Ali G: Who Iz I? ist fünf Tage nach Kinostart bereits bei Prime zu streamen

Sacha Baron Cohen gehört zu den originellsten, aber auch kontroversesten Comedians seiner Generation. Keiner hält der Gesellschaft so schonungslos den Spiegel vor wie Cohen mit seinen Kunstfiguren wie Borat, Brüno oder Ali G. Und wie viele Comedians können von sich behaupten, die Karriere eines Politikers mit einem ihrer Sketche mehr oder weniger beendet zu haben? Mit seinem ersten Borat-Film wurde Cohen weltberühmt, gewann einen Golden Globe und erhielt eine Oscarnominierung für sein Drehbuch. Beide Erfolge wiederholte er 14 Jahre später mit der Fortsetzung Borat Anschluss Moviefilm.

Brüno und Borat (der ursprünglich Alexi Krickler hieß) waren Cohens erste Schöpfungen und die Stars seine größten Filmerfolge. Lange Zeit war Cohen hauptsächlich als Ali G bekannt, das Stereotyp eines weißen Möchtegern-"Gangstas" aus der englischen Mittelschicht, der sich die schwarze und britisch-jamaikanische Kultur aneignet. Mit seiner "Da Ali G Show" feierte Cohen seinen Mainstream-Durchbruch. Als Ali G – und später auch als Borat und Brüno – interviewte Cohen nichtsahnende Politiker und Celebritys und brachte sie mit absurden Fragen in Verlegenheit. Während die Serie noch lief, kam er in Ali G in da House in die Kinos, der jedoch im Gegensatz zu den Brüno– und Borat-Filmen keine Mockumentary war, sondern eine rein fiktive Handlung erzählte.

Nach den Erfolgen seiner späteren Filme war Cohen irgendwann zu bekannt, um als Ali G, Borat oder Brüno jemanden zu täuschen. Also erfand er für seine neue Sketch-Comedyserie "Who Is America?" eine Reihe neuer grotesker Kunstfiguren. Diese Serie musste er nach einer Staffel beenden, als auch seine neuen Figuren bekannt wurden.

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Doch wer geglaubt hat, dass Cohen mit seinen Kunstfiguren abgeschlossen hat, wurde eines Besseren belehrt, als diesen Sommer wie aus dem Nichts ein brandneuer Ali-G-Film angekündigt wurde, den Cohen letztes Jahr unter dem Radar insgeheim abgedreht hat. Nicht nur war der Film fertig, bereits im Oktober sollte Ali G: Who Iz I? in die Kinos kommen.

Eigentlich war ein regulärer Kinostart geplant, doch ein (absurder) Aufschrei über den vermeintlichen Rassismus der Hauptfigur führte dazu, dass sich einige Kinoketten weigerten, den Film zu zeigen. Mit sinkenden Erfolgsaussichten und in Vorahnung überwiegend negativer Kritiken – die auch eintrafen – verkürzte Amazon die Kinoauswertung des Films zunächst auf eine Woche und kurz vor dem Start sogar auf nur zwei Tage in den USA. Wer mit Ali G aufgewachsen ist und sich auf den Film freute, staunte vermutlich nicht schlecht, als die meisten Kinos hierzulande letztes Wochenende lediglich einige wenige Einzelvorstellungen letzten Freitag, Samstag und Sonntag angeboten haben.

Ich zählte zu den 3439 Menschen, die Ali G: Who Iz I? am Wochenende im Kino gesehen haben. Falls Ihr es nicht geschafft habt, aber trotzdem Interesse an den neuesten Eskapaden von Cohen habt, müsst Ihr Euch nicht mehr gedulden: Ab heute, dem 28. Oktober, ist Ali G: Who Iz I? bei Amazon Prime Video im Abo zu sehen. Bereits der zweite Borat-Film ist während der Corona-Pandemie ohne den Umweg über die Kinos exklusiv bei Prime erschienen.

Im neuen Film, der teils das Mockumentary-Format von Brüno und Borat hat, teils aber auch eine fiktive Handlung erzählt, steht Ali G kurz davor, Vater zu werden. Seine langjährige Freundin Me Julie (Morgana Robinson) ist hochschwanger und die werdenden Eltern brauchen Geld. Leider interessiert sich niemand mehr für Ali G, also reist er in die USA, wo er mit unterschiedlichen Stunts, wie seiner eigenen TikTok-Show und als Moderator einer fragwürdigen rechtspolitischen Sendung, versucht, an seinen früheren Ruhm anzuknüpfen. In dem Film bringt Cohen auch einige seiner Charaktere aus "Who Is America?" zurück.

Falls Ihr Euch aber nun fragt, ob sich der Film überhaupt lohnt, kann ich das mit einem deutlichen jein beantworten. An die kreativen Höhenflüge von Borat und Brüno reicht er nicht heran; in der ersten Hälfte ist er dennoch urkomisch und gleichermaßen böse wie dämlich. Gegen Ende zünden die Gags jedoch immer weniger und als er versucht, seine Handlung zu Ende zu bringen, geht dem Film auf den letzten Metern die Puste aus und es wird nur noch dämlich, aber nicht mehr witzig. Wer, wie ich, mit Ali G aufgewachsen ist, wird jedoch allein aus nostalgischen Gründen den Film nicht verpassen wollen.

Quelle: Amazon Prime Video

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