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Gefährliche Viertel: Bloggerspecial und Gewinnspiel zu Brick Mansions

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Brick Mansions Special Gewinnspiel

Liebe Filmfutter-Fans und Liebhaber gepflegter Action-Unterhaltung,

Ab heute liegt der neue Actionkracher aus der Produktionsschmiede des europäischen Action-Paten Luc Besson in den deutschen Ladenregalen. Mit Brick Mansions hat Besson erstmals ein Remake eines seiner eigenen Filme produziert, des französischen Actioners Banlieue 13, der hierzulande unter dem etwas unglücklichen Titel Ghettogangz – Die Hölle vor Paris vor zehn Jahren veröffentlicht wurde. Besonders bemerkenswert waren darin die atemberaubenden Action-Einlagen des Parkour-Mitbegründers David Belle. Damit es auch in der Neuverfilmung nicht daran mangelt, wurde Belle in der gleichen Rolle wieder besetzt. An seiner Seite ist der letztes Jahr tödlich verunglückte Fast-&-Furious-Star Paul Walker in seiner vorletzten Filmrolle zu sehen.

Den Heimkinostart von Brick Mansions nahmen wir uns zum Anlass genommen, mit einigen Blogger-Kollegen uns für ein neues Bloggerspecial einer Fragestellung zu widmen. Dabei ging es darum, unser Lieblings-Stadtviertel, das in Filmen von  Kriminalität beherrscht wird, zu beschreiben und zu erklären, wie wir dort zurechtkommen würden.

Ich muss sagen, dass ich bei meiner Auswahl etwas geschummelt habe, denn es handelt sich technisch gesehen nicht um ein einzelnes Stadtviertel. Nichtsdestotrotz ist meine erste Assoziation mit einer schlechten Gegend in einem Film die New Yorker Insel Manhattan, und zwar nicht nur irgendwelches Manhattan, sondern Manhattan, wie in John Carpenters Die Klapperschlange (OT: Escape from New York) dargestellt. Die Ausgangslage in Die Klapperschlange ist der in Brick Mansions eigentlich sehr ähnlich. In naher Zukunft wird darin Manhattan von der Außenwelt abgeschottet und zu einer Gefangenenkolonie umgewandelt, in der Verbrecher eine lebenslange Haftstrafe absitzen müssen. Gefängniszellen gibt es nicht, lediglich ein gefährliches Leben auf der Insel, beherrscht von Gesetzlosigkeit und Anarchie.

Wie würde ich mich verhalten? Na, ich würde mich irgendwo verstecken und Ausschau nach einem Mann mit einer Augenklappe halten, der auf den Namen Snake hört. Dann würde ich mich ihm Anschließen und nicht von der Seite weichen. Andererseits, wenn ich das Schicksal seiner anderen Weggefährten im Film bedenke, ist es vielleicht doch keine so gute Idee…

Auch unsere Kollegen haben sich zu diesem Thema Gedanken gemacht. Nachzulesen gibt es die interessanten Beiträge hier:

myofb
Millus.kulando
kinofilmer

Wer nun am Ende unseres Texts angelangt ist, wird natürlich belohnt. Wir verlosen nämlich mit freundlicher Unterstützung von Universum Film ein BluRay-Boxset mit drei von Luc Besson produzierten Actionfilmen: der frechen Actionkomödie From Paris with Love, dem Sci-Fi-Actioners Lockout und dem knallharten Racheactioner Colombiana mit der tollen Zoe Saldana in der Hauptrolle.

Brick Mansions Special Luc Besson Actionbox

Um am Gewinnspiel teilzunehmen, beantwortet einfach nachstehende Frage und hinterlegt bitte zwecks Zusendung der Gewinne eure Kontaktdaten. Eure Daten werden selbstverständlich streng vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Viel Glück!

Welcher dieser Filme wurde ebenfalls von Luc Besson produziert?

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Einsendeschluss ist am Sonntag, den 30. November 2014.

Teilnahmeberechtigt sind nur volljährige Personen mit Wohnsitz in Deutschland. Es ist nur eine Teilnahme pro Person möglich. Unvollständige Bewerbungen können leider nicht berücksichtigt werden. Die Mitarbeiter von FILMFUTTER sind von der Verlosung ausgeschlossen.

Viel Glück!

Offizieller Filminhalt:

"Schmelztiegel Brick Mansions, Detroit. Herrschaftsterritorium des Drogenbarons Tremaine (RZA) und Einsatzgebiet von Undercover-Cop Collier (Paul Walker) im Kampf gegen Kriminalität und Korruption. In dem von einer gewaltigen Mauer abgeschotteten Ghetto tobt die tägliche Gewalt. Doch die bekommt eine ganz neue Dimension, als Tremaine in den Besitz einer hochgefährlichen Waffe gelangt, mit der er die ganze Stadt zu vernichten droht. Die wahnsinnige Bedrohung fordert ungewöhnliche Maßnahmen: Im Kampf gegen den Drogenboss vereint sich Collier mit dem Ex-Sträfling Lino (David Belle) zu einem schlagkräftigen Team und ist auf dessen Insiderwissen angewiesen. Der hat eine ganz persönliche Mission – denn Tremaine hat Linos Freundin in seine Gewalt gebracht…"

Heimkinostart: 21.11.2014

Copyright: Bilder und Videomaterial © 2014 Universum Film

Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 1 (2014)

Die Tribute von Panem Mockingjay Teil 1 (2014) Filmkritik

The Hunger Games – Mockingjay Part 1, USA 2014 • 123 Min • Regie: Francis Lawrence • Mit: Jennifer Lawrence, Josh Hutcherson, Liam Hemsworth, Julianne Moore, Donald Sutherland, Natalie Dormer, Elizabeth Banks, Philip Seymour Hoffman • FSK: ab 12 Jahren • Kinostart: 20.11.2014 • Deutsche Website

Handlung

Dank der furiosen Rettung beim Jubel-Jubiläum der Hungerspiele, entkommt Katniss (Jennifer Lawrence) endlich den Fängen des Kapitols und wird zusammen mit Finnick (Sam Clafin) und Beetee (Jeffrey Wright) zur Rebellenzentrale im Distrikt 13 gebracht. Peeta (Josh Hutcherson) wird hingegen vom Kapitol geschnappt. Die Befreiung von Katniss hat einen hohen Preis. Zur Vergeltung lässt Präsident Snow (Donald Sutherland) ihre Heimat, Distrikt 12, in Schutt und Asche legen, wobei die meisten von den Einwohnern ums Leben kommen. Doch auch außerhalb von Kapitols Machtbereich ist Katniss nicht wirklich frei. Während die Albträume und die Schuldgefühle ihr den Schlaf rauben, wartet auf sie ihre bislang größte Herausforderung. Als „Spotttölpel“ soll sie zur Galionsfigur des Widerstands werden. Präsident Snow geht währenddessen gegen die Rebellion mit beispielloser Härte vor. Öffentliche Hinrichtungen und heftige Sanktionen sind an der Tagesordnung. Zu Katniss’ Schock wird ausgerechnet Peeta vom Kapitol als mediale Waffe eingesetzt, um dem Widerstand die Luft aus den Segeln zu nehmen. Katniss’ Einsatz soll nun die entmutigten Distrikte im Kampf verbünden. Erst nachdem sie die Ruinen von Distrikt 12 besucht, stimmt sie widerwillig zu, Teil der Rebellen-Propaganda zu werden. Doch kann sie wirklich der kühlen und undurchsichtigen Rebellen-Präsidentin Coin (Julianne Moore) vertrauen und hat sie die Kraft, sich der geballten Macht Kapitols zu stellen?

Kritik

Die Tribute von Panem Mockingjay Teil 1 (2014) Filmbild 2Nachdem infolge des Erfolgs von Twilight Verfilmungen von Jugendbuchreihen die Kinos überflutet hatten, haben sich mittlerweile einige wenige dieser Adaptionen als erfolgreiche Kino-Franchises etablieren können, darunter die diesjährigen Die Bestimmung – Divergent und Maze Runner. Dass Die Tribute von Panem all diesen Filmreihen, Twilight eingeschlossen, mehr als eine Nasenlänge voraus ist, beweist auch der dritte Teil der dystopischen Zukunftsvision. Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 1 ist der Auftakt des zweiteiligen Finales der Reihe und das Gefühl der nahenden Endgültigkeit ist im Film durchweg zu spüren. Man sagt, dass bevor alles gut wird, alles noch etwas schlechter werden wird. Am dunkelsten ist die Nacht eben vor der Dämmerung. Ob die Dämmerung im zweiten Teil von Mockingjay nächstes Jahr tatsächlich kommen wird, bleibt noch abzuwarten (und bei werksgetreuer Verfilmung des Romans auch anzuzweifeln), doch im aktuellen Teil geht es auf jeden Fall noch düsterer zu als je zuvor. Mit den Hungerspielen, bei denen Kinder sich gegenseitig töten müssen, als Ausgangspunkt der Reihe, war Die Tribute von Panem nie ein sonderlich heiterer Stoff, doch der neuste Film ist noch grimmiger, fieser und schonungsloser. Dissidenten werden vor laufender Kamera erschossen, ein Lazarett wird zerbombt, unsere Heldin geht durch ein Feld von menschlichen Skeletten – Mockingjay ist so düster und erwachsen, wie vermutlich keine Jugendbuchverfilmung zuvor. Dadurch, dass die Handlung nahezu gänzlich außerhalb des farbenprächtigen Kapitols und stattdessen im unterirdischen Komplex der Rebellen oder in den Ruinen von Kriegsgebieten spielt, wird Grau zur dominanten Farbe des Films und reflektiert dessen Grundstimmung.

Auf die Gefahr hin, mittlerweile schon redundant in den Kritiken zu den Panem-Filmen zu klingen, muss wieder einmal betont werden, dass Jennifer Lawrence abermals das unumstrittene Highlight, das Herzstück und das Rückgrat des Films bildet. Es ist schade, dass schauspielerische Leistungen in Filmen wie diesem von den Preisverleihungen jenseits der MTV Movie Awards gerne ignoriert werden, denn Lawrence zeigt in dem Film erneut eine so beeindruckende Wandlungsfähigkeit und emotionale Blöße, wie man sie sonst bei prestigeträchtigen Oscaranwärtern sieht. In keiner Sekunde ruht sie sich auf den Lorbeeren des Franchises aus und läuft auf Autopilot durch den Film, sondern gibt wieder alles, um eine traumatisierte junge Frau mit starkem Willen in unmöglichen Umständen zu zeigen. Zugleich zeigt sie auch eine deutliche Entwicklung der Figur auf. Sie ist nicht mehr das Mädchen, das Distrikt 12 im ersten Film verlassen hat. Ihre Erlebnisse haben Spuren hinterlassen, doch sie haben sie auch schnell erwachsen werden lassen.

Die Tribute von Panem Mockingjay Teil 1 (2014) Filmbild 5Unterstützt wird Lawrence dabei von einem bis in die kleinen Nebenrollen toll besetzten Cast, doch noch mehr denn je geraten alle anderen Schauspieler hier in den Hintergrund, um die Bühne für Lawrence zu räumen. Den größten Eindruck hinterlassen der Neuzugang Julianne Moore und Donald Sutherland, dessen Bösewicht hier präsenter und bedrohlicher denn je wirkt, wobei Sutherland sichtlichen Spaß an der doch recht eindimensionalen Rolle zeigt. Aber auch Moores Figur sammelt als Anführerin der Rebellen mit ihrer Mischung aus unterkühlter Distanziertheit und eiserner Entschlossenheit keine Sympathiepunkte. Ihr Charakter verspricht im kommenden Film noch interessanter zu werden und ich kann mir jetzt schon keine bessere Besetzung als Moore vorstellen. Einige glänzende Momente bekommt auch Elizabeth Banks in dem Film, diesmal befreit vom tonnenschweren Makeup, Perücken und extravaganten Kleidern. Deutlich reduziert sind hingegen die Rollen von Woody Harrelson, Josh Hutcherson und von den meisten Newcomern des zweiten Films. Insbesondere im Falle von Jena Malone ist das schade, die nach ihrem energiegeladenen Auftritt in Catching Fire, hier nur wenige Sekunden lang zu sehen ist. Auch Philip Seymour Hoffman hinterlässt in einem seiner allerletzten Filmauftritte keinen sehr bleibenden Eindruck. Doch das ist eben auch der Preis, den man zahlt, wenn man hier nur eine Hälfte des Romans auf die Leinwand bannt.

