Wolfgang Petersen tot

Wolfgang Petersen am Set von Poseidon (2006) © Warner Bros. Pictures

Quelle: Deadline

Einer der international erfolgreichsten und berühmtesten deutschen Filmemacher ist von uns gegangen. Wolfgang Petersen, Regisseur des oscarnominierten Kriegsfilm-Klassikers Das Boot sowie zahlreicher Hollywood-Blockbuster wie Der Sturm und Air Force One, ist vergangenen Freitag in Brentwood, Los Angeles in den Armen seiner Ehefrau Maria-Antoinette Borgel-Petersen an Bauchspeicheldrüsenkrebs gestorben. Er war 81 Jahre alt.

Der in Emden geborene Filmemacher drehte bereits während der Schulzeit seine ersten Filme mit einer 8-mm-Kamera. Am Jungen Theater in Hamburg inszenierte er später einige Kinderaufführungen. Nachdem er erst eine Schauspielschule besucht und ab 1965 Theaterwissenschaften in Berlin und Hamburg studiert hatte, wechselte er 1966 an die Deutsche Film- und Fernsehakademie in Berlin. Während seiner Studienzeit drehte er einige Kurzfilme und arbeitete nebenbei als Theaterregisseur in Hamburg.

Anfang der Siebziger machte sich Petersen einen Namen als "Tatort"-Regisseur. Insgesamt inszenierte er von 1971 bis 1977 sechs Teile der Krimireihe. Sein letzter "Tatort"-Beitrag, "Reifezeugnis" mit Nastassja Kinski, gilt als eine der bekanntesten, erfolgreichsten und meistwiederholten Folgen der gesamten Reihe.

Mit dem Thriller Einer von uns beiden brachte Petersen 1974 seinen ersten Film in die Kinos. Jürgen Prochnow, mit dem er später seinen Klassiker Das Boot drehte, spielte darin eine der Hauptrollen. Umstritten war Petersens nächster Kinofilm Die Konsequenz, der wegen seiner Darstellung homosexueller Themen 1977 einen Skandal auslöste.

Petersens fulminanter Durchbruch kam mit seinem U-Boot-Drama Das Boot, das 1981 angelaufen ist und weltweit für Begeisterung sorgte. Bis heute ist Das Boot der umsatzstärkste deutsche Film in den USA. Weil der Film nicht als Deutschlands Kandidat für den Auslands-Oscar eingereicht wurde, konnte er in der entsprechenden Kategorie nicht nominiert werden, erhielt aber sechs Oscarnominierungen in anderen Kategorien, darunter zwei für Petersen als Regisseur und Drehbuchautor. Es bleibt bis heute der meistnominierte deutsche Film bei den Oscars. Neben einer zweieinhalbstündigen Kinofassung ist eine sechsstündige Version des Films als Miniserie erschienen. Aus beiden Versionen hat Petersen 1997 einen Director’s Cut von 208 Minuten Laufzeit zusammengeschnitten und wieder in den Kinos veröffentlicht. Heute gilt Das Boot nicht nur als ein Klassiker des deutschen Kinos, sondern auch als einer der besten Kriegsfilme überhaupt. Sky produziert seit 2018 eine Sequelserie zu dem Film, deren vierte Staffel inzwischen bestellt wurde.

Nach dem Erfolg von Das Boot standen Petersen viele Türen in Hollywood offen. Mit Die unendliche Geschichte (OT: The Neverending Story) ist 1984 sein erster englischsprachiger Film erschienen. Die Adaption von Michael Endes Kinderbuchklassiker war eine deutsch-US-amerikanische-Co-Produktion, produziert von Bernd Eichinger. Der Kassenerfolg des Films zog zwei Fortsetzungen nach sich, beide ohne Petersens Beteiligung.

Nach Die unendliche Geschichte zog es Petersen endgültig nach Hollywood. Seine ersten beiden US-Filme Enemy Mine – Geliebter Feind und Tod im Spiegel (OT: Shattered) erhielten ursprünglich wenig Beachtung, wobei Enemy Mine heutzutage als Kultfilm gilt. Hollywood setzte jedoch weiter auf Petersen und mit In the Line of Fire – Die zweite Chance mit Clint Eastwood folgte 1993 sein erster großer US-Hit. Danach etablierte sich Petersen neben Roland Emmerich als einer der größten deutschen Hollywood-Exporte. Er drehte in den Neunzigern die Kinohits Outbreak – Lautlose Killer und Air Force One.

2000 kehrte er mit dem auf einer wahren Geschichte basierten Katastrophenfilm Der Sturm (OT: The Perfect Storm) zum Wasser zurück. Der Sturm wurde zu Petersens bis dahin größtem Kassenhit und kurz darauf wurde der Regisseur von Warner Bros. für die Comicverfilmung Batman vs. Superman verpflichtet, die 2004 in die Kinos kommen sollte, mehr als zehn Jahre bevor Zack Snyder die beiden DC-Superhelden auf der Leinwand gegeneinander antreten ließ. Vor einigen Jahren sind Details zum düsteren Plot des Films herausgekommen, in dem Clark Kent und Lois Lane geschieden sind, und Charaktere wie Alfred, Gordon und Dick Grayson tot und Bruce Wayne als Batman seit fünf Jahren im Ruhestand bis seine Ehefrau vom Joker getötet wird. Trotz konkreter Pläne zum Drehbeginn 2003 entschied sich Warner kurzfristig gegen den Film, um stattdessen separate Superman- und Batman-Filme zu produzieren.

Petersen blieb jedoch bei Warner und drehte für das Studio das Historienepos Troja (OT: Troy) mit Brad Pitt und Eric Bana, das auf dem Höhepunkt des durch Gladiator ausgelösten Welle von Sandalenfilmen entstanden ist. Mit einem weltweiten Einspiel von fast einer halben Milliarde US-Dollar wurde Troja zum erfolgreichsten Film von Petersens Karriere.

Ein letztes Mal tobte sich Petersen 2006 in Gewässern aus und drehte Poseidon, das Remake des 1972-Katastrophenfilms Die Höllenfahrt der Poseidon. Der mit Kurt Russell und Richard Dreyfuss besetzte Film floppte jedoch an den Kinokassen und spielte bei einem Produktionsbudget von $160 Mio lediglich $182 Mio ein.

Obwohl Petersen in den Jahren darauf im Gespräch für die Filmadaption von Orson Scott Cards "Das große Spiel" (OT: "Ender’s Game"), die Verfilmung von John Scalzis "Krieg der Klone (OT: "Old Man’s War") und die Realadaption des Animes Paprika war, drehte er nach Poseidon keinen Hollywood-Film mehr. Für seine letzte Regiearbeit kehrte er zehn Jahre nach Poseidon zu seinen Wurzeln nach Deutschland zurück und inszenierte das Remake seines 1976-Fernsehfilms Vier gegen die Bank als Kinofilm mit Til Schweiger, Matthias Schweighöfer, Michael Bully Herbig und Jan Josef Liefers.