BAFTA Nominierungen 2014

Quelle: British Academy of Film and Television Arts

Wir sind zwar etwas spät dran, wollten Euch aber einen der wichtigsten Oscar-Prädiktoren trotzdem nicht vorenthalten. Ende der letzten Woche wurden die Nominierungen für die 68. BAFTA-Verleihung bekanntgegeben. Seit 1948 vergibt die British Academy of Film and Television Arts (BAFTA) die britischen Pendants zu den Oscars, die British Academy Film Awards, die aber üblicherweise schlicht die "BAFTAs" genannt werden. Auch wenn die Verleihung auf der anderen Seite des Teichs stattfindet und britische Filme selbstverständlich meist einen großen Vorteil genießen, darf man den Einfluss der BAFTAs auf die Oscars nicht unterschätzen. Die etwa 6500 Mitglieder starke BAFTA weist eine beachtliche Überschneidung mit der Mitgliedschaft der Academy, etwas, was als "britischer Block" bzw. "britische Fraktion" der Academy bezeichnet wird und häufig dafür sorgt, dass britische Filme bei den Oscarnominierungen gut abschneiden.

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Um den Eindruck von der Vorhersagekraft dieser Preise auf die Oscars zu gewinnen, sollte man sich vor Augen führen, dass nur neun der letzten 50 BAFTA-Nominees in der Kategorie "Bester Film" bei den Oscars in eben dieser Kategorie nicht nominiert wurden, zuletzt Drive und Dame, König, As, Spion vor drei Jahren. Die beiden waren sogar die einzigen Ausnahmen in den letzten sechs Jahren. Was hier also in der Königsklasse nominiert wird, wird auch bei den Oscars vertreten sein.

Bei den diesjährigen Nominierungen sind darunter allerdings keine Überraschungen, sondern nur Filme, mit denen man bereits fest gerechnet hat. In diversen anderen Kategorien ergaben sich jedoch zahlreiche Überraschungen und verwunderliche Auslassungen.

Hier ist die komplette Liste der Nominierungen:

Bester Film

Birdman
Boyhood
Grand Budapest Hotel
The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben
Die Entdeckung der Unendlichkeit

Bester britischer Film

’71
The Imitation Game  – Ein streng geheimes Leben
Paddington
Pride
Die Entdeckung der Unendlichkeit
Under the Skin

Bestes Debüt eines britischen Regisseurs, Drehbuchautors oder Produzenten

Elaine Constantine (Autor/Regisseur), Norhtern Soul
Gregory Burke (Autor), Yann Demange (Regisseur), ’71
Hong Khaou (Autor/Regisseur), Lilting
Paul Katis (Regisseur/Produzent), Andrew De Lotbiniere (Produzent), Kajaki: The True Story
Stephen Beresford (Autor), David Livingstone (Produzent), Pride

Beste Regie

Alejandro González Iñárritu (Birdman)
Richard Linklater (Boyhood)
Wes Anderson (Grand Budapest Hotel)
James Marsh (Die Entdeckung der Unendlichkeit)
Damien Chazelle (Whiplash)

Bestes Originaldrehbuch

Birdman
Boyhood
Grand Budapest Hotel
Nightcrawler
Whiplash

Bestes adaptiertes Drehbuch

Gone Girl
The Imitation Game  – Ein streng geheimes Leben
American Sniper
Die Entdeckung der Unendlichkeit
Paddington

Bester fremdsprachiger Film

Ida
Leviathan
The Lunchbox
Trash
Zwei Tage, eine Nacht

Bester Animationsfilm

The LEGO Movie
Die Boxtrolls
Baymax – Riesiges Robowabohu

Bester Dokumentarfilm

20 Feet from Stardom
CitizenFour
20,000 Days on Earth
Finding Vivian Maier
Virunga

Bester Hauptdarsteller

Benedict Cumberbatch ( The Imitation Game  – Ein streng geheimes Leben)
Eddie Redmayne (Die Entdeckung der Unendlichkeit)
Michael Keaton (Birdman)
Jake Gyllenhaal (Nightcrawler)
Ralph Fiennes (Grand Budapest Hotel)

Beste Hauptdarstellerin

Rosamund Pike (Gone Girl)
Amy Adams (Big Eyes)
Felicity Jones (Die Entdeckung der Unendlichkeit)
Julianne Moore (Still Alice)
Reese Witherspoon (Wild – Der große Trip)

Bester Nebendarsteller

Edward Norton (Birdman)
Ethan Hawke (Boyhood)
J.K. Simmons (Whiplash)
Steve Carell (Foxcatcher)
Mark Ruffalo (Foxcatcher)

Beste Nebendarstellerin

Emma Stone (Birdman)
Imelda Staunton (Pride)
Keira Knightley ( The Imitation Game  – Ein streng geheimes Leben)
Patricia Arquette (Boyhood)
Rene Russo (Nightcrawler)

