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Cold Prey 3 – The Beginning (2010)

Cold Prey 3 - The Beginning (2010) Filmkritik

Fritt vilt III, NO 2010 • 95 Min • Regie: Mikkel Brænne Sandemose • Mit: Ida Marie Bakkerud, Julie Rusti, Kim S. Falck-Jørgensen, Pål Stokka, Arthur Berning • FSK: ab 16 Jahren • Verleih: Ascot Elite Home Entertainment DVD-Start: 4.10.2011

Handlung

Cold Prey 3 – The Beginning erzählt die Vorgeschichte zur erfolgreichen norwegischen Horrorreihe. Der dritte Film spielt in den 1980ern und erzählt die Geschichte des sadistischen Jungen, der zum vermummten Spitzhacken-Killer der ersten beiden Filme heranreift. Die Rahmengeschichte lehnt sich dabei stark an den ersten Film an. Eine Gruppe junger Studenten reisen in die Berge, um das abgelegene Hotel (welches der Schauplatz des ersten Films war) aufzusuchen. Das Paar, welchem das Hotel einst gehörte verlor vor einigen Jahren seinen Sohn und verschwand selbst spurlos kurz darauf. Nicht lange dauert es, bis die ersten Studenten dem Killer zum Opfer fallen…

Kritik

Scream, Saw, A Nightmare on Elm Street, Halloween und Freitag, der 13. – was haben diese Filme gemeinsam? Sie alle sind extrem erfolgreiche Vertreter des Horrorfilm-Genres und zogen eine nicht enden wollende Reihe an Fortsetzungen nach sich. Typisch Hollywood, oder? Nicht nur Hollywood, wie sich herausstellt. Erfolgreiche Horrorfilme bekommen ein Sequel in so ziemlich jedem Land. Gute Beispiele dafür sind die [REC]-Reihe aus Spanien, die Ring-Serie aus Japan und Deutschlands eigenes (wenn auch kurzes) Horror-Franchise – Anatomie. Ein weiterer Vertreter ist natürlich Cold Prey aus Norwegen.

Cold Prey 3 (2010) Filmbild 2Vor dem Erscheinen des ersten Films im Jahre 2006, war Norwegen kaum für Horrorware bekannt. Cold Prey setzte sich gegen alle Erwartungen durch und wurde nicht nur in seinem Heimatland ein Hit, sondern begeisterte Genre-Fans rund um den Globus. Der Film war zwar kein Höhepunkt des Schaffens, was Originalität betrifft und kopierte (erfolgreich) viele Elemente von seinen Hollywood-Vorbildern, überzeugte jedoch durch die sehr direkte, satirefreie Inszenierung, atemberaubende Landschaften, unerbittliche Spannung und eine starke Heldin. Die erste Fortsetzung, Cold Prey 2 Resurrection, knüpfte wie einst Halloween II an den ersten Film direkt an. Unglücklicherweise schaffte der Film es nicht, den Zuschauer so zu fesseln wie der erste Streifen. Trotzdem war es ein zumindest passabler Genre-Beitrag. Der Erfolg des Films stellte sicher, dass ein weiterer Teil folgen würde.

Hier standen die Filmemacher aber vor einem Problem. Das Ende des zweiten Films ist ziemlich endgültig und lässt wirklich keinen Raum für eine Fortsetzung. Ein Problem? Wohl kaum!

Entsprechend einem Trend aus Hollywood, entschieden sich die Macher hier einfach dafür, eine Vorgeschichte zum ersten Film zu drehen. Hier muss angemerkt werden, dass der Regisseur das zeitliche Setting wohl nicht zu Ernst genommen hat, wenn man die diversen Anachronismen des Films betrachtet.

Im Gegensatz zu seinen beiden Vorgängern wird hier nicht lange rumgefackelt und die Charaktere bekommen auch keine extensive Einführung. Das Abmurksen der Figuren geht flott los. Wie schon der erste Film, ist Cold Prey 3 – The Beginning ein konventioneller Streifen, der todernst viele Genre-Klischees befolgt, ohne dem Publikum Scream-mäßig zuzuzwinkern. Dies ist heutzutage schon wieder erfrischend, bringt aber ein gewisses Maß an Vorhersehbarkeit mit sich.

Cold Prey 3 (2010) Filmbild 1Insgesamt ist der Film eine Verbesserung gegenüber dem zweiten Teil und kann in seinen besten Momenten locker mit dem ersten Film mithalten. Einer der Gründe dafür ist das Natur-Setting, welches wieder eindrucksvoll die Schönheit von Norwegens Landschaften präsentiert (nur diesmal im Sommer). Ferner schafft es der Film, die Spannung des ersten Teils zu erreichen. Um die vorhin genannte Vorhersagbarkeit zu mildern, fokussiert der Film nicht auf einen unserer Protagonisten, sodass der Reihenfolge, in der die Studenten das Zeitliche segnen und wer überleben wird, nicht zu offensichtlich ist. Dies war ein weiteres Problem des zweiten Films, in dem Jannicke, als starke Heldin, immer den sicheren Überlebensschein auf ihrer Seite hatte. Natürlich verliert dabei der dritte Film auch Punkte dadurch, dass eine so starke Heldin wie Jannicke hier völlig fehlt. Andererseits, wenn man bedenkt, dass dies eine Vorgeschichte ist, ist es für die Kenner der ersten beiden Filme sowieso ziemlich klar, wie das Ganze ausgehen wird.

Alles in allem ist Cold Prey 3 – The Beginning eine positive Überraschung und zeigt wieder einmal, dass das Slasher Genre ist seiner ernsten, kompromisslosen Form noch nicht tot ist.

Fazit

Obwohl der finale Film in der Cold-Prey-Reihe sicherlich kein Genreklassiker ist und es ihm an dem „Novum“ des ersten Films mangelt, gleicht er dies durch brutale Intensität aus.

Trailer

Saphirblau-Stars Josefine Preuß und Kostja Ullmann im Interview

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Josefine Preuß Interview

Josefine Preuß und Kostja Ullmann bei der "Saphirblau"-Premiere in Köln © 2014 Concorde Filmverleih GmbH/Le Hai Linh Photography

Wir setzen unsere Interview-Reihe zu Saphirblau fort. Diesmal haben wir für Euch gleich ein Interview-Doppel mit zwei prominenten Nebendarstellern aus dem Film – Josefine Preuß und Kostja Ullmann. Beide können mittlerweile auf eine langjährige Karriere im Kino und im Fernsehen zurückblicken. Nichtsdestotrotz sind beide extrem bodenständig geblieben und waren in den Interviews grundsympathisch.

Erst vor zwei Jahren war Josefine Preuß mit Türkisch für Anfänger – Der Film im erfolgreichsten deutschen Film von 2012 im Kino zu sehen. Zuletzt begeisterte sie Millionen von Fernsehzuschauern in historischen Streifen wie Die Hebamme und Die Pilgerin. In Rubinrot und Saphirblau spielt sie die wichtige Rolle von Lucy Montrose – ein Part, der ihr wie auf den Leib geschrieben ist. In unserem Gespräch verriet sie uns, worauf ihre Faszination mit der Edelstein-Trilogie beruht, weshalb sie diese "Harry Potter" vorzieht und wie die Chancen von Türkisch für Anfänger 2 stehen.

Josefine Preuß

Filmfutter: Hast Du den Film bereits gesehen?

Josefine Preuß: Nee, noch gar nicht. Die Premiere heute ist auch meine Premiere. Es gab wohl vorab ein Screening mit den Darstellern, aber zu der Zeit konnte ich nicht. Ich lasse mich heute also überraschen. Ich kann noch gar nichts zu dem Film sagen. Über das Drehbuch, die Dreharbeiten und die Vorlage kann ich erzählen, aber ich bin gespannt, wie der Film jetzt aussieht. Gerade darauf, wie unser Stunt funktioniert hat. Ich bin ja immer von diesen Zeitrücksprungaktionen fasziniert. Das war schon lustig zu drehen, aber jetzt will ich es auch sehen.

FF: Ihr werdet dann an den Seilen hochgezogen, oder? Wie fühlt sich das an?

JP: Toll. Ich liebe es, Stunts zu machen.

FF: Darfst Du viel selbst machen?

JP: Man darf nicht alles selbst machen. Aber ich versuche, so viel wie möglich selbst zu machen. Eben alles, was die Versicherung mitmacht, aber da gibt es strenge Vorgaben beim Film.

FF: Deine Rolle als Lucy ist im zweiten Film etwas wichtiger und emotionaler. Hast Du dich da auf eine bestimmte Szene im Vorfeld gefreut?

JP: Shakespeare zu treffen! Ich muss dazu sagen, dass ich die Thematik der Edelstein-Trilogie schon viel länger kenne, weil ich schon damals für Kerstin Gier die Hörbücher einlesen durfte. Ich weiß noch, wie ich beim Einsprechen des zweiten Teils, „Saphirblau“, im Hörbuchstudio saß und dachte: „Mein Gott, hier wird die ganze Zeit von rothaarigen Frauen geredet, die in der Zeit reisen. Also wenn ich beim Film nicht für eine Rolle angefragt werde, dann fresse ich ’nen Besen!“ Und dann war es wirklich einige Wochen später so weit für Rubinrot. Wenn man weiß, wie wichtig die Rolle von Lucy ist, was sie inhaltlich in der Geschichte ist und was sie für Gwendolyn ist, dann weiß man, was für ein interessanter Charakter sie ist. Ich wollte sie unbedingt spielen. Ich fand die Bücher aber auch alle richtig schön. Ich bin nie auf „Harry Potter“ kleben geblieben, das war mir zu sehr „Muggels“ und die abgefahrene Fantasywelt (lacht), aber die Edelstein-Trilogie ist für mich echt gute Unterhaltung – sowohl im Buch als auch im Film.

FF: Stimmt, Du hast in Vergangenheit in anderen Interviews schon erwähnt, dass Du kein Fan von „Harry Potter“ bist. Wo siehst du den Unterschied zwischen „Harry Potter“ und der Edelstein-Trilogie? Einige sagen ja, die Trilogie sei das „deutsche Harry Potter“…

JP: Ich würde das auch gar nicht vergleichen. Geschichten sind dazu da, um zu erzählen. Ob sie nun realistisch sind oder nicht, ist egal. Ich muss mich in Geschichten verlieren und sie müssen mich fesseln. Das Schönste an einem Buch oder einem Film ist, wenn du vergisst, dass es ein Buch oder ein Film ist. Mit „Harry Potter“ bin ich nie warm geworden. Zauberlehrlinge in einer Zauberschule…das war nicht mein Ding. Bei der Edelstein-Trilogie finde ich die Thematik von Zeitreisen echt super. Und auch als Filme – für die Zielgruppe und als ein Unterhaltungs- und Familienfilm haben Rubinrot und Saphirblau einfach alles dabei. Wir haben ein bisschen Action, wir haben ein bisschen Drama, wir haben eine ganz tolle Liebesgeschichte – eine moderne Variante von „Romeo und Julia“. Eigentlich gibt es ja sogar zwei Liebespaare – Lucy und Paul sind die Vorreiter von Gwen und Gideon. Es ist einfach eine schöne, verflochtene Geschichte mit tollen, starken Charakteren und einer guten Besetzung.

FF: Als Du die Romane zum ersten Mal gelesen hast, hast Du dir also schon vorgestellt Lucy zu spielen?