Die Tribute voon Panem Mockingjay Teil 1 (2014) Filmbild 4Wie es seit Harry Potter mittlerweile bei solchen Mega-Franschises schick geworden ist, wurde auch hier der finale Roman zweigeteilt. Konnte man das bei Harry Potter noch aufgrund der schieren Fülle des letzten Buches durchaus nachvollziehen, war dies einer meiner größten Vorbehalte gegen Mockingjay Teil 1 und tatsächlich ist dies auch eine der größten Schwächen des Films. Bereits bei Harry Potter merkte man, dass der erste Teil von Die Heiligtümer des Todes etwas langsamer daherkam, während Teil 2 sich wie ein Showdown ohne Anfang und Mitte angefühlt hat. Nur zusammen ergaben die Teile den Eindruck eines kompletten Films und ich bin voller Zuversicht, dass die beiden Teile von Mockingjay gemeinsam ein richtig tolles Finale der Panem-Reihe abgeben werden, doch es wäre auch mit einem zweieinhalbstündigen Film getan gewesen. Die Macher des Films haben sich alle Mühe gegeben, damit Mockingjay Teil 1 nicht langweilig wirkt und hatten damit auch Erfolg, doch man merkt trotzdem schnell, dass der Film eigentlich nur etwa eine Stunde an Inhalt zu erzählen hat, die geschickt in zwei Stunden hinausgestreckt wurde. Dadurch büßt der Streifen gegenüber seinen Vorgängern an Tempo ein und auf Action wird, mit wenigen Ausnahmen, verzichtet. Die Fans der Buchvorlage wissen natürlich, dass der zweite Teil in diesem Punkt sich deutlich steigern wird, doch wer seinen Spaß an den spannungsgeladenen Hungerspielen und den heimtückischen Fallen der Arenas hatte, wird hier enttäuscht sein.

Die Tribute voon Panem Mockingjay Teil 1 (2014) Filmbild 3Die Stärken von Mockingjay Teil 1 liegen woanders und das macht ihn zu einem ganz anderen und deutlich weniger massenkompatiblen Film als seine beiden Vorgänger, wenn auch qualitativ zu einem nicht minder guten. Weggefallen sind nicht nur die atemlose Action, sondern durch Peetas Abwesenheit auch die meisten Teenie-Romanze-Aspekte der Vorgänger – eben die beiden Elemente, die einen durchschnittlichen Panem-Fan an der Reihe so begeistern und die sie hier wahrscheinlich schmerzlich vermissen werden, was ebenfalls der Romanteilung zu Lasten gelegt werden kann. Ich kann mir gut vorstellen, dass zahlreiche Fans nicht so viel Freude an der bitterbösen politischen Satire und an der Untergangsstimmung des Films haben werden, doch es zeigt auch Mut seitens der Filmemacher, sich von den Ursprüngen der Reihe emanzipiert und sich weiterentwickelt zu haben. Man kann nur hoffen, dass die Fans da auch mitziehen, in dem Wissen, dass starke Gefühle und Action im finalen Film mit Sicherheit zurückkehren werden. Rückblickend wird Mockingjay Teil 1 vermutlich als eine Atempause in dem Franchise gesehen, vielleicht sogar als ein Pausenfüller zwischen den Höhepunkten der Reihe, doch das würde seinen Stärken und seinem Mut nicht gerecht werden.

Fazit

Es steckt eigentlich schon im Titel: Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 1 ist ein starker und mutiger Auftakt des äußerst düsteren Finales der Panem-Saga, doch ohne Teil 2 fühlt er sich zuweilen nicht wirklich als ein eigenständiger Film an. Die zahlreichen guten Einfälle des Films und eine gewohnt herausragende Jennifer Lawrence lassen das aber (fast) erfolgreich vergessen. Das Fundament für ein Wahnsinnsfinale ist gelegt und November 2015 kann nicht schnell genug kommen!

Trailer

Mauern der Gewalt (2013)

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Mauern der Gewalt (2013) DVD-Kritik

Starred Up, GB 2013 • 106 Min • Regie: David Mackenzie • Mit: Jack O’Connell, Ben Mendelsohn, Rupert Friend,  Sam Spruell • FSK: ab 16 Jahren • Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment • Heimkinostart: 28.10.2014 • Offizielle Facebook-Seite

Mauern der Gewalt (2013) Filmbild 1„Mauern der Gewalt“ ist ausnahmsweise mal kein misslungener deutscher Titel. Er ist zwar vielleicht nicht der klangvollste, aber trifft den Kern des britischen Knast-Films „Starred Up“. „Starred up“ bedeutet frei übersetzt „hochgestuft“ oder „aufgestiegen“ (starred ~ Hauptrolle spielen), was auf den 19 Jährigen Eric Love zutrifft, der auf Grund seiner aggressiven Ausfälle und handgreiflichen Ausraster aus dem Jugendstrafvollzug in ein Gefängnis für erwachsene Straftäter verlegt wird. Zumal wird immer wieder deutlich, dass der Junge enormen emotionalen Ballast auf den Schultern trägt, was zu Fehlurteilen in der Bewertung sämtlicher sozialen Prozesse führen kann – ergo: Gewalt als Lösung. Diese Rolle spielt Jack O’Connell mit einem enormen Krafteinsatz und einer präsenten Authentizität. Eine Tour de Force, die hoffentlich mit guten Angeboten belohnt werden wird. Die kleineren Schwächen des Films liegen bei den leider nicht neuen Einsichten in das harte Dasein hinter Gittern.

In dem Gefängnis herrscht eine raue Stimmung vor. Es gibt Rang- und Hackordnung und jeder sollte seinen Platz kennen, um nicht zur Zielscheibe von Wärtern oder Mitgefangenen zu werden. Eric Love (Jack O’Connell) ist alles andere als anpassungswillig und ist allzeit zum Angriff oder zur Verteidigung bereit – mit allen fiesen Mitteln. Sein Vater Neville Love (Ben Mendelsohn) ist auch Dauer-Insasse und hat sich über Jahre einen Ruf und Respekt erarbeitet. Jetzt soll er dafür sorgen, dass Eric seinen Platz findet, weil die Gang-Führer im Knast keine Querschläger gebrauchen können. Zum ersten Mal scheint sich Neville um seinen Sohn kümmern zu müssen.

Mauern der Gewalt (2013) Filmbild 2Stopp. Das hier ist auf keinen Fall eine rührselige Vater-Sohn-Zusammenführung. Nein, eigentlich stehen sich zwei völlig entfremdete Menschen gegenüber, die zufällig im selben Knast einsitzen, aber die nun mal verwandt sind. Die Beziehung der beiden ist unterkühlt bis eiskalt. Zu viel wurde verpasst. Zu viel Zeit ist vergangen, um sich zu öffnen. Manchmal verlaufen die Begegnungen in offener, unverhohlener Anfeindung, wo Enttäuschung auf Frust und Wut trifft. Manchmal wiederum besitzt kleine, beinah bloß angedeutete Körpersprache umso härtere Wucht. Gerade dieser Umstand macht die explosive Atmosphäre so greifbar, oder so real, damit eine Szene überschäumender Gewalt auch wirklich weh tut beim Zuschauen.

Mauern der Gewalt (2013) Filmbild 1Rupert Friend („Homeland“) spielt Oliver, einen freiwilligen (?), ehrenamtlichen (?) soziale Arbeit leistenden Gruppentherapeuten, der versucht, eine lockere Gesprächsrunde zu etablieren und sich immer wieder schweigend, deeskalierend und Augenkontakt vermeidend zwischen die Streithähne stellt. Sicher, paradox-pädagogische Interventionen haben ihre Daseinsberechtigung, finden jedoch hier eher einen unpassenden Rahmen. Vielleicht entzieht sich dies jetzt auch der Fähigkeit zur Beurteilung, weil solche Settings hochsensibel sein können wie ein Pulverfass. Nun ja, jedenfalls gehört dieser Charakter zu der Sorte, die sich berufen fühlen und proaktiv für ihre Mitmenschen einstehen. Ben Mendelsohn als Erics Vater spielt wieder einmal einen heruntergekommenen Gesetzesbrecher (vergleiche den Kleinkriminellen in „Killing Them Softly“ oder Place Beyond the Pines). Er hat die wirklich intensive, subtile Gestik drauf, wenn er abgespannt, ausgezehrt und abgekämpft durch die Szenerie schaut. Die kompromisslose Härte erinnert an Genrevertreter wie „Bronson“ oder „Chopper“, sodass sich ab und an ein Déjà-Vu-Erlebnis einstellen kann. Sofern dieses dann überhaupt auffällt, wirft der Film die Frage auf, ob ein Gefängnis als Resozialisierungsinstrument überhaupt geeignet ist. Sind Kinderheime als Erziehungsstätte geeignet (Short Term 12)? Sind Kirchen ein Ort der Vergebung („Am Sonntag bist du tot?“)? Genau in derlei spannungsreichen Gefilden, wo mehrwertige Antworten und das Abwägen des größten Nutzens und des kleinsten Übels regieren, bewegt sich auch der Subtext von „Mauern der Gewalt“.

DVD-Extras

Interviews mit Jack O’Connell und David Mackenzie sind gut. Mackenzie erzählt davon, dass es sein erster Genre-Film ist und über die Erfahrungen, die er damit gemacht hat. Noch interessanter ist der B-Roll. Dabei handelt es sich um einen Blick über die Schulter bei den Dreharbeiten für vielerlei Szenen und ist definitiv einen Blick wert. Es ist definitiv mehr als das übliche zweiminütige Making-Of mit Promocharakter.


Information zur Veröffentlichung

Die DVD und die BluRay im Vertrieb von Ascot Elite Home Entertainment sind seit dem 28.10.2014 im Handel erhältlich. Neben dem ungekürzten Film in deutscher und englischer Sprachfassung (deutsche Untertitel) liegen bei der Veröffentlichung folgende Extras vor:

Mauern der Gewalt (2013) DVD-Cover

• B-Roll
• Interviews
• Trailershow

 

 

 

 

DVD-Cover © Ascot Elite Home Entertainment


Trailer

Interstellar (2014)

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Interstellar, USA/GB 2014 • 170 Min • Regie: Christopher Nolan • Drehbuch: Jonathan Nolan, Christopher Nolan • Mit: Matthew McConaughey, Anne Hathaway, Jessica Chastain, Ellen Burstyn, Michael Caine, Wes Bentley, Casey Affleck, Bill Irwin • Kamera: Hoyte Van Hoytema • Musik: Hans Zimmer FSK: ab 12 Jahren • Verleih: Warner Bros. Kinostart: 06.11.2014 • Deutsche Website

Interstellarkritik7Mit sowohl schwerstem Erwartungsdruck auf den Schultern als auch vermeintlich wenig Luft nach oben wagt Christopher Nolan, seines Zeichens Regisseur des meisterhaft-futuristischen Heist-Thrillers „Inception“ (2010), Schöpfer der Dark Knight-Trilogie (2005 bis 2012) und aktuell wohl gefragtester Magier in der Traumfabrik Hollywood, mit seinem neuesten Werk „Interstellar“ einen mutigen Kraftsprung aus seiner paradoxen Situation hinauf zu den Sternen. „Wir finden einen Weg. Wir haben immer einen gefunden.“ – diesem Credo folgt also nicht nur der Astronaut Cooper in der Geschichte, sondern auch Nolan selbst will hier einen Pfad beschreiten, der ihn von seinem bisherigen, sowohl kommerziell erfolgreichen wie auch hervorragend rezipierten Schaffen als Filmpionier noch weiter nach vorn treibt. Dabei nimmt er es sogar in Kauf dass er mit dem rund 170 Millionen Dollar teuren Epos sein Publikum stark polarisieren könnte. Mit Stanley Kubricks Klassiker „2001 – Odyssee im Weltraum“ (1968) als großem Vorbild mutet „Interstellar“ nur während seiner sorgfältigen, emotional geladenen Exposition wie ein Steven Spielberg-Film aus der goldenen Ära der Blockbuster an und stellt sonst das vielleicht sperrigste – aber zugleich auch ambitionierteste – Output des ehemaligen britischen Geheimtipps dar. Aber erstmal langsam.