Beste Filmmusik

Birdman
Grand Budapest Hotel
Interstellar
Die Entdeckung der Unendlichkeit
Under the Skin

Bester Schnitt

Birdman
Grand Budapest Hotel
The Imitation Game  – Ein streng geheimes Leben
Nightcrawler
Die Entdeckung der Unendlichkeit
Whiplash

Beste Kamera

Birdman
Grand Budapest Hotel
Ida
Interstellar
Mr. Turner – Meister des Lichts

Beste Ausstattung

Big Eyes
Grand Budapest Hotel
The Imitation Game  – Ein streng geheimes Leben
Interstellar
Mr. Turner – Meister des Lichts

Beste Kostüme

Grand Budapest Hotel
The Imitation Game  – Ein streng geheimes Leben
Into the Woods
Mr. Turner – Meister des Lichts
Die Entdeckung der Unendlichkeit

Bester Ton

American Sniper
Birdman
Grand Budapest Hotel
Interstellar
Whiplash

Beste visuelle Effekte

Planet der Affen – Revolution
Guardians of the Galaxy
Der Hobbit – Die Schlacht der fünf Heere
Interstellar
X-Men – Zukunft ist Vergangenheit

Bestes Makeup und Frisuren

Grand Budapest Hotel
Guardians of the Galaxy
Into the Woods
Mr. Turner – Meister des Lichts
Die Entdeckung der Unendlichkeit

Orange Rising Star Award (wird öffentlich im Internet abgestimmt)

Gugu Mbatha-Raw
Jack O’Connell
Margot Robbie
Miles Teller
Shailene Woodley

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Grand Budapest Hotel, der trotz seines verhältnismäßig frühen Starts im Jahr in der Oscar-Saison gezeigt hat, dass er definitiv von niemandem vergessen wurde, ist der große Gewinner der Nominierungen und führt mit 11 Nennungen, obwohl er sich als Koproduktion nicht einmal für die Kategorie "Bester britischer Film" qualifiziert hat. Grand Budapest Hotel konnte in beinahe jeder technischen Kategorie punkten und erntete eine überraschende Nominierung für seinen Star Ralph Fiennes. Für Fiennes ist es seine sechste BAFTA-Nominierung. Er hat in Vergangenheit für Schindlers Liste gewonnen. Grand Budapest Hotel wird von Birdman und Die Entdeckung der Unendlichkeit mit jeweils zehn Nominierungen gefolgt. Letzterer erwies sich überraschenderweise als der stärkere britische Film als The Imitation Game. Jener erhielt neun Nennungen und wurde in der Kategorie "Bester Regisseur" übergangen, während James Marsh für das Stephen-Hawking-Biopic nominiert wurde.

Der Oscafavorit Boyhood erhielt "nur" fünf Nominierungen, dafür aber überall, wo es wirklich zählt. Sehr überraschend ist die Nominierung von Whiplash für seine Regie. Das zeigt, dass die Oscarchancen des kleinen Films sehr groß sind. Interessant ist übrigens auch, dass Steve Carell als "Bester Nebendarsteller" für Foxcatcher nominiert wurde, obwohl das Studio ihn bei den Oscars als Hauptdarsteller bewirbt. Werden die Oscars hier genau so verfahren?

Doch es gab auch zahlreiche Verlierer und die größten sind Martin Luther King – Der Marsch von Selma, Gone Girl und Mr. Turner – Meister des Lichts. Dass Mike Leighs Biopic über den berühmten Maler J.M.W Turner weder als "Bester Film" noch für seine Regie nominiert wurde, kann man noch nachvollziehen. Dass die BAFTA weder den Hauptdarsteller Timothy Spall (der in Cannes gewonnen hat) noch den Streifen als "Besten britischen Film" nominiert hat, stattdessen aber Paddington wählte, entzieht sich jedem Verständnis, insbesondere da Mr. Turner der mit Abstand erfolgreichste Film von Leigh in Großbritannien geworden ist und zu seinen gefeiertsten Werken gehört.

Selma verliert immer weiter an Wind im Oscar-Rennen, was angesichts der jubelnden Kritiken und der Thematik ebenso unverständlich ist. Keine einzige Nominierung erhielt der Film hier. Die Erklärung war abermals, dass nicht genug Screener rechtzeitig verschickt werden konnten. Was hat sich Paramount dabei gedacht?!

Gone Girl von David Fincher wurde mit nur zwei Nominierungen abgespeist – für seine Hauptdarstellerin und für sein Drehbuch. Weder Finchers Regie, noch die Kamera, der Schnitt oder die Musik des technisch makellosen Films wurden beachtet – schade!

Die Gewinner der BAFTAs werden in einer Zeremonie am 8.02.2015 bekanntgegeben werden. Werden uns die Ergebnisse einen weiteren Ausblick auf die Ende des nächsten Monats stattfindenden Oscars bieten?