Fantasy Filmfest 2014 – Fazit und Veranstalter-Interview

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Fantasy Filmfest 2014 Fazit

Liebe Filmfutter-LeserInnen,

es heißt doch so schön, besser später als nie. Vor etwa vier Wochen ist das Fantasy Filmfest 2014 in Köln zu Ende gegangen und nach einiger Verzögerung, kann ich Euch jetzt unser Fazit präsentieren. Für den Aufschub gab es aber einen guten Grund, denn ich wollte nicht nur meine persönlichen Tops und Flops zur diesjährigen Ausgabe aufzählen, sondern, wie schon im letzten Jahr, Euch unbedingt einen Blick hinter die Kulissen des Festivals gewähren. Nachdem ich letztes Jahr dazu den Kölner Lokal-Koordinator Matthias Strunz interviewt habe, stand mir der Festivalgründer Rainer Stefan, unter dessen Leitung sich das Festival seit 1987 befindet, Rede und Antwort. Er gewährte interessante Einblicke in die Herausforderungen, mit denen sich das FFF-Team in der heutigen Zeit konfrontiert sieht, und zog ebenfalls ein Resümee des diesjährigen Festivals aus der Sicht der Veranstalter. Außerdem sprach er von einigen eventuellen Neuerungen, die die Besucher 2015 erwarten werden. Das Interview findet Ihr unten.

Doch zunächst noch kurz zu meinen persönlichen Erlebnissen auf dem Fantasy Filmfest dieses Jahr. Wie einige der Stammleser meiner Artikel zum Festival (hey, die gibt es doch, oder?!) vielleicht wissen, war dies mein 11. Jahr als FFF-Besucher (und mein drittes als Berichterstatter). Was die Qualität der Filme betrifft, so fand ich dieses Jahr im Schnitt etwas besser als das letzte, jedoch kam es auch nicht an meine Highlight-Jahre 2005 und 2009 heran. Von meinen fünf meisterwarteten Filmen des Festivals, die ich in meiner Vorschau erwähnt habe, schaffte es interessanterweise keiner unter meine Top 5 des Festivals und es waren stattdessen größtenteils Filme, an die ich eigentlich im Vorfeld kaum Erwartungen hatte, die mich besonders beeindruckt haben. Insgesamt habe ich dieses Jahr 38 verschiedene Filme (zwei davon sogar zweimal) beim Fantasy Filmfest gesehen – ein neuer Rekord, der aber auch auf die verlängerte Festivaldauer zurückzuführen ist. Glücklicherweise befand sich darunter trotzdem keine Obergurke, wie beispielsweise der letztjährige Revenge for Jolly! Obwohl ich reichlich mittelmäßige Filme gesichtet habe, fiel die Quote der schlechten überhaupt ungewöhnlich niedrig aus.

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Auch dieses Jahr wurde zum neunen Mal in Folge der "Fresh Blood"-Award verliehen – ein Publikumspreis an das beste Erstlingswerk im Programm. Zum ersten Mal, seit es den Preis gibt, hat ihn mit Housebound tatsächlich ein Horrorfilm abgeräumt (eine Horrorkomödie, um genau zu sein) – nachdem in den letzten Jahren doch deutlich Arthouse-freundlichere Produktionen wie Blancanieves und Beasts of the Southern Wild bevorzugt wurden. Eine noch größere Überraschung war aber der zweite Platz für die venezuelanische Produktion The House at the End of Time. Auf Platz 3 folgte The Babadook, der im Vorfeld von vielen als Favorit gehandelt wurde. Ein besonders knapper Kampf um die Spitze war es nicht, Housebound belegte in nahezu jeder Stadt (außer Köln!) den ersten Platz. Dass ein großartiger Horrorfilm wie It Follows aber in keiner Stadt unter die Top 3 kam, kann ich irgendwie immer noch nicht ganz begreifen.

