Japan-Filmfest Hamburg 2015 – Das Fazit

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Vor genau einer Woche flimmerten die letzten Filme des Japan-Filmfest Hamburg 2015 über die Leinwände. Dieses Jahr konnte ich leider nur neun Filme sehen und rezensieren. Das lag natürlich nicht an den Veranstaltern. Zumindest nicht nur. Doch tatsächlich habe ich im diesjährigen Programmheft einige Filmperlen vermisst, die das JFFH immer zu einem ganz speziellen Erlebnis machen. 2015 standen neben den Anime vor allem Mainstream-Highlights im Mittelpunkt. Das waren – zumindest überwiegend – keine schlechten Filme. Aber wenn ich an das JFFH denke, dann denke ich automatisch an viele verrückte Independent-Produktionen oder auch an mühevoll zusammengesparte Mid-Budget Movies für Genrefans. Wenn es davon wie schon in vielen Jahren zuvor wieder ein bisschen mehr geben würde, wäre ich sehr dankbar.

Und noch eine Sache ist dieses Jahr besonders aufgefallen. Im Fazit zum JFFH 2014 war ich erstaunt darüber, dass es kaum Wiederholungen und dadurch eine größere Filmauswahl gab. Auf der einen Seite sind Wiederholungen super, wenn man einen Film unbedingt schauen will, aber der Zeitpunkt mies ist. Dann nehm ich halt den nächsten Termin war. Auf der anderen Seite ist es aber auch ein schöner Luxus, wenn es so viele Film gibt, dass man sich für die interessantesten entscheiden kann. Vielleicht wäre da ein Mittelweg die Ideallösung. Für meinen Geschmack gab es dieses Jahr etwas zu viele Wiederholungen.

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Aber kommen wir zu den positiven Punkten des diesjährigen Festivals, auch wenn die oben genannten Dinge nicht supernegativ waren. Technisch lief dieses Mal alles rund. Es gab hier und da noch ein paar Zeitverschiebungen, die mit mehr oder weniger Wartezeit vor dem Kinosaal verbunden waren. Doch immerhin gab es keine Startschwierigkeiten beim Abspielen der Filme, was aufgrund der vielen verschiedenen Formate allerdings kein allzu großer Makel wäre. Einzig der Fünfminüter The Akira Project von Nguyen-Anh Nguyen wollte am Eröffnungsabend nicht laufen. Aber auch das löste keine Katastrophe aus, sondern wurde von vielen der Besucher gar nicht wahrgenommen.

Wie im letzten Jahr gibt es auch in diesem Fazit wieder ein kleines Ranking mit den Original-Filmtiteln und Links zu den jeweiligen Artikeln. Außerdem hat jeder Film noch mal ein Mini-Fazit bekommen. Bei Punktgleichstand wurde dennoch eine feste Platzierung bestimmt. Das Ranking beginnt mit dem letzten Platz, in diesem Fall ist das Platz neun.

9. Samurai of the Dead 新選組オブ・ザ・デッド (1/5)

Es war einer der Filme, auf die ich mich am meisten gefreut habe. Und es ging total in die Hose. Die Grundidee war gut, die Umsetzung furchtbar. Die Handlung war lahm, es gab keine Überraschungen und keine Spannung, und für eine Komödie gab es zu wenige Lacher. Insgesamt wirkt Samurai of the Dead wie eine halbherzig inszenierte Betaversion eines Films.

8. Space Battleship Yamato SPACE BATTLESHIP ヤマト (3/5)

Für Science-Fiction-Fans ist es sicher eine Überlegung wert, den Film zu schauen. Es gibt nette digitale Welten zu sehen, eine schöne, wenn auch eindimensionale Story und an den richtigen Stellen ein paar Actioneinlagen. Lediglich der hohe Schnulzfaktor nervt an vielen Stellen und macht einiges kaputt.

