Saphirblau-Stars Josefine Preuß und Kostja Ullmann im Interview

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Josefine Preuß Interview

Josefine Preuß und Kostja Ullmann bei der "Saphirblau"-Premiere in Köln © 2014 Concorde Filmverleih GmbH/Le Hai Linh Photography

Wir setzen unsere Interview-Reihe zu Saphirblau fort. Diesmal haben wir für Euch gleich ein Interview-Doppel mit zwei prominenten Nebendarstellern aus dem Film – Josefine Preuß und Kostja Ullmann. Beide können mittlerweile auf eine langjährige Karriere im Kino und im Fernsehen zurückblicken. Nichtsdestotrotz sind beide extrem bodenständig geblieben und waren in den Interviews grundsympathisch.

Erst vor zwei Jahren war Josefine Preuß mit Türkisch für Anfänger – Der Film im erfolgreichsten deutschen Film von 2012 im Kino zu sehen. Zuletzt begeisterte sie Millionen von Fernsehzuschauern in historischen Streifen wie Die Hebamme und Die Pilgerin. In Rubinrot und Saphirblau spielt sie die wichtige Rolle von Lucy Montrose – ein Part, der ihr wie auf den Leib geschrieben ist. In unserem Gespräch verriet sie uns, worauf ihre Faszination mit der Edelstein-Trilogie beruht, weshalb sie diese "Harry Potter" vorzieht und wie die Chancen von Türkisch für Anfänger 2 stehen.

Josefine Preuß

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Filmfutter: Hast Du den Film bereits gesehen?

Josefine Preuß: Nee, noch gar nicht. Die Premiere heute ist auch meine Premiere. Es gab wohl vorab ein Screening mit den Darstellern, aber zu der Zeit konnte ich nicht. Ich lasse mich heute also überraschen. Ich kann noch gar nichts zu dem Film sagen. Über das Drehbuch, die Dreharbeiten und die Vorlage kann ich erzählen, aber ich bin gespannt, wie der Film jetzt aussieht. Gerade darauf, wie unser Stunt funktioniert hat. Ich bin ja immer von diesen Zeitrücksprungaktionen fasziniert. Das war schon lustig zu drehen, aber jetzt will ich es auch sehen.

FF: Ihr werdet dann an den Seilen hochgezogen, oder? Wie fühlt sich das an?

JP: Toll. Ich liebe es, Stunts zu machen.

FF: Darfst Du viel selbst machen?

JP: Man darf nicht alles selbst machen. Aber ich versuche, so viel wie möglich selbst zu machen. Eben alles, was die Versicherung mitmacht, aber da gibt es strenge Vorgaben beim Film.

FF: Deine Rolle als Lucy ist im zweiten Film etwas wichtiger und emotionaler. Hast Du dich da auf eine bestimmte Szene im Vorfeld gefreut?

JP: Shakespeare zu treffen! Ich muss dazu sagen, dass ich die Thematik der Edelstein-Trilogie schon viel länger kenne, weil ich schon damals für Kerstin Gier die Hörbücher einlesen durfte. Ich weiß noch, wie ich beim Einsprechen des zweiten Teils, „Saphirblau“, im Hörbuchstudio saß und dachte: „Mein Gott, hier wird die ganze Zeit von rothaarigen Frauen geredet, die in der Zeit reisen. Also wenn ich beim Film nicht für eine Rolle angefragt werde, dann fresse ich ’nen Besen!“ Und dann war es wirklich einige Wochen später so weit für Rubinrot. Wenn man weiß, wie wichtig die Rolle von Lucy ist, was sie inhaltlich in der Geschichte ist und was sie für Gwendolyn ist, dann weiß man, was für ein interessanter Charakter sie ist. Ich wollte sie unbedingt spielen. Ich fand die Bücher aber auch alle richtig schön. Ich bin nie auf „Harry Potter“ kleben geblieben, das war mir zu sehr „Muggels“ und die abgefahrene Fantasywelt (lacht), aber die Edelstein-Trilogie ist für mich echt gute Unterhaltung – sowohl im Buch als auch im Film.