Doch noch ausschlaggebender als die Filmauswahl selbst, waren natürlich gerade dieses Jahr für mich (und für viele andere langjährige Festivalbesucher) die organisatorischen Veränderungen. Damit meine ich im Besonderen die Verlängerung der Festivaldauer von 8 auf 12 Tage. Das beeinflusste das Festivalerlebnis natürlich stark. Einerseits ist das lange Nachdenken über die Wahl eines Films bei zwei parallelen Vorstellungen diesmal entfallen, andererseits kam ich natürlich so auch dazu, deutlich mehr Filme zu sehen als sonst. Insgesamt ist es aus meiner Perspektive so, dass ich mich selbst nach dem kürzeren Festival zurückgesehnt habe. Ich kann es den Veranstaltern keineswegs verübeln, dass die Verlängerung vorgenommen wurde, denn diese kommt bei der Masse offensichtlich ganz gut an und führte auch zur nötigen Steigerung der Besucherzahlen. Ich denke auch, dass für diejenigen, die keine Dauerkarte besitzen, die Verlängerung wirklich Vorteile mit sich bringt. Ich persönlich fand aber 12 Tage sehr anstrengend (was natürlich auch mit dem zusätzlichen zeitlichen Aufwand für mein FFF-Tagebuch zusammenhängt) und als das Festival zu Ende ging, kam es mir schon vor, als würde es bereits seit drei Wochen laufen. Der Eröffnungsfilm schien zum Zeitpunkt des Abschlussfilms so weit weg zu sein. Nicht falsch verstehen – ich hatte immer noch meinen Spaß und werde auch nächstes Jahr mit Freude wieder dabei sein, aber nach 12 Tagen FFF hätte ich eigentlich eine Woche Urlaub gebraucht.

Doch nun, ohne weitere Umschweife, zu meinen persönlichen "Preisen" an das diesjährige Programm:

Bester FilmIt Follows

Schlechtester FilmWer

Größte ÜberraschungSupremacy

Größte EnttäuschungThe Babadook

Bester Darsteller – Ryan Reynolds, The Voices (Platz 2: Danny Glover, Supremacy)

Beste Darstellerin – Shailene Woodley/Eva Green, White Bird in a Blizzard (Platz 2: Essie Davis, The Babadook)

Bestes EnsembleCold in July (Platz 2: It Follows)

Der "Filmgenuss steigt proportional mit Alkoholkonsum"-FilmWolfCop

Der "Ich werde nie wieder Appetit haben"-FilmThe Mule

Der "Tolles Konzept, aber miese Umsetzung"-Film Time Lapse

Der "Beschissenster deutscher Titel"-Film5 Zimmer, Küche, Sarg alias What We Do in the Shadows

Größter MindfuckCoherence

Interview mit Festivalleiter Rainer Stefan


FF: Was war Dein persönlicher Favorit in der diesjährigen FFF-Auswahl?

RS: Jamie Marks Is Dead.

Filmfutter: Es wurde angekündigt, dass es im nächsten Jahr wahrscheinlich beim 12-Tage-Fest bleiben wird. Welches Fazit und welche Erkenntnisse haben Du und Dein Team aus dem Experiment dieses Jahr gezogen? Vielleicht auch was unerwartete Herausforderungen angeht?

Rainer Stefan: Insgesamt hatten wir trotz deutlich weniger Vorstellungen einen Besucherzuwachs im Vergleich zum schwachen Jahr 2013, mit Ausnahme von München. Die Nähe zum Oktoberfest war ungünstig und führte zu einem deutlichen Einbruch. Unser Fazit ist, dass wir 2015 eventuell alle Städte von Donnerstag bis Sonntag bespielen. Das heißt, 11 Tage inkl. 2 Wochenenden. Da es Donnerstag dann erst um 20 Uhr beginnt und viele Gäste am Freitag schon früher von der Arbeit kommen, sollte man mit 5 Werktagen Urlaub hinkommen. Der Beginn der Nachtvorstellungen wird auf 23 Uhr  vorgezogen und es werden keine Filme über 100 Minuten Laufzeit in diesem Slot programmiert. Somit sollten zum Filmende die öffentlichen Verkehrsmittel noch genutzt werden können.

