John Wick: Kapitel 2 (2017) Kritik

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John Wick: Chapter 2, USA 2017 • 122 Min • Regie: Chad Stahelski • Mit: Keanu Reeves, Riccardo Scamarcio, Common, Ruby Rose, Ian McShane, Lance Reddick, Laurence Fishburne • FSK: ab 18 Jahren • Kinostart: 16.02.2017 • Deutsche Website

Handlung

Profikiller John Wick (Keanu Reeves) tut es sich schwer mit dem Ruhestand. Erst musste er 77 Leute töten, um den ermordeten Hund seiner verstorbenen Ehefrau zu rächen. Als er dann einige Dutzende Leichen später auch noch seinen gestohlenen 69er Ford Mustang (in einem reichlich ramponierten Zustand) zurückholen kann, wähnt er sich endlich im Frieden und kehrt samt neuem Hund nach Hause zurück, wo er sein Mordwerkzeug wieder im Keller einzementiert. Doch die Ruhe währt nicht lange. Johns Rachefeldzug bringt seinen alten Bekannten Santino D’Antonio (Riccardo Scamarcio) auf den Plan und schon steht dieser vor Johns Tür und verlangt die Einhaltung eines Blutschwurs, den John ihm einst im Gegenzug für seine Hilfe bei einem unmöglichen Auftrag gab. John soll nach Italien reisen und Gianna (Claudia Gerini), die Schwester des Gangsters, beseitigen, damit dieser an ihrer Stelle in den hohen Rat der weltweiten Mafia aufsteigen kann. Als er sich weigert, in sein altes Leben zurückzukehren, greift Santino zu rabiateren Argumenten und jagt Johns Haus in die Luft. Um mit der Vergangenheit endgültig abzuschließen, begibt sich John Wick für diesen letzten Auftrag nach Rom. Nach einem Verrat wird jedoch ein riesiges Kopfgeld auf ihn ausgesetzt und er wird nicht nur zur Zielscheibe von Giannas treuem Bodyguard Cassian (Common) und Santinos Schergen, sondern auch von allen Profikillern der Welt. Doch wer John Wick in die Ecke drängt, wird dafür teuer bezahlen…

Kritik

John Wick Kapitel 2 (2017) Filmbild 1Als John Wick 2014 in die Kinos kam, waren die Erwartungen an einen neuen Actionfilm mit Keanu Reeves eher gemäßigt. Die Geschichte um einen tödlichen Profi, der aus dem Ruhestand zurückkehrt und sich auf einen Rachefeldzug begibt, klang zu vertraut, um sich besonders große Hoffnungen auf ein außergewöhnliches Filmerlebnis zu machen. Reeves hat sich in den Jahren nach seiner Matrix-Zeit auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Zum Glück war den ehemaligen Stuntleuten Chad Stahelski und David Leitch bei ihrem Regiedebüt durchaus bewusst, dass sie mit ihrer Geschichte auf ausgetretenen Pfaden wandeln würden, sodass sie alle ihre Bemühungen stattdessen darauf fokussierten, ein atemloses Actionfeuerwerk ins Leben zu rufen und Keanu Reeves eine neue ikonische Rolle auf den Leib zu schreiben. Mission: erfüllt. Als John Wick stieg Reeves gleich neben Tom Cruises Vincent (Collateral) und Jean Renos Léon (Léon – Der Profi) unter die ganz großen Auftragskiller der Filmgeschichte auf. Mit einer auf das nötigste Minimum reduzierten Handlung (Gangster töten seinen Hund und stehlen sein Auto, John tötet alle und jeden, die dafür verantwortlich oder dumm genug sind, sich ihm in den Weg zu stellen), war John Wick ein Destillat der reinen Action-Essenz, das auf jegliche Prätentionen oder einen größeren Überbau verzichtete und dafür die furiosesten Actionszenen der letzten Jahre neben The Raid enthielt. Aufgepeppt wurde der Film zudem durch die Erschaffung einer beinahe mythisch wirkenden kriminellen Unterwelt, in der mit Goldtalern bezahlt wird, spezielle Hotels für Kriminelle existieren und bestimmte Regeln gelten, die man auf keinen, keinen Fall brechen darf.

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John Wick Kapitel 2 (2017) Filmbild 2Die Parallelen zu The Raid gehen weiter, denn auch John Wick erhält nun ein Sequel, bei dem das Motto "Mehr ist mehr" gilt. Es gibt mehr Action, mehr Blut, mehr Leichen, mehr exzentrische Nebencharaktere, mehr Rituale und eine längere Laufzeit. Viele Action-Sequels scheiterten in Vergangenheit eben an diesen Ambitionen, dem Vorgänger unbedingt noch einen draufsetzen zu wollen, doch wie schon bei The Raid 2 funktioniert dieser Ansatz bei John Wick: Kapitel 2 nahezu problemlos. Trotz seiner zweistündigen Laufzeit bleibt das Tempo stets hoch und wenn wir nicht gerade John Wick dabei zusehen, wie er mehr Kopfschüsse austeilt als bei "Call of Duty" (wobei seine Gegner immer brav auf seinen geschützten Oberkörper schießen), lernen wir die fremde und faszinierende Welt von Kriminellen und Assassinen noch näher kennen. Um den Film genießen zu können, setzt er jedoch voraus, dass man sich auf seine eigene Realität, die mit unserer in etwa so viel zu tun hat wie Matrix, einlässt, und akzeptiert, dass Straßenmusiker auch mal eine Knarre in ihren Geigen verstecken, dass jeder Obdachlose in New York augenscheinlich ein Profikiller ist oder zumindest für sie arbeitet, und dass man in der New Yorker U-Bahn mitten in einer Menschenmenge Schüsse (mit Schalldämpfer) auf einander abfeuern kann, ohne dass es den Passanten auffällt. Nimmt man das letztlich hin, wird man mit einem Actionspektakel belohnt, das mit dem ersten Film nicht nur mithalten kann, sondern diesen zuweilen auch übertrifft.