JP: Damals nicht speziell Lucy. Ich dachte nur, dass bei rothaarigen Frauen, die durch die Zeit reisen…tja, so viele rothaarige Schauspielerinnen gibt es in Deutschland gar nicht. Bei den Hörbuchaufnahmen zu „Saphirblau“ wurden schon Gerüchte laut, dass die Reihe verfilmt werden soll. Ich fand es auch ganz toll, dass Kerstin Gier die Rechte in Deutschland gelassen hat. Das hat Cornelia Funke mit „Tintenherz“ ja anders gemacht. Das finde ich ganz toll, weil wir’s auch können. Kerstin Gier hätte damit auch nach Amerika oder England gehen können, die Bücher sind auch dort erfolgreich. Ich habe beim Einsprechen damals schon verkündet, dass ich schon gerne angefragt werden würde. Es war klar, dass ich nicht die Hauptrolle spielen konnte, aber Lucy zu spielen hat mich total gefreut! Lucy ist ein toller Charakter. Sie ist sehr geheimnisvoll, in dem, was sie zu verbergen hat und gerade in Saphirblau wird jetzt ganz klar, was für eine große Bedeutung sie hat.

Josefine Preuß Interview

FF: Du warst in relativ kurzer Zeitspanne in zwei Fantasyfilmen, Rubinrot und Saphirblau, und einem Horror-Mysterythriller, Lost Place, zu sehen. Das sind allesamt Genres, die in Deutschland nicht häufig vertreten sind…

JP: Die auch nicht gut laufen in Deutschland. Schade.

FF: Hast Du ein Faible für diese Genres?

JP: Gar nicht. Man könnte dann ja auch behaupten, dass ich ein Faible für Historienfilme habe, wenn ich Adlon, Die Pilgerin oder Die Hebamme drehe. Ich will immer möglichst unterschiedliche Sachen drehen und vor allem tolle Geschichten erzählen. Wenn du ein Drehbuch liest, weißt du nicht, ob der Film oder die Serie gut oder erfolgreich wird, ob wie bei Türkisch für Anfänger über 2 Millionen ins Kino gehen oder wie bei Lost Place nur drei Zuschauer. Das weiß ich nicht, aber danach richte ich meine Projekte nicht aus. Es muss mich beim Lesen packen.

FF: Aber woran liegt es, dass die Genrefilme hierzulande nicht so gut laufen?

JP: Weil es immer dieses Vorurteil gibt, dass wir es nicht so gut wie die Amerikaner können, dass wir nicht die technischen Mittel hätten, um Spezialeffekte gut aussehen zu lassen. Das ist Quatsch. Wenn man genug Geld hat und die richtigen Leute, dann sieht das auch in Deutschland fett aus. Aber das traut sich keiner. Was in Deutschland funktioniert, sind eben Romantic Comedies. Aber ich glaube, da ist der Markt auch übersättigt. Also ich kann mir jetzt nicht Kokowääh 23 anschauen (lacht). Es gibt noch andere Geschichten zu erzählen. Es muss auch nicht immer knallen und explodieren. Auch US-Filme wie Station Agent oder Juno sind tolle Streifen mit einer tollen Geschichte. Es passiert kaum was, aber sie sind super. Das wird in Deutschland nie funktionieren.

FF: Die Studios in Deutschland trauen sich nicht viel.

JP: Mutlos, ja. Wir haben echt gute Leute, Autoren. Es gibt einige echt gute, junge und motivierte Leute im Geschäft, aber sie müssen erstmal von den Produzenten angenommen werden und das dauert ein bisschen. Ich finde auch, dass in unserem Serienmarkt noch so viel passieren muss.

FF: Du hast ja auch kürzlich große Erfolge im Fernsehen gehabt, mit Die Pilgerin und Die Hebamme. Wenn man jetzt nach USA schaut, dann können dort die Serien locker mit dem Kino mithalten. Denkst Du, dass es in Deutschland irgendwann auch so weit sein wird?

JP: Nicht so wie in Amerika, aber wir sind noch sehr ausbaufähig, was Serien anbelangt. Es gibt immer 2-3 Perlen, die funktionieren. „Danni Lowinski, „Der letzte Bulle“„Der Tatortreiniger“ ist toll oder auch Dominik Grafs Miniserie „Im Angesicht des Verbrechens“. Selbst „Türkisch für Anfänger“ war toll oder auch „Berlin, Berlin“. Wir müssen uns trauen und es ist auch in der Verantwortung der Sender; nicht eine Staffel zu produzieren und dann nach der zweiten Folge zu sagen: „Oh, wir erreichen die Marktanteile nicht, also schicken wir es ins Nachtprogramm.“ Man muss den Leuten auch ein bisschen Zeit geben, sich daran zu gewöhnen. Hätten wir bei „Türkisch für Anfänger“ alles nach Quoten beurteilt, wäre es nie zum Kinofilm gekommen, denn auch unsere Quoten waren bescheuert. Wenn man eine Serie produziert, dann soll man sie bitte auch senden. Es muss so schlimm für die Darsteller und die Crew sein, wenn du ein halbes Jahr deines Lebens damit verbringst, etwas auf die Beine zu stellen und es dann weggesendet oder gar nicht gesendet wird. Das muss furchtbar sein und ich glaube, das ist der Grund, weshalb gerade jetzt viele gute Leute keine Serien machen wollen. Man weiß nie, ob es ein fester Job ist oder ob es nur die Pilotfolge ist, die läuft. Da muss sich in Deutschland was ändern.

FF: Arbeitest Du lieber für das Kino oder fürs Fernsehen?

JP: Ich mache da gar keinen Unterschied. Man spielt ja auch nicht anders für die Kamera. Kamera ist Kamera… Man erreicht nur vielleicht ein unterschiedliches Publikum. Was wir in Deutschland richtig gut können, sind Mehrteiler, wie „Adlon“ oder „Unsere Mütter, unsere Väter“. Was war das für ein hammermäßiges deutsches Fernseh-Event! Wir können es! Das funktioniert richtig gut. Und damit erreichst du auch 6-7 Millionen, die du mit einem Kinofilm kaum erreichen kannst. Es gibt bestimmte Projekte, die nur im Fernsehen funktionieren.

FF: Merkst Du am Set einen Unterschied zwischen einem Kinofilm und einer Fernsehproduktion?

JP: Der Aufwand am Set eines Kinofilms ist schon ein bisschen größer. Aber nicht die Motivation oder der Wille der Leute, etwas Gutes zu machen. Beim Kino, je nachdem wo die Förderung herkommt, ist man auch viel mehr unterwegs. Fernsehen ist etwas kleiner, gemütlicher und familiärer.

FF: Ein Thema, das mir bei Rubinrot und Saphirblau stark aufgefallen ist, ist Emanzipation. Frauen werden innerhalb der Loge als minderwertig gesehen und starke Frauen wie Lucy oder Gwen müssen sich erst beweisen. Leider ist diese Ungleichheit auch ein Thema, das in der Gesellschaft immer wieder noch auftritt.

JP: Findest du? Wir haben immerhin eine Kanzlerin und eine Verteidigungsministerin.

FF: Und dennoch sind beispielsweise die Gehälter von Männern und Frauen in gleichen Positionen nicht gleich.

JP: Das stimmt, 7% weniger, habe ich gelesen. Aber diese Ungleichheit kennt man und man sagt ja auch, dass Frauen anders verhandeln müssen. Was ich aber noch viel schlimmer finde, ist die Ungleichheit zwischen West und Ost. Dass das mehr als 22 Jahre nach Mauerfall immer noch so ist, stört mich viel mehr. Aber das betrifft glücklicherweise nicht meine Branche. Das Problem der Ungleichheit zwischen Männern und Frauen merke ich in der Filmbranche aber selbst zum Glück nicht. Bei unserem Film hatten wir ja auch einen Mann und eine Frau als Regisseure.

FF: Wie war es eigentlich, unter zwei Regisseuren zu arbeiten?

JP: Das war nicht das erste Mal, dass ich das hatte. Wenn die Regisseure sich im Vorfeld einig sind, merkst du nur einen Regisseur, auch wenn da zwei stehen.

FF: Kannst Du uns etwas zu deinen künftigen Projekten verraten?

JP: Am 13. und 15. Oktober kommt „Alles muss raus“. Darin geht es um den Untergang einer Drogeriemarktkette, mit der Schlecker-Affäre als Vorlage. Es ist wieder eine Oliver-Berben-Produktion. Dann wird der vierte Teil meiner „Lotta“-Reihe Ende oder Anfang des Jahres gesendet.

FF: Was natürlich sehr viele Deiner Fans interessiert – wie stehen die Chancen von einem zweiten Türkisch-für-Anfänger-Film?

JP: Ich habe die Info, dass zunächst Fack Ju Göhte 2 gedreht wird. Das wird nächstes Jahr geschehen und Bora (Dagtekin) hat bestimmt nicht die Zeit und die Muse zwei Filme in einem Jahr zu machen, also wird man wahrscheinlich 2014 und 2015 von Türkisch für Anfänger 2 nichts hören. Aber sag niemals nie!

FF: Du wurdest bestimmt schon sehr häufig in den Interviews gefragt, in welche Zeit Du gerne zurückreisen würdest. Ich habe eine andere Variante der Frage. Wenn Du Deinem jüngeren Ich begegnen könntest, welche Weisheit oder welchen Ratschlag würdest Du ihr auf den Weg geben?

JP: Mach alles genau so, nur noch lauter. Sag wirklich immer, wenn dir was gegen den Kragen geht. Ich war zu oft zu brav. Ich hätte mehr ausrasten sollen an bestimmten Punkten. Ein bisschen auf die Kacke hauen. Das sollten eh generell alle mehr machen.

FF: Vielen Dank für das Interview!

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Kostja Ullmann

Kostja Ullmann, den die deutschen Kinogänger durch Filme wie Stelungswechsel oder Groupies bleiben nicht zum Frühstück kennen, hat in Saphirblau leider nur einen ziemlich kurzen Auftritt als der hilfreiche, wenn auch manchmal irritierende Geist James Pimplebottom. In unserem Interview verriet er den Grund, weshalb die Rolle diesmal so kurz ausfiel, versprach mehr von James für Smaragdgrün und erzählte von seiner Arbeit mit den Hollywood-Stars Philip Seymour Hoffman, Willem Dafoe und Rachel McAdams bei A Most Wanted Man.

Filmfutter: Deine Rolle in dem Film war leider relativ kurz. Findest Du nicht auch, dass James mehr Szenen haben sollte?

Kostja Ullmann: (lacht) Spaß hätte ich auf jeden Fall! Leider hatte ich letztes Jahr kaum Zeit, um den Film zu drehen, weil ich noch in anderen Projekten steckte. Deswegen konnte ich in Saphirblau nur einen kleinen Auftritt haben. Gerade habe ich aber schon mit Felix (Fuchssteiner), dem Regisseur, darüber gesprochen, dass die Rolle im dritten Teil, Smaragdgrün, größer werden würde und ich auch mehr Auftritte haben würde.

FF: Das heißt, im dritten Teil würde man dann auch endlich mehr über die Figur erfahren – wer James ist, warum er ein Geist ist und so weiter?

KU: Ja, genau, das würde alles beantwortet werden.

FF: Gibt es schon konkrete Pläne für den dritten Film?

KU: Konkret weiß ich das nicht, das wissen die Regisseure. Ich kann mir vorstellen, dass es gemacht wird. Natürlich hängt das aber auch davon ab, wie Saphirblau anläuft. Ich habe bislang nur Tolles gehört und ich bin schon gespannt, ihn heute zum ersten Mal zu sehen.

FF: Inwiefern würdest Du sagen ist Deine Figur, James, für die Geschichte der Filme wichtig?

KU: Er ist insofern wichtig, als dass er ein guter Ansprechpartner für Gwen ist. Sie ist ja auch die einzige, die ihn sehen kann und er kann ihr immer wieder gute Tipps geben, wie sie sich zu benehmen hat in der damaligen Zeit, welche Umgangsformen es gab und wem sie aus dem Weg gehen sollte.

