Spider Man MCU

© 2019 Sony Pictures/Marvel Studios

Quelle: Deadline

Es war ein großer Coup für beide Seiten, doch der Traum ist jetzt scheinbar vorbei. Spider-Man muss das MCU möglicherweise verlassen, nachdem er in drei Ensemble-Filmen und zwei Solo-Abenteuern Seite an Seite mit Tony Stark, Nick Fury und den Avengers gekämpft hat. Der Grund dafür ist natürlich das liebe Geld.

Als vor viereinhalb Jahren die Zusammenarbeit zwischen Marvel Studios und Sony, den Rechteinhabern an den Charakteren aus dem Spider-Man-Universum, angekündigt wurde, war die Aufregung groß. Das Spider-Man-Franchise befand sich nach The Amazing Spider-Man 2 bei Sony an ihrem kommerziellen und qualitativen Tiefpunkt. Die Kooperation war ein Segen für alle Beteiligten. Marvel durfte einen der beliebtesten Comichelden aller Zeiten endlich nutzen und Sony hatte plötzlich einen Charakter, der wieder extrem beliebt war und zudem Teil des erfolgreichsten Mega-Franchises aller Zeiten. Eine Win/Win-Situation für alle, würde man meinen. Disney und Marvel durftel Spider-Man in eigenen Filmen nutzen und Sony produzierte dafür gemeinsam mit Marvel (aber ohne Disney!) Solo-Filme, von denen sie den Löwenanteil des Umsatzes behalten durften.

Der Vertrag über die Zusammenarbeit war jedoch nicht unbefristet. Darunter fielen vorerst nur zwei Solo-Filme mit dem Spinnenmann. Als Spider-Man: Far From Home in die Kinos kam, wurde berichtet, dass laut der vertraglichen Vereinbarung zwischen Sony und Disney der Film mindestens eine Milliarde US-Dollar weltweit einspielen musste, damit die Figur weiterhin im MCU bleibt. Das hat Far From Home spielend geschafft und wurde kürzlich mit mehr als $1,1 Mrd Einspiel sogar zum größten Kinohit in Sonys Geschichte. Eigentlich sollten doch alle Parteien damit zufrieden sein, sich gegenseitig auf die Schulter klopfen und weitermachen.

Doch leider funktioniert das Geschäft so nicht. Das Industrie-Portal Deadline berichtet, dass die Verhandlungen über die weitere Zusammenarbeit zwischen Disney und Sony keine Einigung erzielen konnten. Damit sind Kevin Feige und Marvel Studios als Produzenten der Spider-Man-Filme raus und das bedeutet wiederum, dass der Charakter nicht länger Teil des MCU sein kann.

Laut Deadline verlangte Disney eine größere Beteiligung an den künftigen Spider-Man-Filmen. Bislang sah die Vereinbarung vor, dass Sony die Filme selbst finanziert und Disney und Marvel dafür 5% vom Gesamteinspiel bekommen. Disney bestand aber darauf, die Finanzierung und die Einnahmen 50/50 aufzuteilen. Sony war nicht willens, das erfolgreichste Franchise des Studios mit der Konkurrenz zu teilen und lehnte direkt ab. Laut Insidern aus dem Studio wurden Disney Gegenangebote unterbreitet, doch Disney lehnte diese kategorisch ab. Das Ergebnis: Alle verlieren.

Zugleich wird berichtet, dass Sony bereits zwei weitere Spider-Man-Filme mit Tom Holland und Jon Watts als Regisseur plant, auch wenn dies noch nicht offiziell angekündigt wurde. Diese würden dann ohne Kevin Feiges und Marvels Beteiligung entstehen, was wiederum nahelegt, dass sie außerhalbn des MCU spielen.

Wenn ich an dieser Stelle etwas unprofessionell werden darf: Wie bescheuert wäre das denn?! Disney war vielleicht etwas gierig, aber ist Sony nicht klar, dass der Erfolg der letzten Spider-Man-Filme einzig und alleine der Tatsache zu verdanken war, dass Marvel mitgemischt hat? Hat das Studio bereits vergessen, was mit The Amazing Spider-Man passiert ist, als sie es zuletzt im Alleingang versuchten? Und wie soll das jetzt eigentlich funktionieren? Werden Tony Stark, Nick Fury und alle anderen MCU-Charaktere, mit denen Spider-Man Kontakt hatte, ab jetzt konsequent ignoriert und nie wieder erwähnt? Werden die Avengers ihn einfach nie wieder kontaktieren? Für die Liebesgeschichte zwischen Happy und Tante May sieht es natürlich auch finster aus, denn Happy gehört ins MCU und Disney wird nach dem Debakel sicherlich kein Sonderrecht für die Verwendung der Figur an Sony verleihen.

Immerhin erklärt diese Entwicklung, weshalb Kevin Feige bei der Comic-Con in San Diego den nächsten Spider-Man-Film mit keinem Wort erwähnte, obwohl Far From Home mit einem riesigen Cliffhanger endete, der weitreichende Konsequenzen für den nächsten Film haben wird. Spider-Man wird darin zu Beginn in Schwierigkeiten sein. Könnte er sich vielleicht an Nick Fury oder seine Avengers-Kollegen wenden und sie um Hilfe bitten?! Ach ja, geht ja jetzt nicht mehr.

Es gibt immerhin einen Silberstreifen. Laut io9 beteuert ein Sony-Vertreter, dass er vor allem um einen Produzenten-Credit bei den Filmen geht und die Verhandlungen noch laufen würden. Ich hoffe inständig, dass die Parteien zur Vernunft kommen und am Verhandlungstisch bleiben. Langfristig hat Sony bei der Sache jedoch deutlich mehr zu verlieren als Disney.