Solo 2 definitiv nicht in Arbeit, aber auch nicht ausgeschlossen laut Ron Howard

Alden Ehrenreich in Solo: A Star Wars Story © 2018 Lucasfilm/Walt Disney Pictures

Quellen: Lights, Camera, Barstool, Jon Kasdan Twitter, Esquire

Die von Disney produzierten Star-Wars-Filme haben, mit der Ausnahme von Rogue One, die Fangemeinde stark polarisiert, sorgten aber für enorme Einspielergebnisse. Das Erwachen der Macht spielte weltweit mehr als 2 Milliarden US-Dollar ein, drei weitere Filme jeweils mehr als eine Milliarde. Die deutlich hervorstechende Ausnahme war dabei das Spin-Off Solo: A Star wars Story, das gezeigt hat, dass es auch bei einer Marke wie Star Wars Grenzen gibt, wofür die Leute bereit sind, ins Kino zu gehen. Der Film spielte rund $393 Mio ein. das ist heutzutage eigentlich für jeden Franchise-Blockbuster recht wenig, für einen Film, der rund $275-300 Mio kostete, finanziell jedoch wirklich schlecht. Anders kann man es nicht ausdrücken.

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Solo musste von Anfang an etliche Hürden überwinden. Die größte davon war natürlich, die Fans mit einer Neubesetzung der durch Harrison Ford ikonisch gemachten Rolle warm werden zu lassen. Eigentlich eine nahezu aussichtsloses Unterfangen, auch wenn Hauptdartsteller Alden Ehrenreich wirklich sein Bestes getan hat. Die richtigen Probleme kamen jedoch beim Dreh. Lucasfilm und Disney wurden zunehmend unzufriedener mit der Arbeit der angeheuerten Regisseure Christopher Miller und Phil Lord (The LEGO Movie), die den Film zu sehr in Richtung einer Komödie lenkten und stark auf Improvisation setzten. Disney feuerte sie dreieinhalb Wochen vor Drehende, und engagierte Oscarpreisträger Ron Howard (A Beautiful Mind), der für Lucasfilm rund drei Jahrzehnte zuvor Willow gedreht hat, als kurzfristigen Ersatz. Howard drehte etwa 70% des Materials neu und hat den Film so massiv überarbeitet, dass er am Ende als alleiniger Regisseur genannt wurde. Die Generalüberholung. die auch zur Neubesetzung der Bösewichtsrolle durch Paul Bettany (von Michael K. Williams) führte, ließ die bereits hohen Produktionskosten regelrecht explodieren und warf zudem kein so gutes Licht auf die Produktion.

Was der Vorfreude auf Solo jedoch noch mehr geschadet hat, war der ein halbes Jahr zuvor veröffentlichte Star Wars – Die letzten Jedi, der sehr viele Star-Wars-Fans vor den Kopf gestoßen hat und große Zweifel an Disneys Ausrichtung des Franchises weckte. Als Solo im Mai 2018 in die Kinos kam, zahlte er dafür den Preis. Der Hype war kaum spürbar und der Film wurde zu einem Verlustgeschäft. Was jedoch nicht heißt, dass er keine Fans hatte, denn diejenigen, die den Film gesehen haben, mochten ihn größtenteils. Wie man von Howard auch nicht anders erwarten würde, riskierte Solo: A Star Wars Story nicht viel, sondern war einfach ein recht klassisches, altmodisches Star-Wars-Abenteuer. Auch wenn nicht alles an dem Film begeistert hat, kann man einige Highlights nicht vor der Hand weisen, wie Donald Glovers makellose Performance als junger Lando Calrissian oder die überraschende Enthüllung von Darth Maul als Drahtzieher am Ende des Films, die definitiv der Aufhänger für das potenzielle Sequel war.

Da jedoch der Kassenerfolg in Hollywood diktiert, was fortgesetzt wird, und was nicht, standen die Chancen von Solo 2 natürlich schlecht. Nachdem mehr Zuschauer den Film im Heimkino entdeckt haben, wurden #MakeSolo2Happen-Kampagnen gestartet, mit der Hoffnung, dass es vielleicht zumindest bei Disney+ Platz für eine Fortsetzung geben könnte. Im Frühjahr hat Jonathan Kasdan, einer der Autoren des Films, diese Hoffnung jedoch augenscheinlich gedämpft, als er auf Nachfrage hin verlauten ließ, dass er Solo 2 aktuell in keiner Form für denkbar halte: (ausddem Englischen)

Ich denke nicht, dass irgendjemand aktuell an einem Solo-Sequel arbeitet. Ich denke, ein Film würde sich schlecht verkaufen, und das Star-Wars-Programm bei Disney+ ist wirklich ziemlich voll, alles Serien, auf die ich mich freue.

https://twitter.com/JonKasdan/status/1244766714492891138

Kasdan arbeitet aktuell an einer "Willow"-Sequelserie für Lucasfilm und Disney+, produziert vom Originalregisseur Ron Howard. Howard selbst hat erst diesen Monat bestätigt, dass Solo 2 aktuell definitiv nicht entwickelt wird, war jedoch definitiv optimistischer als Kasdan, was die Chancen des Films in Zukunft angeht:

Keine Gespräche, aber, und das ist kein Spoiler oder so, ich denke, dass es Interesse an diesen Charakteren gibt. Ich denke, es wird irgendwann Interesse an der Gangsterwelt geben. Aber ich kann versichern, dass aktuell nichts entwickelt wird, weder als Kinofilm noch für Disney+. Aber, was großartig ist, ist die Liebe, die Solo entgegengebracht wird, und natürlich ist das ein gutes Zeichen für sie, die Meinung zu ändern.

