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Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth: Bloggerspecial zum Kinostart

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Maze Runner Special

Am kommenden Donnerstag, den 16.10., startet in den deutschen Kinos Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth, die Verfilmung des ersten Teils von James Dashners Sci-Fi-Jugendbuchreihe. Wer denkt, dass Romane/Filme wie Die Tribute von Panem, Die Bestimmung – Divergent oder Chroniken der Unterwelt bereits alles aus dem aktuell so beleibten Subgenre von Jugendbuchadaptionen abgedeckt haben, wird hier positiv überrascht, denn Maze Runner hat mehr mit der Mysteryserie "Lost" gemeinsam, denn mit irgendeinem der soeben erwähnten Werke. Hier stehen (zumindest im ersten Roman/Film) keine Liebesdreiecke oder dystopische diktatorische Gesellschaften im Mittelpunkt, sondern ein Mysterium, das Protagonisten des Films und die Zuschauer versuchen zu enträtseln. Eine Gruppe Jugendlicher muss den Weg aus einem unüberblickbaren und sich ständig verändernden Labyrinth herausfinden. Sie wissen nicht, wie sie dort gelandet sind und erinnern sich, abgesehen von ihren Vornamen, auch nicht an ihr bisheriges Leben. Dazu kommt noch, dass im Labyrinth tödliche Gefahren auf sie lauern. Ob sie es schaffen zu entkommen und wie, das könnt Ihr ab Donnerstag im Kino erfahren.

Wir haben uns abermals mit drei anderen Film-Websites für ein neues Bloggerspecial par excellence zusammengeschlossen. Die Fragen, die es diesmal zu beantworten gilt: welcher der Figuren aus dem Film sind wir am ähnlichsten, welche besonderen Charaktereigenschaften dieser Figur nutzen wir im Alltag, um Problemlösungen zu finden und wie würden wir diese Fähigkeit einsetzen, um unseren Weg aus dem Labyrinth zu finden.

Zur Auswahl standen Thomas, der Neugierige, Theresa, die Mysteriöse, Gally, der Kritische, Alby, der Weise, Newt, der Denker und Minho, der Sportliche. Nach einiger Überlegung fiel meine Wahl auf…

Maze Runner Special ThomasMaze Runner Special Newt

Ja, ich gebe es zu, ich habe geschummelt. Die Eigenschaften von Newt, einem der Anführer der Jugendlichen und Thomas, dem Frischling, entsprechen mir gleichermaßen. In der Regel versuche ich, jedes Problem möglichst in seine Einzelteile zu zerlegen und nach einer Schwachstelle bzw. nach einem Lösungsansatz in einem der Einzelteile zu suchen. Mache ich irgendwo Fehler oder läuft etwas schief, lasse ich mich davon nicht entmutigen, sondern schaue mir stattdessen genau an, wo mein Fehler lag und versuche genau dies beim nächsten Anlauzf zu vermeiden. Ich versuche alles möglichst logisch anzugehen, doch ich bin auch von Natur aus neugierig, was mich auf innovative Lösungsansätze bringt. Doch das eine oder andere Mal brachte mich meine Neugier auch schon in Schwierigkeiten.

Sollte ich mit den Filmfiguren auch in einem Labyrinth landen, würde ich, nachdem der erste Schock überwunden wurde, wahrscheinlich genau so vorgehen wie sonst: alle möglichen Lösungsansätze darlegen und einen nach dem anderen ausprobieren. Doch ich befürchte auch, dass meine Neugier mich trotz aller Warnungen schnell in de gefährlichen Tiefen des Labyrinths bringen würde, wo ich mir dann in einer brenzligen Situation vielleicht doch Minhos Sportlichkeit wünschen würde… Letztlich ist es nicht eine einzelne Eigenschaft, mit der man aus einer solch schwierigen Lage hinausfindet, sondern die Kombination von vielen.

Wenn Ihr wissen wollt, welche Charaktereigenschaft unsere Blogger-Kollegen am Besten beschreibt und ob sie, wie ich, ebenfalls ein wenig geschummelt haben, könnt Ihr euch bei den untenstehenden Links durchklicken.

Myofb
Sidblog
Wewantmedia

Offizieller Inhalt:

"Thomas (Dylan O’Brien) wacht auf einer Lichtung auf und kann sich an nichts mehr erinnern – außer seinen Vornamen. Bald erfährt er, dass dieser fremde Ort inmitten eines Labyrinths liegt, aus dem es keinen Ausweg zu geben scheint. Aber Thomas ist nicht allein. Mit ihm sind viele andere Jungen im Labyrinth gefangen, die ebenfalls ihr Gedächtnis verloren haben. Gemeinsam versuchen sie einen Weg in die Freiheit zu finden und das unheimliche Geheimnis zu lüften, wer sie hergebracht hat – und warum…"

The Equalizer (2014)

The Equalizer (2014) Filmkritik

The Equalizer, USA 2014 • 131 Min. • Regie: Antoine Fuqua • Drehbuch: Richard Wenk • Mit: Denzel Washington, Marton Csokas, Chloë Grace Moretz, David Harbour, Bill Pullman, Melissa Leo • FSK: ab 16 Jahren • Kinostart: 9.10.2014 • Deutsche Website

Handlung

Der Ex-CIA-Agent Robert McCall (Denzel Washington) hat sich mit seiner neuen Identität halbwegs arrangiert. Er versucht seit dem Tod seiner Frau, ein normales Leben zu führen, kann aber einige Angewohnheiten nicht loswerden. Er ist ein penibler Analytiker, schätzt bei jeder seiner Aktionen die Zeit und vergleicht sie mit der tatsächlich benötigten. Nur um es beim nächsten Mal noch besser zu machen. In einer einsamen Stunde trifft er nachts in einem Diner Teri (Chloë Gratz Moretz), eine jugendliche Prostituierte. Die Ungerechtigkeit, die ihr widerfährt, weckt in Robert den Gerechtigkeitssinn. Er kann nicht anders, als ihr aus der ausweglosen Misere zu helfen. Schnell merkt er, dass es um mehr als einen ungerechten Zuhälter im Hintergrund geht. Als die Mafia dann auch noch Teddy (Marton Csokas) auf ihn ansetzt, wird es für Robert lebensbedrohlich. Denn Teddy unternimmt alles, um dieses kleine Ärgernis aus der Welt zu schaffen. Ein Rachefeldzug in zwei Richtungen beginnt.

Kritik

Es ist immer wieder beeindruckend, wie Denzel Washington die zwei Seiten des menschlichen Charakters, also Gut und Böse, auf der Leinwand rüberbringen kann. In The Equalizer darf er beides zeigen. Als Held darf er sich richtig austoben – vor allem, was seine gewaltbereite Seite angeht. Keine sinnlose Gewalt versteht sich. Schließlich kann Robert McCall keine Ungerechtigkeit ertragen – insbesondere wenn diese zulasten von hilflosen Menschen geht, die keine Chance haben, für ihr Recht zu kämpfen. Wie ein Robin Hood, der sich nicht gegen die Obrigkeit, sondern gegen die Korrupten wendet.

The Equalizer (2014) Szenenbild 1Die Rolle des Ex-CIA-Agenten, der aus seinem Ruhestand zurückkehrt und mit seinen Fähigkeiten für das Gute eintritt, ist wie auf den Leib von Denzel Washington geschrieben. Da Washington selbst lieber Bösewichter spielt, kann er hier auf der einen Seite knallhart agieren und auf der anderen Seite der hilfsbereite, nette Typ aus der Nachbarschaft sein. Dass ihm diese Mischung Spaß macht, sieht man in jeder Filmminute. Das gilt auch für die Arbeit mit dem Regisseur Antoine Fuqua. Zusammen haben sie mit Training Day bereits einen Oscar-prämierten Blockbuster produziert. Für den nächsten Oscar wird es dieses Mal wohl nicht reichen, aber unterhaltsam ist der Film allemal.

In der ersten halben Stunde könnte The Equalizer glatt als Drama durchgehen. Der Zuschauer wird mit der Einsamkeit des Protagonisten konfrontiert, mit den Problemen einer jugendlichen Prostituierten, mit der Unterdrückung der Schwachen in einer Welt, die von Korruption bestimmt wird … Doch mit dem Entschluss des Hauptcharakters, diese Ungerechtigkeit und Unterdrückung wieder bekämpfen zu wollen, hält die Action Einzug in den Film. Und das nicht zu knapp. Manchmal möchte man meinen, eine FSK-18-Szene wurde übersehen. Das ist keinesfalls schlimm, aber nach so einem Einstieg arg ungewöhnlich.

The Equalizer (2014) Szenenbild 2Der Film ist sehr charakterfixiert. Im Mittelpunkt steht einzig das Wirken von McCall. Die Nebenrollen sind mit Chloë Grace Moretz und Melissa Leo stark besetzt, spielen aber nur eine stark untergeordnete Rolle. Immerhin kann Marton Csokas als unberechenbarer, skrupelloser Unterhändler neben Washington brillieren. Die Handlung ist in vielerlei Hinsicht unrealistisch, bezieht aber genau daraus die Kraft, das Interesse aufrechtzuerhalten. Denn Superkräfte hat der Hauptcharakter keine, und dennoch legt er sich rigoros mit der Mafia an, ohne dabei größere Probleme zu haben. Umso mehr fragt man sich in brenzligen Situationen, wie er da wohl wieder rauskommt. Und umso kreativer werden auch die Lösungen, die sich die Macher überlegt haben. Dass ein Baumarkt tödlich sein kein, weiß man spätestens seit Final Destination 3. Nur in The Equalizer agiert nicht der Tod, sondern ein Mensch. Der Held baut Fallen à la MacGyver mit allen möglichen Handwerkerutensilien. Was den Unterhaltungsfaktor angeht, funktioniert das wirklich gut. Andere Fragen, die sich vor allem zum Ende des Films hin ergeben, werden ausgeklammert. So auch die Frage, wer er eigentlich ist. Die Anzeichen für einen zweiten Teil sind da schon deutlich klarer.

Fazit

The Equalizer ist in vielerlei Hinsicht unrealistisch, aber dadurch keineswegs weniger unterhaltsam. Es macht Spaß, Denzel Washington auf seinem Gerechtigkeits-Trip mit Robin-Hood-Ambitionen durch den Baumarkt zu folgen. Das Vorhandensein einer unbekannten, dunklen Vergangenheit in Kombination mit seinen Fähigkeiten lässt ihn dabei wie einen Superhelden wirken. Und jeder mag doch Superhelden – zumindest wenn man sich die Box-Office-Zahlen der letzten Jahre anschaut. Ob dem Equalizer ein Sprung an die Chart-Spitze gelingt, bleibt abzuwarten. Ein spannender Film, der hält, was er verspricht, ist es auf jeden Fall.

Trailer

Annabelle (2014)

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Annabelle (2014) Filmkritik

Annabelle, USA 2014 • 98 Min • Regie: John R. Leonetti • Mit: Annabelle Wallis, Ward Horton, Alfre Woodard, Tony Amendola • FSK: ab 16 Jahren • Kinostart: 9.10.2014Deutsche Website

„Insidious“ war ein recht unterhaltsamer und überaus erfolgreicher Horrorfilm von James Wan. Der zwecks Profitmaximierung hinterhergejagte „Insidious: Chapter 2“ war entschieden weniger unterhaltsam, aber nichtsdestotrotz noch erfolgreicher. Da das Konzept so gut funktionierte, macht sich Wan bei „Insidious: Chapter 3“ gar nicht die Mühe, hinter der Kamera zu stehen, sondern produziert; gemeinsam mit Oren Peli und Jason Blum, die das serielle Totreiten einer Filmidee bei „Paranormal Activity“ perfektioniert hatten.

