Star Wars – Die letzten Jedi (2017) Kritik

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Star Wars: The Last Jedi, USA 2017 • 152 Min • Regie: Rian Johnson • Mit: Daisy Ridley, Adam Driver, John Boyega, Mark Hamill, Carrie Fisher, Oscar Isaac, Kelly Marie Tran, Domhnall Gleeson, Andy Serkis, Benicio del Toro • FSK: ab 12 Jahren • Kinostart: 14.12.2017 • Deutsche Website

Handlung

In einer entscheidenden Schlacht gegen die Erste Ordnung hat der Widerstand die Superwaffe Starkiller-Basis vernichtet. Der Triumph währt jedoch nicht lange, denn der von General Leia (Carrie Fisher) angeführte Widerstand gerät schnell wieder in große Bedrängnis. Nach dem Versagen seines Lehrlings Kylo Ren (Adam Driver) im Duell gegen Rey (Daisy Ridley) übernimmt der Oberste Anführer Snoke (Andy Serkis) mit seiner weit überlegenen Flotte höchstpersönlich die Jagd auf die Rebellen. Ein Großangriff auf deren Hauptbasis soll den Widerstand endgültig auslöschen. Zwar kann die galaktische Resistance dank mutigen Einsatzes des Piloten-Asses Poe Dameron (Oscar Isaac) mit knapper Not entkommen, doch die Erste Ordnung heftet sich prompt an ihre Fersen. Die letzte Hoffnung des Widerstandes liegt beim Jedi-Meister Luke Skywalker (Mark Hamill). Doch als Rey ihn in seinem Versteck auf einem abgeschiedenen Planeten aufspürt, ist der einsiedlerisch lebende, desillusionierte Luke wenig begeistert von der Ruhestörung. Er weigert sich kategorisch, an dem Konflikt teilzuhaben oder die machtsensible Rey auszubilden. Während dem Widerstand die Zeit davonläuft, unternehmen der bekehrte Stormtrooper Finn (John Boyega) und Mechanikerin Rose (Kelly Marie Tran) einen verzweifelten Rettungsversuch.

Kritik

Als Das Erwachen der Macht vor zwei Jahren anlief, entfachte J.J. Abrams’ Film den Star-Wars-Hype, wie man ihn seit den Achtzigern nicht mehr kannte. Disney und Lucasfilm erfüllten ihr Versprechen, kehrten zu den Wurzeln der Reihe zurück und lieferten eine Fortsetzung, auf die die Fans seit über 30 Jahren gewartet haben. Obwohl die Reaktionen unter Zuschauern und Kritikern zunächst überwältigend positiv waren (siehe auch unsere beiden Kritiken hier und hier), wurden gerade in den Fankreisen kurz nach dem Start enttäuschte Stimmen laut, die Abrams vorwarfen, mit seinem Film die Reihe nicht voranzubringen, sondern stattdessen den allerersten Film, Eine neue Hoffnung, zu kopieren und sich nebenbei bei Das Imperium schlägt zurück und Die Rückkehr der Jedi-Ritter frei zu bedienen. Es läuft letztlich auf die Frage hinaus, wo eine Hommage bzw. eine Verbeugung endet und ein Plagiat beginnt. Es stimmt, Abrams und seine Autoren borgten sich viele Ideen aus der Original-Trilogie von George Lucas. Vor allem folgten sie jedoch im Geiste den Vorbildern und deren universellem Thema von jungen Träumern, die aus ihrem tristen Alltag ausbrechen, unglaubliche Abenteuer erleben und Heldentaten vollbringen – perfekte Identifikationsfiguren für die jungen Zuschauer der Filme. Durch die Rückbesinnung auf die Stärken der ersten Star-Wars-Filme führte Das Erwachen der Macht neue Charaktere und Handlungsstränge in eine vertraute Welt fließend ein und schaffte damit das notwendige Fundament für weitere Geschichten aus einer weit, weit entfernten Galaxie.

