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Trash – Verlosung zum Kinostart der kleinen Filmperle von Stephen Daldry

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Trash Verlosung

Liebe Filmfutter-Fans,

Regisseur Stephen Daldry ist vielleicht nicht jedem Filmfan bekannt, seine Filme dürften allerdings die meisten kennen und viele auch lieben. Mit seinem ersten Film, Billy Elliot, schlug er gleich große Wellen und erhielt seine erste Oscarnominierung als "Bester Regisseur". Drei ebenfalls umjubelte Filme folgten – The Hours – Von Ewigkeit zu Ewigkeit, Der Vorleser und Extrem laut und unglaublich nah. Jeder seiner ersten vier Filme wurde entweder als "Bester Film" oder für "Beste Regie" bei den Oscars nominiert, zwei davon sogar in beiden Kategorien. Insgesamt gab es 19 Oscarnominierungen für die vier Werke. Da ist es kein Wunder, dass auch sein fünfter Film, wieder eine Bestsellerverfilmung, auf Anhieb Neugier weckt. Diesmal verzichtete Daldry auf allzu große Stars wie Kate Winslet oder Nicole Kidman in den Hauptrollen, auch wenn namhafte Nebendarsteller wie Schauspielveteran Martin Sheen und Rooney Mara (Verblendung) in Nebenrollen auftreten. Im Mittelpunkt von Trash stehen drei junge brasilianische Darsteller. Sie spielen die Straßenkinder Raphael, Gardo und Ratte, die in einem brasilianischen Favela leben und Tag für Tag auf einer riesigen Mülldeponie nach verwertbaren Gegenständen suchen. Eines Tages fällt ihnen eine kleine Ledertasche mit Geld in die Hände, doch die Tasche hat auch weitaus brisanteren Inhalt, der die drei Kinder in Lebensgefahr bringt und sie schließlich zu Helden werden lässt.

Ab heute läuft diese brasilianische Version von Slumdog Millionär mit einem Touch City of God in den deutschen Kinos. Der Filmtitel ist hier zum Glück nicht Programm. Starke Bilder und talentierte junge Darsteller machen Trash zu einem wirklich sehenswerten Erlebnis, wie man es so dieses Jahr vermutlich nicht mehr finden wird. Das Drehbuch zu Trash stammt übrigens aus der Feder des gefeierten Autors Richard Curtis (Vier Hochzeiten und ein Todesfall, Tatsächlich…Liebe, Notting Hill).

Falls Euch die Geschichte von Trash interessiert und Ihr die Vorlage zum Film kennenlernen wollt, die im Rowohlt Verlag erschienen ist, dann solltet Ihr an unserem kleinen Gewinnspiel zum deutschen Kinostart des Films teilnehmen. Wir verlosen nämlich mit freundlicher Unterstützung von Universal Pictures Germany ein Fanpaket zu Trash samt eines Original-Filmplakats und des Romans "Trash" von Andy Mulligan. (Abbildungen unten)

 Trash Verlosung PlakatTrash Verlosung Buch

Um am Gewinnspiel teilzunehmen, beantwortet einfach nachstehende Frage und hinterlegt bitte zwecks Zusendung der Gewinne eure Kontaktdaten. Eure Daten werden selbstverständlich streng vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Viel Glück!

Für welchen dieser Filme erhielt Trash-Regisseur Stephen Daldry keine Oscarnominierung als "Bester Regisseur"?

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Einsendeschluss ist am Freitag, den 26. Juni 2015.

Teilnahmeberechtigt sind nur volljährige Personen mit Wohnsitz in Deutschland. Es ist nur eine Teilnahme pro Person möglich. Unvollständige Bewerbungen können leider nicht berücksichtigt werden. Die Mitarbeiter von FILMFUTTER sind von der Verlosung ausgeschlossen.

Viel Glück!

Filminfhalt:

"Raphael bewohnt eine Mülldeponie in Brasilien. Die Tage verbringen er und seine Freunde Gardo und Rato damit, durch Berge von dampfendem Müll zu waten. Sie sichten, sortieren, atmen und leben den Abfall. Ja, sie schlafen sogar auf ihm. Doch eines Tages verändert sich die Welt schlagartig für sie. Raphael findet eine kleine Ledertasche. Eine Tasche voller versteckter Hinweise, eine Tasche voller Hoffnung, eine Tasche, die nicht nur sein Leben verändern wird.

Bald laufen Raphael, Gardo und Rato um ihr Leben und werden nicht nur von der Polizei gejagt. Mit ihrer schnellen Auffassungsgabe und der Fähigkeit, sich aus vielem herauszureden, gelingt es ihnen, die Geschichte eines Verstorbenen aufzudecken…."

Copyright: Bilder und Videomaterial © 2015 Universal Pictures Germany

"Hannibal" S03E02 "Primavera" Kritik

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Der Artikel enthält einige "Hannibal"-SPOILER zur besprochenen Folge!

War die Staffelpremiere der dritten Staffel "Hannibal" noch die leicht genießbare Vorspeise, serviert uns Bryan Fuller zusammen mit Regisseur Vincenzo Natali einen ersten Gang, der mal so richtig auf die Geschmacksnerven geht. Zwar bleibt das Tempo auf einem gewohnt eher langsamen Niveau, doch allein der Aufbau der Folge und der Figurenkonstellationen gestaltet sich serientypisch als wendungsreich und verdammt gut durchdacht. Im Gegensatz zur letzten Folge befinden wir uns in "Primavera" nicht mehr aus der Sichtweise von Bedelia Du Maurier (Gillian Anderson) und Hannibal Lecter (Mads Mikkelsen) sondern kehren zu Will Graham (Hugh Dancy) zurück, der aus seinem Koma erwacht und die Geschehnisse des letzten Staffelfinales rekapituliert.

Dies tut er nicht allein, oder zumindest wird uns das vorher weiß gemacht, denn zur großen Überraschung der Zuschauer scheint auch Abigail Hobbs (Kacey Rohl) Hannibal überlebt zu haben und will zusammen mit Will nach dem mysteriösen Serienmörder suchen. Das Erstaunliche daran ist, dass Bryan Fuller uns inzwischen so weit am Haken hat, dass wir der Serie tatsächlich jedes Mal aus der Hand fressen, sei die Wendung auch noch so unglaubwürdig. Egal was uns aufgetischt wird, wir wissen nicht, ob es real ist, ob es sich in Wills Gedanken abspielt, was wir von der Handlung erwarten können und werden von "Hannibal" genauso an der Nase herumgeführt wie Will Graham von Dr. Lecter. Dass die Serie das erreicht hat, ist positiv beängstigend.

Abigail war eindeutig die "Toteste" von all denen, die am Ende der zweiten Staffel scheinbar ihr Leben ließen, trotzdem gefällt die Vorstellung, dass gerade sie überlebt hat. Zusammen mit Will bildet sich eine Art Team, so hat es den Anschein, dass nach Hannibal sucht, aber eigentlich selbst nicht weiß, warum, und was sie vorhaben, wenn sie ihn tatsächlich gefunden haben. Das Einzige, was Will einsieht ist, dass er für Hannibal eine Funktion hat, da er am Leben gelassen wurde. Es ist noch nicht vorbei, oder wie Abigail es schön formuliert:

You don’t have an ending. He didn’t give us one yet

Bezeichnend steht das "us", also "wir", für beide. Nicht nur Will Graham hat noch kein Ende gefunden, für Will hat auch Abigail noch kein Ende gefunden. Sie wird ihn wohl bis zu seinem Tod begleiten, und ihre Geschichte bekommt in dieser Folge zwar einen perfekten Abschluss, doch für Will ist nichts vergessen, nichts bloß Vergangenheit.

Hannibal Primavera Bild 1

Auf der Suche nach Hannibal Lecter kehrt Will in seinen Gedankenpalast zurück, ja jeder "Sherlock"-Fan wird schmunzeln, doch wird das hier keineswegs als langweiliger Abklatsch präsentiert. Er rekapituliert, einige bekannte Szenen aus der zweiten Staffel als dritter Beobachter und findet heraus, wo Hannibal auf ihn wartet. Ein Zeitsprung schickt uns 8 Monate in die Zukunft und wir sehen, wie Will sich in Florenz aufhält und wenig später den Mord an Anthony Dimmond (Tom Wisdom) mitbekommt. Hier lernt er auch den italienischen Inspektor Rinaldo Pazzi (Fortunato Cerlino) kennen, einen Mann, der schon seit 20 Jahren nach dem berüchtigten Kannibalen sucht, der in jungen Jahren auch Italien unsicher machte. Er freundet sich schnell mit Will an, beide besitzen ähnliche Ambitionen Hannibal zu finden, doch Pazzi scheint noch sehr unschuldig zu sein, und nicht zu wissen, zu was Hannibal wirklich fähig ist.