FF: Hast Du die Bücher vor dem Dreh gelesen?

KU: Ich habe sie gelesen, als ich von dem Projekt erfahren habe. Ich habe das Drehbuch bekommen, habe dann auch den Roman gelesen. Natürlich habe ich auch bemerkt, dass es Unterschiede gibt zwischen dem Roman und dem Drehbuch, was aber normal ist. Man kann nicht alles übernehmen, sonst muss man auch wie bei Der Herr der Ringe zig Teile daraus machen (lacht). Natürlich muss man alles auch filmischer machen, um eine andere Spannung aufzubauen. So muss dann auch eine Rolle wie James, die im Buch anfangs vielleicht etwas größer ist, in den Filmen vorerst kleiner gemacht werden, weil die Schwerpunkte woanders gesetzt werden.

FF: Stand der Look Deines Charakters von Anfang an so fest oder wurde da Verschiedenes ausprobiert?

KU: Es gibt ja schon die Vorlage aus dem Buch, sodass man weiß, was das für ein Typ ist. Aber natürlich haben wir auch mit den Kostümen viel herumprobiert und geschaut, wo es hingeht und womit ich mich wohl gefühlt habe. Für mich war es natürlich eine Herausforderung, weil ich einerseits den Fans gerecht werden wollte, andererseits aber auch etwas Eigenes in die Rolle einbringen wollte. Durch meine Haltung und durch mein Spiel habe ich James mitentwickelt und das hat enorm viel Spaß gemacht, auch wenn es beim zweiten Film leider nur ein kurzes Vergnügen war.

Kostja Ullmann Josefine Preuß Interview 2

FF: Wie lange hast Du in der Maske verbracht?

KU: Es waren immer etwa eine halbe bis eine ganze Stunde. Die Perücke war nicht immer einfach draufzukleben, zumal ich zu der Zeit eigentlich etwas längere Haare hatte. Aber die Maskenbildner sind irgendwann auch sehr eingespielt und dann geht es in einer halben Stunde. Das Kostüm war natürlich auch eine Herausforderung. Das bedarf immer helfender Hände, allein schafft man es gar nicht.

FF: Hattest Du nicht die Versuchung, nach dem Dreh den Fächer, den Dein Charakter immer trägt, als Souvenir mitzunehmen?

KU: Lieber nicht, sonst gewöhne ich mir das noch an! Obwohl es natürlich ein schönes Andenken an die James-Rolle ist.

FF: Bist Du eigentlich selbst ein Fantasy-Fan?

KU: Lustigerweise bin ich eigentlich gar kein riesiger Fantasy-Fan, obwohl ich nach dem Lesen der Bücher schon irgendwie zum Fan wurde. Das Tolle an dieser Trilogie sind Zeitreisen. Das finde ich sehr spannend, weil das so viel möglich macht.

FF: Hast du Deinen Lieblings-Zeitreisefilm?

KU: Ich bin mir Zurück in die Zukunft aufgewachsen und darüber geht einfach nichts. Der ist großartig. Der erste war natürlich ein Klassiker, aber auch Teil 2, als es dann wirklich in die Zukunft ging, war super. Das fliegende Skateboard war einfach super! Die Filme bleiben auch bis heute toll.

FF: Du hast ja auch schon vor Rubinrot und Saphirblau eine erfolgreiche Karriere gehabt. Merkst Du schon die Auswirkungen dieser Filme, insofern als dass die Fans Dich speziell auf diese Rolle ansprechen?

KU: Gerade über die sozialen Netzwerke bekommt man natürlich mit, wie viele Fans die Trilogie hat. Schon vor den Dreharbeiten gab es natürlich schon eine große Fangemeinde, die nach dem ersten Film noch größer wurde. Das bekommt man natürlich mit. Über die sozialen Netzwerke wird sehr viel geschrieben und gepostet und da freue ich mich natürlich, wenn ich selbst mit dieser kleinen Rolle die Leute glücklich machen und ihre Vorstellung bestätigen konnte.

FF: Bald kommt ein weiterer Film mit Dir in die Kinos, die John le Carré-Verfilmung A Most Wanted Man. Wie war es denn, mit großen Hollywood-Stars wie Philip Seymour Hoffman, Willem Dafoe und Rachel McAdams zu drehen?

KU: Das war natürlich in den ersten Tagen wahnsinnig aufregend. Es war total beeindruckend mit solchen großartigen Schauspielern, die ihren Beruf so beherrschen, vor der Kamera zu stehen. Gerade Philip Seymour Hoffman, der so in diese Rolle hineinschlüpfte und sich so von sich selber entfernte – da muss man aufpassen, dass man in der Szene nicht selbst aufhört zu spielen und nur noch zuschaut, weil es so faszinierend ist. Auch von Willem Dafoe war ich sehr beeindruckt, weil er einfach so bodenständig ist. Es sind einfach tolle Schauspieler, aber genau so toll ist es auch, mit deutschen Schauspielern zu spielen, die einfach ihr Fachwerk so beherrschen. Das ist immer klasse.

FF: Es war für Dich bestimmt auch cool, in Deiner Heimatstadt Hamburg zu drehen.

KU: Vor allem war es nicht einfach nur toll, zu Hause zu drehen, sondern der Regisseur Anton Corbijn hat Hamburg auch von einer anderen Seite gezeigt und das war fantastisch.

FF: War die Arbeit am Set anders verglichen mit rein deutschen Produktionen?

KU: Es ist alles ein bisschen größer. Es gibt natürlich einen Trailerpark für die ganzen Schauspieler. Es steckt auch mehr Geld drin, man hat auch mehr Zeit und dadurch gibt es weniger Hektik am Set. Aber letztendlich machen sie ja auch genau so einen Film, wie alle anderen. Die Arbeit ist essentiell die Gleiche. Natürlich arbeitet jeder Regisseur anders und jeder Kameramann arbeitet anders, aber das ist nicht besser oder schlechter.

FF: Nachdem Du jetzt mit einigen Hollywood-Stars zusammengearbeitet hast, wer steht ganz oben auf Deiner Wunschliste von den Stars, mit denen Du gerne gemeinsam einen Film drehen würdest – egal ob deutsch oder aus dem Ausland?

KU: Schwierig…Ich glaube, wen ich ganz cool fände ist Gael García Bernal aus Y Tu Mamá También. Er ist ein bemerkenswerter Schauspieler. Aus Deutschland fände ich Daniel Brühl interessant. Bei A Most Wanted Man konnte ich in einer kleinen Rolle mit ihm zusammenarbeiten, aber eine größere Rolle fände ich sehr interessant. Er ist nicht nur ein toller Schauspieler, sondern auch ein wahnsinnig sympathischer Kerl.

FF: Was kannst Du uns zu Deiner Komödie Coming In, von Marco Kreuzpaintner verraten?

KU: Es wird eine schöne romantische Komödie, die von einem Starfriseur à la Vidal Sassoon handelt. Ere hat einen funktionierenden Laden und bringt auch Shampoos und andere Pflegeprodukte auf den Markt, alles nur für Männer. Er verliebt sich in eine Frau. Das Merkwürdige an der Sache ist jedoch, dass er eigentlich schwul ist und in einer funktionierenden Beziehung lebt. Diese Frau stellt plötzlich sein ganzes Leben auf den Kopf. In der heutigen Gesellschaft ist es ja leider nicht „normal“, dass man sich einfach in einen Menschen verliebt und nicht das Geschlecht und so wird das erstmal zu einem Problem.

FF: Also räumt der Film auch mit Klischees auf?

KU: Total. Natürlich spielt er aber auch mit Klischees, aber er räumt auch auf. Die Message ist einfach, dass man aufhören sollte, in Schablonen zu denken. Es geht um Liebe und nicht um Geschlechter und Normen

FF: Coming In and A Most Wanted Man sind ja bereits abgedreht. Woran arbeitest Du aktuell?

KU: Vor einer Woche habe ich erst einen Film mit dem Titel Drei Türken und ein Baby abgedreht, eine sehr schöne Komödie, mit zwei tollen Schauspielern, Kida Ramadan und Eko Fresh, dem Kölner Rapper. Wir spielen drei Brüder, die unverhofft an ein Baby geraten, es nicht loswerden können und damit zurechtkommen müssen. Der Titel ist natürlich angelehnt an Drei Männer und ein Baby, aber die Story ist ganz anders. Es gibt sehr viele lustige Momente ein dem Film. Regie führte Sinan Akkus, der mit Evet, ich will seinen ersten Film drehte. Er hat einen unglaublichen Humor. Ich bin sehr gespannt, wie er ankommen wird. Ich bin sehr stolz auf diesen Film. Er wird im Frühjahr nächsten Jahres in die Kinos kommen.

FF: Zum Abschluss noch eine Frage zu Zeitreisen. In den Büchern darf man nicht in eine Vergangenheit reisen, in der man schon selber existiert. Angenommen aber Du könntest Dein jüngeres Ich besuchen, welchen Ratschlag oder welche Weisheit würdest Du ihm auf den Weg geben?

KU: Ich würde ihm sagen: „Reiß dich in der Schule mehr zusammen und gib dir mehr Mühe! Lerne mehr!“ (lacht). In der Schule war ich doch sehr nachlässig. Sonst würde ich, glaube ich, nicht viel mehr sagen, weil letztendlich doch alles toll war und die Fehler, die man gemacht hat, gehören einfach dazu und man lernt auch daraus. Ich hatte eine tolle Kindheit, eine super Familie, meine Eltern haben einen tollen Job gemacht. Ich bin mit vielen Fehlern aufgewachsen und trotzdem bin ich jetzt ein sehr glücklicher Mensch, zufrieden mit meinem Beruf, mit mir selber. Es ist wichtig, dass man das sagen kann, ohne zu viel von sich selber zu halten.

FF: Vielen Dank für das Interview, Kostja.

von Arthur Awanesjan

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Saphirblau läuft seit dem 14.08. in den deutschen Kinos.

Weitere Interviews aus dem Saphirblau-Special:

Maria Ehrich

Jannis Niewöhner

Cold Prey 2: Resurrection – Kälter als der Tod (2008)

Cold Prey 2 (2008) Filmkritik

Fritt vilt II, NO 2008 • 86 Min • Regie: Mats Stenberg • Mit: Ingrid Bolsø Berdal, Marthe Snorresdotter Rovik, Kim Wifladt, Johanna Mørck • FSK: ab 18 Jahren • Verleih: Tiberius Film DVD-Start: 5.02.2010

Handlung

Cold Prey 2: Resurrection knüpft unmittelbar an das Ende des Vorgängers an. Jannicke (Ingrid Bolsø Berdal) wird als einzige Überlebende des Massakers im Berghotel verwundet und verstört in das nächstgelegene Krankenhaus gebracht. Wie der Zufall (oder eher ein fauler Drehbuchautor) es so will, wird der wundersamerweise noch lebendige Killer dort auch eingeliefert. Trotz der schwersten Verletzungen, die er nach dem Finale des ersten Films haben sollte, wacht er auch, meuchelt seine behandelnden Ärzte nieder und wieder liegt es an Jannicke, ihm gegenüberzutreten.

Kritik

Der 2006 auf die Welt losgelassene Horrorhit aus Norwegen Cold Prey, kann zu Recht mit dem ebenfalls erfolgreichen britischen Horrorstreifen The Descent verglichen werden. Beide benutzen eine eher unübliche Landschaft als Setting (verschneite Berge bzw. Höhlen). Beide Filme haben einen sehr starken weiblichen Charakter (Ingrid Bolsø Berdals Jannicke bzw. Shauna Macdonalds Sarah). Beide Filme wurden aber auch mit einem absolut unnötigen Sequel versehen, welches direkt nach dem Ende des ersten Films ansetzt.

