Rambo: Last Blood (2019) Kritik

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Rambo Last Blood (2019) Filmkriitk
ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Gesamt

Rambo: Last Blood, USA 2019 • 101 Min • Regie: Adrian Grunberg • Mit: Sylvester Stallone, Sergio Peris-Mencheta, Adriana Barraza, Paz Vega, Yvette Monreal, Óscar Jaenada • FSK: ab 18 Jahren • Kinostart: 19.09.2019 • Website

Handlung

Nach Jahrzehnten von gewalttätigen Auseinandersetzungen rund um die Welt, hat Vietnam-Veteran und Green Beret John Rambo (Sylvester Stallone) endlich seinen Frieden gefunden. Seinen Lebensabend verbringt er auf der Ranch seiner Eltern in Arizona, wo er Pferde dressiert und sich gelegentlich als Freiwilliger bei Rettungseinsätzen in den Bergen meldet. Die Vergangenheit lässt Rambo jedoch nie los. Geplagt von Schuldgefühlen wegen der Menschen, die er nicht retten konnte, und Angstzuständen, die er mit Pillen unter Kontrolle hält, verbringt er viel Zeit in einem komplexen Tunnelsystem unter der Ranch. Unter der Erde fühlt er sich wohler als draußen. Halt im Leben geben ihm seine Haushälterin und enge Freundin Maria (Adriana Barraza) und ihre Enkeltochter Gabrielle (Yvette Monreal). Dieses Idyll wird jedoch gestört, als Gabrielle ihren verantwortungslosen Vater in Mexiko aufspürt und trotz aller Warnungen seitens Maria und Rambo zu ihm fährt, in der Hoffnung, endlich abschließen zu können. Was sie neben ihrem kaltherzigen Erzeuger dort findet, ist jedoch die Hölle auf Erden. Sie wird von einem skrupellosen Sexhändlerring geschnappt, angeführt von den Brüdern Hugo (Sergio Peris-Mencheta) und Victor (Óscar Jaenada) Martinez. Sie setzen sie unter Drogen und verkaufen sie als Ware. Als Gabrielle nach mehreren Tagen nicht zurückkehrt, schnappt sich Rambo sein großes Jagdmesser und folgt ihr südlich der Grenze. Mithilfe der Journalistin Carmen (Paz Vega), deren Schwester selbst dem Kartell zum Opfer fiel, spürt er die Verantwortlichen auf und packt sein gesamtes tödliches Talent aus, um die junge Frau zu retten, die für ihn wie eine Tochter ist.

Kritik

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Es war einmal die Geschichte eines traumatisierten Kriegsveteranen, der die meisten seiner Freunde in Vietnam oder an den Folgen des Krieges verloren hat und sich nun ziellos durchs Leben treiben lässt. In einer US-amerikanischen Kleinstadt wird er von einem Sheriff verhaftet und schikaniert. In die Enge getrieben, setzt sein Überlebensinstinkt ein: Er flieht in die Berge und wird vom Sheriff und seinen Polizisten gejagt, die ihm jedoch nicht gewachsen sind. Rambo gilt als ein Klassiker des Actionkinos und legte den Grundstein für eins der erfolgreichsten Action-Franchises der Achtziger, doch im Kern war es eine Geschichte über die Verzweiflung und gesellschaftliche Ausgrenzung von Kriegsrückkehrern, die ihre belastenden Erlebnisse nie verarbeitet haben. Der Film bot Sylvester Stallone auch die Gelegenheit, eine der emotional kraftvollsten Performances einer Karriere abzuliefern.

Rambo Last Blood (2019) Filmbild 1Doch das ist nicht Rambo, wie ihn die meisten Zuschauer mehr als 35 Jahre später wahrnehmen. Im öffentlichen Bewusstsein ist Rambo der unkaputtbare Actionheld, ein kriegerischer Superman, der rückwirkend den Vietnamkrieg gewonnen hat, sich mit der Taliban verbündet hat (autsch!), um sowjetische Invasoren in Afghanistan zu bekämpfen, und die halbe burmesische Armee abgeschlachtet hat, um US-Missionare zu retten. Aus einem kaputten Soldaten hat Sylvester Stallone eine Actionikone erschaffen. Die Elemente der Filme waren fest etabliert: Rambo bewaffnet sich bis zu den Zähnen mit Feuerwaffen, Messern und Pfeil und Bogen, und geht auf eine wie ein Himmelfahrtskommando erscheinende Rettungsmission inmitten der wilden Natur in einem fremden Land.