Zu diesem Zeitpunkt kommt die Frage auf, ob Will eigentlich weiß, was er will. Sucht er nach Rache, Antworten oder am Ende tatsächlich Vergebung? Der Hirsch, der am Ende der zweiten Staffel starb, symbolisierte auch das Ende der Beziehung zwischen Hannibal Lecter und Will Graham sowie Hannibals Ambitionen, Will zu seinem wahren "Freund" zu formen. Diese Folge beschert uns ein visuell mal wieder extrem verstörendes Bild in dem der Hirsch aus Hannibals gebrochenem Herz, das er in der Kirche aufgebaut hat, wieder zum Leben erweckt wird. Phänomenal.

Hannibal Primavera Kritik

Und dann der große Twist der Folge: Abigail Hobbs ist längst tot. Wurde dem Zuschauer mit Inspektor Pazzi ein neuer, ziemlich undurchsichtiger Charakter serviert, der viel mehr den Eindruck einer bloßen Einbildung machte, befindet sich die wahre Geistgestalt die ganze Folge lang schon direkt neben Will. Eigentlich lag diese Wendung direkt vor der Nase des aufmerksamen Zuschauers, trotzdem kommt sie überraschend aus dem Nichts und brilliert mit fabelhaftem Timing. Die folgenden Szenen liefern uns einen zermürbenden Abschied von Abigail Hobbs, deutlich überraschender als gedacht, da die meisten sicher sowieso schon mit ihr abgeschlossen hatten.

Die folgenden Bilder sind bahnbrechend. Optisch ist man von Hannibal viel gewohnt, sogar sehr viel, doch was hier passiert ist mal wieder fantastisch inszeniert worden und braucht sich vor nichts und niemandem zu verstecken. Kameraeinstellungen der toten Abigail gepaart mit denen des schwer verletzten Will vermischen sich zum Bild eines gebrochenen Mannes, der die Toten mit sich trägt, und der sie niemals loslassen wird, da er nicht fähig ist seine Schuld abzulegen.

A place was made for you, Abigail, in this world. It was the only place I could make for you.

Hannibal Primavera Kritik

"Primavera" gehört noch zu den ganz frühen und handlungstechnisch extrem langsamen Folgen der dritten Staffel, weiß aber trotzdem zu begeistern. Eine beeindruckende Regie, ein wunderbarer Twist, schöne Dialoge und ein offenes Ende, das den Trailern ihr Gewicht nimmt, machen so ziemlich alles richtig. Nun hat Will Graham Hannibal Lecter gefunden und die Spannung darüber, was als Nächstes passieren wird, könnte kaum größer sein. Diese Folge setzte wieder einen starken Fokus auf die Vergangenheit und darum Hannibal als göttliches / teuflisches Ebenbild darzustellen und verliert sich vielleicht in ihrer Eleganz und ihrem Stil etwas, anstatt sich mit der Weiterführung der Handlung zu befassen, doch schadet ihr das kein bisschen. Was wird nun als Nächstes passieren, nachdem unsere beiden Lieblingscharaktere wieder aufeinandergetroffen sind und Will zu Hannibal genau das sagt, was dieser hören wollte? Lassen wir es einfach mal im Raum stehen:

Hannibal, I forgive you.

Unser Berlin-Film Bloggerspecial zum Kinostart von Victoria

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Victoria Special

Liebe Filmfutter-LeserInnen,

heute startet ein Film in den Kinos, wie Ihr ihn sonst dieses Jahr bestimmt nicht finden werdet. Sebastian Schippers Victoria, kürzlich für sieben Deutsche Filmpreise nominiert und als Favorit ganz groß im Rennen, zeigt, wozu das deutsche Kino doch gelegentlich in der Lage ist und nimmt den Zuschauer auf eine wilde Nacht in Berlin mit.

Victoria Special Berlin-FilmDiesen Kinostart nahmen wir wieder als Anlass für ein kleines Bloggerspecial mit dem Thema "Unser Lieblings-Berlin-Film". Vor Victoria gab es einen Film mit/über/von Berlin, der es schaffte, das Lebensgefühl und die Lebenslage des Protagonisten zu spiegeln. Irgendwie schafft es diese Stadt immer wieder, sowohl im zentralen Fokus, als auch als untermalende Bühne für krasse Geschichten herzuhalten. Die Rede ist von Oh Boy (2012) mit Tom Schilling als Endzwanziger Niko, der an einem Tag und in einer Nacht ziellos durch die Straßen Berlins streift. Dem in Schwarz & Weiß gedrehten Debütfilm von Jan-Ole Gerster gelingt es, beinah poetische Verbindungen zwischen seinen zum Teil stückelhaften Strukturen, seinen pointierten Dialogen, wirklich brauchbarer (ja, sowas gibt es!) Jazz-Musik als Soundtrack und definierenden Stimmungsbildern einer pulsierenden Großstadt im Gegenzug zu den gegensätzlichen, menschlichen Konfrontationen von Distanziertheit, Respektlosigkeit bis hin zu Gewalt des Hauptprotagonisten herzustellen. Der Blick lastet immer auf Studienabbrecher Niko, der seine Fahrrinne gar nicht mehr so recht zu suchen scheint und somit zeigt Regisseur Gerster passgenau die dreckigen und trashigen Insider-Tipps (wenn überhaupt) dieser schönen Stadt.

Bei dem Film One-Shot-Hit Victoria ist der zeitliche Rahmen ebenfalls begrenzt. Ein Film. Ein Take. Eine Nacht. Ohne Schnitte wird in Echtzeit die kurze, intensive Geschichte der Begegnung von Spanierin Victoria (Laia Costa; spielt wahnsinnig gut) und einer Truppe Berliner Jungs, angeführt von Sonne (Frederick Lau; Experte für labile Charaktere, top). Es wird geflirtet, es wird getanzt, es ergeben sich Risse in der Realität ihres Alltags. So wie eine Knaller-Nacht sein sollte, bis sich nach und nach auch Risse und Einblicke in das Innerste der Protagonisten zeigt. Hier beginnen ein krimineller, spontaner Lauf und eine Hetzjagd durch das nächtliche und morgendliche Berlin auf der Straße. Victoria wird von dem Sog des Momentes, der wabernden Elektrizität der Stadt und der unkalkulierbaren Gefahr mitgerissen. Unbedingt sehenswert!

Oh Boy triumphierte vor drei Jahren bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises mit sechs Auszeichnungen. Hoffen wir, dass auch Victoria ein ähnlicher Erfolg beschert sein wird.

Jurassic World (2015) Kritik

Jurassic World (2015) Filmkritik

Jurassic World, USA 2015 • 124 Min • Regie: Colin Trevorrow • Mit: Chris Pratt, Bryce Dallas Howard, Ty Simpkins, Nick Robinson, Vincent D’Onofrio, Jake Johnson, Omar Sy, Irrfan Khan, BD Wong • FSK: ab 12 Jahren • Kinostart: 11.06.2015 • Deutsche Website