Wie man der Handlung bereits entnehmen kann, erfordert der Genuss von Cold Prey 2: Resurrection eine enorme Aussetzung des logischen Denkens. Niemand kann behaupten, dass der erste Film durch und durch realistisch war, aber verglichen mit dem zweiten wirkt er wie eine CNN-Reportage. Abgesehen von dem absolut unglaubwürdigen Überleben des Killers nach dem Showdown in Teil 1, macht so ziemlich jeder Charakter in diesem Film dumme Fehler oder trifft unlogische Entscheidungen. Das schließt sogar den Killer selbst ein.

Cold Prey (2008) Filmbild 1Doch während Descent 2 zum großen Teil noch die Atmosphäre und die Spannung des Originals wieder erreichen konnte, fällt dies der Fortsetzung von Cold Prey streckenweise schwer. Wie im Vorgänger, beginnt das Blutbad nicht sofort, sondern erst ab etwa der Mitte des Films. Im ersten Film diente das der gelungenen Einführung der fünf Figuren, mit denen man auch mitfiebern konnte. In Cold Prey 2, hingegen, kommt mit der Ärztin Camilla (Marthe Snorresdotter Rovik) nur ein guter neuer Charakter hinzu. Insbesondere ein extrem nerviger kleiner Junge stört ungemein (häufig ein Symptom von Horrorfilmen). Außerdem ist das Krankenhaus-Setting (Halloween 2 lässt grüßen) nicht so beeindruckend wie die Schneelandschaft und das verlassene Hotel im ersten Film. Nichtsdestotrotz hat auch dieser Film diverse spannende Szenen zu bietet und Berdals Jannicke ist ein weiteres Mal ein sehr überzeugendes Final Girl. Berdal schafft es, sowohl den verletzlichen, menschlichen Aspekt von Jannicke spielen (die ja durch die Hölle gegangen ist), als auch Ihren Unwillen aufzugeben und die Entschlossenheit, den Mörder endlich zur Strecke zu bringen.

Nach einer durchweg soliden ersten Stunde, driftet der Film in ein Territorium ab, in dem wohl gar kein logisches Denken mehr herrscht. Ohne viel zu verraten, kann ich nur sagen, dass die Handlungen der Hauptcharaktere am Ende jeglichen gesunden Menschenverstand außer Acht lassen. Immerhin Lob an die Macher, dass das Ende wohl sehr endgültig scheint und keine weitere Tür für eine direkte Fortsetzung offen gelassen wurde (der dritte Teil ist ja eine Vorgeschichte). Oder etwas doch?!

Fazit

Obwohl Cold Prey 2: Resurrection nicht an allen typischen Symptomen einer Horrorfortsetzung leidet, kann er nicht ganz an die Qualität des Vorgängers anknüpfen.

Trailer

https://youtu.be/5eveXDCKKuU

The Expendables 3 (2014)

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The Expendables 3, USA/FR  2014• 127 Min • Regie: Patrick Hughes • Mit: Sylvester Stallone, Jason Statham, Dolph Lundgren, Wesley Snipes, Antonio Banderas, Mel Gibson, Jet Li, Randy Couture, Harrison Ford, Arnold Schwarzenegger, Terry Crews • FSK: ab 16 Jahren • Kinostart: 21.08.2014Deutsche Website

Schnappt Euch eine Packung „Werther’s Echte“, schlingt die alte Winnie-Pooh-Decke aus Kindheitstagen um Euch und schaut die staubige Kiste mit Polaroids durch. Tief drinnen breitet sich die wohlige Wärme der Nostalgieversessenheit aus. Zufriedenheit. Ein paar Reizworte aus vergangenen Tagen reichen oftmals völlig aus, um einen ad hoc in eine glorreiche Vergangenheit zu versetzen. Sylvester Stallone gab sich vielleicht ähnlichen Ideen hin, als er das „Expendables“-Franchise startete. Lundgren, Schwarzenegger, Van Damme sind neben jüngeren Actionstars wie Statham genau die Art reißerische Namensparade, um ein Nostalgiegefühl des 80er Jahre Action-Kinos herbeizuzaubern. Bei Teil 1 gelang dies, bei Teil 2 gelang es etwas weniger gut und bei Teil 3 –Trommelwirbel- gelingt es gar nicht. Nostalgie-Enthusiasten greifen dieses Mal besser zur Kiste schmucker Retro-Polaroids, um die Vergangenheit erfolgreich aufleben zu lassen. Vielleicht läuft dabei noch „Rocky“ im Hintergrund.

the-expendables-gibsonZum Inhalt gibt es relativ wenig zu sagen. Bei einem guten Actionfilm ist das auch völlig in Ordnung, aber hier fällt es zusätzlich negativ auf. Zu Beginn wird Sanitäter und Messerspezialist Doctor Death (Wesley Snipes) in einer halsbrecherischen Aktion aus einem fahrenden Zug befreit. Das neue/alte (Gründungs-)Teammitglied der Expendables ist sofort beim nächsten Coup dabei, wo das Team um Barney Ross auf einen weiteren alten Weggefährten der Expendables stößt. Mel Gibson spielt die Rolle des abtrünnigen Mitglieds Stonebanks und dieser macht als Waffenhehler lukrative Geschäfte. Barney Ross war sich sicher, dass sein Ex-Partner und Mitbegründer der Expendables-Spitzensöldnertruppe tot sei und sinnt nun auf Rache, da ein Mitglied seiner Crew schwer verletzt wurde. Nachdem Barney nun auch von dem CIA-Beamten Drummer (Harrison Ford) den offiziellen Auftrag erhält, unterzieht er seiner Truppe einer Frischzellenkur, da er dem alten Team diesen Feldzug nicht mehr zumuten will. Er castet eine neue, jüngere und taufrische Crew zusammen. Mit knackfrischem Talent und Cyber-Know-How endet die neue Truppe trotzdem in Gefangenschaft bei Stonebanks. Nun ist es an Barney und seiner alten Crew, die Karre aus dem Dreck zu ziehen.

the-expendables-antonioWie selbstironisch Schwarzenegger in einer Szene sagt: „You should get out of business.“, so bierernst kann man diesen Satz auch dem Film zum Vorwurf machen. Viele der Schauspieler sind schließlich lange genug im Geschäft und kennen diese Witzeleien. Man ist sich nach Sichtung des Films nicht mehr so sicher, was eigentlich als Witz gemeint war, oder ob es nicht ein aufrichtiger, wohlgemeinter Ratschlag war. Teilweise haben die betagten Stars nicht mehr zu tun, als blankes Schaulaufen und werden somit völlig verschwendet, um die mit großen Namen inflationär überladenen Filmposter zu zieren. Ein Beispiel: Dolph Lundgrens Figur Gunnar war in Teil 1 noch echt witzig und in Teil 2 auch noch. Bei „The Expendables 3“ darf er grimmig gucken, einmal lachen und sein Höhepunkt ist das Tragen eines Shirts mit dem Aufdruck „Sore Loser“ – während er grimmig, knurrend dreinschaut. Mehr gibt es für einige andere große Namen auch nicht zu tun. Dies liegt vielleicht auch in der Natur der Sache, wenn zu viele Schauspieler ihre 2 Minuten bekommen sollen. Die beiden Neuzugänge Wesley Snipes und vor allem Antonio Banderas bieten da schon mehr. Snipes‘ Figur hat ein paar nette Parcours-Einlagen zu Beginn, um dann leider auch in der gesichtslosen Masse unterzugehen. Wirklich überzeugen kann Banderas als plappernde Nervensäge Galgo. Nicht nur das „Woody-Allen-mäßige-Dauergeschnatter-auf-Speed“, sondern sein dezentes Over-Acting machen seine Rolle zu einer Bereicherung. Die jüngeren Teammitglieder werden dahingegen mit einer Montage nach Maßgabe einer DIN zusammengetrommelt. Als da wären: Jugendlicher Muskelmann Kellan Lutz, bekannt aus der Twilight-Saga, „Generation Kill“ oder als Model, spielt hier einen Navy SEAL. Ronda Rousey aus der Kampfsportszene gibt eine prügelnde Amazone. Nachwuchsschauspieler Glen Powell macht den IT-Hacker und Boxtalent Victor Ortiz gibt den Scharfschützen mit Höhenangst. Der Gedanke, junge Schauspieler zu integrieren ist gut und nett, aber überlädt den Film zusätzlich. Die neuen Techniken und Charaktere fügen sich dennoch ganz brauchbar in das Expendables-Team ein, aber setzen auch keine wirklichen Akzente.

the-expendables-groupGerade dieser Drang, etwas frischen Wind rein zu wirbeln, schlägt sich bedauerlicherweise ebenfalls in der einen oder anderen Actionsequenz nieder, wenn entgegen aller Beteuerungen „handgemachte 80er-Action“ zu feiern, die Actionszenen mit den Helikoptern total steril, unpassend und mies aussehend in den Film via CGI gepanscht werden. Dies kommt beinahe einem Verrat an der eigenen Sache gleich. Ebenso unaufrichtig ist es auf ein hartes Rating zu verzichten, um den Film einem jüngeren (Ziel-) Publikum zugänglich zu machen. Es lässt sich ein System erkennen, aber ob die Besetzung mit Twilight-Co-Star Kellan Lutz in dem Fall zieht? Vielleicht bringt „The Expendables 3“ die junge Twilight-Fanbase in die Kinos. Wer weiß? Man sei es im Endeffekt der nachwachsenden Genration schuldig, sagt Sly. Oder zumindest dem eigenen Geldbeutel, sagt die Filmkritik. Dralle Härte und flotte Sprüche haben in Kombination den Charme zu Beginn dieses Franchise ausgemacht; doch leider wirkt „The Expandables 3„ mittlerweile austauschbar. Ach ja, wo bleibt eigentlich Vin Diesel bei dieser Farce?

Fazit

Ohne FSK 18 – ohne mich. Die Selbstironie der 80er-Stars sorgt zwar immer noch für Schmunzeln, aber mehr ist hier nicht drin.

Fantasy Filmfest 2014 – Unsere große Vorschau

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Fantasy Filmfest 2014 Vorschau

Quelle: Fantasy Filmfest

So schnell vergeht die Zeit. Es ist wieder so weit. Das Fantasy Filmfest, das größte deutsche Filmfestival für Genrefilme, tourt bald zum 28. Mal durch Deutschland und bringt wieder eine ganze Palette an vielversprechenden Filmen auf die Leinwände. Viele von ihnen haben immer noch keinen deutschen Verleih, weshalb das FFF die einzige Möglichkeit sein wird (vom Auslands-Import mal abgesehen), diese in nächster Zukunft hierzulande zu sehen. Bei den meisten wird es die einzige Möglichkeit sein, sie überhaupt auf der Leinwand zu sehen.

Für mich wird die diesjährige Ausgabe des Festivals, das nur ein Jahr jünger ist als ich, die 11. sein, die ich besuchen werde. Wir auch schon in vergangenen Jahren, planen wir, Euch mittels eines FFF-Tagebuchs von den Highlights (und den Lowlights) des Festivals zu berichten (hier geht es lang zu unseren populären FFF-Tagebüchern).