FF: Stimmt, Du hast in Vergangenheit in anderen Interviews schon erwähnt, dass Du kein Fan von „Harry Potter“ bist. Wo siehst du den Unterschied zwischen „Harry Potter“ und der Edelstein-Trilogie? Einige sagen ja, die Trilogie sei das „deutsche Harry Potter“…

JP: Ich würde das auch gar nicht vergleichen. Geschichten sind dazu da, um zu erzählen. Ob sie nun realistisch sind oder nicht, ist egal. Ich muss mich in Geschichten verlieren und sie müssen mich fesseln. Das Schönste an einem Buch oder einem Film ist, wenn du vergisst, dass es ein Buch oder ein Film ist. Mit „Harry Potter“ bin ich nie warm geworden. Zauberlehrlinge in einer Zauberschule…das war nicht mein Ding. Bei der Edelstein-Trilogie finde ich die Thematik von Zeitreisen echt super. Und auch als Filme – für die Zielgruppe und als ein Unterhaltungs- und Familienfilm haben Rubinrot und Saphirblau einfach alles dabei. Wir haben ein bisschen Action, wir haben ein bisschen Drama, wir haben eine ganz tolle Liebesgeschichte – eine moderne Variante von „Romeo und Julia“. Eigentlich gibt es ja sogar zwei Liebespaare – Lucy und Paul sind die Vorreiter von Gwen und Gideon. Es ist einfach eine schöne, verflochtene Geschichte mit tollen, starken Charakteren und einer guten Besetzung.

FF: Als Du die Romane zum ersten Mal gelesen hast, hast Du dir also schon vorgestellt Lucy zu spielen?

JP: Damals nicht speziell Lucy. Ich dachte nur, dass bei rothaarigen Frauen, die durch die Zeit reisen…tja, so viele rothaarige Schauspielerinnen gibt es in Deutschland gar nicht. Bei den Hörbuchaufnahmen zu „Saphirblau“ wurden schon Gerüchte laut, dass die Reihe verfilmt werden soll. Ich fand es auch ganz toll, dass Kerstin Gier die Rechte in Deutschland gelassen hat. Das hat Cornelia Funke mit „Tintenherz“ ja anders gemacht. Das finde ich ganz toll, weil wir’s auch können. Kerstin Gier hätte damit auch nach Amerika oder England gehen können, die Bücher sind auch dort erfolgreich. Ich habe beim Einsprechen damals schon verkündet, dass ich schon gerne angefragt werden würde. Es war klar, dass ich nicht die Hauptrolle spielen konnte, aber Lucy zu spielen hat mich total gefreut! Lucy ist ein toller Charakter. Sie ist sehr geheimnisvoll, in dem, was sie zu verbergen hat und gerade in Saphirblau wird jetzt ganz klar, was für eine große Bedeutung sie hat.

Josefine Preuß Interview

FF: Du warst in relativ kurzer Zeitspanne in zwei Fantasyfilmen, Rubinrot und Saphirblau, und einem Horror-Mysterythriller, Lost Place, zu sehen. Das sind allesamt Genres, die in Deutschland nicht häufig vertreten sind…

JP: Die auch nicht gut laufen in Deutschland. Schade.

FF: Hast Du ein Faible für diese Genres?

JP: Gar nicht. Man könnte dann ja auch behaupten, dass ich ein Faible für Historienfilme habe, wenn ich Adlon, Die Pilgerin oder Die Hebamme drehe. Ich will immer möglichst unterschiedliche Sachen drehen und vor allem tolle Geschichten erzählen. Wenn du ein Drehbuch liest, weißt du nicht, ob der Film oder die Serie gut oder erfolgreich wird, ob wie bei Türkisch für Anfänger über 2 Millionen ins Kino gehen oder wie bei Lost Place nur drei Zuschauer. Das weiß ich nicht, aber danach richte ich meine Projekte nicht aus. Es muss mich beim Lesen packen.

FF: Aber woran liegt es, dass die Genrefilme hierzulande nicht so gut laufen?