Handlung

Mehr als zwanzig Jahre nach dem ersten katastrophalen Versuch, einen Dinosaurier-Freizeitpark zu eröffnen und der Menschheit ausgestorbene Tiere als Attraktion zu bieten, ist John Hammonds Vision Wirklichkeit geworden. Jurassic World heißt der neue Park, der nun wie eine gut geölte futuristische Maschine seit einigen Jahren unter der Ägide der stets gestressten und pedantischen Parkverwalterin Claire (Bryce Dallas Howard) erfolgreich läuft. Tausende von Menschen besuchen täglich den Jurassic World, der sich wie eine Art Sea World/Erlebnistierpark mit Dinos präsentiert, samt Streichenzoo, Fütterungen und Safari-Touren. Das läuft nun schon so lange gut, dass die Menschheit sich langsam an die Vorstellung der lebenden Dinosaurier gewöhnt hat. Damit das Interesse an der teuren Attraktion aber trotzdem nicht nachlässt, müssen Claire und das Genlabor von Jurassic World stets mit Innovationen aufwarten und die neuste davon heißt Indominus Rex, ein durch Genexperimente erschaffener, ultraintelligenter Über-Saurier, der bald als neues Highlight den Massen präsentiert werden soll. Lediglich das Gehege muss noch auf Sicherheit getestet werden und dazu eignet sich keiner besser als der Ex-Navy-Mann Owen (Chris Pratt), der auf der Insel Raptoren trainiert hat, auf seine Befehle (mehr oder weniger) zu reagieren. Weil Betreiber von Dinosaurierparks offensichtlich nie aus ihren Fehlern lernen, bricht die monströse Schöpfung aus und läuft Amok. Zu allem Übel befinden sich aber im Park auch Claires junge Neffen (Ty Simpkins und Nick Robinson), die ihr von ihrer Schwester (Judy Greer) über das Wochenende anvertraut wurden. Hier kann natürlich nur der Draufgänger Owen helfen und den Tag retten, bevor Jurassic World zum Schauplatz eines Massakers wird…

Kritik

Jurassic World (2015) Filmbild 1Erinnert Ihr Euch daran, wie Ihr das erste Mal eine ganz neue leckere Speise gegessen habt oder wie Ihr zum ersten Mal eine coole neue Stadt bereist habt? Es mag danach noch viele andere, ähnlich leckere Speisen und noch viele weitere tolle Trips in die gleiche Stadt gegeben haben, doch es ist das erste Mal, das einen prägt und das häufig eine unerreichbare Messlatte bildet. Mit Jurassic Park hat Steven Spielberg 1993 die Dinosaurier auf der Leinwand zum Leben erweckt. Er war nicht der erste, der die Riesenechsen, die die Menschheit bereits seit über einem Jahrhundert faszinieren, auf Film gebannt hat, doch keiner tat es so überzeugend und glaubwürdig wie er. Star Wars entführte die Zuschauer in fremde Welten, Richard Donners Superman hat einen glauben lassen, ein Mensch könnte fliegen und Spielbergs perfekt kalibrierter Blockbuster zeigte, wie Dinosaurier Seite an Seite mit Menschen existieren könnten. In der ersten Begegnung mit dem Brachiosaurus fällt nicht nur den Protagonisten des Films die Kinnlade runter, sondern auch den damaligen Zuschauern.

Jurassic World (2015) Filmbild 2Damit war die Katze jedoch aus dem Sack. Nach Jurassic Park wusste jeder Kinogänger, wie Dinosaurier aussehen. Das Gefühl des Staunens kann man kein zweites Mal so einfangen, im Vordergrund stand also die Frage, wie man das Gesehene sonst noch toppen kann. Die Fortsetzungen befolgten das Hollywood-Rezept: "Größer, schneller, lauter". Im zweiten Film gab es also zwei T-Rex und im dritten dann noch Flugsaurier und den Spinosaurus, der erst einmal den Publikumsliebling T-Rex töten (großer Fehler!) und damit zeigen durfte, dass er der ultimative Badass unter Dinos ist. An dieser Stelle muss ich mich outen, dass auch der zweite und der dritte Film mir Spaß gemacht haben, was an meiner ununterbrochenen Affinität für Uhrzeitechsen liegen mag, doch es steht außer Frage, dass weder Die verlorene Welt noch Jurassic Park III an den ersten Film herankamen. Waren die Ansätze immer falsch oder war der erste Jurassic Park einfach ein Zaubertrick, der nur funktioniert, wenn man ihn das erste Mal sieht?

Jurassic World (2015) Filmbild 3Colin Trevorrow, der Regisseur und Co-Autor von Jurassic World, scheint sich selbst nicht ganz sicher zu sein, was die Beantwortung dieser Frage angeht. Während die anderen Sequels versucht haben, eine neue Geschichte auf einer neuen Insel zu erzählen, will Jurassic World gar nicht ein eigenes Ding sein. Getreu dem Motto "das Original ist das Wahre" strotzt der Streifen vom Anfang bis zum Ende (und viele Male zwischendurch) nur so vor Referenzen, Hommagen und Verbeugungen vor Steven Spielbergs Meisterwerk (da habe ich es gesagt!). Sei es die Gestaltung bestimmter Szenen, die Figurenzeichnung (waren Lexi und Tim im Originalfilm Scheidungskinder, so stehen die Eltern von Claires Neffen auch hier kurz vor der Scheidung) oder ein Mitarbeiter, der dafür ermahnt wird, ein Original-"Jurassic Park"-T-Shirt zu tragen – der Einfluss von Jurassic Park ist jederzeit zu spüren. Vielleicht war das gerade die richtige Entscheidung, denn mit Jurassic World erschufen Trevorrow und sein Team die bislang beste Fortsetzung des Dino-Abenteuers. Dadurch, dass der Park uns wieder durch die staunenden Augen eines Jungen präsentiert wird, gelingt es Jurassic World zumindest teilweise, die Magie und das Gefühl des Staunens einzufangen, durch welches der erste Film sich auszeichnete.

Wer ins Kino geht und eine deftige Portion an Dino-Action erwartet – also die meisten Kinogänger, die ein Ticket für den Film lösen werden – werden genau das bekommen und dann noch mit großzügigem Nachschlag. Es gibt Dinos gegen Menschen, Dinos gegen Dinos und Dinos gegen Menschen gegen Dinos en masse. Das Tempo wird sehr schnell im Film angekurbelt und lässt nie nach. Es ist vielleicht irgendwie zu bemängeln, dass man sich bei den Dinosauriern nahezu komplett auf Computereffekte verlassen hat und die Effekte eigentlich keinen enorm großen Sprung seit 1993 gemacht zu haben scheinen, doch andererseits gibt es an der visuellen Seite des Films trotzdem nichts auszusetzen und sogar das 3D wurde stellenweise überraschend gut umgesetzt, was man ja heutzutage nicht von vielen Filmen behaupten kann.

Jurassic World (2015) Filmbild 4Die menschlichen Charaktere sind nicht der Rede wert. Chris Pratt spielt eine Version von Peter Quill aus Guardians of the Galaxy nur mit weniger flotten One-Linern und sollte der Film seine Bewerbung um die Indiana-Jones-Rolle sein, so hat er sich gut geschlagen, doch eine weitere Dimension hat der Charakter nicht. Ebenso geht es Bryce Dallas Howard, die eisig-unterkühlt anfängt und natürlich mütterliche Gefühle für ihre Neffen und romantische für Owen entwickelt. Vincent D’Onofrio spielt den Militär-Fiesling, wie er im Buche steht, und der Ziemlich-beste-Freunde-Star Omar Sy ist sträflich unterfordert als Owens bester Kumpel und Kollege. Doch Menschen waren nie die größte Stärke von Jurassic Park, sondern Dinos und daraus macht Jurassic World auch keinen Hehl. Es ist schon ein amüsanter Meta-Kommentar, dass die Parkbesucher sich nur noch von größeren, böseren und furchterregenderen Dinosauriern begeistern lassen. Neben den altgedienten Raptoren und dem T-Rex muss also auch der Indominus Rex herhalten, eine Gen-Mischung aus T-Rex, Tintenfisch, Fröschen und X (die letzte Zutat dürfte den meisten Zuschauern aber recht schnell klar werden). Natürlich stehen die Parkbesucher stellvertretend für die Kinogänger und Jurassic World unterwirft sich eben jenem Zwang zu "mehr". Ob man sich dann noch auf der Meta-Ebene befindet, ist vor lauter Referenzen und Ehrerbietungen auch nicht mehr klar, doch zum Glück auch irrelevant, denn bereits die nächste dicht aneinander gereihte Dino-Actionszene weiß es gut, von solchen Gedanken abzulenken. Wer sich fragt, wie die unvermeidliche Fortsetzung aussehen soll (schließlich kann man ja so ein Park-Desaster nicht zum dritten Mal zeigen), sei unbesorgt: der Film sät Samen für ein Sequel, das eine ganz neue Richtung einschlagen sollte und das wird hoffentlich besser klappen als bei den Vorgängern.