7. Live ライヴ (3/5)

Jeder, der Noboru Iguchi kennt, weiß, was man zu sehen bekommt: blutigen Trash mit erotischen Einlagen und deftigem Humor. Live bildet da keine Ausnahme, auch wenn es nicht das kreativste Werk Iguchis ist. Die Handlung und die Charaktere sind aber gewohnt absurd, sodass es Spaß macht, dem Death Game beizuwohnen.

6. Patema Inverted サカサマのパテマ (3,5/5)

Was für eine verdrehte Story. Die Perspektivwechsel von oben nach unten und wieder zurück machen Patema Inverted zu einem erfrischend innovativen Trip zwischen den Welten. Die Handlung hat Tiefgang und ist dadurch auch für ein erwachsenes Publikum interessant. Ab und an verwirrt der Plot jedoch und lässt einige Fragen am Ende offen. Dennoch eine lohnenswerte Alternative zu japanischen Realfilmen.

5. Lupin the 3rd ルパン三世 (3,5/5)

Für einen Eröffnungsfilm war es die perfekte Wahl. Lupin the 3rd spricht dank seines Genres ein breites Publikum an. Die Gaunerkomödie arbeitet mit vielen klassischen Elementen, ohne die Moderne außen vor zu lassen. Der Film liefert, was er verspricht: ein unterhaltsames Abenteuer.

4. Rurouni Kenshin るろうに剣心 (4/5)

Diesem Film sieht man sein Budget zweifelsohne an. Dank Warner Bros. konnte sich Keishi Ôtomo filmisch richtig austoben. Und bekam dank des Erfolgs sogar grünes Licht für zwei weitere Teile. Der erste Teil liefert einwandfreie Bilder und eine spannende Story. Da kann man auch mal über kleinere Makel hinwegsehen. Rurouni Kenshin ist nicht nur für Samurai-Freunde und Fans der Manga-Vorlage interessant.

3. Shield of Straw – Die Gejagten 藁の楯 (4,5/5)

Regiewunder Takashi Miike meldet sich zum Dienst. Dieses Mal mit einem Polizeithriller, der vor allem für den Mainstream geschaffen wurde. Handwerklich ist die Roman-Adaption rundum gelungen, und auch inhaltlich ist Shield of Straw nie langweilig. Über das Ende kann man sich streiten, aber bis dahin sind zwei Stunden Spannung garantiert.

2. Die Legende der Prinzessin Kaguya かぐや姫の物語 (4,5/5)

Nur äußerst selten schafft es ein so trauriger, aber gleichzeitig lebensbejahender Film, über eine Länge von mehr als zwei Stunden nicht in die Kitschecke abzudriften. Das Auf und Ab der Emotionen der jungen Prinzessin wurde herzzerreißend in wunderschön gezeichneten Bildern inszeniert. Man merkt dem Film die lange Laufzeit zwar an, langweilig wird er aber nicht.

1. Wie der Wind sich hebt 風立ちぬ (5/5)

Die Nummer eins in diesem Jahr spiegelt das diesjährige Thema „Trickfilmnation Japanwie kein anderer Film aus dem Programm wider. Der japanische Anime-Meister schlechthin, Hayao Miyazaki, hat eine Geschichte geschaffen, die einzig dem Traum eines ambitionierten jungen Mannes folgt. Eine intelligente Geschichte mit offener Kritik und völliger Hingabe. In gewohnter Perfektion fliegen die Bilder in etwas mehr als zwei Stunden nur so über die Leinwand. Die Leidenschaft ist in jedem einzelnen zu sehen. Wie der Wind sich hebt ist von vorn bis hinten ein Meisterwerk der Trickfilmkunst, das sich erhobenen Hauptes in die Reihe der anderen Miyazaki-Filme einreihen kann.

Ab jetzt heißt es wieder: warten. Ich bin gespannt, was auf dem 17. Japan-Filmfest Hamburg im nächsten Jahr auf dem Programm stehen wird. Bis dahin: mata ne, liebe Japan-Filmfans!