John Wick Kapitel 2 (2017) Filmbild 3Tatsächlich gehört jeder nennenswerte Charakter in diesem Film entweder der kriminellen Unterwelt an oder weiß von ihr Bescheid. An gewöhnlichen Menschen hat John Wick: Kapitel 2 kein Interesse. Dafür erwarten uns noch mehr geheimnisvolle, illustre Nebenfiguren, die häufig im Kontrast zum stoisch determinierten Protagonisten stehen. Als pflichtbewusster Bodyguard mit einem nachvollziehbaren Motiv ist Common ein würdiger Gegenspieler für John Wick und die beiden haben im Film gleich zwei brutale Kampfszenen, die die Herzen von Actionfans höher schlagen lassen sollten. Das australische Model Ruby Rose macht als stumme Killerin eine deutlich bessere Figur als in ihren Actionrollen in xXx: Die Rückkehr des Xander Cage oder dem neuen Resident Evil. Sehr willkommen ist die Rückkehr von Ian McShane als Hotelbetreiber Winston, eine Schlüsselfigur in der kriminellen Unterwelt, sowie Lance Reddick als sein mysteriöser Concierge Charon. Und wenn dann der Manager des italienischen Ablegers des Continental-Hotels in Erscheinung tritt, wird der Auftritt vielen Filmfans mit Sicherheit ein breites Grinsen auf die Gesichter zaubern. Die uninteressanteste Figur bleibt tatsächlich Scamarcios Schurke, doch er ist schließlich nur ein Mittel zum Zweck, um John Wicks tödliches Potenzial zu entfesseln.

Spätestens mit dem Auftritt von Laurence Fishburne als König der Bettler wird klar, dass hier eine Parallelwelt erschaffen wurde. Fishburne ist charismatisch und strahlt in jeder seiner Szenen Macht und Autorität aus. Es ist ein Charakter, der uns im unvermeidlichen dritten Film mit Sicherheit wieder begegnen wird, und das ist auch gut so.

John Wick: Kapitel 2 hat einen der beiden Co-Regisseure des Originals (David Leitch) verloren, doch sein Partner Chad Stahelski meistert die Herausforderung auch alleine mit Bravour. Der Look des Films ist noch einprägsamer. Der Däne Dan Laustsen, der u. a. für die eindringlichen Aufnahmen von Guillermo del Toros Crimson Peak verantwortlich war, taucht die Bilder in indigofarbene Töne. Ob in den Katakomben von Rom oder beim wilden Showdown in einem Spiegelkabinett (Die Lady aus Shanghai lässt grüßen!), viele Szenen im Sequel wirken beinahe surreal und traumartig.

John Wick Kapitel 2 (2017) Filmbild 4Der Mann, der alles zusammenhält, ist natürlich der offensichtlich vor Jahren in den Jungbrunnen gefallene Keanu Reeves und der Streifen setzt ihn noch besser in Szene als der Vorgängerfilm. Sein John Wick ist nicht mehr einfach nur ein Killer. Er ist ein Engel des Todes, ein Künstler in seinem Metier. Seine Kunst ist die des Tötens, seine Werkzeuge sind Schusswaffen, Messer, Autos, sein Körper und, in einer großartigen Szene, auch ein Bleistift. Ja, ein gottverdammter Bleistift! In diesem Film gehen mehr Tote auf sein Konto als Jason Voorhees im gesamten Freitag-der-13.-Franchise für sich beanspruchen kann und wenn uns das offene Ende eins verspricht, dann dass er gerade erst warm gelaufen ist. Wenn Kapitel 3 das Potenzial erfüllt, das das Finale des zweiten Films in Aussicht stellt, dann steht uns der Höhepunkt der John-Wick-Saga noch bevor.

Fazit

John Wick: Kapitel 2 spinnt die Geschichte um den unaufhaltsamen Profikiller und die beinahe mythische Unterwelt, die er bewohnt, konsequent weiter. Dabei stellt der Film seine eigenen Regeln auf, verzichtet endgültig auf jeglichen Anschein, in der realen Welt zu spielen, und setzt stattdessen auf ein virtuos choreographiertes, zuweilen beinahe surreal in Szene gesetztes Action-Ballet, bei dem Keanu Reeves als Stehaufmännchen Bergen von Leichen zurücklässt und seine beste Leistung seit dem ersten Matrix-Film abliefert. Actionfans werden diesen Film abgöttisch lieben.

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