JP: Weil es immer dieses Vorurteil gibt, dass wir es nicht so gut wie die Amerikaner können, dass wir nicht die technischen Mittel hätten, um Spezialeffekte gut aussehen zu lassen. Das ist Quatsch. Wenn man genug Geld hat und die richtigen Leute, dann sieht das auch in Deutschland fett aus. Aber das traut sich keiner. Was in Deutschland funktioniert, sind eben Romantic Comedies. Aber ich glaube, da ist der Markt auch übersättigt. Also ich kann mir jetzt nicht Kokowääh 23 anschauen (lacht). Es gibt noch andere Geschichten zu erzählen. Es muss auch nicht immer knallen und explodieren. Auch US-Filme wie Station Agent oder Juno sind tolle Streifen mit einer tollen Geschichte. Es passiert kaum was, aber sie sind super. Das wird in Deutschland nie funktionieren.

FF: Die Studios in Deutschland trauen sich nicht viel.

JP: Mutlos, ja. Wir haben echt gute Leute, Autoren. Es gibt einige echt gute, junge und motivierte Leute im Geschäft, aber sie müssen erstmal von den Produzenten angenommen werden und das dauert ein bisschen. Ich finde auch, dass in unserem Serienmarkt noch so viel passieren muss.

FF: Du hast ja auch kürzlich große Erfolge im Fernsehen gehabt, mit Die Pilgerin und Die Hebamme. Wenn man jetzt nach USA schaut, dann können dort die Serien locker mit dem Kino mithalten. Denkst Du, dass es in Deutschland irgendwann auch so weit sein wird?

JP: Nicht so wie in Amerika, aber wir sind noch sehr ausbaufähig, was Serien anbelangt. Es gibt immer 2-3 Perlen, die funktionieren. „Danni Lowinski, „Der letzte Bulle“„Der Tatortreiniger“ ist toll oder auch Dominik Grafs Miniserie „Im Angesicht des Verbrechens“. Selbst „Türkisch für Anfänger“ war toll oder auch „Berlin, Berlin“. Wir müssen uns trauen und es ist auch in der Verantwortung der Sender; nicht eine Staffel zu produzieren und dann nach der zweiten Folge zu sagen: „Oh, wir erreichen die Marktanteile nicht, also schicken wir es ins Nachtprogramm.“ Man muss den Leuten auch ein bisschen Zeit geben, sich daran zu gewöhnen. Hätten wir bei „Türkisch für Anfänger“ alles nach Quoten beurteilt, wäre es nie zum Kinofilm gekommen, denn auch unsere Quoten waren bescheuert. Wenn man eine Serie produziert, dann soll man sie bitte auch senden. Es muss so schlimm für die Darsteller und die Crew sein, wenn du ein halbes Jahr deines Lebens damit verbringst, etwas auf die Beine zu stellen und es dann weggesendet oder gar nicht gesendet wird. Das muss furchtbar sein und ich glaube, das ist der Grund, weshalb gerade jetzt viele gute Leute keine Serien machen wollen. Man weiß nie, ob es ein fester Job ist oder ob es nur die Pilotfolge ist, die läuft. Da muss sich in Deutschland was ändern.

FF: Arbeitest Du lieber für das Kino oder fürs Fernsehen?

JP: Ich mache da gar keinen Unterschied. Man spielt ja auch nicht anders für die Kamera. Kamera ist Kamera… Man erreicht nur vielleicht ein unterschiedliches Publikum. Was wir in Deutschland richtig gut können, sind Mehrteiler, wie „Adlon“ oder „Unsere Mütter, unsere Väter“. Was war das für ein hammermäßiges deutsches Fernseh-Event! Wir können es! Das funktioniert richtig gut. Und damit erreichst du auch 6-7 Millionen, die du mit einem Kinofilm kaum erreichen kannst. Es gibt bestimmte Projekte, die nur im Fernsehen funktionieren.

FF: Merkst Du am Set einen Unterschied zwischen einem Kinofilm und einer Fernsehproduktion?