Neben einem spannenden Programm, das für mich im Vorfeld als eins der interessantesten der letzten Jahre aussieht, bringt das Fantasy Filmfest diesmal auch eine große Veränderung mit sich mit. Das Festival dauert nicht länger acht Tage, sondern 12 – eine Änderung, die die Fans spaltete. Einerseits ermöglicht das neue Konzept, nun alle Filme, die auf dem FFF laufen, zu sehen, da es keine Parallelvorstellungen geben soll. Andererseits könnten 12 Tage für einige zu viel des Guten sein, was Urlaub und Durchhaltevermögen betrifft. Auch ging die Änderung mit einer Erhöhung des Dauerkartenpreises auf €250 einher (bzw. €220 in Nürnberg). Was man aber nicht abstreiten kann, ist, dass wenn man die Zeit und die Lust mitbringt, man diesmal auch deutlich mehr für das Geld bekommt. Und wer hat sich nicht schon in der Vergangenheit geärgert, weil zwei tolle Filme parallel liefen und man eine schmerzhafte Entscheidung zugunsten von einem davon treffen musste? Ich kann mich da jedenfalls an einige Situationen erinnern. Die Änderung im Format kommt auch nicht von ungefähr. Notgedrungen musste dieser Ansatz letztes Jahr in München umgesetzt werden und kam dort blendend an, was die Veranstalter dazu bewegte, es nun in allen Städten auszuprobieren. Ich bin der Idee völlig offen gegenüber. Schließlich schadet es ja nicht, nach vielen Jahren der Festival-Existenz, auch neue Dinge auszuprobieren. Es werden aber auf jeden Fall anstrengende 12 Tage sein, denn angesichts des tollen Programms, möchte ich nicht viel verpassen.

Fantasy Filmfest 2014 The RoverNachdem das Fantasy Filmfest die Gemüter der Fans letztes Jahr mit der halbanimierten psychedelischen Stanislaw-Lem-Adaption Der Kongress deutlich spaltete, geht es dieses Jahr etwas traditioneller los, und zwar mit einem harten Stück an trostloser postapokalyptischer Filmkunst. The Rover (Bild links) vom Australier David Michôd wird der Eröffnungsfilm des diesjährigen Fantasy Filmfests sein. Neben dem stets zuverlässigen (und leider im Kino nur selten zu sehenden) Guy Pearce, spielt in The Rover auch Robert Pattinson mit, der erneut beweisen möchte, dass er mehr als nur glitzernde Vampire drauf hat. Eine Spaßgranate à la Doomsday wird The Rover nicht sein, aber das muss er ja auch nicht. In Cannes feierte der Streifen Weltpremiere und wurde positiv aufgenommen. Für das Fantasy Filmfest scheint der Film wie maßgeschneidert zu sein. Deutlich lustiger wird es dafür im diesjährigen Centerpiece zugehen. Mit What We Do in the Shadows erwartet uns eine Vampir-Mockumentary par excellence mit dem brillanten neuseeländischen Comedian Jermaine Clement. Einziger Wermutstropfen – der deutsche Filmtitel 5 Zimmer Küche Sarg. Ernsthaft? Hat man lange überlegt und dachte am Ende dies sei der lustigste Titel dafür? Okay…

Fantasy Filmfest 2014 Life After BethAuch der Abschlussfilm fällt dieses Jahr sehr interessant aus, gehört er doch einem der beliebtesten Horror-Subgenres des Fantasy Filmfests an – dem Zombiefilm. Doch Life After Beth (Bild rechts) ist kein Splatter-Vergnügen, auch wenn es etwas Splatter darin geben wird. Es ist eine Zombie-Romcom und wird hoffentlich deutlich weniger glatt daherkommen als Warm Bodies letztes Jahr. Allein die Schauspieler lassen auf Großes hoffen. Der Shooting Star Dane DeHaan (The Place Beyond the Pines) spielt Zach, dessen Freundin Beth stirbt, was ihn in endlose Trauer stürzen lässt. Doch sie bleibt nicht lange tot und ist schon bald als putzmunterer Zombie wieder da. Eine Gelegenheit für Zach, die Probleme, die ihre Beziehung zuvor hatte, auszubügeln. In der Rolle von Beth ist die charmante Komikerin Aubrey Plaza ("Parks and Recreation") zu sehen, die ein weiterer Grund sein sollte, dem Film einen Besuch abzustatten.

Wer sich in vergangenen Jahren über einen Mangel an reinrassigen Horrorfilmen beim Fantasy Filmfest beschwert hat, wird dieses Jahr auf jeden Fall auf seine Kosten kommen. Mit The Babadook wird beispielsweise in der "Fresh Blood"-Sparte ein Film gezeigt, der die Zuschauer beim Sundance Filmfestival reihenweise begeisterte, schockierte und das Blut in den Adern gefrieren ließ. Der zutiefst verstörende Trailer (ganz unten) lässt einen mit einer anhaltenden Gänsehaut zurück. Mit Oculus wird ein weiterer Film geboten, der bei seinem Release im Frühjahr in den USA die Kritiker begeisterte. Ich sage nur – Stichwort: bösartige Spiegel. Damit hat jeder Horrorfan bereits Erfahrungen gesammelt.

Fantasy Filmfest 2014 Nurse 3DBesonders vielversprechend ist dieses Jahr auch die "Midnight Madness"-Sparte. Mit Wolfcop wird darin der beste Film aller Zeiten über einen Werwolf-Polizisten geboten! Der Film kam so gut ein, dass eine Fortsetzung bereits in Arbeit ist! Bereits berichtet haben wir über Let Us Prey, einen britischen Horrorstreifen, der dem Trailer nach zu urteilen das Prädikat "fucked up" sich redlich verdient und der FSK wahrscheinlich keine große Freude bereiten wird. Wer es sexy mag, wird bei Nurse 3D (Bild links), dem einzigen 3D-Beitrag des diesjährigen Fantasy Filmfests, gut bedient werden, denn dieser bietet mit Paz de la Huerta (Enter the Void) und Katrina Bowden (Tucker & Dale vs. Evil) viel leicht (oder gar nicht) bekleideten Augenschmaus. Dazu gibt es auch eine trashige Geschichte über eine (buchstäblich) männermordende Krankenschwester, die der "Midnight Madness" würdig ist. Wer es lieber schräg mag, kann es mit dem blutigen Horror-Musical Stage Fright (unsere Kritik) versuchen. Auch der häufige FFF-Gast Lucky McKee ist mit seiner Horrorkomödie All Cheerleaders Must Die vertreten.

Auch weit abseits des Mainstreams wird einiges geboten. Allen voran ist hier Jonathan Glazers Under the Skin anzumerken, in dem Scarlett Johansson als ein Alien auf der Erde Jagd auf Männer macht. Doch von Species ist der Film so weit entfernt wie Drive von Fast & Furious 6. Eine ultimative Übung in Stil über Substanz mit einer Scarlett Johansson, wie man sie noch nie gesehen hat (und ich meine damit nicht nur die Nacktszenen!). Außerdem präsentieren die Macher von Amer, deren neustes Werk The Strange Color of Your Body’s Tears, während der Stakeland-Regisseur Jim Mickle mit Cold in July einen vernichtenden Einblick in die Abgründe menschlicher Seele gewährt.

Ein ganz besonderes und ungewöhnliches Highlight ist dieses Jahr die Aufführung des französischen Stummfilmklassikers The Fall of the House of Usher von Jean Epstein aus dem Jahre 1928. Die komplett restaurierte Fassung wird von DJ Shahaf Thalers Set (Deep House, Nu Disco) musikalisch begleitet und könnte ein Event werden, an das sich die FFF-Besucher noch lange erinnern werden.

Die Termine des Fantasy Filmfests 2014 sind:

Berlin – 27.08.-7.09.
Frankfurt – 28.08-8.09.
Stuttgart – 3.-14.09.
Nürnberg – 3.-14.09.
München – 8.-19.09.
Hamburg – 8.-19.09.
Köln – 10.-21.09.

Mehr Infos zu dem Programm des Fantasy Filmfests erfahrt Ihr hier. Los geht’s am 27. August in Berlin. Wir werden, wie üblich, von der Kölner Ausgabe des Fantasy Filmfests berichten.

Zu guter Letzt habe ich noch fünf Trailer angefügt, von den Filmen, auf die ich mich besonders freue.

Life after Beth

The Babadook

What We Do in the Shadows

Let Us Prey

https://youtu.be/k2fnLntATUo

Under the Skin

https://youtu.be/NoSWbyvdhHw

Saphirblau-Star Jannis Niewöhner im Interview

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Jannis Niewöhner Interview

Wie versprochen, geht unsere Interview-Reihe mit dem Saphirblau-Team weiter. Nach Maria Ehrich haben wir auch den männlichen Hauptdarsteller der Edelstein-Trilogie vor das Mikrofon geholt. Der Mädchenschwarm Jannis Niewöhner der diesen Monat mit drei (!) Filmen im Kino vertreten ist, stand uns Rede und Antwort. Niewöhner gehört wohl zu den fleißigsten Jungschauspielern Deutschlands und man sollte ihn auf jeden Fall weiterhin im Auge behalten. Neben den Einblicken in Saphirblau und die Weiterentwicklung seiner Figur, gewährte er uns auch einen Ausblick auf zwei seiner kommenden Filme, die Teenie-Komödie Doktorspiele und die Familienfilm-Fortsetzung Ostwind 2, der nächsten Mai in die hiesigen Kinos kommt.

Filmfutter: Diesen Monat starten drei Wochen in Folge jeweils ein neuer Film mit Dir in der Hauptrolle im Kino – zunächst Saphirblau, dann Besser als Nix von Ute Wieland und am Ende des Monats Doktorspiele. Was ist das für ein Gefühl für Dich? Denkt man dann: „Ja! Ich hab’s geschafft!“?

Jannis Niewöhner: Ne, man denkst sich eher: „Ja, was für ein cooler Zufall!“. Es ist ja letztlich ein Zufall. Es sind Filme, die in den letzten zwei Jahren entstanden und es ist nur ein Zufall, dass sie alle in einem Monat anlaufen. Aber natürlich bin ich auch sehr glücklich darüber, dass ich in letzter Zeit so viele Filme machen konnte. Es sind zwar auch alle drei Filme, die eher für ein jugendliches Publikum sind, aber gleichzeitig auch aus unterschiedlichen Genres. Das ist natürlich auch ein Anspruch an mich als Schauspieler, da ich verschiedene Dinge ausprobieren kann.

FF: Schaust Du dir Deine eigenen Filme auch an oder gehörst Du zu den Schauspielern, die sich selbst nicht gerne sehen?

JN: Ich schaue sie mir schon an, aber in der Regel auch nur einmal, weil ich es natürlich auch spannend finde, zu sehen, ob das, was ich mir für den Charakter vorgestellt habe, auch so rüberkommt. Aber auch de Film als Endprodukt zu sehen, ist für mich interessant. Wenn man beim Dreh dabei ist, bekommt man auch die Atmosphären am Set mit und dann ist es spannend zu sehen, wie der gesamte Film geworden ist. Gerade bei Fantasyfilmen wie eben Saphirblau, ist es noch spannender, da man die Fantasy-Aspekte und die zauberhaften Dinge, die darin passieren, sich erst einmal vorstellen muss. Das trifft beim neuen Film natürlich besonders auf die Figur von Xemerius zu. Daher gucke ich sie meistens einmal an, aber dann geht es auch weiter.

FF: Hast Du Saphirblau schon gesehen?

JN: Ja, ich habe ihn schon gesehen?

FF: Und heute Abend noch mal, die große Probe vor dem Premierenpublikum?

JN: Genau. Mal sehen, wie es ankommt.

FF: Bist Du schon nervös oder diesmal weniger, weil es schon das zweite Mal ist, dass Du die Rolle spielst?

JN: Nicht weniger nervös als beim ersten Film, aber ich würde es eher als eine positive Aufgeregtheit beschreiben. Natürlich ist meine Familie da, meine Freunde sind da und auch ein großes Publikum, das mir heute auf eine gewisse Art und Weise direktes Feedback geben wird. Nervös bin ich dann nicht wirklich. Ich weiß, dass ich für die Rolle und für die Geschichte alles getan habe, was in meiner Macht stand. Ich mag die Geschichte und bin mit dem Film auch total zufrieden. Natürlich ist man immer etwas selbstkritisch, aber diesmal finde ich ist alles ganz gut gelungen und daher freue ich mich auf die Premiere.