Fazit

Niemandem wird bei Jurassic World die Kinnlade herunterfallen, wie bei Spielbergs Originalfilm, und der eine oder andere Purist wird sich am enorm hohen CGI-Anteil des Films stören, doch wie auch der titelgebende Park steht Jurassic World für abwechslungsreiche, fantasievolle und außerordentlich spaßige Unterhaltung. Die dritte Fortsetzung von Jurassic Park kommt am nächsten an den Zauber des Originals heran, wenn auch einige Sequel-Macken nicht ausbleiben.

Trailer

"Hannibal" S03E01 "Antipasto" Kritik

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Der Artikel enthält einige "Hannibal"-SPOILER zur besprochenen Folge!

Der Tisch ist gedeckt, die Gäste sind da (auch wenn sie sich zu Vorspeise erst einmal nur wenige gesellen) und es kann wieder losgehen: "Hannibal" ist zurück! Nach dem fabelhaft wendungsreichen und unglaublich schockierenden Ende der 2. Staffel könnten die Erwartungen an die neu anlaufende Season wohl kaum höher sein. Serienschöpfer Bryan Fuller bändigte diese Aufregung etwas, als er verriet, dass die ersten Folgen der neuen Staffel ruhiger sein würden und den Fokus auf die Beziehung zwischen Hannibal und Bedelia Du Maurier legen würden. Erst im späteren Verlauf der Staffel würde sich zeigen, was aus den anderen Hauptcharakteren der Serie, die nach dem Ende von Staffel 2 nicht alle lebendig aussahen, geworden ist.

Mit "Antipasto" erwartet uns eben genau dieser Auftakt, der zwar etwas langsamer ist, als man es von den vorangegangenen Folgen gewohnt ist, aber dem grandiosen Stil wieder einmal in Nichts nachsteht. Es wird hier nicht im Ansatz versucht, viel zu erklären, oder einen tollen Staffelstart mit jeder Menge Charakteren zu kreieren, sondern ein kleines feines Psychospiel etabliert, das voller Symbolik und intelligenter Dialoge steckt. Das ist so ziemlich das, was die Serie an dieser Stelle auch gebraucht hat, und zwar eine kleine Pause und etwas Neues. Zwar werden ordentlich Tempo und Figuren herausgenommen, doch atmosphärisch ist das große Klasse. Frischen Wind bringt unter anderem der kurze Besuch in Paris und das Verschieben der eigentlichen Handlung nach Florenz, eine Stadt, die sich makellos in den Stil von "Hannibal" einfügt.

Mads Mikkelsen wurde im Verlauf der Serie immer mehr zur Hauptfigur, war er anfangs noch neben Hugh Dancy der interessante Antagonist, der leise hinter den Kulissen agierte, bekommt der Zuschauer jetzt seine volle Breitseite zu spüren. Wie lange das von Dauer sein wird, bleibt abzuwarten, denn der Fokus auf Hannibal selbst, der in seinen Worten, seinen Personenanzug endlich abgelegt hat, rückt ihn sogleich auch in die unsympathische Tragerolle. Mehr Sympathie erhält seine Begleitung, gespielt von der großartigen Gillian Anderson, die in der Folge irgendwie immernoch zwischen den Fronten steht. Einerseits versucht sie vor Hannibal zu fliehen, andererseits unternimmt sie auch nichts explizit gegen ihn, oder doch? Endlich erfahren wir außerdem mehr von dem Vorfall, in dem Bedelia ihren Patienten anscheinend umgebracht hat. Zumindest sehen wir Zachary Quinto blutüberströmt am Boden liegen, und es sieht so aus, als wäre sie nicht ganz unschuldig an seinem Tod – oder will ein gewisser Jemand vielleicht nur, dass es genauso aussieht?

Hannibal Antipasto Kritik Bild 1

So einige Rätsel begleiten die mysteriöse Dr. Du Maurier. Auch ihr Aufenthalt an den Kameras bei den Bahngleisen und im geheimnisvollen italienischen Feinkostladen wirken, als würde sie etwas im Schilde führen. Ist sie womöglich gar nicht so allein auf sich gestellt, wie man gerade annehmen mag? Durchaus denkbar, dass Hannibal bald einsehen muss, dass er nicht ganz so sicher ist, wie er sich gerade fühlt. Wir bleiben mal gespannt wie es in Zukunft mit ihm weitergeht.

In die Vergangenheit hingegen führen uns zahlreiche Flashbacks oder Traumvorstellungen (wer kann das in dieser Serie schon so genau sagen?) von Hannibal und Abel Gideon, mal wieder hervorragend gespielt von Eddie Izzard. Anfangs noch aus bereits bekannten Szenen bestehend, in denen Gideon sein eigenes Bein serviert wird, entwickeln sich jene Szenen zum interessantesten Teil der Episode und scheinen das Geschehen der Staffel in die Zukunft blickend sogar noch zu kommentieren. So ist der Dialog zwischen den beiden Serienmördern der gehaltvollste und vor allem ehrlichste der ganzen Folge und gibt sogar etwas über die Denkweise des titelgebenden Menschenfressers preis:

This isn’t cannibalism, Abel. It’s only cannibalism if we’re equals.

Hannibal Antipasto Kritik Bild 2

Ein Satz, der einem das Blut in den Adern gefrieren lässt und nicht der einzige Bemerkenswerte in der Unterhaltung zwischen den beiden bleibt, so ist auch Abels Reaktion auf Hannibal sehr schön:

I’m just fascinated to know how you will feel when all of this happens to you.

Hannibal scheint in jeder Situation den richtigen Riecher zu besitzen, immer alles durchgeplant zu haben, und überhaupt komplett perfekt zu sein. Perfekt böse versteht sich. Doch Abel Gideon weiß genau, dass nichts ewig hält, und macht Dr. Lecter bewusst, dass auch er eines Tages auf der Speisekarte stehen wird (oder zumindest geschnappt wird). Hannibal selbst bleibt sehr selbstbewusst, und vielleicht könnte ihm genau das bald zum Verhängnis werden. Allerdings dachten das die meisten auch schon am Ende der zweiten Staffel, und was darauf folgte, war weniger verhängnisvoll für ihn. Doch für wen hält sich Hannibal, wenn er immer überlegen scheint, wenn er in seinen Augen nur Unwürdige beseitigt um seinen Hunger zu stillen? Eine subtile Vorstellung lieferte uns wohl seine Rede über Dante, die uns dieses Bild bescherte:

Hannibal Antipasto Kritik Bild 3

Man muss der Serie lassen, dass sie mal wieder mit Anspielungen und tollen Blickfängen nicht geizen mag. Hannibal als Lucifer, der Teufel in Menschengestalt, gibt ein wunderbares Bild ab. Generell versucht "Antipasto" sehr, ihn zwar als das Böse darzustellen, aber gleichzeitig auch irgendwie anzuteasen, dass es nicht mehr lang dauern kann, bis auch er einmal auf der Verliererseite ist. Etwas in den Hintergrund rückt durch all die Metaphern und Zeichen leider die eigentliche Handlung, in der Hannibal Bedelia durch seinen Mord an dem wohlhabenden Anthony Dimmond (Tom Wisdom) beweisen will, dass sie sich an seinen Taten beteiligt, anstatt nur zuzusehen.

Observe or participate?

So bleibt zwar das Geschehen noch sehr mysteriös und teilweise nicht vollends verständlich, doch die bloße Detailverliebtheit, die sich aufdrängt, ist einfach wieder fabelhaft gelungen. Die Schnecken, die Hannibal Abel Gideon zeigt bleiben bezeichnend für eine Folge, die langsam und mühsam vorangeht, sich aber umso mehr Zeit nimmt schön zu sein, und unter ihrem Panzer so einiges zu verbergen hat. Wie die Schleimspur einer Schnecke zieht schließlich auch Anthony als Hannibals Opfer eine Blutspur hinter sich her, bevor er umgebracht wird; wie eine Schnecke bewegt sich auch diese Folge langsam auf ein bestimmtes Ziel vor. Zwar fehlen die anderen Charaktere der Serie schon irgendwie, doch die Dialoge zwischen Hannibal, Bedelia und Abel Gideons heben die Folge an.