Bevor George Lucas Lucasfilm an Disney verkauft hat, plante er selbst die erste "Star Wars"-Realserie mit dem Titel "Star Wars: Underworld", die von der kriminellen Unterwelt des Star-Wars-Universums handeln sollte. Dutzende Drehbücher wurden bereits geschrieben und sogar Testaufnahmen angefertigt, doch mit der Übernahme von Lucasfilm durch Disney, wurde die Serie verworfen. Solo war der erste Film aus dem Franchise, der diese Ecke der weit, weit entfernten Galaxis ausführlicher thematisierte, und spätestens der finale Teaser mit Darth Maul weckte bei vielen die Neugier, mehr davon zu sehen. Hat man nämlich die "Star Wars"-Animationsserien bis dahin nicht mitverfolgt und kannte nur die Filme, so dürfte man von Mauls augenscheinlicher Wiederauferstehung von den Toten sehr überrascht gewesen sein.

Doch könnte Solo 2 wirklich irgendwann kommen? Ich zweifle daran, jedenfalls was eine irgendwie geartete direkte Fortsetzung betrifft. Dafür hat der erste Film einfach zu viel Geld verloren, und als Reaktion darauf stoppte das Studio sogar die Entwicklung aller weiteren Spin-Off-Filme, um einen Star-Wars-Overkill zu vermeiden und Erfolgsaussichten besser abzuwägen. Andererseits wurde dieser Jahr auch die Fertigstellung des Snyder Cuts von Justice League bewilligt, etwas, was ich vor einem Jahr auch noch für sehr unwahrscheinlich hielt, da der Film ebenfalls an den Kinokassen floppte. Ich weiß, dass es natürlich nicht dasselbe ist, da das gedrehte Material in dem Fall bereits größtenteils vorlag, doch der Triumph der Snyder-Fans hat gezeigt, dass unermüdliche Kampagnen der Fans doch etwas bewirken können, wenn das Studio überzeugt wird, dass eine große Fangemeinde da draußen existiert. Lediglich aus diesem Grund würde ich eine Fortführung nicht ganz abschreiben. Es kann auch sein, dass nur einige Elemente aus dem Film in anderen Geschichten, ob als Film oder Serie, wiederverwertet werden, wie beispielsweise Glover als Lando.

Doch was sagt der junge Han Solo selbst dazu? Ehrenreich kündigte im Sommer seine Bereitschaft an, zur Rolle zurückzukehren, wenn es erzählerisch Sinn ergibt. Aber auch er beteuerte, dass aktuell nichts konkret geplant sei:

Es kommt darauf an, was es ist. Es hängt davon ab, wie es gemacht wird. Es hängt davon ab, ob es sich organisch für die Geschichte anfühlt.[…]

Ich weiß nichts darüber. Ich meine, ich denke, unser Film war gewissermaßen der letzte der konventionellen Ära der Star-Wars-Filme. Ich habe eeeeeetwas gehört, aber nichts Konkretes.

Ehrenreich erklärte, dass ihm der erste Film drei Jahre seines Lebens kostete, sodass es keine einfache Überlegung sei, so etwas noch einmal zu machen, insbesondere verbunden mit dem ganzen Druck und den Erwartungen seitens der Fans bei einer so ikonischen Rolle. Er adressierte auch die negative Presse zu dem Film:

[…] Dieser Film war nicht so erfolgreich wie andere Star-Wars-Filme, aber er hat trotzdem gut für (irgend)einen Film abgeschnitten. Also war er es so ein Mittelding. Aber das ist keiner News wert. Sogar beim hochwertigen Journalismus gibt es manchmal diesen starken Druck, etwas zu katastrophisieren oder zu feiern.

An dieser Stelle muss ich einfach wiedersprechen, denn wenn ein Film $300 Mio kostet (ohne Marketingausgaben), aber weniger als $400 Mio einspielt, wovon weltweit bestenfalls die Hälfte an das Studio zurückgeht, ist es eine reine Frage der Mathematik. Der Film hat nicht nur gemessen an hohen Star-Wars-Erwartungen enttäuschend abgeschnitten, sondern war schlicht und ergreifend ein finanzielles Minusgeschäft.

Wünscht Ihr Euch Solo 2?

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