FF: Bist du eigentlich selbst ein Fantasy-Fan?

JN: Nein, eigentlich gar nicht. Ich schau mir lieber andere Filme an, andere Geschichte, die eher im wirklichen Leben stattfinden. Ich finde, dass Fantasy ein interessantes Genre ist und es gibt auch da manchmal Filme, die mich total packen. Zum Beispiel den neuen Planet der Affen – wenn man das als Fantasyfilm bezeichnen kann – fand ich extrem gut. Da bin ich so in die Welt eingetaucht und habe so mitgefühlt, wie ich das von mir noch gar nicht kannte. Ich kann nur selten in solche Fantasywelten eintauchen.

FF: Du musstest bei Rubinrot und Saphirblau sehr viel machen: reiten, Motorrad fahren, fechten, kämpfen. Wie sahen die Vorbereitungen darauf aus? Musstest Du für den zweiten Film noch ganz neue Sachen lernen?

JN: Neu kam dazu, dass ich Geige lernen musste. Ich musste lernen, ein Stück zu spielen. Natürlich wurde nachher das richtige Stück draufgelegt. Um richtig gut Geige zu spielen, muss man ja jahrelang üben. Man hat das Lied bei mir zwar erkannt, aber es klang immer noch grauenhaft (lacht). Es sind immer viele Herausforderungen. Das macht Spaß und gerade das ist das Tolle an dem Projekt. Weil die Figur so viel kann, muss ich auch so viel können bzw. ansatzweise können. So kann ich in viele Ecken reinschnuppern. Ich habe unglaublichen Spaß daran.

FF: Was hat denn davon am meisten Spaß gemacht?

JN: Die Fecht- und Kampfszenen sind das, was mir am meisten Spaß macht. Es ist körperlich und ich habe einen sehr guten Draht dazu und auch zu unserem Stunt-Team.

FF: Darfst Du überhaupt viel selbst machen?

JN: Ja, schon. Also Motorradfahren durfte ich selbst nicht, aber das wollte ich auch nicht. Die Ducati-Maschine, die wir am Set hatten, war einfach sehr stark und da saß ja auch Maria hinten drauf. Das hätte ich auf keinen Fall gemacht. Da muss man höllisch aufpassen. Aber bei den anderen Sachen setzte ich mich dafür ein, dass ich sie selbst machen durfte. Das sieht man letztendlich auch im Film, denn jeder hat ja auch seine eigene Körperhaltung. Wenn ich also Lust zu etwas habe, mich dazu imstande fühle und die Stuntleute mir das zutrauen, dann möchte ich das auch selber machen.

FF: War die große Fechtszene in Saphirblau dann Deine Lieblingsszene?

JN: Nee, die Szene hat zwar total viel Spaß gemacht, aber das ist nicht unbedingt meine Lieblingsszene. Eine Lieblingsszene ist immer schwierig zu benennen, weil man aus unterschiedlichen Szenen auch unterschiedliche Gefühle mitnimmt. Ich fand beispielsweise die Szene im Treppenhaus, wenn Gwen und Gideon einfach miteinander reden, sich streiten, dann necken und dann lieben sehr kennzeichnend für die Gwen/Gideon-Beziehung. Die Szene hat mir auch sehr viel Spaß gemacht, nur eben auf eine andere Art und Weise.

FF: Wie hat sich Dein Charakter vom ersten zum zweiten Film weiterentwickelt?

JN: Ich finde er macht eine ziemlich logische Entwicklung durch. Es gibt jetzt eben auch einen Konflikt im zweiten Film. Dass es für ihn nicht nur die Loge gibt, sondern auch Gwendolyn, seine Freundin. Sie hat natürlich auch Erwartungen an ihn. Er gerät in einen Zwiespalt, weil die Loge Gwendolyn misstraut. Er steht zwischen den Stühlen und muss sich entscheiden. Das ist die Aufgabe für Gideon in dem Film, auf sich selber zu hören und sich entscheiden, was für ihn am wichtigsten ist.

FF: Wie war es für Maria und Dich, eine intime Szene zu drehen?

JN: Natürlich sind Sexszenen immer etwas Besonderes, was man nicht jeden Tag dreht, weil es immer ein wenig grenzüberschreitend ist. Es ist da immer am wichtigsten, dass man ein gutes Verhältnis zur Spielpartnerin hat, dass man sie mag, dass man sie nicht abstoßend findet, dass aber auch die Fronten geklärt sind. Das war bei uns zum Glück so. Wir kennen uns sehr gut. Wir lieben uns, aber auch eine geschwisterliche Art und Weise. Wir haben keine Berührungsängste voreinander und sind miteinander sehr vertraut. Dann geht so was total locker.

Jannis Niewöhner Interview 1

FF: Du hast eine sehr große weibliche Fangemeinde, erst recht seit Rubinrot. Wirst Du häufig auf der Straße wiedererkannt und angesprochen?

JN: Ja, das passiert schon. Bei Rubinrot war das noch so, dass ich lange Haare hatte und das schon eine Typveränderung war und ich dadurch weniger erkannt wurde, aber natürlich passiert es. Insbesondere an großen Orten wie Alexanderplatz oder in der Bahn. Wo viele junge Leute sind, passiert das immer wieder und es ist auch okay so. Das gehört dazu und es ist in dem Maße, dass es aushaltbar ist.

FF: Hattest Du schon mal eine besonders seltsame Fanbegegnung oder seltsame Fanpost?

JN: Naja, also es gab schon welche, die zu mir nach Hause gereist sind, bzw. zu meinen Eltern. Das war natürlich schon krass, dass die Leute den Weg auf sich nehmen und die Adresse herausfinden. Aber im Allgemeinen sind es immer nette Briefe, die einem sagen, dass sie meine Arbeit schön finden.

FF: Du hast kürzlich Katja von Garniers Ostwind 2 abgedreht. Bei der Fortsetzung bist Du neu dabei. Kannst Du uns etwas zu dem Film und Deiner Rolle schon verraten?

JN: Es geht weiter mit der Geschichte, die in Teil 1 begann. Mein Charakter ist neu. Ich spiele einen Jungen, der im Wald lebt und versucht, eine Stute einzufangen. Dabei stößt er auf Mika (Hanna Binke), die mit Ostwind unterwegs ist. Die beiden lernen sich kennen, lernen voneinander, haben beide ihre Stärken und Schwächen. Die Begegnung zwischen den beiden wird ein großer Teil von Ostwind 2.

FF: Viel näher ist Deine Komödie Doktorspiele. Der Film erinnert stark an Teenie-Sex-Komödie, wie sie Anfang des letzten Jahrzehnts besonders populär waren, wie beispielsweise American Pie oder Harte Jungs. Was hat Dich an dem Projekt interessiert?

JN: Es ist nicht unbedingt mein Humor, aber was mich gerade an dem Projekt so fasziniert hat, war, in so einem extremen Genre mitzuspielen, einen so klischeehaften Charakter zu spielen und sich den Humor anzueignen. Ich wollte herausfinden, wie die Atmosphäre am Set von so einem Film ist. Wenn am Set viel gelacht wird und gute Stimmung herrscht, wird der Film dann auch lustig? Ich fand es total spannend, mit Marco (Petry, Regisseur von Doktorspiele) zusammenzuarbeiten. Ich fand auch die Wendung meiner Rolle sehr interessant.

FF: Zum Abschluss habe ich noch eine Frage zu Zeitreisen. Du wurdest schon sicherlich häufig gefragt, in welche Zeit Du gerne zurückreisen würdest. Mich interessiert stattdessen, welchen Ratschlag Du Deinem jüngeren Ich auf den Weg geben würdest, wenn du ihm begegnen könntest?

JN: Eigentlich bin ich total zufrieden mit meinem Leben, wie es jetzt ist. Ich merke natürlich auch, dass wenn man älter wird, man dazulernt und sich auf eine positive Art und Weise verändert. Aber ich weiß jetzt auch, dass es ein Anspruch bleiben soll, in gewisser Hinsicht kindlich zu bleiben, kindlich zu denken, kindlich zu fühlen und die Welt zu sehen und weniger auf die Regeln zu achten, die ein Erwachsener zu befolgen hat. Ich finde das wichtig. Ich weiß nicht, wie viel ich von meiner Kindheit abgelegt habe. Ich glaube nicht so viel, aber ich würde mir selber sagen: „Behalt das alles bei!“

FF: Vielen Dank für das Interview, Jannis.

von Arthur Awanesjan

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Saphirblau läuft seit dem 14.08. in den deutschen Kinos.

Weitere Interviews aus dem Saphirblau-Special:

Maria Ehrich

Saphirblau-Star Maria Ehrich im Interview

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Saphirblau Trailer

Liebe Filmfutter-Fans,

die "Liebe geht durch alle Zeiten"-Trilogie (auch als Edelstein-Trilogie bekannt) von Kerstin Gier gehört zu den erfolgreichsten deutschen Fantasy-Romanen aller Zeiten. Etwa eine Million Mal haben sich die Bücher hierzulande verkauft. Letztes Jahr gewann die Reihe weitere Fans, indem sie ein neues Medium eroberte – den Film. Nach Rubinrot, startete am 14. August dieses Jahres der zweite Teil der Zeitreise-Fantasy in den deutschen Kinos, Saphirblau.

Wir hatten das Glück, anlässlich der Premiere des Films vergangenen Montag in Köln, vier Darsteller des Films sowie die Regisseure interviewen zu dürfen. Dabei kamen höchst interessante Gespräche heraus, die tiefere Einblicke hinter die Kulissen des neuen Films gewähren, aber auch dessen Stars näher vorstellen. In den kommenden Tagen werden wir Euch diese Interviews einzeln präsentieren.

Den Auftakt machen wir mit unserem Interview mit dem Shooting Star Maria Ehrich, die Gwendolyn Shepherd spielt, die Heldin der Geschichte. Im Gespräch sprach sie mit uns über ihre Lieblingsszene (Achtung: Spoiler für Nicht-Kenner des Romans!), über den Druck, den sie angesichts der beliebten Vorlage verspürt und über den Dreh ihrer intimen Szene mit dem Co-Star Jannis Niewöhner.

Filmfutter: Wie war der Premierentag bisher für Dich?

Maria Ehrich: Heute Morgen waren wir bei „Volle Kanne“, haben ein bisschen gefrühstückt und gequatscht. Jetzt kommen die Interviews. Es läuft alles wunderbar, aber ich bin schon ein bisschen aufgeregt.

FF: Mehr oder weniger aufgeregt als beim ersten Film?

ME: Komischerweise mehr, obwohl es völlig absurd ist. Beim ersten Mal hatte ich noch gar nicht die Vorstellung, was es bedeutet. Ich merke schon, dass bei Saphirblau die Aufmerksamkeit von den Fans auf jeden Fall größer ist. Ich bin sehr gespannt, wie der Abend so wird.

FF: Die „Liebe geht durch alle Zeiten”-Trilogie hat sehr viele Fans. Ich kann mir also gut vorstellen, dass bei Rubinrot sehr viel Druck auf Dir lastete, diese Fans nicht zu enttäuschen. War der Druck bei Saphirblau nicht geringer, weil Du ja mit der Rolle schon vertraut warst?

ME: Ich hatte ehrlich gesagt am Anfang sogar ein bisschen Angst, dass ich es gar nicht mehr kann. Zwischen dem Dreh vom ersten Teil und dem Dreh vom zweiten Teil ist einige Zeit vergangen, ich habe dazwischen andere Sachen gedreht und bin ein bisschen älter geworden. Ich hatte also Angst, dass ich da nicht mehr reinkomme. Zum Glück lief das alles sehr gut, aber trotzdem ist der Druck natürlich noch da, weil man die Fans nicht enttäuschen möchte. Es ist ein neuer Film, ein anderes Buch und daher ist die Erfahrung auch immer wieder neu.