"Antipasto" reicht zwar bei Weitem nicht an die besten Episoden der Serie heran, allein weil mehr Fragen gestellt werden als scheinbar je zuvor, lässt aber vieles offen, was in den nächsten Folgen aufgegriffen werden wird, und baut stark auf die Atmosphäre der vorigen Staffeln auf. Gleichzeitig entsteht auch eine gänzlich neue Grundstimmung, was vor allem Gillian Andersons Bedelia Du Maurier zu verdanken ist, deren Figur in der dritten Staffel wohl zu einer der interessantesten der Serie wird. Es bleibt abzuwarten, was genau ihr Plan ist, und ob er Früchte tragen wird, doch ich bin mir sicher, die nächsten Folgen werden es uns zeigen und wieder ausgesprochen delikat sein. Auf jeden Fall ist das Buffet endlich wieder eröffnet, und eines ist sicher: Nichts hier ist vegetarisch!

Love & Mercy: "Good Vibrations"-Special & Gewinnspiel zum Musik-Biopic

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Love and Mercy Gewinnspiel

Liebe Filmfutter-Fans und Liebhaber der einzigartigen Sounds der "Beach Boys",

kommenden Donnerstag, am 11.06., startet deutschlandweit Love & Mercy, die von der Kritik gefeierte Filmbiografie von Brian Wilson, der als kreativer Kopf der "Beach Boys", der neben den "Beatles" berühmtesten Band der Welt in den Sechzigern und Siebzigern, für viele ihrer größten Hits verantwortlich war. Doch der Erfolg hatte auch seine Schattenseiten: Alkohol- und Drogenkonsum gepaart mit psychischen Störnungen und einem mehr als fragwürdigen Psychotherapeuten kosteten Wilson beinahe alles. All das, aber auch Wilsons kreativen Schaffensprozess erforscht Love & Mercy, den wir nicht nur Musikfans ans Herz legen möchten.

Den Kinostart nahmen wir gemeinsam mit zwei anderen Bloggern wieder zum Anlass für ein kleines Special. Das Thema war, passend zum größten Hit der "Beach Boys" "Good Vibrations", die Frage nach unseren persönlichen "Feelgood"-Filmen, die uns stets in gute Laune versetzen.

Es ist gar nicht mal so einfach, sich auf einen Film hier zu begrenzen, deshalb tue ich das auch nicht. In der Regel bringen mich Achtziger-Filme aus der Steven-Spielberg-Schmiede immer in gute Laune, egal, wie düster die Dinge stehen mögen. Im Speziellen denke ich dabei an die Indiana-Jones-Trilogie und Zurück in die Zukunft (von Spielberg produziert). Diese absoluten Unterhaltungsfilme, die noch nicht dem heutigen Drang unterworfen waren, düstere, nachdenkliche und bodenständigere Aspekte zu haben, tauchten in eine Welt voller Fantasie, Wunder und absolutem Spaß an der Freude ein. Das ist Eskapismus pur und zwar von der besten Art – vielleicht manchmal auch leicht naiv, doch immer mit Herz und Seele. Wie man diese Filme sehen und dabei keinen Spaß haben kann, entgeht meiner Vorstellungskraft.

Ein klassischerer "Feelgood"-Film der neueren Zeit ist der französische Überflieger Ziemlich beste Freunde. Thematisch erfindet er das Rad nicht neu und geizt nicht mit Klischees, doch das alles ist egal, weil das Protagonisten-Duo so wunderbar miteinander funktioniert.

Einen besonderen "Feelgood"-Klassiker habe ich für die Weihnachtszeit und das ist Richard Curtis' Tatsächlich…Liebe. Diese ebenfalls übersimplifizierte, naive Darstellung von Liebe in all ihren Facetten schafft es auch jedes Mal durch den tollen Humor und die grandiose Besetzung ein Lächeln auf mein Gesicht zu zaubern.

Was sind Eure "Gute Laune"-Filme?

Wer mehr über die "Feelgood"-Favoriten unserer Kollegen erfahren möchte, kann sich hier durchklicken:

Kino7
Wewantmedia

Wer es so weit geschafft hat, muss natürlich auch belohnt werden. Mit freundlicher Unterstützung von Studiocanal Deutschland verlosen wir ein Fanpaket zu Love & Mercy, bestehend aus zwei bundesweit einsetzbaren Kinofreikarten, einem Original-Filmplakat und dem brandneuen Album von Brian Wilson, "No Pier Pressure".

Das Gewinnspiel ist leider abgelaufen!

Filminhalt:

"Aus seiner Feder stammen Welt-Hits wie “Good Vibrations“ und “Wouldn’t it be Nice”: Brian Wilson, Chorknabe aus Kalifornien, stürmte in den 1960er Jahren mit den “Beach Boys“ weltweit die Musikcharts. Doch der spektakuläre Erfolg hatte seinen Preis – Drogen und psychische Probleme führten zum Abstieg des Musik-Genies. Allein durch die Unterstützung seiner späteren Ehefrau Melinda Ledbetter gelingt ihm der Weg zurück ins Leben und schließlich das verdiente Comeback."

Copyright: Bilder und Videomaterial © 2015 Studiocanal Deutschland

Japan-Filmfest Hamburg 2015 – Das Fazit

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Vor genau einer Woche flimmerten die letzten Filme des Japan-Filmfest Hamburg 2015 über die Leinwände. Dieses Jahr konnte ich leider nur neun Filme sehen und rezensieren. Das lag natürlich nicht an den Veranstaltern. Zumindest nicht nur. Doch tatsächlich habe ich im diesjährigen Programmheft einige Filmperlen vermisst, die das JFFH immer zu einem ganz speziellen Erlebnis machen. 2015 standen neben den Anime vor allem Mainstream-Highlights im Mittelpunkt. Das waren – zumindest überwiegend – keine schlechten Filme. Aber wenn ich an das JFFH denke, dann denke ich automatisch an viele verrückte Independent-Produktionen oder auch an mühevoll zusammengesparte Mid-Budget Movies für Genrefans. Wenn es davon wie schon in vielen Jahren zuvor wieder ein bisschen mehr geben würde, wäre ich sehr dankbar.

Und noch eine Sache ist dieses Jahr besonders aufgefallen. Im Fazit zum JFFH 2014 war ich erstaunt darüber, dass es kaum Wiederholungen und dadurch eine größere Filmauswahl gab. Auf der einen Seite sind Wiederholungen super, wenn man einen Film unbedingt schauen will, aber der Zeitpunkt mies ist. Dann nehm ich halt den nächsten Termin war. Auf der anderen Seite ist es aber auch ein schöner Luxus, wenn es so viele Film gibt, dass man sich für die interessantesten entscheiden kann. Vielleicht wäre da ein Mittelweg die Ideallösung. Für meinen Geschmack gab es dieses Jahr etwas zu viele Wiederholungen.

Aber kommen wir zu den positiven Punkten des diesjährigen Festivals, auch wenn die oben genannten Dinge nicht supernegativ waren. Technisch lief dieses Mal alles rund. Es gab hier und da noch ein paar Zeitverschiebungen, die mit mehr oder weniger Wartezeit vor dem Kinosaal verbunden waren. Doch immerhin gab es keine Startschwierigkeiten beim Abspielen der Filme, was aufgrund der vielen verschiedenen Formate allerdings kein allzu großer Makel wäre. Einzig der Fünfminüter The Akira Project von Nguyen-Anh Nguyen wollte am Eröffnungsabend nicht laufen. Aber auch das löste keine Katastrophe aus, sondern wurde von vielen der Besucher gar nicht wahrgenommen.

Wie im letzten Jahr gibt es auch in diesem Fazit wieder ein kleines Ranking mit den Original-Filmtiteln und Links zu den jeweiligen Artikeln. Außerdem hat jeder Film noch mal ein Mini-Fazit bekommen. Bei Punktgleichstand wurde dennoch eine feste Platzierung bestimmt. Das Ranking beginnt mit dem letzten Platz, in diesem Fall ist das Platz neun.

9. Samurai of the Dead 新選組オブ・ザ・デッド (1/5)

Es war einer der Filme, auf die ich mich am meisten gefreut habe. Und es ging total in die Hose. Die Grundidee war gut, die Umsetzung furchtbar. Die Handlung war lahm, es gab keine Überraschungen und keine Spannung, und für eine Komödie gab es zu wenige Lacher. Insgesamt wirkt Samurai of the Dead wie eine halbherzig inszenierte Betaversion eines Films.