Rambo Last Blood (2019) Filmbild 4Knapp elf Jahre nach seinem letzten und blutigsten Einsatz in John Rambo, bringt der 73-jährige, aber immer noch sehr agile Stallone den Veteranen in Rambo: Last Blood für seinen möglicherweise (vielleicht aber auch nicht) letzten Einsatz zurück. Dabei rüttelt er kräftig an den bisherigen Grundfesten der Reihe. Wer sich davon jedoch frischen Wind erhofft, sollte die Erwartungen zügeln. Co-Autor Stallone hat die Formel nicht aufgebrochen, sondern sie durch eine andere, nicht weniger abgedroschene Formel ersetzt. Es ist, als hätte er am Straßenrand ein von Liam Neeson weggeworfenes Drehbuch zu einem Taken-Sequel gefunden, minimale Anpassungen vorgenommen, das Gewaltlevel hochgedreht und sich in der Hauptrolle besetzt. So wie sich die letzten Stirb-langsam-Filme (ungeachtet ihrer jeweiligen Qualität) nicht mehr wie Stirb langsam angefühlt haben, so fühlt sich auch Last Blood nicht mehr wie ein Rambo-Film an. Es ist ein generischer, austauschbarer Rache-Actioner, der sich halbherzig und mit hölzernen Dialogen die Mühe gibt, Rambos angeschlagene Psyche zu erforschen. Das ist jedoch nur ein Mittel zum Zweck, um die Zeit totzuschlagen, bis im letzten Akt das Gemetzel entfesselt wird.

Rambo Last Blood (2019) Filmbild 2Auch losgelöst vom Franchise-Vermächtnis, ist Rambo: Last Blood lediglich ein passabler Actionstreifen, der sich nur durch sein höheres Budget von der grauen Masse unterscheidet, die jeden Monat direkt im Heimkinomarkt landet. Dass Regisseur Adrian Grunberg es auch besser kann, zeigte er mit Get the Gringo mit Mel Gibson, der mit Elan und schwarzem Humor inszeniert wurde. Es spricht nichts gegen anspruchslose Action, schließlich waren die anderen Rambo-Sequels auch nicht viel mehr. Last Blood stellt jedoch auch die Geduld der Actionfans auf die Probe. Die erste Stunde ist gekennzeichnet durch schablonenhafte Charaktere, bemühte Dialoge und eine fragwürdig stereotype und nicht wirklich zeitgemäße Darstellung Mexikos als ein Land, in das man ganz sicher nicht reisen möchte (Trump wäre stolz). Weder Paz Vega als Reporterin, die Rambo hilft, noch Sergio Peris-Mencheta und Óscar Jaenada als die beiden bösen Brüder – einer besonnen und berechnend, der andere durchgedreht – sind kaum der Bezeichnung “Charaktere” wert. Lediglich die oscarnominierte Adriana Barraza (Babel) strahlt in ihren wenigen Szenen Warmherzigkeit und Gefühle aus.

Rambo Last Blood (2019) Filmbild 3Nach dem sehr langsamen Anlauf gipfelt Rambo: Last Blood in einem blutigen, actionreichen Höhepunkt. Mit etwas Glück wird der Film durch den explosiven Showdown vergessen lassen, wie zäh der Weg dorthin war. Wenn Rambo die perfiden Fallen für seine Gegner aufstellt, blitzt zumindest kurz das Rambo-Feeling auf. Wirkt der restliche Film wie Taken 4, so ist das Finale eine FSK18-Version von Kevin – Allein zu Haus, wenn der erwachsene Kevin McAllister eine ausgesprochen sadistische Ader bei sich entdeckt hätte. Zwar erreicht Last Blood nicht ganz die Splatterorgie von John Rambo, es wird dem Film jedoch auch niemand vorwerfen, die Gewalt merklich heruntergeschraubt zu haben. Mit Machete, Hammer, Mistgabel, Nägeln, Pfeilen, Bomben und diversen Feuerwaffen nimmt Stallone seine unbedarften Gegner auseinander. In einer Zeit, in der man actiontechnisch durch John Wick, Atomic Blonde oder eben Liam Neesons 96 Hours verwöhnt ist, sticht das nicht mehr sonderlich hervor, doch es macht immer noch Spaß, Stallone in seinem Element zu sehen, wenn er seine angestaute Wut entfesselt.

Das Finale rettet den Film davor, ein kompletter Reinfall zu sein. Dennoch ist bei allen Beteiligten vor und hinter der Kamera eine gewisse, mechanische Lustlosigkeit zu spüren – mit der Ausnahme von Stallone. Ihm liegt die Figur offenbar immer noch am Herzen. Umso bedauernswerter ist es, dass der Abschied von der Ikone so unspektakulär ausfällt. Die während des Abspanns gezeigten Szenen aus den früheren Filmen der Reihe verdeutlichen erst Recht, wie wenig Rambo: Last Blood mit ihnen eigentlich noch gemeinsam hat.

Fazit

Mit Rambo: Last Blood endet das ikonische Action-Franchise auf eine denkbar unspektakuläre Art und Weise. Auch Stallones wütende Intensität und ein Blutbad-Finale können nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Film nur langsam in Fahrt kommt und letztlich kaum mehr ist als Fließbandware aus der Liam-Neeson-Racheaction-Fabrik.

Trailer