Interstellarkritik6In der nahen Zukunft ist unser Planet hoffnungslos verloren. Die Nahrungsquellen gehen dem Ende zu und unheilvolle Stürme begraben Natur und Mensch unter Massen von Dreck. Auch der verwittwete Farmer und frühere Shuttle-Pilot Cooper (dargestellt von Oscarpreisträger Matthew McConaughey, „Dallas Buyers Club“) muss mitansehen wie um ihn herum alles vor die Hunde geht und für seine zwei Kinder kaum eine andere Zukunft besteht als in seine wenig vielversprechenden Fußstapfen zu treten – bis seine aufgeweckte Tochter Murph (Mackenzie Foy) beginnt, durch mysteriöse Vorfälle in ihrem Zimmer Zeichen zu deuten und ihren zunächst skeptischen Vater mit ihren Beobachtungen anzustecken. Zusammen kommen die beiden so einem streng geheimen NASA-Projekt auf die Spur, welches sich kein niedrigeres Ziel gesteckt hat, als entfernte Galaxien nach neuen Lebensräumen für die gefährdete Menschheit zu erkunden. Cooper wird daraufhin von dem Wissenschaftler Professor Brand (Nolan-Regular Michael Caine) gebeten, die riskante Mission anzuführen und dafür seine bereits zerrissene Familie auf unbegrenzte Zeit zu verlassen …

Interstellarkritik5Der weitere Verlauf des knapp dreistündigen Science Fiction-Abenteuers dehnt das Familiendrama im Kern weiter aus und verbindet die Schicksale der Charaktere, die aus der Crew an Bord des Raumschiffs und den verbliebenden Angehörigen auf der Erde bestehen, auf eine innovative Weise, die Raum und Zeit trotzt. Erst der Flug durch ein scheinbar künstlich erschaffenes Wurmloch versetzt die Forscher in die Lage, ihr Ziel zu erreichen. Allerdings auf Kosten eines rapiden Zeitdrucks bei der Expedition: Während für die Besatzung bei der Erkundung der Welten nur Minuten vergehen, verstreichen auf der Heimat Jahre und Jahrzehnte und Leben neigen sich dem Ende zu. „Interstellar“ schöpft seine Kraft zum einen aus den majestätischen Bildern (dieses Mal nicht von Nolans gewohntem Hauskameramann Wally Pfister sondern von „Dame König As Spion“-DP Hoyte Van Hoytema), einem prominenten Cast aus nicht weniger als fünf Oscarpreisträgern sowie zwei Nominees (neben McConaughey gehen die tragendsten Rollen an „The Dark Knight Rises“-Catwoman Anne Hathaway als Brands Tochter und „Zero Dark Thirty“-Star Jessica Chastain in der Rolle der erwachsenen Murph) und einer emotionalen Erdung der Handlung. Zum anderen ist es aber natürlich genau der aufregende Plot, dessen Verlauf einen im Gegensatz zu den wohl meisten aktuellen Großproduktionen wirklich ins Ungewisse wirft, der Abenteuerlust und Aufbruchsstimmung auf die Zuschauer überträgt. Nicht umsonst hat Christopher Nolan seinem Team vor Beginn der Dreharbeiten Philip Kaufmans grandiose Pionierballade „Der Stoff aus dem die Helden sind“ (1983) vorgeführt – neben „2001 – Odyssee im Weltraum“ ein weiteres Werk, das sehr deutlich zu „Interstellar“ inspiriert hat.

Interstellarkritik3Thematisch erinnert der Film außerdem sowohl an Danny Boyles Himmelfahrtskommando „Sunshine“ (2007) als auch an Ridley Scotts loses „Alien“-Prequel „Prometheus – Dunkle Zeichen“ (2012), nur dass Nolan im Gegensatz zu den genannten Werken nicht zum Ende hin die Luft ausgeht und zusammengesetzte Genreklischees als Höhepunkt bemüht werden müssen. „Interstellar“ ist ein Original aus einem Guss, trotz der angeführten Referenzen. Mit Sicherheit benötigt man hier für das Verständnis von Wurmlöchern, Schwarzen Löchern und Dimensionen keine physikalischen Vorkenntnisse, denn der Regisseur nimmt sein Publikum, wie schon bereits bei seinem verschachtelten „Inception“, an den Händen und führt es relativ sicher durch sein intelligentes Konstrukt. Im Vergleich zu dem genannten Karriere-Meilenstein vermag seine bis dato größte Vision jedoch einen Deut weniger zu fesseln. Die Ursache dafür liegt in winzigen Details. Beispielsweise in dem diesmal eher subtilen Hans Zimmer-Score, der bei den Vorgängern sonst gleichberechtigt die atemberaubenden Aufnahmen unterstrichen und so für einen noch massiveren Effekt gesorgt hat. Auch wirken einige Figuren, wie Coopers Sohn Tom (Casey Affleck) oder Crewmitglied Rom (David Gyasi), ein wenig zu karg gezeichnet als dass man einen echten Bezug zu ihnen aufbauen könnte. Gefühl ist reichlich vorhanden, wird aber auch zum Teil in kaltem Sci-Fi erdrückt. Wer sich übrigens ein reinrassiges Actionspektakel erster Güte erhofft hat liegt hier trotz sehr intensiver Spannungsspitzen doch daneben. Dies ist ein anspruchsvoller Blockbuster.

Interstellarkritik4Ursprünglich als Projekt für Steven Spielberg konzipiert erweist sich der atemberaubend in Szene gesetzte „Interstellar“ als bisher vermutlich schönste Verbeugung vor dem verstorbenen Kino-Großmeister Kubrick und deutet zugleich einen selbstbewussten Richtungswechsel für Christopher Nolan an. Auch wenn das Werk manchmal raue Töne anschlägt kommt zum Ende hin doch wieder der versöhnliche Optimismus des Regisseurs zum Vorschein: „Ich denke an meine Familie und Millionen andere Familien“, heisst es in einer Szene – that´s the spirit. Wenn man die aktuellen Nachrichten verfolgt und ohnmächtig auf Seuchen, Kriege, Mord und Totschlag blickt, kann man auch erkennen warum das urgewaltige und inspirierende Abenteuer womöglich genau der richtige Film zum richtigen Zeitpunkt ist.


Trailer


John Carter – Zwischen zwei Welten (2012)

John Carter - Zwischen zwei Welten (2012) Filmkritik

John Carter, USA 2012 • 132 Min. • Regie: Andrew Stanton • Drehbuch: Andrew Stanton, Mark Andrews, Michael Chabon • Mit: Taylor Kitsch, Lynn Collins, Ciarán Hinds, Willem Dafoe, Samantha Morton, Mark Strong, Bryan Cranston • FSK: ab 12 Jahren • Kinostart: 8.03.2012 • Website

Handlung

John Carter (Taylor Kitsch) aus Virginia ist ein hochdekorierter, aber zugleich auch desillusionierter Held des Bürgerkriegs in den USA. Der Krieg kostete ihm seine Familie. Nun streift er im Wilden Westen auf der Suche nach der mythischen Höhle voller Gold umher. Als er diese durch einen Zufall findet, erwartet ihn allerdings mehr als nur Reichtum. Durch eine nicht gerade freundschaftliche Begegnung mit einem außerirdischen Wesen wird John Carter ohnmächtig und wacht auf dem Mars (oder auch Barsoom genannt in der einheimischen Sprache) auf. Prompt gerät er in Gefangenschaft von 3 Meter großen, vierarmigen, grünen Aliens, den Tharks. Die Unterschiede in der Gravitation zwischen der Erde und dem Mars verleihen John Carter anfangs Probleme, später aber ungeahnte Kräfte. So ist er nun mit unglaublicher Stärke ausgestattet und ist in der Lage, über immense Distanzen zu springen. Durch diese Superkräfte gewinnt er den Respekt der Tharks, wird aber auch bald widerwillig in einen Krieg hineingezogen, der zwischen den beiden humanoiden Rassen von Barsoom herrscht und den Planeten zugrunde richtet. Hinter dem Ganzen steht allerdings eine weitere Partei, die gottähnlichen, allmächtigen Therns, die die Geschicke aus dem Hintergrund manipulieren. Dabei wird es für Carter auch persönlich, denn er verliebt sich in Dejah Thoris (Lynn Collins), die Tochter des Königs von einem der beiden menschlichen Marsvölker. Diese soll aber mit dem Anführer der bösen Zodanganer vermählt werden, damit wieder Frieden herrscht.

Kritik

John Carter - Zwischen zwei Welten (2012) Filmbild 3John Carter – Zwischen zwei Welten hat eine wahrlich lange Entstehungsgeschichte hinter sich. Der mehr für seine andere Schöpfung, den Urwaldhelden Tarzan, bekannte Autor Edgar Rice Burroughs (der als Charakter selbst im Film auftaucht) erschuf die Figur John Carter im Jahre 1912. Zuerst in Buchform publiziert wurden seine Abenteuer im Jahre 1917 unter dem Titel "Die Prinzessin von Mars". Zehn Fortsetzungen folgten, wobei Carter nicht in allen die Hauptfigur war. Die Figur, ein prototypischer Science-Fiction Held, der in fremder Umgebung strandet und einen Krieg führen muss, den er nicht angefangen hat, erfreute sich ziemlicher Beliebtheit, wurde aber von Burroughs bekannterer Kreation immer überschattet. Dennoch übten John Carter und die von Burroughs erschaffene Welt von Barsoom großen Einfluss auf die Science-Fiction-Literatur und Genre-Filme aus. So findet man Anleihen von John Carter in diversen Werken, von Flash Gordon über Star Wars bis hin zu Avatar. Star Wars ist aber wohl der prominenteste Vertreter der großen, epischen Science Fiction Sagen, die sich bei Burroughs reichlich bedient haben. Umso überraschender ist es, dass sein eigentliches Werk nie für das Kino adaptiert wurde. Nicht dass man es in Hollywood nicht versucht hatte. Die Adaption wurde immer wieder in Angriff genommen, wechselte im Laufe der Jahre von MGM über Disney zu Paramount und dann zurück zu Disney. Robert Rodriguez, John McTiernan und Jon Favreau sind nur einige der Namen, die zu bestimmten Zeitpunkten als Regisseure im Gespräch waren. Doch aus verschiedenen Gründen (mal waren es Drehbuchprobleme, mal zu hohe Budgetanforderungen) kam das Projekt nie zustande. Zum 100-jährigen Jubiläum der Figur erblickte John Carter doch das Licht des Filmprojektors.