8. Space Battleship Yamato SPACE BATTLESHIP ヤマト (3/5)

Für Science-Fiction-Fans ist es sicher eine Überlegung wert, den Film zu schauen. Es gibt nette digitale Welten zu sehen, eine schöne, wenn auch eindimensionale Story und an den richtigen Stellen ein paar Actioneinlagen. Lediglich der hohe Schnulzfaktor nervt an vielen Stellen und macht einiges kaputt.

7. Live ライヴ (3/5)

Jeder, der Noboru Iguchi kennt, weiß, was man zu sehen bekommt: blutigen Trash mit erotischen Einlagen und deftigem Humor. Live bildet da keine Ausnahme, auch wenn es nicht das kreativste Werk Iguchis ist. Die Handlung und die Charaktere sind aber gewohnt absurd, sodass es Spaß macht, dem Death Game beizuwohnen.

6. Patema Inverted サカサマのパテマ (3,5/5)

Was für eine verdrehte Story. Die Perspektivwechsel von oben nach unten und wieder zurück machen Patema Inverted zu einem erfrischend innovativen Trip zwischen den Welten. Die Handlung hat Tiefgang und ist dadurch auch für ein erwachsenes Publikum interessant. Ab und an verwirrt der Plot jedoch und lässt einige Fragen am Ende offen. Dennoch eine lohnenswerte Alternative zu japanischen Realfilmen.

5. Lupin the 3rd ルパン三世 (3,5/5)

Für einen Eröffnungsfilm war es die perfekte Wahl. Lupin the 3rd spricht dank seines Genres ein breites Publikum an. Die Gaunerkomödie arbeitet mit vielen klassischen Elementen, ohne die Moderne außen vor zu lassen. Der Film liefert, was er verspricht: ein unterhaltsames Abenteuer.

4. Rurouni Kenshin るろうに剣心 (4/5)

Diesem Film sieht man sein Budget zweifelsohne an. Dank Warner Bros. konnte sich Keishi Ôtomo filmisch richtig austoben. Und bekam dank des Erfolgs sogar grünes Licht für zwei weitere Teile. Der erste Teil liefert einwandfreie Bilder und eine spannende Story. Da kann man auch mal über kleinere Makel hinwegsehen. Rurouni Kenshin ist nicht nur für Samurai-Freunde und Fans der Manga-Vorlage interessant.

3. Shield of Straw – Die Gejagten 藁の楯 (4,5/5)

Regiewunder Takashi Miike meldet sich zum Dienst. Dieses Mal mit einem Polizeithriller, der vor allem für den Mainstream geschaffen wurde. Handwerklich ist die Roman-Adaption rundum gelungen, und auch inhaltlich ist Shield of Straw nie langweilig. Über das Ende kann man sich streiten, aber bis dahin sind zwei Stunden Spannung garantiert.

2. Die Legende der Prinzessin Kaguya かぐや姫の物語 (4,5/5)

Nur äußerst selten schafft es ein so trauriger, aber gleichzeitig lebensbejahender Film, über eine Länge von mehr als zwei Stunden nicht in die Kitschecke abzudriften. Das Auf und Ab der Emotionen der jungen Prinzessin wurde herzzerreißend in wunderschön gezeichneten Bildern inszeniert. Man merkt dem Film die lange Laufzeit zwar an, langweilig wird er aber nicht.

1. Wie der Wind sich hebt 風立ちぬ (5/5)

Die Nummer eins in diesem Jahr spiegelt das diesjährige Thema „Trickfilmnation Japanwie kein anderer Film aus dem Programm wider. Der japanische Anime-Meister schlechthin, Hayao Miyazaki, hat eine Geschichte geschaffen, die einzig dem Traum eines ambitionierten jungen Mannes folgt. Eine intelligente Geschichte mit offener Kritik und völliger Hingabe. In gewohnter Perfektion fliegen die Bilder in etwas mehr als zwei Stunden nur so über die Leinwand. Die Leidenschaft ist in jedem einzelnen zu sehen. Wie der Wind sich hebt ist von vorn bis hinten ein Meisterwerk der Trickfilmkunst, das sich erhobenen Hauptes in die Reihe der anderen Miyazaki-Filme einreihen kann.

Ab jetzt heißt es wieder: warten. Ich bin gespannt, was auf dem 17. Japan-Filmfest Hamburg im nächsten Jahr auf dem Programm stehen wird. Bis dahin: mata ne, liebe Japan-Filmfans!

Japan-Filmfest Hamburg 2015 – Tag 4

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Der letzte Tag auf dem Japan-Filmfest war zwar kurz, aber intensiv. Mit einer Ghibli-Produktion fand es nach fünf Tagen voller japanischer Filmkunst einen würdevollen Abschluss. Ein kleines Fazit zum JFFH 2015 gibt es dann im Laufe der Woche.

Die Legende der Prinzessin Kaguya (2013)

(Kaguya-hime no monogatari)

Die Legende der Prinzessin Kaguya (2013) PosterEin Bambussammler und seine Frau leben in einem kleinen Dorf mitten in der Natur. Es sind einfache Leute, die sich durch ihr traditionelles Handwerk ihren Lebensunterhalt verdienen. Eines Tages macht der Bambussammler im Wald eine merkwürdige Entdeckung. In einem Bambusspross findet er ein kleines Mädchen, das er zunächst für einen Waldgeist hält. Als er es mit zu seiner Frau nimmt, verwandelt es sich in ein menschliches Baby. Beide beschließen daraufhin, es wie ein eigenes Kind großzuziehen. Schnell wächst die Kleine, die von den anderen Kindern im Dorf Takenoko (Bambussprössling) gennant wird, zu einer wunderschönen jungen Frau heran. Doch schnell merkt der Bambussammler, dass das Mädchen für etwas Höheres bestimmt ist. Durch das Gold, das er eines Tages in einem Bambus findet, lässt er ein Anwesen in der Hauptstadt errichten. Nach dessen Fertigstellung heißt es für ihn, seine Frau und vor allem für das Mädchen Abschied von der alten Heimat zu nehmen. Ein Abschied, ohne Lebwohl sagen zu können. In der Stadt beginnt dann ihr neues Leben als Prinzessin Kaguya. Anfangs freut sich das neugierige Mädchen über ihr neues Leben. Schon bald spricht das ganze Land von der wunderschönen Prinzessin. Doch ihre Freude währt nicht lange. Sie stellt leidvoll fest, was ihr neues Leben wirklich bedeutet und was sie dafür opfern musste. Nach und nach scheint die Freude aus ihrem Leben zu schwinden. Und ein Wiedersehen mit ihrer großen Liebe aus Kindheitstagen ist in unendliche Ferne gerückt.

Die Legende der Prinzessin Kaguya (2013) FilmbildIsao Takahata ist neben Hayao Miyazaki der Gründer des legendären Studio Ghibli und ein weiterer Großmeister des japanischen Anime. Auch wenn Takahata oftmals im Schatten von Miyazaki zu stehen scheint, ist er ihm absolut ebenbürtig. Sein Stil unterscheidet sich stark von dem Miyazakis. Er probiert zeichnerisch gern mal etwas Neues aus, wie auch sein aktuelles Werk Die Legende der Prinzessin Kaguya beweist. Ganze acht Jahre sollen die Arbeiten laut Produzent Yoshiaki Nishimura gedauert haben. Eindrucksvoll erzählt er in kunstvoll gezeichneten Bildern das japanische Märchen des Bambussammlers neu. Es ist eine tragische Geschichte, deren zentrales Motiv ein permanenter Wechsel von Freud und Leid in sämtlichen Variationen ist. Besonders die leidvollen Momente lassen den Zuschauer immer wieder mit den Tränen kämpfen. Während der Bambussammler endlich ein Leben führen kann, wie er es sich immer gewünscht hatte, sieht er nicht, wie seine Tochter unter den neu auferlegten Zwängen leidet. Doch Kaguya steckt für ihre Familie persönliche Interessen zurück. Bis sie es irgendwann nicht mehr aushält. Es gibt in den 137 Minuten Laufzeit viele Stellen, an denen man sich das Ende der Geschichte gewünscht hätte. Nicht weil es langweilig geworden ist und man sich ein Ende herbeisehnt, sondern weil das Leid gerade mal nicht so unerträglich hoch ist. Und ausgerechnet an der Stelle, an der man es sich am wenigsten vorstellen möchte, beginnt der Abspann über die Leinwand zu laufen. Es gibt nur ganz wenige Filme, die es wagen, das Publikum so traurig zurückzulassen. Erst einige Zeit nach dem Abspann merkt man, dass man diesem Ende auch etwas Gutes abgewinnen kann. Schließlich kann ein Blick zurück auch ein Blick nach vorn bedeuten. Mehr Weisheit kann ein Film nicht besitzen.