FF: Ein weiteres heißes Thema waren im Vorfeld die Platzkarten bzw. die festen Reihen für die Dauerkarten-Besitzer? Gibt es da Überlegungen irgendwas zu ändern und wird es voraussichtlich so bleiben, wie es dieses Jahr war?

RS: Dieser Punkt betrifft ja nur Frankfurt und da sind wir uns unsicher und haben noch keine Entscheidung getroffen.

FF: Wie viele Filme sichteten Du und Dein Team schätzungsweise im Vorfeld, bevor man sich auf eine Endauswahl einigte?

RS: Schwer zu sagen, da wir das ganze Jahr sichten. Aber jeder von uns kommt auf einige hundert Titel.

FF: War ein bestimmter Film besonders schwierig zu bekommen?

RS: Die Filme zu bekommen ist nicht das einzige Problem, die Schwierigkeiten beginnen erst richtig mit der Materialbeschaffung und den vielen Ansprechpartnern und anfallenden Kosten. Viele Titel haben keinen Kinostart, also gibt es oft auch keine DCP um den Film im Kino zu zeigen. Diese müssen dann von uns in Auftrag gegeben werden und dann beginnen die Probleme: Framerate, Untertitel etc.

FF: Zu den Nights wirst Du uns natürlich noch keine konkreten Filme nennen, doch es wurde gesagt, dass einige Filme es ins diesjährige Programm nicht schafften, weil sie vom Filmfestival in Toronto "beansprucht" wurden. Falls Du also einen Tipp geben kannst: ist es wahrscheinlich, dass irgendwas aus der Midnight-Madness-Selection des TIFF (http://www.tiff.net/festivals/thefestival/programmes/midnight-madness) nächstes Jahr bei den Nights zu sehen sein wird?

RS: Da können wir leider noch keine Titel nennen.

FF: Übernächstes Jahr feiert das Fantasy Filmfest seinen 30. Geburtstag. Denkst Du, dass die Fans dann irgendwelche Specials erwarten werden?

RS: 30. Geburtstag…mein Gott, keiner von uns hatte je geplant, dass wir das solange machen. Da denken wir nächstes Jahr drüber nach!

FF: Wie hat sich das Festival, Deiner Meinung nach, in den letzten zehn Jahren entwickelt und welche Entwicklung erwartest Du für die nächsten zehn?

RS: Durch die Digitalisierung der Kinos hat sich unser Arbeiten enorm erschwert. Die Materialbeschaffung gleicht oft einem Kampf gegen Windmühlen und man ist von der Zuverlässigkeit vieler Partner abhängig. Wir dachten, es würde unsere Arbeit vereinfachen, aber das Gegenteil ist der Fall. Alle Festivals sehen sich mit einer immer schnelleren Verfügbarkeit der Filme für den User konfrontiert. Dies bedeutet, wir müssen immer aktueller werden und laufen dann Gefahr, dass wir Filme so früh zeigen, dass diese noch gar keine Awareness beim Zuschauer haben und deshalb übersehen werden.

Die Zukunft für ein von Fördergeldern unabhängiges Festival wie das FFF ist nicht einfach, da wir in 10 Jahren eine Verdoppelung der Kosten haben, den Preis für die Tickets aber lediglich von €8 auf €9 erhöhen konnten. Das kann auf Dauer nicht funktionieren. Zudem sind die Kosten in jeder Stadt anders und eigentlich müsste auch jede Stadt angepasste Eintrittspreise haben.

Erfreulich ist, dass wir gerade dieses Jahr in vielen Städten neue, junge, Zuschauerschichten erreicht haben und dort (Stuttgart und Frankfurt), wo dem nicht so ist, ist dies die größte Herausforderung.

 FF: Vielen Dank für das Interview

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Vielen Dank an alle von Euch, die unsere Beiträge zum FFF gelesen haben, und bis zum nächsten Jahr!

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