Der dunkle Turm Mike Flanagan

© Donald M. Grant, Publisher, Inc.

Quelle: SYFY Wire

Stephen King gilt unumstritten als einer der besten, kreativsten und erfolgreichsten Horror-Schriftsteller aller Zeiten. Die filmischen Adaptionen seiner Werke, insbesondere im Horrorbereich, hatten leider, nun ja, eher wechselnden Erfolg. Natürlich gab es auch Perlen wie den ersten Carrie oder Stanley Kubricks Shining (auch wenn King selbst das beim letzteren ganz anders sieht), doch lange Zeit gelang es den meisten Verfilmungen von Kings Vorlagen nicht, die unheimliche Gänsehaut-Atmosphäre und die tiefergehenden Themen der ihnen zugrundeliegenden Romane und Kurzgeschichten einzufangen.

Die letzten Jahre waren jedoch eine gute Zeit für viele Fans von Stephen King, denn endlich schien Hollywood die Essenz von Kings Werk begriffen zu haben. Es begann mit der ambitionierten zweiteiligen Adaption von Kings "Es", und setzte sich u. a. einem größtenteils gelungenen Friedhof-der-Kuscheltiere-Remake und den Serienadaptionen "The Outsider", "Mr. Mercedes" und der aktuell laufenden neuen "The Stand"-Miniserie fort, ganz zu schweigen von der Anthologie-Serie "Castle Rock", die neue Geschichten rund um Motive und Figuren aus dem King-Universum gesponnen hat. Filmadaptionen von Kings "Das Mädchen" und "Der Buick" sind aktuell geplant ebenso wie Neuverfilmungen von Der Feuerteufel und Brennen muss Salem.

Kurz bevor das erste Es-Kapitel in die Kinos kam, wurde leider eine besonders enttäuschende Adaption einer Vorlage von Stephen King veröffentlicht. Ausgerechnet sein Magnum Opus, die achtteilige Romanreihe "Der dunkle Turm", die die Genres Western, Horror, Science-Fiction und Fantasy in sich vereint und zahllose Zusammenhänge mit Kings Gesamtwerk aufweist, erhielt 2017 nach jahrelanger fruchtloser Planung eine leider sehr belanglose PG-13-Adaption, die trotz guter Hauptdarsteller (Idris Elba als Revolverheld Roland Deschain und Matthew McConaughey als sein Widersacher, der Mann in Schwarz) nichts von der Komplexität oder der Atmosphäre der Vorlage hatte. Insbesondere nach einer so langen Entwicklungsphase, in der u. a. mal Ron Howard als Regisseur gesetzt war und eine ambitionierte Adaption aus mehreren Filmen und sich daran anschließender Serie geplant war, war ein 95-minütiger, völlig austauschbarer Sci-Fi-Western nicht das, was die Romane verdient hätten. King selbst merkte an, dass der Film ein R-Rating gebraucht hätte, und Produzent Ron Howard gab zu, dass der Film mehr Horrorelemente hätte haben sollen, doch auch das hätte nicht seine zahlreichen weiteren Probleme gelöst.

Es wird zwar immer wieder gerne über Reboots und Remakes geschimpft, doch wenn eins von Kings Werken einen neuen Anlauf verdient hätte, dann wäre es "Der dunkle Turm". Und es gibt zumindest einen sehr talentierten Filmemacher, der großes Interesse daran hätte. Mike Flanagan hat als Regisseur von Netflix' Das Spiel (OT: Gerald’s Game) und dem Shining-Sequel Doctor Sleeps Erwachen bewiesen, dass er ein gutes Gespür dafür hat, was Kings Werke ausmacht. Mit seiner Netflix-Serie "Spuk in Hill House" und deren Nachfolger "Spuk in Bly Manor" hat Flanagan seinen Status als großer neuer Horrormeister zementiert. Als er in einem Interview gefragt wurde, welche King-Vorlage er am liebsten künftig adaptieren würde, war seine Antwort eindeutig: (aus dem Englischen)

Ich habe die Antwort, die die meisten Stephen-King-Fans haben würden. "Der dunkle Turm" wird immer die Geschichte sein, die ich gerne erzählen würde. Das wäre der Heilige Gral… So viele talentierte Menschen haben so viel Zeit und Herz und Seele und Blut, Schweiß und Tränen investiert, um das zu knacken.

Das wäre meine Wahl. Ich weiß nicht, wie das zustandekommen könnte. Dieses Werk ist so beängstigend. Sogar nur darüber nachzudenken, die ersten Schritte in seine Richtung zu machen.

Eine zweite Chance hätte "Der dunkle Turm" bereits im Form eines von Amazon parallel zum Kinofilm geplanten Serienprequels bekommen können, in der Sam Strike ("Nightflyers") als Roland und Jasper Pääkkönen ("Vikings") als der Mann in Schwarz besetzt wurden. Ein Pilotfilm wurde produziert, aus dem auch einige Bilder durchgesickert sind, doch Amazon entschied sich letztlich gegen die Serie, vielleicht auch wegen des kürzlichen Misserfolgs des Kinofilms. Ich hoffe jedenfalls, dass es nicht beim kläglichen Versuch von 2017 bleiben wird und wir eines Tages eine vernünftige, mutige Adaption bekommen werden, von einem Filmemacher mit Vision, die Kings Vorlage die nötige Ehre erweisen wird.

Flanagan sollte demnächst eigentlich seine nächste King-Verfilmung inszenieren, den Horrorthriller Revival, ging aber kürzlich aus unbekannten Gründen von Bord des Projekts.

Glaubt Ihr, dass "Der dunkle Turm" als Filmreihe angemessen adaptiert werden kann, oder wäre eine Serie die bessere Option?