Die Legende der Prinzessin Kaguya lief bereits im November letzten Jahres in den deutschen Kinos. Der Film wurde 2015 in der Kategorie „Bester Animationsfilm“ für den Oscar nominiert. Seit Ende April 2015 findet man die DVD und Blu-ray hierzulande im Handel.

4,5/5 Sterne

Credits: Nihon Media e. V. (2)

Japan-Filmfest Hamburg 2015 – Tag 3

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Japan Filmfest Hamburg 2015 Tag 3

„Trickfilmnation Japan“ lautet das Thema des diesjährigen Japan-Filmfest Hamburg. Daher wurde es an Tag drei höchste Zeit, zumindest zwei der Anime zu sehen. Zugegeben: Die Ghibli-Produktion von Hayao Miyazaki war eine sichere Nummer. Der zweite Anime war dafür erfrischend anders. Aber lest selbst.

Wie der Wind sich hebt (2013)

(Kaze tachinu)

Japan Filmfest Hamburg 2015 Tag 3 Wie der Wind sich hebt 1 Jirô Horikoshi ist seit seiner frühesten Kindheit fasziniert vom Fliegen. Er wuchs Anfang des 20. Jahrhunderts im aufstrebenden Japan auf. Somit erlebte er auch hautnah das verheerende Kantô-Erdbeben 1923 und die anschließende Wirtschaftskrise mit. Doch in den folgenden Jahren des aufsteigenden imperialistischen Japans kann er endlich sein Können als Flugzeugkonstrukteur unter Beweis stellen. Er beginnt, für Mitsubishi zu arbeiten, und steigt mit der Hilfe seines Mentors Kurokawa allmählich auf. Nebenbei trifft er Naoko Satomi wieder, die er bereits beim Erdbeben kennenlernte. Beide verbindet seit ihrer ersten Begegnung eine innige Zuneigung. Als sie sich einige Jahre später wiedertreffen, können sie ihrer Liebe eine Chance geben. Doch Satomi erkrankt an Tuberkulose. Mit viel Hingabe kümmert er sich um sie, ohne seine Arbeit aus dem Blick zu verlieren. Nach unzähligen Rückschlägen gelingt ihm dann endlich der Durchbruch: die Entwicklung des als „Zero“ bekannt gewordenen Trägerjagdflugzeugs Mitsubishi A6M. Es ist ein Meilenstein in der militärisch genutzten Luftfahrt Japans. Aber je erfolgreicher er wird, desto schlechter steht es um Naokos Gesundheit.

Japan Filmfest Hamburg 2015 Tag 3 Wie der Wind sich hebt 2Es gibt wohl kaum einen anderen, der es bei einem „Trickfilm“ in Überlänge so gekonnt schafft, das Publikum von der ersten bis zur letzten Minute zu begeistern. Und genau daher traut es sich auch niemand zu sagen, dass Wie der Wind sich hebt Hayao Miyazakis letzter Film sein wird. Immer wieder liest man: sein wahrscheinlich letzter Film. In der Tat würde sich mit Miyazaki ein Altmeister zurückziehen, der wie kein anderer den japanischen Anime beeinflusst und immer wieder aufs Neue geformt hat. Falls es dennoch sein allerletztes Werk bleiben sollte, hätte er sich mit Wie der Wind sich hebt ein ehrwürdiges Denkmal gesetzt. In fünf Jahren intensiver Arbeit ist ein wunderschön gezeichnetes Porträt eines Mannes entstanden, der sich schon als kleiner Junge fürs Fliegen faszinierte. Für ihn stand dabei nie die Beihilfe zum Krieg im Vordergrund, im Gegenteil. Miyazaki stellt die reine Faszination für Flugzeuge, die er auch privat hegt, und den Traum des Fliegens in den Mittelpunkt. Die schrecklichen Seiten des Krieges klammert er dennoch nicht aus. Seine Haltung zum Krieg wird auch in seinen früheren Werken deutlich. Er zeigt klar die Schattenseiten auf, ohne etwas zu verschleiern. Und doch kann er Jirô als Konstrukteur für Kampfflugzeuge nicht verurteilen. Schließlich wird er nicht vom Kriegsgedanken gesteuert, sondern einzig und allein von seiner Leidenschaft, Flugzeuge zu bauen. Und da es die Zeit erfordert, baut er eben Kampfflugzeuge. Die Geschichte wird mit so viel Gefühl und Detailverliebtheit erzählt, dass man gar nicht anders kann, als Wie der Wind sich hebt als ein weiteres Meisterwerk aus dem Hause Ghibli zu bezeichnen.

Die DVD und Blu-Ray sind bereits in Deutschland erschienen. Wer sich den Film mit der japanischen Tonspur anschaut, kommt in den Genuss, neben den tollen Originalsprechern Passagen auf Deutsch mitzuerleben – inklusive Gesangseinlage.

5/5 Sterne

 

Patema Inverted (2013)

(Sakasama no Patema)

Japan Filmfest Hamburg 2015 Tag 3 Patema Inverted 1Ein Experiment, die Erdanziehungskraft zur Energiegewinnung zu nutzen, geht schief. Das Gravitationsfeld der Erde kehrt sich um, wodurch ein Großteil der Erdoberfläche zerstört wird. Viele Menschen, Tiere, Häuser und andere Objekte fliegen gen Himmel und verschwinden. Einige Jahre später herrscht an der Oberfläche ein totalitäres Regime, das die wenigen Nachfahren der Überlebenden unterdrückt und für seine Zwecke nutzt. Durch Gleichschaltung und die bedingungslose Befolgung der Regeln des Tyrannen Izamura ist das Leben auf der Erde eintönig geworden. Für Age zu eintönig. Er widersetzt sich immer wieder der strikten Ordnung und liebt es, in den Nachthimmel zu schauen. Und das obwohl Sünder in den Himmel fallen. In der Nation Aiga gelten die Bewohner der Nation Aiga als die letzten Menschen im Universum. Doch dann taucht Patema auf. Sie stammt aus dem Untergrund, der sogenannten Gefahrenzone. Von ihrer Neugier getrieben erkundet sie die unterirdischen Tunnelsysteme und fällt in ein Loch. Dadurch gelangt sie in eine Welt, in der alles auf dem Kopf zu stehen scheint. So auch der junge Age, der ihr hilft, nicht weiter in den Himmel zu stürzen. Hand in Hand versuchen sie, Patema in ihre Welt zurückzubringen. Doch schnell kommt der tyrannische Izamura ihnen in die Quere und bringt das junge Mädchen in seine Gewalt. Mit der Hilfe von Porta, der ebenfalls aus der Gefahrenzone stammt, gelingt es Age, Patema zu befreien. Doch der einzige Ausweg führt für den einen nach oben und den anderen nach unten. Ohne sich loszulassen, müssen beide ihre Angst überwinden.

Japan Filmfest Hamburg 2015 Tag 3 Patema Inverted 2Yoshiura Yasuhiro präsentiert mit Patema Inverted ein im wahrsten Sinne des Wortes inverses Anime-Projekt. Es geht um verkehrte Welten, die im Grunde doch gleichherum funktionieren, auch wenn sie ihre eigenen Regeln haben. Das Spiel mit oben und unten wirkt mitunter verwirrend, aber zugleich extrem spannend. Immer wieder ertappt man sich dabei zu prüfen, ob das Bild denn so herum nun richtig ist. Oder müsste er jetzt nicht nach oben beziehungsweise sie nach unten fallen? Diesen Wechsel von Auf und Ab nutzt Yasuhiro auch ganz bewusst bei seinen Kameraeinstellungen aus. Immer wieder dreht inmitten einer Szene das Bild, wodurch zudem eine ganz eigene Dynamik der Komik entsteht. Er spielt mit der menschlichen Orientierung, verwirrt in den richtigen Momenten, um die Spannung weiter voranzutreiben. Die Materie ist an einigen Stellen schwer zu durchdringen, aber durchaus unterhaltsam. Durch die jungen Protagonisten und die klaren Bilder ist der Film auch etwas für jüngere Zuschauer. Der zum Teil fordernde Stoff dürfte aber bei ihnen noch mehr Fragen aufwerfen. Patema Inverted ist ein Anime mit einem interessanten Thema, der über weite Strecken unterhaltsam und spannend ist, den Zuschauer am Ende aber mit ein paar Fragen zurücklässt.