JP: Der Aufwand am Set eines Kinofilms ist schon ein bisschen größer. Aber nicht die Motivation oder der Wille der Leute, etwas Gutes zu machen. Beim Kino, je nachdem wo die Förderung herkommt, ist man auch viel mehr unterwegs. Fernsehen ist etwas kleiner, gemütlicher und familiärer.

FF: Ein Thema, das mir bei Rubinrot und Saphirblau stark aufgefallen ist, ist Emanzipation. Frauen werden innerhalb der Loge als minderwertig gesehen und starke Frauen wie Lucy oder Gwen müssen sich erst beweisen. Leider ist diese Ungleichheit auch ein Thema, das in der Gesellschaft immer wieder noch auftritt.

JP: Findest du? Wir haben immerhin eine Kanzlerin und eine Verteidigungsministerin.

FF: Und dennoch sind beispielsweise die Gehälter von Männern und Frauen in gleichen Positionen nicht gleich.

JP: Das stimmt, 7% weniger, habe ich gelesen. Aber diese Ungleichheit kennt man und man sagt ja auch, dass Frauen anders verhandeln müssen. Was ich aber noch viel schlimmer finde, ist die Ungleichheit zwischen West und Ost. Dass das mehr als 22 Jahre nach Mauerfall immer noch so ist, stört mich viel mehr. Aber das betrifft glücklicherweise nicht meine Branche. Das Problem der Ungleichheit zwischen Männern und Frauen merke ich in der Filmbranche aber selbst zum Glück nicht. Bei unserem Film hatten wir ja auch einen Mann und eine Frau als Regisseure.

FF: Wie war es eigentlich, unter zwei Regisseuren zu arbeiten?

JP: Das war nicht das erste Mal, dass ich das hatte. Wenn die Regisseure sich im Vorfeld einig sind, merkst du nur einen Regisseur, auch wenn da zwei stehen.

FF: Kannst Du uns etwas zu deinen künftigen Projekten verraten?

JP: Am 13. und 15. Oktober kommt „Alles muss raus“. Darin geht es um den Untergang einer Drogeriemarktkette, mit der Schlecker-Affäre als Vorlage. Es ist wieder eine Oliver-Berben-Produktion. Dann wird der vierte Teil meiner „Lotta“-Reihe Ende oder Anfang des Jahres gesendet.

FF: Was natürlich sehr viele Deiner Fans interessiert – wie stehen die Chancen von einem zweiten Türkisch-für-Anfänger-Film?

JP: Ich habe die Info, dass zunächst Fack Ju Göhte 2 gedreht wird. Das wird nächstes Jahr geschehen und Bora (Dagtekin) hat bestimmt nicht die Zeit und die Muse zwei Filme in einem Jahr zu machen, also wird man wahrscheinlich 2014 und 2015 von Türkisch für Anfänger 2 nichts hören. Aber sag niemals nie!

FF: Du wurdest bestimmt schon sehr häufig in den Interviews gefragt, in welche Zeit Du gerne zurückreisen würdest. Ich habe eine andere Variante der Frage. Wenn Du Deinem jüngeren Ich begegnen könntest, welche Weisheit oder welchen Ratschlag würdest Du ihr auf den Weg geben?

JP: Mach alles genau so, nur noch lauter. Sag wirklich immer, wenn dir was gegen den Kragen geht. Ich war zu oft zu brav. Ich hätte mehr ausrasten sollen an bestimmten Punkten. Ein bisschen auf die Kacke hauen. Das sollten eh generell alle mehr machen.

FF: Vielen Dank für das Interview!

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Kostja Ullmann

Kostja Ullmann, den die deutschen Kinogänger durch Filme wie Stelungswechsel oder Groupies bleiben nicht zum Frühstück kennen, hat in Saphirblau leider nur einen ziemlich kurzen Auftritt als der hilfreiche, wenn auch manchmal irritierende Geist James Pimplebottom. In unserem Interview verriet er den Grund, weshalb die Rolle diesmal so kurz ausfiel, versprach mehr von James für Smaragdgrün und erzählte von seiner Arbeit mit den Hollywood-Stars Philip Seymour Hoffman, Willem Dafoe und Rachel McAdams bei A Most Wanted Man.