John Carter - Zwischen zwei Welten (2012) Filmbild 5Disney setzte offensichtlich immense Erwartungen in den Film, denn das $250-Mio-Budget ist eins der höchsten aller Zeiten. Die gute Nachricht ist, dass man dieses Budget auf der Leinwand deutlich sehen kann. Die visuellen Schauwerte stellen zweifelsohne die größte Stärke dieses Films dar. Burroughs Welt wird beeindruckend ins Leben gerufen. Die Kreativität, die man hier auf der Leinwand erblickt, kennt wenig Grenzen. Andrew Stanton, der bereits durch die visuell unglaubliche Welt in seinem Pixar-Werk WALL-E überzeugte, schöpft hier aus seiner größten Stärke. Die insektoid anmutenden, von Solarenergie angetriebenen Kampfschiffe, die verschiedenen photorealistischen Kreaturen, die Barsoom bewohnen, die Schauplätze (Utah musste für die Ödnis von Mars herhalten) und die sich ständig in Bewegung befindenden mechanischen Städte von Mars sind nur einige der zu nennenden Schauwerte, die es wert machen, diesen Film auf der großen Leinwand (oder zumindest auf einer entsprechenden Heimkino-Anlage) zu sehen. Doch es sind insbesondere die Effekte, durch die die Alienrasse der Tharks zum Leben erweckt wurde, die durch ihre Brillanz herausstechen. Die Effekte sind so gut umgesetzt, dass man diesen vierarmigen Riesen die verschiedenen Charaktere abnimmt (was auch durch gutes Voice Acting seitens Samantha Morton und Thomas Haden Church erreicht wird). Nur das 3D lässt etwas zu wünschen übrig, insbesondere wenn man es mit dem kürzlich erschienenen 3D-Meisterwerken wie Hugo Cabret oder Gravity vergleicht.

John Carter - Zwischen zwei Welten (2012) Filmbild 4Was Andrew Stanton angeht, so schafft er hier mühelos den Sprung von Animation ins Realfilm-Geschäft. Es ist bereits der zweite Animations-Regisseur aus Pixars Schmiede, der den Wechsel zu Realfilmen wagte. Stantons Arbeit hier ist nicht so beeindruckend, die Brad Birds Realfilmdebüt Mission: Impossible – Phantom Protokoll, doch das liegt auch teilweise an der leicht trashigen und ausgelutschten Vorlage. Stanton holt trotzdem ziemlich viel aus dem Drehbuch, welches sicherlich unzählige Male umgeschrieben wurde, heraus. Nur in puncto Action bleibt er deutlich hinter Bird zurück. Seine Actionszenen, bis auf den Arenakampf von John Carter gegen die riesigen weißen „Affen“, sind nie so berauschend und spannungsgeladen, wie Birds superb inszenierte Action in Mission: Impossible. In der Tat hinterlässt das große Finale von John Carter einen leicht enttäuschenden Eindruck. Zu schnell geht die finale Schlacht vonstatten und bevor man wirklich in die Action hineingezogen wird, ist es schon vorbei. Dies ist insbesondere verwunderlich, wenn man die insgesamt solide Laufzeit von über 130 Minuten bedenkt.

John Carter - Zwischen zwei Welten (2012) Filmbild 1Die wirklichen Probleme des Films liegen dennoch nicht in der Action, denn diese hat auf jeden Fall einen sehr guten Unterhaltungswert. Das eigentliche Manko liegt, wie bereits angedeutet, beim Drehbuch. Hier wird jedes Genreklischee ausgespielt, das man sich vorstellen kann. Zwar ist es klar, dass es die anderen Werke waren, die sich bei Burroughs in der Vergangenheit bedient haben, doch man kommt trotzdem nicht umhin, den Film als eine Melange zu sehen, die zu gleichen Teilen aus Die Zeitmaschine, Lawrence von Arabien, Avatar und Star Wars besteht. Sicherlich war es auch die Intention von Disney zu versuchen, ein Star-Wars-ähnliches Franchise zu starten, bevor das Studio Lucasfilm erworben hat. Doch fehlt John Carter das Besondere Etwas, um einen solchen Kultstatus zu erreichen. Die Handlung ist hier wirklich unnötig kompliziert, sodass man am Ende die Motivation der manipulativen Therns nur halbherzig erklärt und viele Plotlöcher einfach unter den Teppich gekehrt werden. Außerdem fällt es doch arg auf, dass John Carters (nur dürftig erklärte) Superkräfte im Laufe des Films immens variieren. So hat er anfangs Probleme, normal zu gehen, überwindet diese aber sehr plötzlich. Ferner kann er anfangs Sprünge von einigen Metern machen, ist aber gegen Ende des Films durchaus in der Lage, von einem Gebäude aufs andere zu springen – über die halbe Stadt hinweg. Wechselt vielleicht die Anziehungskraft auf dem Mars mit der Zeit?

Taylor Kitsch macht sich ordentlich in der Hauptrolle. Das dem Charakter aufgezwungene Trauma aus der Vergangenheit ist ein misslungener Versuch, ihm mehr Tiefe zu verleihen. John Carter bleibt immer zweidimensional und etwas blass und hölzern. Doch wenn man einen der größten Sci-Fi Helden aller Zeiten, Luke Skywalker, anschaut, ist eine besondere Tiefe offensichtlich keine Voraussetzung für eine solche Rolle. Kitsch schlägt sich gut in den Actionsequenzen, hat eine solide Chemie mit Lynn Collins und bringt auf den einen oder anderen trockenen Spruch gut über die Lippen. Lynn Collins bringt neben ihren unbestreitbaren optischen Schauwerten auch mehr zu der Rolle als es vielleicht für so einen Charakter typisch wäre und mischt selbst bei den Actionszenen gut mit. Ciarán Hinds und Dominic West werden leider zu generischen Sprüchen und etwas Overacting degradiert. Mark Strong als der hinterlistige Anführer der Therns macht das, was Mark Strong am besten kann – einen finsteren Bösewicht spielen.

John Carter - Zwischen zwei Welten (2012) Filmbild 2John Carter – Zwischen zwei Welten ist ein großes Leinwandspektakel der alten Schule, das absolut nichts Neues auf den Tisch bringt, aber dennoch ziemlich gut unterhält. Ein etwas gestrafftes Drehbuch und aufregendere Charaktere hätten dem Film aber sicherlich gut getan. Interessanterweise gehören die Szenen im Wilden Westen zu den gelungensten im ganzen Film. Vielleicht sollte sich Andrew Stanton demnächst an einem klassischen Western versuchen. Man merkt seine Leidenschaft für das John-Carter-Projekt, aber vielleicht kann man aus dem pulpigen und angestaubten Stoff nicht viel mehr rausholen. Wenn es die ganzen Filme nicht gäbe, die von John Carter in der Vergangenheit gestohlen haben, würde das Ganze vielleicht anders aussehen. Dies ist aber nicht der Fall und die Star Wars/Avatar-Vergleiche werden immer gezogen werden – und in diesen schneidet John Carter einfach nicht so gut ab.

Fazit

John Carter – Zwischen zwei Welten ist großes Kino im wahrsten Sinne des Wortes. Es ist ein visuelles Erlebnis, das prächtig unterhält, aber dabei weder in seiner Story noch in der Ausführung besonders viel Neues bietet.

Trailer

Northmen-Stars Tom Hopper und Ken Duken im Interview

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Northmen Tom Hopper Ken Duken Interview

Heute startet in den deutschen Kinos die deutsch-schweizerisch-südafrikanische Koproduktion Northmen – A Viking Saga, ein historischer Action-Abenteuerfilm der alten Schule, der nicht mehr und nicht weniger will, als die Zuschauer einfach gut zu unterhalten. Der Film erinnert an Streifen aus letzter Zeit wie Centurion und Der Adler der neunten Legion, denn auch hier strandet eine kleine verzweifelte Truppe aus abgehärteten Kriegern hinter feindlichen Linien und muss sich in die Sicherheit durchkämpfen. Nur diesmal sind es keine Römer, sondern Wikinger, deren Schiff kentert. Sie werden an der schottischen Küste angespült und machen sich sehr schnell Feinde im fremden Land. Mit der Hilfe einer Prinzessin und eines christlichen (und überaus kampffähigen) Mönchs (gespielt vom "True Blood"-Star Ryan Kwanten) kämpfen sie sich durchs kalte und karge Land.

Northmen – A Viking Saga ist eine wirklich internationale Produktion. Die Hauptrollen werden vom Briten Tom Hopper, der den Wikinger-Anführer Asbjörn spielt, und dem Deutschen Ken Duken, der Asbjörns engsten Vertrauten, den Bogenschützen Thorald darstellt, verkörpert. Der 1,96 Meter große Tom Hopper (der eine wirklich imposante Figur im Film und im echten Leben macht!) ist ein Rising Star des britischen Kinos, der durch seine Auftritte in den Serien "Merlin" und "Black Sails" auf sich aufmerksam gemacht hat. Ken Duken ist seit seinem Kinodebüt Schlaraffenland (1999) ein fester Bestandteil des deutschen Kinos und Fernsehens und ist auch häufig in internationalen Koproduktionen zu sehen, darunter in Tarantinos Inglourious Basterds und im norwegischen Hit Max Manus.

Ich hatte das Glück anlässlich des Kinostarts von Northmen – A Viking Saga mit den beiden Darstellern in Köln zu sprechen und sie erzählten von den Dreharbeiten in Südafrika (!), dem richtigen Training für eine muskelbepackte Figur und wie sie durch Filme wie diesen ihre Kindheitsträume ausleben können. Außerdem habe ich versucht, Tom Hopper zum Schicksal seiner Figur Billy Bones bei "Black Sails" auszuquetschen – mit gemischtem Erfolg Aber lest selbst:

Filmfutter: Ihr habt sicherlich sehr viel über diesen Film in den vergangenen Wochen geredet. Hat man es nicht irgendwann satt?

Tom Hopper: Man hat es nicht wirklich satt, aber es wird einem einfach bewusst, dass man sich zuweilen wiederholt.

Ken Duken: Aber das gibt einem auch das Bewusstsein, dass das, was man sagt, etwas ist, woran man wirklich glaubt. Also was mich betrifft, ich finde, dass es mir manchmal schwer fällt, über einen Film bei Presseterminen zu reden. Manchmal ist es einfach kein Film für ein großes Publikum oder es ist nicht der Film, den man sich zuvor erhofft hat. Aber wenn man über einen Film spricht, den man liebt, dessen Dreharbeiten man in jeder Sekunde geliebt hat und bei dem man mit einer Gruppe von Leuten gedreht hat, die man über alles mag, dann macht es auch viel Spaß. Natürlich fragt man sich dann auch manchmal, ob man etwas zu häufig wiederholt hat, aber generell ist es so, dass wenn man den Film mochte, man auch gerne darüber redet.

FF: Häufig ist es ja auch so, dass der Film, über den man mit der Presse spricht, bereits länger abgedreht ist und man an ganz anderen Projekten arbeitet.

TH: Ja, manchmal ist das etwas eigenartig. Ich denke es ist aber auch sehr schön, das Ganze ein wenig wieder aufleben zu lassen. Ich habe über Northmen bis (zum Filmfestival von) Zürich nicht gesprochen, wo wir eine Premiere des Films hatten.

KD: Es war wie ein Klassentreffen.

TH: Absolut. Man wird gefragt, was der härteste Tag am Set war und wir überlegen dann: "Erinnerst du dich an den Tag, an dem dies und das passiert ist? Oder eigentlich war dieser andere Tag auch richtig hart…" Darüber nochmal zu reden ist eine tolle Art, das noch einmal zu erleben, was bereits mehr als ein Jahr zurückliegt. Es wirkt alles wieder so frisch.

