Christopher Nolan Oppenheimer

Cillian Murphy in Dunkirk © 2017 Warner Bros. Pictures

Quelle: Deadline

Die Corona-Pandemie wirkte sich auf viele Beziehungen und Ehen belastend aus. Davon blieb auch Hollywood nicht verschont und eine der stabilsten Beziehungen zwischen einem Filmemacher und einem Studio aus den letzten Jahren endete in einer Scheidung. Seit Insomnia aus dem Jahr 2002 drehte Christopher Nolan jeden seiner Filme in Zusammenarbeit mit Warner Bros., darunter Megahits wie Inception und die Dark-Knight-Trilogie. Insgesamt neun Filme von Nolan produzierte Warner (Interstellar in Zusammenarbeit mit Paramount) und der visionäre Regisseur ist eins der prestigeträchtigsten Aushängeschilder des Studios gewesen. Deshalb erklärte sich Warner auch bereit, mitten während der Pandemie Nolans Tenet als Zeichen der Unterstützung der Kinobetreiber exklusiv in die Kinos zu bringen – als einzigen Blockbuster, der letztes Jahr nach Beginn der Pandemie einen reinen Kinostart bekommen hat.

Doch auf Warners. Ankündigung, alle Filme des Studios 2021 zeitgleich zum Kinostart auch einen Monat lang für alle Abonnenten seines Streaming-Diensts HBO Max kostenfrei zu veröffentlichten, hat Christopher Nolan mit großem Unverständnis und Ärger reagiert. Der Verfechter des Kinoerlebnisses bezeichnete HBO Max als "schlechtesten Streaming-Dienst der Welt" und kehrte Warner nach 19 Jahren den Rücken.

Da er nun wieder auf dem Markt war, warf sich nahezu jedes große Hollywood-Studio in den Bieterwettstreit um seinen nächsten Film, die Biografie des Physikers J. Robert Oppenheimer, der maßgeblich an der Entwicklung der Atombombe beteiligt war. Streamer waren für Nolan natürlich ausgeschlossen und er hatte ganz klare Bedingungen an die Produktion seines nächsten Films geknüpft, darunter eine lange exklusive Auswertung in den Kinos.

Am Ende holte sich Universal die Rechte an dem Film und sicherte Nolan eine 100-tägige exklusive Auswertung des Films in den Kinos zu, was mehr als doppelt so lang ist wie die üblichen Kinofenster derzeit, die im Zuge der Pandemie auf 30 bis 45 Tage schrumpften. Universal-Vorsitzende Donna Langley stellte klar, dass dies eine Ausnahme und nicht die Regel sei: (aus dem Englischen)

Chris hatte bereits Präzedenz bei Warner Bros. in den 20 Jahren, die er Filme mit dem Studio gedreht hat, und er hat eindeutig klargestellt, dass es ihm wichtig ist, sodass es die Einstiegsvoraussetzung bei den Verhandlungen war. Wir passen uns da ihm gerne an. […] Generell werden die Fenster aber kürzer. Wir bringen es Konsumenten bei, Filme früher zu erwarten.

Es gibt nicht viele Regisseure, die vergleichbaren Einfluss in Hollywood haben, um ihre Forderungen durchzusetzen. Ich kann jedoch verstehen, dass die meisten Studios bereit waren, Nolans Wünsche zu erfüllen, damit er zu ihnen kommt. Ein hundert Tage exklusiv im Kino ist heutzutage eine wirklich lange Zeit.

Universal wird Oppenheimer am 20.07.2023 in die deutschen Kinos und einen Tag später in die nordamerikanischen bringen. Die meisten großen Nolan-Filme sind in Vergangenheit Mitte Juli gestartet und das wird sich bei einem neuen Studio auch nicht ändern. Nolans Stammdarsteller Cillian Murphy, der in fünf von Nolans Filmen mitgespielt hat, wird die Hauptrolle in Oppenheimer übernehmen. Der Film wird den Fokus auf Oppenheimers Gewissenskonflikt legen, der die Vernichtung der gesamten Welt riskieren muss, um einen schrecklichen Krieg zu beenden.

Nach Dunkirk wird Oppenheimer Nolans zweiter Film über den Zweiten Weltkrieg sein, soll jedoch deutlich traditioneller werden. Nichtsdestotrotz wird Nolan auf opulente Bilder nicht verzichten. Der Film soll wieder mit einer Kombination von 65mm-IMAX-Kameras und regulärem 65-Großformatfilm gefilmt werden. Mit einem hohen Budget soll die historische Zeitepoche sehr detailliert auf der Leinwand zum Leben erwachen und die Darstellung der Atombombentests wird sicherlich eine Wucht in IMAX-Kinos sein.

Nolan selbst schrieb das Drehbuch zum Film, das auf Oppenheimers Pulitzer-prämierten Biografie von Kai Bird und Martin J. Sherwin basiert. Hinter den Kulissen wird Nolan den Großteil seines Tenet-Teams zusammenbringen: Hoyte Van Hoytema als Kameramann, Ludwig Göransson als Komponist und Jennifer Lame als Cutterin. Die Dreharbeiten sollen voraussichtlich im ersten Quartal 2022 beginnen und wir werden dem Projekt natürlich genauestens folgen, denn ein neuer Nolan-Film ist meist ein Muss für jeden Cineasten. Auch wenn Tenet die Zuschauer polarisiert hat, verdient jeder Filmemacher Anerkennung und Unterstützung, der sich traut, komplett originelle Ideen mit einem großen Budget umzusetzen.