Filmfutter: Deine Rolle in dem Film war leider relativ kurz. Findest Du nicht auch, dass James mehr Szenen haben sollte?

Kostja Ullmann: (lacht) Spaß hätte ich auf jeden Fall! Leider hatte ich letztes Jahr kaum Zeit, um den Film zu drehen, weil ich noch in anderen Projekten steckte. Deswegen konnte ich in Saphirblau nur einen kleinen Auftritt haben. Gerade habe ich aber schon mit Felix (Fuchssteiner), dem Regisseur, darüber gesprochen, dass die Rolle im dritten Teil, Smaragdgrün, größer werden würde und ich auch mehr Auftritte haben würde.

FF: Das heißt, im dritten Teil würde man dann auch endlich mehr über die Figur erfahren – wer James ist, warum er ein Geist ist und so weiter?

KU: Ja, genau, das würde alles beantwortet werden.

FF: Gibt es schon konkrete Pläne für den dritten Film?

KU: Konkret weiß ich das nicht, das wissen die Regisseure. Ich kann mir vorstellen, dass es gemacht wird. Natürlich hängt das aber auch davon ab, wie Saphirblau anläuft. Ich habe bislang nur Tolles gehört und ich bin schon gespannt, ihn heute zum ersten Mal zu sehen.

FF: Inwiefern würdest Du sagen ist Deine Figur, James, für die Geschichte der Filme wichtig?

KU: Er ist insofern wichtig, als dass er ein guter Ansprechpartner für Gwen ist. Sie ist ja auch die einzige, die ihn sehen kann und er kann ihr immer wieder gute Tipps geben, wie sie sich zu benehmen hat in der damaligen Zeit, welche Umgangsformen es gab und wem sie aus dem Weg gehen sollte.

FF: Hast Du die Bücher vor dem Dreh gelesen?

KU: Ich habe sie gelesen, als ich von dem Projekt erfahren habe. Ich habe das Drehbuch bekommen, habe dann auch den Roman gelesen. Natürlich habe ich auch bemerkt, dass es Unterschiede gibt zwischen dem Roman und dem Drehbuch, was aber normal ist. Man kann nicht alles übernehmen, sonst muss man auch wie bei Der Herr der Ringe zig Teile daraus machen (lacht). Natürlich muss man alles auch filmischer machen, um eine andere Spannung aufzubauen. So muss dann auch eine Rolle wie James, die im Buch anfangs vielleicht etwas größer ist, in den Filmen vorerst kleiner gemacht werden, weil die Schwerpunkte woanders gesetzt werden.

FF: Stand der Look Deines Charakters von Anfang an so fest oder wurde da Verschiedenes ausprobiert?

KU: Es gibt ja schon die Vorlage aus dem Buch, sodass man weiß, was das für ein Typ ist. Aber natürlich haben wir auch mit den Kostümen viel herumprobiert und geschaut, wo es hingeht und womit ich mich wohl gefühlt habe. Für mich war es natürlich eine Herausforderung, weil ich einerseits den Fans gerecht werden wollte, andererseits aber auch etwas Eigenes in die Rolle einbringen wollte. Durch meine Haltung und durch mein Spiel habe ich James mitentwickelt und das hat enorm viel Spaß gemacht, auch wenn es beim zweiten Film leider nur ein kurzes Vergnügen war.

Kostja Ullmann Josefine Preuß Interview 2

FF: Wie lange hast Du in der Maske verbracht?

KU: Es waren immer etwa eine halbe bis eine ganze Stunde. Die Perücke war nicht immer einfach draufzukleben, zumal ich zu der Zeit eigentlich etwas längere Haare hatte. Aber die Maskenbildner sind irgendwann auch sehr eingespielt und dann geht es in einer halben Stunde. Das Kostüm war natürlich auch eine Herausforderung. Das bedarf immer helfender Hände, allein schafft man es gar nicht.