KD: Es war ja auch eine aufregende Zeit. Wir hatten wenig Schlaf, viel Sport, umfangreiche Vorbereitungen, Stuntproben, sind über ganz Südafrika gereist. Es war anstrengend und ich denke, dass wenn wir nicht alle so gute Freunde geworden wären, es viel schwieriger gewesen wäre – auch die Pressetermine. Man darf nicht vergessen, dass Northmen – A Viking Saga kein Film für den History Channel ist. Es ist ein Action-Abenteuer, eine Wikinger-Sage. Es ist ein Kindheitstraum. Wie die meisten anderen Jungen, habe ich es als Kind auch geliebt, Cowboy und Indianer zu spielen. Bei diesem Film hat man Schwerter, Pfeil und Bogen und man hat all diese Kampfszenen. Es ist ein Jungentraum, der wahr wird.

TH: Ich hoffe, dass die Kinder den Film mögen. Ich weiß, sie sollten den Film wahrscheinlich nicht sehen, aber ich weiß auch, dass ich Filme wie diesen geschaut habe, als ich 10 oder 11 war. Ich hoffe, dass die Kinder und Jugendlichen, die diesen Film sehen, dann denken „Oh man, ich will das auch machen!“ Das ist die Leidenschaft, die wir hatten, als wir den Film drehten. Wir wollten einen Kindheitstraum wieder zum Leben erwecken und ich hoffe, dass man es im Film auch sehen kann.

Northmen Tom Hopper Ken Duken Interview 1

FF: Tom, Du hast mittlerweile einen Ritter, einen Piraten und einen Wikinger gespielt. Du lebst also wirklich Deine Kindheitsträume aus.

KD: (lacht) Definitiv. Ich habe nur noch wenige, die ich von der Liste streichen muss. Ich muss noch einen Soldaten und einen Cowboy spielen. Wenn ich die beiden habe, dann bin ich ein glücklicher Mann.

TH: Ich glaube, mir fehlt nur noch der Cowboy, dann habe ich alle durch.

FF: Also wer ist cooler, ein Wikinger, ein Pirat oder ein Ritter?

TH: Oje. Das kann ich wirklich nicht sagen, man würde mich ja fertigmachen, wenn ich einen wählen würde.

KD: Es ist sowieso nicht möglich, weil es sich von Person zu Person unterscheidet.

FF: Ken, Du hast vorhin den History Channel erwähnt. Der US-Sender mit dem Namen produziert aktuell tatsächlich eine Wikinger-Serie mit dem Titel "Vikings", und zwar in der Art, wie der Sender das vor fünf Jahren noch nicht getan hätte. Es scheint ein Wiederaufleben des Interesses an Wikingern zu geben. So wurde kürzlich ein weiterer Wikingerfilm angekündigt, von Baltasar Kormákur. Woran liegt dieses plötzliche Interesse an Wikingern?

TH: Das kann ich nicht wirklich erklären…

KD: Als ich das Angebot zu dem Film bekommen habe und es angenommen habe, wurde ich nach dem Grund gefragt, weshalb ich es tat. Ich entgegnete dazu: „Aus welchem Grund sollte ich es nicht tun?“ Das macht man eben als Schauspieler, man spielt ganz unterschiedliche Rollen. Zwei Tage, nachdem ich mit Northmen fertig geworden bin, kam ich zurück nach Berlin und drehte Coming In, was eine ganz andere Art Film ist und in dem meine Rolle ein absolutes Gegenteil zu der in Northmen ist. Ich spiele darin einen netten, schwulen Manager. Für mich ist das Schauspielerei. Wenn man die die Gelegenheit hat, so etwas zu machen und dann auch noch von Kerlen wie Tom, Leo (Gregory) oder Ed (Skrein) umgeben ist, dann ist es seine fantastische Erfahrung.

FF: Als Euch die Rollen angeboten wurden und Euch gesagt wurde, dass es ein Film über Wikinger sei und ausgerechnet in Südafrika gedreht werden würde, gab es nicht einen Moment, an dem Ihr dachtet: "Was zum Teufel?".

KD: Für mich klang das verrückt.

TH: Ja, auf jeden Fall. Zunächst dachte ich nur: "Auf keinen Fall!". Ich habe direkt zuvor in Südafrika "Black Sails" gedreht und es war karibisches Wetter, kochend heiß. Als sie gesagt haben, dass wir in Südafrika drehen würden, dachte ich, dass man es auf keinen Fall nach Schottland aussehen lassen kann. Aber auch Südafrika hat Jahreszeiten. Es gibt eine Regenzeit. In dieser wurde der Film gedreht und dann sah es auch nach Schottland aus. Das Wetter war perfekt für den Film und die bergige Landschaft war einfach atemberaubend.

KD: Ich weiß nicht, ob es ein Land gibt, für das man Südafrika nicht nehmen könnte. Es wurde schon als Frankreich ausgegeben, als Kongo…

TH: Es ist so vielseitig. Man kann es für alles einsetzen. Ich habe gesehen, wie es Afghanistan darstellen sollte. Sogar Los Angeles, im HBO-Film The Girl über Alfred Hitchcock. Er wurde in Kapstadt gedreht.

KD: Auf der anderen Seite, soll man versuchen, eine unberührte Landschaft in Schottland zu finden, die auch für eine Filmcrew leicht zugänglich ist.

FF: Was ist Eure Lieblings-Anekdote vom Dreh?

TH: Es gibt so viele….

KD: Es gibt eine vom Drehbeginn. Ich kam da an und habe zu dem Zeitpunkt meinen Bart bereits seit etwa einem Jahr wachsen lassen. Er wuchs von einem meiner Filme zum anderen immer weiter. Am Set bekam ich dann noch die Extensions, saß 14 Stunden im Makeup-Sessel. Dann gab man mir vier Haarpflegeprodukte: ein Shampoo, einen Conditioner, einen Weichmacher und sonst was. Ich sagte dann nur noch: "Sorry, Leute, aber ihr wollt, dass ich einen Wikinger spiele, also hoffe ich, dass ihr nicht erwartet, dass ich jeden Abend meine Haare mit vier verdammten Produkten wasche, spüle und weichmache. Auf gar keinen Fall. Ich werde sie gar nicht waschen." Wenn man um 4 Uhr morgens aufsteht und im Fitnessraum mit Gewichten arbeitet, um die Muskelmasse aufrechtzuerhalten, die man sich für den Film aufgebaut hat und dann ab 6 Uhr morgens dreht und später noch Stuntproben hat, dann fällt man am Ende des Tages einfach erschöpft ins Bett. Ich hatte verdammt nochmal nicht vor, dann noch meine Haare ausführlich zu pflegen! (beide lachen)

Northmen Tom Hopper Ken Duken Interview 2

FF: Apropos Muskelmasse. Ihr seid beide unglaublich in Form in dem Film. Ich habe Euch im Film gesehen und dachte mir, dass ich doch noch häufiger ins Fitnessstudio gehen sollte. Wie lange musstet Ihr Euch das antrainieren für den Film oder ist es Euer Normalzustand?

KD: Ich glaube, dass Tom so geboren wurde. (beide lachen)

TH: Ich habe immer gleich trainiert, auch vor dem Film. Das einzige, was sich wirklich verändert hat, ist die Ernährung und wie strikt man mit der Diät ist. Das macht den wirklichen Unterschied aus. Ich sage immer, dass ein Six-Pack in der Küche entsteht. Man bekommt nicht einfach durchtrainierte Bauchmuskeln, indem man zahllose Crunches im Fitnessstudio macht, man bekommt sie, wenn man dazu noch die Ernährung entsprechend anpasst.

KD: Man kann das Training verändert und anpassen, aber man braucht trotzdem die perfekte Ernährungsgrundlage. Jemand sagte einmal, dass das Ergebnis zu 70% aus Ernährung und zu 30% aus dem Training besteht, aber ich denke, dass es 100% Ernährung und 100% Training sind. Es gibt zwei Arten, wie man trainieren kann. Man kann es jeden Tag machen und dabei unterschiedliche Körperteile trainieren, ohne Pausen zu machen. Aber ich selbst mag lieber Ganzkörperbewegungen, also trainiere ich an einem Tag, mache dann einen Tag lang Pause und trainiere wieder am Tag danach. An den freien Tagen laufe ich dann oder arbeite an meiner Gelenkigkeit. Ich brauche Bewegung, um den Kopf freizukriegen. Vor Northmen war es vor allem das Laufen. Ich war wie Forrest Gump, aber jetzt hat sich mein Trainings-Rhythmus nach Northmen ein wenig verändert. Ich habe viel von Tom gelernt, er war der perfekte Coach am Set. In Berlin habe ich außerdem auch einen wunderbaren Trainer. Ich denke, dass ich jetzt das Wissen habe, wie man richtig trainiert. Man macht viele Fehler, wenn man trainiert, also ich man Ratschlag an alle, sich einen guten Trainer zu besorgen, der einem erzählt, wie man es richtig macht. Ich sehe viele Leute im Fitnessstudio beim Trainieren, bei denen ich weiß, dass es keine Wirkung zeigen wird, weil sie es nicht richtig machen.

FF: Wie sah es mit den Fertigkeiten mit Pfeil und Bogen bzw. mit dem Schwert aus? Musstet Ihr Euch das lange anlernen?

TH: (spricht zu Ken) Du und der Bogen, das war etwas Besonderes.

KD: Ich habe viele Filme mit Schwertkämpfen, Fechtszenen und Pferdereiten gemacht und als ich das Angebot zu Northmen bekam, dachte ich, dass es nicht anders sein würde. Dann las ich das Drehbuch und es dämmerte mir: "Scheiße, ich bin der Bogenschütze." Aber im nächsten Moment war ich auch froh, weil ich die Gelegenheit bekommen würde, etwas Neues zu lernen. Ich traf Claudio (Fäh, Regisseur von Northmen – A Viking Saga) und er zeigte mir Videos von dieser Technik, bei der der Bogenschütze die Pfeile in seiner Hand hält, während er einen nach dem anderen abfeuert. Ich konnte aber keinen Trainer finden, der mir diese Technik beibringen konnte. Ich fand einen guten Trainer in Berlin, der mir die Grundlagen beigebracht hat. Also habe ich danach mittels Videos versucht, mir die Technik selbst anzueignen. Am Anfang fielen die Pfeile immer wieder auf den Boden, aber irgendwann wurde ich langsam etwas besser. Dann gelang es mir, den Kerl von den Videos, Lars Andersen, ausfindig zu machen und ich bat ihn um Hilfe. Er war davon beeindruckt, wie viel ich alleine erreicht habe und hat mir geholfen. Von da an waren die Fortschritte recht groß.

FF: Also kannst Du jetzt auch im Schlaf Pfeile abfeuern?

KD: Ich habe sogar mit meinem Bogen geschlafen. Ich habe Plastikpfeile von meinem Bett aus auf die Vorhänge geschossen.

TH: Er war verrückt. Ich ging am Set an den Trailern entlang und plötzlich zischte ein Pfeil zwischen zwei Trailern an mir vorbei. Er hat die ganze Zeit geübt, das war sehr lobenswert. Dadurch sieht man auch auf der Leinwand, wie gut und effizient seine Figur mit Pfeil und Bogen umgeht. Die ganze Arbeit hat sich wirklich gelohnt.

FF: Waren Deine Erfahrungen bei „Black Sails“ und „Merlin“ in dieser Hinsicht von Nutzen?