Nach diesem Vorbild ergänzt Wan seinen Horrorerfolg „Conjuring – Die Heimsuchung“ noch vor dem ersten Sequel mit einem Spin-Off. Die Regie übernahm John R. Leonetti, der bei „Insidious“ 1 + 2 sowie bei „Conjuring“ die Kamera geführt hatte, aber bisher nur die kaum erwähnenswerten Fortsetzungen „Mortal Kombat 2 – Annihilation“ und „The Butterfly Effect 2“ inszenierte. Das klingt ein wenig als sei „Annabelle“ James Wan für Arme und so manche Maskeneffekte sehen auch genau danach aus. Tatsächlich jedoch ist der quasi ein unsichtbares Straight-to-Video-Label tragende Streifen mehr: ein bisschen William Friedkin und Roman Polanski für Arme, nicht zu vergessen „Chucky“, dessen dritte Fortsetzung Leonettis erste Filmarbeit war. Fühlte das zweite Kapitel von „Insidious“ sich wie ein filmischer Schnellschuss an, wirkt „Annabelle“ wie eine rasch verpuffte Fehlzündung. Der Plot, offiziell von einer Episode um eine dämonische Puppe aus „Conjuring“ inspiriert, bedient sich ausgiebig, doch fantasielos bei dem Horror der Ära, in welcher die Handlung spielt. Horror meint hier nicht nur Genreklassiker, sondern reale Ereignisse wie die Morde der Manson-Family.

Deren grausames Eindringen in Polanskis Privatleben ist unweigerlich präsent, wenn die werdende Mutter Mia (Annabelle Wallis) und ihr Mediziner-Ehemann John (Ward Horton) im Röhren-Fernsehen von Mansons Kult hören. Prompt attackieren in der Folgenacht zwei Satansjünger das Pärchen, nachdem sie deren gottesfürchtige Nachbarn massakriert haben. Mia erleidet einen Stich in den Bauch, aber John und die Polizei verhindern Schlimmeres. Die getöteten Angreifer entpuppen sich als ein Manson-Abklatsch und die entfremdete Nachbarstochter Annabelle, über die John zuvor bemerkte: „Sie ist zu den Hippies gegangen.“ Ronald Reagan hatte Recht: Hippies, Beatniks, Commies – alles Teufelsanbeter! So ergreift Annabelle Besitz von einer seltenen Porzellanpuppe, die John Mia und dem Baby schenkt. Das ist schonmal unheimlich, dummerweise anders als gewollt. Dass fiese Puppen ein alter Horror-Hut und längst kein Grusel-Garant mehr sind, sollte Leonetti wissen. Aber welcher Gatte schenkt dem erwarteten Baby und der hochschwangeren Frau, die fernab von BH-verbrennenden und dafür in der Hölle schmorenden Hippie-Mädchen daheim an der Nähmaschine sitzt und Seifenopern guckt, eine grässliche Puppe, die aussieht wie – nun, wie aus einem Horrorfilm?

Etwas Ironie hätte die wackelige Handlung zumindest teilweise vor unfreiwilliger Komik retten können, aber „Annabelle“ nimmt sich todernst, selbst als John und Mia (die nie psychisch labil wirkt wie Farrows Rosemary) in ein düsteres Mietshaus umziehen und für ein paar „Exorzist“-Takes einen Priester (Tony Amendola) gegen Annabelles an eine jüngere Regan erinnernden Geist antreten lässt. Ex und hopp gehen braucht der Kirchenmann nicht, dafür ist Buchladenbesitzerin und „Magical Negro“ Evelyn (sträflich unterfordert: Alfre Woodard) da. Ihre Aufopferung sei „Gottes Plan“ für sie, beruhigt sie die weiße Middleclass-Kernfamilie. Solch fragwürdige Konzepte und Anspielungen sind das einzig Gruselige an dem plumpen Puppentheater, beim Gedanken an dessen Macher man nur kopfschüttelnd einen Dialogsatz zitieren: „Crazy people do crazy things.“

Trailer

Bloggerspecial und Gewinnspiel zum Heimkinostart von Under the Skin

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Under the Skin Gewinnspiel Special

Liebe Filmfutter-Fans,

kommenden Freitag, am 10. Oktober, kommt mit Jonathan Glazers existenziellem Sci-Fi-Drama Under the Skin einer der faszinierendsten und interpretationfreudigsten Filme des Jahres auf DVD und BluRay ins Heimkino. Auf dem Fantasy Filmfest haben wir den Film bereits gesehen und für Euch rezensiert.

Anlässlich des Heimkinostarts haben wir und einige unserer Blogger-Kollegen von anderen Websites sich abermals zusammengeschlossen, um ein Bloggerspecial auf die Beine zu stellen. Die Ausgangsfrage diesmal: „Was macht mich menschlich?“. Auch die Protagonistin des Films sieht sich mit der Frage der Menschlichkeit immer wieder konfrontiert.

„Cogito ergo sum“ – Ich denke, also bin ich. Modern ausgedrückt: Ich Selfie, also bin ich. Spaß beiseite. Es geht schließlich um ernste Fragen, die mit einem ungefilterten Gedankensalat beantwortet werden wollen: „Was macht mich menschlich?“ Der alte Gedanke, dass der Mensch eine ratio, einen Verstand besitzt, ist das, was den „Homo Sapiens“ von allen anderen Lebensarten unterscheidet. Die Fähigkeit, unser Handeln zu reflektieren und dadurch unsere Natur hinterfragen zu können, sie vielleicht sogar erfolgreich bzw. ausreichend leugnen zu können, ist ein Segen aber vielleicht auch ein Fluch. Nach unserem jetzigen Verständnis würde vermutlich Gesetzlosigkeit, Maßlosigkeit und wildes Treiben herrschen. Hardliner-Zyniker könnten verlautbaren lassen, dass dort, wo die Grenzen des Erklärbaren erreicht sind, Religion Einzug erhält.

Dinge aber auch einfach zu fühlen, sei es für die einen rein mit dem Herzen oder für andere mit dem Glauben, ist dem Wechselspiel zwischen Emotionalität und Rationalität geschuldet. Verhaltensweisen sind (meistens) nicht irreversibel. Vor allem nicht instinktgeleitete, sondern empathische Entscheidungen für sich und Mitmenschen zu treffen, sein Verhalten willentlich anpassen und ändern zu können, macht diese Lebensform Mensch so unglaublich menschlich.  Die stete Neugier, Unwissen zu Wissen zu machen, und der Drang zur Partizipation in Gemeinschaft und dadurch am Leben selbst, lässt den Menschen jedoch auch rastlos erscheinen (Burn-Out?). Auch Scarlett Johanssons Figur in Under the Skin verfällt irgendwann der Neugier und der Empathie. Trotz ihrer (buchstäblichen) Weltfremdheit, versucht sie an dem menschlichen Leben teilzunehmen – mit gemischtem Erfolg.

In der ruhelosen Suche nach Erkenntnis und Selbsterkenntnis verstricken sich in regelmäßiger Manier Hobbyphilosophen, Amateuranthropologen, Küchenpsychologen, geistliche Theologen, Tante Emma und Autoritäten der Wissenschaft in ihren Theorien, überwerfen sich gegenseitig mit dem Ergebnis, dass dieses Wesen Mensch, in seiner Gänze und Komplexität nicht zu durchdringen und vollends zu begreifen ist. Großartig. Das wunderbare daran ist jener Umstand mit der freien Entscheidung, das zu glauben, was man für richtig hält.

Die letzte Aussage trifft auch auf die Interpretation des Films zu, der sich jeglichen gewöhnlichen Bewertungskriterien eigentlich entzieht.

GEWINNSPIEL

Damit Ihr Euch aber selbst ein Bild davon machen könnt, bietet der Verleih eine Verlosung zum Film an. Mit etwas Glück könnt Ihr eine von drei BluRays zu Under the Skin und dazu jeweils ein Limited-Edition-Poster zum Film gewinnen. Alles was Ihr dazu tun müsst, ist eine E-Mail an undertheskin@pureonline.de schicken mit dem Betreff: "UNDER THE SKIN". Viel Erfolg!

Under the Skin Gewinnspiel BluRay

BluRay Cover © 2014 Senator Film GmbH

Einsendeschluss ist am Freitag, den 10. Oktober 2014.

Offizieller Inhalt:

"Ihr Zuhause ist die Straße, die Nacht ihr Verbündeter: In einem Lieferwagen fährt Laura (SCARLETT JOHANSSON) allein durch Schottland. Pechschwarzes Haar, blutrote Lippen, ständig auf der Suche nach Beute. In grellen Clubs, auf Parkplätzen und in dunklen Gassen findet sie immer willige Opfer: einsame, gelangweilte Männer, die auf schnellen Sex hoffen und der überirdischen Schönheit nichtsahnend in die Falle gehen. Wenn sie begreifen, was sie erwartet, ist es bereits zu spät: Die verführerische Vagabundin ist nicht von dieser Welt, und auf ihrem Heimatplaneten herrschen ganz spezielle kulinarische Vorlieben… Doch allmählich kommen Laura Zweifel an ihrer tödlichen Mission."

Magisch! "Harry Potter: The Exhibition" öffnet ihre Pforten in Köln

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Harry Potter The Exhibition

Ausstellungslogo © 2014 Odysseum Köln

Alle Generationen haben ihre Bücher und Filme, mit denen sie groß geworden sind und die sie durch ihre Kindheit, Jugend bzw. junges Erwachsenenalter begleitet haben. Das müssen (können aber) nicht zwingend die besten Werke ihrer jeweiligen Gattung sein, doch man wird immer ein nostalgisch-sentimentales Verhältnis damit haben, weil sie einen eben während der prägenden Lebensabschnitte begleitet habe. Für die einen sind es die Spielberg-Filme der Achtziger, für die anderen Stallone, Schwarzenegger und andere Actionhelden ihrer Zeit und für die Kids von heute werden es vermutlich die Comicbuchverfilmungen von Iron Man, The Avengers und Co sein. Ich bin 28 und die Coming-Of-Age-Phase von vielen in meiner Generation wurde von Harry Potter begleitet – sowohl in Romanform als auch in Filmform. Als "Harry Potter und der Stein der Weisen" 1997 in Großbritannien in die Buchläden kam, konnte niemand – am wenigsten noch die damals arbeitslose Autorin Joanne K. Rowling – ahnen, zu welchem zeitlosen Phänomen Harry Potter werden würde, zunächst als Bücherrehe und kurze Zeit darauf als Film-Franchise, das zur umsatzstärksten Filmreihe aller Zeiten wurde und Warner Bros. Pictures Einnahmen in Höhe von mehr als $7 Milliarden über zehn Jahre bescherte.

Ich, für meinen Teil, habe die Romane geliebt, sie geradezu verschlungen und habe natürlich auch jeden Film im Kino gesehen, manchmal sogar mehrmals. Obwohl die meisten der Harry-Potter-Filme gut bis sehr gut sind, kamen sie nur selten an die Brillanz der Buchvorlagen heran und werden nie zu meinen Lieblingsfilmen gehören. Nichtsdestotrotz vermisse ich die Zeit, in der man sich auf einen neuen Harry-Potter-Teil im Kino freuen konnte. Als 2007 der finale Roman in die Läden kam, konnte man die Trauer über das Ende der Serie mit dem Gedanken überwinden, dass man sich damals noch auf drei weitere Kinofilme freuen durfte. Doch 2011 war der Zauber endgültig vorbei (abgesehen vom geplanten Ableger Fantastic Beasts, der unter Rowlings Ägide und David Yates' Regie in den kommenden Jahren als Dreiteiler entstehen wird). Die Harry-Potter-Filme gehören eben zu meinem Heranwachsen als Filmfan einfach dazu und ich werde immer gute Erinnerungen an sie haben.