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Star Wars Die letzten Jedi (2017) Filmbild 1Auf diesem stabilen Fundament baut Looper-Regisseur Rian Johnson das zweite Kapitel der neuen Star-Wars-Trilogie auf. Auch in Die letzten Jedi finden sich zwar strukturelle Ähnlichkeiten zu Das Imperium schlägt zurück wieder – ein Jedi-Kandidat geht bei einem missmutigen Mentor auf einem abgeschiedenen Planeten in die Lehre, während ein übermächtiger Anführer der bösen Mächte und seine rechte Hand die Rebellen bzw. den Widerstand jagen – doch wie Mark Hamills Luke im Film schon sagt: "Der Weg ist ein anderer, als du ihn dir vorgestellt hast". Die inzwischen 8. Star-Wars-Episode wagt mehr als ihr Vorgänger und zeigt die Bereitschaft, neue Wege zu beschreiten und sich von ausgetretenen Pfaden zu entfernen. Natürlich erfindet der Film das Rad nicht ganz neu, doch in mehrfacher (an dieser Stelle nicht zu spoilernder) Hinsicht ist Die letzten Jedi ein Star-Wars-Film wie noch kein anderer zuvor. Es ist eine lobenswerte und auch notwendige Weiterentwicklung, wenn die Reihe nicht langfristig in der Nostalgie verharren soll. Doch nicht jedes Risiko, das der Film eingeht, führt nahtlos zum erwünschten Resultat. Die Regie, die technische Umsetzung und die Besetzung sind nahezu makellos. Es ist das Drehbuch, bei dem die größten Schwächen des Films auftauchen, die letztlich das Gesamterlebnis etwas herunterziehen.

Star Wars Die letzten Jedi (2017) Filmbild 2Die letzten Jedi ist ein Film mit einem herausragenden Anfang und einem wirklich starken Schluss, dessen letzte Aufnahme mit dem Schlussbild von Das Erwachen der Macht als beste Schlussszene eines Star-Wars-Films konkurriert. Was dazwischen liegt, ist jedoch stellenweise problematisch. Die Nähte, die verschiedene Handlungselemente zusammenhalten, fallen bei näherer Betrachtung stark auf. Der Handlungsfluss hat nicht die Eleganz von Eine neue Hoffnung, Das Imperium schlägt zurück oder auch Das Erwachen der Macht, sondern wirkt an bestimmten Stellen zerfahren und vom eigentlichen Ziel entfernt.

Dabei ist der Auftakt wirklich phänomenal und vielleicht sogar der beste von allen bisherigen Star-Wars-Filmen. Der Angriff der Ersten Ordnung auf die Rebellenbasis und die daraus resultierende Raumschlacht, bei der Oscar Isaac als Poe Dameron eindrucksvoll unter Beweis stellt, weshalb er als bester X-Wing-Pilot des Widerstands gilt, sind spektakulär und eine Augenweide auf der Leinwand. Diese ersten 15 Minuten enthalten fast alles, was einen guten Star-Wars-Film ausmacht: grandiose Actionsequenzen mit atemberaubenden Effekten, emotionale Heldentaten und überraschender Humor. Letzterer wirkt zum Glück an keiner Stelle erzwungen, sondern zieht sich organisch durch den ganzen Film hindurch, ohne in Konflikt mit dem durchaus düsteren Ton zu geraten.

Star Wars Die letzten Jedi (2017) Filmbild 3Nach dieser rasanten Eröffnung teilt sich die Handlung über weite Strecken in zwei separate Stränge auf. In einem folgen wir Rey und Luke auf Ahch-To, in dem anderen Finn und Rose bei ihrer Mission zu Canto Bight, einer Casino-Stadt, die an eine überhöhte, galaktische Version von Monte-Carlo erinnert. Obwohl insgesamt unaufregender, sind die Szenen zwischen Daisy Ridley und Mark Hamill interessanter, was auch daran liegt, dass Hamill als desillusionierter Luke seine bis dato beste Performance in der Rolle abliefert. Ergraut und mit Bart sieht der gealterte Luke erst einmal unvergleichlich cooler aus als der Jüngling aus den alten Filmen, aber auch schauspielerisch verleiht Hamill der Figur die nötige Gravitas und sichtlichen Lebensüberdruss im Angesicht der Rückschläge, die Luke erleiden musste. Während Han Solo noch ganz der alte war, als wir ihn in Das Erwachen der Macht wiedertrafen, spielt Hamill hier als Luke eine nahezu gänzlich neue Rolle. Daisy Ridley beweist wieder einmal, was für ein Glücksgriff die Newcomerin im Franchise war und beeindruckt mit einer Performance, deren anfängliche Begeisterung über ihr neues Schicksal langsam dem Frust und der Enttäuschung über Lukes Widerwillen, sie zu unterrichten, weicht. Wie schon im ersten Film durchmacht Ridleys Rey auch in Die letzten Jedi die größte Entwicklung durch und diese bleibt zu jedem Zeitpunkt glaubwürdig. Und natürlich enthalten die Ahch-To-Szenen auch einige lustige Momente zwischen Chewie und den ultraknuffigen Porgs.