FF: Hattest Du nicht die Versuchung, nach dem Dreh den Fächer, den Dein Charakter immer trägt, als Souvenir mitzunehmen?

KU: Lieber nicht, sonst gewöhne ich mir das noch an! Obwohl es natürlich ein schönes Andenken an die James-Rolle ist.

FF: Bist Du eigentlich selbst ein Fantasy-Fan?

KU: Lustigerweise bin ich eigentlich gar kein riesiger Fantasy-Fan, obwohl ich nach dem Lesen der Bücher schon irgendwie zum Fan wurde. Das Tolle an dieser Trilogie sind Zeitreisen. Das finde ich sehr spannend, weil das so viel möglich macht.

FF: Hast du Deinen Lieblings-Zeitreisefilm?

KU: Ich bin mir Zurück in die Zukunft aufgewachsen und darüber geht einfach nichts. Der ist großartig. Der erste war natürlich ein Klassiker, aber auch Teil 2, als es dann wirklich in die Zukunft ging, war super. Das fliegende Skateboard war einfach super! Die Filme bleiben auch bis heute toll.

FF: Du hast ja auch schon vor Rubinrot und Saphirblau eine erfolgreiche Karriere gehabt. Merkst Du schon die Auswirkungen dieser Filme, insofern als dass die Fans Dich speziell auf diese Rolle ansprechen?

KU: Gerade über die sozialen Netzwerke bekommt man natürlich mit, wie viele Fans die Trilogie hat. Schon vor den Dreharbeiten gab es natürlich schon eine große Fangemeinde, die nach dem ersten Film noch größer wurde. Das bekommt man natürlich mit. Über die sozialen Netzwerke wird sehr viel geschrieben und gepostet und da freue ich mich natürlich, wenn ich selbst mit dieser kleinen Rolle die Leute glücklich machen und ihre Vorstellung bestätigen konnte.

FF: Bald kommt ein weiterer Film mit Dir in die Kinos, die John le Carré-Verfilmung A Most Wanted Man. Wie war es denn, mit großen Hollywood-Stars wie Philip Seymour Hoffman, Willem Dafoe und Rachel McAdams zu drehen?

KU: Das war natürlich in den ersten Tagen wahnsinnig aufregend. Es war total beeindruckend mit solchen großartigen Schauspielern, die ihren Beruf so beherrschen, vor der Kamera zu stehen. Gerade Philip Seymour Hoffman, der so in diese Rolle hineinschlüpfte und sich so von sich selber entfernte – da muss man aufpassen, dass man in der Szene nicht selbst aufhört zu spielen und nur noch zuschaut, weil es so faszinierend ist. Auch von Willem Dafoe war ich sehr beeindruckt, weil er einfach so bodenständig ist. Es sind einfach tolle Schauspieler, aber genau so toll ist es auch, mit deutschen Schauspielern zu spielen, die einfach ihr Fachwerk so beherrschen. Das ist immer klasse.

FF: Es war für Dich bestimmt auch cool, in Deiner Heimatstadt Hamburg zu drehen.

KU: Vor allem war es nicht einfach nur toll, zu Hause zu drehen, sondern der Regisseur Anton Corbijn hat Hamburg auch von einer anderen Seite gezeigt und das war fantastisch.

FF: War die Arbeit am Set anders verglichen mit rein deutschen Produktionen?

KU: Es ist alles ein bisschen größer. Es gibt natürlich einen Trailerpark für die ganzen Schauspieler. Es steckt auch mehr Geld drin, man hat auch mehr Zeit und dadurch gibt es weniger Hektik am Set. Aber letztendlich machen sie ja auch genau so einen Film, wie alle anderen. Die Arbeit ist essentiell die Gleiche. Natürlich arbeitet jeder Regisseur anders und jeder Kameramann arbeitet anders, aber das ist nicht besser oder schlechter.

FF: Nachdem Du jetzt mit einigen Hollywood-Stars zusammengearbeitet hast, wer steht ganz oben auf Deiner Wunschliste von den Stars, mit denen Du gerne gemeinsam einen Film drehen würdest – egal ob deutsch oder aus dem Ausland?

