Japan-Filmfest Hamburg 2015 – Tag 2

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Japan Filmfest Hamburg 2015 Tag 2

Der zweite Tag auf dem Japan-Filmfest stand ganz im Zeichen der Samurai. Aus koordinativen Gründen hatte ich leider nicht die Möglichkeit, mehr als zwei Filme zu sehen. Aber die hatten es immerhin in sich. Was sich beim Auftakt im positiven und beim Abgang im negativen Sinn versteht.

Rurouni Kenshin (2012)

(Rurôni Kenshin: Meiji kenkaku roman tan)

Japan Filmfest Hamburg 2015 Tag 2 Rurouni Kenshin 1 1878, Japan beginnt, sich unter dem Meiji-Kaiser dem Westen zu öffnen. Es sind turbulente Zeiten, auch für Kenshin Himura (Takeru Satô). Früher ein mordender Samurai, hat sich Kenshin mittlerweile für einen friedvolleren Weg entschieden. Ab sofort zieht er sein Schwert nur noch, um den Schwächeren und Unschuldigen zu helfen. Bei seinem Streifzug durch das Japan der Meiji-Periode trifft er auf Kaoru Kamiya (Emi Takei). Sie ist Ausbilderin in dem Dôjô ihres Vaters in Tokyo und bietet Kenshin an, dort zu bleiben. Als er sich dazu entschließt, läuft sein Leben endlich so, wie er es sich nach all den Jahren des Tötens gewünscht hat. Doch schnell holt ihn seine Vergangenheit ein. In Tokyo treibt ein Mörder sein Unwesen, der Kenshins alten Kämpfernamen „Battôsai“ verwendet. Nach einigen turbulenten Zwischenfällen entschließt er sich dazu, den wahren Täter zu finden. Dabei trifft er auf seine alten Feinde und enthüllt ein gefährliches Komplott.

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Keishi Ôtomo ist mit dem ersten Teil der Rurouni-Kenshin-Trilogie ein moderner Samurai-Film mit klassischen Elementen gelungen. Der aufwendigen Produktion, die geschätzte 20 Millionen US-Dollar verschlang, sieht man jeden investierten Yen an. Mit viel Liebe zu schönen Bildern, tollen Kampfszenen und einer gekonnten Kameraarbeit wurde der Film hervorragend inszeniert. Insbesondere die Bildkompositionen mit dem richtigen Blick für Farben und Licht machen ihn zum einem Erlebnis für die Augen. Neben den technischen Finessen besitzt der Film eine spannende Handlung, die sich gekonnt in die Zeit der Meiji-Restauration einbettet, ohne verstaubt zu wirken. Getreu der Kernaussage der Vorlage wurde zudem auf die typischen Blutfontänen verzichtet. Die sympathische Entourage um Hauptcharakter Kenshin trägt ihr Übriges zu einer gelungenen Realverfilmung bei. Lediglich ein Tick mehr Humor und eine deutlichere Abgrenzung zwischen dem mordlüsternen und dem friedvollen Kenshin hätten der Manga-Adaption einen noch feineren Schliff gegeben. Dennoch: Mit seinen 134 Minuten Laufzeit ist der Film zwar lang, aber keinesfalls langweilig. Rurouni Kenshin ist nicht nur ein Muss für jeden Fan der Originalserie, sondern auch für jeden, der Lust auf ein solide gemachtes Historienabenteuer hat, sehenswert. Kein Wunder, dass sich der Verleiher Warner Bros. schnell dazu entschieden hatte, zwei weitere Filme in Auftrag zu geben. Allein der erste Teil spielte über 60 Millionen US-Dollar ein. Für eine japanische Produktion ein beachtliches Ergebnis.