TH: Ja. Ich hatte viele Schwertkämpfe in beiden Serien und das war ziemlich praktisch für Northmen. Worauf es dann ankam, war einfach die schiere Menge an verschiedenen Kämpfen, die ich für den Film lernen musste. Jeden Tag lernte ich einen neuen Kampf oder ein Kampf wurde verändert und ich lernte neue Bewegungen. In dem Film kämpfe ich mit einem sehr großen und schweren Breitschwert. Es war ziemlich cool damit zu kämpfen, denn mein Stil musste dann auch sehr ausladende Bewegungen beinhalten. Es hat Spaß gemacht, diesen Kampfstil zu erlernen. Aber auch die Stuntleute in Südafrika waren super. Sie wussten ganz genau, was sie taten.

KD: Wir haben uns vorher zusammengesetzt und beschlossen, dass wir nicht wollten, dass die Schwertkämpfe wie choreographiertes Ballett aussehen. Wir wollten, dass jeder Schwerthieb, den man im Film sieht, das Ziel hat, den Gegner zu töten. Es sollte brutal sein, ohne überflüssige Bewegungen und ich denke, dass man es im Film auch merkt.

Northmen Tom Hopper Ken Duken Interview 3

FF: Ihr hattet einen sehr internationalen Cast am Set. Gab es irgendwelche amüsanten kulturellen Unterschiede?

KD: Diese Engländer….

TH: Ja, diese Engländer (beide lachen)

KD: Der einzige Unterschied war beim Fußball. Die Engländer lieben Fußball, aber sie haben keine Ahnung davon. (beide lachen) Nein, ich denke, dass wir alle an internationale Kollegen gewohnt sind. Ich meine, ich lebe in Berlin und es ist eine sehr internationale Stadt.

TH: Das ist das Coole an den meisten Sets heutzutage. Es gibt meist einen sehr internationalen Cast und eine internationale Crew. Bei "Black Sails" hatten wir Zach (McGowan), der Amerikaner ist, eine Kanadierin, Jessica (Parker Kennedy), und einige Engländer; Australier und Südafrikaner. Genau so auch bei Northmen, wo wir Engländer, Schweizer, Deutsche, Iren, Australien und Südafrikaner am Set hatten.

FF: Apropos "Black Sails“ – Billy Bones (Tom Hoppers Figur in der Serie) kann nicht to sein, oder? Ich meine, ich habe „Die Schatzinsel“ gelesen.

TH: (grinst) Ähh…tja, ich schätze wir werden’s sehen.

FF: Wahrscheinlich wirst Du das häufig gefragt.

TH: Ich werde da tatsächlich regelmäßig gefragt. Ja….also meine Lippen bleiben versiegelt.

FF: Okay, das beiseite, was steht für Euch demnächst sonst noch an?

TH: Kann ich nicht sagen. (lacht)

KD: Das hast du doch gerade! Für mich kommt demnächst ziemlich viel. Die letzte Staffel von "Add a Friend“ läuft auf TNT Serie, Coming In und Northmen starten diesen Monat. Ich habe außerdem Polizeiruf 110 – Smoke on the Water mit Dominik Graf abgedreht, der demnächst auch kommen wird und Frau Müller muss weg von Sönke Wortmann, der im Januar startet. Irgendwann kommt demnächst auch eine Zukunftsversion von Robin Hood heraus. Außerdem habe ich Arletty mit Laetitia Casta in Frankreich gemacht und Max e Hélène in Italien.

FF: Du war ja wirklich sehr beschäftigt.

KD: Momentan auf jeden Fall, ja.

FF: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg mit dem Film.

von Arthur Awanesjan

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Northmen – A Viking Saga läuft ab heute, dem 23.10. in den deutschen Kinos. Wer Freude an anspruchsloser Old-School-Unterhaltung und historischen Abenteuerfilmen hat sollte ihn nicht verpassen. Zur Einstimmung haben wir für Euch noch den Trailer.

Filmbilder © 2014 Ascot Elite

Am Sonntag bist du tot (2014)

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Am Sonntag bist du tot (2014) Filmkritik

Calvary, GB/IE 2014 • 105 Min. • Regie: John Michael McDonagh • Mit: Brendan Gleeson, Kelly Reilly, Chris O’Dowd, Aidan Gillen, Domhnall Gleeson, David Wilmot, Dylan Moran • FSK: ab 16 Jahren • Kinostart: 23.10.2014 • Deutsche Webseite

Die Kirche und die christliche Glaubensgemeinschaft in Europa wurden durch einen Missbrauchsfall nach dem anderen erschüttert. Schon bald wurden Fragen laut, was tradierte Institutionalisierungen von Enthaltsamkeit in der heutigen Zeit noch verloren hätten. Viel lauter wurde die Frage, wie man den Opfern dieser Gräuel gerecht werden kann. In der bitteren Schuld-und-Sühne-„Komödie“ wird diese Frage harsch und auf groteske Weise angegangen, denn ein irischer, gutherziger und vor allem unschuldiger Priester einer kleinen Küstengemeinde soll für die Sünden anderer Menschen sterben. Noch eines vorneweg: Der deutsche Titel „Am Sonntag bist du tot“ gaukelt in diesem Zusammenhang viel mehr schwarze Komödie vor, als dieser Film eigentlich bietet. Besser beschrieben als starkes Charakterdrama mit eingestreuten schwarzen Spitzen, die so bitter und so giftig sind, sodass ein Lachen manchmal schwerfällt, aber doch nötig ist.

Am Sonntag bist du tot (2014) Filmbild 1 In dieser streitlustigen Gemeinde leistet Dorfpriester James Lavelle (Brendan Gleeson) seinen störrischen, stoischen Dienst. Manchmal etwas genervt ob der Streitigkeiten, doch stets unbeirrt, kümmert er sich um seine Leute. Bei der Beichte droht ihm doch jemand damit, den Priester am Sonntag in einer Woche umzubringen. James Lavelle soll als unschuldiger Sündenbock für die Taten eines mittlerweile toten Geistlichen herhalten, der den mordlustigen Beichtgänger missbraucht haben soll. Ein Mord an einem schuldigen Arsch von Priester sei kein Zeichen, aber einen unschuldigen Priester zu ermorden, das sei eine Ansage. Der konsternierte Priester hält am Beichtgeheimnis fest, begibt sich selbst auf die Suche nach dem vermeintlichen Mörder und übt gleichzeitig weiter seine pastoralen Pflichten aus, weil das Wohlergehen seiner Gemeinde ganz oben steht, obwohl die eigene Trauer um einen alten Verlust an ihm nagt und seine angeknackste, labile Tochter auch seine volle Aufmerksamkeit benötigt. Die ereignisreiche Woche vergeht schnell, in welcher der ambitionierte Priester seine Angelegenheiten auf die Reihe kriegen möchte, um dann am Sonntag seinem Schicksal entgegenzutreten; keine Integrität zu haben, sei das schlimmste Urteil, was der Priester selbst über jemanden fällen könnte.

Am Sonntag bist du tot (2014) Filmbild 2Regisseur John Michael McDonagh besetzt die Hauptrolle in „Calvary“ wieder mit dem fantastischen, brachialen, wuchtigen, angekratzten Brendan Gleeson, der spätestens jetzt und längst überfällig die ganz große Nominierung einheimsen darf. Zuvor arbeiteten die zwei Talente an McDonaghs Kinodebüt „The Guard – Ein Ire sieht schwarz“ (2011) zusammen. Der Ton damals war salopp, schwarz und schräg. Bei „Am Sonntag bist du tot“ eignet sich der Originaltitel viel besser und sinnvoller, denn in der Stadt Jerusalem nannten die Menschen den Ort der Gekreuzigten „Kalvarienberg“, wo auch Jesus sein Leben für die Sünden der Menschheit hergab. Außerdem beginnt der Film schon mit einer Todesbotschaft auf dem Beichtstuhl und dadurch verliert der Titel auch gleich seine schnoddrige (deutsche) Botschaft, da er so hierzulande als schwarze Komödie beworben wird. Dem Autoren- und Regietalent McDonagh gelingt es, sich dem brisanten und widerlichen Thema des Missbrauchs höchst angemessen zu nähern und dabei zwingende Fragen nach Schuld, Vergebung, Verarbeitung und Verdrängung aufzuwerfen. Sollte ein Mensch für die Sünden anderer sterben? Ein Mord an dem unschuldigen Priester scheint somit kein wahnsinniger, rachsüchtiger Akt der Selbstjustiz auf ein wahlloses Individuum zu sein, sondern eine Abstrafung der katholischen Kirche als ganzes Kollektiv.

Am Sonntag bist du tot (2014) Filmbild 3Gleichwohl mutig als auch stark, inszeniert der Regisseur den Film in seiner Heimat Irland. Irland ist eines der europäischen Länder, wo der Gang in die Kirche und der Glaube mehr als zweckmäßige Beiläufigkeit ist. Wenn Kirche noch große Autorität haben sollte, dann sollte man meinen, dass dies in einem katholischen Land wie Irland der Fall ist. Wer den nicht immer als reinen Gutmenschen handelnden Priester auf dem Kieker hat, ist im Endeffekt gar nicht so essentiell für den Film, wie die vielen Konfrontationen und das dialogische Potential mit den Leuten aus der Gemeinde. Der gesamte, sehr gute Cast zeigt eine tolle Performance, doch Dreh- und Angelpunkt sind immer wieder die Zusammenstöße mit James Lavelle. Ein verbitterter, menschenverachtender Arzt, ein blasierter selbstgerechter, schnöseliger Finanzjongleur, eine sexgeile Witwe und ihr handgreiflicher Lover bilden die bunte Mixtur an Verfall, Schimmel, Desillusion, Abkehr, Lustmaxime und Enttäuschung. Genau hier liegt der einzige Kritikpunkt des Films, dass in der Gemeinde scheinbar ausschließlich übellaunige „Arschgeigen“ ansässig sind, die dem klugen, scharfsinnigen und mildtätigen Priester das Leben schwer machen. Andererseits ist er als Vertreter (und zugleich Zielscheibe von Frust und Ärger) einer Institution unterwegs, die ohnehin nicht mehr in so einem strahlenden Licht erscheint und der Film bezieht seinen philosophischen Anspruch eben aus diesen Streitgesprächen. Zum Glück umschifft der Film den verlockenden, reißenden Strudel der blassen Religionskritik immer wieder sicher und mit ausreichend Abstand, sodass dies keineswegs populistisches Futter für fundamentale Atheisten ist, sondern ein universales, philosophisches, manchmal frech-keckes Drama über die ambivalenten Antworten auf die Frage nach Schuld und Vergebung. Priester Lavelle ist eine grundanständige, nicht fehlerfreie aber enorm starke, integre Identifikationsfigur, sodass „Am Sonntag bist du tot“ mit diesem adäquaten und punktgenauen Drehbuch voll ins Schwarze trifft und somit jedermann ansprechen kann. Über Sündhaftigkeit wird mehr geredet als über Vergebung. Wie wahr.

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5 Zimmer Küche Sarg (2014)

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5 Zimmer Küche Sarg (2014) Filmkritik

What We Do In The Shadows, NZ 2014 • 86 Min. • Regie: Taika Waititi, Jemaine Clement • Mit: Taika Waititi, Jemaine Clement, Stuart Ruterford, Jonathan Brugh, Ben Fransham, Cori Gonzalez-Macuer • FSK: ab 12 Jahren • Kinostart: 30.10.2014 • Deutsche Webseite

„Mieten, Kaufen, Wohnen“ trifft auf Reality-TV, "Found Footage", Parodie und Mockumentary. Fast vergessen: Reichlich Blut. „What We Do In The Shadows“ (in Deutschland grässlich: „5 Zimmer Küche Sarg“) war einer der Lachflash-Garanten auf dem vergangenen Fantasy Filmfest. Die neuseeländische Truppe um Jemaine Clement und Taika Waititi (beide bekannt aus „Flight of the Conchords“ und „Eagle vs. Shark“) nimmt sich deS vampirischen WG-Lebens in Wellington an. Dabei werden alte Legenden oder Mythen und modernere, popkulturelle Ansätze rund um den Vampir-Hype aufs Korn genommen. Dies gelingt großartig, ohne in dem ollen Parodiesumpf wie sonstige „Scary Movies“ zu versickern.

