Links: Wonder Woman © 2017 Warner Bros. Pictures
Rechts: Die Mumie © 2017 Universal Pictures

Quelle: Boxofficemojo

Obwohl sich gleich vier neue Filme in der Top 12 der nordamerikanischen Wochenendcharts platzierten, sorgte keiner von ihnen für großes Aufsehen und die größte Geschichte am Wochenende war der phänomenal gute Rückgang von Wonder Woman in der zweiten Woche. Die Gesamteinnahmen der Top 12 gingen um 23% gegenüber der Vorwoche zurück auf $138,9 Mio. Verglichen zum Vorjahr, als Conjuring 2 den ersten Platz der US-Charts belegte, lag die Top 12 3% tiefer.

Spätestens nach dem letzten Wochenende dürften keine Zweifel mehr bestehen: Wonder Woman ist ein gigantisches Box-Office-Phänomen in Nordamerika und wird für den Erhalt und die Beliebtheit von DCs Kinouniversum Wunder wirken. Die vierte Comicbuchverfilmung im DC Extended Universe verteidigte nicht nur mühelos den Spitzenplatz der Kinocharts, sondern legte dabei noch trotz direkter Blockbuster-Konkurrenz durch Die Mumie einen mehr als beeindruckenden Rückgang hin. Der Streifen fiel lediglich um 43,3% auf $58,5 Mio und steht nach zehn Tagen bereits bei fantastischen $206,3 Mio. Wonder Woman ist auf Platz 5 der erfolgreichsten Filme 2017 geklettert und wird in den nächsten Tagen in die Top 3 aufsteigen. Wie gut der Drop des Films an seinem zweiten Wochenende war, kann gar nicht genug betont werden. Am besten veranschaulicht das der direkte Vergleich mit den Rückgängen von Man of Steel, Batman v Superman und Suicide Squad, die in der zweiten Woche jeweils um 64,6%, 69,1% und 67,4% fielen. Wonder Woman hatte zwar das kleinste Startwochenende von den vier DC-Filmen, jedoch das mit Abstand größte zweite Wochenendergebnis und wird von nun an schnell die Distanz zwischen sich und den anderen drei Filmen überbrücken. Aktuell liegt der Film noch 2% hinter Man of Steel, 7% hinter Suicide Squad und 21% hinter Batman v Superman im selben Zeitraum. Zum Vergleich: nach seinem Startwochenende vor einer Woche lag Wonder Woman noch 23% hinter Suicide Squad. So schnell wird die Differenz aufgeholt. Die Mundpropaganda für Wonder Woman ist grandios, der „A“-CinemaScore (äquivalent einer „1“), eine Zuschauerwertung, die eine große Umfrage am Startwochenende ergab, zeigt jetzt schon Wirkung.

Ein solcher Rückgang am zweiten Wochenende ist nicht nur im Vergleich zu den anderen DC-Verfilmungen beeindruckend, sondern eigentlich zu allen großen Blockbustern der letzten Jahre. Es ist absolut normal, dass sogar Filme mit guter Mundpropaganda mindestens um 50% an ihrem zweiten Wochenende nachgeben, wenn sie wirklich groß starten. Weder Guardians of the Galaxy noch The Dark Knight oder The Avengers konnten ein Minus von 50% an ihrem zweiten Wochenende vermeiden. Wonder Woman hielt sich an seinem zweiten Wochenende besser als jede große Comicverfilmung seit dem ersten Spider-Man vor 15 Jahren! Tatsächlich hielten sich lediglich vier weitere Filme, die mit mehr als $100 Mio gestartet sind, an ihrem zweiten Wochenende besser als Wonder Woman: Star Wars – Das Erwachen der Macht, Spider-Man, Shrek 2 und The Jungle Book. Bei zwei von ihnen fiel das zweite Wochenende auf einen Feiertag bzw. lag in der Weihnachtszeit, sodass sie einen Vorteil hatten. Insofern ist Wonder Woman ein echtes Box-Office-Wunder. War nach dem Startwochenende ein Gesamteinspiel von $300 Mio in Nordamerika lediglich eine Möglichkeit, ist es jetzt absolut sicher, dass er die Barriere mit Leichtigkeit erreichen wird. Es ist auch sehr wahrscheinlich, dass er Batman v Superman ($330,4 Mio) überholen und zum umsatzstärksten Film des neuen DC-Kinouniversums in Nordamerika werden wird. Aktuell sieht es nach einem Gesamteinspiel von $340-355 Mio für den Film aus, was einen unglaublich guten Multiplikator nach seinem Startwochenende bedeuten würde. Weltweit hat Wonder Woman bereits $439 Mio eingenommen und steuert auf mehr als $750 Mio zu.

Weit abgeschlagen auf Platz 2 landete das neue Reboot von Die Mumie mit Tom Cruise und spielte zum Start $31,7 Mio von 4065 Kinos ein, was einen Schnitt von $7853 pro Spielstätte bedeutete. Für die $125 Mio teure Produktion (Marketingkosten ausgeschlossen) ist es ein sehr enttäuschender Start und der schwächste Start eines Films überhaupt, der in mehr als 4000 Kinos angelaufen ist. Insbesondere für einen Film, der ein ganzes Kinouniversum von Monsterfilmen von Universal ins Rollen bringen soll, ist das Startwochenende mehr als durchwachsen, wenn auch nicht sonderlich überraschend. Die Kritiker haben den Film zerrissen, die Zeiten von Tom Cruise als Box-Office-Magnet in Nordamerika sind vorüber und das Marketing zum Film hat es nicht geschafft, ihn als echtes Kino-Event zu positionieren. Es ist das neuntbeste Startwochenende in der Karriere von Tom Cruise, vor Edge of Tomorrow ($29,8 Mio), aber hinter Minority Report ($35,7 Mio) und Oblivion ($37,1 Mio). Dass das Franchise an sich deutlich größeres Potenzial hat, zeigten die Filme mit Brendan Fraser. Sogar wenn man die Inflation außer Acht lässt, startete jedes seiner drei Mumien-Abenteuerbesser als der neue. Der erste Teil schaffte 1999 mit $43,4 Mio den damals neuntbesten Start aller Zeiten und spielte insgesamt $155,4 Mio ein, Die Mumie kehrt zurück gelang 2001 mit $68,1 Mio sogar das zweitbeste Startwochenende aller Zeiten, bevor er insgesamt $202 Mio einnahm, und Die Mumie: Das Grabmal des Drachenkaisers startete mit $40,5 Mio und spielte $102,5 Mio in den USA und in Kanada ein. Sogar der Ableger Scorpion King startete 2002 mit $36,1 Mio besser als das neue Reboot und trug dabei ein Budget von nur $60 Mio. Das muss wehtun. Nicht nur Kritiker, sondern auch Kinogänger waren von Die Mumie nicht begeistert und vergaben im Schnitt einen „B-„-CinemaScore an den Film, äquivalent einer „2-„, was für einen Blockbuster in heutiger Zeit wirklich schwach ist. Als Ausgleich legte der Film immerhin einen ordentlichen internationalen Start hin, mit knapp $141 Mio aus der Übersee am Wochenende. In Nordamerika wird er bestenfalls etwa $75-85 Mio einnehmen und hat noch einen sehr langen Weg vor sich, bis er seine Kosten wieder deckt.

Auf Seite 2 findet Ihr Neuigkeiten zu den Einspielzahlen von Guardians of the Galaxy Vol. 2, Pirates of the Caribbean: Salazars Rache und Alien: Covenant.