Passenger (2026) Kritik

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Passenger, USA 2026 • 94 Min • Regie: André Øvredal • Drehbuch: Zachary Donohue, T.W. Burgess • Mit: Jacob Scipio, Lou Llobell, Melissa Leo, Joseph Lopez • Kamera: Federico Verardi • Musik: Christopher Young • FSK: ab 16 Jahren • Verleih: Paramount Pictures • Kinostart: 28.05.2026 • Deutsche Website

Auf den dunklen Landstraßen Nordamerikas lauert der Tod: Mit seinem atmosphärischen Road-Movie-Schocker „Passenger“ lehrt der norwegische Regisseur André Øvredal seinem Publikum nach dem enttäuschend lustlosen Dracula-Kapitel „Die letzte Fahrt der Demeter“ endlich wieder das Fürchten. Auch wenn sein neues Werk nicht ganz die Intensität seines eindringlich gruseligen „The Autopsy of Jane Doe“ erreicht, verfügt das Schaudermärchen über ganz eigene Qualitäten. Während das Obduktions-Kammerspiel ein Gefühl beklemmender Klaustrophobie vermittelt hat, liegt der Schrecken von „Passenger“ in der Weite und Abgeschiedenheit. In der ersehnten Eigenständigkeit sehen sich die Protagonisten schon bald reichlich schutzlos einer mysteriösen und bösartigen Entität ausgeliefert.

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Noch vor der Titeleinblendung werden wir Zeuge, wie ein junges Paar während einer Pinkelpause im Wald von einem übersinnlichen Angreifer attackiert wird. Im Anschluss lernen wir die beiden Aussteiger Maddie (Lou Llobell) und Tyler (Jacob Scipio) kennen, die ihr Brooklyn-Apartment gekündigt haben, um von nun an in einem gemütlichen Van das Land zu bereisen und die neu gewonnene Unabhängigkeit zu genießen. Eines Nachts stoßen die beiden frisch Verlobten auf ein verunfalltes Auto und einen schrecklich entstellten Fahrer. Das Erlebnis soll nur der Auftakt für den Horror sein, der sie jetzt erbarmungslos auf jeden Kilometer verfolgt und ihnen schließlich nach dem Leben trachtet. Wie schon das Unglücksfahrzeug weist plötzlich auch ihr Van markante Kratzer auf. Erst bei einem Camper-Treffen erfahren sie von der alarmierten Diana (Melissa Leo), in welch große Gefahr sie ihr Hilfsversuch gebracht hat: Der Lackschaden stellt eine Warnung dar – eine Warnung davor, nachts zu reisen und unterwegs anzuhalten. Ein ruheloser, dämonischer Passagier hat sich Maddie und Tyler als unfreiwillige Mitfahrgelegenheit ausgesucht …

Mit diversen Anspielungen auf die Legende vom heiligen Christophorus und den Hobo-Code, einer geheimen Zeichensprache der Wanderarbeiter während der Großen Depression, verwurzeln Øvredal und seine Drehbuchautoren Zachary Donohue und T.W. Burgess ihre Originalstory in religiösen und historischen Mythen. „Passenger“ ist zugleich ein uramerikanischer Horror, der dem Bild von Freiheit und unbegrenzten Möglichkeiten einen Albtraum aus Unsicherheit und Hilflosigkeit entgegenhält. Mit Maddie und Tyler führt der Film zwei sympathische Figuren ein, die einander zwar lieben, sich aber fundamental in ihrer Lebensweise unterscheiden. Während Tyler das große Abenteuer angestoßen und Maddie mit seiner Euphorie zunächst mitgerissen hat, erkennt die junge Frau im Verlauf immer deutlicher, wie wichtig ihr Schutz und ein solides Heim sind. Der Konflikt des Paares wird klar formuliert, treibt hier aber glücklicherweise keinen Pflock zwischen die Beiden, wie dies in vielen ähnlichen Filmszenarios der Fall ist.

So romantisch die Idee der unbekümmerten Zweisamkeit auch sein mag: Diese Tour durch die Finsternis führt auch vor Augen, wie wichtig die Zugehörigkeit zu einer Zivilisation ist. Die Camper etwa, zu denen sich Tyler hingezogen fühlt, bilden eine eigene, eingeschworene Gemeinschaft, die für Außenstehende kein Risiko eingehen würde. Doch auch im braven Vorort stören sich Anwohner am kurz geparkten Van und machen dem Paar die Hölle heiß. Damit ist „Passenger“ auch ein Film, der vom Ankommen handelt. Gerade erst haben sich Maddie und Tyler gegen die triste Stadt entschieden. Das Leben auf Rädern wird durch Supermarkt- und Fitnessstudiobesuche ergänzt, doch unterstützende Kontakte wie etwa Nachbarn existieren nicht mehr. Noch ohne Herde sind sie ein verletzliches Ziel für das Unheil. Glaube und Vertrauen werden letztlich als Ausweg aus der Misere angeboten.

„Passenger“ funktioniert über viele Meilen als unheimlicher und extrem stimmungsvoller Slow Burner, der Angst und Paranoia vor allem aus seinem vordergründig idyllischen Setting zieht. Ähnlich wie Peter Fonda und Warren Oates in dem Exploitation-Kultfilm „Vier im rasenden Sarg“ versuchen auch Maddie und Tyler auf endlosen Straßen einer scheinbar unausweichlichen, teuflischen Gefahr zu entkommen. Und ähnlich wie Pierce Brosnan in John McTiernans Leinwand-Debüt „Nomads – Tod aus dem Nichts“ wird auch das Paar langsam von der uralten, umherziehenden Macht in den Wahnsinn getrieben. Auch wenn André Øvredal das schleichende, von einem subtil-unheilvollen Score von Horror-Routinier Christopher Young („Sinister“) begleitete Grauen etwas zu häufig mit effektiven aber vorhersehbaren Jump Scares unterbricht, kehrt er mit seinem thematisch interessanten Höllentrip insgesamt wieder zu alter Stärke zurück. Zu den schaurigen Highlights gehören eine gänsehauterzeugende Konfrontation auf einem leeren Parkplatz und eine Filmprojektion, unter der die Fratze des Schreckens lauert. Zugegeben, das mit Symbolik überladene Finale rast etwas unerwartet in die Albernheit und bricht mit der dichten Atmosphäre. Der Weg ist hier deutlich packender als das Ziel. Ein Manko, das den positiven Gesamteindruck aber nur gering schmälert.

Dieser böse Camping-Trip in die finstersten Ecken der USA bietet Genrefans reichlich creepige Unterhaltung mit einem ausgesprochen unangenehmen Antagonisten.


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Passenger, USA 2026 • 94 Min • Regie: André Øvredal • Drehbuch: Zachary Donohue, T.W. Burgess • Mit: Jacob Scipio, Lou Llobell, Melissa Leo, Joseph Lopez • Kamera: Federico Verardi • Musik: Christopher Young • FSK: ab 16 Jahren • Verleih: Paramount Pictures •...Passenger (2026) Kritik