Die deutsche DVD und Blu-Ray können bereits online vorbestellt werden. Sie erscheinen voraussichtlich am 27. November bei uns im Handel.

3,5/5 Sterne

 

Credit: Nihon Media e. V. (4)

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Mehr vom Japan-Filmfest Hamburg 2015:

Eröffnung
Tag 1
Tag 2

Japan-Filmfest Hamburg 2015 – Tag 2

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Japan Filmfest Hamburg 2015 Tag 2

Der zweite Tag auf dem Japan-Filmfest stand ganz im Zeichen der Samurai. Aus koordinativen Gründen hatte ich leider nicht die Möglichkeit, mehr als zwei Filme zu sehen. Aber die hatten es immerhin in sich. Was sich beim Auftakt im positiven und beim Abgang im negativen Sinn versteht.

Rurouni Kenshin (2012)

(Rurôni Kenshin: Meiji kenkaku roman tan)

Japan Filmfest Hamburg 2015 Tag 2 Rurouni Kenshin 1 1878, Japan beginnt, sich unter dem Meiji-Kaiser dem Westen zu öffnen. Es sind turbulente Zeiten, auch für Kenshin Himura (Takeru Satô). Früher ein mordender Samurai, hat sich Kenshin mittlerweile für einen friedvolleren Weg entschieden. Ab sofort zieht er sein Schwert nur noch, um den Schwächeren und Unschuldigen zu helfen. Bei seinem Streifzug durch das Japan der Meiji-Periode trifft er auf Kaoru Kamiya (Emi Takei). Sie ist Ausbilderin in dem Dôjô ihres Vaters in Tokyo und bietet Kenshin an, dort zu bleiben. Als er sich dazu entschließt, läuft sein Leben endlich so, wie er es sich nach all den Jahren des Tötens gewünscht hat. Doch schnell holt ihn seine Vergangenheit ein. In Tokyo treibt ein Mörder sein Unwesen, der Kenshins alten Kämpfernamen „Battôsai“ verwendet. Nach einigen turbulenten Zwischenfällen entschließt er sich dazu, den wahren Täter zu finden. Dabei trifft er auf seine alten Feinde und enthüllt ein gefährliches Komplott.

Keishi Ôtomo ist mit dem ersten Teil der Rurouni-Kenshin-Trilogie ein moderner Samurai-Film mit klassischen Elementen gelungen. Der aufwendigen Produktion, die geschätzte 20 Millionen US-Dollar verschlang, sieht man jeden investierten Yen an. Mit viel Liebe zu schönen Bildern, tollen Kampfszenen und einer gekonnten Kameraarbeit wurde der Film hervorragend inszeniert. Insbesondere die Bildkompositionen mit dem richtigen Blick für Farben und Licht machen ihn zum einem Erlebnis für die Augen. Neben den technischen Finessen besitzt der Film eine spannende Handlung, die sich gekonnt in die Zeit der Meiji-Restauration einbettet, ohne verstaubt zu wirken. Getreu der Kernaussage der Vorlage wurde zudem auf die typischen Blutfontänen verzichtet. Die sympathische Entourage um Hauptcharakter Kenshin trägt ihr Übriges zu einer gelungenen Realverfilmung bei. Lediglich ein Tick mehr Humor und eine deutlichere Abgrenzung zwischen dem mordlüsternen und dem friedvollen Kenshin hätten der Manga-Adaption einen noch feineren Schliff gegeben. Dennoch: Mit seinen 134 Minuten Laufzeit ist der Film zwar lang, aber keinesfalls langweilig. Rurouni Kenshin ist nicht nur ein Muss für jeden Fan der Originalserie, sondern auch für jeden, der Lust auf ein solide gemachtes Historienabenteuer hat, sehenswert. Kein Wunder, dass sich der Verleiher Warner Bros. schnell dazu entschieden hatte, zwei weitere Filme in Auftrag zu geben. Allein der erste Teil spielte über 60 Millionen US-Dollar ein. Für eine japanische Produktion ein beachtliches Ergebnis.

Japan Filmfest Hamburg 2015 Tag 2 Rurouni Kenshin 2Wie so viele andere Filme auch in diesem Jahr auf dem Japan-Filmfest ist Rurouni Kenshin eine Manga-Verfilmung. Die Handlung basiert auf den in den 90er-Jahren veröffentlichten Geschichten von Mangaka Nobohiro Watsuki. Die Serie teilt sich in drei Kapitel, an denen sich auch die Filme orientieren: Tokyo-, Kyoto- und Jinchû-Kapitel. Der zweite und dritte Film Rurouni Kenshin – Kyoto Inferno und Rurouni Kenshin – The Legend Ends laufen ebenfalls auf dem diesjährigen JFFH. Am Sonntag hat jeder noch mal die Möglichkeit, im Studio-Kino ab 14.30 Uhr alle drei Teile hintereinander zu sehen. Eine Kritik zum zweiten Teil folgt von unserer Seite aus dann voraussichtlich am Sonntag.

Der erste Teil der Trilogie ist bereits auf DVD und Blu-Ray in Deutschland erschienen. Es gibt auch eine limitierte Blu-Ray-Edition, die man allerdings nur mit viel Glück für unter 50 Euro bekommt.

4/5 Sterne

 

Samurai of the Dead (2015)

(Shinsengumi obu za deddo)

Japan Filmfest Hamburg 2015 Tag 2 Samurai of the Dead 1 Das Ende der Edo-Zeit rückt näher, als in Kyoto plötzlich ein Zombie aus dem Nichts auftaucht. Gesutaro Kuzuyama (Yûki Himura) und seine Spezialtruppe der Shinsengumi stehen schnell einer wachsenden Horde menschenhungriger Zombies gegenüber. Von ihrer Ehre getrieben, sind sie gewillt, Kyoto zu beschützen und von den Invasoren zu befreien. Der Kampf scheint zunächst aussichtslos, da keiner weiß, wie man dem Problem Herr werden kann. Dank des Fremden Ryôma Sakamoto (Kazushi Watanabe) gelingt es jedoch, mit einem der Zombies zu kommunizieren. Schließlich spricht George (Chad Mullane) Amerikanisch, und Ryôma hat sich durch den Kontakt zu einigen Amerikanern in der Vergangenheit Kenntnisse ihrer Sprache angeeignet. Nichtsdestotrotz eskaliert die Situation. Am Ende heißt es nur noch Samurai gegen die Untoten. Wer da wohl den Kürzeren zieht?

Japan Filmfest Hamburg 2015 Tag 2 Samurai of the Dead 2Oh Mann. Wo fängt man da am besten an? Die Handlung ist sehr übersichtlich und schnell zusammengefasst: Kyoto wird von Zombies überrannt, und die Shinsengumi versucht, sie aufzuhalten. Das ist alles. Selten passiert mal etwas „Unerwartetes“, der Film dümpelt so vor sich hin. Ab und an gibt es mal einen Moment, der zum Lachen animiert, aber leider viel zu selten. Die Erwartungen an den Film sind völlig andere gewesen. Samurai of the Dead spricht keine Genrefans an, da er sich selbst keinem Genre zuordnen lässt. Er ist kein guter Splatter- oder Horrorfilm, dafür gibt es zu wenig Blut und keine Schockmomente. Er ist auch keineswegs ein guter Samurai-Film, und für eine Komödie hat er zu wenige Highlights. Diese Mischung aus allem ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Wer eine unterhaltsame Horrorkomödie erwartet, wird dadurch zwangsläufig enttäuscht. Der einzige Pluspunkt ist die geringe Laufzeit von 72 Minuten – was einem aber während des Films deutlich länger vorkommt. Kazushi Watanabes Werk ist in vielerlei Hinsicht nicht nachvollziehbar und lässt einiges an Potenzial ungenutzt. An zu vielen Stellen wirkt der Film halbherzig umgesetzt. So leid es mir tut, aber damit ist Samurai of the Dead meine erste größere Enttäuschung auf dem diesjährigen Japan-Filmfest.

1/5 Sterne

 

Credits: Nihon Media e. V. (4)

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