In keinem anderen Genre kommen und gehen Trends so schnell wie im Horrorkino. Mal sind Slasher besonders angesagt, mal steht "Found Footage" hoch im Kurs, dann sind die Massen an Folterhorror interessiert, und dann ist wieder Dämonenhorror in. Diese Trendwellen werden meist von einigen wenigen guten Filmen ausgelöst, bringen aber auch viel Schrott mit sich. Einen kurzen, aber intensiven Trend in den 2000ern bildeten Remakes asiatischer Horrorfilme. Nach dem Riesenerfolg von Ring 2002 wollte Hollywood plötzlich jeden halbwegs erfolgreichen Horrorfilm aus Japan, Südkorea und anderen ostasiatischen Ländern neu verfilmen. Der Fluch – The Grudge war noch ein Erfolg, und Dark Water und Der Fluch der 2 Schwestern waren erstaunlich gelungen, doch es gab auch viele Rohrkrepierer wie Tödlicher Anruf, Shutter – Sie sehen dich und Pulse, der hierzulande den schrillen Zusatztitel Du bist tot, bevor Du stirbst erhielt.
Letzterer war eine Neuauflage von Kiyoshi Kurosawas Horrorfilm Pulse aus dem Jahr 2001, in dem Geister über das Internet in unsere Welt gelangen und sie ins Chaos stürzen. In Pulse gab es nicht das typische Geistermädchen mit langen, herabhängenden schwarzen Haaren, wie in den meisten anderen asiatischen Horrorfilmen, die in Hollywood neu verfilmt wurden. Stattdessen setzte der Film vor allem auf eine bedrückende Atmosphäre des allgegenwärtigen Todes. Das US-Remake mit Kristen Bell konnte diese Stimmung nicht einfangen. Obwohl der Film kein großer Kassenhit war und von der Kritik verdientermaßen verrissen wurde, wurden aus irgendeinem Grund noch zwei Billig-Fortsetzungen direkt fürs Heimkino produziert.
Der Neuheitswert der Asia-Horror-Remakes war schnell aufgebraucht, und keine zehn Jahre nach Ring ebbte die Trendwelle bereits komplett ab. Weil in Hollywood jedoch nichts vergessen bleibt, was einst erfolgreich war, gab es bereits Versuche, sowohl das Ring– als auch das Grudge-Franchise wiederzubeleben. Diese scheiterten an der grottenschlechten Qualität der neuen Filme. Demnächst soll auch Pulse eine zweite Chance als US-Remake bekommen, hat diesmal jedoch einen entscheidenden Vorteil: einen guten Regisseur, der mit der japanischen Kultur vertraut ist.
Der US-amerikanische Filmemacher Dave Boyle soll eine neue Version von Pulse inszenieren. Er drehte bereits den Großteil seiner bisherigen Filme in Japan. Seine wendungsreiche Geistergeschichte Never After Dark begeisterte dieses Jahr Stephen King und das Publikum des Fantasy Filmfests. Boyle wird auch das Drehbuch zum neuen Remake überarbeiten, das von Luke Piotrowski (Hellraiser – Das Schloss zur Hölle) geschrieben wurde. Smile-Regisseur Parker Finn produziert das Remake für Screen Gems und Spyglass. Der Film wird in der Gegenwart spielen und von neuen Charakteren handeln. Ich schätze, das Beste, was man über das neue Remake sagen kann, ist, dass es nur besser werden kann als der letzte Anlauf.
Quelle: Deadline