Diese konnte ich am 1. Oktober auf spektakuläre Weise wieder aufleben lassen, als ich der Presse-Preview der Harry-Potter-Ausstellung im Kölner Erlebnismuseum Odysseum beiwohnte. Waren zur Ausstellungs-Ankündigung im April noch James und Oliver Phelps (die in der Filmreihe die Weasley-Zwillinge Fred und George gespielt haben) nach Köln angereist, gab es auch zur Ausstellungseröffnung vorgestern Starbesuch – Matthew Lewis, der Darsteller von Neville Longbottom, kam zur Preview am Morgen und schritt später bei der offiziellen Eröffnungsgala über den roten Teppich. Mit ihm haben wir am darauffolgenden Tag auch ein Interview geführt, doch das gibt es erst später in einem separaten Artikel.

Im April angekündigt, gehörte Harry Potter: The Exhibition mit Sicherheit zu den am sehnlichsten erwarteten Ausstellungen in Deutschland seit langem. Erstmals vom Veranstaltungsservice Global Experience Specialists (GES) in Zusammenarbeit mit Warner Bros. Pictures 2009 in Chicago ins Leben gerufen, tourte die einzigartige Ausstellung seitdem von den USA über Kanada, Australien, Japan und Singapur bis nach Schweden, wo sie in Norrköping zum ersten Mal auf europäischen Boden präsentiert wurde. Köln ist die zweite europäische und erste (und einzige) deutsche Station der Wanderausstellung, die die Besucher hinter die Kulissen aller acht Harry-Potter-Filme bringt. Viele deutsche Städte bewarben sich um das Privileg, diese gefragte Ausstellung zu sich bringen zu können, doch das Kölner Erlebnismuseum Odysseum setzte sich mit seinem Konzept durch (was mich als in der Nähe lebenden Bonner freut). Einziger Wermutstropfen für viele, der bereits bei der Ankündigung der Ausstellung im April bekannt wurde: die Eintrittspreise, die (einschließlich des restlichen Museums) für einen Erwachsenen ohne Ermäßigung bei €29,95 liegen und für Kinder, Schüler, Studenten und andere Ermäßigungsberechtigte €23,95 betragen. Eine happige Summe, doch die Frage ist, was wird dafür geboten? Das kann ich Euch in meinem ausführlichen Test zur Ausstellung verraten. Darüber hinaus habe ich außerdem noch Interviews mit Andreas Waschk, der als Geschäftsführer vom Odysseum die Ausstellung nach Köln gebracht hat und Robin Stapley, dem Kreativdirektor und Vice President von GES, geführt. Beide findet Ihr auf der zweiten Seite des Artikels.

Harry Potter The Exhibition EingangHarry Potter: The Exhibition ist keine gewöhnliche Ausstellung und daher ist auch der Eintritt in die Ausstellung nicht wie in vielen anderen Museen. Man wird in Gruppen (von 20 bis 40 Leuten) hineingeführt und durchläuft zwei Räume, bevor man die Hauptausstellung betritt. Damit wird auf sehr effektive Art und Weise sichergestellt, dass man in die Welt komplett eintaucht. Die Ausstellung beginnt für die Besucher auf eine ähnliche Art und Weise, wie das erste Hogwarts-Jahr für Harry. Im ersten Raum gibt es ein Wiedersehen mit dem Sprechenden Hut. Freiwillige aus der Gruppe dürfen vortreten, sich den Hut auf den Kopf setzen zu lassen und werden in eins der vier Hogwarts-Häuser eingeteilt (in meiner Gruppe gab es mehrere Slytherin-Fans!). Danach geht es in den zweiten Raum, in dem es anfangs auf der Wand die offiziellen Filmplakate aus allen acht Filmen auf Displays zu sehen gibt (Foto links). Doch dann verdunkeln die Lichter und es wird die mittlerweile legendären Harry-Potter-Musik von John Williams angestimmt ("Hedwig’s Theme", unten zum Reinhören). Parallel dazu laufen auf allen acht Displays zahlreiche Schlüsselszenen aus den Filmen ab. Schwupps und ich war wieder drin, vor 13 Jahren als ich mich auf den Release des ersten Films gefreut habe und in den Jahren danach. Gänsehaut für alle Harry-Potter-Fans ist an dieser Stelle garantiert. Eine bessere Einführung hätte es eigentlich nicht geben können.

https://youtu.be/zCNHVMIYqiA

Harry Potter The Exhibition Hermines SchaukastenDurch den Rest der Ausstellung kann man selbst durchlaufen. Zunächst geht es am Hogwarts-Express vorbei (wegen der Größe das einzige Exponat, das nicht original aus den Filmen stammt) und schon befindet man sich mittendrin. An der Wand das Portait der Fetten Dame, die den Eingang zu den Räumen des Hauses Gryffindor bewacht. Bald steht man zwischen den Nachbildungen eines Teils des Gryffindor-Schlafsaals, von Dolores Umbridges Büro und zwischen den ausgestellten Kostümen der Hauptdarsteller. Zur Ausstellung gibt es einen Audio-Guide, in dem die Kostümbildner und Set-Designer selbst zu Wort kommen und einige interessante Hintergrundinfos zu vielen Exponaten verraten. Ebenfalls sieht man zu Beginn der Ausstellung mehrere Schaukästen, in denen die kleineren Besitztümer der jeweiligen Hauptcharaktere versammelt sind (Foto rechts zeigt Hermines Schaukasten). So findet man in Harry Potters Glaskasten u. a. die Original-Brille aus den Filmen, seinen Zauberstab und die "Karte des Rumtreibers", während man in Rons Schaukasten seinen zusammengeflickten Zauberstab und sein Quidditchtrikot sieht.

Harry Potter The Exhibition Hagrids SesselDie Ausstellung ist fast komplett in mehrere thematische Räume unterteilt, darunter den Verbotenen Wald, die Große Halle zur Zeit des Weihnachtsballs aus dem vierten Buch, Hagrids Hütte und so weiter. Die Aufteilung und die Präsentation der Exponate ist wirklich gut gelungen und wirkt zu keinem Zeitpunkt billig. Stattdessen schlägt das Herz eines Fans wirklich höher vor Freude, wenn man einige Objekte, die man auf Anhieb aus den Filmen erkennt, aus nächster Nähe betrachten kann. So ging es mir besonders bei den Weihnachtsball-Kostümen und im Setting von Hagrids Hütte, wo man auch in Hagrid überdimensionalem Sessel (Bild links) sitzen kann. Alles ist sehr liebevoll gestaltet und obwohl die Ausstellung von der Fläche her nicht sehr groß ist, wird einem doch eine ganze Menge an Exponaten auf kleinerem Raum geschickt präsentiert, sodass es nie vollgestopft wirkt. Neben Hagrid Sessel, gibt es übrigens auch einige weitere Ausstellungsobjekte, die nicht nur zum Anschauen, sondern auch zum Anfassen sind. So kann man die Alraunen aus ihren Töpfen ziehen (hier braucht man aber keine Ohrschützer) oder einen Quaffel durch die Quidditch-Ringe werfen.

Harry Potter The Exhibition HorkruxeAuch wenn die Filmreihe sicherlich abertausende potenzielle Ausstellungsstücke bietet und die aktuelle Ausstellung nur einen Bruchteil davon zeigt, kommt trotzdem nie das Gefühl auf, als würde etwas Essenzielles fehlen. Alle wiedererkennbaren Kostüme der Charaktere, die Horkruxe, die Heiligtümer des Todes (Foto rechts), die Zauberstäbe, die Zauberbücher und sogar die Modelle zahlreicher Kreaturen, wie der Riesenspinne Aragog, des Hippogriffs Seidenschnabel und des Kopfes des Ungarischen Hornschwanzes gibt es zu bestaunen. Staunen ist ein gutes Stichwort, denn aus dem Staunen kommt man als Fan während der Ausstellung eigentlich kaum heraus. Nur schade, dass sie dann doch recht schnell vorüber ist. Auch wenn man sich die Sachen aufmerksam anschaut und sich die Informationen des Audio-Guides anhört, ist man in einer guten Stunde durch. Angesichts der Kosten, die die Ausstellung für Familien darstellt, ist es eine ganz schön teure Stunde. Doch andererseits kann man auch keinen wirklichen Wert für das Erlebnis benennen, das einem als Harry-Potter-Fan hier bereitet wird. Denn obwohl das Wort in dem Zusammenhang schon sicherlich hunderte Male verwendet wurde, passt es eben zu gut – das Erlebnis ist einfach magisch!

Im Anschluss an die Ausstellung betritt man den Museums-Shop, in dem man zahlreiche zauberhafte Souveniers zu der Ausstellung kaufen kann – von Tassen, Filmplakaten und Sirius-Black-Fahndungsbildern bis hin zu Bertie Botts Zauberbohnen in allen (wirklich allen!) Geschmacksrichtungen und den berühmten Schokofröschen. Doch auch hier sind die Preise ganz schön ordentlich.

Harry Potter: The Exhibition kann man vom 3.10.2014 bis zum 28.02.2015 im Kölner Odysseum besichtigen. Die Eintrittskarte (als Kombiticket mit der Dauerausstellung und der Ausstellung mit der Maus) kostet für Erwachsene €29,95, für Kinder und andere Ermäßigungsberechtigte €23,95 und als Familienticket (für zwei Erwachsene und zwei Kinder) €99,95. Es empfiehlt sich angesichts des wahrscheinlichen Besucherandrangs die Nutzung des Vorverkaufs im Internet, wo man sich Zeittickets kaufen kann, mit denen man im vorgegebenen Zeitfenster, ohne anstehen zu müssen, die Ausstellung betreten kann.

Mehr Informationen zu den Öffnungszeiten des Museums und den Preisen, findet Ihr auf der offiziellen Website des Odysseum. Unten könnt Ihr einige weitere Fotos aus der Ausstellung sehen und unsere Interviews mit dem Geschäftsführer des Odysseum, Andreas Waschk und dem Mitgestalter der Ausstellung, dem Kreativdirektor Robin Stapley, auf Seite 2 lesen.

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Die Kostüme der Hauptfiguren erkennt man auf Anhieb
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Dolores Umbridges Büro – natürlich in pink!
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Die Festumhänge zum Weihnachtsball aus Harry Potter und der Feuerkelch
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Alraunen zum Anfassen!
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Auch viele Quidditch-Umhänge gibt es zu sehen.
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Man kann aber auch selbst Quaffel werfen
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Ein Wiedersehen mit Seidenschnabel

SEITE 2 (Interviews mit Andreas Waschk und Robin Stapley)

Fotos © 2014 Arthur Awanesjan, Filmfutter.com

Lavinia Wilson im Interview: "Sexszenen sind eine makabre Situation"

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Lavinia Wilson Interview Schoßgebete

Lavinia Wilson als Elizabeth Kiehl in Schoßgebete © 2014 Constantin Film Verleih GmbH / Mathias Bothor

Zu guter Letzt habe ich auch die Gelegenheit gehabt, die Hauptdarstellerin von Schoßgebete, die großartige Lavinia Wilson, zu interviewen. Ihre vielschichtige Performance bildet das Herzstück des Films.

Zu Lavinia Wilsons bekanntesten Filmen gehören Schussangst, Allein und Oskar Roehlers Die Quellen des Lebens. In unserem Interview erzählte sie von ihrer Herangehensweise an die Darstellung der komplexen Figur und ihrer Einstellung zu Sexszenen.

Filmfutter: Wann bist Du das erste Mal mit der Romanvorlage in Berührung gekommen?

Lavinia Wilson: Erst nachdem ich die Rolle schon bekommen habe. Mitte 2012 habe ich eine Einladung zum Casting bekommen und hatte, wie wahrscheinlich viele, von den beiden Charlotte-Roche-Büchern gehört und darüber gelesen, aber selber gelesen habe ich sie nicht. Für das Casting habe ich bewusst nur das Drehbuch gelesen und erst nachdem ich die Rolle bekam – worüber ich mich sehr freute – habe ich den Roman gelesen.

FF: Hat der Roman trotzdem noch eine starke Wirkung auf Dich gehabt, obwohl Du bereits das Drehbuch kanntest?