Star Wars Die letzten Jedi (2017) Filmbild 4Das Erwachen der Macht profitierte jedoch über weite Strecken von der Chemie zwischen Ridley und John Boyega. Die letzten Jedi verliert das, indem der Film die beiden über nahezu die gesamte Laufzeit trennt. Kelly Marie Tran ist als standhafte Mechanikerin Rose eine neue starke weibliche Figur, doch der Funke zwischen Boyegas Finn und ihr springt nicht ganz rüber. Der gesamte ausgedehnte Ausflug der beiden auf Canto Bight hat durchaus seine Momente, wie zum Beispiel Benicio del Toros zwielichtigen, erfinderischen, stotternden Halunken, der zeigt, wie Han Solo hätte sein können, wenn ihm jegliche Moral und Skrupel fehlten. Seine Figur greift sogar die Thematik aus Rogue One auf, dass im Krieg die Abgrenzung zwischen Gut und Böse gar nicht so klar ist, wie man sie sich manchmal wünscht oder ausmalt. Doch dieses zu lange andauernde Plotsegment enthält auch mit meisten Schwächen des Films, wie zum Beispiel eine gewisse Szene mit wie eine Kreuzung aus Kängurus und Pferden anmutenden Wesen, die an einige eher misslungene Einfälle aus den Prequels erinnert.

Star Wars Die letzten Jedi (2017) Filmbild 5Ein übergreifendes Problem des Films ist jedoch, dass er im Rückblick unnötig überkonstruiert wirkt. Eine bestimmte Wendung der Ereignisse erscheint bei näherer Betrachtung sehr unglaubwürdig und lässt das Gefühl aufkommen, dass der Film einen Teil seiner Laufzeit – mit 152 Minuten immerhin der bislang längste Star-Wars-Film – vergeudet hat, indem er einige seiner Charaktere unerklärlicherweise an grundlegender zwischenmenschlicher Kommunikation scheitern lässt. Dadurch erreicht Johnson schlussendlich zwar ein erwünschtes und durchaus sehenswertes Ergebnis, doch der Weg dorthin ist alles andere als elegant und die Denkfehler und Logiklöcher sind zu groß, um einfach über sie hinwegzusehen. Betrachtet man es getreu dem Motto "Ende gut, alles gut", kann man es verschmerzen, doch die Anhänger von "Der Weg ist das Ziel" werden sich vermutlich damit schwer tun.

Star Wars Die letzten Jedi (2017) Filmbild 6Das trübt den Gesamteindruck, macht den Film jedoch keineswegs misslungen. Dafür hat er einfach zu viele fantastische Elemente zu bieten. Nicht zuletzt, neben den bereits genannten, Adam Driver, der als von Konflikten zerfressener, komplexer und unvorhersehbarer Kylo Ren die beste Darbietung des gesamten Films abliefert. Der Charakter wirkt manchmal immer noch wie ein impulsiver, aufmüpfiger Jugendlicher, doch das passt gut zu seiner Geschichte. Es lässt sich auch verschmerzen, dass der Film das Ausmaß seiner Kräfte wieder einmal fluktuieren lässt, wie es der Geschichte gerade passt. Wer einen neuen Darth Vader erwartet, wird enttäuscht sein, doch Driver und sein Charakter fallen gerade durch ihre Andersartigkeit zum ikonischen Star-Wars-Bösewicht positiv auf. Auch Andy Serkis' Snoke, den wir hier erstmals in (computergeneriertem) Fleisch und Blut sehen, macht eine imposante, sehr bedrohlich wirkende Voldemort-eske Figur her. Domhnall Gleesons General Hux ist noch nazihafter im neuen Streifen, was so überspitzt ist, dass die Darstellung für einige Lacher gut ist.

Obwohl die Probleme des Films schnell offensichtlich werden, kriegt er in seinem großen Finale erfolgreich die Kurve und lässt diese angesichts zahlreicher interessanter, teilweise wirklich unerwarteter Wendungen vergessen. Letztlich erinnert Die letzten Jedi einen daran, dass Star Wars ein Leinwandspektakel sondergleichen ist und bereitet das Finale der neuen Trilogie auf eine gelungene Weise vor, die die Fans die nächsten zwei Jahre viel rätseln lassen wird.

Fazit

Die letzten Jedi ist eine visuell spektakuläre Weiterführung der Star-Wars-Saga, in der das Nostalgiegefühl des Vorgängers neuen, teilweise wirklich überraschenden Ideen weicht. Adam Driver, Daisy Ridley und Mark Hamill stechen aus dem starken Ensemble heraus, doch das stellenweise holprige und unnötig überkonstruierte Drehbuch lässt Rian Johnsons große Ambitionen gelegentlich im Stich.

Trailer

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Star Wars: Die letzten Jedi erfüllt vielleicht nicht ganz die an ihn gestellten himmelhohen Erwartungen, was an einigen Drehbuchschwächen liegt, doch insgesamt ist der Film eine würdige, wendungsreiche Fortsetzung, die die finale Episode der neuen Trilogie gut vorbereitet.Star Wars - Die letzten Jedi (2017) Kritik