5 Zimmer Küche Sarg (2014) Filmbild 1Das WG-Leben: Die Vampire aus verschiedenen Epochen der Zeitgeschichte Vladislav (862 Jahre untot, Jemaine Clement), Viago (379, Taika Waititi), Deacon (183, Jonathan Brugh) und der beinah greisige Petyr (um die 8000, Ben Fransham) bilden die illustre Gemeinschaft. Zoff im Spüldienst, Unwägbarkeiten bei den Eitelkeiten bezüglich Kleiderwahl (schwierig ohne Spiegelbild), Abfeiern des Vampirdaseins, Verzug mit der Miete und Talentfreiheit bei der Nahrungsbeschaffung zeichnen den Alltag der lichtscheuen Herrenriege aus. Bei einem dieser Streifzüge für Menschenblut, vermasseln die Jungs es so sehr, dass Petyr unfreiwillig für ein neues Gruppenmitglied namens Nick (Cori Gonzalez-Macuer) sorgt. Nick bringt direkt neuen Schwung und neue Probleme in die Bude, da er seinen lebendigen „Nicht-Vampir“-Freund Stu (Stuart Rutherford) mit in die WG schleppt. Zu allem Überfluss nervt noch Deacons menschliche „Sklavin“ rum, weil sie endlich ein Vampir werden möchte und der Maskenball der Untoten und Co. steigt bald in Wellington.

5 Zimmer Küche Sarg (2014) Filmbild 2Nach mehreren vergeblichen Versuchen die „Twilight“-Filme (oder anverwandtes wie „Fright Night“) durch den Dreck zu ziehen, gelingt es dieser kleinen Gruppierung Neuseeländer, die sogar Unterstützung von ganz oben bekamen (Geldgeber Peter Jackson), endlich dem Grusel-Vampir-Genre ein parodistisches Monument zu errichten; eines, welches dem Stoff würdig und angemessen ist. Ehrlich, Vampirgeschichten begeistern nicht nur neugierige Kinder, sondern jede Altersausprägung und das über Jahrhunderte. Zeitgeistphänomene, auch solche nicht totzukriegenden (Achtung Wortspiel: untote Zeitgeistphänomene), gehören immer wieder den Testverfahren der Unterhaltungs- und Kunstmedien unterzogen – das ist quasi Gesetz. Bei „5 Zimmer Küche Sarg“ funktioniert das dann mit dem Humor sogar so gut, dass es gleichzeitig auf mehreren Humorebenen knallt. Ein sogenanntes „Chore Wheel“ zeigt in einer WG die Verteilung von beispielsweise Spüldienst, Badezimmer-Schrubben und Staubsaugen an. Wenn es dann zu einem WG-Treffen kommt und man dann erfährt, dass Deacon seit zig Jahren das Geschirr nicht spült und dass im Hintergrund Türme aus blutverschmierten Geschirr gestapelt sind, dann ist das nicht nur Slapstick, sondern ein Sinnbild aller Alltagskämpfe wie in fast jeder WG und obendrauf die Frage: „Wozu brauchen Vampire beim Blutsaugen Geschirr?!“. Dies ist noch ein relativ harmloses Beispiel aus einem der Trailer, um keine Gags zu spoilern.

5 Zimmer Küche Sarg (2014) Filmbild 3Die Charaktere sind allesamt liebevolle Prototypen aus den verschiedenen Vampirarten. Von Nosferatu-mäßig, Dracula-mäßig über Tanz-der-Vampire-mäßig bis hin zu Twilight-mäßig ist alles vertreten. So war der Biss eines Vampirs auch meist an Verführung und Versuchung gekoppelt (nicht umsonst ist in „Twilight“ das voreheliche „Beißen“ so ein großes Thema, herrje). Dass manch einer das mit dem „sexy Biss“ immer noch nicht wirklich draufhat, sorgt in „5 Zimmer Küche Sarg“ für makabren Spaß. Für eine Mockumentary hält die Gagdichte ein außergewöhnlich hohes Niveau und eine hohe Schlagzahl, da meist die besten Gags am Anfang verbraten werden. Neuseeland zeigt, dass es fast durchgehend zu jeder Zeit möglich ist. Hut ab. Zuletzt ist zu erwähnen, dasst die begleitende Dokumentar-Crew alle Tricks und Kniffe (Knoblauch, Kruzifixe) kennt, um nicht als Mahlzeit ihrer Beobachtungsobjekte zu enden. Ob das auch bei den anderen Wesen in Wellington so leicht funktioniert, schaut man sich am besten (im O-Ton!) an.

Trailer

Der Richter – Recht oder Ehre (2014)

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Der Richter - Recht oder Ehre (2014) Filmkritik

The Judge, USA 2014 • 141 Min. • Regie: David Dobkin • Mit: Robert Downey Jr., Robert Duvall, Vera Farmiga, Leighton Meester, Jeremy Strong, Vincent D’Onofrio, Billy Bob Thornton • FSK: ab 6 Jahren • Kinostart: 16.10.2014 • Deutsche Webseite

Das Justiz- bzw. Gerichtsdrama/-Thriller kann ein hochspannendes Genre sein („Die Jury“, „Eine Frage der Ehre“) oder aber auch einfach endlos in die Länge gezogen werden wie bei „Der Richter – Recht oder Ehre“; sofern man diesen Film als Gerichtsdrama sehen will. Nichtsdestotrotz verzeichnen wir auf der Haben-Seite einen Robert Downey Jr., der seiner Paraderolle als glattgebügelter Lackaffe hier noch einen Hauch Verletzlichkeit verleiht und seine Rolle somit erdet. Charakterdarsteller Robert Duvall wird ihm entgegengesetzt, um ein Sehvergnügen beim Kräftemessen der Schauspielkunst zu erzeugen. Jedoch schafft dieser Aspekt zuzüglich Schablonendenken bei sonstigen Figuren einerseits, und bei der allgemeinen Handlung andererseits, kein so beachtenswertes Kinoerlebnis, wie es der Trailer suggeriert.

Der Richter (2014) Filmbild 1In seiner Wahlheimat Chicago ist Hank Palmer (Robert Downey Jr.) die große Nummer vor Gericht. Nur zu gerne boxt er jeden Mandanten für dickes Geld wieder raus. Man sollte meinen, dass alles cool läuft für den frechen Advokaten. Daheim zetert jedoch die untreue Ehegattin Lisa (Sarah Lancaster) herum und eine Sorgerechtsproblematik um die gemeinsame Tochter Lauren (Emma Tremblay) bahnt sich an. Nach einem Anruf bricht Hank, grantig blickend, alleine zu seinem Geburtsort (Carlinville, Indiana) auf, weil seine Mutter gestorben ist. Hanks Vater Joseph (Robert Duvall) ignoriert seinen Sohn völlig, was Hank jedoch ebenso erwidert. Die Brüder Glen (Vincent D’Onofrio) und Dale (Jeremy Strong) haben zu Hank mittlerweile auch ein eher unterkühltes Verhältnis. Nach der Beerdigung der verstorbenen Mutter wird das Familienoberhaupt Joseph verhaftet, weil er einen ehemaligen Straftäter namens Mark Blackwell (Mark Kiely) mit dem Auto nachts tödlich verletzt haben soll. Brisanz bekommt der Fall, weil Joseph seit 42 Jahren in der Kleinstadt auf dem Richterstuhl sitzt. Dies alles zunächst auf die leichte Schulter nehmend, klagt der lokale, abgeklärte Staatsanwalt Dwight Dickham (Billy Bob Thornton) Richter Palmer wegen Mordes an. Der schlaksige Hobbyanwalt C.P. Kennedy (Dax Shephard) aus der Gemeinde wird von Joseph engagiert, um ihn zu vertreten. Klar, dass Hank das nicht auf sich sitzen lässt und seinen Vater selbst vertreten will. Problem: Vater und Sohn haben sich entfremdet und verachten sich.

The Judge (2014) Filmbild 2Nein, was gibt Robert Downey Jr. einen Punk von Anwalt ab. Nach der Schema-F-„Badass“-Einführung des juristischen Grenzgängers, bestätigt sich der Eindruck, dass Rollen, die eine LKW-Ladung Arroganz abladen sollen, für Downey Jr. maßgeschneidert werden. Es klingt jetzt zynischer als gewollt, doch so wahnsinnig weit hergeholt ist der Gedanke nun auch wieder nicht (Tony Stark im „Iron Man“-Franchise). Etabliertes schauspielerisches Schwergewicht Robert Duvall („Falling Down“, „Der Pate“) ist auf dem Richterstuhl ein sich ruhendes, angesehenes Mitglied der Gemeinde in Carlinville. Die Aura um ihn herum hat etwas durchweg Rechtschaffenes und Gutherziges. Umso mehr überrascht es, dass er in einen Fall von Selbstjustiz verwickelt wird. Duvall schafft es, als alter Hase im Business ganz nonchalant die Fassade aufrechtzuerhalten, um punktgenau wieder ein Steinchen wegbröckeln zu lassen. Die wahre Wonne für den Kinogänger ist jedoch erst im Duell von Vater und Sohn ersichtlich, wenn sie sich anschreien, wenn der Sohn dem stolzen Vater hilft oder wenn sie sich mit grimmiger Gestik ignorieren.

Der Richter (2014) Filmbild 3Weil es daheim so unschöne Probleme gibt mit der Knackarsch-Ehefrau, kommt die alte Highschool-Flamme Samantha (Vera Farmiga) als Besitzerin eines örtlichen Diners gerade recht. Die smarte Schauspielerin, bekannt aus „Up in the Air“ oder „Departed – Unter Feinden“ ist keineswegs als treuherziges Doofchen zu verstehen, das sich lediglich über das Wiedersehen mit ihrem ehemaligen Schwarm vom Schulhof freut, sondern einfach eine Rolle für den üblichen Love-Interest. Die Rolle wird standesgemäß ausgefüllt. Obendrauf darf ihre Jura studierende Tochter Carla (Leighton Meester) in den Semesterferien im Diner aushelfen, scheinbar nur damit Staranwalt Hank sie einmal – ohne das Wissen um verwandtschaftliche Verhältnisse – mit einem One-Night-Stand beglücken darf, da es so geschmeidig in seine Rolle passt. Hanks Brüder sind leider ebenfalls nicht mehr als nur Schachfiguren. Ein Ex-Leistungssportler, gefrustet, ausreichend korpulent und schnell mit der Faust in Bars auf der einen, und einmal lernschwacher, mäßig heller, aber herzensguter Hobbyfilmer auf der anderen Seite. Diese Figuren dienen auch lediglich ihrem Zweck, ohne dabei besondere Aufmerksamkeit des Zuschauers einzufordern. Von dem Counterpart vor Gericht mit dem Namen Dwight Dickham bekommt man von Billy Bob Thornton beinah schon ein Understatement serviert, um die Bühne für die zwei klaren Lieblinge des Regisseurs freizuhalten. Seine Rolle als Staatsanwalt ist dennoch souverän geliefert und handwerklich gut anzusehen. Als letztes seien noch die Bilder von Janusz Kaminski („Der Soldat James Ryan“, Lincoln) zu erwähnen, der die beschauliche Idylle und den Charme einer Kleinstadt im US-Staat Indiana hervorragend einfängt; oftmals für Awards nominiert bzw. ausgezeichnet und dies völlig zu Recht .