LW: Ja, schon. Ich habe den Roman dann natürlich mit einem ganz bestimmten Blick gelesen. Was mich an dem Buch so fasziniert hat, war, dass man eine so moderne, zeitgemäße Frauenfigur in den Mittelpunkt stellte. Sie ist witzig, schlau, verletzlich und trotzdem stark. Und sie ist nicht perfekt. So etwas gibt es als Filmfigur gerade bei Frauen extrem selten. Das hat mich total begeistert, aber gerade wegen so vieler Facetten war es auch eine große Herausforderung. Man kann natürlich damit auch auf die Schnauze fallen. Das war mir bewusst und als ich dann den Roman gelesen habe, habe ich wie in einem Steinbruch, danach gesucht, wo die psychologischen Motivationen der Figur sind und wie ich in die Tiefe der Figur vordringen kann. Ich habe ihn also schon anders gelesen, als wenn ich ihn gelesen hätte, ohne an dem Film beteiligt zu sein. Aber trotzdem hat er eine starke Wirkung auf mich gehabt.

FF: Hast Du auch „Feuchtgebiete“ gelesen, um von dem Stil noch mehr Eindrücke zu bekommen.

LW: Nein, weil es ja für mich wirklich exklusiv um die Figur Elizabeth geht. Man darf eine Figur ja auch nicht überfrachten und es steckt schon sehr viel in ihr drin. Einen weiteren Roman da noch einzubauen, würde das Ganze irgendwann diffus machen. Vielleicht lese ich den Roman aber jetzt noch.

FF: Beide Romane von Charlotte waren in Deutschland extrem erfolgreich. Worin ist, Deiner Ansicht nach, der Erfolg von Charlotte Roche begründet?

LW: Ich glaube, sie ist ehrlich und schamlos – im guten Sinne. Sie bringt die Dinge auf den Punkt. Sie scheint den Nerv der Menschen wirklich zu treffen – ob man sie nun mag oder nicht. Bei „Schoßgebete“ ist es der mittlerweile immer krasser werdende Selbstoptimierungswahn, der bei „Feuchtgebiete“ auch schon ein Bestandteil war. Charlotte führt uns vor die Augen, wie absurd die Ansprüche sind, die wir selber an uns stellen. Oder auch Fragen wie: „Wie definiere ich mich als eine moderne post-post-feministische Frau?“. Das ist auch etwas, das Elizabeth in der Geschichte erst lernen muss, dass man sich ruhig anlehnen darf, ohne dass es als Schwäche ausgelegt wird. Das müssen wir, Frauen, vielleicht auch wieder lernen, nachdem wir – natürlich mit gutem Grund – die letzten hundert Jahre mit wehenden Fahnen voranmarschiert sind und unabhängig und frei sein wollten. Das ist natürlich auch super und man wünscht sich das für die gesamte Welt, aber gerade in unseren Breitengraden müssen wir vielleicht noch einen Schritt weitergehen und lernen, dass man gemeinsam vielleicht stärker ist als alleine.

Lavinia Wilson Interview 1

FF: Bist Du als prominente Person von diesen Rollendefinitionen nicht noch mehr betroffen als viele andere?

LW: Definitiv, ja, aber ich kann es ja dann ausleben, weil ich die unterschiedlichen Rollen spielen kann. Im Privatleben kann ich es dann langweilig gestalten. (lacht)

FF: Hast Du Charlotte vor den Dreharbeiten getroffen?

LW: Ja. Wir hatten hier in Köln vor Drehbeginn ein Abendessen, bei dem auch Sönke (Wortmann) dabei war. Sie hat uns auch einmal am Set besucht. Das war mir ganz wichtig, damit sie wusste, dass ihre Geschichte bei mir gut aufgehoben ist. Ich wusste auch, dass sie vorher das Casting-Band gesehen hat und dass sie damit glücklich war, was mich natürlich auch gefreut hat. Gleichzeitig wollte ich ihr trotzdem noch persönlich das Gefühl geben, dass ihre Figur bei mir gut aufgehoben ist. Lustigerweise haben wir beim Abendessen aber überhaupt nicht über den Roman, den Film oder ihre Familiengeschichte gesprochen. Das fand ich gut. Erstens hat sie alles, was sie dazu zu sagen hat, schon im Roman gesagt und zweitens kann ich ja nicht an die Rolle herangehen und versuchen, Charlotte Roche nachzuahmen. Der einzige Fehler, den man machen kann, ist, dass man versucht, die reale Person, die man verkörpert, nachzumachen. Das wird nur äußerlich sein und wird auf der Leinwand immer als billiger Abklatsch wirken. Ich musste meinen eigenen Zugang finden.

FF: Charlotte hat natürlich ein sehr persönliches Trauma in dem Roman verarbeitet. Als Du die Rolle gespielt hast, hattest Du das Gefühl, gleichzeitig Elizabeth und Charlotte zu spielen? Kann man das überhaupt klar trennen?

LW: Das kann man überhaupt nicht klar trennen. Es ist natürlich Charlottes Geschichte und daraus macht sie keinen Hehl. Aber sobald ich das spiele, kann ich nicht den Gedanken zulassen, dass es ja die wahre Geschichte von Charlotte Roche ist. Das ist ein Verdrängungsakt, den ich vollbringen musste. Aber wir Menschen können sehr gut verdrängen, deshalb hat das geklappt. Sonst würde so eine komische falsche Betroffenheit dabei entstehen, weil man solche Angst vor der Größe dieses Dramas bekommt, dass man dem nicht gerecht wird. Ich gehe das einfach als eine Rolle an, sonst würde es keinen Spaß machen und ich wäre gehemmt. Dazu fällt mir immer ein schönes Beispiel ein. Thomas Thieme, ein großartiger Schauspieler, hat vor über 20 Jahren in einem Fernsehfilm Helmut Kohl gespielt (Anm. der Red: „Der Mann aus der Pfalz“ von 1989). Der Film war so lala, aber Thomas Thieme war super. Was Thieme gemacht hat: er hat Helmut Kohl, den ursprünglichen Pfälzer, völlig dreist mit seinem eigenen, eher ostdeutschen Akzent gesprochen. Und es war super, weil er den Kern der Figur getroffen hat, diesen Menschen, dem es um Macht, die Erhaltung von Macht und dem Zerbrechen an der Macht ging. Das ist der Schlüssel.

FF: In Deiner Rolle als Elizabeth, musst Du dich im Film entblößen, körperlich wie seelisch. Hat Dich das nervös gemacht?

LW: Gerade was die Sexszenen angeht, steht es natürlich im Drehbuch und man weiß, was auf einen zukommt. Beim Drehen selbst weiß man auch, was auf einen zukommt, denn es wird sehr genau besprochen. Grundsätzlich ist es mir persönlich viel unangenehmer und peinlicher, wenn ich eine Szene schlecht spiele oder, noch schlimmer, Komik versuche zu spielen, die nicht witzig ist, als wenn jemand meinen Po sieht. Grundsätzlich bin ich also recht locker, was diese Szenen betrifft. Trotzdem merkt man an dem Tag, an dem man diese Szenen dann dreht, dass jeder so tut, als wäre es das Normalste auf der Welt und in Wirklichkeit sind alle total nervös. Weil es schon komisch ist! Es ist komisch, wenn man sich vor fremden Menschen auszieht und so tut, als würde man Sex haben. Sexszenen sind eine makabre Situation. (lacht) Ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass die Nervosität vor allem daher kommt, dass man Angst hat, dass die Situation verkrampft ist, dass eine komische falsche Klemmigkeit die Szene kaputtmacht. In dem Fall war es auch so, dass diese Puffszene Jürgen Vogels erster Drehtag war. Das Glück war, dass sobald er am Set auftaucht, es immer was zu lachen gibt. Das hat uns alle wahnsinnig gelockert.

Lavinia Wilson Interview 2

FF: Wie lange dauerte der Dreh der großen Dreier-Szene?

LW: Einen halben Tag. Was ganz wichtig ist, dass man mental auch eine Überschrift für die Szene hat. Es geht natürlich um Sex und um Treue und Beziehung, aber gerade diese Szene ist auch eine Art Mutprobe. Wenn ich mit meinem Mann in den Puff gehen kann, kann ich alles. Dann sind wir unverwundbar. Das gibt dem noch eine ganz andere Tiefe.

FF: Wenn man so eine Szene dreht, ist jede Bewegung im Drehbuch bereits vorchoreographiert?

LW: Nein, im Drehbuch nicht, aber es wird vorher abgesprochen. Hier war es so, dass nicht viel vorgegeben war, aber wir haben im Vorfeld uns zusammengesetzt, auch mit Isabelle Redfern, die Grace spielt, und dem Kameramann, und besprochen, was wir zeigen wollen und wie wir es zeigen wollen. Das war uns allen sehr wichtig, dass es schön aussieht, aber nicht perfekt.

FF: Würdest Du sagen, dass Sex im Film eine Lösung für Elizabeths Probleme ist?

LW: Schön, wenn es so einfach wäre! (lacht) Eine der Lösungen, vielleicht. Ich glaube, sie hätte es gerne so. Wenn es ein Mittel dazu ist, loszulassen, sich fallen zu lassen und anderen zu vertrauen, dann ja.

FF: Wenn man „Charlotte-Roche-Verfilmung“ hört, dann erwarten viele Menschen ganz bestimme Dinge. Sie erwarten viel Sex und viele Tabubrüche. Würdest Du aus Deiner Sicht sagen, dass es auf Schoßgebete zutrifft?

LW: Also wir haben Sex, aber nicht im Übermaß. Tabubrüche…da frage ich mich, was ein Tabu ist. Gerade nach Feuchtgebiete gibt es eigentlich keine Tabus mehr, die man brechen könnte, gerade was den physischen Ekel-Faktor angeht. Was spannend ist, ist die Frage, wie man eine lange Beziehung frisch hält. Das fragen sich natürlich viele Menschen. Man darf von dem Film mehr erwarten, als Sex und Tabubrüche, und zwar, dass man viel zu lachen hat und zwischendurch auch eine Träne verdrückt. Das ist das, was mich auch selbst im Kino interessiert.

FF: Es gibt ja eine Szene, die ein bisschen in Richtung Ekel geht, die Würmer. Welche Bedeutung haben sie deiner Meinung nach in dem Film?

LW: Die beste Komödie fußt auf einem tragischen Untergrund, sonst ist sie flach. Meine Interpretation ist, dass die Würmer, von denen sie Angst hat, dass sie sie von innen auffressen, mit dem Tod zu tun haben.

FF: Hast Du eine Lieblingsszene in dem Film?

LW: Die Anfangsszene hat schon sehr viel Spaß gemacht, diese „Ego-Shooter“-Actionszene zu spielen, weil ich das noch nie durfte. In deutschen Filmen gibt es das ja sehr selten. Es ist mein „Lara Soft“-Moment. (lacht) Elizabeth ballert da rum, trägt aber einen rosafarbenen Camouflage-Anzug. Das war auch sehr aufregend, weil wenn ich einen Fehler in der Szene gemacht hätte, hätten alle noch zwei Stunden länger warten müssen, weil das ganze Set-Up nochmal hätte neu aufgebaut werden müssen.

Lavinia Wilson Interview 3

FF: Ein wichtiges Thema in dem Film sind die Medien, die Elizabeths Tragödie ausgebeutet haben. Als Schauspielerin kommst Du ja auch sehr häufig mit Medien in Berührung. Wie ist Deine Einstellung dazu?

LW: Also ich bin der Meinung, dass wenn ich meine Hochzeit an die „Bunte“ verkaufe, sie auch über die Scheidung schreiben wird, und zwar ohne mich zu fragen. Es ist schlau, sich da bedeckt zu halten. Wir haben in Deutschland zum Glück noch ein gutes Persönlichkeitsrecht. Wenn man sich anschaut, wie das in den USA ist oder wie die Yellow Press in England ist, da sind wir hier im Land der Glückseligen.

FF: Zu guter Letzt – was steht für Dich demnächst an?