Japan Filmfest Hamburg 2015 Tag 2 Rurouni Kenshin 2Wie so viele andere Filme auch in diesem Jahr auf dem Japan-Filmfest ist Rurouni Kenshin eine Manga-Verfilmung. Die Handlung basiert auf den in den 90er-Jahren veröffentlichten Geschichten von Mangaka Nobohiro Watsuki. Die Serie teilt sich in drei Kapitel, an denen sich auch die Filme orientieren: Tokyo-, Kyoto- und Jinchû-Kapitel. Der zweite und dritte Film Rurouni Kenshin – Kyoto Inferno und Rurouni Kenshin – The Legend Ends laufen ebenfalls auf dem diesjährigen JFFH. Am Sonntag hat jeder noch mal die Möglichkeit, im Studio-Kino ab 14.30 Uhr alle drei Teile hintereinander zu sehen. Eine Kritik zum zweiten Teil folgt von unserer Seite aus dann voraussichtlich am Sonntag.

Der erste Teil der Trilogie ist bereits auf DVD und Blu-Ray in Deutschland erschienen. Es gibt auch eine limitierte Blu-Ray-Edition, die man allerdings nur mit viel Glück für unter 50 Euro bekommt.

4/5 Sterne

 

Samurai of the Dead (2015)

(Shinsengumi obu za deddo)

Japan Filmfest Hamburg 2015 Tag 2 Samurai of the Dead 1 Das Ende der Edo-Zeit rückt näher, als in Kyoto plötzlich ein Zombie aus dem Nichts auftaucht. Gesutaro Kuzuyama (Yûki Himura) und seine Spezialtruppe der Shinsengumi stehen schnell einer wachsenden Horde menschenhungriger Zombies gegenüber. Von ihrer Ehre getrieben, sind sie gewillt, Kyoto zu beschützen und von den Invasoren zu befreien. Der Kampf scheint zunächst aussichtslos, da keiner weiß, wie man dem Problem Herr werden kann. Dank des Fremden Ryôma Sakamoto (Kazushi Watanabe) gelingt es jedoch, mit einem der Zombies zu kommunizieren. Schließlich spricht George (Chad Mullane) Amerikanisch, und Ryôma hat sich durch den Kontakt zu einigen Amerikanern in der Vergangenheit Kenntnisse ihrer Sprache angeeignet. Nichtsdestotrotz eskaliert die Situation. Am Ende heißt es nur noch Samurai gegen die Untoten. Wer da wohl den Kürzeren zieht?

Japan Filmfest Hamburg 2015 Tag 2 Samurai of the Dead 2Oh Mann. Wo fängt man da am besten an? Die Handlung ist sehr übersichtlich und schnell zusammengefasst: Kyoto wird von Zombies überrannt, und die Shinsengumi versucht, sie aufzuhalten. Das ist alles. Selten passiert mal etwas „Unerwartetes“, der Film dümpelt so vor sich hin. Ab und an gibt es mal einen Moment, der zum Lachen animiert, aber leider viel zu selten. Die Erwartungen an den Film sind völlig andere gewesen. Samurai of the Dead spricht keine Genrefans an, da er sich selbst keinem Genre zuordnen lässt. Er ist kein guter Splatter- oder Horrorfilm, dafür gibt es zu wenig Blut und keine Schockmomente. Er ist auch keineswegs ein guter Samurai-Film, und für eine Komödie hat er zu wenige Highlights. Diese Mischung aus allem ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Wer eine unterhaltsame Horrorkomödie erwartet, wird dadurch zwangsläufig enttäuscht. Der einzige Pluspunkt ist die geringe Laufzeit von 72 Minuten – was einem aber während des Films deutlich länger vorkommt. Kazushi Watanabes Werk ist in vielerlei Hinsicht nicht nachvollziehbar und lässt einiges an Potenzial ungenutzt. An zu vielen Stellen wirkt der Film halbherzig umgesetzt. So leid es mir tut, aber damit ist Samurai of the Dead meine erste größere Enttäuschung auf dem diesjährigen Japan-Filmfest.

1/5 Sterne

 

Credits: Nihon Media e. V. (4)

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