet nach massentauglicheren Streifen.

Die Stephen-King-Verfilmung Es erfreute sich weiterhin enormer Beliebtheit und die positive Mundpropaganda wirkt jetzt schon Wunder. Nach einem gigantischen Start, der den bisherigen September-Rekord zerschmetterte, ging es in der zweiten Woche um lediglich 51,3% hinab auf $60,1 Mio. Für einen so groß gestarteten Horrorfilm ist es ein sehr guter Drop. Allein das zweite Wochenende des Films hätte für einen neuen September-Startrekord ausgereicht, den Hotel Transsilvanien 2 bis zu diesem Jahr mit $48,5 Mio hielt. Es war das drittbeste zweite Wochenendergebnis des Jahres, lediglich hinter Die Schöne und das Biest ($90,4 Mio) und Guardians of the Galaxy Vol. 2 ($65,3 Mio) und vor Megahits wie Wonder Woman ($58,5 Mio) und Spider-Man: Homecoming ($44,2 Mio). Dass ein Horrorfilm auf dem Level dieser Comic-Blockbuster läuft bzw. gar darüber, ist schier unfassbar. Es war natürlich auch das größte zweite Wochenende aller Zeiten für einen Horrorfilm. Sogar Horrorhits wie Conjuring oder Paranormal Activity 3 spielten an ihrem ersten Wochenende weniger ein als Es an seinem zweiten.

Nach zehn Tagen hat Es bislang $218,8 Mio eingenommen und brach damit mehrere weitere Rekorde. Es ist die mit Abstand erfolgreichste Stephen-King-Verfilmung aller Zeiten (zuvor war es The Green Mile mit $136,8 Mio) und der erste Film, der im September in die Kinos kam und mehr als $200 Mio in den USA und in Kanada einspielte. Sogar inflationsbereinigt liegt Es bereits auf Platz 4 unter den erfolgreichsten Filmen, die je im September veröffentlicht wurden. Außerdem zog Es mit Deadpool gleich, als schnellster R-rated-Film, der $200 Mio in Nordamerika erreichte. Beide benötigten dazu nur neun Tage. Es liegt bereits auf Platz 12 der erfolgreichsten Filme aller Zeiten mit einem R-Rating in den USA und wird auf lange Sicht als vierter R-rated-Film (nach Die Passion Christi, Deadpool und American Sniper) die $300-Mio-Marke überschreiten. Einem Horrorfilm ist dies noch nie gelungen (inflationsbereinigt liegt Der Exorzist aber natürlich weit darüber). Mit Unfriend, Flatliners und Jigsaw nächsten Monat erwartet den Film durchaus einiges an direkter Konkurrenz, doch da er mittlerweile den Status eines Eventfilms und eines Must-Sees erreichte, werden ihm diese Filme auch wenig ausmachen. Aktuell gehe ich von gigantischen $330-340 Mio für das Gesamteinspiel des Horrorfilms aus, dessen Budget lediglich $35 Mio betrug.

Platz 2 ging an den Neueinsteiger American Assassin. Der Actionthriller mit Michael Keton und Dylan O’Brien spielte $14,8 Mio von 3154 Kinos ein und erzielte dabei einen Schnitt von $4707 pro Spielstätte. Von den Kritikern wurde der Film weitgehend verrissen, die Zuschauer waren deutlich besser auf ihn zu sprechen und vergaben im Schnitt einen soliden "B+"-CinemaScore (äquivalent einer "2+"). Die Haupt-Zielgruppe waren ältere Männer, denn 71% der Gesamtzuschauer am Startwochenende waren älter als 35 und 55% waren männlich. In diesem Zuschauersegment wird der Film in den kommenden Wochen direkte Konkurrenz von Kingsman: The Golden Circle und Barry Seal: Only in America bekommen. Daher sollte er nicht mehr als $38-43 Mio einspielen. Bei einem Budget von nur $33 Mio (ohne Marketingkosten) hat er jedoch gute Chancen, international die Ausgaben wieder einzunehmen und sogar ein wenig Profit zu machen.

Platz 3 belegte der Flop der Woche, Darren Aronofskys bizarres Filmexperiment mother! Trotz seiner Starbesetzung aus Jennifer Lawrence, Javier Bardem, Michelle Pfeiffer und Ed Harris spielte der Film nur $7,5 Mio von 2368 Lichtspielhäusern ein und schrieb einen Schnitt von $3182 pro Kino. Es ist der schwächste breite Start in der bisherigen Karriere der Oscargewinnerin Lawrence. Viel erschreckender ist jedoch, wie negativ die Zuschauer auf den Film reagierten. Alle Zuschauergruppen vergaben dem Film im Schnitt den niedrigsten "F"-CinemaScore, äquivalent einer "6". mother! ist erst der 12. Film in der langen CinemaScore-Geschichte, der diese Wertung erhalten hat. Gerade extrem polarisierende Filme sind von einer solchen Wertung gelegentlich betroffen. Weitere Beispiele sind Richard Kellys The Box und Steven Soderberghs Solaris. In jedem Fall bedeutet eine solche Wertung natürlich extrem negative Mundpropaganda, sodass mother! an den Kinokassen sehr schnell zusammenbrechen und maximal $15-17 Mio erreichen wird. Da Paramount $30 Mio (Marketingausgaben ausgeschlossen) für den Film springen ließ, kann das Studio mit dem Ergebnis kaum zufrieden sein.

Auf Seite 2 geht es um die neusten Einspielergebnisse älterer Filme wie Wind River, Annabelle 2, Spider-Man: Homecoming und Wonder Woman.