LW: Ich habe gerade ein Kind gekriegt und habe sechs Monate Pause gemacht. Ab nächster Woche drehe ich in Bayern und in Südtirol einen Kinofilm mit dem Titel Outside the Box. Das ist eine Satire auf Unternehmensberatung und ich spiele die PR-Managerin. Der Regisseur ist Philip Koch, dessen Debütfilm Picco war, ein düsteres Knastdrama. Jetzt versucht er sich an einer schwarzen Komödie.

FF: Vielen Dank für das Interview!

von Arthur Awanesjan

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Schoßgebete läuft seit dem 18.09. in den deutschen Kinos.

Weitere Interviews zu Schoßgebete:

Sönke Wortmann

Jürgen Vogel

Szenenbilder © 2014 Constantin Film Verleih GmbH / Tom Trambow

Fantasy Filmfest 2014 Tagebuch – Tag 12

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Fantasy Filmfest 2014 Reviews

Liebe Filmfutter-LeserInnen,

Es ist vorbei! Nach 12 Tagen und 37 Filmen (mein neuer FFF-Rekord!) sowie zwei in Wiederholungen  ging für mich das 11. Fantasy Filmfest zu Ende, das ich besucht habe. Ich habe in einem ruhigen Moment mir die Zeit genommen und nachgezählt, wie viele Filme ich im Rahmen des FFF und der dazugehörigen Fantasy Filmfest Nights (FFN) gesehen habe und es stellte sich heraus, dass ich am 11. Tag mit Wolfcop meinen 300. FFF/FFN-Film gesehen habe. Eine ganze Menge, wie ich finde. Darunter waren viele großartige Filme, noch mehr solide, einige grottenschlechte und auch viele, an deren Inhalt ich mich gar nicht mehr erinnern kann. Alles in allem möchte ich aber kein Jahr beim Fantasy Filmfest missen, denn jede Ausgabe hat meinen filmischen Horizont ein kleines bisschen erweitert und mir ermöglicht, einige Perlen zu entdecken, auf die ich wahrscheinlich sonst nicht gekommen wäre.

Wirkliche Perlen gab es am letzten Tag des FFF2014 in Köln zwar nicht, doch auch von absoluten Reinfällen bin ich verschont geblieben. Interessant war, dass zwei Filme unter Tage spielten und auf denselben Klaustrophobie-Effekt setzten, der mich bereits bei The Descent – Abgrund des Grauens so nervös machte. An dessen Vorbild kamen die beiden Streifen aber nicht heran und warne insgesamt eher durchschnittlich. Die anderen beiden Filme, These Final Hours und Life After Beth, waren hingegen durchaus sehenswert, wenn auch bei weitem nicht perfekt. Ausführlich könnt Ihr es unten nachlesen.

 

TAG 12

In Darkness We Fall (Die Höhle)

Fantasy Filmfest 2014 Reviews In Darkness We FallDer erste der zwei unterirdisch basierten Filmen des Tages verzichtete trotz sich offensichtlich aufdrängender Vergleiche mit The Descent gänzlich auf Monster oder sonstigen übernatürlichen Grusel und setzte stattdessen auf rein menschlichen Horror. Fünf Freunde (zwei Frauen, drei Kerle) machen Natur-Urlaub auf der spanischen Insel Formentera. Alkohol, Sex, Drogen und alberne Streiche bestimmen die ersten Tage, bis die Gruppe auf die Idee kommt, ein Höhlensystem in der Nähe ihres Camps zu erkunden. Es kommt, wie es kommen muss, und sie finden keinen Weg mehr heraus. Doch anstelle von Crawlern à la The Descent, erwarten die Gruppe Hunger, Durst, Hitze, bissige Ratten und die schnell sinkende Hoffnung angesichts der Erkenntnis, dass sie nicht lange durchhalten werden. Die Gruppe muss Entscheidungen treffen, die alle moralischen und ethischen Grenzen überschreiten. Wie weit werden sie gehen, um am Leben zu bleiben und wie viel zählen überhaupt die Freundschaft und die Gesetze des menschlichen Miteinanders in einer extremen Situation wie diesen?

Im Alltag zähle ich mich eigentlich nicht zu Klaustrophobikern, doch eine Ausnahme stellt die Vorstellung dar, in einer Höhle gefangen zu werden oder – noch schlimmer – in einem Felsspalt stecken zu bleiben. Mit diesen Ängsten spielt der spanische Streifen natürlich und entfaltet so bei mir ungemein schnell seine Wirkung, wie es auch The Descent seinerseits tat. An die Qualität von Neil Marshalls Film kommt In Darkness We Fall trotzdem nicht heran, da die arg unterentwickelten und zuweilen überspitzt dargestellten Figuren hier nicht so interessant sind und der "Found Footage"-Look eher stört als hilft. Die klaustrophobische Wirkung ist nämlich viel heftiger, wenn eine Kamera auf die jeweilige Situation still draufhält, anstatt dass ständig gewackelt wird. Auch leider der Film an dem Problem der meisten "Found Footage"-Streifen, und zwar, dass es irgendwann schlicht unglaubwürdig wird, dass die Beteiligten die Situation immer noch filmen und aus Bequemlichkeit immer der Charakter die Kamera (mit perfekter Nachtsichtfunktion ausgestattet und komplett wasserundurchlässig!) halten darf, der die spannendsten und interessantesten Momente erlebt.

Von dieser Kritik aber abgesehen, wird In Darkness We Fall sicherlich bei vielen Zuschauern seine gewünschte Wirkung erzielen, was die Spannung angeht, aber auch die Frage danach, wie man sich selbst in dieser Situation verhalten hätte. Wahrscheinlich nicht, wie einige Figuren in dem Film, würde man sich zumindest gerne einreden. Oder doch? 3/5

 

These Final Hours

Fantasy Filmfest 2014 Reviews These Final HoursNach dem Eröffnungsfilm The Rover erwartete die Zuschauer ein weiterer Endzeit-Streifen aus Down Under. Doch während der Festival-Opener nach der Apokalypse spielte, findet die Handlung von These Final Hours, wie der Titel besagt, unmittelbar davor. Ein Überleben ist diesmal auch sehr unwahrscheinlich, denn nach einem Asteroiden-Einschlag im europäischen Raum, fegt eine alles verschlingende Feuerwand über die gesamte Welt hinweg und nimmt dabei alles Leben mit. Für Perth an der australischen Westküste, verbleiben nur noch 12 Stunden. Was macht man, wenn man weiß, dass der Countdown zum eigenen Tod läuft? Freddy (Daniel Henshall) möchte nur noch zu einer großen Fete, sich zudröhnen und nichts spüren, wenn das Ende kommt. Dass er dafür seine Affäre Zoe (Jessica De Gouw), die ihm soeben offenbart hat, dass sie von ihm schwanger ist, alleine lässt, kümmert ihn auch wenig. Unterwegs zur Party lässt er sich jedoch zu einer guten Tat hinreißen und rettet die junge Rose (Angourie Rice) aus den Händen von zwei Pädophilen. Jetzt hat er das kleine Mädel am Hals, die unbedingt vor dem Ende ihren Vater wiederfinden möchte. In den letzten Stunden der Welt muss Freddy sich entscheiden, was für ein Mensch er wirklich ist.

Obwohl The Rover und These Final Hours als zwei australische Endzeit-Filme beim FFF zwangsläufig miteinander vergleichen werden, sind die beiden Filme eigentlich ziemliche Gegensätze. Was These Final Hours an überragenden Darstellerleistungen und einer meisterhaften Regie mangelt, macht der Film mit dem Herz wieder wett, das in The Rover gänzlich fehlte. Ja, These Final Hours ist, trotz teilweise erschreckender Bilder von Verzweiflung und Anarchie angesichts des Weltuntergangs, kitschig. Die Musik und die sonnengetränkten Bilder sorgen dafür, beim Zuschauer möglichst auf die Tränendrüse zu drücken. Doch dank eines tollen Zusammenspiels zwischen Daniel Henshall und Angourie Rice funktioniert es auch und die Gefühle fühlen sich echt an. Von der Beziehung zwischen Henshalls Figur und seiner Geliebten kann man das eigentlich nicht sagen, denn diese wird einfach zu kurz angerissen und Freddy steht nicht wirklich als Sympathieträger da. Sein Charakterwandel vollzieht sich auch zu schnell und schemenhaft, doch zumindest in den Szenen mit dem Mädchen verzeiht man es dem Film.

Letztlich ist These Final Hours ein Film, der auf emotionaler Ebene funktioniert, obwohl er stellenweise offensichtlich manipulativ vorgeht, während The Rover einen zwar relativ kalt lässt, aber gleichzeitig visuell deutlich mehr beeindruckt. Eine Mischung aus den Stärken beider Filme hätte wahrscheinlich ein grandioses Endzeit-Epos ergeben. So haben wir "nur" zwei gute Filme. 3,5/5

 

Beneath

Fantasy Filmfest 2014 Reviews BeneathNach einem sonnigen Film, ging es in Beneath wieder in die Dunkelheit unter der Erde. Anstelle von einer Höhle ist der Schauplatz des neuen Films von Ben Ketai (30 Days of Night: Dark Days) ein altes Bergwerk, in das die junge Uni-Absolventin Sam (Kelly Noonan) ihren Vater George (Jeff Fahey) an seinem letzten Arbeitstag begleitet, um sich endlich einen Eindruck davon zu verschaffen, welche Arbeit er und die anderen Kumpel dort tagtäglich leisten. Trotz angeblich hoher Sicherheitsvorkehrungen stürzt der Stollen ein und die kleine Truppe sitzt in einer extra dazu geschaffenen Notunterkunft fest. Diese gilt es nicht zu verlassen, da draußen in den Tunneln giftige Gase austreten und der Sauerstoff immer knapp wird. Eigentlich ist es ganz einfach. Die Verschütteten müssen bloß etwas ausharren und auf Rettung warten. Doch plötzlich huschen Schatten außerhalb der Notunterkunft, die Männer (und Frau) hören Schreie und Sam sieht plötzlich schreckliche Visionen. Hast es vielleicht mit einer anderen Bergarbeitertruppe zu tun, die Anfang des letzten Jahrhunderts im benachbarten Bergwerk ums Leben kam?

Im Gegensatz zu In Darkness We Fall sind die Horrorelemente in Beneath deutlich prävalenter – Gedärme hängen von den Felswänden, die Gesichter der Leute "schmelzen" vor unseren Augen und aus jeder Ecke kann ein zombieäugiger Bergarbeiter mit einer Spitzhacke auf einen losgehen. Wie bereits bei zahlreichen Filmen des diesjährigen Fantasy Filmfests (scheint ein besonders beliebtes Thema zu sein), steht in Beneath die Frage im Raum, ob hier übernatürliche Mächte am Werke sind oder der Sauerstoffmangel bei den Figuren Halluzinationen hervorruft. Leider wird die Antwort auf diese Frage eigentlich sehr schnell sehr deutlich, was dem Geschehen viel an Spannung raubt. Nichtsdestotrotz bleibt es bis zum (vorhersehbaren) Ende recht kurzweilig und obwohl die Jump Scares selten unerwartet kommen und sich durch sich immer wiederholende Kameraeinstellungen und Situationen ankündigen, wirken einige davon trotzdem überraschend gut. Ich bezweifle aber, dass ich mich in einem Monat an den Film noch erinnern werde. 2,5/5

 

Life After Beth

Fantasy Filmfest 2014 Reviews Life After BethObwohl ich bei jedem Eröffnungsfilm des Fantasy Filmfests seit 2006 dabei war, ist mir aufgefallen, dass ich in den vergangenen zehn Jahren lediglich viermal dem Closing-Night-Film beigewohnt habe (dreimal davon in den letzten drei Jahren) und mich häufig für den parallel laufenden Film entschieden habe. Auch wenn dieses Jahr ein anderer Film parallel zu Life After Beth gelaufen wäre, hätte ich mich vermutlich trotzdem für die Zom-Romcom (romantische Komödie mit Zombies, ein Subgenre geprägt von Shaun of the Dead) entschieden, vor allem aufgrund der tollen Besetzung des Films. Zwar schnitt Life After Beth bei mir etwas schlechter ab als die letzten drei Closing-Night-Filme (The Baytown Outlaws, Attack the Block, You’re Next), doch das lag u. a. auch daran, dass jene drei Filme einfach größere Spaßgranaten waren und daher mit dem FFF-Publikum noch besser genossen werdne konnten. Auch in Life After Beth gibt es Humor, doch die Geschichte schlägt mehr ernstere Töne an, als man vermuten würde. Es ist eigentlich die Geschichte von einem Jungen, einem Mädchen und einer Beziehung, die trotz aller Anstrengungen einfach nicht funktioniert. Zach (Dane DeHaan) ist am Boden zerstört, als seine Freundin Beth (Aubrey Plaza) nach einem Schlangenbiss ums Leben kommt. Dabei hat sie kurz davor mit ihm Schluss gemacht. Zu seinem Erstaunen kehrt Beth jedoch einige Tage später von den Toten zurück und hat keinerlei Erinnerungen mehr daran, die Beziehung beendet zu haben. Hier wittert Zach natürlich die Chance, Beth all die Dinge zu Sachen und mit ihr all das zu unternehmen, was er vor ihrem "Tod" nicht tat. Doch es gibt ein Problem – Beth ist ein Zombie und ihre Instinkte und wahre Natur kommen immer mehr zutage, ebenso wie ihre fortschreitende Verwesung.