FF: Wie unterscheidet sich der zweite Film von dem ersten?

ME: Also auf jeden Fall vom Look. Es sieht alles ein bisschen bunter aus, die Kostüme sind ein bisschen punkiger. Die Geschichte ist rasanter. Wir haben uns diesmal mehr getraut, weil wir wussten, was gut ankommt und was nicht. Aber natürlich geht es weiterhin um die Liebesgeschichte und um Zeitreisen.

FF: Ist die Figur von Gwendolyn Dir ähnlich oder ganz anders?

ME: Sie ist mir schon ähnlich. Als ich den Roman gelesen habe und noch gar nicht wusste, dass es den Film dazu geben wird, habe ich mich bereits sehr mit Gwen identifiziert. Als ich dann die Rolle bekam, habe ich meinen Humor in die Performance einfließen lassen und auch die Art, wie sie Sachen sagt. Ich habe Gwen etwas von mir gegeben.

Maria Ehrich Interview 2

FF: Hast Du dich an irgendeinem Punkt mit der Autorin Kerstin Gier getroffen und über Deine Rolle geredet?

ME: Nein, und zwar weil Kerstin die Rechte an die Filmemacher abgetreten hat und es in dem Sinne wichtiger war, mit dem Regisseur und der Drehbuchautorin darüber zu sprechen, wie sie sich die Rolle vorgestellt haben. Aber letztendlich war sie auch am Set und es ist sehr schön zu hören, dass sie denkt, dass wir gut zu den Rollen passen. Sie sagt, dass selbst sie, wenn sie ihre Bücher noch mal liest, dabei Jannis (Niewöhner) und mich im Kopf hat. Das ist natürlich ein schönes Gefühl.

FF: Hat sie den neuen Film auch schon gesehen?

ME: Ja, das hat sie.

FF: Du auch?

ME: Ja, ich habe ihn auch schon gesehen. Ich habe ihn in einem ganz kleinen Kino geschaut und ich glaube heute, bei der Premiere wird es noch deutlich nervenaufreibender.Man sitzt dann ja in einem sehr großen Saal und da sind viele Leute, die man eingeladen hat. Das Team ist da, viele Fans…das ist auf jeden Fall etwas anderes. Und ich kann den Film bestimmt objektiver sehen als beim ersten Mal. Beim ersten Mal schaut man doch eher auf sich selber und darauf, was man vielleicht nicht so super gemacht hat.

FF: Wie findest Du es überhaupt, Dich selbst im Fernsehen oder auf der Leinwand zu sehen?

ME: Ich bin niemand, der sehr davor zurückschreckt, sich selbst zu sehen und aus falscher Demut es vielleicht nicht anguckt. Ich finde es wirklich positiv, wenn man sich das anschaut, weil man dadurch die Möglichkeit hat, sein eigenes Spiel zu verbessern. Daher schaue ich die Filme meist mehrmals an, aber Manches muss ich auch nicht zweimal sehen!

FF: Zum Beispiel?

ME: Heute habe ich Ausschnitte von mir gesehen, als ich noch jünger war, etwa 14 oder 15. Da ist man ja noch in dieser „ugly“-Übergangsphase (lacht) und das muss ich nicht noch einmal sehen.

FF: Das ist so, wenn man die Aufnahmen seiner eigenen Stimme hört.

ME: Ganz genau.

FF: Was ist Deine Lieblingsszene in Saphirblau?

ME: Ich hätte es nicht gedacht, aber beim Schauern war es die Szene zwischen Gwen und ihrer Mutter, nachdem sie erfahren hat, dass ihre Mutter eigentlich nicht ihre Mutter ist. Das hat mich sehr berührt. Es gibt sehr viele schöne und witzige Szenen dabei, aber von dieser habe ich es einfach nicht so erwartet und daher war es umso schöner.

FF: Wie empfandest Du den Dreh der Szenen mit Xemerius, der ja komplett am Computer entstanden ist? Hast Du in den Szenen Selbstgespräche geführt?

ME: Ich musste ständig irgendwelche Sprüche von den Crew-Mitgliedern einstecken, dass ich einen Knall habe, weil ich immer mit mir selber gesprochen habe (lacht). Das war schon lustig. Ich war komplett verkabelt und hatte einen Knopf im Ohr, durch den mir Rufus Beck, die Stimme von Xemerius, eingespielt wurde. Es hat zwar Spaß gemacht, war aber auch wirklich anstrengend, weil man sich immer genau merken muss, in welchen Moment man genau wo hinschauen muss. Wir hatten aber auch Stand-Ins, wie z. B. eine Pinguinfigur, die so groß war, wie Xemerius, Tennisbälle, Aufkleber…

FF: Du hast im neuen Film auch eine sehr intime Szene mit Jannis Niewöhner. Hattest Du Hemmungen davor oder war es wie jede andere Szene?

ME: Wie jede andere Szene war es auf jeden Fall nicht. Wir hatten natürlich schon etwas Bammel davor. Gerade weil Jannis und ich uns sehr gut kennen und zu einer Art Geschwisterpaar zusammengewachsen sind, war es etwas seltsam. Aber es war auf jeden Fall nicht so dramatisch, wie man es sich vielleicht vorstellt. Es war sehr technisch. Der Dreh der Szene dauerte einen Tag, damit sie auch schön und ästhetisch aussieht. Ich glaube wir haben ganz gut diese Brücke geschlagen, sodass es jetzt nicht eine richtig freizügige Sexszene geworden ist, sondern dass auch jüngere Zuschauer sich das gut anschauen können.

Maria Ehrich Interview 1

FF: Eine sehr lustige Szene im Film ist die „Time Warp“-Szene. Wie lange wurde die Szene geprobt?

ME: Richtig lange! Schon drei Wochen vor Drehbeginn haben wir mit den Proben angefangen und da hatte ich bereits jeden Tag etwas Tanztraining. Gesangstraining hatte ich nicht, denn es sollte ja eh ein bisschen betrunken klingen. Es war eine Megaszene. Wir haben die gesamte Ballszene drei Tage gedreht und diese spezielle Szene einen Tag.

FF: Du trägst im Film auch sehr viele ausgefallene Kleider. War es eher cool oder anstrengend?

ME: Am Anfang ist alles immer total cool. Da hat man Kostümprobe und sagt sich: „Boah, das wird mein Lieblingskleid!“ Und dann hast du so ein Monster drei Tage lang um deine Hüften hängen. Das rote Ballkleid habe ich wirklich „Monster“ genannt. Ich blieb überall damit hängen, konnte mich nicht hinsetzen und habe immer Fäden verloren. Natürlich ist es schön und als Mädchen freut man sich, so etwas anprobieren zu können, aber es war auch ein bisschen nervig (lacht).

FF: Gwen ist deine größte Rolle, die bestimmt auch sehr positive Auswirkungen auf deine Karriere hatte. Hatte sie auch Auswirkungen auf Dein Privatleben? Wirst Du häufiger auf der Straße oder im Supermarkt angesprochen?

ME: Ja, das passiert schon. Es ist aber immer noch so, dass es nicht Überhand nimmt. Ich werde nicht von Heerscharen von Teenies verfolgt, aber ich werde schon erkannt. Aber es ist auch ein wenig komisch, weil sie mich als einen „Star“ sehen, aber ich selbst sehe mich nicht so. Ich mache eben meine Arbeit. Ich kann mich meist erst danach darüber freuen, dass die Fans da waren und mich um ein Foto gebeten haben.

FF: Zum Abschluss: in den Büchern kann man nicht in seine eigene Vergangenheit zurückreisen und sich selbst wiedertreffen. Aber angenommen Du könntest Deinem jüngeren Ich begegnen und ihr einen Ratschlag oder eine Weisheit auf den Weg mitgeben. Was wäre das?

ME: Ich bin nicht sicher, ob ich es überhaupt machen würde, aber wenn ich die Möglichkeit hätte, würde ich mir wahrscheinlich sagen, dass ich nicht so schüchtern sein sollte und auch sagen sollte, wenn mir etwas nicht gefällt. In der Schule war ich ziemlich schüchtern, als ich noch kleiner war. Einfach etwas selbstbewusster sein.

FF: Vielen Dank für das schöne Gespräch.

von Arthur Awanesjan

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Madame Mallory und der Duft von Curry (2014)

Madame Mallory (2014) Beitragsbild

The Hundred-Foot Journey, USA/IND/FRA 2014 • 122 Min. • Regie: Lasse Hallström • Drehbuch: Steven Knight • Mit: Helen Mirren, Om Puri, Manish Dayal, Charlotte Le Bon • FSK: ohne Altersbeschränkung • Kinostart: 21. August 2014 • Deutsche Website

Handlung

Hassan Kadam (Manish Dayal) und seine Familie haben in ihrer Heimat Indien alles verloren. Daher beschließen sie, ein neues Leben im weit entfernten Europa zu beginnen. Das Schicksal führt sie nach Frankreich ins idyllische Örtchen Saint-Antonin-Noble-Val. Für den Papa (Om Puri) ist schnell klar, dass ihre Suche nach dem passenden Fleckchen Erde ein Ende hat. Doch damit nicht genug. Er möchte dem verwöhnten französischen Gaumen traditionelle indische Gerichte in seinem eigenen Restaurant vorsetzen. Ein Unterfangen, das die Familie an ihre Grenzen bringen wird. Madame Mallory (Helen Mirren) mit ihrem ausgezeichneten Sternerestaurant „Le Saule Pleureur“ auf der anderen Straßenseite trägt ihren Teil dazu bei. Ein Nachbarschaftskrieg entflammt, der weit über eine Küchenschlacht hinaus reicht. Zumindest Hassan kann sein Glück abseits des Schlachtfelds finden, spätestens als er die attraktive Sous-Chefin Marguerite (Charlotte Le Bon) kennenlernt. Die Gemüter der anderen bleiben aber erhitzt. Die Sturheit auf beiden Seiten gefährdet die Existenz der indischen Familie aufs Neue.

Kritik

Regisseur Lasse Hallström weiß genau, wie er Gefühle und Atmosphäre auf der großen Leinwand verbinden kann. Das hat er bereits mit seinen zwei Nicholas-Sparks-Verfilmungen „Das Leuchten der Stille“ und „Safe Haven“ bewiesen. Das man das Ganze auch noch mit einer Prise Kulinarik würzen kann, ist spätestens seit „Chocolat“ aus dem Jahr 2000 klar. Mit der Verfilmung von Richard C. Morais' Roman „The Hundred-Foot Journey“, der hierzulande unter dem Titel „Madame Mallory und der kleine indische Küchenchef“ erschien, legt er noch eine Schippe drauf. Der komische, romantische, kulinarische Plot wird um eine kulturelle Ebene erweitert. Ziemlich viele Ebenen für einen abgeschlossenen Film, doch Hallström gelingt das Mammutprojekt erstaunlich gut.

Madame Mallory (2014) Szene 4Dazu tragen vor allem die frischen, weniger bekannten Schauspieler bei. Manish Dayal überzeugt in der Hauptrolle des Hassan genauso wie die kanadische Schauspielerin Charlotte Le Bon als junge Sous-Chefin. Der indische Papa Om Puri gibt dem teilweise rassistisch aufgeladenen Plot seine eigene, unfreiwillige Komik, indem er durch seine Kommentare und Ansichten selbst zum Rassisten wird. Er will es nicht verstehen, dass man Abneigungen gegen die indische Küche haben kann. Dabei wird die Küche vielmehr als Metapher für die jeweils andere Kultur verwendet. Om Puris Gegenstück bildet Madame Mallory. Die wird in gewohnter Perfektion von Helen Mirren gespielt. Herrlich bissige Kommentare unterstreichen brillant den hochnäsigen Charakter der französischen Restaurantchefin. Dass ihr Auftreten nur Fassade ist, wird erst spät klar. Doch schließlich zeigt auch sie ihr wahres Gesicht, dass alles andere als verbittert und ungerecht ist. Die Entwicklung der Charaktere ist zwar vorhersehbar, aber schön in Szene gesetzt, sodass es dennoch unterhaltsam ist, ihnen bei ihrer Entwicklung zu folgen.