Trailer

Fantasy Filmfest 2014 – Fazit und Veranstalter-Interview

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Fantasy Filmfest 2014 Fazit

Liebe Filmfutter-LeserInnen,

es heißt doch so schön, besser später als nie. Vor etwa vier Wochen ist das Fantasy Filmfest 2014 in Köln zu Ende gegangen und nach einiger Verzögerung, kann ich Euch jetzt unser Fazit präsentieren. Für den Aufschub gab es aber einen guten Grund, denn ich wollte nicht nur meine persönlichen Tops und Flops zur diesjährigen Ausgabe aufzählen, sondern, wie schon im letzten Jahr, Euch unbedingt einen Blick hinter die Kulissen des Festivals gewähren. Nachdem ich letztes Jahr dazu den Kölner Lokal-Koordinator Matthias Strunz interviewt habe, stand mir der Festivalgründer Rainer Stefan, unter dessen Leitung sich das Festival seit 1987 befindet, Rede und Antwort. Er gewährte interessante Einblicke in die Herausforderungen, mit denen sich das FFF-Team in der heutigen Zeit konfrontiert sieht, und zog ebenfalls ein Resümee des diesjährigen Festivals aus der Sicht der Veranstalter. Außerdem sprach er von einigen eventuellen Neuerungen, die die Besucher 2015 erwarten werden. Das Interview findet Ihr unten.

Doch zunächst noch kurz zu meinen persönlichen Erlebnissen auf dem Fantasy Filmfest dieses Jahr. Wie einige der Stammleser meiner Artikel zum Festival (hey, die gibt es doch, oder?!) vielleicht wissen, war dies mein 11. Jahr als FFF-Besucher (und mein drittes als Berichterstatter). Was die Qualität der Filme betrifft, so fand ich dieses Jahr im Schnitt etwas besser als das letzte, jedoch kam es auch nicht an meine Highlight-Jahre 2005 und 2009 heran. Von meinen fünf meisterwarteten Filmen des Festivals, die ich in meiner Vorschau erwähnt habe, schaffte es interessanterweise keiner unter meine Top 5 des Festivals und es waren stattdessen größtenteils Filme, an die ich eigentlich im Vorfeld kaum Erwartungen hatte, die mich besonders beeindruckt haben. Insgesamt habe ich dieses Jahr 38 verschiedene Filme (zwei davon sogar zweimal) beim Fantasy Filmfest gesehen – ein neuer Rekord, der aber auch auf die verlängerte Festivaldauer zurückzuführen ist. Glücklicherweise befand sich darunter trotzdem keine Obergurke, wie beispielsweise der letztjährige Revenge for Jolly! Obwohl ich reichlich mittelmäßige Filme gesichtet habe, fiel die Quote der schlechten überhaupt ungewöhnlich niedrig aus.

Auch dieses Jahr wurde zum neunen Mal in Folge der "Fresh Blood"-Award verliehen – ein Publikumspreis an das beste Erstlingswerk im Programm. Zum ersten Mal, seit es den Preis gibt, hat ihn mit Housebound tatsächlich ein Horrorfilm abgeräumt (eine Horrorkomödie, um genau zu sein) – nachdem in den letzten Jahren doch deutlich Arthouse-freundlichere Produktionen wie Blancanieves und Beasts of the Southern Wild bevorzugt wurden. Eine noch größere Überraschung war aber der zweite Platz für die venezuelanische Produktion The House at the End of Time. Auf Platz 3 folgte The Babadook, der im Vorfeld von vielen als Favorit gehandelt wurde. Ein besonders knapper Kampf um die Spitze war es nicht, Housebound belegte in nahezu jeder Stadt (außer Köln!) den ersten Platz. Dass ein großartiger Horrorfilm wie It Follows aber in keiner Stadt unter die Top 3 kam, kann ich irgendwie immer noch nicht ganz begreifen.

Doch noch ausschlaggebender als die Filmauswahl selbst, waren natürlich gerade dieses Jahr für mich (und für viele andere langjährige Festivalbesucher) die organisatorischen Veränderungen. Damit meine ich im Besonderen die Verlängerung der Festivaldauer von 8 auf 12 Tage. Das beeinflusste das Festivalerlebnis natürlich stark. Einerseits ist das lange Nachdenken über die Wahl eines Films bei zwei parallelen Vorstellungen diesmal entfallen, andererseits kam ich natürlich so auch dazu, deutlich mehr Filme zu sehen als sonst. Insgesamt ist es aus meiner Perspektive so, dass ich mich selbst nach dem kürzeren Festival zurückgesehnt habe. Ich kann es den Veranstaltern keineswegs verübeln, dass die Verlängerung vorgenommen wurde, denn diese kommt bei der Masse offensichtlich ganz gut an und führte auch zur nötigen Steigerung der Besucherzahlen. Ich denke auch, dass für diejenigen, die keine Dauerkarte besitzen, die Verlängerung wirklich Vorteile mit sich bringt. Ich persönlich fand aber 12 Tage sehr anstrengend (was natürlich auch mit dem zusätzlichen zeitlichen Aufwand für mein FFF-Tagebuch zusammenhängt) und als das Festival zu Ende ging, kam es mir schon vor, als würde es bereits seit drei Wochen laufen. Der Eröffnungsfilm schien zum Zeitpunkt des Abschlussfilms so weit weg zu sein. Nicht falsch verstehen – ich hatte immer noch meinen Spaß und werde auch nächstes Jahr mit Freude wieder dabei sein, aber nach 12 Tagen FFF hätte ich eigentlich eine Woche Urlaub gebraucht.

Doch nun, ohne weitere Umschweife, zu meinen persönlichen "Preisen" an das diesjährige Programm:

Bester FilmIt Follows

Schlechtester FilmWer

Größte ÜberraschungSupremacy

Größte EnttäuschungThe Babadook

Bester Darsteller – Ryan Reynolds, The Voices (Platz 2: Danny Glover, Supremacy)

Beste Darstellerin – Shailene Woodley/Eva Green, White Bird in a Blizzard (Platz 2: Essie Davis, The Babadook)

Bestes EnsembleCold in July (Platz 2: It Follows)

Der "Filmgenuss steigt proportional mit Alkoholkonsum"-FilmWolfCop

Der "Ich werde nie wieder Appetit haben"-FilmThe Mule

Der "Tolles Konzept, aber miese Umsetzung"-Film Time Lapse

Der "Beschissenster deutscher Titel"-Film5 Zimmer, Küche, Sarg alias What We Do in the Shadows

Größter MindfuckCoherence

Interview mit Festivalleiter Rainer Stefan


FF: Was war Dein persönlicher Favorit in der diesjährigen FFF-Auswahl?

RS: Jamie Marks Is Dead.

Filmfutter: Es wurde angekündigt, dass es im nächsten Jahr wahrscheinlich beim 12-Tage-Fest bleiben wird. Welches Fazit und welche Erkenntnisse haben Du und Dein Team aus dem Experiment dieses Jahr gezogen? Vielleicht auch was unerwartete Herausforderungen angeht?

Rainer Stefan: Insgesamt hatten wir trotz deutlich weniger Vorstellungen einen Besucherzuwachs im Vergleich zum schwachen Jahr 2013, mit Ausnahme von München. Die Nähe zum Oktoberfest war ungünstig und führte zu einem deutlichen Einbruch. Unser Fazit ist, dass wir 2015 eventuell alle Städte von Donnerstag bis Sonntag bespielen. Das heißt, 11 Tage inkl. 2 Wochenenden. Da es Donnerstag dann erst um 20 Uhr beginnt und viele Gäste am Freitag schon früher von der Arbeit kommen, sollte man mit 5 Werktagen Urlaub hinkommen. Der Beginn der Nachtvorstellungen wird auf 23 Uhr  vorgezogen und es werden keine Filme über 100 Minuten Laufzeit in diesem Slot programmiert. Somit sollten zum Filmende die öffentlichen Verkehrsmittel noch genutzt werden können.

FF: Ein weiteres heißes Thema waren im Vorfeld die Platzkarten bzw. die festen Reihen für die Dauerkarten-Besitzer? Gibt es da Überlegungen irgendwas zu ändern und wird es voraussichtlich so bleiben, wie es dieses Jahr war?

RS: Dieser Punkt betrifft ja nur Frankfurt und da sind wir uns unsicher und haben noch keine Entscheidung getroffen.

FF: Wie viele Filme sichteten Du und Dein Team schätzungsweise im Vorfeld, bevor man sich auf eine Endauswahl einigte?

RS: Schwer zu sagen, da wir das ganze Jahr sichten. Aber jeder von uns kommt auf einige hundert Titel.

FF: War ein bestimmter Film besonders schwierig zu bekommen?

RS: Die Filme zu bekommen ist nicht das einzige Problem, die Schwierigkeiten beginnen erst richtig mit der Materialbeschaffung und den vielen Ansprechpartnern und anfallenden Kosten. Viele Titel haben keinen Kinostart, also gibt es oft auch keine DCP um den Film im Kino zu zeigen. Diese müssen dann von uns in Auftrag gegeben werden und dann beginnen die Probleme: Framerate, Untertitel etc.

FF: Zu den Nights wirst Du uns natürlich noch keine konkreten Filme nennen, doch es wurde gesagt, dass einige Filme es ins diesjährige Programm nicht schafften, weil sie vom Filmfestival in Toronto "beansprucht" wurden. Falls Du also einen Tipp geben kannst: ist es wahrscheinlich, dass irgendwas aus der Midnight-Madness-Selection des TIFF (http://www.tiff.net/festivals/thefestival/programmes/midnight-madness) nächstes Jahr bei den Nights zu sehen sein wird?

RS: Da können wir leider noch keine Titel nennen.

FF: Übernächstes Jahr feiert das Fantasy Filmfest seinen 30. Geburtstag. Denkst Du, dass die Fans dann irgendwelche Specials erwarten werden?

RS: 30. Geburtstag…mein Gott, keiner von uns hatte je geplant, dass wir das solange machen. Da denken wir nächstes Jahr drüber nach!

FF: Wie hat sich das Festival, Deiner Meinung nach, in den letzten zehn Jahren entwickelt und welche Entwicklung erwartest Du für die nächsten zehn?

RS: Durch die Digitalisierung der Kinos hat sich unser Arbeiten enorm erschwert. Die Materialbeschaffung gleicht oft einem Kampf gegen Windmühlen und man ist von der Zuverlässigkeit vieler Partner abhängig. Wir dachten, es würde unsere Arbeit vereinfachen, aber das Gegenteil ist der Fall. Alle Festivals sehen sich mit einer immer schnelleren Verfügbarkeit der Filme für den User konfrontiert. Dies bedeutet, wir müssen immer aktueller werden und laufen dann Gefahr, dass wir Filme so früh zeigen, dass diese noch gar keine Awareness beim Zuschauer haben und deshalb übersehen werden.

Die Zukunft für ein von Fördergeldern unabhängiges Festival wie das FFF ist nicht einfach, da wir in 10 Jahren eine Verdoppelung der Kosten haben, den Preis für die Tickets aber lediglich von €8 auf €9 erhöhen konnten. Das kann auf Dauer nicht funktionieren. Zudem sind die Kosten in jeder Stadt anders und eigentlich müsste auch jede Stadt angepasste Eintrittspreise haben.

Erfreulich ist, dass wir gerade dieses Jahr in vielen Städten neue, junge, Zuschauerschichten erreicht haben und dort (Stuttgart und Frankfurt), wo dem nicht so ist, ist dies die größte Herausforderung.

 FF: Vielen Dank für das Interview

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Vielen Dank an alle von Euch, die unsere Beiträge zum FFF gelesen haben, und bis zum nächsten Jahr!

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