Junge Liebe – das ist das eigentliche Thema von Life After Beth. Es ist eine Geschichte von zwei Menschen, die offensichtlich viel füreinander empfinden, aber einfach nicht zusammenpassen. Liebe alleine ist manchmal eben einfach nicht genug und früher oder später muss ein Partner zum Wohle der beiden den Faden, der sie verbindet, durchtrennen, so schmerzhaft es auch ist. Eigentlich kann das jeder nachempfinden und das ist der Grund, weshalb Life After Beth, bei allen Ekelmomenten, dem Humor unter der Gürtellinie und der sich langsam ankündigenden Zombie-Apokalypse, trotzdem ein Film ist, der auch ans Herz geht. Jedenfalls stellenweise, wenn er nicht gerade durch Slapstick abgelenkt wird. Das größte Problem des Streifens ist nämlich der extrem ungleiche Ton, der durch die verschiedenen Genres entsteht, die hier bedient werden sollen und wenn dann in einem sehr emotionalen Moment ein Slapstick-Gag kommt, denkt man, dass jedes dieser Elemente getrennt funktioniert hätte, gemeinsam aber weniger.

Der Cast ist hervorragend, allen voran die Komikerin Aubrey Plaza ("Parks and Recreation"), die sich wirklich mit Haut und Haar in die Rolle stürzt. Sehr schön ist auch der Auftritt der stets sehr liebenswerten und niedlichen Anna Kendrick als Zachs Jugendfreundin Eirca, die seine Gefühlswelt durcheinander bringt. John C. Reilly überzeugt als nahezu manischer Vater von Beth. In den ersten 30 Minuten wirklich lustig, überwiegt bei Life After Beth irgendwann der ernste Ton, sodass die Comedy-Elemente am Ende nur noch sporadisch auftreten. Nicht jeder Gag zündet, doch der Film unterhält trotzdem vom Anfang bis zum Ende. Man wünscht sich nur, dass die Macher sich einfach nicht so viel während der 90-minütigen Laufzeit vorgenommen hätten und die Geschichte simpler gehalten hätten. Nichtsdestotrotz war es der beste Film des Tages und ein ordentlicher Abschluss des Festivals. 3,5/5

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Das war’s also! Nach 12 Tagen ist das Fantasy Filmfest 2014 zu Ende und so sehr ich es auch wieder genossen habe, in diese tolle Welt abzutauchen, bin ich auch froh, dass es wieder vorbei ist. Das war ich früher auch schon nach acht Tagen und die verlängerte Version ist für einen Dauerkarten-Besitzer wie mich ungemein anstrengender – insbesondere wenn man dann noch seinen Lesern von den Erfahrungen berichtet. Es hat mir aber natürlich auch wieder verdammt viel Spaß gemacht und ich hoffe, ich konnte Euch allen einen guten Eindruck vom Festival and den von mir gesehenen Filmen vermitteln. Vielleicht führt das ja dazu, dass Ihr Euch den einen oder anderen Film vormerkt. Genug Highlights aus verschiedensten Genres gab es ja allemal.

Ein allerletzter Artikel unmittelbar zum Fantasy Filmfest 2014 steht natürlich noch aus – mein Fazit. Dieses liefere ich in den kommenden Tagen ab und dann heißt es: warten auf die Fantasy Filmfest Nights im nächsten Frühjahr!

Bisherige Ausgaben:

Tag 1

Tag 2

Tag 3

Tag 4

Tag 5

Tag 6

Tag 7

Tag 8

Tag 9

Tag 10

Tag 11

Fantasy Filmfest 2014 Tagebuch – Tag 11

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Fantasy Filmfest 2014 Tagebuch Tag 11

Wir sind im Endspurt. Am vorletzten Tag des Fantasy Filmfests 2014 in Köln, habe ich drei weitere Filme gesehen (sowie Under the Skin in der Wiederholung – es blieb genau so rätselhaft wie zuvor) und damit meinen Rekord von 2009 eingestellt: insgesamt 33 Filme habe ich dieses Jahr gesichtet und morgen werden noch einige hinzukommen. Am 11. Tag erwartete mich leider eine herbe Enttäuschung in Form des australischen Horrordramas The Babadook. Im Vorfeld mit Lorbeeren überschüttet und als einer der gruseligsten Filme seit Jahren angepriesen, wurde ich mit dem Streifen leider nicht so warm, wie viele andere. Doch so ist es beim Festival manchmal und im Gegenzug habe ich auch einen Film gesehen, den ich ursprünglich gar nicht auf dem Schirm hatte und ihn mir nur angeschaut habe, weil ich eine zeitliche Lücke hatte – Blue Ruin. Dabei war es auf jeden Fall einer der besten diesjährigen Beiträge und ein weitaus besserer "Fresh Blood"-Kandidat als The Babadook oder sogar Housebound, die sich aber in nahezu allen Städten vor ihm platzieren konnten. Na gut, Blue Ruin ist mit seiner Depri-Atmosphäre und einem langsamen Tempo auch nicht gerade der Publikumskracher, wie es die anderen beiden Filme sind.

Den Tag abgerundet hat der Werwolf-Trash Wolfcop, der einem mehr oder minder das bot, was man auch erwarten würde.

TAG 11

Blue Ruin

Fantasy Filmfest 2014 Tagebuch Tag 11 Blue RuinBlue Ruin ist ein "Feel Bad"-Movie. Hier gibt es keine Helden, keine Momente des Glücks und wer Optimismus sucht, ist hier auch fehl am Platze. Blau ist keine warme Farbe in Blue Ruin. Es ist die Farbe der Rache, des Todes, der falschen Entscheidungen und der Endgültigkeit. In einem alten blauen Pontiac haust unser Protagonist Dwight. Verwahrlost, mit einem leeren, teilnahmslosen Gesichtsausdruck lebt er von Tag zu Tag, bricht in leere Häuser ein, um ein heißes Bad zu nehmen und findet sein Essen in Müllcontainern. Der örtlichen Polizei ist er offensichtlich bekannt und eines Tages holt ihn eine Polizistin mit aufs Revier und teilt ihm mit, dass ein gewisser Mann, der ihm vor Jahren ein großes Unrecht tat, nun aus dem Gefängnis entlassen wird. In diesem Moment erwacht in Dwight die Entschlossenheit, die in ihm bereits seit Jahren geschlummert hat. Er kennt nur einen Gedanken: Rache. Mit allen Mitteln will er das große Unglück vergelten, das dieser Mann ihm vor vielen Jahren bereitet hat. Damit begibt er sich auf einen Pfad, von dem es kein Zurück mehr gibt und löst durch seine Handlungen ungeahnte Konsequenzen aus.

"Rache ist nie ein geradliniger Weg. Sie ist wie ein dichter Wald. Und in einem Wald kann man sich verirren. Man verirrt sich und weiß nicht, wie man hinein gekommen ist." Das Zitat aus Tarantinos Rache-Epos Kill Bill trifft auch auf Blue Ruin zu. Die Beweggründe für Dwights Rachegelüste werden nur mit spärlichen Infos in diesem wortkargen Film nach und nach offenbart und wecken trotzdem nur bedingt Sympathien für den Mann. Dabei macht das Drehbuch schon recht deutlich, dass die Bösen wirklich die Bösen sind, doch einen Guten gibt es hier auch nicht. Nichtsdestotrotz kann man sich als Zuschauer mit Dwight mehr identifizieren als mit den Protagonisten von nahezu allen anderen Rachefilmen der letzten Jahre. Er ist kein Übermensch, kein Ex-Soldat oder Polizist. Er ist ein absoluter Durchschnittsbürger, der keine große Erfahrung mit Waffen hat, nicht durchtrainiert ist und ständig Fehler macht. Sein Können übersteigt nicht das eines durchschnittlichen Kinogängers, auf seiner Seite lediglich die wilde Entschlossenheit – zunächst der Wunsch nach Rache und später, der verzweifelte Versuch seine entfremdete Schwester und ihre Familie vor den Konsequenzen seines Aktes zu beschützen. Nimmt man es ganz genau, ist Blue Ruin eigentlich ein ziemlich konventioneller Film, doch seine Präsentation ist es nicht. Nachdenkliche, melancholische Bilder haben hier Vorzug vor  Actionszenen oder großen Momente der Genugtuung, wenn ein Racheakt vollbracht ist. Doch wenn es knallt, dann wird es auch spannend und blutig. Die Konsequenzen von Gewalt werden hier schmerzhaft deutlich vor die Augen geführt.

Ich bin unter keinen guten Voraussetzungen in den Film reingegangen und war in den ersten, zugegegeben sehr zähen 15 Minuten beinahe am Einschlafen, doch sobald Dwight sich auf seinen Feldzug gegibt, fesselte der Film meine Aufmerksamkeit und ließ bis zum Ende nicht los. Zu verdanken ist das auch Macon Blairs sehr natürlichem Schauspiel, bei dem er nie um das Mitgefühl der Zuschauer bettelt, sondern einen zwiespältigen Charakter gekonnt darstellt. 4/5

 

The Babadook

Fantasy Filmfest 2014 Tagebuch Tag 11 The BabadookBa-Ba Ba-Dook Dook Dook! Mit diesen krächzenden Geräuschen kündigt sich das neue Monster des Horrorgenres an – Mr. Babadook. Er ist das Wesen aus dem wahrscheinlich gruseligsten Kinderbuch aller Zeiten. Die alleinerziehende Mutter Amelia (Essie Davis) liest ihrem Sohn Sam daraus vor, bis sie merkt, welches Grauen die Seiten des Buches beinhalten. Erschrocken klappt sie es zu, doch darin steht: "Ist der Babadook erst einmal da, wird man ihn nicht mehr los". Fortan wird zunächst ihr nicht gerade pflegeleichter Sohn von albtraumhaften Visionen des Babadook geplagt, doch auch die Mutter bekommt schon sehr bald eine bösartige Präsenz zu spüren. Oder ist alles doch in ihrem Kopf? Schließlich ist sie bereits über alle Maßen mit ihrem Leben überfordert. Ihr Sohn ist davon besessen, Waffen zu basteln, um seine Mutter und sich vor Monstern zu beschützen und eckt mit seinem exzentrischen Verhalten überall an. Auch die Schulleitung hat dafür kein Verständnis. Hinzu kommt, dass am Tage von Sams Geburt sein Vater auf dem Weg zum Krankenhaus bei einem Unfall ums Leben kam, sodass das Leben des Sohnes immer untrennbar mit dem Tod des von Amelia so geliebten Ehemannes verbunden ist. Wächst ihr das alles endgültig über den Kopf oder ist die kleine Familie einer realen übernatürlichen Gefahr ausgesetzt?