KU: Schwierig…Ich glaube, wen ich ganz cool fände ist Gael García Bernal aus Y Tu Mamá También. Er ist ein bemerkenswerter Schauspieler. Aus Deutschland fände ich Daniel Brühl interessant. Bei A Most Wanted Man konnte ich in einer kleinen Rolle mit ihm zusammenarbeiten, aber eine größere Rolle fände ich sehr interessant. Er ist nicht nur ein toller Schauspieler, sondern auch ein wahnsinnig sympathischer Kerl.

FF: Was kannst Du uns zu Deiner Komödie Coming In, von Marco Kreuzpaintner verraten?

KU: Es wird eine schöne romantische Komödie, die von einem Starfriseur à la Vidal Sassoon handelt. Ere hat einen funktionierenden Laden und bringt auch Shampoos und andere Pflegeprodukte auf den Markt, alles nur für Männer. Er verliebt sich in eine Frau. Das Merkwürdige an der Sache ist jedoch, dass er eigentlich schwul ist und in einer funktionierenden Beziehung lebt. Diese Frau stellt plötzlich sein ganzes Leben auf den Kopf. In der heutigen Gesellschaft ist es ja leider nicht „normal“, dass man sich einfach in einen Menschen verliebt und nicht das Geschlecht und so wird das erstmal zu einem Problem.

FF: Also räumt der Film auch mit Klischees auf?

KU: Total. Natürlich spielt er aber auch mit Klischees, aber er räumt auch auf. Die Message ist einfach, dass man aufhören sollte, in Schablonen zu denken. Es geht um Liebe und nicht um Geschlechter und Normen

FF: Coming In and A Most Wanted Man sind ja bereits abgedreht. Woran arbeitest Du aktuell?

KU: Vor einer Woche habe ich erst einen Film mit dem Titel Drei Türken und ein Baby abgedreht, eine sehr schöne Komödie, mit zwei tollen Schauspielern, Kida Ramadan und Eko Fresh, dem Kölner Rapper. Wir spielen drei Brüder, die unverhofft an ein Baby geraten, es nicht loswerden können und damit zurechtkommen müssen. Der Titel ist natürlich angelehnt an Drei Männer und ein Baby, aber die Story ist ganz anders. Es gibt sehr viele lustige Momente ein dem Film. Regie führte Sinan Akkus, der mit Evet, ich will seinen ersten Film drehte. Er hat einen unglaublichen Humor. Ich bin sehr gespannt, wie er ankommen wird. Ich bin sehr stolz auf diesen Film. Er wird im Frühjahr nächsten Jahres in die Kinos kommen.

FF: Zum Abschluss noch eine Frage zu Zeitreisen. In den Büchern darf man nicht in eine Vergangenheit reisen, in der man schon selber existiert. Angenommen aber Du könntest Dein jüngeres Ich besuchen, welchen Ratschlag oder welche Weisheit würdest Du ihm auf den Weg geben?

KU: Ich würde ihm sagen: „Reiß dich in der Schule mehr zusammen und gib dir mehr Mühe! Lerne mehr!“ (lacht). In der Schule war ich doch sehr nachlässig. Sonst würde ich, glaube ich, nicht viel mehr sagen, weil letztendlich doch alles toll war und die Fehler, die man gemacht hat, gehören einfach dazu und man lernt auch daraus. Ich hatte eine tolle Kindheit, eine super Familie, meine Eltern haben einen tollen Job gemacht. Ich bin mit vielen Fehlern aufgewachsen und trotzdem bin ich jetzt ein sehr glücklicher Mensch, zufrieden mit meinem Beruf, mit mir selber. Es ist wichtig, dass man das sagen kann, ohne zu viel von sich selber zu halten.

FF: Vielen Dank für das Interview, Kostja.

von Arthur Awanesjan

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Saphirblau läuft seit dem 14.08. in den deutschen Kinos.

Weitere Interviews aus dem Saphirblau-Special:

Maria Ehrich

Jannis Niewöhner

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