Neben den Charakteren stimmt auch die Atmosphäre. Das Publikum findet sich in einem malerischen Örtchen wieder, das auch außerhalb Frankreichs existieren könnte. Dass es gerade für Fremde schwer ist, ein Teil dieser Idylle zu werden, spart der Film nicht aus. Vor allem wenn sie einer nicht nur kulinarisch grundverschiedenen Kultur entstammen. Und dabei zerreißen sich nicht nur die Bewohner das Maul über die anderen, auch die indische Familie selbst will sich nicht so recht ihrer neuen Umgebung anpassen müssen. Identität ist eines der Hauptmotive des Films. Man kann nicht sagen, dass der Film dem Thema Rassismus enorm viel Platz einräumt. Es ist ein Unterhaltungsfilm, der vor allem Elemente aus den Genres Komödie und Romantik bedient. Aber dennoch ist es Hallström spürbar wichtig, dass der Film das Thema nicht ausspart.

Madame Mallory (2014) Szene 3Die positiven Aspekte überwiegen die wenigen negativen. So sind die Floskeln zu Beginn des Films, die zwischen den Charakteren ausgetauscht werden, weniger tiefgründig und lassen auf viele kitschige Szenen im Verlauf schließen. Die bleiben aber glücklicherweise aus. Auch das kurze Intermezzo Hassans in Paris nimmt zwar nicht viel Filmzeit in Anspruch, ist aber dennoch langwierig, da die Sehnsucht nach seinem gewohnten Umfeld schon vorher klar vermittelt wurde. Das hätte Hallström sicher auch anders lösen können. Das liegt natürlich nicht nur am Film, sondern auch an der Romanvorlage. Ansonsten ist ein schöner Happy-End-Film entstanden, bei dem Multikultur auch spürbar hinter der Kamera herrschte. Schließlich wurde am Set neben Englisch, auch Schwedisch, Französisch und Hindi gesprochen. Die Produktion übernahmen neben Juliet Blake mit Steven Spielberg und Oprah Winfrey auch keine Unbekannten.

Fazit

Lasse Hallström vereint in Madame Mallory und der Duft von Curry Themen wie Identität, Respekt, Schicksal, Liebe und Familie über das Essen. Das Erstaunliche daran ist, dass es nahezu perfekt funktioniert. Dabei werden nicht nur die schönen Seiten eines Neubeginns präsentiert. Rassismus und die spürbare Angst vor dem Unbekannten werden aus beiden Sichten gezeigt. Die Botschaft, dass Hass und Ausgrenzung keine Lösung sein können, wird weder allzu kitschig noch zu pathetisch, sondern leicht verdaulich dargestellt. Insgesamt ist ein unterhaltsamer Film entstanden, der auf amüsante und romantische Weise ein indisches Sprichwort vermittelt: „Kannst du den Feind nicht besiegen, umarme ihn.“

Trailer

Planet der Affen – Revolution (2014)

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Planet der Affen Revolution (2014) Filmkritik

Dawn of the Planet of the Apes, USA 2014 • 130 Min • Regie: Matt Reeves • Mit: Andy Serkis, Jason Clarke, Gary Oldman, Toby Kebbell, Keri Russell, Kodi Smit-McPheeFSK: ab 12 Jahren • Kinostart: 6.08.2014Deutsche Website

Der Abspann von Rupert Wyatts losem Remake von „Eroberung vom Planet der Affen“ zeichnete aus einem Blutstropfen die Infektionslinien eines tödlichen Virus nach, dass unter dem Namen Simian Flu den Globus überzieht. Die Anfangssequenz, mit der Matt Reeves nahtlos an Rupert Wyatts „Planet der Affen – Prevolution“ anknüpft, unterstreicht im Rückblick auf den ersten 3D-Eintrag des Franchises den narrativen Bruch zwischen beiden Filmen.

Planet der Affen Revolution (2014) Filmbild 1Wyatts Auftakt zum Reboot der kultigen Kino-Serie folgte dem Schimpansen Caesar (Andy Serkis) auf seinem Weg vom verwaisten Jungen einer Laboräffin zum hyperintelligenten Befreier seiner von den Menschen eingesperrten und misshandelten Artgenossen. Der im Heim des fürsorglichen Biotechnologen Will (James Franco) aufwachsende Menschenaffe war die mit Abstand komplexeste Figur und eigentlicher Hauptprotagonist, obwohl das für die Fortsetzung erneut zusammen gekommene Autorenduo Rick Jaffa und Amanda Silver zu Genüge Laufzeit auf Will und seine Wissenschaftler-Freundin verschwendete. Der Plot funktionierte auf mehreren Ebenen als Parabel auf die menschliche Arroganz gegenüber der Natur, die in „Planet der Affen – Revolution“ ihr Recht fordert. Die pandemische Virusverbreitung begleiten scheinrealistische Nachrichten-Ausschnitte während sich die Weltkarte Punkt für Punkt verdunkelt. Der Ausfall der Elektrizität markiert die umgekehrte Evolution, die dem Homo Sapiens bevorsteht. Mit dem Planeten der Affen dämmert der Menschheit eine Ära der Finsternis.

Planet der Affen Revolution (2014) Filmbild 2Um dem zu entkommen, will der Überlebende Malcolm (Jason Clarke), der mit seinem verstörten Teenager-Sohn Alexander (Kodi Smit-McPhee) und Krankenschwester Ellie (Keri Russell) in einer schwerbewaffneten Bastion nahe San Franciscos lebt, durch die Wiederingangsetzung eines Wasserkraftwerks die Stromversorgung der Gemeinschaft sichern. Der Weg dorthin führt durch die Wälder, die Ceasar und seine Affenbande zu ihrem Revier gemacht haben. Die Primaten sind über das Auftauchen der Menschen not amused, besonders, da der cholerische Techniker Carver (Kirk Acevedo) grundlos einen Jungaffen niederschießt. Ceasars salomonische Besonnenheit verhindert eine Eskalation vorerst und bevor der verschlagene Bonobo Koba (Toby Kebbel) und Carver alles ruinieren können, entdecken beide Seiten zaghaft ihre Gemeinsamkeiten: heranwachsende Söhne sind für Väter eine Herausforderung, ein paar faule Eier sind immer im Korb oder Camp oder Affenklan, jeder mag coole Graphic Novels. Wohin der Plot steuert, ist so offenkundig und konventionell, dass selbst der überzeugende Andy Serkis und die ansehnlichen Effekte der lose „Die Schlacht um den Planet der Affen“ folgenden Handlung keine echte Dynamik geben.

Die Charakterisierung folgt ein einem kruden Schwarz-Weiß-Konzept von Gut und Böse. Mit Ausnahme des Camp-Leiters Dreyfus, dem Gary Oldman einige psychologische Nuancen verleiht, sind die Guten gutaussehend und gutwillig, die Bösen hässlich und hinterhältig. Ceasar ist der idolisierte Alleinherrscher der Affen, die wohl beraten sind, ihrem weisen Führer zu folgen. Sonst herrscht Anarchie, die Befreiten landen wieder im Käfig oder werden per Sofortexekution beseitigt. Solche Praktiken werden dem Putschisten Koba als Ruchlosigkeit angekreidet, bei Ceasar hingegen sind sie notwendige Staatsräson. Die archaischen Rollenbilder, die zum einen eine patriarchalische Gesellschaftsordnung, zum anderen eine martialische Autokratie präsentieren, konterkarieren die vorgebliche Anti-Kriegs-Botschaft. Letzte mündet im Verrat ihrer humanistischen Grundsätze. Der Revoluzzer Ceasar wird zum heroisierten Despoten, der mit Menschenstimme seine früheren Thesen widerruft.

Fazit

„Affen töten keine Affen“, steht im Affenhort an der Felswand. Aber manche Affen sind keine Affen, ergänzt Ceasar. Das erinnert ein bisschen an „Animal Farm“, wo nach dem Aufstand der Tiere an der Scheune steht „Alle Tiere sind gleich“ und ein paar Jahre nach der Revolution: „Aber manche Tiere sind gleicher“. Das hatten die Schweine geschrieben.

Trailer

The Purge: Anarchy – Bloggerspecial zum Kinostart des Thriller-Sequels

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The Purge Anarchy Vorschau

Liebe Filmfutter-Fans,

morgen startet in den deutschen Kinos das Sequel zum Überraschungserfolg von 2013 The Purge – Die Säuberung. Unter dem Titel The Purge: Anarchy taucht die Fortsetzung erneut in eine Welt ein, in der einmal im Jahr 12 Stunden lang alle Verbrechen legal sind – einschließlich Mord. Während Teil 1 die Geschehnisse der Purge-Nacht noch in einem räumlich begrenzten Setting präsentierte (in einem Haus mit einer Familie), bringt The Purge: Anarchy die Zuschauer während der tödlichen Nacht auf die Straßen – ein Sequel, das die Messlatte wirklich höher legt als sein Vorgänger und für Fans von spannenden und temporeichen Thrillern  empfehlenswert ist (eine Langkritik folgt noch).

Anlässlich des Kinostarts haben wir uns nach längerer Pause wieder mit einigen Blogger-Kollegen zusammengeschlossen, um Euch ein Special zum Film zu bieten. Am Vorabend des Kinostarts, stellen wir Euch alle einen Gegenstand vor, mit dem wir uns gegen Eindringlinge in einer Purge-Nacht wehren würden.

Während manch einer zum großen Küchenmesser, zu einer Schaufel, einem Baseballschläger oder zur altbewährten Motorsäge greifen würde, habe ich mir eine alternative Lösung einfallen lassen. Ich stelle die ultimative Waffe gegen Purger (und auch andere menschliche Wesen) vor:

Trommelwirbel

….

The Purge 2 Special

Ganz genau – Ein Justin-Bieber-Foto. Ausgedruckt im Riesenformat, würde ich meine Tür, meine Hauswände und meine Fenster mit dem Foto des Popstars zupflastern, sodass die meisten Purger gar nicht erst in die Versuchung kommen, hier einzudringen. Schließlich kann ja nur ein kompletter Psychopath drin sein, der auf eine solche Idee kommt. Sollten einige wirklich Hartgesottene es aber dennoch wagen, wird bei deren Eindringen in die Wohnung auf meiner Musikanlage Biebers Musik in voller Lautstärke aufgedreht. Daraufhin erwarte ich bei den Angreifern die folgende Reaktion (Warnung: nicht für Zartbesaitete!)

Wie meine Blogger-Kollegen gegen potenzielle Purge-Anarchisten vorgehen würden, erfahrt Ihr hier:

Horrormagazin
Sidblog

Offizieller Filminhalt:

Sommer 2014: Wieder ist Purge-Night. Ein Paar sitzt aufgrund einer Autopanne auf offener Straße fest und auch eine hilflose Frau und deren Tochter sind dem Chaos der Purge-Night völlig ausgeliefert. Ein Polizist könnte ihre allerletzte Hoffnung sein, die Nacht zu überleben… "The Purge: Anarchy" "verspricht noch kompromissloser und spannungsgeladener zu werden als der erste Teil. (Quelle: Universal Pictures Germany)

Film- und Serien-News