Das Metaphern und Symbole werden im Horrorgenre seit jeher eingesetzt, um ernsthafte gesellschaftliche oder persönliche Themen auszudrücken. Das verleiht den Filmen zusätzliche Tiefe und wenn die Verbindung zwischen Horror und darunterliegender ernster Thematik gelingt, hat man einen Genrefilm für die Ewigkeit. Das Problem von The Babadook ist, dass der im Vorfeld stark gehypte Streifen seine Metaphern einem teilweise so platt und explizit um die Ohren haut, dass man eigentlich davon nicht wirklich beeindruckt werden kann. Die Frage, ob der Babadook real ist oder eine Wahnvorstellung, ist eigentlich irrelevant. In jedem Fall steht das Monster für die Wut und die Trauer in der Mutter, die sie gegen ihr Kind wendet und das sie nur gemeinsam und mit Liebe bekämpfen können. Subtil ist anders. Als Drama einer überforderten Mutter mit einem (extrem!) nervtötenden Balg funkti9oniert The Babadook sehr gut, als Horrorfilm aber leider weniger. Das Highlight ist die Tour-de-Force-Performance von Essie Davis, die wirklich ihr Bestes tut, um eine gute Mutter zu sein, aber trotzdem immer wieder scheitert. In einem Film ohne Horrorelemente wäre Davis mit ihrer Darbietung womöglich eine Oscarkandidatin, doch man weiß ja, wie die Academy zu Genrefilmen steht.

Doch während der Film auf der Ebene des Umgangs mir Trauer, Schuldgefühlen, Vorwürfen und fehlendem Mutterinstinkt gelingt, misslingt es dem Streifen über weite Strecken den Grusel zu bieten, den er verspricht. Das ist schade, denn der Babadook selbst ist eine großartige Kreation, die in ihren wenigen Momente wirklich effektiv eingesetzt wird. Doch über große Strecken ist The Babadook einfach nicht so unheimlich und gruselig wie er gerne wäre. Das liegt primär daran, dass man hier mit der Symbolik und den Metaphern regelrecht erschlagen wird. Etwas mehr Ambiguität hätte dem Film gut getan. 3/5

 

Wolfcop

Fantasy Filmfest 2014 Tagebuch Tga 11 WolfcopHier haben wir den obligatorischen Ultra-Trashfilm des Fantasy Filmfests, das aber in puncto niveaulose Unterhaltung näher an Piranha 2 als an Alexandre Ajas erstem Piranha liegt. Der  Genuss des Films setzt auf jeden Fall viele Zuschauer (glücklicherweise bei meinem Screening gegeben) und jede Menge Bier (offensichtlich in meinem Fall nicht genug) voraus. Mit diesen beiden Elementen könnte Wolfcop zu einem trashigen Partyhit werden, an dem man sich aber am nächsten morgen nicht mehr erinnert – ob es dann am Alkohol oder an dem Film selbst liegt, sei dahingestellt.

Wie der Titel uns so unsubtil verrät, handelt der Streifen des Kanadiern Lowell Dean (auch für den deutlich ernsteren FFF-Beitrag 13 Eerie verantwortlich) von einem Polizisten, der zum Werwolf wird. Eigentlich ist Lou Garou (Leo Fafard) eine absolute Niete als Cop. Er ist ein Säufer, ein Faulenzer und ein Schwerenöter. Als er jedoch bei einem okkulten Ritual mit dem Werwolf-Fluch belegt wird, erwacht nicht nur das haarige Biest in ihm, sondern auch sein Pflichtgefühl. Er geht einer Verschwörung in seiner Kleinstadt nach, die womöglich schon seinem Vater, einem Vorzeige-Polizisten, das Leben kostete.

Ein saufender, rauchender und vögelnder Werwolf ist ein Novum (ebenso wie die On-Screen-Transformation von einem menschlichen Penis zu einem Werwolf-Genital), doch alles andere an Wolfcop ist es nicht. Der Film bemüht sich sehr, eine coole Spaßgranate zu sein, stößt aber immer wieder an seine Grenzen, was unter anderem an dem extrem niedrigen Budget des Streifens liegen dürfte. So sind die zahlreichen blutigen Gore-Effekte gut gemeint, sehen aber häufig einfach zu billig aus. Außerdem ist auch keine der Figuren, abgesehen vom Werwolf selbst, in irgendeiner Weise interessant. Die Lacher zielen sehr tief unter die Gürtellinie und werden vermutlich mit steigendem Alkoholpegel lustiger. Wie "ausgeklügelt" die Gags des Films sind, merkt man bereits an dem Namen des Protagonisten – Lou Garou ist eine Variante des französischen "loup garou", was schlicht "Werwolf" bedeutet. Wolfcop macht auf jeden Fall gelegentlich Spaß, doch in jeder Minute hat man das Gefühl, dass der Cast und die Crew des Films deutlich mehr Spaß hatten als sein Filmpublikum. Da eine Fortsetzung aber bereits angekündigt ist, hoffe ich, dass aus Fehlern gelernt wird (wird es vermutlich nicht). 2,5/5

 

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Schon fast vorbei! Nur noch ein Tag steht mir (und damit auch Euch) bevor und es wird ein recht voller Tag. Vier Filme werden zum Schluss darum kämpfen, in meine diesjährige FFF-Favoritenliste einzuziehen: zweimal geht’s dabei um interirdischen Horror in Beneath und In Darkness We Fall, einmal gibt’s wieder Weltuntergang aus Australien in These Final Hours und als Abschluss kommt dann die Zombie-Komödie Life After Beth  mit Dane DeHaan und Aubrey Plaza. Insbesondere für den letzten Film habe ich große Hoffnungen. Nach dem 12. Tagebuch-Eintrag werde ich natürlich wieder, wie im Vorjahr, ein Fazit zum diesjährigen Fantasy Filmfest verfassen.

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Fantasy Filmfest 2014 Tagebuch – Tag 10

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Fantasy Filmfest 2014 Tagebuch Tag 10

Wir nähern uns der Schlussrunde. Zehn Tage Fantasy Filmfest und 30 Filme habe ich jetzt hinter mir. Die Verlängerung des Festivals auf 12 Tage erweist sich als ungemein anstrengend für Euren Autor, aber andererseits werde ich endlich meinen FFF-Filmerekord von 2009 schlagen. Damals habe ich 33 Filme beim Festival gesehen, diesmal dürften es auf jeden Fall einige mehr werden. Eine absolute Mega-Gurke wie Revenge for Jolly! ist mir bislang zum Glück erspart geblieben. Am zehnten Tag konnte ich wieder zwei Beiträge aus der Wettbewerbsreihe "Fresh Blood" sehen. Einer davon, Honeymoon, überraschte mich positiv, während ein anderer (Time Lapse) trotz seiner Ambitionen leider deutlich hinter den Erwartungen blieb. Eingestiegen bin ich in den Tag aber mit dem klassischen Horrorstreifen Oculus, der als einer der wenigen FFF-Filme dieses Jahr in den USA bereits breit im Kino lief. Hierzulande ist ein Kinostart leider nicht vorgesehen, weshalb ich froh bin, den Film beim Fantasy Filmfest gesehen zu haben, denn trotz einiger Mängel gehören seine Bilder auf die Leinwand. Mehr zu Oculus, Time Lapse und Honeymoon gibt es unten.

 

TAG 10

Oculus

Fantasy Filmfest 2014 Tagebuch Tag 10 OculusElf Jahre ist es her, dass die Eltern von Tim (Brenton Thwaites) und Kaylee (Karen Gillan), von Wahnvorstellungen angetrieben, versucht haben, ihre Kinder zu töten und dabei selbst ums Leben gekommen sind. Besonders hart traf es Tim, der seinen eigenen Vater erschießen musste, um seine Schwester zu retten. War eine Folie à deux schuld am Wahnsinn der Eltern oder steckten dahinter sinistere Mächte eines uralten Spiegels. Kaylee ist vom Letzteren überzeugt und just als Tim die Ereignisse endlich verarbeitet hat und aus der Nervenheilanstalt entlassen wird, holt Kaylee ihn ab und erinnert ihn an das Versprechen, dass sie sich in jener schicksalsvollen Nacht gaben – den Spiegel eines Tages ein für alle mal zu vernichten. In dessen Besitz konnte Kaylee durch ihre Arbeit bei einem Auktionshaus gelangen und ein präzise ausgeklügeltes System aus Kameras, Wärmesensoren und  Schutzvorrichtungen soll beweisen, dass der Spiegel wirklich ein böses Wesen beherbergt. Tim, mit der Vorstellung unglücklich, die Vergangenheit wieder auszugraben, willigt Kaylee zuliebe ein.

Horrorspiegel gab es beim Fantasy Filmfest das letzte Mal mit Alexandra Ajas mäßigem Mirrors-Remake. Mike Flanagans Oculus ist zum Glück ein etwas besserer Beitrag, der durch eine langsam, aber kontinuierlich steigernde unheimliche Atmosphäre besticht. Oculus ist Grusel alter Schule, der mehr auf Vorahnungen, Atmosphäre und Unsicherheit darüber, ob das, was man sieht, real ist, setzt. Der Nebeneffekt ist aber auch, dass der Film zwar durchgehend spannend und unheimlich, aber nur selten gruselig ist. Viel mehr stellt man sich ständig die Frage, ob es tatsächlich einen Dämon im Spiegel gibt, oder ob es sich wirklich nur um eine in Familie liegende psychische Störung handelt. In dieser Hinsicht gelingt es dem Film, dass man die Antwort auf die Frage nicht schnell herausfindet. Der Zuschauer steht hier schnell direkt neben den Protagonisten, die bald auch nicht mehr wissen, was real und was Einbildung ist. Spielt der Verstand ihnen Streiche oder der Spiegel. Tim und Kaylee wissen es nicht und wir auch nicht. Interessant ist auch die Darstellung der Ereignisse auf zwei Ebenen ("jetzige Zeit" und Tim und Kaylee als Kinder), die gegen Ende immer mehr konvergieren. Darstellerisch sind v. a. die in den Rückblenden von Rory Cochrane und "Battlestar Galactica"-Star Katee Sackhoff gespielten Eltern zu erwähnen, die den Abstieg in den Wahnsinn beängstigend gut spielen.

Wie viele ähnliche Filme, verliert Oculus aber gegen Ende seine Faszination, sobald dem Zuschauer sehr klar ist, woran er hier wirklich ist. Der finale Twist ist aber wiederum gelungen und das Ende hinterlässt beim Zuschauer einen bleibenden Eindruck und lässt die Tür für etwaige Fortsetzungen offen. 3,5/5

 

Time Lapse

Fantasy Filmfest 2014 Tagebuch Tag 10 Time LapseTime Lapse ist eigentlich ein Zeitreisefilm, nur dass hier niemand per se in der Zeit reist. Okay, das bedarf wohl etwas Erklärung. Finn (Matt O’Leary), seine Freundin Callie (Danielle Panabaker) und ihr gemeinsamer, wettsüchtiger Kumpel Jasper (George Finn) sind WG-Mitbewohner in einer großen Wohnanlage, in der Finn sich auch als eine Art Hausmeister betätigt. Als ein Nachbar vermisst wird, untersuchen die drei seine Wohnung und finden eine seltsame riesige Maschine vor, die genau auf das WG-Fenster der drei gerichtet ist. Diese schießt jeden Tag zu einer bestimmten Uhrzeit ein Polaroid-Foto des Apartments. Was auf dem Foto jedoch zu sehen ist, so können die drei Freunde schnell schlussfolgern, ist die Zukunft – und zwar genau 24 Stunden nachdem das Foto geschossen wurde. Nach anfänglichen Skrupeln, finden die drei schnell einen Weg, von der Maschine zu profitieren. Finn, der auch ein Hobby-Maler ist, überwindet so seine Schaffenskrise und Jasper gewinnt endlich seine Wetten. Dass der Nachbar selbst in einer Abstellkammer tot aufgefunden wurde, kann vorerst verdrängt werden. Die wichtigste Maxime der drei ist es, dass die auf dem Foto dargestellten Ereignisse genau so um die jeweilige Uhrzeit stattfinden müssen, denn "You don’t fuck with time".

Dem Debüt-Regisseur Bradley King, aus dessen Feder aus das Drehbuch zu Time Lapse stammt, gebührt Anerkennung dafür, dass er dem angestaubten Zeitreise-Subgenre tatsächlich einen neuen Aspekt abgewinnen kann. Zwar wird in der Zeit hier nie gereist und dennoch stellt sich immer die zentrale Frage, ob man die Ereignisse aus der Zukunft verändern kann oder ob alles vorbestimmt ist. Das führt durchaus zu einigen spannenden Passagen und interessanten Wendungen im letzten Akt der Geschichte. Doch noch mehr als in vielen herkömmlichen Zeitreise-Filmen hapert es hier an inhärenter Logik. Wie kann es sein, dass die Zukunft, wie auf den Fotos abgebildet, nur dadurch zustandekommt, dass die drei Freunde dieses Foto immer nachbilden müssen? Das ist ein interessantes Gedankenexperiment, das aber letztlich in einer Tautologie endet. Die Fotos zeigen die Zukunft, aber nur, weil die Freunde diese Fotos dann eben genau so nachstellen. Das tun sie aber auch nur, weil sie das Foto gesehen haben…

Ein weiteres Problem des Films ist die unglaubwürdige Charakterzeichnung, in der die Charaktermotive sehr skizzenhaft dargestellt werden und sich schnell eine "böse" Figur herauskristallisiert. Das sollen also langjährige Freunde und Mitbewohner sein?! 2,5/5

 

Honeymoon

Fantasy Filmfest 2014 Tagebuch Tag 10 HoneymoonNeben dem Zusammenziehen und Kinderkriegen ist Heiraten der wichtigste Schritt, den ein Pärchen in einer Beziehung machen kann. Eigentlich eine rein formelle Bindung, läutet die Heirat dennoch in gewisser Hinsicht einen neuen Lebensabschnitt ein. Doch was ist, wenn sich nach der Hochzeit herausstellt, dass man die Person, der man das Ja-Wort gab, gar nicht so gut kennt, wie man dachte? Was ist, wenn es doch nicht der/die ideale Partner(in) ist? Dieses Thema, das vielen Pärchen Muffensausen vor der Hochzeit bereitet, verpackt Leigh Janiaks Debütfilm Honeymoon gekonnt in ein spannendes Horrorsujet. Bea (Rose Leslie) und Paul (Harry Treadaway) sind frisch vermählt und verbringen ihre Flitterwochen in einem abgelegenen Häuschen am See. Das Glück und die Liebe der beiden ist unermesslich und auch das plötzliche Treffen auf Beas alten Jugendfreund/potenzellen Ex-Freund können die Stimmung nicht trüben. Diese kippt jedoch schlagartig, als Bea eines Nachts aus dem Bett verschwindet und Paul sie nackt und desorientiert im Wald vorfindet. Die Schlafwandeln-Erklärung klingt wenig glaubwürdig und bereits ab dem nächsten Morgen benimmt sich Bea plötzlich sehr seltsam.

Honeymoon ist nicht gerade der subtilste aller Horrorfilme, die ein allzu reales und ernstes Thema symbolisch verarbeiten. Der hauptsächliche – und vielleicht einzige – Grund, weshalb es dennoch so toll funktioniert, ist das Darsteller-Duo Rose Leslie und Harry Treadaway. Anstatt sofort ins Horrorszenario einzutauchen, nimmt der Film sich reichlich Zeit, die beiden Hauptfiguren ausführlich vorzustellen und die Funken zwischen ihnen sprühen zu lassen. Man kauft ihnen einfach ein frisch verheiratetes Paar, voller bedingungsloser Liebe, Verspieltheit und vielleicht sogar kindlicher Naivität ab. Zum Glück haben die Darsteller auf Anhieb Chemie und die Szenen wirken so ungezwungen, dass sie beinahe improvisiert sein könnten. Insbesondere die bezaubernde "Game of Thrones"-Darstellerin Rose Leslie stellt hier ihr großartiges Talent zur Schau.

Gerade weil man das Pärchen so lieb gewonnen hat, wirken die späteren Veränderungen und der "Verfall" der Beziehung umso mehr auf die Zuschauer. In letzten Akt wandelt sich Honeymoon endgültig zu einem vollblütigen Horrorstreifen, der auch nicht ohne die eine oder andere eklige Szene auskommt. Das Mysterium hinter den Veränderungen wird zwar lange vor den Zuschauern verborgen gehalten, den Genrekenner wird die Auflösung aber nicht überraschen, da sie sich sehr stark bei einem bestimmten Genreklassiker bedient. Gerade diese sehr konventionellen Elemente sind es, die in Honeymoon schon beinahe antiklimatisch wirken. Am besten ist der Film, wenn Paul verzweifelt und selbst schon am Rande des Wahnsinns, versucht, zu seiner Frau durchzudringen. Liebe siegt über alles? Vielleicht, aber nicht jeder Sieg ist wünschenswert… 4/5

 

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Nur noch zwei Ausgaben unseres Tagebuchs zum Fantasy Filmfest 2014 erwarten Euch, also bleibt dran! Am 11. Tag stehen für mich drei weitere Filme an, die kaum unterschiedlicher sein könnten: das nüchterne Rache-Drama Blue Ruin, das bereits im Vorfeld stark umjubelte australische Horrordrama The Babadook und Werwolf-Trash Wolfcop. Die ersten beiden konkurrieren ebenfalls miteinander im Publikumswettbewerb "Fresh Blood". Ob einer der drei Streifen für einen guten Filmabend was taugt, erfahrt Ihr sehr bald bei uns.

Bisherige Ausgaben:

Tag 1

Tag 2

Tag 3

Tag 4

Tag 5

Tag 6

Tag 7

Tag 8

Tag 9

The Rover (2014)

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The Rover (2014) Filmkritik

The Rover, AU/USA 2014 • 103 Min • Regie: David Michôd • Mit: Guy Pearce, Robert Pattinson, Scoot McNairy, Anthony Hayes, David Field, Jamie Fallon • FSK: ab 16 Jahren • Heimkino-Start: 31.10.2014 • Verleih: Senator Film • Internationale Website

The Rover (2014) Filmbild 2„The Rover“ mit Guy Pearce und Robert Pattinson bildete die Speerspitze des diesjährigen Fantasy Filmfestes. Direkt als auftaktgebender Film, zeigte „The Rover“ wieder einmal, dass bei dem Fantasy-Spektakel nicht viel mit Mainstream-Produktionen zu rechnen ist. Das ist auch gut so, denn liest man sich tägliche News-Meldungen auf einschlägigen Filmseiten durch, findet der gelangweilte Leser zahllose Berichte über wiederkäuende Reboots. Der Australier David Michôd bot mit seinem Regiedebut „Königreich des Verbrechens“ (ebenfalls mit Guy Pearce und einer Oscarnominierung für Jackie Weaver) einen abgründigen Blick in die Unterwelt von Melbourne. Sein Werk „The Rover“ ist gleichfalls wenig glattgebügelt, sondern verkommen, dreckig, karg und geradlinig. Im australischen Outback dürfen Guy Pearce und Robert Pattinson (der Glitzervampir aus Twilight) zeigen, was sie als Charakterdarsteller drauf haben. Von Herrn Pearce kennt man top Leistungen zu Genüge, doch Robert Pattinson bekommt es hin, wirklich positiv zu überraschen.

Nach einem mysteriösen Kollaps vor zehn Jahren herrscht weitestgehend Gesetzlosigkeit im australischen Hinterland. Der von viel Elend ausgezehrt wirkende, vollbärtige Eric (Guy Pearce) hat sich mit der feindseligen Umwelt arrangiert; redet kaum, schaut niemanden ohne Grund an und bleibt für sich. Bei einem Zwischenstopp für ein Glas Wasser, wird sein letztes Hab und Gut, sein Auto (ein Rover), von ein paar hitzköpfigen Halunken entwendet. Einer der Halunkenbande bleibt verletzt zurück und wird von Eric aufgelesen. Es handelt sich bei dem geistig debil wirkenden Reynolds (Robert Pattinson) um den Bruder von einem der Halunken. Mit Aussicht auf Rache und dem Wunsch, seinen Rover wiederzuerlangen, macht sich Eric zusammen mit Reynolds auf den Weg.

The Rover (2014) Filmbild 1Genau wie die weite Leere der Ödnis im australischen Outback, so leer ist auch das moralische Vakuum der Menschen in „The Rover“. Der geheimnisvolle Kollaps wird nicht weiter erklärt, finden sich aber immer wieder kleine Hinweise und Bezüge zu China (chinesische Schriftzeichen auf Güterwagons). Wichtig ist dieser Kollaps auch nur für die Rahmenbedingungen des Films. In diesem Endzeit-Szenario kämpft jeder für sich allein um das eigene Überleben. Geld ist kaum von Wert. Moral hat kaum einen Wert. Wer moralisch handelt, riskiert selbst draufzugehen. Ein derartig feindliches Lebensumfeld ist Brutstätte für skurrile Schlitzohren, Gauner und Werte-Verneiner jeglicher Art. Die Interaktionen von Eric mit solchen Leuten sind stoisch, zielgerichtet und von eindringlich verbaler und manchmal physischer Gewalt. Das wortkarge Agieren und im Mix dann präzise schön fotografierte Bilder waren auch Markenzeichen bei „Drive“. Allerdings finden hier auch immer wieder kurze Dialoge ihren Weg auf die Leinwand. Zuschauer erfahren  mehr über das Innenleben des Hauptdarstellers und seine Beweggründe. Guy Pearce ist dabei gewohnt großartig. Ein Vergleich zu „Drive“ lag dennoch nah und dient als Anhaltspunkt, ob solche Kost einem schmeckt oder nicht.

Noch viel mehr begeistert dieses Mal aber Robert Pattinson, der sich hier erfolgreich aus der kitschbehafteten Vampirwelt freistrampelt. Manch einer hätte ihm so viel Talent gar nicht zugetraut. Das ist aber auch das Problem, wenn man mit einem Franchise berühmt wird und darauf leider kleben bleibt oder reduziert wird. Hier mimt Pattinson einen unbedarften, naiv und geistig eingeschränkt wirkenden Gauner. Seine Figur scheint ständig mit Überforderung zu kämpfen, trifft aber auch (vor-)schnelle Bauchentscheidungen und sein vermeintlich dumpfer Blick auf die Welt blendet viel Schlechtes aus. Reynolds ist eine Figur, die geführt werden muss und sich an andere dranhängt. Wenn der wortlose Eric mit ihm spricht, droht er ihm meistens oder peitscht ihm niedergeschlagene Bitterkeit um die Ohren. Trotzdem bleibt Reynolds beinah treu(-doof) an Erics Seite und öffnet somit die Tür zurück zu ein wenig Menschlichkeit.

Darstellerische Qualitäten bietet auch das Outback. Die raue, verwilderte Schönheit der Einöde wird immer wieder von David Michôds Talent perfekt in Szene gesetzt. Für einen Endzeit-Film erinnert dies an andere Vertreter des Genres wie „The Book of Eli“ oder, etwas älter, „Mad Max“, aber noch nie wurde stilistisch so präzises Handwerk mit dieser Kulisse betrieben. Vielleicht findet sich die ein oder andere kleine Länge, oder die Geschichte ist einem zu mager, oder man wünscht sich einen erfrischenden, aufwühlenden Beitrag zum Endzeit-Genre, doch sind es die bildgewaltigen Einstellungen und das Spiel von Pearce vs. Pattinson, was den Film ausmacht.

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